Der Nutzen von Japa
Die Wiederholung eines Mantras oder eines Namen Gottes heißt
Japa. Japa ist ein wichtiges Anga (Glied) im Yoga. Es ist spirituelle
Nahrung für die hungrige Seele. Japa ist der Stock in der Hand
des blinden Sadhaka, um sich auf der Straße zur Verwirklichung
weiterzuschleppen. Japa ist der Stein des Weisen, das göttliche
Elixier, das Gottgleichheit schenkt. In diesem eisernen Zeitalter ist
Namasmarana, Japa, der einfachste, rascheste und sicherste Weg, um zu
Gott zu kommen und Unsterblichkeit und ewige Freude zu erlangen.
Japa reinigt das Herz. Japa beruhigt den Geist. Japa zerstört
Geburt und Tod. Japa verbrennt Sünden. Japa verzehrt Samskaras.
Japa beseitigt Verhaftung. Japa bringt Vairagya. Japa entwurzelt alle
Wünsche. Japa macht furchtlos. Japa beseitigt Täuschung. Japa
gibt höchsten Frieden. Japa entwickelt Prem. Japa verbindet den
Gläubigen mit Gott. Japa schenkt Gesundheit, Wohlstand, Stärke
und langes Leben. Japa bringt Gottesbewußtsein. Japa erweckt die
Kundalini. Japa bringt ewige Wonne.
Japa ist wie ein schönes, erfrischendes und anregendes spirituelles
Bad. Es wäscht auf wunderbare Weise den subtilen Astralkörper.
Die Kraft des Namen
Gottes
In jedem Wort ist eine Shakti. Wenn man Worte wie ‘Exkremente’ oder
‘Urin’ ausspricht, während der Freund ißt, wird er vielleicht
auf der Stelle sein Essen erbrechen. Wenn Du an ‘Garam Pakoda’, ‘heiße
Pakoda’ denkst, wird Dein Mund wäßrig werden. Wenn jemand
plötzlich ruft ‘Skorpion! Skorpion!’ oder ‘Schlange! Schlange!’
siehst Du sofort einen Skorpion oder eine Schlange und springst erschreckt
auf. Wenn jemand Dich ‘Esel’ nennt, bist Du verärgert und zeigst
Deinen Zorn.
Wenn schon in den Namen gewöhnlicher Dinge dieser Welt eine solche
Kraft liegt, wie groß muß dann die Kraft sein, die im Namen
Gottes liegt! Gott ist die Vervollkommnung der Fülle der Existenz.
Daher ist auch der Name, der Ihn bezeichnet, voll und vollkommen. Daher
ist die Kraft des Namens Gottes nicht berechenbar, denn er ist die Spitze
oder der Zenit der Kraft. Der Name Gottes kann alles erreichen. Für
ihn ist nichts unmöglich. Er ist das Mittel, um Gott Selbst zu
erreichen. So wie der Name eines Dinges dieser Welt das Bewußtsein
dieses Dinges im Geist entstehen läßt, läßt der
Name Gottes Gottesbewußtsein im gereinigten Geist entstehen und
wird zur direkten Ursache der Verwirklichung der höchsten Vollkommenheit
Gottes.
Der Name Gottes, ob er korrekt oder unkorrekt, wissentlich oder unwissentlich,
sorgfältig oder unsorgfältig gesagt wird, gibt sicherlich
das gewünschte Ergebnis. So wie die Eigenschaft des Brennens für
das Feuer natürlich und ihm innewohnend ist, so ist auch die Kraft,
Sünden mit ihren Wurzeln und Verzweigungen zu zerstören und
den Aspiranten durch Bhava Samadhi in wonnevolle Vereinigung mit Gott
zu bringen dem Namen Gottes natürlich und innewohnend.
Die Herrlichkeit des göttlichen Namens kann nicht durch Überlegung
und Verstand bewirkt werden. Sie kann nur durch Hingabe, Glauben und
ständige Wiederholung des Namens verwirklicht werden.
Pingala war eine Ganika, eine Prostituierte. Sie erhielt von einem
Dieb einen Papagei als Geschenk der Liebe. Der Papagei war darauf abgerichtet,
den Namen ‘Shri Rama, Shri Rama’ zu sagen. Pingala wußte überhaupt
nichts von Ramanama. Sie hörte den Klang Rama, Rama durch den Mund
des Papageis. Es war sehr melodiös und bezaubernd. Pingala mochte
es sehr. Sie heftete ihren Geist auf das vom Papagei wiederholte Ramanama
und trat auf geheimnisvolle Weise in Bhava Samadhi, die Vereinigung
mit Rama, ein.
Ajamila war zuerst ein rechtschaffener Brahmane. Er verliebte sich
in ein Mädchen aus einer unteren Kaste und beging ein Reihe schrecklicher
Verbrechen. Als er starb, nannte er den Namen seines Sohnes Narayana;
da kamen die Sendboten von Gott Narayana Selbst ihm zu Hilfe, und Ajamila
war für immer aus dieser Welt befreit.
Die größten Sünder können durch den Segen des
Namens Gottverwirklichung erlangen. Es gibt nichts, was nicht durch
den göttlichen Namen zu erreichen wäre. Der Name Gottes ist
allmächtig.
Mantra
Yoga - eine exakte Wissenschaft
Ein Mantra ist eine in eine Klangstruktur gefaßte Göttlichkeit.
Es ist göttliche Kraft, die sich in einem Klangkörper manifestiert.
Das heilige Mantra, der göttliche Name, ist ein lebendiges Symbol
für die höchste Göttlichkeit, die sich den selbstverwirklichten
Weisen in den innersten Tiefen der göttlichen Einheit in den uralten
Zeiten der Veden und Upanishaden enthüllte. Diese Symbole sind
ihrem Wesen nach der unfehlbare Schlüssel, um Zutritt in die transzendentalen
Bereiche der absoluten Erfahrung zu erhalten.
Die sechs Teile
eines Mantras
Mantra Yoga ist eine exakte Wissenschaft. Ein Mantra besteht aus sechs
Teilen. Es hat einen Rishi, der durch dieses Mantra zum ersten Mal Selbstverwirklichung
erlangte und dieses Mantra der Welt gab. Er ist der Seher dieses Mantras.
Der Weise Vishwamitra ist der Rishi des Gayatri Mantras. Zweitens hat
das Mantra ein Versmaß, das die Stimmlage steuert. Drittens hat
das Mantra ein Devata, eine kosmische Energie, ein niedrigeres oder
höheres übernatürliches Wesen, als beseelende Kraft.
Dieses Devata ist die Gottheit, die dem Mantra vorsteht. Viertens hat
das Mantra ein Bija, einen Samen. Der Same ist ein bedeutsames Wort
oder eine Reihe von Worten, die dem Mantra eine besondere Kraft geben.
Das Bija ist die Essenz des Mantras. Fünftens hat jedes Mantra
eine Shakti. Die Shakti ist die Energie in Form des Mantras, d.h. der
Schwingungsformen, die durch Klänge geschaffen werden. Sie bringen
den Menschen zu dem verehrten Devata. Letztlich hat das Mantra eine
Kilaka, Säule oder Bolzen. Sie verschließt das im Mantra
verborgene Mantra Chaitanya. Sobald das Siegel durch ständige und
fortgesetzte Wiederholung des Namens entfernt worden ist, enthüllt
sich das verborgene Chaitanya. Der Meditierende hat dann den Darshan
(Vision) des Ishta Devata.
Klang und Bild
Klänge sind Schwingungen. Sie lassen ganz bestimmte Formen entstehen.
Jeder Klang schafft eine Form in der sichtbaren Welt. Zusammensetzungen
von Klängen schaffen komplexe Formen.
Die Wiederholung eines Mantras besitzt die geheimnisvolle Kraft, die
Manifestation der Göttlichkeit entstehen zu lassen, so wie die
Spaltung des Atoms die ungeheuren Kräfte manifest werden läßt,
die darin liegen. Wenn ein bestimmtes Mantra, das einem bestimmten Gott
zugeordnet ist, richtig wiederholt wird, schaffen die Schwingungen,
die auf diese Weise erzeugt werden, in den höheren Ebenen eine
bestimmte Form, die diese Gottheit für den entsprechenden Zeitraum
beseelt. Die Wiederholung des Panchakshara (fünfsilbiges) Mantras
- Om Namah Shivaya - läßt die Form von Shiva entstehen. Das
Wiederholen von Om Namo Narayanaya, das Ashtakshara (achtsilbiges) Mantra
von Vishnu, läßt die Form von Vishnu entstehen.
Kraft verschiedener
Mantras
Mantras können Lob und Bitte an die Gottheiten sein, wenn man
der Hilfe und Gnade bedarf. Manche Mantras beherrschen die bösen
Geister und bestimmen über sie. Durch die fortwährende Wiederholung
des Mantras nimmt der Sadhaka die Tugenden und Kräfte der Gottheit
in sich auf, die das Mantra beherrscht.
Das Wiederholen des Surya Mantras gibt Gesundheit, langes Leben, Kraft,
Vitalität und Tejas, Strahlen. Es beseitigt alle Krankheiten von
Körper und Auge. Ein Feind kann keinen Schaden zufügen.
Das Wiederholen des Saraswati Mantras - Om Aim Saraswatyai Namah -
schenkt Weisheit, Klugheit und Gelehrsamkeit. Man ist inspiriert und
schreibt Gedichte. Man wird ein großer Gelehrter.
Die Wiederholung von Om Shri Mahalakshmyai Namah schenkt Wohlstand
und beseitigt Armut.
Das Ganesha Mantra beseitigt alle Hindernisse bei jedem Unterfangen.
Es schenkt Weisheit und auch Siddhi, Wohlstand usw.
Das Maha Mrityunjaya Mantra bewahrt vor Unfällen, unheilbaren
Krankheiten und Notfällen und schenkt langes Leben und Unsterblichkeit.
Es ist auch ein Moksha Mantra. Wer täglich Japa dieses Mantras
macht, wird sich guter Gesundheit und langen Lebens erfreuen und am
Ende Moksha erlangen.
Die Wiederholung des Subrahmanya Mantras - Om Shri Sharavanabhavaya
Namah - schenkt Erfolg bei jedem Unternehmen und macht ruhmvoll. Es
beseitigt schlechte Einflüsse und böse Geister.
Das Wiederholen des Shri Hanuman Mantras - Om Shri Hanumate Namah -
schenkt Sieg und Stärke.
Die Wiederholung von ein und ein Viertel Lakh (125000) von Gayatri,
Pranava, Om Namah Shivaya, Om Namo Narayanaya, Om Namo Bhagavate Vasudevaya
mit Bhava, Vertrauen und Hingabe wird Mantra Siddhi schenken.
Om, Soham, Shivoham und Aham Brahmasmi sind Moksha Mantras. Sie helfen
zur Erlangung von Selbstverwirklichung.
Om Shri Ramaya Namah oder Om Namo Bhagavate Vasudevaya sind Saguna
Mantras, die zuerst Saguna Verwirklichung ermöglichen und dann
Nirguna Verwirklichung.
Man kann durch Japa jeden Mantras Gottverwirklichung erreichen. Alle
Mantras haben dieselbe Kraft oder Wirksamkeit.
Der Schurke Ratnakara wurde zum Weisen Valmiki da er ‘Mara, Mara’,
die umgekehrte Form vom Rama, wiederholte. Tukaram, der Maharashtra
Heilige, hatte wiederholt direkten Darshan von Shri Krishna, indem er
einfach ‘Vitthal, Vitthal’, den Namen von Krishnas Gottheit in Pandharpur,
wiederholte. Dhruva, der wunderbare hingebungsvolle Knabe, wiederholte
Om Namo Bhagavate Vasudevaya, das Dwadasakshara Mantra Krishnas, und
erfuhr Seinen Darshan. Prahlada sprach ‘Narayana, Narayana’ und sah
Hari von Angesicht zu Angesicht. Ramdas, der spirituelle Lehrer von
Shivaji, wiederholte drei Kror (30 Millionen) des Rama Mantras “Shri
Ram, Jaya Ram, Jaya Jaya Ram”, wobei er im Wasser des Godavari stand.
Er wurde ein großer Heiliger. Der berühmte Swami Vidyaranya,
der Verfasser des Panchadashi, hatte den direkten Darshan von Mutter
Gayatri durch das Japa des Gayatri Mantras.
Mantra-Diksha,
die Einweihung in den göttlichen Namen
Es ist besser, wenn man sein Mantra von seinem Guru erhält. Das
hat eine unglaubliche Wirkung auf den Schüler. Der Guru gibt seine
Shakti mit dem Mantra. Mantra-Chaitanya, die im Mantra verborgene Kraft,
wird leicht erweckt.
Wenn man keinen Guru bekommen kann, kann man nach Vorliebe und Geschmack
irgendein Mantra wählen und es täglich mit Shraddha und Bhava
wiederholen. Das hat auch einen sehr reinigenden Effekt. Man erreicht
Gottverwirklichung.
Es ist besser, bei nur einem Mantra zu bleiben. Wenn man Krishna liebt,
soll man ihn allein bis zum Ende lieben. Sieh Krishna in Rama, Shiva,
Durga, Gayatri und in jedem. Shri Krishna drei Monate lang zu lieben,
weitere drei Monate Rama, Shakti sechs Monate, Hanuman einige Zeit lang
und Gott Shiva einige Zeit, ist nicht gut.
Praktische Hilfen
für Japa
Die besten Zeiten für Japa sind der frühe Morgen und die
Abenddämmerung, wenn Sattwa vorherrscht.
Setze Dich mit dem Gesicht nach Norden oder nach Osten. Das übt
einen subtilen Einfluß aus und verstärkt den Effekt des Japa.
Besonders als spiritueller Anfänger solltest Du diese Regel beherzigen.
Setze Dich auf eine Decke oder ein Kissen und nicht direkt auf den
Boden. Dies bewahrt Deine Körperenergie. Setze Dich ruhig und bewegungslos
hin. Das hilft auch, den Geist fest zu machen und fördert die Konzentration.
Spreche vor Beginn des Japa einige Gebete. Wenn der Ishta Devata mit
den entsprechenden Gebeten angerufen wird, läßt dies das
richtige sattvige Bhava entstehen.
Nun beginnt man mit dem Japa, wobei jede Silbe des Mantras richtig
und deutlich ausgesprochen wird. Das Mantra soll weder zu rasch noch
zu langsam wiederholt werden. Man erhöht die Geschwindigkeit nur
dann, wenn der Geist zu wandern beginnt. Japa soll nicht in Eile gemacht
werden, so wie ein Arbeiter seine Arbeit eilig beenden will. Nicht die
Anzahl des Japa sondern Reinheit, Konzentration, Bhava, Gefühl
und Einpünktigkeit des Geistes helfen dem Aspiranten dabei, Gottesbewußtsein
zu erlangen.
Japa soll mit Gefühl gemacht werden. Wenn man sich seines Namens
erinnert , soll derselbe Fluß von Liebe und Respekt im Herzen
sein, dieselbe Empfindung, als ob man eine Vision von ihm hätte.
Die Verwendung der Mala unterstützt die Aufmerksamkeit, und es
wirkt wie ein Ansporn, die Mala ständig fortzusetzen; für
den fortgeschrittenen Aspiranten ist sie jedoch nicht unbedingt notwendig.
Abwechslung im Japa ist notwendig, um das Interesse aufrechtzuerhalten,
Ermüdung zu vermeiden und der Monotonie entgegenzuwirken. Man kann
das Mantra eine Zeitlang laut wiederholen, dann flüstern und manchmal
das Mantra geistig wiederholen.
Man bittet Gott nicht um weltliche Dinge, wenn man Japa macht. Man
kann jedoch das Gefühl entwickeln, daß das Herz gereinigt
und der Geist, mit Gottes Gnade, durch die Kraft des Mantras fest wird.
Halte das Guru Mantra geheim. Sage es niemandem.
Nach dem Japa verläßt man nicht sofort den Ort, begibt sich
nicht unmittelbar in die Gesellschaft anderer Menschen und stürzt
sich nicht in weltliche Aktivitäten. Wenigstens zehn Minuten lang
still sitzen bleiben, ein Gebet flüstern, an Gott denken oder über
Seine grenzenlose Liebe nachsinnen. Dann verläßt man den
Ort, nachdem man sich demütig verbeugt hat, und beginnt mit den
täglichen Aktivitäten. Die spirituellen Schwingungen bleiben
auf diese Weise intakt.
Likhita Japa
Das Ishta Mantra oder Guru Mantra wird täglich eine halbe Stunde
lang in ein Notizbuch geschrieben. Beim Mantraschreiben hält man
Mauna (Stille). Das Mantra klar und deutlich mit Tinte schreiben. An
Sonn- und Feieren eine Stunde lang schreiben. Das ist Likhita Japa.
So kann wunderbare Konzentrationsfähigkeit entwickelt werden. Unschätzbarer
spiritueller Nutzen erwächst aus Likhita Japa.
Für das Schreiben des Mantras gelten keinerlei Beschränkungen
bezüglich Schrift und Schreibweise. Ein Mantra kann in jeder Sprache
geschrieben werden.
Japa Sadhana bei der Arbeit
Regelmäßigkeit beim Japa Sadhana ist sehr wichtig. Sitze
immer am selben Ort und zur selben Zeit. Japa muß zu einer Gewohnheit
werden.
Trage den Japastrom geistig auch zu anderen Zeiten mit Dir, egal in
welcher Arbeit Du gerade tätig bist. Gib nur Deine Hände der
Arbeit, gib den Geist an Gott - mache geistig Japa - wie der Schreibmaschinenschreiber
oder der Harmoniumspieler tippt oder spielt und mit Dir spricht, oder
wie die Dame, die strickt und mit ihren Freunden spricht und scherzt,
während sie die Straße entlang geht.
Man kann selbst auf der Toilette Japa machen. Aber mache es geistig.
Damen können auch während ihrer Monatsperiode Japa machen.
Es gibt keine Einschränkung bei Mantra Japa für Menschen,
die es mit Nishkama Bhava ausführen, um Moksha zu erlangen. Einschränkungen
gibt es nur, wenn Menschen ein Mantra mit Sakama Bhava wiederholen,
um Früchte wie Wohlstand, Swarga, einen Sohn usw. zu erhalten.
Denke bei jeder Einatmung und bei jeder Ausatmung an Gott. Mache aus
der Wiederholung des göttlichen Namens eine starke Gewohnheit.
Auch im Traum muß Japa gemacht werden. Nur dann wird es leicht
sein, in der Todesstunde an Ihn zu denken.