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Chandogya Upanishad

2. Kapitel

Uddalakas Lehren über das Einssein des Selbst

1. Die Vorgeschichte

Vor vielen Jahren lebte ein Heiliger namens Uddalaka, Sohn von Aruni. Er hatte einen Sohn, der Svetaketu genannt wurde. Aus irgendeinem Grund war sein Vater nicht in der Lage, seinen Sohn persönlich zu schulen bzw. einzuweisen. Der Junge trödelte überall herum, spielte mit den Kindern aus der Nachbarschaft und wusste nicht, was Lernen oder gar eine Ausbildung bedeutet. Eines Tages rief der Vater seinen Sohn zu sich: „Mein lieber Sohn niemand in unserer Familie wird allein durch seinen Namen zum Brahmin. Er muss sich seines Namens würdig erweisen, d.h. er muss mit dem wirklichen Wissen eines Brahmins ausgestattet werden. Wir sollten uns nicht nur wegen unseres Namens und durch unsere soziale Stellung in der Gesellschaft als Brahmin bezeichnen. Du bist mit einem berühmten Mann verwandt. Darum musst auch du zu einer herausragenden Persönlichkeit werden. Du solltest nicht nur sagen müssen, ‚ich bin ein Freund von dem und dem, mein Vater ist der und der.’ Du musst auch von innen her zu einer derartigen Persönlichkeit werden. Darum musst du zu einem Gurukula gehen und von ihm lernen.“

Als Svetaketu zwölf Jahre alt war, verließ er also das Haus seines Vaters, um sich von einem Gurukula ausbilden zu lassen. Nach Abschluss seiner Ausbildung war er bereits 24 Jahre alt, d.h. seine Ausbildung dauerte 12 Jahre. Er studierte all die Vedas, Shastras, alle religiösen Schriften, und es gab praktisch nichts Religiöses, was er nicht gelernt hatte. Dieses Lernen hatte aber auch noch einen anderen Effekt. Es erfüllte den Jungen mit großem Stolz. Er glaubte, dass es niemand bzgl. des Lernens mit ihm gleichtun könnte. Er glaubte alles zu wissen, sodass er glaubte, nahezu allwissend zu sein. Als er im Alter von 24 Jahren wieder nach Hause zurückkehrte, sprach er nicht über das Erlernte. Er gab sich würdevoll und saß da, ohne selbst mit seinem Vater ein Wort zu wechseln. Er war schlicht eingebildet. Er gab aufgrund seines Wissens keinen Laut von sich. Sein Vater beobachtete sein Verhalten. Er sprach nicht, er war arrogant, stolz, aufgeblasen, so als würde er alles wissen. Er machte einen fremdartigen Eindruck. Eines Tages rief der Vater seinen Sohn zu sich: „Du sprichst nicht. Du scheinst viel gelernt zu haben und machst einen arroganten Eindruck. Ich verstehe nicht, was das zu bedeuten hat. Hast du alles von deinem Guru gelernt, was dir das Gefühl gibt, alles zu wissen und bist darum voller Stolz? Weißt du alles? Hast du alles gelernt?“

„Weißt du, was DAS ist, durch das man alles weiß? Kennst du DAS, wodurch Ungehörtes hörbar wird und Ungedachtes denkbar wird? Hat dein Guru oder Lehrer, bei dem du die vier Vedas gelernt hast, dir dieses Geheimnis vermittelt, durch die die Dinge hörbar werden können, die nicht gehört werden, durch die die Dinge gedacht werden können, die undenkbar scheinen, und wodurch die Dinge verstanden werden können, die man nicht versteht? Es gibt ein Wissen, durch das man alles erfährt. Hast du davon gehört? Haben deine Lehrer dir dieses beigebracht?“ Sehr komisch! Der Junge scheint nie davon gehört zu haben!? Wie können Dinge gehört werden, die nicht hörbar sind? Wie können
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Dinge gedacht werden, die undenkbar sind? Wie können Dinge verstanden werden, die unverständlich sind? Davon steht nichts in den Vedas oder Shastras geschrieben. Man findet nirgendwo etwas darüber geschrieben. Der Junge sagte: „Was ist das? Ich kenne es nicht. Mir wurde nichts darüber beigebracht.“ Er wurde etwas kleinlaut. Es gibt also etwas, was ich nicht weiß. „Wenn du niemals von etwas gehört hast, wie kann man es dann hören? Wenn man über eine Sache nicht nachdenkt, wie kann man darüber nachdenken? Wie kann etwas verstanden werden, das man eigentlich nicht versteht?“ – „Doch es gibt einen Weg“, sagte der Vater. „Es gibt einen Weg, über den es möglich wird, alles zu erfahren, selbst wenn man normalerweise keine Kenntnis davon haben kann. Übersinnliches kann erfahren werden und alles kann durch das Wissen einer einzigen Sache bewusst werden.“ Der Vater richtete diese Frage an seinen Jungen, doch der wusste nichts davon. „Wie ist das möglich?“ fragte der Junge seinen Vater. „Was bedeutet diese Frage? Wie ist es möglich, Kenntnis davon zu erlangen?“ – „Ich werde dir ein Beispiel geben.“ Ohne in die Einzelheiten zu gehen, gab der Vater nur ein Beispiel, eine Analogie darüber, wie es möglich ist.

„Wenn man weiß, woraus die Erde gemacht wurde, dann kennt man auch alles, was aus der Erde entstanden ist, denn alles, was aus der Erde entstanden ist, muss im wesentlichen dieselbe Substanz beinhalten. Folgendes Beispiel soll veranschaulichen, wie viele Dinge bekannt sein müssten, wenn man die Basis kennt. Töpfe, Gefäße, Teller usw. wurden aus Ton gefertigt. Wenn man also Ton kennt, weiß man auch, woraus Tongefäße bestehen usw. Ist das verständlich? Sicherlich ja! Denn es handelt sich nur um verschiedene Muster, die alle aus Ton bestehen. Und das, was man als irdischen Top bezeichnet, ist nur ein Name, der einem bestimmten Muster gegeben wurde, der aus irdischem Material gefertigt wurde.

So verhält es sich auch mit bestimmten anderen Dingen. Wenn man sich einen kleinen Goldklumpen anschaut, so kann er in verschiedenen Schmuckgegenständen Verwendung finden. Er kann zu einer Halskette, einem Ring oder irgendetwas anderes verarbeitet werden. Wenn man nun weiß, was Gold wirklich ist, woraus es wirklich besteht, dann weiß man auch, woraus eine Goldkette, ein Ring oder andere Schmuckgegenstände dieser Art gefertigt werden, denn alle haben dieselbe Substanz. Bei den Schmuckgegenständen handelt es sich nur um Muster von gleicher Substanz, d.h. Gold.

Wenn man sich beispielsweise eine Schere anschaut, stellt man fest, dass sie aus Eisen gefertigt wurde. Dann kennt man auch alle ähnlichen Gegenstände, die Eisen als Grundlage haben, sei es ein Hammer, ein Nagel, eine Axt oder was auch immer. Diese Gegenstände bestehen im Wesentlichen aus derselben Substanz. Sie unterscheiden sich nur im Muster bzw. in ihrer Ausführung.

Dieser irdische Tontopf ist irgendwie etwas vollständig Fremdes. Man hat diesem Muster, das aus Ton besteht, einen Namen gegeben. Im wahrsten Sinne des Wortes gibt es so etwas wie diesen Topf eigentlich nicht. Wenn man den Topf berührt, was fühlt man dann: Ton oder einen Tontopf? Man weiß es nicht wirklich. Es ist außerordentlich schwierig zu bestimmen, ob man einen Tontopf oder Ton berührt. Man berührt Ton und man sagt, man berühre einen Tontopf. Der Tontopf existiert nur in unseren Köpfen, doch nicht außerhalb. Das, was wirklich existiert, ist Ton. In Gedanken ist es klar, dass es sich bei der Substanz um Ton handelt. Die Einmischung von Raum und Zeit in die irdische Substanz ist für dieses eigenartige Muster verantwortlich. Auf diese Weise ist das Tongefäß, das aus irdischem Material besteht, nur ein Name oder Klang. Man benutzt einen Begriff, das ein Muster bezeichnet, das aus Erde besteht. Was bedeutet dieses Muster aus irdischem Material? Was ist ein Muster? Kann man verstehen, was dieses Muster außerdem noch ist? Das Muster ist auch Erde! Man mischt sich durch die Interpretation, hervorgerufen durch eine Vorstellung, in eine Substanz ein, die eigentlich, mit einer Verbindung zu Raum und Zeit, irdischen Ursprungs ist. Darum beruht der Topf auf nichts anderes, als einer geistigen Interpretation, die auf eine Substanz projiziert wird, die eigentlich Ton ist. Es gibt eigentlich solch einen Topf nicht; er existiert nicht. Und doch haben wir zwei Begriffe geprägt. Einerseits gibt es das Wort Ton, und andererseits das Wort Topf. Nun haben wir zwei Wörter, die ein und dieselbe Sache bezeichnen. Warum brauchen wir zwei Wörter, wenn es sich nur um eine Substanz handelt? Wir stehen unter dem Eindruck einer illusionären Wahrnehmung. Wir sind in unserer Vorstellung gefangen. Wir unterliegen einem Fehler bei der Interpretation der Wirklichkeit, wenn wir behaupten, ‚es gibt einen Topf’. Der Topf existiert nicht; das, was existiert, ist lediglich Ton. Das, was wir als Topf bezeichnen, entstammt einer Vorstellung unseres Geistes, “ sagt Uddalaka Aruneya zu seinem Sohn Svetaketu.

Die Illustration von Uddalaka veranschaulicht, dass Objektformen untrennbar mit unseren Vorstellungen verbunden sind. Wenn sie nicht originär mit dem Geist des Wahrnehmenden verbunden wären, wären sie als Objekt existent und könnten physikalisch durch die Sinnesorgane wahrgenommen werden.

In dieser Analogie über das Tongefäß, in Folge der Substanz Ton, existieren neben dem Ton keine anderen Substanzen. Es ist merkwürdig, dass eigentlich kein Topf vorhanden sein soll, und doch ist er vorhanden. Sind wir einer Illusion aufgesessen? Ist es wahr, dass die Menschen nicht in der Lage sind, Dinge richtig wahrzunehmen? Oder verabreichen wir den Dingen nur aus Bequemlichkeit für das gesellschaftliche Zusammenleben irgendwelche Namen? Die Bequemlichkeit zur Nutzung von Gegenständen kann nicht als objektive Wirklichkeit betrachtet werden. Wenn wir den Dingen aus praktischen Gründen Namen geben, um sie voneinander zu unterscheiden, bedeutet dies nicht, dass eine philosophische oder gar wissenschaftliche Existenz als Gegenstück für diese Namen sanktioniert wird. Wir müssen tolerieren, dass es aus praktischen Gründen unterschiedlichste Namen bzw. Begriffe zur Differenzierung für alles Mögliche oder Unmöglich gibt, ohne dass dafür entsprechende Objekte vorhanden sind. Wenn dieses der Fall ist, muss das Diversifizieren zwangsläufig mit einem Schlag aufhören. Dieses lässt darauf schließen, dass all diese Differenzierungen und die Vielheit in der Welt offensichtlich sinnlos sind. In den Sprachen herrscht ein völliges Durcheinander von Vorstellungen. Diese Vorstellungen werden in scheinbaren Wirklichkeiten konkretisiert, als wären sie wirklich vorhanden, wobei sie sich wie Kobolde auf uns stürzen.

Die Verschiedenartigkeit der Dinge, die Vielfältigkeit der Objekte und deren immense Anzahl, die diese Welt ausmachen, sind eigentlich nicht vorhanden. Wenn es wahr ist, dass ursächlich nur eine Substanz diese unterschiedlichsten Muster oder Formen als Folge hervorbringt, bedeuten sie nicht wirklich etwas Neues oder Anderes als das, was sie als ursprüngliche Substanz zum Inhalt haben. Wenn Ton die Substanz eines Topfes ist, und nichts anderes darin enthalten ist, wäre es belanglos, das hervorgebrachte Muster als Topf zu bezeichnen. Wir haben unnötiger Weise Verwirrung gestiftet, indem wir einer besonderen Form einen Namen gegeben haben. Wir können dieselbe Masse Ton auch mit einem dritten oder vierten Namen bezeichnen, wie z.B. Glas, Teller usw. Auf diese Weise haben wir eine so genannte Vielheit in unserem Geist erzeugt, die eigentlich nicht wirklich existiert.

Dieses ist die philosophische Schlussfolgerung, die einer sorgfältigen Untersuchung bzgl. der Schöpfung von Vielheit in Bezug auf deren Effekte folgen muss. Dieses ist das Ergebnis der Analyse, die Uddalaka mit einfachen Worten dem jungen Svetaketu verständlich zu machen suchte.
So wie es sich mit dem Ton und den daraus erzeugten Produkten verhält, so verhält es sich mit allen Dingen in dieser Welt, welche Ursache sie auch immer haben mögen, ob es sich um Eisen, Holz, Gold oder irgendeine andere Materie handelt. Der Junge konnte die Bedeutung dieser Lehre nicht verstehen. Doch sie ist klar. Wie verstehen nicht, was gemeint ist, doch sie ist erschreckend. Es scheint die Grundfeste unserer Welt, an die wir glauben, zu erschüttern, und es scheint, dass wir überhaupt nicht mehr existieren können, wenn das die Wahrheit ist. „Es kann sein, dass meine Gurus all diese Dinge selbst nicht verstanden haben. Sie haben mir jedenfalls nichts davon erzählt, “ sagte der Junge zu seinem Vater.

„Wenn sie es gewusst haben, warum sollten sie es mir vorenthalten haben? Ich habe bis heute nicht nichts davon gehört. Ich habe die vier Vedas studiert, die Shastras, aber davon stand nichts darin geschrieben. Was ist das? Bitte erkläre mir das, heiliger Vater?“ Er wurde jetzt zum Guru von Svetaketu. Der Vater sagte: „Ich werde dir alles über dieses Geheimnis erkläre.“

2. Die Vorrangstellung des Seins

Am Anfang gab es nur das Sein. Es gab nicht diese Vielzahl unterschied- lichster Dinge.

„Mein Junge es gab anfangs nur eine einzige existierende Wirklichkeit. Diese so genannte Vielfältigkeit gab es nicht. Sie war Eins, zeitlos, nichts Äußeres, dass sich von Ihr unterschied, vergleichbar gewesen wäre oder hätte vervollständigt werden müssen. Es gab keine vorstellbare Wirklichkeit in dieser Welt der Natur. Wie weit man auch immer seine Vorstellungskraft ausdehnen mochte, man konnte sich nichts Äußeres vorstellen, denn das gab es nicht. Letztendlich kam dort Raum, Zeit oder irgendetwas ins Spiel. Doch selbst Raum und Zeit sind nur Objekte, Äußerlichkeiten, Effekte, die sich nach dem Schöpfungsprozess erst entwickelt haben. Und darum müssen auch sie bzgl. der Wirklichkeit verneint werden. Nur dieses war und ist. Es gab ursprünglich keine Unterscheidungsmöglichkeiten, weder äußere noch innere Unterschiede. Sprachlich ausgedrückt, gab es weder Sajatiya Bheda noch Vijatiya Bheda noch Svagata Bheda.“

Dieses sind die grundlegenden Begriffe der Vedanta Philosophie, die man in der Welt beobachten kann, und die nicht der Wirklichkeit entsprechen. Es kann innere Unterschiede geben, wie man sie bei den Zweigen eines Baumes sehen kann. Es gibt nur einen Baum, doch der hat viele Zweige. Genauso wie es in einem Körper verschiedene Dinge geben kann. Die linke Hand unterscheidet sich von der rechten Hand, ein Finger ist anders als der andere, ein Körperteil ist anders als ein anderer. Dieses nennt man Svagata Bheda: die Unterschiede im eigenen Selbst, im eigenen Körper. Obwohl das Objekt allein eine Einheit in sich selbst ist, so gibt es innere Unterschiede in dieser Natur. Im Absoluten Sein gab es ursprünglich diese Vielheit nicht. Es gibt noch eine andere Art von Unterscheidung in dieser Welt. Alle Menschen unterscheiden sich voneinander. Obwohl jedes menschliche Wesen ein Mensch ist, so unterscheiden sie sich doch. Kühe unterscheiden sich voneinander. Dieses nennt man Sajatiya Bheda oder die Unterscheidung innerhalb einer Spezies oder einer Kategorie derselben Art. Selbst diese Unterscheidung gab es anfangs nicht. Vijatiya Bheda ist die dritte Art von Unterscheidung. Ein Baum unterscheidet sich von einem Stein, ein Mensch unterscheidet sich von einem Tier. Dieses ist die Unterscheidung verschiedener Arten von Spezies. Auch die gab es ursprünglich nicht.

Auf diese Weise war die Absolute Wirklichkeit vollständig frei von diesen drei möglichen Unterscheidungen. Es war eine außerordentliche Einheit, die für den menschlichen Geist unvorstellbar ist.

Viele Leute glauben, das es wirklich nur ein so genanntes Nicht-Sein gegeben hätte und kein Sein. Nicht-Sein wird als etwas Ursprüngliches von Dingen unter besonderen Umständen angesehen. Wie sollte es möglich sein, dass das Sein aus einem Nicht-Sein entsteht? Hat irgendjemand ein solches Phänomen gesehen? Etwas kann etwas hervorbringen; wie könnte Nichts irgendetwas hervorbringen? Uns ist eine solche Möglichkeit unbekannt. Darum sagte Uddalaka: „Mein lieber Junge, obwohl es Leute gibt, die eine Doktrin des Nicht-Seins als Ursprung vertreten, aus dem das Sein hervorgegangen sein soll, scheint dieses dennoch unmöglich zu sein. Dieses ist unvorstellbar. Nicht-Sein kann nicht die Ursache von Sein sein. Man kann auch nicht behaupten, dass das Sein die Ursache von Sein ist. Das ist keine hinreichende Definition, denn sprachlich ist sie bedeutungslos. Wenn das Sein nicht die Ursache des Seins ist, was ist es dann? Nicht-Sein? Unmöglich! Nicht-Sein kann nicht die Ursache des Seins sein. Sein ist auch nicht die Ursache des Seins. Was ist dann die Ursache des Seins? Es gibt offensichtlich keine Ursache für das Sein. Wenn es eine Ursache gäbe, müsste man sie erklären, und diese Ursache kann weder Sein noch Nicht-Sein sein. Etwas Drittes als Erklärung kommt nicht in Frage. Sein kann nicht die Ursache für das Sein sein. Nicht-Sein kann es ebenso wenig sein. Nicht-Sein kommt dafür nicht in Betracht. Es ist ursachenlose Existenz. – Wie ist das möglich? Es ist eine alte Doktrin, die zum Schmunzeln einlädt, zu behaupten, dass etwas aus nichts entstehen könnte. Wie sollte Sein aus nicht Nicht-Sein entstehen? Man kommt zu dem Schluss: allein das Sein und nicht das Nicht-Sein war und ist. Es gibt weder individuelles Sein noch ein Sein von Diesem oder Jenem, noch aufgeteiltes Sein. Es ist etwas, dass mit allen Objekten gleichermaßen verbunden ist. Das Sein als solches ist unvorstellbar, denn ist kein Objekt. Der menschliche Geist kann an etwas außerhalb von sich selbst denken und an nichts anderes. Doch das Sein kann nicht etwas außerhalb des Geistes sein, denn der Geist ist im Sein verwurzelt. Darum ist Es kein Subjekt, das durch die Sinne oder durch die Vorstellungskraft des Geistes verstanden werden kann. Es ist keine Art Objekt, weder physisch noch begrifflich, d.h. es kann weder wissenschaftlich untersucht noch philosophisch darüber argumentiert werden. Was ist es dann? Wenn man es so einfach verstehen könnte, wäre man gesegnet. Es kann nicht auf diese Weise verstanden werden, denn wer könnte etwas verstehen, dass selbst eine Voraussetzung allen Verstehens ist. Selbst der Geist bliebe unbeweglich, wenn das Sein nicht als Hintergrund vorhanden wäre. Es ist eine Voraussetzung für das Verstehen und das Denken selbst. Auf diese Weise gibt es keine Möglichkeit es zu verstehen, es zu erdenken, es sich vorzustellen, es zu beschreiben, es zu erklären oder darüber zu argumentieren.

Dieses ist, um es klar auszudrücken, der Ursprung von allem. Die Kommentatoren dieser Upanishad gehen weit ins Detail der Folgen, die der Ursache entspringen, und wie die Schöpfung durch das Absolute Sein erfolgte. Entsprechend der verschiedenen Gedankenschulen, denen die Menschen oder die Kommentatoren angehören, sind die unterschiedlichen Vedas bzw. verschiedenen philosophischen Argumentationen entstanden, die diese Beziehungen von Ursache und Wirkung erklären. Die Krux der philosophischen Argumentation ist die Beziehung zwischen Ursache und Wirkung bzw. Folge. Wie die Ursache mit den Auswirkungen und umgekehrt verbunden ist, ist nur schwer zu verstehen. Entstand die Auswirkung wirklich von der Ursache, unterscheidet sie sich von der Ursache oder nicht? Diese Fragen lassen sich nicht so ohne weiteres beantworten, denn falls sich die Folge von der Ursache unterscheidet, ist es keine Folge jener Ursache. Im Allgemeinen hat man aber diesen Umstand bereits akzeptiert. Warum spricht man sonst von Auswirkung oder Folge einer Ursache? Selbstverständlich ist sie dasselbe wie die Ursache. Darum ist man auf die eine oder andere Weise gefangen. Man kann nicht behaupten, dass sich die Auswirkung von der Ursache unterscheidet, und man kann nicht sagen, sie sei dasselbe wie die Ursache. Wenn es einen Unterschied gäbe, warum hat man, linguistisch betrachtet, zwei Begriffe, um den Unterschied zu dokumentieren? Wo sind diese beiden Dinge überhaupt? Oder, wenn es sich um eine Prozessfolge handelt, wie es auch immer wieder dargestellt wird, die die Ursache mit der Wirkung verbindet, dann muss man auch sagen, um was für einen Prozess es sich handelt. Bei dem Prozess muss es sich entweder um eine Bewegung des Selbst in sich selbst handeln oder das Selbst muss die Bewegung von irgendetwas anderem sein. Wenn es sich dabei um etwas anderes handelt, ist es wiederum nicht die Ursache. Hier entsteht also dieselbe Schwierigkeit. Wenn es dasselbe wie die Ursache ist, gibt es auch keine Auswirkung. Auf diese Weise befindet man sich in einem großen Dilemma. Man ist gezwungen zu behaupten, es gäbe keine Auswirkungen. Doch wenn es keine Auswirkungen/ Folgen gibt, wie kommt es zur Schöpfung? Wenn man die Schöpfung beschreiben möchte, dann muss auch die Natur der Auswirkungen beschrieben werden; doch man versteht nicht, was eine Auswirkung ist. Und von daher versteht man auch nicht, was Schöpfung bedeutet.

Bis nichts mehr geht, kann man diese philosophische Argumentation treiben. Doch Philosophen argumentieren nicht, um sich letztendlich geschlagen zu geben, sondern sie suchen nach einer Lösung. Manchmal kommt man immer wieder an dieselbe Wand, wenn man argumentiert. Doch es muss für dieses Rätsel der Erscheinungen der Schöpfung oder dieses Prinzip von Ursache und Wirkung eine Lösung geben. Es gibt kaum Lösungsansätze dafür. Einige Denker halten daran fest, dass die Doktrin der Schöpfung keine Erklärung für das historische Ereignis darstellt, das vor geraumer Zeit stattgefunden hat. Man ist z.B. der Ansicht, dass nicht irgendjemand vor langer Zeit etwas getan hat, über das wir heute diskutieren. Insbesondere Leute, wie Sankara, vertreten die Auffassung, dass die Schöpfung eine notwendige Annahme für den Einzelnen ist, um vom Individualen zum Absoluten aufzusteigen. Dabei geht es nicht darum, ob es vorhanden ist oder nicht. Doch es muss als vorhanden akzeptiert werden. Wie wir bereits gesehen haben, sind bestimmte Annahmen objektiv, wie das ‚x’ bei einer Gleichung. Es ist nicht wirklich vorhanden. Es hat keine Bedeutung. Andererseits hat es eine enorme Bedeutung, denn es löst ein Problem. Wenn das Problem gelöst ist, löscht es sich automatisch. Es ist selbst nicht vorhanden. Auf diese Weise kann es ein so genanntes Nichtexistierendes Ding geben, das als wirklich angenommen wird und in der Lage ist, ein ernsthaftes Problem zu lösen. Und wenn es das Problem gelöst hat, löst es sich automatisch auf.

Der Sinn der Lehre einer Upanishad unterscheidet sich außerordentlich von irgendwelchen Geschichten oder Märchen, die irgendwann einmal stattgefunden haben sollen. Dieses wird in den Kommentaren von Sankaracharya immer wieder betont. Wir verstehen häufig nicht, was mit diesen Lehren gemeint ist. Sie haben nichts mit Großmutters Erzählungen zu tun. Man kann sehr gut erkennen, dass man ein Phänomen nicht ohne irgendwelche Annahmen erklären kann, die von dem gegenwärtigen Zustand des menschlichen Verstandes akzeptiert werden können. Es ist sinnlos darüber zu diskutieren, ob die Schöpfung existiert oder nicht. Sie muss als gegeben hingenommen werden, denn wir sehen diese Welt. Niemand zweifelt an der Existenz der Welt. So muss man einen Standpunkt einnehmen, der aus der jetzigen Sichtweise akzeptabel ist. Und Uddalaka folgte dieser Technik des Lehrens wie ein guter Psychologe. Es geht nicht um die Frage, ob die Schöpfung existiert oder nicht, oder wie es dazu kam. Es macht wenig Sinn, über die Vorstellungen des Geistes zu argumentieren, was aus menschlicher Sicht mit dem Abstieg der Wirklichkeit, woran die Schüler festhalten, nicht praktisch demonstriert werden kann. Es wird als Folge der weltlichen Schöpfung angenommen. Wir kommen später noch zu einem anderen Punkt bzgl. dieser Annahmen, die sich sehr von unseren Erwartungen unterscheiden. Von der akzeptierten Tatsache der Schöpfung wird der Geist schrittweise zu dem Punkt geführt, wo er feststellt, dass es so etwas wie eine Schöpfung nicht gibt. Doch zu Anfang kann er es nicht akzeptieren. Erst später kommt er durch ein logisches und schrittweises Aufsteigen der Gedanken, ohne ein Glied in der Argumentationskette auszulassen, zu diesem Schluss. Und dieser logischen Argumentationskette folgt Uddalaka auf interessante Weise.

Dass die Schöpfung stattgefunden hat, wird als gegeben angenommen. Dann muss es einen Schöpfer geben. Wie sollte es eine Schöpfung ohne Schöpfer geben? Der Schöpfer war das absolute Sein. Dieses betrachte ich als letztendliche Wirklichkeit. Was wäre dann der Schöpfungsprozess und die Ursache der Schöpfung? Die Absicht des Schöpfers ist die Ursache der Schöpfung. Der Wille eines Künstlers ist die Ursache für einen Kunstgegenstand in Form einer Skulptur, eines Gemälde usw. als Folge. Die Absicht, der Wille, die ursächliche Meditation oder Tapas, wie es manchmal genannt wird, des absoluten Seins ist die Ursache der Schöpfung. Sie ist gewollt.

Möge ich das Drama meiner eigenen Offenbarung sehen. Dieses ist der Wille, der sich in seiner Folge selbst entfremdet, wie das Gefäß, das aus Ton geschaffen wurde. Es wurde jedoch bereits eine interessante Annahme getroffen, d.h., dass das Ergebnis (die Folge) sich nicht substantiell von der Ursache unterscheidet. Genauso wenig wie sich das Tongefäß wesentlich vom Ton unterscheidet, unterscheidet sich auch nicht die Auswirkung in Form der Schöpfung mit all ihren Prozessstufen im Wesentlichen von der Ursache des reinen Seins. Entsprechend der Doktrin dieser besonderen Lehre der Chhandogya Upanishad, war die erste Schöpfungsstufe Agni, das Feuer, und bei jeder Stufe bezieht sich Uddalaka in dieser Folge auf Gott, Devata. Feuer und Wasser sowie Erde sind keine materiellen Dinge. Devata ist das Wort, um den Begriff bzw. dieses Muster zu bestimmen. Sie sind im Wesentlichen identisch mit dem absoluten Selbst. Warum sollte man also ihre Bedeutung nicht mit der Bedeutung des absoluten Selbst identifizieren? In der Schöpfung findet eine Kettenreaktion statt. Das absolute Sein, das man vorübergehend als ‚A’ bezeichnen möge, wird aufgrund seines eigenen Willens zu ‚B’. Der ursächliche Wille von ‚A’, der in ‚B’ aufgeht, hat auf ‚B’ einen außerordentlichen Einfluss. Das schöpferische ‚A’ wirkt durch ‚B’. Vielleicht möchte dieses ‚B’ zu ‚C’ werden, dann ‚D’ usw. Auf diese Weise entsteht eine abwärtsgerichtete Formveränderung, die immer vielfältiger wird, bis zuletzt diese Vielfältigkeit in Form der Welt entsteht, die wir vor uns sehen. Das absolute Sein oder Sat wollte vielleicht etwas anderes sein. Es wurde zum Prinzip des Feuers, das überall universal wirkt. Dieses wiederum hatte einen Willen, und es wurde zum Wasserprinzip, das überall wirkt. Das Wasser wiederum erstarrte zu festen Objekten und wurde zum irdischen Prinzip, nicht notwendigerweise zu diesem kleinen Planet Erde, sondern zu etwas, das irgendwie irdisch ist oder in dieser Natur körperlich ist. „Wann immer man im Körper Hitze fühlt, ist dieses ein Ausdruck von Flüssigkeit, wie z.B. das Schwitzen“, heißt es in der Upanishad. Hitze ist wie Fieber oder mit einem anderen Grund verbunden, um Wasser hervorzubringen. Bei diesem Beispiel, wie auch bei Kummer und Sorgen, geht es um ein Gefühl, das in einem selbst Hitze erzeugt um Wasser hervorzubringen. Damit wird Feuer und Wasser erklärt.

Wasser produziert Nahrung: In der Sprache der Upanishad wird Nahrung mit Materie gleichgesetzt. Alles Physische oder Materielle wird als Nahrung bezeichnet. Letztendlich ist alles Äußerliche Nahrung für das Bewusstsein. Ein gedankliches Objekt ist Nahrung. Das, was aus dem Kondensat von Wasser entsteht, ist Nahrung. Diese benannten Elemente Feuer, Wasser und Erde werden als subtile Elemente angesehen. Es sind reine Prinzipien der Schöpfung. Später vermischen sie sich in bestimmten Proportionen für die Offenbarung der gröberen Elemente, wie das eigentliche Feuer, das Wasser und die Erde, die wir vor uns sehen. Wovon in der Upanishad hinsichtlich Feuer, Wasser und Erde gesprochen wird, sind nicht die für uns allgemein bekannten Produkte, sondern es sind überphysische Elemente, die so genannte Tanmatras. Diese Tanmatras werden in bestimmten Proportionen vermischt. Um das physische Feuer zum Ausdruck bringen, sind drei Elemente in einer bestimmten Proportion erforderlich. Dieses wird im Sanskrit Trivritkarana genannt. Trivritkarana ist das Vermengen der Grundprinzipien, wie Feuer, Wasser und Erde in einer Zusammensetzung, sodass das formgebende Element zur Hälfte aus sich selbst und zu je einem Viertel aus den anderen beiden Elementen besteht. Auf diese Weise findet man in jedem Element jeweils einen Anteil der anderen beiden Elemente. In dieser Welt gibt es keine reinen Elemente, sondern es ist immer eine Mixtur aller drei Elemente in bestimmten Proportionen. Wenn es also viel Wasser gibt, gibt es auch viel Nahrung. Davon wird in der Upanishad berichtet. Alles wird aus diesen drei Elementen produziert. Trotz der Verschiedenartigkeit in dieser Welt, gibt es letztendlich nur drei wirkliche Substanzen. Alles andere wird irgendwie aus den Proportionen dieser drei Substanzen hervorgebracht. Alle Formen der Schöpfung sind eine Offenbarung der Proportionen dieser drei genannten Elemente. Was sind das für Schöpfungen? Das wollen wir genauer betrachten. Neben diesen drei Grundelementen Feuer, Wasser und Erde, die wir auch als unorganische Stoffe bezeichnen, gibt es noch die organischen Stoffe.

3. Die dreifach Entwicklung

Die organischen Körper wurden ebenfalls aus nur drei ursprünglichen Körpern vermischt. Es gibt die unterschiedlichsten Arten. Jene, die aus der Erde sprießen, wie Pflanzen, Bäume, Vegetation usw., werden als Udbhijja bezeichnet. Dieses ist eine Form der organischen Schöpfung, das Königreich der Vegetation. Andere organische Formen werden aus Eiern geboren. Diese Formen werden als Andaja bezeichnet. Eine weitere Form wird aus Leibern von Müttern geboren. Diese Form bezeichnet man als Jivaja oder Jarayuja. Eine vierte Form entwickelt sich aus Schmutz, Staub, Schweiß usw. All diesen Formen organischer Schöpfung wird nur die Substanz dieser organischen Elemente vorausgesetzt. Der Eintritt des Bewusstseins in diese verschiedenartig zusammengesetzten Körper ist verantwortlich für die vielfältige Ausprägung dieser organischen Körper. Der Unterschied liegt in der unterschiedlichen Ausprägung ihres Bewusstseins. Je geringer die Offenbarung ihres Bewusstseins ist, desto geringer ist auch ihre Fähigkeit. Umgekehrt, je mehr Intensität des Bewusstseins vorliegt, desto größer ist auch ihre Fähigkeit.

In der Upanishad heißt es: der Wille des absoluten Seins wirkt durch diese offenbarten Bestandteile: ‚möge ich mich selbst in dieser Universalform der Schöpfung offenbaren’.

‚Möge ich in diese drei erschaffenen Elemente, Feuer, Wasser und Erde, eintreten und mich durch dreifachen Auftritt vervielfachen.’

Namen und Formen entstanden aufgrund der vielfältigen Vermischung der drei Grundelemente durch den Willen des absoluten Seins. Darum besteht diese Welt aus nichts anderem als Namen und Formen. Bestimmte Muster erhielten Namen und Formen, womit sie voneinander unterschieden werden konnten. Doch was sind diese Muster oder Objekte ohne Namen? Sie existieren nicht. Die drei Dimensionen der Objekte, d.h. die Länge, Breite und Höhe, das Gewicht und weitere Merkmale machen ein Objekt aus. Wenn diese Merkmale und Dimensionen der Objekte nicht vorhanden wären, gäbe es keine Objekte und keine entsprechenden Namen. Namen und Formen wären nicht vorhanden. Woraus besteht unsere Welt letztendlich dann? Es ist die Formation einer einzigen Substanz, die sich dreifach ausprägt und ausgeprägt hat, d.h. in Feuer, Wasser und Erde, die sich wiederum in vielfache Formen aufgesplittet haben, deren Ergebnissen viele Namen gegeben wurden. Was ist also dieses Universum der Vielfältigkeit eigentlich? Es ist nur das Sein allein; Außer DAS gibt es nichts. Es heißt auch: es war und ist nur ein Sein. Das bedeutet also: das Sein allein ist. Selbst nach der Schöpfung gibt es nur ein Sein, wobei dieses Sein nicht nur der Vergangenheit angehört. Selbst jetzt findet die so genannte Schöpfung oder Offenbarung der Vielfältigkeiten statt. Die Schöpfung hat nie aufgehört. Diese Vielfältigkeit existiert aus dieser Sicht nicht wirklich, da deren Ursprungsfaktoren Inhalt der Substanz des Seins allein sind. Das, was die Ursache der Vielfältigkeit zur Unterscheidung von Dingen untereinander darstellt, ist ebenfalls nur das Sein, das sich in anderen Formen offenbart bzw. offenbarte. Wie kann es da eine Verschiedenartigkeit geben? Wenn selbst der differenzierende Faktor Teil dessen ist, was sie unterscheidet, dann gibt es auch keine Differenzierung. Darum leben wir nur in einer Vorstellungswelt, die in unserem Geist vorherrscht. Wir müssen jetzt, wo der Geist ins Spiel kommt, dieses Thema noch nicht weiter vertiefen, denn darauf gehen wir noch gesondert ein. Es ist nicht der Geist von irgendjemand. Es ist das Bewusstsein, das in besonderer Weise in Schwingung gerät und den Eindruck erweckt, dass es etwas anderes gäbe, als ihn selbst. Die Erscheinung der Vielfältigkeit der Welt ist etwas wie die Kreisförmigkeit eines Feuers, das man in seiner kraftvollen Bewegung zu sehen glaubt. Wenn man den Lichtkegel einer Taschenlampe vor sich schnell im Kreis über den Erdboden kreisen lässt, hat man den Eindruck, vor sich einen geschlossenen Lichtkreis zu haben. Doch dieser Lichtkreis existiert in Wahrheit nicht wirklich, sondern es handelt sich nur um eine optische Täuschung, die aufgrund der schnellen Bewegung der Taschenlampe zustande kommt. Auf die gleiche Weise wird durch die besondere Schwingung des Bewusstseins ein wahrnehmbares Objekt erzeugt. Das, was als Schöpfung bezeichnet wird, ist nur eine Erscheinung, die durch bestimmte Schwingungen, besondere Schwingungsdichten und Bewegungen des Bewusstseins erzeugt wird. Darum ist und war, selbst heute in Form der Schöpfung, das Sein allein existent. Zusammengefasst bedeutet dieses, dass es keine Schöpfung gibt, und nur das Sein erscheint als Schöpfung. Doch es scheint, dass dieses nicht wirklich klar ist, darum fahre ich fort.

„Mein Junge“, sagt Uddalaka zu seinem Sohn, „höre weiter zu.“

4. die dreifache Entwicklung (Fortsetzung)

Jedes Objekt der Schöpfung wurde in seine Bestandteile zerlegt und man fand heraus, dass es nichts weiter als diese Bestandteile vorhanden gibt. Dieses Gesetz kann auf alle Objekte angewendet werden. Die Konturen der Objekte sind nicht ausschlaggebend. Die Natur der Substanz, aus denen sich ein Objekt zusammensetzt, ist wichtig. Es ist völlig klar, dass sich ein Spazierstock von einem Tisch unterscheidet, doch aus Sicht der Substanzen stellt man fest, dass beide aus demselben Holz sind. Darum gibt das Wissen über den Spazierstock, unter der Berücksichtigung der unterschiedlichen Strukturen, einen Aufschluss über das Wissen eines Tisches. Auf ähnliche Weise kann diese Regel auf alles in der Welt angewendet werden. In der Upanishad heißt es, dass alle Dinge dieser Welt Kombinationen und Anordnungen der Grundbausteine von Feuer, Wasser und Erde sind. Das Rot der Sonne, ist eine Schwingung, die vom Feuer der Sonne ausgeht, sagt die Upanishad. Das blendende Weiß beruht auf den Wasseranteil und die dunklen Flecken auf der Sonne haben etwas mit dem irdischen Prinzip zu tun. So verhält es sich mit dem Mond, dem Licht und mit jedem anderen Objekt.

Bei den hier erwähnten Farben handelt es sich nicht um die im allgemeinen Sprachgebrauch üblichen Farblehren. Eine Farbe hat die Fähigkeit, in ihrem Umfeld bestimmte Schwingungen auszustrahlen, die dann die spezifische Wahrnehmung ermöglichen. Auf diese Weise ist Farbe nur eine Reaktion, die in einem Wahrnehmungsprozess stattfindet. Diese Reaktion wird durch die Natur des Objektes verursacht, dass ihm innewohnt und die Wahrnehmung des Auges aktiviert, um sie in der gewünschten Farbe zu erkennen. So verhält es sich mit all den Farben, wie Rot, Weiß oder Schwarz, von denen in der Upanishad die Rede ist. Es handelt sich nicht bloß um etwas Abstraktes, sondern um wesentliche Substanzen, und die Upanishad versucht die Substanzen der Objekte zu analysieren. Das Rot der Sonne ist in ihr substantiell gegenwärtig. Es ist Teil ihres kugelförmigen Körpers. Der für uns sichtbare rötliche Körper lässt nicht darauf schließen, dass ihr Charakter generell rötlich ist. Die Substanz wird lediglich als rötlich interpretiert. Auf diese Weise unterscheidet sich die Farbe nicht vom Objekt, denn das Objekt sendet lediglich Schwingungen in Verbindung mit dem wahrgenommenen Körper aus. Die drei für uns sichtbaren Farben in den Objekten sind ein Ausdruck der dreifachen Gegenwart von Feuer, Wasser und Erde. Wenn eines dieser Elemente von einem Objekt zurückgezogen wäre, gäbe es auch dieses Objekt nicht. Wenn man wirklich das Holz im Tisch erkennen würde, gäbe es keinen Tisch. So verhält es sich auch mit anderen komplexen Gegenständen. Wenn selbst ein einzelnes Element dem Gegenstand entzogen würde, gäbe es eben dieses Objekt nicht mehr. So verhält es mit allen Objekten in dieser Welt. Wir stehen unter dem Eindruck, es gäbe Millionen bzw. unzählige von Dingen in dieser Welt. Worin liegt die Bedeutung dieser Vielzahl? Sie alle stellen verschiedenste Dimensionen einer Zusammenballung der drei Elemente dar. Aufgrund dieser verschiedenartigen proportionalen Zusammensetzung der drei Elemente missinterpretieren wir dieses eine Objekt als eine Vielzahl von Objekten, die sich alle scheinbar voneinander unterscheiden. Doch im Wesentlichen sind sie alle gleich. Die Unterscheidung der Objekte liegt in der Vorstellung und nicht in der Physik. Physikalisch, substantiell, wesentlich oder von Grund auf sind sie alle identisch. Wir sind jedoch nicht in der Lage, die Grundsubstanz zu erkennen, da wir mit der Art unserer Wahrnehmung in ihrer Komplexität und unserem Glauben an die Äußerlichkeit der Dinge verheiratet sind. Der verschienartige Ausdruck der Dinge in unserer Wahrnehmung lässt uns an eine Vielheit der Dinge glauben. Wir haben uns selbst als Betrachter von der Atmosphäre der Objekte getrennt.

Unglücklicherweise ist die Verbindung zwischen dem ursprünglichen Subjekt und dem Objekt für das Auge nicht sichtbar. Es existiert außerdem eine sehr wichtige innewohnende Verbindung zwischen dem wahrnehmenden Individuum und dem Objekt. Es ist mehr als das, was es an der Oberfläche zu sein scheint. Das Subjekt spielt eine bedeutende Rolle bei der Wahrnehmung eines Objektes. Es ist nicht etwas, was sich außerhalb der Erde oder weit draußen im Raum befindet, das von dem derzeitigen Standpunkt aus nicht zugeordnet werden könnte. Alles kann irgendwie zugeordnet werden, sodass es wirklich keine unabhängigen organischen oder unorganischen Objekte gibt. Die Unabhängigkeit von Objekten ist eine Illusion. Die Illusion bzgl. der Wahrnehmung einer Unabhängigkeit eines Objektes kommt aufgrund einer falschen Annahme der Situation eines Objektes und den Faktoren, in die es wirklich verwickelt ist. Wann immer ein Objekt wahrgenommen wird, geht man nur von den Aspekten aus, in denen sich das Objekt im Augenblick präsentiert. Man vergisst jedoch die eingeschränkten Wahrnehmungsfähigkeiten des Menschen. Es existieren noch andere Faktoren in einem Objekt, die die Sinne nicht berühren können. Die fünf Sinne sind nicht alles. Angenommen man hätte fünftausend Sinne, dann würde man viel mehr Dinge in der Welt sehen und erfahren. Unglücklicherweise oder glücklicherweise verfügt man aber nur fünf Sinne. Darum kann man auch nur fünf Aspekte eines Objektes sehen, doch es ist ein Irrglaube, dass diese fünf Aspekte alles wären. Es gibt noch andere rudimentäre Elemente in der Umgebung des Objektes, die für die Sinne des Menschen nicht erkennbar sind. Diese Elemente befinden sich zwischen Betrachter und dem Objekt, überall, und sie stellen kein Objekt dar. Darum sind sie für die Sinne nicht erkennbar. Die Sinne können nichts darüber berichten und der Mensch ist jedoch auf die Wahrnehmung der Sinne angewiesen. Wenn die Beziehung des wahrgenommen Objektes mit dem Subjekt und umgekehrt sowie die Beziehung zwischen den Objekten untereinander für den Menschen erfassbar wären, dann fände sofort ein Vermischen der Objekte im Ozean des Seins statt und es gäbe nur ein Auge, dass ein einziges Objekt sehen würde, und die Vielheit der Objekte in der Welt wären im Handumdrehen verschwunden. Das ist der philosophische Hintergrund, zu dem unser Geist durch die Analyse der Upanishad getrieben wird, wenn es heißt, dass jedes Objekt aus den drei Elementen Feuer, Wasser und Erde besteht.

Die großen verwirklichten Persönlichkeiten früherer Zeit erwachten sofort zur Wahrheit dieser Situation. „Oh, das ist die Wahrheit. Das Rötliche ist das Feuer, das Weiße ist das Wasser und das Schwarze ist das Erdelement.“ Dieses sind die drei Dinge, die überall existieren. Wo auch immer sich etwas Rötliches zeigt, ist das Feuerelement im Spiel, dasselbe gilt für das Weiß als Wasser und für das Schwarz als das Erdelement. Es sind überall nur diese drei Dinge in der Welt sichtbar; etwas anderes existiert nicht. Die Welt besteht nur aus diesen drei Dingen. Es wurde bereits erwähnt, dass diese drei Dinge die Offenbarung des absoluten Seins sind. Sie sind der dreifache Auswurf der Kraft des Absoluten. Und so kommen wir wieder zur Wahrnehmung des Universalen. Wann immer man ein Objekt des Absoluten sieht, sieht man das Gesicht des Absoluten, einen Aspekt der Offenbarung eines einzigen Seins. Es ist also keine Vielfältigkeit, die man wahrnimmt, sondern Universalität, die von den aufnehmenden Sinnen falsch interpretiert wird, und die als isoliertes Objekt gesehen wird. Dieses haben die früheren Seher und Meister herausgefunden und gesagt: „Es gibt für uns nichts Unbekanntes. Wir haben das Geheimnis gelüftet. Wir wissen jetzt alles.“ Wenn eine Sache erkannt und richtig interpretiert wird, dann weiß man alles. Diese Antwort gab sich Uddalaka auf seine eigene Frage, die er seinem Sohn stellte. „Weißt du, was DAS ist, dass wenn man es kennt, gleich alles bekannt ist?“ „Ja, jetzt erkenne ich diese Dinge. Aus EINS wurden drei, und aus drei wurden viele. Was sind diese vielen? Sie sind das EINE. Darum kenne ich das EINE, die DREI und gleichzeitig viele.“

In den Ausführungen der Upanishad heißt es: wann immer man die Farbe Rot wahrnimmt, sollte man nicht glauben, dass es sich um ein rotes Objekt handelt, sondern man sieht lediglich das Feuerprinzip; bei weißer Farbe sollte man nicht glauben, dass man irgendein unabhängiges Objekt sieht, sondern es handelt sich um das Wasserelement, und bei etwas Dunklem ist das irdische Prinzip vorherrschend. Es gibt keine Dinge in dieser Welt, sondern nur diese drei Elemente.

Das, was für uns unbekannt bzw. unsichtbar scheint, liegt nur an unserer Unfähigkeit, die Gegenwart dieser drei Elemente zu erkennen, in deren jeweiligen Anteilen sich die Objekte scheinbar unterscheiden. Das Nicht-bekanntsein eines Objektes liegt an der Unfähigkeit des Geistes, das jeweilige Objekt genau zu analysieren. In dem Augenblick, wo verstanden wird, woraus ein Objekt besteht, erkennt man das Objekt unmittelbar. Die letztendliche Analyse führt dazu, dass man den wahren Kern aller Substanzen erkennt und sich nicht mehr durch die Formation der Substanz in all ihren Variationen beirren lässt. Alles besteht aus dieser dreifachen Offenbarung von Feuer, Wasser und Erde.

„Nun höre genau zu, mein Junge“, sagt der Vater zu seinem Sohn, „ich habe dir erklärt, dass alles in dieser ganzen Welt aus den drei Elementen Feuer, Wasser und Erde besteht. Nun gibt es noch etwas ganz Erstaunliches. Selbst du bestehst aus nur diesen drei Elementen. Du existierst nicht neben diesen Elementen. Alles in dir ist eine Mixtur dieser Elemente, bis ins kleinste Detail deines Körpers.“

5. Illustrationen der dreifachen Natur

Die Nahrung, die wir zu uns nehmen, wird in drei Teile aufgespaltet. Sie wird in grobstoffliche, mittlere und feinstoffliche Formen zerlegt. Die Nahrung wird nicht vollständig vom Körper aufgenommen. Teile der Nahrung, d.h. die grobstofflichen Exkremente, werden wieder ausgeschieden. Nur ein kleiner Teil wird vom Körper aufgenommen. Die zur Ausscheidung anstehende Nahrung hat einen so genannten Zerrhackereffekt. Die mittlere und damit etwas gröbere Form der Nahrung wird im Körper zum großen Teil in Muskelmasse umgewandelt. Die subtilen Nahrungsbestandteile, die vom Körper aufgenommen werden, beeinflussen weitestgehend den Geist. Der Geist, die Denkfähigkeit, die Art und Weise des Denkens wird ständig durch die Nahrung beeinflusst. Wenn man über Jahre die gleiche Nahrung zu sich nimmt, wird dieses die Psyche beeinflussen. Der Geist erfreut sich aufgrund der im System absorbierten Nahrung. Dieses sind die drei Grundaspekte der Nahrung, die zum Bestandteil unseres Körpersystems werden. Die Flüssigkeit, die wir zu uns nehmen, hat einen mittleren und subtilen Aspekt für den Körper. Jede Flüssigkeit wird in drei Teile aufgespaltet.

Der grobstoffliche Anteil der Flüssigkeit wird als Urin wieder ausgeschieden. Der Anteil der mittleren Form der Flüssigkeit wird zu Blut. Die Kraft in uns, die Energie, die Lebensenergie (Prana) wird durch den subtilen Anteil in der Flüssigkeit beeinflusst. So wie der Geist durch den subtilen Anteil in der festen Nahrung beeinflusst wird, so wird Prana durch den subtilen Anteil in der Flüssigkeit beeinflusst. Bestimmte Dinge der Verdauung werden vom Feuerelement dominiert, d.h. Öle, Ghee, Butter usw. Was geschieht, wenn wir diese Dinge zu uns nehmen?

Die Energie verwandelt sich im körperlichen System in dreifacher Weise. Die grobstofflichen Anteile werden zu Knochen. Butter oder Öle haben Einfluss auf die Stärke der Knochen. Die mittleren Partikel werden zu Knochenmark. Die subtilen Partikel werden zur Sprechenergie. Die Sprache wird durch das Feuerelement in der Nahrung beeinflusst. Die Sprache, die Lebensenergie und der Geist bestehen im Wesentlichen aus diesen drei Dingen der Nahrung, die der Körper über das Verdauungssystem aufnimmt. Je mehr der eine oder andere Anteil in der Nahrungsaufnahme verstärkt wird, desto höher ist der jeweilige Einfluss auf die Persönlichkeit. Diese drei Elemente Feuer, Wasser und Erde sind in unser System eingetreten und wurden zu Geist, Lebensenergie und Sprache, deren Wirken ist auch ein Indiz für die übrigen Sinne. Die Sinne, die Lebensenergie und der Geist, d.h. alle drei hängen außerordentlich von der Nahrungsaufnahme ab.

Mein Junge höre auf die Schlussfolgerungen meiner Untersuchungen. Der Geist wird im Wesentlichen aus fester Nahrung geformt, Prana, die Lebensenergie wird aus Wasser und die Sprache wird aus Feuerelementen gebildet. Der Junge sagte daraufhin: „Es ist für mich sehr schwierig all diese Dinge zu verstehen. Bitte mache mir das etwas klarer. Ich habe niemals zuvor gehört, dass ich aus drei Elementen zusammengesetzt bin, dass ich nichts mein eigen nennen kann. Dieses hört sich fremdartig an. Es sieht so aus, dass ich nicht einmal unabhängig existieren kann. Ich bin ‚irgendwer’. Das ist unglaublich. Bitte kläre mich weiter auf.“ „Nun, ich werde dir alles detailliert erklären. Höre aufmerksam zu.“

6. Weitere Illustrationen

„Du kennst doch Sahne. Wenn Sahne in einem Butterfass geschlagen wird, dann wird daraus allmählich Butter. Die Sahne, die dazu gebraucht wird, ist Bestandteil der Milch. Sie verändert sich durch den Gärungsprozess und durch die Behandlung im Butterfass. Dieses geschieht auch mit der Nahrung, die wir zu uns nehmen. Sie wird durch die körpereigenen Säfte vergoren, und ein wesentlicher Teil der Nahrung verteilt sich im Körper bis hin zum Nervensystem, das die Psyche des Körpers beeinflusst. Sie wird damit auch zur Essenz unseres Denkprozesses. Die ursprüngliche Nahrung wird zu Geiststoff. Dieses geschieht auch mit allen anderen Dingen, wie mit dem Wasser, das wir trinken, und die Feuerelemente, die wir zu uns nehmen. So formt Wasser unsere Lebensenergie und feurige Elemente unsere Sprache.

Jetzt verstehst du vielleicht die Zusammenhänge.“ „Ich brauche noch mehr Klarheit. Das reicht mir nicht. Erzähl mir mehr über das Geheimnis.“ „Nun werde ich dir das Geheimnis erklären, das hinter all dem steckt.“

7. Die Bedeutung der körperlichen Bedürfnisse

„Der Geist, unsere gesamten Persönlichkeit besteht aus sechzehn Einheiten. Unser Dasein ist sechzehnfach. Wir machen ein Experiment, um zu beweisen, dass der Geist nicht ohne feste Nahrung auskommt. Faste fünfzehn Tage lang. Nimm während dieser Zeit keine feste Nahrung zu dir. Du darfst jedoch Wasser trinken, soviel du magst. Warum? Weil die Lebensenergie aus Wasser besteht. Wenn man Wasser trinkt, wird sich die Lebensenergie nicht aus dem Körper entfernen. Wenn du allerdings kein Wasser trinkst, wirst du das Experiment nicht überleben. Darum trinke soviel Wasser wie du magst, doch nimm keine feste Nahrung zu dir. Ein Mensch, der nicht isst, aber dennoch Wasser trinkt, stirbt nicht so leicht.“

Der Junge nahm fünfzehn Tage lang keine feste Nahrung zu sich, wie ihm geraten wurde. Doch trank er Wasser nach Herzens Lust. Nach fünfzehn Tagen ging er wieder zu seinem Vater. „Noch verstehe ich nicht, worum es geht. Ich habe fünfzehn Tage lang keine feste Nahrung zu mir genommen.“ „Oh! Singe die Veda“, sagte der Vater. „Ich kann mich an nichts erinnern“, sagte der Junge. „Ich kann mich an keinen Vers mehr erinnern. Mein Geist funktioniert einfach nicht.“

„Verstehst du jetzt, was mit dir geschehen ist? Weißt du, warum du dich nicht mehr an die Vedas erinnern kannst? Du bist doch ein Meister der Vedas, und du sagst, du könntest dich nicht mehr erinnern. Was ist mit dir geschehen? Du hast keine feste Nahrung zu dir genommen. Das ist alles. Das ist der einfache Grund. Wie kommt es, dass dein Gedächtnis streikt, nur weil du nichts gegessen hast? Nimm das Beispiel des Feuers. Angenommen es gab eine Feuersbrunst, die in sich zusammen gefallen ist, da du alles Brennbare entfernt hast. Das Feuer geht langsam aus. Nur noch ein Glimmen des Feuers bleibt übrig. Was könnte die Glut noch anrichten? Sie kann kein Feuer mehr entfachen. Das große Feuer zuvor konnte alles verschlingen, was man hineinwarf. Doch nun ist es so weit heruntergebrannt, dass nichts mehr passieren kann. Das ist mit dir geschehen. Fünfzehn Teile deines Geistes wurden zurückgezogen. Du bist sechzehnfach ausgerichtet. Fünfzehn Tage lang hast du nichts gegessen. Darum ist nur noch ein Teil von den sechzehn aktiv. Vielleicht würde etwas Schlimmeres geschehen, wenn du sechzehn Tage lang nichts gegessen hättest. Der Geist existiert jetzt nur noch als Name. Du bist zwar in der Lage zu denken, doch das ist wenig effektiv und daher eher sinnlos, so wie das Feuer, das nur noch vor sich hinglimmt, denn es kann keinen Schaden mehr anrichten. Dieses ist auch dir durch das fünfzehntägige Fasten widerfahren. Darum bist du nicht mehr in der Lage, die Veda zu singen. Der Geist arbeitet nicht mehr; wie kannst du dich da noch an irgendetwas erinnern? Die Vedas haben deinen Geist verlassen. So und nun geh und iss erst einmal etwas. Dann wirst du etwas besser das Geheimnis begreifen.“ Der Junge verließ seinen Vater, um etwas zu essen. Er aß reichlich, denn nach fünfzehn Tagen Fasten war er hungrig. Nach dem Essen und einer kurzen Siesta ging er zurück zu seinen Vater. Der Junge war zufrieden.

Er war glücklich darüber, wieder etwas gegessen zu haben. Der Geist wurde hellwach und die Erinnerung kehrte zurück. Er war aufgrund des Essens wieder in der Lage, alle Fragen zu beantworten. Ansonsten wäre er in einem Zustand des Sterbens gewesen.

„Nun mein lieber Junge habe ich dir ein anderes Beispiel gegeben. Angenommen es ist nur noch ein Funken des Feuers vorhanden. Jetzt bringe einen trockenen Grashalm an die Glut und du wirst sehen, wie er sofort Feuer fängt. Bringe immer mehr Gras und gieße ein wenig Öl darüber. Dann wird das Feuer wieder vollends entfacht. Auf die gleiche Weise wurde der Geist, der gerade noch seinen Namen trug, aufgrund der Nahrungsaufnahme wieder zum Leben erweckt und die Erinnerung kehrte zurück, sodass all die Vedas wieder gegenwärtig waren. Die fünfzehn Teile, die sich zunächst zurückgezogen hatten, kehrten zurück.“

„Der Geist ist das Wesen der Nahrung, die Lebensenergie das Wesen des Wassers und die Sprache das Wesen der Hitze. Du bestehst nur aus diesen drei Dingen. Dein Geist wurde aufgrund der festen Nahrung, die du wieder zu dir genommen hattest, reaktiviert. Jetzt kennst du den Zusammenhang von Nahrung und Geist. Dein Geist wäre gestorben, wenn du nichts gegessen hättest.“ „Das ist sehr interessant, lieber Vater. Bitte erzähl mir mehr davon.“

8. Betrifft den Schlaf, den Hunger, den Durst und das Sterben

„Es gibt noch viel größere Geheimnisse im Menschen als nur die Nahrung, die man zu sich nimmt. Wir sind nicht nur Nahrung, Wasser oder Feuer. In uns steckt noch etwas anderes, etwas, das man nicht so leicht verstehen kann. Jeden Tag geht man schlafen, träumt und wacht wieder auf. Warum geschieht das? Dieses Phänomen unterscheidet sich sehr vom Thema ‚Nahrung’. Es gibt also noch einige andere Elemente bzw. Aspekte in uns. In uns stecken einige wichtige Wurzeln, die die tiefere Seite unserer Natur ausmachen, d.h. Wachen, Schlafen und Träumen. Was geschieht, wenn man träumt? Man weiß es weder so genau, was geschieht, noch weiß man, warum man schläft. Schlaf bedeutet in Sanskrit ‚Svapiti’.

‚Svapiti’ heißt soviel wie ‚man schläft’, ‚man geht’ oder ‚erreicht’. ‚Sva’ bedeutet ‚man selbst’. Damit ist die eigene Natur gemeint. Vollständig bedeutet Svapiti, man wird in sich selbst absorbiert. Man wird im Schlaf man selbst. Darum hat man auch kein Bewusstsein für die äußeren Dinge. Sata saumya tada sampanno bhavati: Man wird in das wahre Sein, das man selbst ist, absorbiert. Andererseits im Wachzustand wird man aus dem wahren Sein, das man ist, herausgezogen, d.h. zu anderen äußeren ‚körperlichen’ Aspekten hin. Im Schlaf betritt man sich selbst oder wird zu sich selbst, doch weiß man nichts über sich selbst. Das ist der Schlaf. Man hat sich selbst von allen äußeren Verbindungen und Beziehungen zurückgezogen. Warum geschieht das? Warum sind wir dazu gezwungen?

Man bezieht sich hier auf eine Analogie. Betrachten wir beispielsweise einen Vogel, dessen Beine zusammengebunden und an einen Pflog befestigt wurden, wobei das Band relativ lang ist. Dieser Vogel versucht nun davon zu fliegen. Wie weit kommt er wohl? Natürlich kommt er nur so weit, wie es ihm das Band erlaubt. Darum versucht es der Vogel nun in alle Richtungen, doch kann er nicht über die Grenze bzw. die Länge des Bandes hinaus. Er sucht nach seiner Freiheit, doch er findet keinen Weg dorthin, da seiner Bewegungsfreiheit Grenzen gesetzt sind. Nachdem er es in alle Richtungen versucht hat, ist er erschöpft und kehrt zum Ausgangspunkt zurück, wo seine Füße bzw. Beine angebunden sind. Er wird von etwas kontrolliert, dessen er sich nicht bewusst ist. Darum sucht er sein Glück woanders, außerhalb. Dieses vollführt der menschliche Geist tagtäglich. Er ist an einen ‚Pflock’ gebunden, der die Wurzel seines Daseins darstellt. Doch er kennt nicht die Wirklichkeit. Darum versucht er es, wie der Vogel, in alle Richtungen in der Welt, sucht nach Glück und Freiheit. Doch er findet nichts dergleichen. Er findet einfach nicht, wonach er sucht. Den ganzen Tag über arbeitet er von morgens bis abends und ist auf der Suche. Doch er findet nicht, was er möchte. Dann wird er müde und zieht sich dorthin zurück, wo er hergekommen ist, wohin er wirklich hingehört, von wo er ein wirklicher Ausdruck und von dem er untrennbar ist.

Was geschieht dann? Tagsüber ist man etwas Anderes als das, was man wirklich ist. Man ist irgendwie künstlich, verhält sich fremdartig, und ist darum ruhelos im Geist. Der Geist hüpft wie ein Vogel von Ort zu Ort, von Objekt zu Objekt. Er hat seine Anbindung vergessen und weiß nicht, wo er wirklich steht. Doch wie lange kann das so weitergehen? Früher oder später ist er erschöpft und kehrt zu seiner Quelle zurück. Der Geist muss sich aufgrund seines Erschöpfungszustandes jeden Tag zurückziehen, was eine Konsequenz seiner unermüdlichen Suche nach Freiheit ist, die er in der äußeren Welt sucht. Dieses Beispiel wird hier zitiert.

Man findet keine Unterstützung in dieser Welt, ausgenommen im eigenen Selbst, wie der Pflock, der beim Vogel den Ruheplatz darstellt. Doch daran kann sich niemand erinnern. Man sucht die Hilfestellung außerhalb, und geht darum jeden Tag weiterhin zur Arbeit, um mit den äußeren Dingen in Berührung zu kommen. Doch man findet dort keine Unterstützung. Man kann letztendlich draußen in der Welt keine Unterstützung finden. Wo auch immer man hingeht, jeder ist des Besuchers überdrüssig. Jeder hat mit sich selbst genug zu tun. Was geschieht dann? Das Experiment schlägt fehl und man geht wieder nach Hause, denn man ist weder gern gesehen noch wird einem geholfen. Es gibt ein Zuhause, dass man betritt, wenn man die Wahrheit der Dinge erkannt hat. „Ich habe überall mit Hilfe meiner Freunde gesucht. Ich habe nirgendwo etwas gefunden. Ich gehe nach Hause.“ Genau das macht man, wenn man sich Schlafen legt; doch man lernt dadurch nichts. Man weiß nicht, warum man im Leben erschöpft ist. Wenn der Grund dafür klar wäre, dann hätte man aus dem vergeblichen Bemühen des irdischen Strebens etwas gelernt. Doch man versteht nicht, was vor sich geht. Man fühlt sich nur erschöpft, und der Grund wurde niemals wirklich erkannt. Jeden Tag wird der gleiche Fehler gemacht, und immer wieder geht man abgespannt nach Hause. „Darum schläft man“, sagt der Vater zu seinem Sohn. Man kehrt zurück zu dem, was man ist, anstatt draußen im Nicht-Sein nach Hilfe zu suchen. Der Geist ist im wahren Sein verwurzelt, der unsere wesentliche Natur darstellt, und den man im Schlaf betritt. Das ist der Schlaf, die substanzielle Basis.

Warum ist man hungrig, und warum durstig? Dieses beruht wiederum auf die Aktivitäten der drei Elemente im Körper. Sie sind, wie gesagt, die drei vorherrschenden Offenbarungen, d.h. Feuer, Wasser und Erde. Sie arbeiten irgendwie in unseren Körpern. Darum ist man hungrig oder durstig. Was ist dieser Hunger, und was ist dieser Durst? „Nun mein Junge höre mir wieder genau zu. Ich werde dir erklären, was Hunger und Durst sind.“ Man schiebt sich immer wieder große Brocken von Nahrung in den Körper, die verdaut werden, doch nach einiger Zeit ist man wieder hungrig. Warum? Das Wasserelement verflüssigt die feste Nahrung und zieht die wertvollen Inhaltsstoffe aus der Nahrung. Nichtverwertbare Inhalte werden ausgeschieden. Darum fühlen wir uns wieder hungrig und es beginnt wieder von vorn. Im Sanskrit heißt Hunger Asanaya. Wasser (naya) transportiert Nahrung (asa) und verursacht Hunger. Ein Kuhhirte wird Gonaya, ein Stallbursche für Pferde wird Asvanaya genannt. Jemand, der Menschen leitet, wird als Purusanaya bezeichnet. Da das Wasser die Nahrung an den richtigen Ort führt, wird es Asanaya genannt. Der Körper ist die Folge und das Wasser die Ursache; es gibt keine Folge ohne Ursache.

„Diese Auflösung der Nahrung im Wasserelement im Körper ist ein Indiz dafür, dass feine Kräfte am Werk sind. Kräfte, die sich nicht im Verdauungskanal aufhalten, sondern viel subtilere Kräfte. Von den Auswirkungen kann man auf die Ursachen schließen. Dadurch, dass die Nahrung durch das Wasser aufgelöst und durch die Aktivität des Wassers weiter nach innen geschleust wird, verspürt man Hunger und ebenfalls Durst. Das Wasser wird durch das Feuerprinzip in unserem Körpersystem getrocknet bzw. absorbiert. Das Feuerprinzip saugt das Wasserprinzip auf und man fühlt sich dadurch durstig. Das, was letztendlich übrig bleibt, sind Hitze und Energie, die durch die aufgenommene Nahrung erzeugt werden. Was ist die Hitze? Es ist die Hitze des Feuers, die Energie aus der Nahrungsaufnahme. Dadurch fühlt man sich nach der Nahrungsaufnahme gekräftigt, und dass ist wiederum der Grund für den späteren Hunger und Durst.“

Alles in unserem Körper besteht aus Feuer, Wasser und Erde. Was als Hunger bezeichnet wird, ist nichts weiter als die Auflösung der festen Nahrung durch das Wasserelement und dessen Auflösung in unserem System. Was man als Durst bezeichnet, ist, in ähnlicher Weise wie beim Hunger, die Auflösung des Wasserelements durch das Feuerprinzip in unserem System. Der Effekt wird durch die Ursache aufgelöst und in das eigene Selbst absorbiert. Dieser Prozess setzt sich solange fort, bis alle Folgen in der absoluten Ursache aller Dinge aufgelöst wurden, wo sie absolut und vollkommen fortbestehen.

Worin besteht diese absolute Ursache? Die absolute Ursache ist etwas, das nicht in eine höhere Ursache aufgelöst werden kann. Der Auflösungsprozess hört auf, wenn die absolute Ursache erreicht wurde. Die grobstofflicheren Formen werden in subtilere aufgelöst, und die subtileren Formen erreichen den Kausalzustand, die so genannte absolute Ursache aus empirischer Sicht. Diese absolute Ursache löst sich in das Absolute auf, d.h. worin sich alles auflöst. Das Individuelle wird so wie es ist darin aufgelöst. Es wird in die absolute Wirklichkeit umgewandelt. Darum gibt es eine Auflösung gröberer Elemente der Erde in das Wasserelement, des Wasserelements in das Feuerelement und des Feuerelements in die absolute Wirklichkeit, die als Sat oder reines Sein bezeichnet wird. Es ist das Original aller Dinge, aus dem die Vielheit entsteht, um sich durch die Instrumente der dreifachen Struktur des Universums aufzufächern, dessen Inhalte Feuer, Wasser und Erde sind. Alles ist letztendlich im Sein verwurzelt. Dieses ist es, was Uddalaka seinem Sohn erläutert hat.

Wenn wir die Quelle von allem in reinem Sein erkennen, werden wir sie nirgendwo anders suchen bzw. finden wollen. Im reinen einfachen Sein hat alles seine Wurzel. All diese Verschiedenartigkeit der Schöpfung hat ihren Ursprung im Sein, das sich in keine höhere Ursache auflösen kann, denn nichts ist erhabener als das Sein. Alles ist ein Effekt bzw. Ausdruck dessen, doch das Selbst ist kein Ausdruck von irgendetwas anderem. Die Allgemeinheit der Existenz steht hinter jedem einzelnen Objekt. Man nennt es Sat oder Satta, manchmal auch Satta samanya, das allgemeine Sein in allen erschaffenen Objekten als wesentliche Essenz. Alles Individuelle, jedes Einzelne, kann sich in der ursprunglosen Ursache auflösen. So wie sich alle Arten von Möbel in die Ursache ‚Holz’ auflösen lassen, so verhält es mit allen hergestellten Gütern. Es besteht in allen Effekten ein Drang zur Quelle zurückzukehren. Dieses nennt man den Evolutionsprozess. Für einen Effekt ist es, aufgrund der Anziehungskraft der Quelle unmöglich, in sich selbst zu ruhen. Diese Anziehungskraft wird im Unterbewusstsein verspürt und findet unaufhaltsam im gesamten Universum statt. Sie ist in allen Schöpfungen gegenwärtig, in organischen und unorganischen Stoffen gleichermaßen. Und darum kann nichts seinen Frieden in dieser Welt finden. Alles ist ruhelos, ständig in Bewegung, steht unter Spannung und trägt in sich eine Neigung, um über seine objektorientierten Grenzen hinauszuwachsen. Darum herrscht in der Welt auf jedem Gebiet eine solche niemals enden wollende Aktivität. Alles möchte seine eigenen Grenzen überschreiten und immer höhere Objekte erreichen, bis es zum reinen Sein gelangt. Das Streben nach etwas Neuem, sich selbst zu übertreffen, besser zu werden oder auf etwas Größeres hinzubewegen, liegt an der eigenen Beschränkung, d.h. der Endlichkeit aller Dinge. Dieses ist das Indiz für die Existenz einer Quelle jenseits von allem. Wenn es keine absolute Ursache/ Quelle gäbe, gäbe es auch keine Bewegung der Effekte in Richtung auf etwas anderes und es gäbe auch kein Gefühl von Endlichkeit. Es gäbe kein Streben, keine Wünsche und überhaupt keine Aktivitäten.

Dieses ist der philosophische Hintergrund, zu dem unser Geist durch die Erklärungen des Heiligen Uddalaka getrieben wird, Wenn er sagt, dass das Erdelement sich im Wasserelement, das Wasserelement sich im Feuerelement und das Feuerelement sich im reinen Geist, der ursachenlosen Ursache der Dinge auflöst. Alles hat seine Heimstatt im Sein und alles ist im Sein verwurzelt. Alles ist mit dem Sein in irgendeiner Weise verbunden, so wie die Zweige eines Baumes mit dem Stamm verbunden und von ihm abhängig sind. Der Stamm ist wiederum mit der Wurzel verbunden, die sich aus dem Samen entwickelt hat, in dem bereits die gesamte spätere Entwicklungsmöglichkeit des Baumes enthalten ist. Die Großartigkeit des Baumes ist also in einem kleinen unbedeutenden Ding enthalten, den man als Samen bezeichnet. Es wurde bereits erklärt, wie die drei Grundelement in bestimmten Proportionen vermischt werden und das objektive Universum so wohl als auch den subjektiven Körper eines Individuums bilden.

Die Essenz der Dinge, dieser Hintergrund aller Objekte und diese unsichtbare Ursache, die über allem schwebt und hinter allem steht, ist das Selbst allen Seins. Dieses ist der Atman aller Dinge, und alles in der Welt hat dieses als sein Selbst. Alles bewegt sich in Richtung des Selbst von sich selbst. Wohin bewegen wir uns? Wir bewegen uns in Richtung unseres Selbst. Wir bewegen uns nirgendwo anders hin. Darum hat auch die so genannte Evolution keine andere Bewegungsrichtung. Es ist eine Bewegung zum eignen Selbst, das selbst in Bewegung ist.

Die ganze Schwierigkeit liegt darin zu lokalisieren, wo sich dieses Selbst befindet. Befindet es sich drinnen oder draußen, in mir oder in dir, oder befindet es sich irgendwo anders? Dieser Punkt wird im nächsten Abschnitt der Upanishad besprochen. Diese Bewegung der Welt und die Neigung der Dinge sich zu bewegen, der gesamte Auflösungsprozess bis hin zur Ursache, ist letztendlich ein Indiz dafür, dass alles durch das Selbst zu sich selbst gezogen wird. Das subtilste der Dinge ist das reine und einfache Sein, und dieses Sein, das Sat genannt wird, ist auch der Atman aller Dinge. An dieser Stelle wird ein Hinweis dazu gegeben, wo sich das Selbst befindet, auch wenn es nicht genau erklärt wird, wo genau es sich befindet. Es wurde bereits gesagt, wo das Sein ist, und jetzt wird das Sein mit dem Atman, das Selbst, identifiziert. Darum ist das Sein dort, wo das Selbst natürlicherweise ist. Und es wurde bereits gesagt, dass das Sat, das reine Sein, das Satta-samanya ist, und darum muss es überall sein. Darum ist das Selbst überall. Wohin wird man nun gezogen, wenn man durch das Selbst zu seinem Selbst gezogen wird? Welches Objekt zieht uns? Alles zieht uns von allen Seiten gleichermaßen. Darum ist es nicht das Eintreten einer Sache in eine andere, nicht einmal das Eintreten des Individuums in den Kosmos. Es ist nichts Inneres im empirischen Sinne, d.h. nichts Inneres, das sich in einem anderen körperlichen Ding befindet. Es ist ein metaphysisches Inneres, ein spirituelles Inneres, das für den Geist unsichtbar bleibt. Es kann mathematisch nicht erfasst werden, so als wäre etwas in etwas anderem enthalten. Es ist das Selbst aller Dinge in einer neuen Sache, unmöglich in Worte zu kleiden. Es ist diese universale Selbstheit, die die Ursache aller Dinge ist und zu dem sich alles hinbewegt. -

„Oh, Svetaketu, du bist untrennbar damit verbunden; du kannst nicht außerhalb davon sein. So wie alles aus IHM hervorgegangen ist, so bist auch du aus IHM hervorgegangen. Durch den Prozess der drei Elemente, wurde dein Körper geformt. Alles, was du als individuelle Persönlichkeit bist, ist ein Muster, das aus dem Sein stammt und weiter mit den drei Elementen verwoben ist, die ebenfalls aus dem Sein kommen. Das, was du als dein Selbst, mein Selbst oder als irgendetwas ansiehst, bezieht sich auf das Selbst und sind Muster des Seins. Diese Muster können nicht außerhalb des Seins stehen. DAS ist das Selbst allen Seins und darum bist auch du DAS. Du kannst dich nicht außerhalb von IHM befinden oder anders als ER sein. Das ist dein Selbst, und du bist DAS. Oh, Svetaketu, zu dem Schluss, zu dem man durch die Analyse der drei Elemente kommt, ist die Existenz des reinen Seins, das der Hintergrund von allem ist was existiert.“ So sprach Uddalaka.

Svetaketu sagte daraufhin: „Diese Dinge hat mir mein Lehrer nicht erzählt. Ich bitte dich um weitergehende Instruktionen über das Sein. Du hast mich damit erschreckt, dass ich Eins mit dem Sein sein soll. Dieses ist noch schwerer zu verstehen, als würde das Sein auch andere Seins beinhalten, die man als verschiedene Objekte der Schöpfung bezeichnet. Du hast mich mit anderen Objekten vermischt und mich in das Sein einbezogen, so wie alles in ein Monstrum zusammengeworfen und in einem Topf verschmolzen wird, wo alles Verschiedene zu einem Sein wird. Ich brauche weitere Erklärungen. Wie kommt es, dass alles im Sein eins wird? Woraus besteht dieses Sein, wohin sich alles bewegt, um dann eins zu werden? Was ist das für ein Prozess, der alles wieder eins werden lässt? Wie kommen alle so genannten Seins zusammen und verschmelzen dann in dieses eine Sein, wenn sie es erreicht haben?“ Die folgenden Abschnitte beinhalten Uddalakas weitere Erklärungen.

9. Der innewohnende Geist

Was geschieht mit den Individuen, wenn sie das Sein erreichen? Die Erklärung wird mithilfe eines Vergleichs dargestellt. Der Vater sagt zu seinem Sohn: „Der Blütennektar wird von den Bienen eingesammelt und durch bestimmte chemische Prozesse in ihren Körpern zu Honig verwandelt. Dieser Honig beinhaltet die Essenzen bzw. den Nektar verschiedenster Blumen. Der Honig ist eine Mischung all dieser Essenzen von hunderten von Blumen. Doch im Honig kann man die unterschiedlichen Blumenarten nicht mehr ausmachen. Wenn die Essenzen der unterschiedlichsten Blumen zu Honig werden, werden sie zu einer einzigen Substanz. Keine der vielen Blumenarten ist in einer Honigmischung weder zu erkennen noch könnte sie isoliert werden. Hätte jeder Nektar einer Blume zuvor ein individuelles Bewusstsein gehabt, so wäre es mit dem Honigbewusstsein zu einem neuen Bewusstsein verschmolzen worden. Diese Arbeit wurde von den Bienen verrichtet. Sie haben die Auflösung der individuellen Bewusstseinsformen des Nektars der verschiedenen Blüten bewirkt und zu einem neuen Bewusstsein als Honig geformt. Vergleichbares geschieht mit allen Individuen, wenn sie in das reine Sein übergehen. Sie werden in das reine Sein zurückgezogen, so wie sich die Essenz der individuellen Blumen im Honig aufgelöst hat. Wenn die Individuen/ Menschen in das reine Sein übergehen, beendet dies ihre individuelle Existenz. Die Essenz der Blumen existiert im Honig, doch sie verliert das Bewusstsein für ihre individuellen „Gedanken“. ‚Ich bin diese oder jene Blume’ usw. Ähnlich verhält es sich mit der individuellen menschlichen Seele, wenn sie in das reine Sein eintritt. Doch auch sie verliert ihr individuelles Bewusstsein des ‚ich bin dieser oder jener Mann oder jene Frau, Herr Soundso oder Frau Soundso’. Alles Bestimmte verliert seine Existenz. Alles Individuelle wird zur reinen Grundsubstanz des Seins, wie ihn der Honig in diesem Beispiel darstellt. Das Selbstbewusstsein, das die individuelle Natur ausmacht, hört auf zu existieren. Das geschieht, wenn wir in das reine Sein eintreten.

Zum Eintritt des Individuums in das reine Sein, gibt es eine wichtige Anmerkung. Es gibt zwei Formen des Eintritts, d.h. ein unbewusstes und ein bewusstes Eintreten. Im Tiefschlaf berührt man die Natur dieses reinen Seins. Man stolpert quasi hinein. Man ist sich dessen nicht bewusst und löst sich darin auch nicht auf, doch man berührt es auf mysteriöse Art und Weise. Das Individualbewusstsein ist ohne Zweifel aufgehoben, und doch wird es nicht wirklich zum universalen Bewusstsein. Es wird sozusagen zum Unbewusstsein. Es gibt so etwas Normales zwischen diesem Unbewusstsein und dem absoluten Bewusstsein. Dieses liegt in diesem Zustand begründet, wo beide kein geteiltes Bewusstsein mehr besitzen. Und doch herrscht ein großer Unterschied. Ein Philosoph bemerkte einmal humorvoll, dass die Ähnlichkeit zwischen dem Unterschied des universalen Bewusstseins und dem Tiefschlaf wie bei dem lieben Gott und einer Katze ist. Es gibt Ähnlichkeiten, ohne Zweifel, und doch kennen alle den Unterschied. Aufgrund der Unfähigkeit sich in das Sein aufzulösen, kommt man aus diesem Zustand wieder zurück. Selbst beim Tod ist man sich des Eintritts in das Sein bewusst. Man ist weder in der Lage, die Bedingung des Tiefschlafs noch des Todes selbstständig fortzusetzen, d.h. man ist weder in der Lage, aufgrund der Existenz, des Potenzials, in Form von subtilen Eindrücken unerfüllter Wünsche, in einen Wachzustand in diesen Körper noch zur Wiedergeburt in einer anderen Körper zurückzukehren. Wenn man aus dem Schlaf erwacht ist man wieder derselbe wie zuvor.

Ein Tiger ist nach dem Aufwachen immer noch derselbe Tiger wie vor dem Einschlafen. Das gleiche gilt für Moskitos und alle anderen Geschöpfe. Obwohl sie im Tiefschlaf kein Bewusstsein besitzen und sich mit dem reinen Sein verbunden haben, werden sie nicht etwas Anderes, wenn sie wieder erwachen. Welche Natur man auch hat, man kehrt in das ursprüngliche Individuum zurück, auch wenn ein unbewusster Kontakt zur absoluten Wirklichkeit im Tiefschlaf bestanden hat.

Dieses reine Sein ist das Selbst aller, egal ob man sich dessen bewusst ist oder nicht. Das ist etwas Anderes. Doch es ist das Sein, das hinter all unseren Aktivitäten steht, sei es im Schlaf, bei Geburt und Tod oder hinter dem gesamten Prozess der universalen Evolution. Es ist das Selbst, das in die Aktivitäten in Form von Geburt, Tod und Inkarnation gefangen ist. Dieses hört solange nicht auf, bis sich letztendlich alles durch Hinterfragen und Meditation in das absolute Sein aufgelöst hat. Dieses ist das bewusste Eintreten in das Sein, während das unbewusste Eintreten im Tiefschlaf und beim Tod stattfindet.

10. Der innewohnende Geist am Beispiel der Flüsse und der Ozean

Es gibt viele Flüsse, wie zum Beispiel Mutter Ganga, Sarasvati, Yamuna, Krishna usw. Sie alle münden in denselben Ozean und gehen damit in dasselbe Gewässer ein. Nachdem sie in den Ozean eingeflossen sind, geben sie ihre Individualität auf und sind nicht mehr länger Ganges, Yamuna usw. Wenn man ein Glas Wasser aus dem Ozean schöpft, kann man nicht mehr feststellen, aus welchem Fluss dieses Wasser ursprünglich stammt. Warum? weil die unterschiedlichen Charaktere der einzelnen Flüsse im Ozean verloren gegangen sind. Nachdem jeder dieser Flüsse in den Ozean geflossen ist, kann keiner mehr von sich behaupten, er sei Ganges, Yamuna usw. Die Verschiedenartigkeit der einzelnen Flussgewässer hat sich vollständig von seinen Wurzeln gelöst und verwandelt. Alles wurde zu einem Ozean. Dieses ist eine Analogie, um darzulegen, was reines Sein bezogen auf die verschiedensten Individuen bedeutet. Alle erschaffenen Körper, wie in diesem Beispiel die Flüsse, tendieren zum Ozean des Absoluten. Ihr Erreichen des reinen Seins, d.h. das Absolute, ist das Münden in den Ozean. Die Flussgewässer werden zu Ozeanwasser, und sie wissen nicht mehr, wo sie sich befinden, und doch sind sie da. Man kann nicht sagen, sie wären im Ozean nicht vorhanden. Sie sind dort. Darum ist das keine Verleugnung der Individualität, sondern eine Verwandlung. Die Flüsse wurden auch nicht zerstört, sondern sie haben sich in das größere Sein aufgelöst, in eine größere Wirklichkeit ihres Selbst, was das Selbst ist. Man könnte sagen, der Ozean ist das Selbst der Flüsse, in den sie gehen bzw. fließen und sich auflösen, was letztendlich auch geschieht. So ähnlich verhält es sich auch mit uns, mit allen Individuen. Alles Sein in der Schöpfung neigt zum Ozean des absoluten Seins. Wenn die erschaffenen Individualitäten dorthin gehen, sind sie nicht mehr voneinander zu unterscheiden, denn sie werden Eins mit dem Sein.

Wenn sie in das Sein gegangen sind und wieder zurückkommen, dann wissen sie nichts mehr davon. Sie haben Es berührt, sind entweder in das Sein eingetreten oder wurden im Tiefschlaf eins mit IHM, doch sie wissen nichts davon. Es ist so, als wären ihre Augen verbunden gewesen. Jeder weiß von sich, wer er ist, wenn er zurückkommt. Niemand hat ein anderes Bewusstsein. Wer oder was auch immer er zuvor waren, Tier oder Mensch. Das, was man war, wird man auch wieder nach dem erwachen. Als diese besonderen Spezies und die besonderen Körper, mit dem sie entweder eingeschlafen oder gar gestorben sind, erwachen sie oder werden als diese Spezies wiedergeboren. Dieses geschieht aufgrund der Gegenwart des subtilen Körpers, der nicht durch das absolute Wissen zerstört wurde. Nachdem sie entweder aus dem Tiefschlaf erwacht sind oder nach ihrer Wiedergeburt in einem anderen Körper sind sie sich nicht mehr bewusst, dass sie aus dem Sein hervorgegangen sind.

Dieses ist die Wirklichkeit, dieses ist das Sein aller Dinge und auch du bist DAS. „Erzähle weiter“, sagte der Junge. „Es scheint, dass du mit deinen Erklärungen schon am Ende bist. Doch es gibt noch mehr. Wie verhält es sich mit dem Leben allen Seins? Das, was du als die Existenz oder das Sein aller Dinge bezeichnest, ist auch die Lebendigkeit in allem. Ist es das, was als Leben bezeichnet wird. Man sagt, da ist Leben oder kein Leben darin. Ein Baum lebt, doch ein Stein hat kein Leben. Was bezeichnet man als lebendig? Offenbart sich das Sein selbst nicht in allen Dingen gleichermaßen? Offenbart es sich in einigen Dingen mehr als in anderen? Es scheint, dass es zum Beispiel eine größere Offenbarung der Wirklichkeit bei Pflanzen als bei den Mineralien gibt. Bitte erkläre mir das, damit meine Zweifel zerstreut werden.“

11. Der innewohnende Geist am Beispiel eines Baumes

Es muss vor dem Haus von Uddalaka ein großer Baum gestanden haben, denn er sagte: „Sieh’ dir diesen großen Baum vor unserem Haus an. Angenommen, man würde einen dicken Ast abschlagen. Er würde sofort zeigen, dass er Leben in sich hat. Saft würde an der Schnittstelle austreten, denn in ihm steckt Leben. Dieses würde an jeder Schnittstelle geschehen, am Hauptast, an einem kleinen Ast oder an welcher anderen Stelle auch immer. Seine enorme Größe kommt von dem Leben, das in ihm steckt. Im Herbst werfen die Bäume ihre Blätter ab, dann ist die gesamte Pflanzenwelt höchst erfreut. Was bedeutet das? Woher kommt das Glück, dass wir im Angesicht eines wunderschön blühenden Baumes empfinden. Es ist die Offenbarung des Lebensprinzips in ihm. Es ist das Wirken des Jiva, jener Essenz, die wir als Leben bezeichnen. Dieses kann man auf keine andere Weise erklären. Niemand weiß, was dieses Leben ist. Man kann nicht einfach sagen, es gibt Leben, das ist alles. Doch was versteht man unter Leben? Leben ist Leben. Es kann mit keinem anderen Wort erklärt werden. Es gibt keine Definition, nichts Vergleichbares. Leben kann mit nichts verglichen werden, denn es gibt nichts Vergleichbares. Es ist in seiner Natur einzigartig. Es steht allein für sich selbst. Wir sprechen einfach vom Leben, so als wäre alles klar. Es gibt Leben und wir führen ein Leben. Doch was ist Leben? Niemand weiß es. Niemand kümmert sich darum, etwas damit anzufangen, denn es ist letztendliches Sein. Es kann durch keinen höheren Bezug erklärt werden. Darum existiert der Baum, wirkt der Baum, lebt der Baum aufgrund seiner Lebendigkeit, was man auf das reine Sein beziehen kann. Dieses ist nicht nur im Baum, sondern überall gegenwärtig. Wenn das Leben im Baum stirbt, vertrocknet er. Wenn man einen vertrockneten Ast am Baum sieht, dann hat sich das Leben aus diesem Ast entfernt. Weitere Äste können vertrocknen. Letztendlich vertrocknet der Stamm und der ganze Baum stirbt damit ab. Das ist es, was man als normales Leben bezeichnet.

Das, was man als Sterben bezeichnet, ist das Verlassen des Lebenselixiers, der Lebendigkeit, aus einem bestimmten Körperteil. Darum bedeutet der Tod nicht, dass das Lebensprinzip an sich aufhört. Das Leben selbst stirbt nicht. Die Lebenskraft wird auf eine andere Ebene transferiert. Sie wurde aus einer bestimmten Formation zurückgezogen. Das ist alles. Das Leben, das eine Offenbarung des reinen Seins ist, wurde aus einer bestimmten Offenbarung, genannt Körper, zurückgezogen. Darum sagt man von einer bestimmten Form, sie stirbt. Sie wurde von der Essenz, der Lebenskraft, getrennt. So verhält es sich mit allen Dingen, uns eingeschlossen. Ist das verständlich?

Dieses ist nur ein Beispiel. Aus dieser Analogie kann man alles implizit folgern. Wir sind alle, wie die Bäume, die menschlichen Körper, mit dieser Lebenskraft beschenkt, und wir sterben, wenn dem Körper diese Lebenskraft wieder entzogen wird. Diese Essenz ist das Sein, der Atman aller Dinge. Alles in dieser Welt, alles in dieser Schöpfung hat dieses als sein Selbst. Es gibt nicht viele Selbst. Obwohl es viele Körper, Formen, Individuen gibt, ist das Selbst nur EINS. Darum kommt alles in dieses absolute Selbst zurück, woher es gekommen ist, und wohin es sich neigt. „Bitte erkläre mir weiter“, bat der Junge, und der Lehrer fuhr fort.

12. Der innewohnende Geist am Beispiel des Banyanbaumes und seiner Saat

Dort vor dem Kutir (Haus) steht ein Banyanbaum. Der Banyanbaum ist riesig groß, trägt aber nur winzig kleine Früchte. Der Vater bat seinen Sohn, ihm ein paar Früchte zu bringen. Der Vater brach eines der Früchte auf. „Nun was siehst du“, fragte er seinen Sohn. „Kleine Körnchen“, antwortete der. Man muss sich das einmal genauer anschauen. Wie viele Früchte trägt der Baum? Wie viele Saatkörner befinden sich in jeder Frucht? Unzählige winzig kleine Saatkörnchen. Und man kann diese winzigen Saatkörnchen einmal mit solch einem großen Banyanbaum vergleichen. „Welch’ kleine Früchte und was für winzigkleine Saatkörnchen“, stellten Vater und Sohn gleichermaßen fest. „Und nun teilen wir ein solches winziges Saatkörnchen“, sagt der Vater. Es ist außerordentlich schwierig es zu teilen. Man kann es nicht einmal in der Hand halten, denn wenn man es mit der Hand ergreifen will, entgleitet es sofort. Irgendwie brachte es der Sohn dann doch fertig, ein Saatkörnchen zu teilen. „Ich habe es geschafft“, rief der Sohn freudig. „Was siehst du jetzt?“ fragte der Vater. „Ich sehe überhaupt nichts“, bemerkte der Sohn.

Mit bloßem Auge sieht man nichts. Man könnte vielleicht etwas kaum sichtbares Geleeartiges als Essenz ausmachen. Unter einem guten Mikroskop kann man noch eine halbwegs flüssige Masse erkennen. Ein fester Kern ist nicht zu sehen. „Was siehst du dann?“ fragte der Vater seinen Sohn. „Eigentlich kann ich überhaupt nichts erkennen“, antwortete sein Sohn.

Der Vater erklärte seinem Sohn: „Weißt du denn, was sich in dieser Saat befindet? Es ist ein großes Wunder. Du sagtest, du könntest nichts erkennen. Es ist praktisch unsichtbar, als würde es aus deiner Sicht nicht existieren. Dieses scheinbar nicht existierende etwas, diese kleine winzige Essenz dort in der kleinen Saat wurde zu dem großen ausladenden Baum. Wie ist das möglich? Ist es nicht ein Wunder, dass sich ein so riesiger Baum aus so einem kleinen Stückchen Gelee entwickeln kann? Nun schau’ dir dieses Wunder an. Bitte hab’ Vertrauen in das, was ich sage, und geh’ meiner Analogie auf den Grund.“

Diese kleine so genannte subtile Essenz durchdringt den gesamten Baum. Wie ist das möglich? fragt man sich. Nun, es gibt nichts, was nicht in dieser subtilen Essenz vorhanden ist. Der so genannte große Baum ist nichts weiter als das, was nicht schon in dem winzigen Saatgut vorhanden ist. So verhält es sich auch mit dem gesamten weiten Universum. Es heißt, dieses Universum sei so groß, so gewaltig, so grobstofflich oder so unkontrollierbar. Dieses ist genauso, als würde man dabei über diesen riesigen Baum sprechen. Doch woher stammt er? Er ist aus der sehr kleinen beinahe atomhaft großen Saat entstanden. Das ist das Sein, die Essenz des riesigen Baumes dieses Universums. Darum ist dieses Sein, diese Essenz des ganzen Universums, das Selbst des ganzen Universums. Diese winzige geleeartige Masse im Saatkorn ist das Selbst dieses großen Baumes. Es ist der Atman des Banyanbaumes, denn aus dem Saatkorn ist alles hervorgegangen, und außerhalb davon existiert dieser Baum nicht. Darum ist es das Sein dieses Baumes. So verhält es sich auch mit dem Sein des ganzen Universums, uns eingeschlossen. „Du bist DAS“, sagte der Vater. Man kann es zu jedem Zweig des Baumes sagen, ‚du bist diese Essenz’. Das gleiche gilt für jedes Blatt, jede Frucht und jede Blüte des Baumes. Und man begeht damit keinen Fehler, wenn man sagt: ‚Du bist DAS’, denn es ist wahr. Dieses gilt auch für alle Individuen: ‚Du bist DAS’, denn alle Individuen stammen von dieser nicht-wahrnehmbaren homogenen Wirklichkeit ab. „Bitte, gib mir noch ein anderes Beispiel“, bat der Sohn seinen Vater.

13. Der innewohnende Geist am Beispiel von Salz und Wasser

„Bring mir eine Tasse mit Wasser und streue etwas Salz hinein“, sagte Uddalaka. Der Junge brachte das Gewünschte. „Komm’ morgen früh wieder“, sagte der Vater. Am nächsten Morgen erschien der Junge wieder bei seinem Vater. Der Vater sagte: „Gestern hast du Salz in das Wasser getan. Gib mir dieses Salz.“ Der Junge suchte das Salz in der Tasse, doch es hatte sich aufgelöst. Es war eins mit dem Wasser geworden, und er Junge konnte dem Vater das Salz nicht bringen.
Der Junge sagte: „Im Wasser ist kein Salz zu sehen.“ Uddalaka sagte: „Nun werde ich dir beweisen, dass das Salz noch da ist. Nimm ein Schluck aus der Tasse und sag’ mir, was du schmeckst.“ „Es schmeckt salzig“, sagte der Junge. „Nimm noch einen Schluck von der Mitte und sag mir, wie es schmeckt.“ „Es schmeckt salzig.“ „Alles ist salzig.“ „So nun sag mir, ob das Salz immer noch existiert oder nicht?“ „Ja, es existiert.“ „Aber es ist nicht sichtbar, nicht wahr?“ „Richtig, ich kann es nicht sehen!“

Nun dieses ist der Beweis dafür, dass wir bestimmte Dinge nicht sehen können, obwohl sie existieren. Das Salz hat sich im Wasser aufgelöst und ist deshalb nicht mehr sichtbar. Es kann nur noch mithilfe der Geschmacksorgane erschlossen werden. Wir können das Salz zwar nicht mehr sehen, aber wir können es schmecken. Ähnlich verhält es sich mit dem Sein, das ist mit der Substanz dieser Schöpfung untrennbar verbunden ist. Auf die gleiche Weise verhält es sich mit dem Salz im Wasser, doch wir können dessen Existenz nur noch durch unsere Geschmacksnerven erkennen. Wir können allerdings das Sein in den Einzelheiten dieser Welt nicht durch unsere Organe wahrnehmen, denn das Sein ist mit den Einzelheiten verschmolzen. Doch auf einem anderen Wege, als mit unseren Sinnen und unserem Geist, können wir das Sein in all den Einzelheiten erkennen. Dann werden wir feststellen, dass ES überall im Universum vorhanden ist, so wie das Salz in salzigem Wasser. Was auch immer wir berühren, wir berühren nur DAS, so wie bei der Berührung des salzhaltigen Wassers, das insgesamt salzhaltig ist.

„Doch wobei handelt es sich um den anderen Weg? Bitte gib mir entsprechende Anweisungen“, sagte der Junge. Wie ist es möglich, eine Einsicht in diese Wirklichkeit zu erlangen, die überall in allen Formen gegenwärtig ist. Weder der eigene Intellekt noch die Sinne können helfen. Die Sinne sind nützlich, wenn es um die Kontaktaufnahme mit Äußerem geht, und alles, was nicht äußerlich ist, kann kein Objekt ihrer Wahrnehmung werden. Doch dieses Sein, von dem wir sprechen, ist nicht äußerlich, nicht außerhalb, und kann deshalb kein Objekt der Sinne sein. Der Geist kann das Sein nicht wahrnehmen, denn die Funktion des Geistes liegt in der Synthese der Wahrnehmungen der Sinne, ist eine Organisation von Gefühlen und Wahrnehmungen. Sie sind eine Art von Koordination und eine Methode, um die chaotische Masse von Wahrnehmungen zu sortieren, mit bisherigen Erfahrungen zu vergleichen und zuzuordnen. Der Geist sieht nichts, was nicht durch die Sinne wahrnehmbar ist. Er hilft nur bei der Einführung einer logischen Sequenz und stellt dabei einen logischen Zusammenhang bei der Vielzahl der Eindrücke her. Der Geist kann mit seinen Sinnen nichts anderes als erkennen, wahrnehmen, zuordnen, speichern und mit bisherigen Eindrücken vergleichen. Dabei ist der Intellekt in der Lage, irgendwelche Rückschlüsse zu ziehen, die sich auf die Erfahrungen der Sinneseindrücke beziehen. Der Geist und der Intellekt kooperieren und bestätigen nur das, was die Sinne ihnen erzählen. Und wenn die Sinne nutzlos sind, sind Geist und Intellekt ebenfalls nutzlos. Die einzige Bedeutung, die dem Geist bzw. Intellekt zuzusprechen ist, liegt in der besonderen Fähigkeit, auf eine höhere Wirklichkeit zu folgern, da er weniger abgelenkt ist als die Sinne, und da er eine größer Kraft als die Sinne besitzt, welche unabhängig von den Sinnen wirkt. Der Geist ist also mit einer besonderen Kraft ausgestattet, die allgemein nicht sichtbar ist, die aber mithilfe eines Meisters entwickelt werden kann, und die dann dazu genutzt wird, um eine Innsicht der Wirklichkeit zu erlangen.

Aus diesem Grunde nutzt Uddalaka diese Illustrationen. Angenommen jemand wird beraubt, an Händen und Füßen gefesselt und irgendwo in der Wildnis an unbekanntem Ort zurückgelassen. Der Beraubte wusste nicht wo er war, denn man hatte ihm auch seine Augen verbunden. Er hatte nur bemerkt, dass man ihn irgendwohin verschleppt hatte. Er war verzweifelt. Das einzige, was er tun konnte, war, um Hilfe zu schreien. Sein Intellekt wird ihm in der Situation nicht viel nützen, denn seine Augen waren ja verbunden. Unter solchen Umständen kann nur etwas helfen, das sehen kann. Jemand der sehen kann und ihn findet, hilft und ihn führt. Es gibt keinen anderen Ausweg. Wir alle sind blind, denn wir haben alle die Sicht der spirituellen Wirklichkeit verloren. Wir leben alle in einer spirituellen Dunkelheit. Daher kommen unsere Sorgen. Doch wo ist der Ausweg?

14. Der innewohnende Geist die Notwendigkeit eines Gurus

Jemand lebte an einem Ort, genannt Gandhara, und wurde von Wegelagerern überfallen und ausgeraubt. Man fesselte ihn und verband ihm seine Augen. Man nahm ihn mit und brachte ihn in einen dichten Wald, wo Tiger, wilde Bestien usw. hausten. Dort ließ man ihn liegen. Der arme Mann schrie: „Ich bin verloren, ich weiß nicht, wo ich bin. Ist da jemand, der mir helfen kann? Hört mich jemand?“ Das war alles, was er tun konnte. Dann kam ein guter Samariter vorbei. Der löste seine Verschnürung, nahm ihm die Augenbinde ab und sagte: „Wie bist du hierher gekommen. Woher kommst du?“ Der arme Mann antwortete: „Ich bin aus Gandhara gekommen, und jetzt weiß ich nicht, wo ich bin. Wie komme ich wieder dorthin zurück?“ Daraufhin sagte der freundliche Samariter: „Du verlässt diesen Ort in diese Richtung, bis du einen großen Baum findest. Dann wendest du dich nach rechts und gehst noch zwei Meilen weiter. Dann findest du ein Dorf. Von dort wendest du dich nach Osten und wirst bald einen Wegweiser finden. Nun mach’ dich auf. Du wirst sicher dein Ziel finden.“

Dieses ist eine Analogie, um die Situation der Menschen in dieser Welt zu beschreiben. Sie wurden von zu Hause verbannt und von Räubern, den Sinnen, in die Wildnis geworfen, und können Dinge nicht richtig erkennen. Sie wissen nicht, woher sie gekommen sind. Sie haben sich verlaufen, und die Sinne sind nicht in der Lage zu helfen. Der Geist ist verwirrt. Es bleibt nur ein Ausweg, d.h., um Hilfe zu bitten. So wie der Beraubte, der in der Wildnis, wie ein Blinder, verloren scheint, einen Sehenden um Hilfe bitten muss, um den rechten Weg wieder zu finden, so müssen sich die Menschen in der Unwägbarkeit des Lebens einem spirituellen Führer anvertrauen, der die Gegenwart der Wirklichkeit visualisieren kann, die das Ziel aller Menschen ist. Solch eine spirituelle Führungspersönlichkeit wird als Acharya, spiritueller Meister, bezeichnet. Er ist Lehrer, er ist Guru. Es gibt keinen anderen Ausweg aus dem Durcheinander des Lebens, ausgenommen unter Führung eines Lehrers, eines Gurus, der diese Erfahrungen des Lebens durchgemacht hat. Er hat die Torturen der Existenz, des Leids erlebt, und ist selbst windende und düstere Pfade gegangen. Er weiß, woher jemand gekommen ist und wie er dorthin wieder zurückkehren kann. Mithilfe der Anweisung eines Meisters ist der Schüler in der Lage, schrittweise voranzuschreiten.

Die Analogie des guten Samariters erzählte dem Hilflosen mit den verbundenen Augen, wie er zu seinem Haus schrittweise, mithilfe verschiedener Hinweise, wieder zurückfinden kann. Genauso verhält es sich mit den Hinweisen in den Schriften. Die Instruktionen des Gurus sind die Merkmale auf dem Weg. Wir erfahren aus dem Dilemma, in dem wir uns jetzt befinden, welchen Schritt wir als nächstes machen müssen. Wir können das Ziel natürlich nicht direkt erreichen. Möglicherweise ist es hunderte von Meilen entfernt. Das bedeutet, dass wir uns sehr bemühen müssen. Darum gehen wir zunächst drei Meilen in eine Richtung, dann finden wir eine Straße, die automatisch weiter nach rechts verläuft. Am Weg finden wir dann einen riesigen Banyan-Baum. Dort biegen wir nach links ab. Dann gehen wir wieder 10 Meilen auf diesem Weg, bis wir zu einem Dorf kommen. Dort ruhen wir uns aus. Dann gehen wir nach Westen usw. Dieses vergegenwärtigt die immer höher werdenden Ebenen des Bewusstseins, zu denen wir uns emporschwingen müssen, wobei wir verschiedene Hindernisse zu überwinden haben. Auf diese Weise werden wir durch die Meister instruiert.

Wir sind aus der früheren ursprünglichen Existenz herausgefallen. Das geschah nicht plötzlich, sondern Tropfenweise. Es war ein langsamer Prozess über viele Stationen, wodurch das Bewusstsein sich selbst verfangen hat und in den bedauerlichen Zustand des irdischen, körperlichen, objektiven Bewusstseins gelangt ist, wobei es das universale Bewusstsein verloren zu haben scheint. Um zum ursprünglichen Zustand zurückzukehren, reicht es nicht, irgendein Flugzeug zu besteigen und dorthin zu fliegen. Es gibt keinen direkten Weg, sondern es ist ein sehr vielschichtiger Prozess. Wir können nicht über bestimmte Entfernungen hinausschauen. Darin liegt die Schwierigkeit auf diesem Weg. Wir können nicht irgendeine Brille aufsetzen und alles direkt bis zum letzten Punkt überschauen. Der Weg scheint wie eine dunkle unübersehbare Gasse, wie es heißt. Wir können nur über den einen Punkt hinausschauen, den wir gerade erreicht haben. Auf dem Weg gibt es viele dieser Punkte. Darum ist es für den enthusiastischen Sucher belanglos, die Natur des Absoluten direkt zu erkennen. Wenn jemand einen weiten Weg gehen muss, um sein Ziel zu erreichen, muss er zunächst eine bestimmte Entfernung zurücklegen. Dazu muss er verschiedene Methoden einsetzen. Er kann das Auto benutzen. Manchmal muss er sogar mit dem Flugzeug fliegen. Manche Entfernungen müssen zu Fuß zurückgelegt werden, und nicht überall steht das passende Fortbewegungsmittel zur Verfügung. Entsprechend verhält es sich mit der Sadhana-Praxis. Dieselbe Methode funktioniert nicht überall. Es handelt sich nicht immer um die gleiche stereotype Routine, die wir zu Anfang erlernen und bis zum Ende anwenden können. Nach einem bestimmten Punkt oder nachdem eine bestimmte Wegstrecke hin zum Absoluten zurückgelegt wurde, müssen wir die Methode wechseln, die Geschwindigkeit in der Vorgehensweise muss geändert werden oder wir benötigen eine andere Art der Führung. Es ist genauso wie bei einer Reise, oder wie bei der Behandlung einer Krankheit, oder wie bei einer Lehrmethode, sei sie weltlich oder spirituell. Bestimmte Stufen müssen erreicht werden, und doch erfährt man nicht alles auf einmal. Es ist sinnlos alles zu erklären, denn der Geist ist nicht in der Lage, alles direkt zu begreifen.

So wie der Mann mit den verbundenen Augen seine Anweisungen von dem guten Samariter erhält, so muss die suchende Seele Anweisungen von einem spirituellen Meister bekommen. Und so, wie der verirrte Mensch in diesem Beispiel nach Hause möchte und nicht an eine ausschweifende Besichtigung von Sehenswürdigkeiten interessiert ist, so ist auch die Seele nur an ihr Ziel interessiert und will nicht die Zeit mit Besichtungen irgendwelcher weltlicher Dinge verschwenden. Der Meister wird dem Suchenden zu verstehen geben: ‚Dieses ist der Weg’. Auf dem Weg werden dem Suchenden viele Dinge begegnen. Er sollte damit allerdings keine Zeit verschwenden. Es sind nur Erfahrungen, die er auf dem Weg machen muss. Wenn jemand in die nächst größere Stadt fährt, sieht er auf dem Wege viele Dinge, doch er ist daran nicht sonderlich interessiert. Es geht einem nur um das anvisierte Ziel. Nichtsdestotrotz gibt es viele andere Dinge auf dem Weg zu sehen. Doch diese Dinge sind nicht von Belang. Genauso verhält es sich mit der aufsteigenden Seele hin zum Absoluten. Der Sucher macht auf seinem Weg viele Erfahrungen. Er mag viele Visionen haben, Dinge, die schöner sind als alles Weltliche. Doch er interessiert sich dafür nicht, denn es handelt sich nur um Haltepunkte, vorübergehende Phänomene. Und so, wie der Mann mit den verbundenen Augen nur nach Hause will, und nicht an irgendwelche Plätze auf dem Weg dorthin interessiert ist, so sollte sich auch der spirituelle Sucher auf dem Weg zurück zu seiner Quelle verhalten, der viele Erfahrungen durchmacht, an denen er sich nicht festklammern sollte. Auf diese Weise kann die Seele ihr großes Ziel erreichen.

Was ist der Weg? Der Weg ist der Acharya, der Guru, der Lehrer oder der Meister. Es gibt keinen anderen Weg. „Nur jemand, der einen richtigen Lehrer hat, kann die Wahrheit verwirklichen“, heißt es in dieser Upanishad. Niemand sonst kann diese Wahrheit durch eigenes Bemühen, mithilfe des Geistes, des Intellekts oder der Sinne erreichen. Keine noch so umfangreiche wissenschaftliche Analyse oder kein noch so umfangreiches Studium der Schriften allein kann zum Ziel führen oder kann sogar nutzlos sein. Es bedarf einer direkten Führung von jemand mit persönlicher Erfahrung. So ein Mensch ist ein Acharya, ein Lehrer, der weiß, was Wahrheit bedeutet. Es ist derjenige gesegnet, der solch eine Führung hat. Nur dann wird der Suchende solange an diese Welt gebunden sein, bis er seinen Körper abschüttelt. Solange wie er an die körperliche Individualität gebunden ist, solange sein Prarabdha-Karma anhält, d.h. solange er bestimmte Erfahrungen durchlaufen muss, solange wird er auf Erden bleiben. Sanchita-Karma wird durch Wissen zerstört. Agami-Karma existiert für solche Menschen nicht, doch Prarabdha-Karma besteht fort. Prarabdha ist die Bezeichnung für wiederkehrende Folgen aus Handlungen, die diesen Körper zur Wiedergeburt gebracht haben, d.h. diese unsere Individualität, mit der wir durch dieses Leben gehen und mit der wir verschiedene Erfahrungen machen müssen. Wenn wir in der Lage sind, diesen Kurs der Veränderungen zu vervollständigen, dann werden wir in das Grenzland der Freiheit eintreten. Wir sind also nur solange an dieses Leben, diese Welt gebunden, solange dieser Körper da ist. In dem Augenblick, wenn dieser Körper verlassen wird, sind wir frei, dann gibt es nichts mehr, was uns bindet. All unser Karma wurde durch Meditation und durch die Handlungen in unserem Leben zerstört. Sie werden uns nicht binden, denn es sind keine selbstsüchtigen Handlungen. Sie sind nicht durch die körperliche Individualität motiviert. Sie werden durch das Wissen einer höheren Wahrheit angetrieben, und darum werden uns die Handlungen des gegenwärtigen Lebens, die Agami-Karmas, nachdem das Wissen sich erhoben hat, nicht binden. Diese Persönlichkeit wird auch nicht durch Sachita-Karmas beeinflusst, d.h. durch Handlungen aus früheren Leben. Sie beide wurden durch das Wissen verbrannt. Das einzige, was bleibt, ist Prarabdha. Wenn dieses vergangen ist, dann ist jede Art von Bindung vergangen. Dann erreichen wir das große Sein. Dieses Sein ist die Wahrheit aller Dinge.

Nach seinen Ausführungen sagte Uddalaka: „Oh Svetaketu hast du verstanden, was ich dir mit all dem sagen will. Diese größte subtile Essenz aller Welten ist die Wahrheit, der Atman, die absolute Wirklichkeit in dir, und du bist DAS.“ „Gib mir noch weitere Erklärungen, Meister“, sagte der Junge.

Worin besteht der Unterschied zwischen jenen Menschen, die bewusst das Absolute verwirklicht haben und jenen, die unbewusst durch den Tod oder Tiefschlaf in das Absolute eingetreten sind? Warum erreichen nicht alle gleichermaßen die Verwirklichung nach dem Tod, wo doch die Voraussetzung für die Befreiung das Abwerfen des Körpers ist? In der Upanishad heißt es, dass man Befreiung erreicht, wenn man seinen Körper verlässt. Und warum erlangt nicht jeder Befreiung, wenn er in den Tiefschlaf eintritt oder stirbt? Es gibt offensichtlich Unterschiede zwischen jenen, die Kenntnis haben, und jenen ohne Wissen. Nichtsdestotrotz werfen beide früher oder später ihre Körper ab, und beide werden in die Wirklichkeit geworfen. Doch worin besteht ihr Unterschied? Dieses wird wiederum an Hand anderer Beispiele erläutert. Dieses Kapitel ist voller Analogien.

15. Der innewohnende Geist der Auftrag zur Verschmelzung

Wenn jemand krank ist und dabei ist, diese Welt zu verlassen, dann sitzen seine Freunde und Verwandten um ihn herum. Er wird gefragt: „Erkennst du uns? Weißt du, wer hier sitzt?“ Wenn seine Sinne noch aktiv sind, wird er sie erkennen. Doch wenn sich seine Sinne in den Geist zurückgezogen haben, dann kann er nur noch denken, aber nicht mehr sprechen. Er kann sich nur noch an seine Verwandten erinnern, doch er sieht sie nicht mehr um sich versammelt. Zum Zeitpunkt des Todes geschieht ein schrittweises Zurückziehen der organischen Körperfunktionen. Die körperlichen Sinne werden durch bestimmte Kräfte aktiviert, was den Sterbenden zur Wahrnehmung treibt. Wenn der Zweck der körperlichen Existenz in dieser Welt beendet ist, gibt es für die Sinne keine Arbeit mehr. Wenn man lebt, handeln die Sinne aufgrund von Prarabdha-Karma auf bestimmte Art und Weise, sodass von Prarabdha-Karma erwartet wird, das Leben zu beenden. Wenn dieser Augenblick gekommen ist, gibt es für diesen Körper keinen Sinn mehr, hier in dieser Welt Erfahrungen zu machen. Dann verstehen die Sinne, dass sie mit diesem Körper nichts mehr anfangen können. Sie wollen dieses Instrumentarium, den Körper, loswerden. Darum ziehen sie sich selbst zurück. Dann kann der Körper für die Sinne die Funktion nicht mehr ausüben. Was sind das für Sinne? Es sind die Energien, die durch den Geist angetrieben werden. Es ist der Geist, der seine Fühler, d.h. die Sinne in Form der Sinnesorgane, durch die Körperöffnungen steckt. Durch das Ende von Prarabdha-Karma, beenden sich auch die Funktionen eines Individuums in einem bestimmten Körper, die Sinne werden in den Geist zurückgezogen. Dann kann der Sterbende zwar denken, aber nicht mehr sehen, nicht mehr sprechen. Seine Organe hören auf zu funktionieren. Er ist praktisch tot. Er liegt leblos auf seinem Bett, doch Leben ist noch vorhanden.

Solange wie sich der Geist noch nicht in eine höhere Wirklichkeit in sich selbst zurückgezogen hat, kann er denken. Ansonsten wäre selbst das Denken nicht mehr möglich. Im letzten Augenblick, wenn er stirbt, hört das Denken auf. Nicht nur das Sprechen und die anderen Sinne stoppen ihre Aktivitäten, sondern selbst der Geist stoppt seine Funktionen und der Sterbende kann nicht mehr denken. Wenn man zu jemand in dieser Situation spricht, kann er nicht mehr antworten. Er wird nicht reagieren. Er wird keine Anzeichen machen, etwas gehört zu haben. Das ist die Situation, wo sich nicht nur die Sinne in den Geist zurückgezogen haben, sondern sich der Geist in die Pranas (Lebensenergien) zurückgezogen hat. Es ist nur noch der Atem aktiv, doch weder Denken noch Sinne. Dann heißt es, er lebt noch. Er atmet. Jemand holt etwas Baumwolle, hält sie an seine Nase, um zu sehen, ob er noch lebt. Wenn sich die Baumwolle noch bewegt, lebt er noch, ansonsten wäre er tot.

Die erste Stufe des Zurückziehens ist das Auflösen der Sinne in den Geist. Die zweite Stufe des Zurückziehens ist die Auflösung des Geistes in Prana, worin sich der Atemprozess fortsetzt, das Leben existiert noch. Doch es existieren jetzt weder Denken noch Gefühl. Was geschieht dann? Der Atem wird dann in das Feuerprinzip zurückgezogen, was als Wärme im dem System angesehen wird. Solange Wärme im System vorhanden ist, existiert noch ein Element des Lebens. Wenn die Wärme vergangen ist, wird der ganze Körper kalt und die Glieder fangen an zu zucken. Dann verlieren wir alle Hoffnung, denn es ist zu Ende. Prana hat sich in das Feuer-Prinzip zurückgezogen. Wenn die Sinne sich zurückgezogen haben, ist immer noch der Geist aktiv. Wenn der Geist sich zurückgezogen hat, ist Prana noch aktiv. Wenn Prana sich zurückgezogen hat, ist nur noch die Wärme vorhanden. Wenn das Feuer bzw. die Wärme als Letztes vergangen ist, dann ist das Leben vorüber und der Mensch verlässt diese Welt und betritt eine andere. Wenn sich die Wärme in das absolute Bewusstsein zurückgezogen hat, dann gibt es weder Bewusstsein noch körperliches Leben.

Individuelles Leben verlöscht in einem schrittweisen Prozess des Zurückziehens von äußeren Funktionen nach innen, bis sie letztendlich in die absolute Wirklichkeit zurückgezogen werden, d.h. Samanya Satta (in alle Dinge). Der Mensch erreicht dann einen Zustand wie im Tiefschlaf. Er weiß nicht, was mit ihm geschieht. Er weiß nicht, dass er stirbt. Das ist Unterbewusstsein. Es entsteht ein plötzliches Emporheben des individuellen Seins von einer Ebene auf eine andere. Man nimmt nicht wahr, dass man eingeschlafen ist. Wie sehr man sich auch immer bemühen mag, diesem Einschlafprozess bewusst zu folgen, man weiß es nicht. Man ist plötzlich eingeschlafen. Das ist alles. Entweder man ist eingeschlafen oder nicht. Es gibt keine Alternative, denn ein Zwischenstadium der Wahrnehmung ist unmöglich. Genauso verhält es sich, wenn jemand in diese Allgemeinheit des Seins eintritt, wo er sich einzelner Dinge nicht bewusst ist und auch den Kontakt zur Welt des Äußeren verloren hat. Dieses geschieht in dem Augenblick des Zurückziehens der individuellen Seele in die absolute Seele, d.h. im Befreiungsprozess und im Augenblick des Todes. Aus dieser Sicht des äußeren Geschehnisses, d.h. des Zurückziehens, sind der Tod und die Befreiung identisch. Das, was mit dem Sterbenden geschieht, widerfährt dem Menschen auch in der Befreiung. Doch es gibt einen großen Unterschied. Der Unterschied ist offensichtlich. Er bedarf keiner Erklärung. Der Mensch wurde nicht in der Wildnis ausgesetzt oder in eine Vergessenheit entlassen, wenn er die höheren Stufen der bewussten Ausdehnung betritt. Andererseits gibt es im Augenblick des Todes ein unbewusstes zwanghaftes Zurückkehren hin zu den Quellfunktionen. Im Tode gibt es keine Transzendenz. Es findet eine automatische Rückkehr statt. Im Prozess der Selbstverwirklichung gibt es jedoch diese Transzendenz, sodass es keine derartige Rückkehr gibt. Wenn man eine bestimmte Erfahrung gemacht hat, kehrt man zu dieser Erfahrung nicht mehr zurück. Doch, wenn man gezwungen wurde, eine bestimmt Erfahrung als unvollkommen auszulassen, bleibt der innere Wunsch nach dieser Erfahrung bestehen, und man kommt unwillkürlich darauf zurück, um diese Erfahrung zu vollenden.

Wenn jemand stirbt, merkt er nicht, dass er das Sein aller Dinge betritt, denn es geschieht unbewusst. Wenn dieses Sein bewusst verwirklicht bzw. erfahren wird, wird es Gottverwirklichung oder Selbstverwirklichung genannt, wo man im Augenblick des Todes und des Tiefschlafes unbewusst hineingeworfen wird. Dieses absolute Sein aller Dinge ist die Essenz. „Du bist DAS“, betonte Uddalaka noch einmal. „Lieber Vater, fahre fort“, sagte Svetaketu.

Diese Lehren werden mit einem weiteren Beispiel abgeschlossen. In früheren Zeiten gab es ein System um herauszufinden, wer ein Dieb war und wer nicht. Die Methode bestand darin, alle Verdächtigen zusammen vor Gericht beim König zu bringen. Eine Axt wurde zum Glühen gebracht und zum König gebracht. Jeder Verdächtige sollte sie nun berühren. Das Prinzip lag darin, dass der Schuldige sich bei der Berührung der Axt verbrennt, wohingegen Unschuldige sich bei Berührung der glühenden Axt nicht verbrennen würden. Es gibt eine Ähnlichkeit bei der Berührung in beiden Fällen, doch gibt es auch einen Unterschied. Dieses Beispiel wurde Svetaketu von seinem Vater Uddalaka erzählt, um den Unterschied zwischen der verwirklichten und der unwissenden Seele darzulegen.

16. Der innewohnende Geist am Beispiel eines Gottesurteils

Die Diener des Königs ergreifen einen Mann und sagen: „Hier ist der Schuldige, hier ist der Dieb, der Räuber. Man bringe die Axt zum Glühen.“ Wenn jemand, von dem behauptet wird, dass er gelogen hätte, die erhitzte Axt berührt und das Fehlverhalten durch die verbrannten Hände sichtbar wird, wird er, als Konsequenz seiner Handlungsweise, bestraft. Doch wenn er unschuldig ist, wie sich beim Berühren der Axt herausstellen mag, wird er nicht bestraft und kann das Gericht wieder als freier Mann verlassen. So verhält es sich auch mit der Seele, die entweder gebunden oder nicht gebunden ist. Das Kriterium für eine Bindung oder Nicht-Bindung ist nicht der Körper. Das Berühren der Axt gilt für beide, d.h. für den Schuldigen ebenso wie für den Unschuldigen, doch die Konsequenzen sind unterschiedlich. So ist es auch bei Menschen, die wissen und denen, die nicht wissen. Trotz der Tatsache, dass beide körperlich sind, und dass beide dieselben Stufen der Aufstiegs durchlaufen müssen, ist derjenige ohne Wissen gebunden, während derjenige mit Wissen frei ist. Die verwirklichte Seele mag solange an einen Körper gebunden sein, wie Prarabdha sich genauso fortsetzt wie bei einer gebundenen Seele. Doch der Unterschied ist, dass die körperliche Gegenwart oder Existenz sich auf die gebundene Seele auswirkt, während es die befreite Seele nicht berührt. Diese Bedingung, unter der die wissende Seele im Körper residiert, nennt man Jivanmukti, d.h. Befreiung zu Lebzeiten. Der Körper ist da, doch er hat keinen Einfluss auf das Bewusstsein. Der Geist hat die Kraft, die Schmerzen, bedingt durch die Existenz der Körpers, zu ertragen. Das Hochgefühl, das durch die Berührung des Körpers mit den Sinnesobjekten hervorgerufen wird, und das man sich normalerweise wünscht und mag, oder die Ablehnung und der Hass von Sinnesobjekten, lässt die befreite Seele ungerührt.

Einige Lehrer benutzen ein anderes Beispiel; das Beispiel von dem Inneren einer Kokosnuss und ihrer Schale. Die frische Kokosnuss hängt an ihrer Schale fest. Das ist die gleiche Bedingung wie bei der gebundenen Seele. Das Bewusstsein klebt ebenfalls an seiner Schale, nämlich an den Körper. Doch im Fall der befreiten Seele befindet sich das Bewusstsein ohne Zweifel auch innerhalb des Körpers, doch es klebt nicht an seinen Körper, so wie eine innerlich trockene Kokosnuss die Schale nicht berührt. Die Kokosnuss gibt eine Art Blubbern von sich, wenn man sie schüttelt. Sie hat sich von ihrer Schale gelöst, obwohl sie sich immer noch dort befindet. Genauso verhält es sich mit dem Bewusstsein, das nicht auf den Körper beschränkt ist, obwohl es sich dort befindet.

Es ist in beiden Fällen eine Tatsache, dass sich die Sinne in den Geist, der Geist in Prana, Prana in das Feuer, die Hitze des Feuers in das absolute Sein zurückzieht, doch bei der Befreiung handelt es sich um eine schrittweise Transzendenz und um einen bewussten Prozess des Aufstiegs. Wenn man sich bewusst in eine bestimmte Richtung, entsprechend seiner Bestimmung, d.h. auf sein Ziel zubewegt, dann weiß man was geschieht, was man durchmacht, welche Stufen man besteigt, welche Entfernung man vor sich hat usw. Wenn man die noch zurückzulegende Entfernung kennt, ist man nicht erschöpft, weil man genau weiß, welchen Weg man zurückgelegt hat. Man ist sich jedes Punktes auf seiner Reise bewusst. Doch angenommen, man weiß nicht, wie weit es insgesamt ist oder welche Entfernung man noch vor sich hat, man kennt nicht die genaue Richtung, dann fühlt man sich erschöpft. Und angenommen, es würden einem zusätzlich noch die Augen verbunden. Dann weiß man, welche Qualen dieser Mann im Beispiel der Upanishad erlitten hat. Dieses ist der Unterschied zwischen einem Befreiten, der in einem Körper lebt, und einem Nicht-Befreiten, der in seinem Körper gefangen ist. Dieses ist der Unterschied zwischen der Selbst-Transzendenz zur Befreiung und dem erzwungenen Rückzug der Sinne beim Tod. Dieses ist der Unterschied zwischen Tod und Selbstverwirklichung. Dieses ist auch der Unterschied zwischen Tiefschlaf und Selbstverwirklichung. Die Wünsche des Geistes werden im Tiefschlaf nicht zerstört, und darum findet eine Rückkehr vom Tiefschlaf in den Wach- oder Traumzustand statt. Die Wünsche des Geistes werden selbst im Tod nicht zerstört, und darum kommt es zur Reinkarnation nach dem Tod. Doch die Wünsche des Geistes werden durch die Selbstverwirklichung zerstört, und darum findet keine Rückkehr mehr nach dem Tod statt.

Die Ursache für die Geburt eines Körpers in dem Prozess der Reinkarnation ist die Gegenwart eines Wunsches nach einer bestimmten Erfahrung. Das Karma bezieht sich auf ein Reservoir potenzieller Handlungen, das früher oder später gedeiht, wie eine Pflanze, die sich aus einem Saatkorn entwickelt. Die Saat mag in einem trockenen Boden liegen, auf Regen oder gute Bedingungen warten, um irgendwann zu sprießen. So verhält es sich auch mit Sanchita-Karma (Gesamtgruppe der Handlungen in früheren Geburten), die die Saatkörner aus den früheren Geburten bilden. Doch die Bedingungen haben sich noch nicht eingestellt, da Prarabdha-Karma ihre Offenbarung verhindert. Der Druck auf das Prarabdha, der sich unter dem Prozess der Erfahrungen befindet, erlaubt das Erblühen anderen Karmas aufgrund des Gewichts vorangeganger Handlungen in der Sanchita-Gruppe nicht, doch späteres Karma liegt bereits auf der Lauer und wartet nur auf die entsprechende Gelegenheit um sich zu offenbaren. Wenn das Prarabdha vorüber ist, d.h. die Erfahrungen, die man durch diesen Körper machen musste, dann erfolgt der Tod. Danach folgt eine nächste Gruppe von Karmas. Das ist der bedingte Faktor für eine neue Geburt. Was man im nächsten Leben wird, in der nächsten Inkarnation, hängt von der Natur der nächsten starken Zusammensetzung des Karmas ab, das bereits im Reservoir der Sanchita-Gruppe wartet. Dieses sind nur schwer zu verstehende Dinge, denn man weiß nie zuvor welches Karma gerade heranreift. Man weiß nicht, ob eine Handlung zu einer, zwei oder mehreren Wiedergeburten führt, oder ob zwei, drei oder mehrere Handlungen zusammen zu einer Wiedergeburt führen. Man weiß nicht, ob Karma aus Handlungen dieses Lebens Anlass zur nächsten Wiedergeburt gibt, oder ob sich gar bei einer Wiedergeburt Handlungen aus früheren Leben mit einem oder mehreren Karmas aus dem derzeitigen Leben vermischen. Alles das ist für jemanden unverständlich, der nicht allwissend ist. Doch eines ist sicher, alle Handlungen hinterlassen eine Art von Rest oder eine Spur, genannt Apurva, was zum Inhalt von Sanchita oder Anandamaya-Kosa in uns wird. Wir tragen diese Reste mit uns, wo auch immer wir hingehen, und diese werden auch selbst bei unserem Ableben nicht zerstört, denn der Tod ist nichts weiter als eine Erschöpfung nur eines bestimmten Anteils des Karma aus unseren Handlungen und nicht des ganzen. Doch Sanchita wird durch das Feuer des Wissens zerstört, wenn der Mensch Selbstverwirklichung erreicht. Dann findet keine Wiedergeburt mehr statt.

Das ist der Unterschied zwischen Menschen, die zur Wirklichkeit bewusst durch Selbst-Transzendenz aufgestiegen sind, und jenen Menschen, die nur sterben, um direkt wiedergeboren zu werden. Dieses ist das Wesen der Lehren von Uddalaka an Svetaketu in diesem Abschnitt.

Zuerst gab der Heilige einige Erklärungen zum Schöpfungsprozess, wie das Universum vom absoluten Sein, dem Sat, erschaffen wurde; er erklärte die Bedeutung der Grundelemente Feuer, Wasser und Erde. Er beschrieb, dass alles in der Welt nur aus diesen drei Elementen besteht und nicht aus unterschiedlichsten Einzelheiten zusammengesetzt wurde. Dann erklärte er, dass im Inneren des Körpers, wie auch in der übrigen äußeren Welt, dieselben Prinzipien am Werk sind, aus denen sich alles zu verschiedensten Mustern zusammensetzt. Er beschrieb, wie Geist und Prana außerordentlich durch die Aktivitäten dieser drei Elemente Feuer, Wasser und Erde beeinflusst werden, denn alles besteht aus denselben Elementen bzw. Prinzipien, die untrennbar sind und wirken. Er beschrieb, dass dieses Sein innerlich im Individuum und äußerlich im Universum gleichermaßen präsent ist. Dann erzählte er, dass dieses Sein das Ziel der Verwirklichung aller Individuen ist, und dass dieses Sein in jeder noch so kleinen Offenbarung gegenwärtig ist. Er sagte auch, dass ES unsichtbar ist, denn es ist das Subjekt allen Wissens, dass ES ein all-durchdringendes Prinzip ist, und dass ES die subtilste Essenz im Hintergrund aller Existenz ist, und dass darum weder Geist noch Sinne dieses Sein wahrnehmen könnten. Normales Wissen ist hier unzureichend, denn dieses ES kann nur durch die Gnade und durch die Führung eines Gurus oder Meisters erfahren werden. Auch wenn ein befreiter Meister und ein normaler Mensch in demselben Erscheinungsbild in dieser Welt leben, so gibt es doch einen Unterschied zwischen beiden. Der Unterschied ist in diesen Menschen zu suchen. Der Befreite weiß was er ist, wohingegen der andere nicht weiß, wer er wirklich ist. Der Unterschied liegt im Wissen und Nichtwissen. Hierzu wird von Uddalaka ebenfalls ein Pfad zur Befreiung angeboten.


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