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Chandogya Upanishad

Anhang II:

Samvarga- Vidya

1. Abschnitt

Die Samvarga-Vidya ist jene Vidya, die von dem Heiligen Raikva gelehrt wurde. Sie ist im Kapitel 4, Abschnitt 1 bis 3 der Chhandogya-Upanishad enthalten. Samvarga bedeutet in Wahrheit Auflösungsprozess. Samvarga-Vidya ist das Wissen über das Auflösen bzw. das Absorbieren in das Eine. Es wird in den folgenden Abschnitten dieses Absorbieren in das Eine erklärt:

König Janasruti war möglicherweise ein Enkel des großen Eroberers Janasruta. Janasruti war außerordentlich berühmt für seine Wohltätigkeit. Er war ein großer Geber und hatte großes Vertrauen in diese Handlungsweise des Gebens. Er verhielt sich dabei sehr großzügig. Er war glücklich, dass er in der Lage war geben zu können. Er gab alles weg, was ihm möglich erschien. Seine Küche war immer aktiv. Er ließ viele Essensportionen zubereiten, die er kostenlos als Armenspeisung gab. Er ließ überall freie Unterkünfte bauen. Er muss sehr großzügig gewesen sein. Er unterhielt nicht nur freie Unterkünfte, sondern auch Einkehrmöglichkeiten, Herbergen, kleine Restaurants usw., sodass überall für die Menschen die Möglichkeit bestand, in seinem Namen freie Unterkunft und Verpflegung zu erhalten. ‚Sie essen alle mein Essen’, sagte er voller Begeisterung. Solch ein König war nicht nur gemäß dieser Upanishad berühmt für sein gesellschaftliches oder politisches Engagement, sondern er war auch eine fortgeschrittene Seele. Er war religiös, und auf Grund seiner Wohltätigkeit, spirituell gut ausgebildet und von reinem Geist. Auf diese Weise war er innerlich und äußerlich eine außergewöhnliche Persönlichkeit.

In der Geschichte heißt es, dass der König in einer heißen Sommernacht auf seiner Terrasse schlief. Er lag auf einer Couch als zwei Schwäne über ihn hinwegflogen. Der Hintere sprach zu dem Vorderen: „Sei nicht so dumm! Sei nicht so sorglos! Du kannst doch sehen oder siehst du nicht die Gefahr vor dir. Eile nicht so, denn wir passieren gerade den unter uns liegenden großen König Janasruti. Sein Ruhm und seine Ehre reichen bis zum Himmel. Wenn du nicht durch den Schein seiner Ehre verbrannt werden möchtest, fliege um diesen Ort herum. Er ist eine so große Persönlichkeit, und du fliegst einfach über ihn hinweg. Sei nicht so sorglos und fliege mit geschlossenen Augen.“

Doch der andere Schwan entgegnete: „Du sprichst von Janasruti, dessen Ruhm bis zum Himmel reicht, und über den wir nicht so einfach hinwegfliegen sollten. Wer ist dieser Janasruti? Was für ein Mensch ist Janasruti. Ist er so berühmt wie der Raikva mit seiner Karre? Was ist er schon im Vergleich zu Raikva mit seiner Karre?“

Dieses war die Unterhaltung, die die beiden Schwäne miteinander führten. Der König lauschte diesem Gespräch. Der eine der beiden Vögel pries ihn, und der andere sagte, dass er nicht diese Ehre verdiente, denn jemand anderes wäre größer als er.

Bei einem Würfelspiel in Indien gibt es Würfel, die nur über insgesamt vier Ziffern verfügen, d.h. die 1 auf der einen, die 2 auf einer anderen Seite, die 3 auf einer dritten und die 4 auf einer vierten Seite usw., doch insgesamt nur diese 4 Ziffern. Wer bei dem Würfelspiel die höchste Zahl wirft, wird als Krita (Vollkommener) bezeichnet. Er siegt über alle anderen Mitspieler. Die 4 beinhaltet die anderen Zahlen/ Mitspieler mit der geworfenen 3, der 2 oder der 1. Derjenige, der eine 4 würfelt, hat also automatisch auch die drei anderen Mitspieler besiegt.

In ähnlicher Weise sind all die guten Taten, die irgendein Mensch irgendwo vollbringt, in den guten Taten bzw. den Tugenden dieses großen Raikva enthalten. Seine Tugenden sind wie ein Ozean, der all die Tropfen, Bäche und Flüsse kleinerer Tugenden, die von anderen Menschen irgendwo vollbracht werden, enthalten. So kann man sich vielleicht vorstellen, was für ein Mensch das sein muss. Seine Güte, Größe, Tugendhaftigkeit, Rechtschaffenheit ist wie ein Ozean, der die Tugenden aller von überall auf der Welt schluckt.

Man spricht von vier Zeitaltern: Krita, Treta, Dvapara und Kali. Nach alter indischer Zeitrechnung wird die gegenwärtige Zeit als Kali-yuga bezeichnet, was der eigentlichen Eisenzeit entspricht. Die doppelte Zeitdauer von Kali-yuga entspricht der Zeitspanne von Dvapara-yuga, die Dauer der dreifachen Zeit von Kali-yuga ist Treta-yuga und die vierfache Zeit von Kali-yuga ist Krita-yuga, was der längsten Zeitdauer entspricht. Krita-yuga beinhaltet alle anderen Yugas. Verglichen mit diesen vier Zeitrechnungen und dem Würfelspiel, beinhaltet auch die Zahl 4 (Krita) alle anderen drei, d.h. Krita, Treta, Dvapara und Kali.

Was hiermit angedeutet werden soll ist, dass Raikva eine große Persönlichkeit war, und Janasruti, der König, war ein Nichts für ihn. Das war eine Beleidigung für den König. Bis dahin war er glücklich und berechtigt stolz auf seine Wohltaten und sein bisheriges Leben. Doch fühlte er sich auf Grund dieser für ihn wenig schönen Unterhaltung unter den Schwänen am Himmel wie vor den Kopf geschlagen. Darum war er für den Rest der Nacht ruhelos, und dachte darüber nach, was für eine Persönlichkeit dieser Raikva wohl wäre, und ob er ihm wohl einmal begegnen könnte: ‚Wo liegt der Sinn meiner Wohltaten, wo liegt der Sinn meiner Tugenden, wenn alles, was ich tue, im Vergleich zu anderen, die größer als ich sind, nicht von Bedeutung ist?’ Dieses ging Janasruti durch den Kopf.

Wenn Könige am Morgen aufwachen, vernehmen sie Klänge schöner Musik oder Gesänge zu ihren Ehren. Auch Janasruti vernahm bei seinem Erwachen am Morgen derartige Klänge zu seinen Ehren. An diesem besondern Morgen war er jedoch nicht sonderlich davon angetan. Er spürte Kummer, war unglücklich. „Worin liegt der Sinn dieser Verehrung?“ dachte er. Er rief nach seinem Diener Kshatta und fragte ihn: „Verehrst du mich genauso wie jemand, der Raikva mit dem Karren verehrt?“ Der König hatte die Idee, nach diesem Raikva suchen zu lassen und ihm zu sagen, dass er ihn zu sprechen wünschte. Der Diener fragte: „Meister, wer ist Raikva? Du bittest mich nach ihm zu suchen?“ Irgendwie irritiert wiederholte der König mit einfachen Worten die Unterhaltung, die er die Nacht zuvor von den Schwänen gehört hatte. „So wie die gewürfelte 4 jede andere gewürfelte Zahl beinhaltet, sind alle Tugenden der Menschen insgesamt in den Tugenden dieser einen Persönlichkeit enthalten. Alles Wissen der Menschen zusammengenommen kennt auch er, und nur was er weiß, kann auch jemand anders wissen. Darin liegt die Größe von Raikva. Es gibt nichts, was er nicht weiß, und niemand kann wissen, was er nicht weiß. So eine Persönlichkeit muss gefunden werden.“ Nun, das klingt sehr verwunderlich! Kshatta, der Diener, brach auf, um nach Raikva in allen Städten und an bedeutenden Plätzen zu suchen.

Er konnte nirgendwo solch einen Menschen finden. Raikva wurde nirgendwo gefunden. Darum kehrte er zum König zurück und sagte: ‚Ich kann ihn nirgendwo finden.’ Der König antwortete: ‚Suche nicht in den Städten und auf den Marktplätzen, denn dort findet man solche Menschen nicht. Du musst dort suchen, wo solche Persönlichkeiten normalerweise leben. Geh’ zu den einsamen Plätzen, Tempeln, Flussufern und den heiligen Höhlen, zu den ausgewählten Regionen. Nur dort sind solche Menschen zu finden. Wo die Kenner Brahmans leben, weißt du sehr wohl genau. Geh’ und forsche dort noch einmal nach ihm.“

Der Diener zog erneut los, und nach langer Reise fand er in einem einsamen Dorf in einer Ecke einen armen Menschen, der unter einer Karre saß und sich kratzte, als hätte er nichts anderes zu tun. Er war allein, niemand war bei ihm. Er sah sehr fremdartig und grotesk aus. Er nahm an, dass dieses Raikva sein müsste, denn er saß da mit einer Karre. Es war nur schwer, ihn und die Karre direkt miteinander in Verbindung zu bringen. Ob sie sein einziger Besitz war? Es gibt viele, die mit Karren umherziehen. Sie haben keine anderen Besitztümer. Oder, war es nur Zufall, dass er unter einer Karre saß? Es musste doch eine Verbindung zwischen ihm und der Karre geben, denn sonst gäbe es keinen Bezug zu Raikva mit der Karre. Darum nahm der Diener an, dass sie beide zusammengehörten, und er der Gesuchte sei. Demütig näherte er sich dem Mann mit der Karre. ‚Bist du Raikva mit der Karre?’ ‚Ja, mein Freund, ich bin es’, sagte er mit einer beinahe herz- und sorglosen Stimme.

Daraufhin kehrte der Diener zurück zum König: ‚Ich habe ihn gefunden’, berichtete er, ‚er sitzt in der hintersten Ecke eines Dorfes.’ Sicherlich beschrieb der Diener den genaueren Standort.

2. Abschnitt

Der König war hoch erfreut. Er raffte einige Geschenke für den großen Meister mit dem Karren zusammen. Als ‚Mitbringsel’ wählte er sechshundert Kühe, ein goldenes Halsband und eine Kutsche. Er erreichte Raikva und sprach ihn mit folgenden Worten an: „Oh großer Meister, hier habe ich einige Geschenke für dich. Bitte akzeptiere diese Dinge und weihe mich in die Meditation auf die Gottheit ein, auf die du meditierst. Ich möchte in die große Vidya eingeweiht werden, in das Wissen jener Gottheit, das dir bekannt ist.“ Der große Meister war nicht erbaut von dem Anliegen. Er akzeptierte weder die Geschenke noch war er auf irgendeine Einweihung vorbereitet.

„Oh Sudra, du Nichtsnutz, nimm all diese Geschenke zurück“, sagte er, als wäre er an nichts interessiert. „Verlass diesen Ort, nimm deine Kühe, deine Kutsche und das goldene Halsband. Sprich nicht mit mir.“

Der Begriff Sudra ist auch ein Thema der Brahma-Sutras hinsichtlich der Einweihung in Brahma-Vidya. Es ist auch ein Thema der Badrayana-Sutras. Sudra bedeutet eigentlich ‚niedere Kaste’, die zur vierten Kategorie des Gesellschaftssystems gehört. Kann ein Mensch von derartiger Abstammung in Brahma-Vidya eingeweiht werden? Nachstehend die Verbindung des Wortes Sudra, und ob jemand dieses Standes ebenfalls eingeweiht werden darf: Nicht alle Details können an dieser Stellen offen dargelegt werden. In diesem Zusammenhang heißt es in den Interpretationen, dass Sudra hier nicht mit ‚niederer Kaste’ bezeichnet werden darf. Jemand, der tiefen Kummer erleidet, ist ein Sudra. Das ist hier die sprachliche Bedeutung. Er erlitt großen Kummer, da er jemand gefunden hatte, der in seinem Wissen weit über ihm stand. Aus diesem Grund eilte er sofort zu Raikva, wo er dieses Wissen zu bekommen hoffte. Er war ein König und Kshatriya. Wie kann man ihn als Sudra bezeichnen? Sudra bedeutet also nicht ‚niedere Kaste’ der vierten Stufe, sondern ist nur symbolisch, metaphorisch bezogen auf einen Menschen zu verstehen, wobei angenommen wird, dass dieser König voller Kummer und Sorge war, weil er dieses Wissen unbedingt erlangen musste. Dieses Punkt ist nicht wichtig für das eigentliche Thema, um das es hier geht, doch sollte man ihn nicht unberücksichtig lassen, denn er wird eingehend in den Brahma-Sutras behandelt.

Der König war voller Kummer. Er reiste mit noch mehr Geschenken zu dem Mann mit der Karre. Jetzt kam der König mit eintausend Kühen anstelle der sechshundert zuvor, dem goldenen Halsband, der Kutsche, die von Mulis gezogen wurde, und seiner Tochter, die er Raikva anbot.

Es gibt einige Dinge, die die Upanishad zwar verschweigt, die aber zwischen den Zeilen stehen. Es werden die vermehrten Geschenkangebote herausgehoben und zur Hauptfrage gemacht. Raikva fühlte, dass der König in seiner Art aufrichtig war, und dass er etwas an sich hatte, was bei den normalen Menschen nicht zu finden ist, denn er versuchte ihm seine Tochter anzubieten. Darum musste in diesem König eine außerordentliche Aufrichtigkeit sein. Er kam nun schon zum zweiten Mal. Wenn er nicht aufrichtig wäre, hätte er bestimmt aufgegeben und wäre zurückgegangen. Er war nicht wie die Reichen, die zu Jesus Christus gingen, und denen Jesus sagte, sie mögen alles weggeben und dann wiederkommen, aber doch nicht kamen, denn sie wollten sich nicht von ihrem Besitz trennen. Janasruti war bezüglich des Wissens, nach dem er strebte, eine andere Persönlichkeit. Darum bot er seine Tochter an. Dieses war für Raikva die Möglichkeit zu erkennen, dass der König aufrichtig war.

„Ich habe dir all diese Dinge gebracht. Bitte weihe mich in die Gottheit ein, auf die du meditierst, auf Grund dessen du so groß bist, sodass dein Ruhm in alle Ecken der Welt ausstrahlt. Bitte weihe mich ein.“ Das war das Gebet des Königs.

Es gab noch eine andere über König Janasruti stehende Persönlichkeit, Janaka, der sich dem Heiligen Yajnavalkya selbst als Diener anbot und der von Yajnavalkya in Brahma-Vidya eingeweiht wurde. Er bot dem Heiligen sein ganzes Königreich an und sagte: ‚Hier bin ich als dein Sklave.’ Von solcher Art waren die Könige seinerzeit in diesem Land, die die Weisheit der Wirklichkeit höher bewerteten als alle vergänglichen Schätze der Welt. Zu dieser Kategorie von Mensch gehörte auch Janasruti.

„Mit all dem, was du mitgebracht und hier vor mir ausgebreitet hast, möchtest du mich sprechen. Nun, ich sehe deine Ehrlichkeit und deine aufrichtigen Abschichten,“ Sagte Raikva. Der König war hoch erfreut über dieses wohlwollende Verhalten des großen Meisters und überließ ihm in seiner Großzügigkeit dafür einige Dörfer. Der König sagte: „Oh großer Heiliger, dieses Dorf, in dem du hier weilst, ist dein. Ich schenke es dir.“

Er überließ ihm einige Dörfer. Diese Dörfer im Lande Mahavrisha werden Raikva-Parna genannt. Auf diese Weise wurde Raikva reich. Er war fortan mit Land, Dienern, Gold und vieles mehr gesegnet. Aber auch der König wurde reicher, denn er wurde Schüler von Raikva. Nun erhielt der König seine Einweihung in das Mysterium der Meditation über das alles absorbierende Sein. Aufgrund dieses Charakters des Alles-Absorbierens in das große Sein, auf das Raikva meditierte, wurde es als Samvarga bezeichnet. Es ist ein besonderer Begriff der Upanishad, der auf das Absorbieren hinweist, in das alles eintritt, und das alles in sich aufnimmt. Das ist Samvarga. Es gibt eine großen kosmischen ‚Wind’, der alles in sich selbst ‚hineinbläst’. Darin weihte Raikva den König ein. Hier geht es nicht um eine allgemeine Windbewegung. Es ist auch kein krankmachender Wind, sondern es ist ein besonderer ‚Wind’, ein symbolischer Begriff, der in Bezug auf die große Wirklichkeit angewendet wird, auf die Raikva meditierte. Er meditierte auf etwas, was alles in sich selbst zurückzieht, dessen Wind alles erfasst und in sich selbst absorbiert. Raikva sprach zu Janasruti über dieses große Wissen.

3. Abschnitt

Raikva sagte: „Es gibt einen großen kosmischen Strom oder ‚Wind’, der alles absorbiert. Alles wird aufgesogen, alles erhebt sich daraus, alles wird darin verwahrt und alles fällt in ihn wieder zurück. Wenn Feuer einschläft, geht es wieder zurück. Es wird von diesem großen alles verschlingenden ‚Wind’, der alles in sich selbst absorbiert, aufgesogen. Auf diese Vayu, diese große Gottheit, meditiere ich.“

Wohin geht die Flamme, wenn eine Kerze auspustet wird? Niemand weiß es. Es ist kein normaler Wind, von dem hier die Rede ist, sondern hier geht es darum, dass selbst die Sonne darin absorbiert wird. Die Sonne kann durch keinen normalen Wind aufgelöst oder einfach verschluckt werden. Was ist es also, dass das Universum auf diese Weise rotieren bzw. drehen lässt. Das wird hier als kosmischer Wind bezeichnet, der in bestimmte Richtungen weht, die Planeten, Sterne und andere Himmelskörper in ihre Bahnen lenkt. Auf Grund der Furcht vor diesem Sein, bewegen sich alle nach einem symmetrischen Muster. Die Planeten bewegen sich um die Sonne, die Sonne bewegt sich am Rande der Milchstraße usw. und so fort. Dieses ist auch aus der modernen Physik bekannt. Das Feuer brennt, weil es sich vor ES fürchtet. Der Regen fällt aus dem gleichen Grund. Die Sonne scheint, weil sie sich vor dem alles absorbierenden Wind fürchtet. Der Tod verrichtet sein Werk, weil er ES fürchtet. Dieses ist die alles kontrollierende Regierung, die das Objekt der Meditation ist. Die Sonne versinkt darin. Wenn Sonne und Mond aufgehen, untergehen, am Himmel ihre Bahn ziehen und vollkommen in ihren Positionen verharren, liegt das an diesem großen Sein, das alles absorbiert, und durch dessen Existenz die Bewegungen aller Dinge kontrolliert werden.

Wenn Wasser abtrocknet, geht es dorthin. Es ist dieses Sein, das das Wasser in sich selbst absorbiert und es in ‚nichts’ verschwinden lässt. Aus Sicht des objektiven Universums ist es eine große Gottheit, die als komischer ‚Wind’ alles in sich selbst aufnimmt. Aus innerer mikrokosmischer Sicht ist es das Sein.

Im Universalen wird es als Luft bezeichnet, die alles in sich selbst absorbiert und jeden Effekt als Ursache aufnimmt. Auf ähnliche Weise wirkt es als Prana auch im Individuum. Wenn man einschläft, wird der Geist durch das Handeln von Prana zurückgezogen. Prana zieht den Geist in sich zurück. Alle Sinne werden in sich selbst zurückgezogen, die Augen, Ohren und jedes andere Sinnesorgan, das im Wachzustand aktiv ist. Alle Dinge dieser Art werden durch dieses absolute Prinzip reguliert, das durch Prana wirkt. Es kontrolliert alles und zieht alles zurück. Auf diese Weise wirkt es innerhalb und außerhalb. Es ist brahmanda und pindanda. Es ist Makro- und Mikrokosmos.

Dieses sind die beiden großen Auflöser im Kosmos. Im Inneren wirkt Prana und im Äußeren ist es die Luft, das kosmische Prana, Sutratman, Hiranyagarbha, das alles in sich selbst absorbiert. Diese beiden müssen in der Meditation miteinander in Verbindung gebracht werden, wie im Fall der Sandilya-Vidya. Das Innere und das Äußere müssen in der Meditation zusammenkommen, die man sich als eine Wirklichkeit vorstellen muss. Unter den Gottheiten ist es Vayu und bei den Sinnen und den inneren Funktionen ist es Prana. Dieses ist die Einweihung und Janasruti muss sie verstanden haben.

In früherer Zeit wurden Einweihungen in Mysterien dieser Art nicht als Lehren im eigentlichen Sinne angesehen. Man muss heutzutage überrascht sein, wie unkompliziert man mit diesem absoluten Wissen der großen Meister umgeht, das als einfache Anweisung weitergegeben wird. Obwohl tausendmal gehört, fühlen sich viele nur selten davon angetan. Der Grund liegt im Weitergeben dieses Wissens. Die Inhalte sind sehr wohl bekannt. Doch noch andere Faktoren darf man nicht außer Acht lassen. Die Aufnahmefähigkeit des Schülers, den Intellekt, der erforderlich ist, das Verlangen nach diesem Wissen bei dem Einzelnen, und die Umstände, die den ganzen Einweihungsprozess begleiten, sind wichtigere Faktoren als ein einfaches Wiederholen von Wörtern. Einweihung ist nicht nur ein Wiederholen von Wörtern, sondern mehr eine Kommunikation von Energie und Kraft. Es ist der Wille des Gurus, der in den Willen des Schülers eintritt, wobei beide auf derselben Ebene kommunizieren müssen. Ansonsten findet keine Einweihung statt. Dieses ist eine kurze Darstellung der Bedeutung von Einweihungen, die nicht durch ein einfaches Lesen von Wörtern ersetzt werden kann. Es ist ein Fundus an Wissen, das den Geist tief in die Mysterien der Schöpfung und der Wirklichkeit abtauchen lässt, in das der große Raikva, der so genannte arme Mann, König Janasruti Pautrayana einweiht, über den noch eine andere Geschichte erzählt wird:

Es gab einen Brahmacharin, der ein großer Meditierer auf Samvarga war, einer der diese Gottheit verehrte, in dessen Wissen Raikva den König Janasruti einweihte. Dieser Brahmacharin war ein disziplinierter Schüler dieser Vidya und ein Sucher, der fühlte, dass er sich auf Grund seiner tiefen Meditation mit der Gottheit identifizierte. Eines Tages bettelte er um Nahrung. Er kam zu zwei angesehenen Persönlichkeiten. Als er zu ihnen kam, wurde ihnen gerade das Essen serviert. Also bat auch er um Nahrung, doch sie verhielten sich als wären sie ihm gegenüber taub. Er bekam nichts. Sie blieben still, so als wäre nichts geschehen. Dieses ist eine Anekdote über einen anderen Aspekt der Samvarga-Vidya.

In der Upanishad spricht man von großen Persönlichkeiten, Saunaka und Abhipratarin, die hier beim Essen saßen, und einem aufrichtigen Schüler, der die Meditation im Sinne von Samvarga-Vidya praktizierte, der auf sie zukam und sie um Essen anbettelte. Sie gaben ihm nichts. Als er erkannte, dass er nichts bekommen würde, und dass die beiden Persönlichkeiten ihm auch nichts geben wollten, machte dieser junge Brahmacharin folgende Bemerkung:

Er sagte: „Meine Herren, die ihr hier beim Essen sitzt, hört, was ich euch zu sagen habe: Es gibt einen großen Gott, der alle vier anderen Gottheiten schluckt. Wer ist dieser Gott? Er ist der Erhalter aller Welten. Niemand kann diesem großen Gott widerstehen. Erkennt ihr beiden nicht, dass all dieses Essen diesem Gott zusteht? Diesem Gott habt ihr die Nahrung verweigert.“

Dieses ist im übertragenen Sinne das, was der Brahmacharin sagte. Es muss dabei noch etwas anderes in seinem Geist vorgegangen sein. Er war ohne Zweifel ein großer Meditierer im fortgeschrittenen Stadium. Er war praktisch mit der Gottheit, auf die er meditierte, eins geworden. Er trug in sich die Kraft jener Gottheit, und er konnte weitgehend das tun, was auch immer diese Gottheit tat. Diese Gottheit ist das universale Sein, Samvarga. Wenn dieser große Verehrer sich mit dieser Gottheit identifizierte und um Nahrung bat, verhielt er sich so, als würde er im Namen dieser Gottheit um Nahrung bitten. Es ist als würde diese Gottheit um Almosen bitten.

„Die gesamte Nahrung der ganzen Schöpfung gehört nur diesem einen Gott, und wenn ER um Nahrung bittet, die IHM rechtmäßig gehört, und ihr IHM nicht Folge leistet, was passiert dann?! Nun versteht ihr die Konsequenzen eurer Handlungsweise. Ihr habt mich gekränkt und meine Gegenwart ignoriert. Ihr habt mir nicht zugehört. Ihr habt mir nicht gegeben, warum ich bat, und ihr verhaltet euch, als wäre ich Luft. Seit euch über die Konsequenzen im Klaren“, sagte der Brahmacharin.

Durch diese Art Ansprache wird klar, dass er sich selbst als diese Gottheit verkörpert sah. Er drohte den beiden, die aßen, und die keine Notiz von ihm nahmen. Nun die Konsequenzen wären ohne Zweifel schlimm, wenn das Gesagte richtig wäre. Der Zorn der Gottheit wäre fürchterlich. Dieses war sicherlich mit der Drohung des Brahmacharin beabsichtigt, dem die Nahrung verweigert wurde. Nachdem der Brahmacharin gesprochen hatte, erhob sich Saunaka und antwortete:

„Du sagtest, dass der großen alldurchdringenden Gottheit die Nahrung verweigert würde. Hör’ mir genau zu. Du sprichst so, als lebtest du in der Vorstellung, dass du auf Samvarga meditierst. Du tust so, als würden wir die Gegenwart dieser großen Gottheit ignorieren, dem diese Nahrung zusteht. Was glaubst du, worauf wir meditieren? Ich werde es dir sagen: Es gibt eine große Seele, das Selbst aller, die Quelle und das Wesen aller Gottheiten, dem Schöpfer, dem geistigen Vater usw. Er ist derjenige, der durch den Mund des Wissens selbst isst. Es handelt sich dabei nicht um den normalen Mund mit Zähnen und einer Zunge. Es sind seine Zähne, die mit dem Schimmer des Wissens scheinen. Es ist das Wesen des Wissens, das Wissen seines Seins und ER schluckt alles. ER ist derjenige, der alles verschlingt. Es gibt nichts in der Schöpfung, das ER nicht verschlingen könnte. Alle Nahrung ist für IHN. ER konsumiert sie durch sein eigenes Sein und nicht mithilfe äußerer Instrumente. ER ist die weiseste aller Existenzen. Sein Ruhm ist wirklich groß. ER kann weder von jemand gegessen noch verschlungen oder irgendwie berührt werden. Alles ist für IHN Nahrung. ER isst auch Nicht-Nahrung, nicht nur das normale Essen. Darauf meditieren wir.“ Er gab seinem Diener Anweisungen dem jungen Brahmacharin Essen zu geben.

Diese Unterhaltung offenbarte etwas Interessantes, was nur schwer zu verstehen ist. Man kann den Kommentatoren bzgl. des Sinns dieses Gesprächs in gewisser Weise folgen. Es wird zunächst der Eindruck erweckt, dass der Brahmacharin Recht hätte, da die beiden am Boden sitzenden ihn scheinbar ignorierten und ihm nicht genug Aufmerksamkeit schenkten, da er doch kein normaler Mensch, sondern eher eine Gottheit war. Doch dann stellte sich heraus, dass die Beiden am Boden sitzenden nicht so unwissend waren, wie zunächst angenommen. Doch warum wird dem Brahmacharin zunächst das Essen verweigert? Da muss noch etwas anderes hinter stecken. In der Upanishad heißt es dann, dass die Beiden nur den Brahmacharin prüfen wollten, um heraus zu finden, wie tief sein Wissen sei. Darum gaben sie ihm die Antwort, womit sie dann mit ihrem Wissen vergleichsweise über ihm standen.

Wodurch wurde dieses höhere Wissen offenbart? Dieses höhere Wissen ist nur suggestiv, wird nicht offen ausgesprochen. Samvarga ist kosmisch so wohl als auch individuell zu betrachten. Als kosmisches Gegenstück gilt Vayu, das im Individuum als Prana wirkt. Die vier Großen, die von dieser Gottheit geschluckt werden sind, wie der Brahmacharin ausführt, das Feuer, die Sonne, der Mond und das Wasser, die alle im Sein des Vayu, Hiranyagarbha, der absoluten Wirklichkeit, begriffen werden. Im individuellen Aspekt sind es auch vier Dinge, die von Prana beeinflusst werden, d.h. die Augen, die Ohren, der Geist und die Sprache. Der Meditierende kann manchmal zu der falschen Annahme kommen, dass es eine Abgrenzung zwischen dem Individuum und dem Kosmos gibt. Entgegen der Tatsache, dass Beide eins sind, kommt es manchmal zur Unterscheidung vom Innerlichen und Äußerlichen bzgl. Prana und Vayu. Doch in der Meditation von Saunaka und seinem Freund ist diese Vorstellung gänzlich aufgehoben, denn sie kontemplieren auf das eine Sein, das keinen Unterschied von Innerlich und Äußerlich bzw. zwischen kosmisch und individuell kennt, sondern nur eine einzige Wirklichkeit zulässt. Mit dieser Entgegnung von Saunaka an den Brahmacharin soll die Tatsache einer einzigen Wirklichkeit besonders unterstrichen werden.

„Wir haben dich geprüft. Du bist in Ordnung. Komm iss mit uns.“ Dieses scheint die letztendliche Schlussfolgerung von Saunaka, der seinen Diener anwies, dem Brahmacharin zu bewirten. Vielleicht ist diese Schlussfolgerung auch nicht richtig, und es gab keinen Fehler in der Meditation des Brahmacharin. Vielleicht sollte es auch nur eine Ansprache sein, um auf das große Wissen hinzuweisen. Was auch immer es sei, es wird die Samvarga-Vidya gerühmt, die zur Identität mit der Gottheit führt. Man wird letztendlich durch diese Form der Meditation mit derselben Macht wie die Gottheit bedacht. Man wird so selbstsicher, dass alles, was ein Thema der Gottheit ist, auch zum Thema des Meditierenden wird, der dieses Thema zum Willen und im Sinne der Gottheit regelt. Er wird zum Übermenschen, so wie die Gottheit selbst über den Menschen steht. Dieses ist die Folge von Samvarga-Vidya.

Sie gaben ihm also zu essen. Nun folgt ein sehr komplizierter Teilabschnitt. Die folgenden Mantras sind, wie viele andere in den Vedas und Upanishads, seltsam altertümlich. Man kann hier nur eine wortwörtliche Übersetzung wiedergeben: ‚Diese fünf und jene fünf ergeben zehn’. Das ist die rätselhafte Bedeutung dieses Satzes. Man bezeichnet diese Darstellung im Sanskrit auch wieder als Krita (Vollkommenheit). Darum kommt die Nahrung aus allen zehn Richtungen. Virat (der Makrokosmos; die sichtbare physische Welt) ist der ‚Verzehrer’ von allem. Was auch immer er wahrnimmt, verzehrt er. Die Nahrung selbst ist auch Nahrungsverzehrer. Dieses ist der Effekt für jeden, der dieses Geheimnis kennt.

Was kann man daraus herleiten? Alle Interpretationen sind möglich. Doch dahinter verbirgt sich eine besondere mystische Bedeutung. Diese fünf und jene fünf setzen sich jeweils aus Verzehrer und Verzehrte zusammen. Verzehrer ‚im Äußeren’ ist der so genannte kosmische Wind, die Lebensenergie, der Absorber, das absolut Göttliche, in das alles verschwindet bzw. endet oder sich auflöst. Die anderen vier sind die Verdauungselemente dieser absoluten Gottheit, d.h. das Feuer, die Sonne, der Mond und das Wasser. Wenn man es nicht so kompliziert machen möchte, kann man auch sagen, es sind die vier Elemente Äther, Feuer, Wasser und Erde, die in dem absoluten Absorber aufgelöst werden. Im Inneren herrscht Prana als Verzehrer und die Verdauungselemente sind die Sinnesorgane, d.h. die Sprache, die Augen, die Ohren und der Geist. Auf diese Weise bilden die vier Begriffe, die als Verdauungselemente dienen, zusammen mit dem Verzehrer wiederum fünf. Die fünf aus dem Makrokosmos und die fünf aus dem Mikrokosmos ergeben zusammen zehn. Das ist Krita.

Krita ist ein schwieriger Begriff. Wie bereits früher erwähnt, ist er auch ein Name für den Würfel in einem Würfelspiel. Die Ziffern dieses merkwürdig magischen Würfels sind vier, drei, zwei und eins. Wenn man vier, drei, zwei und eins zusammenaddiert ergibt das ebenfalls zehn. Darum heißt es, dass alle Ziffern eines Würfels zehn ergeben müssen, was dem Inneren und Äußeren der Gottheit mit ihrer verzehrten Nahrung entspricht.

Ein anderer interessanter, hier erwähnter Begriff ist Virat. In der Veda ist Virat eine Maßeinheit mit zehn Buchstaben. Darum wird hier ein Vergleich zwischen dieser Maßeinheit Virat mit seinen zehn Buchstaben, den Ziffern des Würfels und der Gottheit mit seiner Nahrung hergestellt. Im Allgemeinen ist Virat die kosmische Persönlichkeit des All-Seins, die all-umfassende Wirklichkeit, für die alles nur Nahrung ist. In Virat ist nicht bestimmbar, was isst und was gegessen wird. Eine Unterscheidung zwischen beidem gibt es in Virat nicht. Die Nahrung kommt aus allen Richtungen und in jeder Form von Virat zu Virat. Virat bedeutet all-umfassende Wirklichkeit, wo es keinen Unterschied mehr zwischen Subjekt und Objekt gibt. Der Seher und das Gesehene, der Verzehrer und das Verzehrte können nicht mehr unterschieden werden. Das Verzehrte ist selbst Verzehrer, und der Verzehrer ist Verzehrtes gleichermaßen. Beide Sichtweisen sind möglich. Was auch immer wahrnimmt, ist der ‚Stoff’, der verzehrt wurde, und was auch immer verzehrt wurde, ist auch das was wahrnimmt. Jemand, der dieses Mysterium kennt, wird zu dem Mysterium. Dieses Mysterium wird allen klar, die diesen Teilabschnitt gelesen, studiert und verstanden haben.

Hier endet die Samvarga-Vidya, womit auch das Studium der Chhandogya-Upanishad abgeschlossen ist. Alle wesentlichen Punkte der Chhandogya-Upanishad wurden damit beleuchtet.

OM TAT SAT


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