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Erläuterungen zur Mandukya Upanishad

 

Das Pranava bzw. Omkara

Die Veden, in Form der Samhitas, beinhalten innerhalb der Vedanta oder den Upanishads eine Einführung zu diesem Thema. Die Upanishads sind geheime Lehren mit Weisheiten jenseits des Irdischen. Sie enthüllen Aussagen über die Natur der Wirklichkeit früherer großer Heiliger. Unter den Upanishads kann die Mandukya als die Wichtigste angesehen werden. Es wird behauptet, dass allein die Mandukya für die Befreiung des Suchenden ausreicht. Es heißt, wenn man die wahre Bedeutung dieser einzelnen Upanishad verstünde, wäre es nicht notwendig, andere Upanishads, wie Chhandogya oder Brihadaranyaka, zu studieren, denn die Mandukya Upanishad beinhaltet ein direktes Zugehen auf die Tiefen der menschlichen Natur. Sie gibt keine Vergleiche oder erzählt irgendwelche Geschichten. Sie gibt nur Fakten in Bezug auf den Menschen im Allgemeinen und auf die Wirklichkeit in ihrem wesentlichen Charakter. Es handelt sich um eine sehr verständliche Upanishad, die nur zwölf Aussagen in Form von Mantras beinhaltet, in denen das ganze Wissen der Upanishad, wie in einer Nussschale, verpackt ist. Die Upanishad beginnt mit einem Gebet an die Wächter der Viertel, den Gottheiten oder Offenbarungen Gottes, der die ganze Schöpfung regiert, damit wir mit Gesundheit und dem Verstehen gesegnet werden, um in das Geheimnis der Upanishad einzudringen, um darüber zu meditieren, und um die hier offenbarte Wahrheit zu verwirklichen.

Die Mandukya Upanishad wird den Enthüllungen des großen Heiligen Manduka zugeschrieben. Sie beginnt mit folgender Erklärung:

Om ityetadaksharam idam sarvam, tasyopavyakhyanam bhutam

bhavat bhavishyaditi sarvam omkara eva.


Das Unsterbliche ist OM, und es ist all dies‘. Alles andere, was auch immer vergänglich, gegenwärtig oder zukünftig ist, ist wie eine Darstellung, Erklärung oder ein Kommentar über die Bedeutung dieser großen Wahrheit, d.h. das unsterbliche OM. Sarvam Omkara eva: alles ist wirklich OM. So beginnt die Upanishad. Om ityetadaksharam idam sarvam: Alles dieses, Sichtbares oder Erkennbares, was auch immer mit den Sinnen aufgenommen werden könnte, woraus Schlussfolgerungen oder verbale Aussagen abgeleitet werden könnten, was auch immer unter dem Begriff einer Schöpfung verstanden werden könnte, ist OM.

Wir haben OM häufig rezitiert, und wir sind es gewohnt, einander mit OM zu begrüßen, und das Japa aller Mantras mit OM zu beginnen. Das OM schließt alle Dinge ein und es ist darum richtig, alles mit OM zu beginnen. OM und ATHA sind sehr positive Wortsilben: ‚Om, Atha; Om, Atha; Om, Atha; Om;‘ wir verwenden sie täglich. Von dem OM-Klang wird angenommen, dass er als Saat der Schöpfung gilt. OM ist Pranava. Es ist ein Bija-Mantra , gültig für alle anderen Mantras, sei es nun für die Tantrika oder für die Vaidika . Unter dem Rezitieren des OM wird nicht nur alles Bedeutsame verstanden, sondern sind auch alle Sprachen eingeschlossen. Alles Verbale ebenso wie die objektive Welt ist im OM eingeschlossen. OM ist beides: Nama und Rupa, d.h. Name und Form. Es ist nicht nur Klang, obwohl es auch Klang ist; und was unbedingt zu beherzigen ist, dass das OM nicht nur zum Singen oder Rezitieren ist, ein Wort oder ein Teil der menschlichen Sprache ist, sondern viel mehr beinhaltet. Es ist etwas, das durch sich selbst existiert, was man auch als Vastu-Tantra ‘ bezeichnet und sich vom ‚Purusha-Tantra‘ abhebt, d.h., sich nicht auf etwas bezieht, sondern allein dasteht. Wir erschaffen kein OM, indem wir es singend wiederholen, sondern wir erzeugen damit eine Vibration, die bereits durch eigenes Recht existiert und OM genannt wird. OM ist eine kosmische Vibration. Es ist kein Gesang, der erst durch uns erzeugt wird. Warum singen wir OM? Wir singen OM, um eine Verbindung zwischen uns und jenem herzustellen, das durch eigenes Rechst existiert, und das sich selbst als Klangvibration in Form des OM offenbart.

Das Absolute ist die Rupa, die Form des OM, der IHM den Namen gibt. Da alles in der Welt einen Namen hat, so wird Gott z.B. als Ishvara bezeichnet. Da wir jede Form in unserem Bewusstsein mit einem Namen belegen, uns seiner dadurch erinnern, so bezeichnen wir das Sein oder die Form von Gott als Ishvara. Und genauso wie der Name eines bestimmten Objektes mit einer Beschreibung des Charakters des Objektes verbunden ist, so wird auch OM als Name von Ishvara durch seine einzigartige Beschreibung charakterisiert, was uns ermöglicht, auf die Form von Ishvara zu kontemplieren. Berg ist ein Name, Fluss, Feuer, Mann und Frau sind Namen, Rama und Krishna sind Namen usw. Wir kennen viele Namen. Diese Namen sind mit bestimmten Formen verbunden. Wenn man einen Namen ausspricht, dann erinnern wir uns auf Grund der ständigen Verbindung automatisch an die dazugehörigen Form. Jeder weiß sehr gut, wie sehr wir durch einen Namen beeinflusst werden. Wenn man mit einem bestimmten Namen belegt wird, ist man entweder erfreut oder enttäuscht. Es gibt Bezeichnungen, durch die man verärgert ist, durch die man aus dem Gleichgewicht kommt, weil man mit dieser Bezeichnung eine schlimme Assoziation entwickelt hat. Wenn man zum Beispiel als Maharaj bezeichnet wird, fühlt man sich geehrt. Doch wenn man als ‚Esel‘ tituliert wird, ist das nicht der Fall. Der Grund liegt in der Assoziation, die sich mit der Bezeichnung in unserem Geist festgesetzt hat und das Gefühl, das wir mit dem Namen verbinden. Namen oder Bezeichnungen erzeugen in uns bestimmte Vibrationen. Angenommen, jemand warnt laut: „Schlangen, Schlangen!“ Sofort wird unsere Aufmerksamkeit erregt. Niemand achtet auf irgendetwas Anderes. Welche Vibration erzeugt allein dieses Wort ‚Schlangen‘ in unserem Geist. In unserem Geist gibt es zu dem Wort ‚Schlangen‘ eine psychologische Verbindung. Wir kennen die Bedeutung sehr genau. Jeder Name auf der Welt hat eine Form und eine mit dieser Form verbundene Bedeutung. Jede Form ist nicht nur das Gegenstück zu einem Namen, mit dem es verbunden ist, sondern hat auch eine Beziehung zu anderen Formen.

Jetzt kommen wir vom so genannten Ishvara-Srishti zum Jiva-Srishti. Ishvara-Srishti nennt man die Form, die auf Grund eigener Rechte mit einem Namen korrespondiert. Jiva-Srishti ist die psychologische Verbindung, die man zwischen sich und dem korrespondierenden Form eines bestimmten Namens empfindet. Auf Grund von Jiva-Srishti ist man berührt, und das Verstehen der Form bezogen auf den Namen wird nur durch Jiva-Srishti zum Ausdruck gebracht. Wir sind nicht nur mit Ishvara-Srishti verbunden, sondern auch mit Jiva-Srishti; möglicherweise sind wir mit dem Letzteren mehr verbunden, denn was uns bindet oder befreit, ist die Natur von Jiva-Srishti. Die Dinge als solches betreffen uns nicht so sehr, doch Dinge, die uns auf ihre Art berühren, binden uns in Samsara oder die irdische Existenz. Jeder Name ist mit einer Form verbunden. Die Form ist der Inhalt von Ishvara-Srishti, der Schöpfung von Ishvara, Gott. Wir als Jiva oder Individuen, auch wenn wir Teil von Ishvara sind, bilden um uns einen Kokon, verwickeln uns in ein Netz, dass wir aus unserer eigenen Vorstellung heraus erschaffen. Diese Vorstellungen verbinden uns mit anderen Individuen oder Dingen bzw. anderen sozialen Schöpfungsinhalten. Man existiert nicht nur als Inhalt einer Schöpfung, sondern man unterhält auf verschiedene Art und Weise auch eine Verbindung zu anderen Schöpfungsinhalten. Dieses ist der Unterschied zwischen uns als Teil der Ishvara-Srishti einerseits und uns als Zentrum von Jiva-Srishti andererseits. Man trägt in sich einen Aspekt von Ishvara ebenso wie Jivatva. Der Ishvara-Aspekt ist unsere würdevolle Natur und der Jiva-Aspekt bindet uns in das Reich von Samsara ein. Auf diese Weise haben wir eine doppelte Natur, doppelte Persönlichkeit, einen Charakter, der durch unsere Beziehung zu Ishvara einerseits und durch unsere Beziehung zum irdischen Leben andererseits bestimmt wird.

In dieser Situation von Namen und Form (Nama und Rupa) befinden wir uns als Nenner des Namens und der benannten Form in der Schöpfung, von der wir ein Teil und Inhalt sind. Die Ursache von Vergnügen und Schmerz liegt im Zusammenkommen der Formen in Bezug auf uns. Jeden Tag begegnen wir verschiedenen Formen der Welt; und dieses Zusammenkommen ist nichts weiter als eine psychologische Begegnung mit diesen Formen. Dieses ist Samsara. Jede äußere Beziehung ist Samsara. Das ganze tägliche Einerlei der Begegnungen ist Samsara, von dem wir uns zu befreien versuchen. Wir wollen Moksha von diesem Samsara. Moksha ist jener Status, den wir nicht durch Jivatva, sondern nur unter der Bedingung von Ishvara erreichen. Ishvara ist jener Zustand (Existenz) auf Grund eines eigenen Rechts und nicht auf Grund irgendwelcher Beziehungen. Man ist etwas aus sich selbst heraus, unabhängig von anderen, so wie man auch anderen gegenüber erscheint und umgekehrt. Man möchte die eigene Existenz von Jivatva auf Ishvaratva übertragen. Man möchte auf Grund seines eigenen Rechts existieren, in einer eigenständigen Natur, mehr unabhängig als abhängig. Man möchte nicht ersatzweise in Objekten denken. Man möchte ein völlig unabhängiger Kevala sein. Man möchte Kaivalya erreichen. Dieses wird als Moksha oder absolute Freiheit bezeichnet.

Die Mandukya-Upanishad schlägt eine einfache Methode vor, um die Jiva in Ishvara zu etablieren, um die Beziehungen der Persönlichkeit in den beziehungslosen Ishvara zu übertragen; und um die Gegenwart von Ishvara direkt einzubinden, wird Ishvara in das Bewusstsein gerufen. Gib Ishvara einen Platz in deinem Herzen. Anstatt an ein Objekt, bezogen auf einen bestimmten Namen, zu denken, sollte man an Ishvara denken, der mit einem verständlichen Namen gekennzeichnet ist. All die Namen der Welt, wie Berge, Flüsse usw., sind bestimmte Namen, die zu bestimmten Formen gehören. Doch Ishvara ist keine bestimmte Form: ER ist universal. Darum kann ER nicht mit einem bestimmten Namen versehen werden. Man muss IHN mit einem universalen Namen anrufen, denn ER ist von universaler Form. Ishvara kann in keiner Sprache genau beschrieben werden, denn ER stellt kein bestimmtes Objekt dar. ER ist weder Mann noch Frau oder gar ein menschliches Wesen; ER ist weder hier noch dort; ER ist überall. Das, was überall ist, kann in keiner Sprache benannt werden. Es erfordert eine sehr allgemein verständliche Sprache, um die verständliche Form von Ishvara zu beschreiben. Doch Sprachen sind in ihrem Ursprung regional beschränkt. Es gibt viele Sprachen. Doch keine einzelne Sprache wird in allen Teilen der Welt verstanden. Und selbst wenn es eine Sprachen gäbe, die in der ganzen Welt verstanden würde, dann wäre sie aus Sicht des Kosmos immer noch regional beschränkt. Gibt es eine Sprache, die im ganzen Universum verstanden wird? Nur solch eine Sprache könnte Ishvara beschreiben, denn ER ist universal. Es gibt keine solche Sprache. Die einzige wahrnehmbare Sprache, die sich den früheren Rishis offenbarte, war OM oder Pranava.

Das OM ist der Laut einer universalen Sprache, die alle anderen Sprachen beinhaltet. Der Vokal, bei Wiederholung des OM, schwingt auf eine allumfassende Art und Weise. Wenn man A, B, C usw. aufsagt, beginnt auch jeweils ein bestimmter Teil des Vokalsystem zu schwingen, doch wenn OM rezitiert wird, beginnt die ganze Klangvielfalt zu schwingen. Man kann es ausprobieren und die Ergebnisse genau beobachten. Der ganze Klangkörper und nicht nur ein Teil beginnt beim OM zu arbeiten. Es sieht so aus, als ob alle Sprachen in OM enthalten sind, denn beim rezitieren des OM beginnen alle Vokalen, jedes Wort gleichzeitig zu schwingen, alle Worte sind irgendwie in der Grundschwingung, die durch das OM-Singen hervorgerufen wird, enthalten. Darüber hinaus hat das OM noch eine weitere Bedeutung. Der Ausruf eines bestimmten Namens erzeugt eine Schwingung. Man entwickelt bei der Namensnennung ein bestimmtes Gefühl. Kaffee, Tee, Reis sind Namen für bestimmte Objekte. Wenn man diese Namen ausspricht, werden bestimmte Assoziationen im Geist erzeugt und man empfindet dabei etwas Bestimmtes. Der ‚Skorpion‘ erzeugt ein anderes Gefühl, wie z.B. Unglück, Hässlichkeit, Erdbeben, Atombombe oder Krieg. Jeder Begriff erzeugt andere Gefühle. Es sind nicht nur Wörter. Es sind Schwingungen, die uns durch das jeweilige Wort übermittelt werden. OM hat auch eine Schwingung und ist nicht nur Wort oder Klang. OM ist eine universale Schwingung, mit der die Schöpfung beginnt, wie es heißt.

Die Manusmriti, die Mahabharata, die Puranas und die Upanishads beschreiben die Natur, den Aufbau, die Struktur und die Herrlichkeit von OM. Mit dem OM erschuf Brahma diesen Kosmos, und aus dem OM gingen die drei Laute A, U, M hervor, die wiederum die Silben Bhuh, Bhuvah, Svah usw. bildeten. Aus diesen drei Silben gingen die drei Padas des Gayatri-Mantras hervor. Von den drei Padas des Gayatri-Mantras gingen die drei Teile der Purusha-Sukta hervor, woraus sich der Inhalt der gesamten Vedas ergab. Aus den Vedas erschuf Brahma diesen Kosmos (die Schriften). Von solch einer Bedeutung ist das OM, - es ist nicht nur irgendein Lied, das von Brahma gesungen wurde, sondern es ist eine universale Schwingung, die sich aus dem Absoluten Sein zu Anfang der Schöpfung entwickelte. Wenn wir OM singen, versuchen wir auch eine mitfühlende Schwingung in uns zu erzeugen, eine Schwingung, die etwas Einfühlsames mit der kosmischen Schwingung hat, sodass wir während dieser Zeit im Einklang mit dem Kosmos sind. Wenn wir OM rezitieren, bewegen wir uns auf gleicher Wellenlänge mit dem Kosmos und erzeugen eine harmonische Schwingung in unserem Körper und in unseren Gefühlen. Anstatt uns von der äußeren Welt ablenken zu lassen, schwingen wir im Fluss bzw. Rhythmus der Welt. Anstatt wie unabhängige Individuen zu denken, beginnen wir universal, wie Ishvara zu denken. Anstatt in Beziehung von einander getrennter Objekte zu denken, denken wir ohne jegliche Vorbedingungen. Es herrscht allein ein Gedanke. Kannst du dir einen selbstdenkenden Gedanken vorstellen? Dieses ist der Gedanke Ishvaras. Wenn ein Gedanke an ein Objekt denkt, ist dieses die Denkweise von Individuen. Wenn der Gedanke nur sich selbst denkt, ist dieses die Denkweise Ishvaras oder Ishvaras Gedanke bzw. Wille. Wenn wir OM richtig mit der wirklichen Assoziation rezitieren, denken wir nichts Bestimmtes. Wir denken alles in Allem. Dieses ist die Denkweise Ishvaras. In diesem Augenblick denken nicht wir selbst, sondern Ishvara denkt durch unseren Geist. Als Menschen hören wir auf zu existieren. Wir existieren als Ding in Ishvaras Selbst, der in seiner eigenen Statur, seinem eigenen Geist und Status existiert. ER existiert nicht unter den Bedingungen des Individuums (Jiva) in Bezug auf andere Objekte, so wie wir. Ishvara hat zu niemanden irgendeine Beziehung, und wir, als Sucher nach Ishvara oder Brahman, wollen durch eine universale Natur existieren. Wir versuchen durch das Rezitieren von OM in das Sein von Ishvara hineinfließen, so wie ein Fluss sich in den Ozean ergießt. Wir sind wie Flüsse, die kraftvoll ihr Gewässer - allein durch ihre Neigung - in die See ergießen wollen, indem wir durch den Erguss der OM-Schwinung in die universale Form von Ishvara eintauchen.

Wenn man OM richtig rezitiert, erreicht man einen meditativen Zustand. Man wiederholt nicht nur einen Klang, ein Wort oder eine Phrase, sondern erzeugt eine Schwingung. Man erzeugt eine Schwingung; dieses muss unbedingt betont werden. Welche Art von Schwingung? Es ist keine erregende oder irritierende Schwingung. Sie erzeugt auch kein Verlangen nach bestimmten Objekten, sondern sie löst alle anderen Schwingungen in sich auf, beendet alle Wünsche und erzeugt das Verlangen nach dem Universalen. So wie Feuer Stroh verbrennt, so verbrennt dieses Verlangen nach dem Universalen alle anderen Wünsche. Ein korrektes Wiederholen des OM, und sei es nur drei Mal, ist genug, um alle Sünden zu verzehren, um allen Wünschen ein Ende zu setzen, und innerlich ruhig und zufrieden zu werden. Das positive Ergebnis der Prüfung für eine korrekte Wiederholung des OM liegt in einem immer ruhiger und zufriedener werdenden Geist. Man erhält ein Gefühl, dass man mit allem, was man hat und ist, zufrieden ist. Wenn man aus dem meditativen Zustand mit einem bestehenden Wunsch zurückkehrt, ist dieses ein Zeichen dafür, dass die Kontemplation nicht vollkommen war. Der Wunsch bestand während der Kontemplation fort und selbst das Singen des OM war nicht korrekt. Das Singen des OM sollte mit dem Gedanken an das Universale einhergehen. Es ist Japa in Kombination mit Dhyana . Während andere Japas langsam in die Kontemplation oder Meditation führen, entsteht aus diesem Japa der plötzliche Dhyana-Zustand, wenn es richtig ausgeführt wird. Mit der Meditation auf OM werden Japa und Dhyana kombiniert, d.h. Name und Form verschmelzen. Hier gibt es keinen Unterschied zwischen dem Namen und dem Benannten, weil sich der universale Name (OM) und Seine universale Form vereinen. Es gibt keine zwei Universale. Es kann nur ein Universal geben. Darum werden Name und die benannte Form OM eins. Japa und Dhyana sind im Fall des Singens von OM ein und dasselbe. Es ist ein plötzliches

Betreten eines Reiches, das der individuelle Geist nicht verstehen kann. Eine ekstatische Verzückung kann auf diese Weise plötzlich von uns Besitz ergreifen. Omityetadaksharamidam sarvam, - OM ist wirklich alles.

OM ist unsterblich. Alle Namen dieser Welt sind sterblich, denn sie vergehen mit ihren Formen. Doch diese universale Form ist unsterblich. Dieser universale Name, der alles einschließt, ist ebenfalls unsterblich. Omityetadaksharam: OM ist Akshara, und akshara ist unsterblich. Tasyopavyakhyanam, bhutam, bhavat, bhavishyaditi sarvam Omkaraeva; yaccanyat trikalatitam tadapyomkara eva... Alles aus der Vergangenheit, alles aus der Gegenwart wird auch in der Zukunft sein, - alles ist OM, denn OM kennt weder Vergangenheit noch Gegenwart oder Zukunft. Das Universale kennt keine Zeit. Welch großartige Beschreibung von OM findet sich in der Mandukya Upanishad! Was auch immer in der Zeit ist, d.h. in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, ist OM. Und nicht nur das, sondern auch, was jenseits der Zeit ist, ist OM. OM ist von zweifacher Natur: der Vergänglichen und der Ewigen, d.h. Sabda und Sabdatita. Es wird aus A, U, M gebildet und repräsentiert die gesamte Schöpfung. Doch es hat auch eine vierte Natur, die diese Schwingung aus A, U, M übersteigt. Sie wird Amatra und Chaturtha-Bhava genannt. Die klanglose Form ist Amatra, die Unermessliche, die unhörbar ist. Diese Amatra oder unermessliche ewige Natur von OM ist kein Klang oder gar eine Schwingung, sondern nur reine einfache Existenz, die als Satchidananda-Svarupa bekannt ist, was existierende bewusste Glückseligkeit ist.

Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ist vorübergehend und im OM enthalten, und was die Zeit übersteigt, ist ewige Natur des OM. Folgende Analogie zu einem Fluss und einem Ozean lässt sich herstellen: der Fluss ist eine vergängliche Form, der Ozean ist eine permanente Form. Der Fluss hat einen Namen und eine Form, doch es gibt weder solch einen Namen noch ein Form des Flusses im Ozean, da sich alle Flüsse mit dem Ozean vereinen. Von seiner vergänglicher Form könnte man sagen, dass OM alles Existierende in der Schöpfung benennt. In seiner ewigen Form bezeichnet OM keine bestimmten Formen, doch ist es formlos, zeitlos und raumlos. Darum ist OM sowohl Name als auch Form; die Form und das Formlose; die Schwingung und das Bewusstsein; die Schöpfung und Satchidananda . All dieses ist OM.

Wie sollte man OM singen? Diese Frage stellt man sich häufig. Wir haben bisher versucht, etwas von der Herrlichkeit des OM zu verstehen. Doch wie sollte man OM rezitieren? Müssen wir irgendetwas Bestimmtes dabei Beachten? In der Beschreibung finden wir, dass das OM weder zu lang noch zu kurz rezitiert werden sollte. Es gibt ohne Zweifel eine kurze, eine mittlere und eine lange Betonung, doch zur Meditation sollte man Mittelmaß walten lassen. Es gibt so etwas wie ein Zeitmaß, Matra genannt, wobei man als ein Matra folgendes Zeitmaß kennt: man macht dazu eine Faust, bewegt die Faust langsam einmal um die Knie herum und schnippt mit den Fingern. Wenn man dafür die Zeit fest hält, hat man das Zeitmaß für ein Matra. Man kann es auch zwei oder drei Mal ausführen. Dann erhält man die Zeit für zwei bzw. drei Matras. Ein Matra ist die kurze, zwei die mittlere Form usw. Nun kann man sich das richtige Zeitmaß wählen. Es gibt keinen Zwang für die Ausdehnung bzw. Kürze der Rezitation des OM. Alles, was angenehm ist, ist richtig und sollte dem individuellen Temperament und den Möglichkeiten entsprechen, was auch berücksichtigt werden muss.

Woran sollte man beim Rezitieren des OM denken? Ich bin ein Ozean, und alle Flüsse in Form von Objekten treten in mich ein.‘ Erinnern wir uns an die Gita: Apuryamanam acalapratishtham ... usw. Du bist der Ozean, in den alle Flüsse in Form von Objekten eingehen.‘ Es gibt dann keine Flüsse, keine Objekte mehr; denn sie werden zum Ozean. Man denke in diesem Augenblick mit diesem Gefühl, was nicht näher beschrieben werden kann. Jeder muss es für sich selbst üben und erfahren. Man singe OM und entwickle das Gefühl über einen Zeitraum von ca. fünf Minuten. Dann schreibt man die Erfahrungen in ein Tagebuch und kann später daran die eigene Entwicklung verfolgen. Von Tag zu Tag kann das OM-Singen verlängert und allmählich, mit Gottes Segen und viel Geduld, bis auf eine halbe Stunde ausgedehnt werden. Die Welt wird in uns eintreten; und wo bleibt die Welt der Erregungen? Samsara ist ein Netzwerk der Erregungen und Strömungen, die wie Flüsse in unser universales Sein hineinrauschen. Sie wurden von unserem Körper der Universalität geschluckt; und das Gurgeln der Flüsse hört auf zu existieren, wenn sie in die Stille des Ozean einmünden. Die Belästigungen der Welt hören auf, wenn sie in die reine Existenz der Wahrheit der eigenen Universalität eintreten.


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