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21. Kapitel - Die letzten Tage

„Alle die Sannyas nehmen möchten (offiziell als Mönch der Welt entsagen), sollen sich am nächsten Sivaratri-Fest einweihen lassen.“ Dies kündigte Swami Sivananda an einem Abendsatsang Anfang 1963 an. Im Hinblick auf seine wiederholten Anspielungen in den letzten Jahren auf seinen Mahasamadhi (Verlassen seiner körperlichen Existenz) sahen viele diese offene Einladung als Zeichen seines bevorstehenden Ablebens an, besonders als er hinzufügte: „Wer weiß, was nächstes Jahr an Sivaratri sein wird.“

Er, der immer großzügig Geld verbraucht und ausgegeben hatte, der seine Schüler und die Bewohner des Ashrams gelehrt hatte, Gott zu vertrauen und zu geben, zu geben, zu geben, änderte plötzlich seine Haltung. Er schaltete den Spargang ein – etwas bei ihm nie Dagewesenes – senkte die Ausgaben des Ashrams und sprach davon, sorgfältiger zu wirtschaften.

Mehrmals in den Monaten Mai und Juni bat er verschiedene Menschen, ihm einen Kalender zu bringen. Einmal, als er auf den Juli schaute, fragte ein Schüler warum und erhielt die Antwort: „Das weißt du nicht.“

Anfang Mai begann er mit systematischen Tonbandaufzeichnungen. Jeden Morgen las er mit kraftvoller, inspirierender Stimme voller Überzeugungskraft und Ernsthaftigkeit aus seinen Büchern und Schriften. Ein Schüler nahm alles auf. Das machte er stundenlang, ungeachtet der Belastung. Alle paar Tage fragte er: „Wie viel Stoff habe ich geliefert?“ oder: „Wie viele Bücher habe ich besprochen, wie lange ist die Gesamt-Laufzeit?“ Einmal während dieser Sitzungen sagte er: „Die Sicht wird trübe, nimm das, was du noch machen willst, jetzt. Das Gehör wird schwerfällig, sage alles, was du noch sagen willst, jetzt. Die Zunge wird schwer, frage jetzt, was immer du noch fragen willst.“

Er schrieb auch viele Artikel für Zeitschriften. Das hatte er schon immer regelmäßig gemacht, aber jetzt schien er alles hinauszuschicken, was er irgendwie konnte.

Am 21. Juni bekam er Schmerzen in der Hüfte. Das war eine der seltenen Gelegenheiten, wo er den Satsang nicht besuchen konnte. Am nächsten Tag konnte er nicht ins Büro kommen, kümmerte sich aber von seinem Kutir aus um die Geschäfte. In der Nacht wurden die Schmerzen stärker. Am nächsten Morgen kam er auf die Veranda heraus, schaute die Post durch und bestand darauf, die täglichen Bandaufnahmen fortzusetzen. Er diktierte ein wenig, zog sich aber früh zurück. Der Schmerz verschlimmerte sich.

An einem der folgenden Tage begann er trotz Krankheit wie gewöhnlich zu
diktieren. Nach ein paar Sätzen sagte er ruhig: „Glück kommt, wenn das Individuum in Gott aufgeht.“ Dann folgte eine lange Pause. Auf die Frage, ob er weiter diktieren wolle, sagte er energisch auf Tamil: „Porum!“ (Genug!).

„Glück kommt, wenn das Individuum in Gott aufgeht“, war die letzte aufgezeichnete Botschaft von Swami Sivananda.

Ein Arzt aus Dehru Dun, der Swami Sivananda untersuchte, sagte: „Swamiji, du solltest dir keine Sorgen machen. Du solltest über nichts nachdenken.“ Ruhig und liebevoll kam die Erwiderung: „Wie wäre das möglich? Ich muss an viele Dinge denken. Ich muss mich um viele Menschen kümmern.“

Es war stets Swami Sivanandas Art, wenn man sich nach seiner Gesundheit erkundigte, zu erwidern: „Wunderbar!“ Und jetzt in diesen letzten Tagen umspielte ein Lächeln seine Lippen, wenn er antwortete: „Mir geht es vollkommen gut.“

In diesen Tagen empfing Swami Sivananda keine Besucher und niemandem
wurde Zutritt zu ihm gewährt. Aber vom 6. Juli an begann sich sein Zustand zu bessern, so dass er am 8. Juli im Rollstuhl auf die Veranda geschoben wurde. Dabei empfing er auch wieder Besucher. Die Türen seiner Veranda standen offen, so dass er auf seinen geliebten Ganges blicken konnte.

Trotz körperlichen Leidens war er niemals niedergeschlagen. Er war immer voller Freude und er scherzte mit seinen Pflegern. Alle, die während seiner letzten Krankheit in seine Nähe kamen, spürten seine unwiderstehliche Liebe fließen und sie umfangen.

Trotz körperlichen Leidens war er niemals niedergeschlagen. Er war immer voller Freude und er scherzte mit seinen Pflegern. Alle, die während seiner letzten Krankheit in seine Nähe kamen, spürten seine unwiderstehliche Liebe fließen und sie umfangen.

Am Abend des 14. Juli bekam er Fieber. Eine Weile konnte er nicht einmal ein
paar Schlucke Wasser zu sich nehmen. Seine Schüler wollten ihm wie üblich
Gerstenwasser geben, aber er bestand auf Gangeswasser. Es wurde ihm gebracht und plötzlich konnte er mühelos ein halbes Glas trinken. Und damit verließ er seinen Körper. Es war um 11.15 Uhr in der Nacht.

Kurz vor Mitternacht gab es eine einmalige, glückverheißende Planetenkonstellation, die kein Yogi, der bereit zum Sterben war, ungenutzt lassen konnte. Diesen Zeitpunkt hatte Swami Sivananda für sein Verscheiden gewählt.

Swamijis Körper wurde in Lotusposition gebracht. Benommen und weinend
sangen Schüler und Anhänger leise das Maha-Mantra auf der Veranda vor seinem Kutir, während die Ashrambewohner einer nach dem anderen hereinkamen, um sich in Stille vor der geliebten Gestalt zu verbeugen.

Am nächsten Morgen erfuhr die Welt durch Zeitungen und Radio vom Mahasamadhi dieses großen Heiligen. Beileidsschreiben aus aller Welt hielten das Postbüro auf Hochtouren. Die Bewohner von Rishikesh strömten in den
Ashram. Den ganzen folgenden Tag und bis weit in die Nacht hinein kamen die Anhänger von überall her, um ein letztes Mal seinen Darshan zu haben.

Am Dienstag dem 16. Juli war kaum Platz zum Stehen am Gangesufer, das an den Ashram angrenzt. Überall versammelten sich Menschenmengen, um einen letzten Blick der geliebten Gestalt Swami Sivanandas zu erhaschen.
Um 10.30 Uhr vormittags wurde die Bahre zum Klang von Muschelhörnern und Glockengeläut von seinen persönlichen Assistenten aus dem Kutir herausgetragen. Unter vedischen Gesängen wurde die heilige Gestalt langsam und achtsam zum Ganges getragen, wo sie rituell durch Übergießen mit Milch und Wasser verehrt wurde. Dann wurde sie auf einer Sänfte, die mit Blumen gefüllt war, in einer Prozession zum Vishvanath-Hügel auf dem Ashramgelände getragen, wo Arati (Lichtzeremonie) vor ihr ausgeführt wurde. Unter Rezitation heiliger Mantras wurde Swami Sivanandas Körper liebevoll im Samadhi-Schrein − seiner letzten Ruhestätte − platziert.

Nachrufe kamen aus der ganzen Welt. Swami Venkatesanandas Worte aus Mauritius sprachen wahrscheinlich allen engen Schülern aus dem Herzen: „So schweigt jetzt die klingende Stimme. Die majestätische Gestalt ist nicht mehr. Nie mehr werden wir die große Gestalt in Orange, mit Leinenschuhen in gemessenen langen Schritten schreiten sehen, mit Taschen in der Hand und bereit, Früchte, Wissen und Arbeit an uns, seine geliebten Kinder, zu verteilen. Das kindliche Lachen, bei dem der große Bauch vor Freude wackelt, ein Lachen, so gesund, dass Tränen der Freude seine sprühenden Augen trübten, ein Lachen, das den Segen Gottes auf alle ausstrahlte, wird nie wieder zu hören sein.

Das Ende schockiert uns vielleicht. Aber es ist nicht das Ende. Es ist ein Anfang. Der Baumeister arbeitete außerhalb des Gebäudes und war zu sehen. Er hat einen Innenraum geschaffen und ihn betreten. Nun arbeitet er innen, der äußeren Sicht entzogen, aber dadurch nur noch spürbarer und zielbewusster. Gurudev hat uns geformt, hat einer gestaltlosen Masse Gestalt gegeben, Stein auf Stein gelegt und einen Schrein in uns gebaut, ihn betreten und er arbeitet jetzt da drinnen fleißig weiter.“

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