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11. Der wahre Revolutionär

Das Ziel des Lebens ist Moksha (Befreiung). Und es gibt in jedem Herzen etwas Grundlegendes, das sich nach Freiheit sehnt. Einerseits könnte man also sagen, wir sind geboren, um frei zu sein. Falls wir in einer sehr einfachen Gesellschaft geboren wurden, werden uns nur sehr wenige Vorschriften auferlegt, die unsere natürliche Freiheit einschränken. Aber in einer primitiven Gesellschaft ist diese Freiheit gleichzusetzen mit dem Gesetz des Dschungels - jeder für sich selbst.

Das führt zu einem zerstörerischen Verhalten. Wenn sich eine Gesellschaft entwickelt, werden Gesetze und Vorschriften geschaffen, die uns zwar vom Gesetz des Dschungels wegleiten, aber unsere Freiheit einschränken. Je älter eine Zivilisation ist, umso ausgeklügelter können die Vorschriften werden. Jeder hat seinen eigenen Platz. Während das den Vorteil hat, uns mehr und mehr vom Gesetz des Dschungels zu entfernen, ist es gleichzeitig eine Einschränkung unseres natürlichen Verlangens nach Freiheit.

Deshalb versuchen wir auf die eine oder andere Weise aus diesen Grenzen auszubrechen. Manchmal weigern wir uns, Autorität anzuerkennen, wenn sie uns nicht gerade aufgezwungen wird. Manche Leute werden exzentrisch. Andere gehen weg und richten sich ein neues Leben ein. Andere werden Revolutionäre, sie wollen die ganze Gesellschaft verändern. Alles das wird im Namen der Freiheit gemacht: „Ich will machen, was ich will. Etwas muss sich verändern.“ Aber wenn wir alle diese Ausdrücke der Freiheit ansehen, erkennen wir, dass sie sich alle im selben Bereich bewegen.

Wann auch immer wir eine Art von Freiheit erworben haben, nehmen wir gleichzeitig eine andere Form von Bindung an, weil wir immer noch durch unsere Vorstellungen und Wünsche gebunden sind. Es ist nicht Freiheit, sondern eine Illusion von Freiheit. Die einzige wirkliche Freiheit ist die Freiheit, die Heilige wie Gurudev uns zeigen. Und das sind die eigentlichen Revolutionäre. Andere Revolutionäre verändern nur die Mischung - sie bewirken keine grundlegende Veränderung. Der wahre Revolutionär ist entschlossen, frei vom alten Lebensstil zu werden.

Was ist der alte Lebensstil? Es ist, in dem Glauben zu leben, dass wir der Körper und der Geist sind. Es ist so bequem, zu versuchen, unsere Freiheit zu finden, indem wir den alten Lebensstil immer wieder verändern, indem wir trotzig sind, indem wir allein herumstreichen, indem wir exzentrisch werden, indem wir ein Revolutionär werden. Aber wir finden erst heraus, wie ernst wir es mit der Freiheit meinen, wenn wir uns verpflichten, frei von uns selbst zu sein.

Wahre Freiheit ist zu sein, was wir wirklich sind - das immer freie Selbst. Es bedeutet, völligen Gleichmut gegenüber der falschen Vorstellung eines Selbst zu entwickeln und auch gegenüber der Art mit dieser Vorstellung zu denken und zu leben. Es bedeutet, darüber hinaus in eine wirklich andere Dimension zu gehen. Es gibt keinen leichten Weg zur wahren Freiheit. Wir brauchen dazu jedes Gramm revolutionären Verlangens, das wir in uns haben. Es braucht alles, was wir haben. Es ist kein Weg für die, denen es an Mut mangelt. Es ist nichts für die, die einen leichten Weg wollen. Es erfordert das Allerbeste. Das ist das wahre Streben nach Freiheit. Das ist wahre Revolution.

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12. Will ich wirklich Gott?

Swamiji ist ein sehr positiver Lehrer und er lenkt ständig unsere Aufmerksamkeit auf die positiven Zusicherungen der Schriften, besonders der Bhagavad Gita. Aber er geht noch weiter, indem er uns ständig ermahnt, unsere spirituelle Praxis nie zu vernachlässigen und unser brennendes Verlangen nach dem Ziel zu erhalten. Er sagt: „Ich versichere dir, wenn du das tust, wird nichts auf der Welt dich davon abhalten, das Höchste zu erreichen.“ Swami Krishnanandaji, unser verehrter Generalsekretär, sagte: „Wenn du Gott wirklich erreichen willst, kannst du Ihn in diesem Moment haben.“

Hier wird uns gelehrt, dass der Schlüssel zu unserem spirituellen Leben die Intensität unseres Gottesverlangens ist. Wenn wir also das Gefühl haben, dass wir den Fortschritt in unserem spirituellen Leben vermissen, sollten wir uns vielleicht fragen: „Will ich Gott wirklich?“ Wenn also beide, Swamiji und Swami Krishnanandaji, uns versichern, dass wir Gott haben können, wenn wir ihn wirklich wollen, was hält uns dann zurück?

Wenn wir uns selbst analysieren, in uns hineinschauen, können wir zwei grundsätzliche Dinge entdecken. Das Erste ist, dass wir meinen, etwas Besonderes zu sein. Wir meinen, der Ort, von dem wir kommen, ist besonders, unser Hintergrund ist besonders, unsere Nationalität ist besonders und unsere Talente sind besonders. Wir können sogar meinen, wir seien besonders gut oder besonders schlecht.

Wenn wir genau hinschauen, finden wir kein Ende in dem Verlangen, besonders zu sein. Die Wahrheit ist, wir wollen nicht damit aufhören, wir wollen unsere Besonderheit nicht opfern, um ein Teil des Ganzen zu sein. Das Zweite ist Angst. In den meisten von uns steckt tief im Inneren die Angst loszulassen. Es gibt diese Angst, den Gedanken des „Jemand zu sein“ aufzugeben, genauso wie “Jemand Besonderes zu sein“.

Da ist eine Angst vor dem Unbekannten. Glücklicherweise gibt es noch ein weiteres Prinzip in uns, welches kraftvoll dieses Ziel erreichen will. Die gute Nachricht ist, dass die Kraft des Verlangens „frei zu sein“ den Wunsch „etwas Besonderes zu sein“ überwindet, wenn wir klar erkennen, dass das Verlangen „etwas Besonderes zu sein“ die Quelle des Leidens ist – für uns und für jeden, mit dem wir in Berührung kommen.

Es ist dasselbe mit der Angst. Wir können sie überwinden, wenn wir unsere wahre Natur behaupten und indem wir uns sagen: „Die Wahrheit um jeden Preis.“ Wir müssen in uns die Quelle des Vertrauens in die universelle Kraft finden - die Kraft, die uns bis hierher gebracht hat. Warum führen wir kein gewöhnliches Leben mehr? Eine unbekannte Kraft in uns hat uns dazu gebracht.

Etwas in uns hat gesagt: „Ich möchte weiter kommen, es gibt etwas Besseres als das, was ich bisher kennen gelernt habe.“ Wir müssen dem vertrauen, das uns dazu gebracht hat. Wir müssen den Mut haben, klar zu sehen, was uns blockiert und entschlossen sein, es loszulassen. Wenn es uns gelingt, genügend Entschlossenheit aufzubringen, um weiter zu gehen und genügend Bereitschaft alles loszulassen, was im Weg ist - dann haben wir sowohl die Versicherung und Zusage unserer Lehrer als auch der Schriften, dass nichts in diesem Universum uns davon abhalten kann, das Ziel noch in diesem Leben zu erreichen.

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13. Zwischen „Besonders-Sein“ und „Gewöhnlich-Sein“ wählen?

Ein Weg, unseren Geist auf das Ziel des Lebens auszurichten, ist, beständig daran zu denken und sich neue Wege zu überlegen, wie es wirklicher werden kann. Eine Art daran zu denken, welche uns vielleicht etwas erschreckt und unseren Geist zum Grübeln bringt, ist, uns zu sagen, dass es das Ziel des Lebens ist, sich vom „Besonders-Sein“ zum „Gewöhnlich-Sein“ zu bewegen.

Es gibt etwas in uns, das gegen diese Vorstellung protestiert, denn das Wichtigste, was wir denken, was wir sind, ist etwas „Besonderes“ und das Wichtigste, was wir sein wollen, ist etwas „Besonderes“. Und doch - wenn wir das seltene Privileg haben, nah bei einem/r Heiligen zu sein, dann merken wir vielleicht, dass er/sie irgendwie ganz normal erscheint. Und was ist mit Gott selbst? Ist Gott besonders? Gott ist in der Erde, im Wasser, im Feuer, in der Luft und im Äther.

Er transzendiert alle Dinge. Er ist allen Dingen innewohnend. Es ist schwierig, etwas Besonderes an Gott zu finden, denn Er ist überall gleichermaßen gegenwärtig. Unser Problem ist, dass wir nicht gewöhnlich sein wollen. Wir wollen etwas Besonderes sein. Wenn wir uns anschauen, werden wir jedoch feststellen, dass die meisten Dinge unseres Lebens gar nicht besonders sind.

Hungrig oder durstig zu sein ist nichts Besonderes, schlafen zu wollen ist nichts Besonderes. Der Sexualtrieb ist nichts Besonderes. Geachtet sein zu wollen ist auch nichts Besonderes. Sogar Gott zu wollen ist nichts Besonderes. All dies haben wir gemeinsam - einiges mit dem gesamten Tierreich, einiges mit allen Menschen und einiges mit allen Suchern.

Wenn wir uns erlauben, darüber zu meditieren, können wir merken, wie unsere Vorstellung des „Besonders-Seins“ dahinschmilzt, und das ist eigentlich ein Schmelzen des Ego. Wenn wir diese Meditation aufrechterhalten, dann beginnen wir Einheit mit allen Menschen zu spüren, mit dem ganzen Tierreich und sogar mit der ganzen Natur. Wir beginnen uns „gewöhnlich“ zu fühlen. Dann müssen wir uns entscheiden: Was ist besser? Sich besonders zu fühlen oder sich gewöhnlich zu fühlen?

Wir müssen klar erkennen, dass eine Kraft in uns ist, welche sich besonders fühlen möchte. Apropos, sogar das ist ganz gewöhnlich - jeder möchte sich als etwas Besonderes fühlen. Aber da ist ebenso etwas in uns, das den großen Frieden und die Überlegenheit des „Gewöhnlich-Seins“ bemerkt. Das ist ein täglicher Kampf, dem wir uns stellen müssen. Wollen wir etwas Besonderes sein mit allen Problemen, die dazu gehören oder wollen wir gewöhnlich sein mit dem Gefühl von Harmonie und Frieden?

Jeder von uns muss sich dieser Entscheidung und diesem Kampf stellen. Sogar dieser Kampf ist nichts Besonderes. Es ist ein gewöhnlicher Kampf, welchem alle von uns begegnen. Aber wenn wir einen Weg zur Befreiung verstehen wollen – oder einen Weg Befreiung zu verstehen – dann müssen wir entschlossen sein, unsere Besonderheit aufzugeben und die Normalität der Heiligen und Gottes anzunehmen.

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14. Nicht stören?

In der Bhagavad Gita erzählt Krishna uns, dass in dieser Welt nur einer von Tausenden Ihn sucht. Und von den wenigen, die Ihn suchen, finden Ihn nur wenige. Als Suchende ist diese Tatsache sehr wichtig für uns, denn jeder von uns möchte einer von diesen wenigen sein, die Ihn finden. Als Grund, warum wir nicht fähig sind, Gott zu finden, wird im Allgemeinen gesagt, es sind unsere Wünsche, denn unsere Aufmerksamkeit wird durch die Sinnesobjekte nach außen gelenkt.

Aber auch wenn wir mit Gottes Gnade fähig sind, unsere Sinne unter Kontrolle zu bringen, gibt es noch das Verlangen nach Anerkennung. Und auch wenn das besiegt ist, gibt es noch das Am-Leben-Klammern, das Sich-Klammern an der Identifikation als menschliches Wesen. Grundsätzlich ist es so – wenn wir es uns bildlich vorstellen wollen – als wenn jeder mit einem Schild vor der Brust herum läuft, auf dem steht „Nicht stören“.

Gleichgültig wie ernsthaft wir in unserem spirituellen Leben sind, egal wie sehr wir Gott wollen, es gibt einen Bereich in uns, der sagt: „Nicht stören!“ Wir sehen diese Eigenheit in der ganzen Menschheit. Niemand will sich verändern. Keiner will gestört werden. Und so wie wir es in der Welt sehen, sehen wir es auch im spirituellen Leben. Vielleicht erklärt das auch, warum wahre Gurus manchmal in einer Art und Weise handeln, die empörend zu sein scheint.

Es ist, als hielten sie es für notwendig zu stören. Warum wollen wir nicht gestört werden? Und warum ist es notwendig, dass wir gestört werden? Vielleicht weil es unter allen Gründen, die wir kennen und die uns davon abhalten, das Ziel zu erreichen, ein grundlegendes Anhaften an die Identität als menschliche Wesen gibt. Wir können nicht begreifen, dass wir in der Essenz kein menschliches Wesen sind.

Deshalb bedeutet unser Suchen auch immer, etwas als menschliches Wesen zu erreichen; unser Suchen nach Gott geht nicht in die Richtung, unsere menschliche Identifikation aufzugeben. Und so lange wir die Richtung nicht wechseln, solange wir nicht bereuen – das heißt „umkehren“ – so lange wir nicht in die andere Richtung schauen, ist unser spirituelles Leben nicht wirklich spirituell. Es wird nur spirituell, wenn wir entschlossen sind, unsere menschliche Identifikation aufzugeben.

Und Tatsache ist, dass wir zwar die Worte sagen mögen, aber im Grunde haben die meisten von uns absolut keine Absicht, ihre menschliche Identifikation aufzugeben. Deshalb müssen wir schockiert werden, wir müssen gestört werden, weil wir eine innere Mauer um uns bauen, die sagt: „Störe nicht meine menschliche Identifikation. Alles andere werde ich ändern. Ich verlasse mein Zuhause. Ich verlasse meine Familie. Ich gebe meinen Reichtum auf. Ich gebe meinen Ruhm auf. Ich werde alles aufgeben. Aber meine menschliche Identifikation bin Ich. Störe nicht!“ Aber wenn Gott oder der spirituelle Lehrer uns wirklich helfen wollen, dann müssen sie uns auf irgendeine Weise stören. Es ist das Letzte, was wir wollen, aber es ist der größte Segen, der uns geschehen kann.

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15. Spiritueller „Extremismus“

Eines der seltensten Phänomene, die es auf Erden gibt, ist ein Individuum, das ohne eigene Anstrengung plötzlich zum Heiligen wird. In diesem Jahrhundert gibt es zwei außergewöhnliche Beispiele: Anandamayi Ma, die anscheinend verwirklicht geboren wurde und Ramana Maharshi, der im Alter von siebzehn Jahren mit einem Mal von einem normalen Schuljungen zu einem verwirklichten Heiligen wurde.

Aber abgesehen von diesen seltenen Ausnahmen sind die meisten unserer großen Heiligen dem Vorbild von Ramakrishna, Swami Sivananda oder Papa Ramdas gefolgt. Sie gingen durch eine Zeit intensivsten Sadhanas, fast unglaublichen Sadhanas. Sie gingen durch eine Zeit, die wir vielleicht „spirituellen Extremismus“ nennen würden. Es ist wichtig für uns, diese Tatsache zu verstehen. Es erklärt vielleicht, warum es so viele fromme Leute in der Welt gibt und so wenig Heilige.

Vielleicht, weil so wenige fromme Leute zu diesem spirituellen Extremismus berufen werden. Was ist die Essenz von „spirituellem Extremismus“? Lasst uns zuerst überlegen, was alles dazu gehört, ein frommer Mensch zu sein. Fromm zu sein bedeutet, dass jemand an sich gearbeitet hat, sich gereinigt hat. Vielleicht sind solche Menschen sogar zu dem Punkt gekommen, dass sie immer die Gegenwart Gottes fühlen.

Vielleicht haben sie großes Charisma und viele Anhänger, aber der letzte Funken fehlt. Sie sind fromm, aber kein/e Heilige/r. Sie sind nicht durch diese Phase des „spirituellen Extrems“ gegangen. Was ist „spiritueller Extremismus“? Es ist eine Zeit, in der nichts außer Gott wichtig ist. Es ist Gott, Gott, Gott und nur Gott. Es ist eine Zeit, in der der Suchende erkennt, dass nichts ist außer Gott und dass er niemals wirklich Gott kennen kann, wenn er weiter an seiner persönlichen Identifikation festhält.

Während fromme Leute in Gott versunken sind, sind sie immer noch da, kennen und fühlen Gott. In einem Heiligen ist nichts mehr übrig; es gibt keine Unterschiede mehr. Die meisten der wenigen Menschen, welche zu Heiligen wurden, sind durch so eine Zeit des spirituellen Extremismus gegangen, wo sie sich zu ihrem persönlichen „Tod“ entschlossen haben. Sie haben sich entschlossen, dass nichts von ihnen übrig bleibt, das Gott erkennen könnte, weil sie entschlossen sind, Gott zu werden. Das Einzige, was sie wollen, ist, als Person zu verschwinden, damit Gott allein bleibt.

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