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Lektionen des Lebens

  1. Wenn jemand dich verletzt, dann vergib ihm und vergiss die Verletzung, die er dir zugefügt hat. Dadurch wirst du enorme spirituelle Stärke gewinnen.
  2. Sinnesfreude ist eine Täuschung. Sie ist keine Realität. Sie ist immer verbunden mit Reaktion und Schmerz.
  3. Reine Liebe ist erhaben. Sie ist göttlich. Sie fürchtet nichts. Sie kennt keine Grenzen. Sie ist alles.
  4. Sei tolerant und liberal in all deinen Ansichten. Dehne dich aus. Wachse. Entwickle dich. Vereinige dich mit allem. Ignoriere Lappalien.
  5. Ignoranz ist der Grund für jegliche Knechtschaft. Wahres Erkennen wird sie zum Verschwinden bringen.
  6. Opfer und Dienst sind deine zwei Hände. Freiheit und Frieden sind deine zwei Beine. Liebe und Segen sind deine zwei Augen. Wissen um das Selbst ist dein Mund. Perfektion ist dein Herz und deine Seele.
  7. Gott ist im Brüllen eines Löwen, im Singen eines Vogels und im Schreien eines Kindes. Fühle seine Gegenwart überall.
  8. Ohne Geben und Liebe im Herzen wird dein Herz hart bleiben.
  9. Selbstsüchtigkeit ist der Stachel des Lebens.
  10. Was Gott am meisten und vor allem anderen möchte, ist ein reines Herz.
  11. Oh Mensch! Lausche den Worten der Heiligen und Weisen und erlange Weisheit. Verschwende nicht dieses kostbare Leben.
  12. Schreibe die Worte: „Diene, liebe, gib, reinige dich, meditiere und verwirkliche; sei gut, tue Gutes, sei freundlich, sei mitfühlend, frage dich: ‚Wer bin ich?’, erkenne das Selbst und sei frei; versöhne dich, sei flexibel und geh auf andere ein“ auf die Tafel deines Herzens. Dann wirst du die Musik der Seele wahrnehmen und in den Ozean der Seligkeit und Liebe eintauchen.
  13. Lebe nicht, um deinen Geschmack und deine Sinne zu befriedigen, sondern um dein inneres Selbst zu verwirklichen.
  14. Entwickle Durchhaltevermögen. Führe ein hartes Leben.
  15. Sei rechtschaffen. Entwickle Tugenden.
  16. Festige gute Angewohnheiten. Beseitige die schlechten.
  17. Wähle deine Worte mit Bedacht und kontrolliere so sprachliches Chaos.
  18. Erblicke den einen Atman, d.h. die eine Seele in einem Hund, einem Elefanten, einer Kuh, einer Ameise, einem Verstoßenen, einem Schurken. In allem Existierenden ist Jnana, Weisheit.
  19. Schlimm ist unsere Bindung zum Körper. Löse diese Bindung durch Infragestellen, Leidenschaftslosigkeit und Unterscheidungskraft.
  20. Du kannst sehr gelehrt sein und trotzdem weit entfernt von der Religion und dem frommen Leben.
  21. Du solltest eine Erneuerung des spirituellen Lebens als eine Lösung vieler jener Probleme suchen, mit denen du konfrontiert bist.
  22. Die Erhaltung von Religion, moralischen Werten und der Kultur ist weitaus besser als Gesetze und Vorschriften.
  23. Wir brauchen wahrhaftig religiöse Menschen im Staatsdienst.

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Spontanes Geben:

In der Anfangszeit des Bestehens des Ashrams kam einmal ein Mann zum Meister. Er sah aus wie ein richtiger Gentleman mit Hut, Anzug und Stiefeln. Er war aus Ambala. Er fragte einen der Schüler: „Ich möchte eine vollständige Ausgabe von Swamijis Büchern.“ Er fuhr fort, all seine Forderungen aufzuzählen, als ob er den gesamten Sivananda Verlag übernehmen wolle.
„Werden Sie für dies alles bezahlen?“, fragte der Schüler.
Er antwortete: „Nein, ich werde das Geld von Mussoorie aus schicken.“
Der Schüler weigerte sich, ihm irgendetwas zu geben.
Doch der Meister sagte: „Gib es ihm. Gib ihm eine komplette Ausgabe der Bücher. Er will eine Bücherei aufmachen.“
„Swamiji, er könnte uns betrügen“, sagte der Schüler.
Der Meister antwortete spontan: „Nein, nein. Es ist gleich. Gib ihm, was er wünscht.“
Der Herr wollte außerdem noch zwei große gerahmte, seltene Bilder, die im Büro hingen und die Gita Upadesha (Unterweisung der Gita) zeigten.
Der Schüler lehnte erneut ab, aber der Meister wies ihn an: „Gib ihm auch die Bilder.“
Letztendlich nahm der Mann Bücher im Werte von 180 Rupien, die beiden Bilder, einige Grammophonplatten und einiges mehr mit sich.
Der Meister war während der nächsten zwei, drei Tage verärgert über den Schüler, weil dieser dem Mann die Sachen nicht sofort ausgehändigt hatte.
Nach drei Monaten des Wartens fand der Schüler heraus, dass es diesen Mann in Mussoorie überhaupt nicht gab. So ging er nach Ambala und stritt mit den Eltern des Mannes. Sie sagten: „Was sollen wir tun? Wir wissen davon nichts. Unser Sohn ist in der psychiatrischen Anstalt in Lahore!“

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Verehrung von Idolen:

Es war während der Indientour des Meisters, am 13. September 1950, als Dr. Hafiz Sayed von der Allahabad Universität, ein Bewunderer des Meisters und begeisterter Student der Hinduphilosophie, den Meister zufällig an seiner Universität traf. Während der Unterhaltung erwähnte der Doktor, dass er sich vor kurzem in Südindien in der Nähe von Tiruvannamalai aufgehalten habe. Er fragte den Meister: „Swamiji, glaubst du an die Großartigkeit des Berges von Arunachala? Glaubst du, dass dieser Berg eine besondere Ausstrahlung hat?“
„Ja, warum nicht? Schon allein durch das Andenken an diesen Ort kann man Befreiung erlangen. Das stimmt. Wir müssen Glauben haben und den Nutzen daraus ziehen.“
Daraufhin eröffnete Dr. Sayed, dass er alle Werke des Meisters studiert habe. Er fasste seine Bewunderung für die Mission des Meisters in folgende Worte: „Meister, da ist ein Mann, der hat nur 50 Rupien und gibt alles für einen wohltätigen Zweck. Ein anderer hat Tonnen von Geld und behält alles für sich. Du aber bist wie der Mann, der viel hat, und verschenkst trotzdem alles an die Menschen. Du bist für die Gesellschaft und die Menschheit nützlicher als alle Weisen, die nur in ihren Höhlen sitzen, zusammen.“
Dr. Sayed hatte noch eine weitere interessante Frage an den Meister: „Swamiji, der Vedanta sagt, dass Gott namen- und formlos ist. Wie kam dann die Idolverehrung zustande? Unterstützt du das?“
„Ja, das tue ich“, antwortete der Meister sogleich, „denn was ist mit den Anfängern? Sie brauchen einen Namen und eine Form, um ihren Geist zu fixieren. Weiterhin fordern die Veden das tägliche Wiederholen von Hymnen, wie die Purusha Suktha (Anm.: Bezeichnung einer Hymne des Rigveda [10.90], die den Purusha als Urwesen in seiner universalen Gestalt preist). So soll der Anfänger über die Schwelle zum namen- und eigenschaftslosen Brahman (das Allumfassende) geführt werden.“

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Der echte Sadhu:

Während des Meisters Indienreise versammelte sich eine Menschenmenge vor dem Hause Wahis in Allahabad, das für den Satsang hergerichtet worden war. Der Meister ließ auch an jenem Tag die Gelegenheit nicht aus, seinen Kindern zu dienen. So erhob er sich, sang und hielt dann die folgende Rede:
„Findet man Barmherzigkeit und Demut in einer Person, so weiß man, dass es ein Sadhu (Weiser, Heiliger, tugendhafter Mensch) ist. Das Leiden anderer lässt sein Herz dahinschmelzen. Der Mensch besitzt ein Herz, das von Sünden verhärtet ist. Wenn es zu schmelzen beginnt, zeigt sich Gott selbst. Ein Sadhu braucht keine Lesung über die Panchadasi zu geben. Er braucht nicht unbedingt die Fähigkeit, über die Gita zu sprechen. Vielleicht kann er auch nicht drei Stunden lang über einen Vers der Brahma Sutras philosophieren. Ihn wird jedoch immer ein süßer Duft begleiten, der euch anziehen und Frieden und innere Seligkeit geben wird, wenn ihr euch ihm nähert. All eure Sorgen und Ängste werden in seiner Nähe verschwinden. Sein Anblick allein wird schon genügen, euch zu erheben und eure Natur zu ändern. Seine Worte werden euch inspirieren und sich tief in euer Herz einprägen. Ihr werdet eine neue Seite im Buch eures Lebens aufschlagen. Das ist die Kraft eines Sadhus! Das ist die Herrlichkeit wahrer Barmherzigkeit und Demut!
Menschen haben ein hartes Herz, härter als Granit, härter als ein Diamant, durch all die Fehler, die sie in jedem ihrer Leben begehen. Dieses Herz sollte weich werden. Nur dann werden sie Selbstverwirklichung erfahren können.
Seid euch bewusst, dass es keine Abkürzung zur Selbstverwirklichung gibt. Jemand, der nicht Barmherzigkeit, Liebe und Demut in sich kultiviert, kann sich nicht selbst verwirklichen. Das müsst ihr klar verstehen. Ihr müsst euch diese Worte in euer Herz einprägen. Ihr müsst sie in Großbuchstaben auf Plakate schreiben und in eure Räume, eure Büros hängen. Gott kann sich nicht in einem sündhaften Herzen manifestieren. Es muss schmelzen wie Butter, bevor er sich dort niederlassen kann.
Dieser Prozess geschieht durch Kirtan und unermüdlichen selbstlosen Dienst in dem Bewusstsein, dass alle und alles Formen Narayanas (eine Bezeichnung Gottes in seinem Aspekt als Urwesen) sind. Dann wirst du ein Gefühl der Einheit mit allem entwickeln. Sich mit den Schriften zu befassen und zu meditieren wird erst dann einen Sinn haben, wenn das Herz rein ist. Vedantisches Sadhana in diesem unreifen Zustand wird nur den Egoismus füttern und verstärken. Die Fesseln der Weltlichkeit werden enger und der Schleier der Ignoranz noch dichter werden.
Im Sadhana kann es ohne ein reines Herz keinen Fortschritt geben. Deswegen praktiziert Japa, singt Kirtan, tut unermüdlichen selbstlosen Dienst. Seid großzügig, gebt, gebt, gebt. Tötet die Eitelkeit. Weltliche Menschen haben ihre eigene Eitelkeit, doch viel schlimmer ist die eines Sadhu. Er glaubt, über dem Haushälter zu stehen, nur weil er die Gita auswendig kennt und über Wochen hinweg mitreißende Lesungen geben kann über jeden einzelnen Vers der Upanishaden. Es ist sehr schwer, diesen spirituellen Stolz loszuwerden.
Maya hat viele Formen. Das Ego hat viele Gesichter. So wie Wasser die Form des Gefäßes annimmt, in das es geschüttet wird, so passt sich das Ego allen Situationen an und bleibt in allen Arbeiten bestehen. Ihr entsagt der Welt, damit ihr Wohlstand und materielle Wünsche loswerden könnt. Nun nehmt ihr eine neue Art der Eitelkeit an, die des Verzichts. Um das Ego zu brechen, werdet ihr die Straße kehren. Jetzt nimmt das Ego die subtile Form der Eitelkeit des Dienens an. Ihr verbeugt euch vor allem, werft euch vor jedem nieder mit dem Ziel, Demut zu entwickeln. Doch das unerschöpfliche Ego steigt erneut auf und nun habt ihr die gefährlichste Eitelkeit von allen. Ihr fühlt euch demütiger als alle anderen. Dieses Ego ist dein schlimmster Feind. Es wird einen Partisanenkrieg gegen dich selbst führen. Hüte dich! Hüte dich! Hüte dich!
Wenn du aufrichtig bist, kannst du dieses Ego durch Japa, Kirtan und selbstlosen Dienst langsam auslöschen. Aufrichtige Menschen sind sehr rar auf dieser Welt. Ihr könnt sie an einer Hand abzählen. Aufrichtigkeit ist eine äußerst seltene Tugend. Sie ist eine Kombination mehrerer verschiedener Tugenden gleichzeitig: Wahrhaftigkeit, Direktheit, Einfachheit, fehlende Eitelkeit, Mut, Furchtlosigkeit, Standhaftigkeit, Liebe und Demut. All diese Eigenschaften bilden letztlich die Aufrichtigkeit. Ein ehrlicher Mann wird sofort respektiert und alle trauen ihm. Nur wenn ihr diese Tugend besitzt, werdet ihr schnellen spirituellen Fortschritt machen. Nur dann werdet ihr die Vorzüge des täglichen Meditierens, sowie des Japa und Kirtan erkennen.
Schaut nach innen und findet heraus, welche Fortschritte ihr in der Kultivierung dieser göttlichen Tugenden macht. Ihr betrachtet euch noch nicht wirklich regelmäßig. Ihr habt nicht die Stärke des Geistes oder die Kraft der Unterscheidung. Ihr glaubt, schon soweit zu sein, doch im Falle einer Prüfung scheitert ihr alle kläglich. Das kommt daher, dass noch kein wirklicher Fortschritt stattgefunden hat, keine wirkliche spirituelle Weiterentwicklung. Nur die Eitelkeit lässt euch glauben, bereits sehr weit gekommen zu sein.
Trage dir selbst folgenden Test auf: Schmilzt dein Herz, wenn du andere leiden siehst? Ist Geben und Großzügigkeit Teil deiner Natur? Dein Geld gehört Gott. Du hast keinen Vertrag, der bestimmt, dass du mehr behalten sollst, als du brauchst. Wie kannst du persönlichen Besitz anhäufen, wenn dein Gott in der Gestalt eines armen Mannes draußen verhungert? Wie kannst du viermal täglich Nahrung zu dir nehmen, wenn der Bettler – Narayana – hungrig vor deiner Tür sitzt? Dieses sind die Prüfungen des spirituellen Fortschrittes.
Gehst du zu einem armen Mann, der die Straße entlang wandert und bietest ihm Essen an? Beeilst du dich, einem Kranken oder Verletzten, der am Straßenrand liegt, zu Hilfe zu kommen und zu fragen: „Mein Gebieter, in welcher Weise kann ich dir dienen?“ Wenn du so handelst, dann kommst du weiter auf dem spirituellen Weg. Nur so wirst du kosmische Liebe entwickeln, die an der Schwelle zur Befreiung liegt.

Wenn du wirklich zu Gott willst, müssen all diese Dinge getan werden. Du solltest Barmherzigkeit besitzen. Du solltest dich nur als Verwalter deines Geldes fühlen. Du bist gleich einem Pförtner. Gott hat dir das Geld gegeben. Du solltest es mit anderen teilen. Kauf im Winter Decken und verteile sie an die Armen am Straßenrand. Welch eine Freude wirst du fühlen! Der Mensch, der nicht mit den anderen teilt, was er hat, besitzt wirklich ein armes Herz, auch wenn er vielleicht Millionär ist. Sogar wer wirklich nichts zu essen hat, kann der reichste Mensch der Welt sein, wenn er ein großes Herz besitzt und das wenige, was er hat, mit anderen teilt.
Ein echter Sadhu ist jemand, der nichts sein eigen nennt außer einem weiten, großmütigen Herz. Er ist nicht jemand, der gelehrte Diskurse über die Existenz Gottes oder die Täuschung der Schöpfung führen kann, der ein Experte in sprachlicher Akrobatik ist und sich enorm wortgewandt gibt. So einen wirst du an einem Bahnsteig sofort erkennen. Er wird eine halbe Stunde lang mit dem Gepäckträger um zwei Annas (ehem. Kupfermünze in Indien und Pakistan; 1/16-Rupie) streiten, nur aus Prinzip.
Wenn du Ramprasad heißt, fühle, dass alle Ramprasad sind. Ein göttliches Bewusstsein durchdringt alles. Es sieht mit den Augen aller. Es wirkt durch die Hände aller. Alle Ohren sind dein. Fühle das. Welche Ausdehnung des Herzens wirst du erfahren! Alle Grenzen sind aufgehoben. Überall wirst du Gott begegnen, dem einen Krishna, der einerseits immanent, andererseits transzendent ist.
Der Schüler sollte sehr vorsichtig sein. Noch nicht einmal ein ärgerlicher Blick oder die leiseste Spur von Gereiztheit sollten in seinem Herzen aufsteigen. Er sollte ein  großes Herz und eine süße Zunge haben.
Du solltest bei einem Guru bleiben. Diene ihm. Es gibt kein größeres Sadhana als der Dienst bei einem Guru. Der Guru wird dich das richtige Sadhana für deine Entwicklung lehren.
Möge Gott euch segnen mit Gesundheit, langem Leben, Frieden, Glück und ewiger Wonne!“

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Mitgefühl in Aktion:

Es war ein heißer Sommertag am 10. August 1958. Ein wunderschönes, unschuldig aussehendes Mädchen, kaum zweiundzwanzig, kam in einen schäbigen weißen Sari gekleidet zum Ashram und bat den Pförtner um Asyl. Sie wollte als „Suchende“ im Ashram bleiben. In das Aufnahmeregister trug sie sich mit einem falschen Namen ein.
Die Nacht kam und nachdem der Meister seinen Platz für den Satsang eingenommen hatte, erbot ihm das Mädchen den Namaskar (Grußform, bei der die Hände vor der Brust zusammengelegt werden), warf sich vor ihm nieder und überreichte ihm eine Nachricht.
Der Meister verschob wie immer nichts auf später. Hier und jetzt wurden seine Entscheidungen gefällt.
Auf dem Zettel stand: „Satguru Maharaj, ich bin eine Sünderin, ein verwöhntes Kind. Unverheiratet trage ich jetzt ein Kind in mir. Ich bin das unschuldige Opfer eines jungen Schurken in Delhi, eines Nachbarn, der mich, nachdem er mich benutzt hatte, verließ. Meine Eltern leben an einem anderen Ort, doch um ihr Einkommen zu vergrößern, war ich in Delhi angestellt und lebte bei Verwandten. Ich kam vom rechten Weg ab, ohne mir der Konsequenzen bewusst zu sein. Ich kann mich nun nirgends mehr mit erhobenem Kopf blicken lassen. Ich kann nicht zu meinen Eltern zurückkehren. Ich bin hierher gekommen, um mich im Ganges zu ertränken, nachdem ich diese Beichte abgelegt und vor dir gebüßt habe. Segne mich und rette meine Seele.“
Der Meister verlor keine Zeit mit der Segnung und bat sie, nicht vorschnell zu handeln, sondern zu warten und zu beobachten.
Er erlaubte ihr, im Ashram zu bleiben, bis er über alles nachgedacht und eine Lösung gefunden hatte. Da er ihr diese Gnade nun einmal erwiesen hatte, unterlag es fortan seiner Verantwortung, was geschah. So bekam sie einen separaten Raum, Essen und Kleider. Ein ehrwürdiger Swami, der auch aus ihrem Dorf stammte, kümmerte sich um ihr Wohl, ihre Bedürfnisse und Nöte. Eine ältere Dame war ihre Zimmergenossin. Außer diesen beiden wusste niemand über ihre Situation Bescheid.
Der Meister rief eine Ärztin, die unter den Schülern war und bat sie, sich um das arme Mädchen zu kümmern. Im Oktober sollte sie das Baby in einem Geburtshaus bekommen. Die Ärztin nahm diesen Auftrag hocherfreut an und versprach äußerste Schweigsamkeit.
Der Meister rief sodann ein ehrwürdiges Paar zu sich, welches ebenfalls unter seinen Schülern war und bis jetzt kinderlos, um zu wissen, ob sie dieses Kind adoptieren würden, gleich ob es ein Junge oder ein Mädchen würde.
„Ja, Swamiji und mit deiner Gnade wird die Adoptionszeremonie ein glänzender Erfolg werden. Egal ob es nun ein Junge oder ein Mädchen wird, es wäre eine göttliche Gnade“, war die Antwort des Paares.
Am 22. Oktober bekam der Meister folgendes Telegramm: „X. ist mit einem kleinen Mädchen gesegnet.“
Der jungen Mutter wurden Grüße und Segnungen gesandt und dem Pärchen ein Brief mit der Aufforderung, zum Ashram zu kommen. Alle kamen am 14. Tag nach der Geburt des Kindes zusammen – das Mädchen aus dem Geburtshaus und das kinderlose Paar aus Delhi. Am 7. November wurde in der gütigen Gegenwart des Meisters die heilige Adoptionszeremonie mit Gesang, Versen und Gebeten abgehalten. Platten voller Süßigkeiten waren vorbereitet. Das Baby lachte und war so schön wie seine Mutter. Die junge Mutter verneigte sich mit großer Inbrunst und Dankbarkeit vor dem Meister. Die Adoptiveltern waren ebenfalls voller Freude. Die ganze Zeremonie dauerte eine Stunde. Jeder sang und betete für das lange Leben und Glück des kleinen Kindes, seiner Mutter und der Adoptiveltern.
Der Meister segnete alle drei und das Baby mit heiliger Asche. Er gab ihr den Namen Shakuntala (Name einer himmlischen Nymphe), weil er ihm am besten gefiel. Er nahm der jungen Mutter das Baby ab und gab es der Adoptivmutter mit einem Gebet: „Lang lebe Shakuntala, sie wird ein vorbildliches Mädchen werden.“
Tränen liefen über das Gesicht der leiblichen Mutter. Überwältigt musste sie sich setzen. Der Meister sagte zu ihr: „Sorge dich nicht, mein Kind, ich segne dich. Du wirst nun angemessen heiraten und noch viele solcher Kinder bekommen.“
Ein Schüler im Publikum bemerkte: „Wir erkennen die Größe von Gurudev erst jetzt, wo wir älter geworden sind. Wir sind gekommen, um uns vor ihm niederzuwerfen, doch dieses glückliche Baby, das nur 14 Tage alt ist, hat Satguru Maharaj auf so wundersame Weise gefunden; es wurde in seinen Schoß genommen und von ihm so reichlich gesegnet.“
Die neuen Eltern gingen noch in derselben Nacht nach Delhi zurück.
Die junge Frau selbst war nun ein Stückchen weiser geworden und ein neues Licht begann, aus ihr heraus zu scheinen. Später ging sie zu ihren Eltern zurück, welche sie in Segen und Gnade wieder aufnahmen.

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Der Wert des Geldes:

K., ein ehrgeiziger junger Mann, der vor kurzem noch im Sivananda Wohlfahrtshospital gearbeitet hatte, kam, um sich vom Meister zu verabschieden. Er hatte bereits zuvor einmal den Ashram verlassen, ohne dem Meister Bescheid zu geben und einen Job in Delhi angenommen. Nicht lange dauerte es und er begann eine innere Unruhe zu spüren, außerdem sehnte er sich danach, vom Meister den Darshan zu empfangen. Im Wissen um des Meisters großmütige Fähigkeit zu vergessen und zu vergeben, kam er ohne Umschweife in den Ashram zurück und blieb für ein paar Tage. Wie immer empfing ihn der Meister mit Freundlichkeit und Liebe.
Bevor er ging, erzählte K. dem Meister, dass er trotz des besseren Verdienstes und materiellen Komforts in Delhi dort keinen geistigen Frieden finden könne.
„Wie könntest du Frieden finden und gleichzeitig dort bleiben?“, fragte der Meister. „Du wirst dort ein Diener sein müssen. Für weltlich orientierte Menschen ist Geld der wichtigste Gott. Was ist schon der Wert des Geldes? Ein Eintauchen in den heiligen Ganges ist zweitausend Rupien wert.
Geh nun zurück nach Delhi und arbeite dort; wenn du aber völlig unzufrieden mit dem Leben dort bist, komme zurück in den Ashram. Bevor du das aber tust, mache dir klar, dass du den Ashram dann nie wieder verlassen solltest.“
K. fühlte sich wegen seiner Undankbarkeit dem Meister gegenüber recht beschämt und versuchte seine Handlung damit zu rechtfertigen, dass er in einer Röntgenabteilung Erfahrungen sammeln wolle, die bei seiner Rückkehr dem Ashram zugute kämen.
Der Meister aber lächelte nur amüsiert und antwortete: „Versuchst du, mir Bananen anzudrehen? Diese Schule habe ich schon hinter mir.“
Der Meister bezog sich auf den allgemein bekannten Trick von Müttern, ihren Kindern Bananen zu essen zu geben, um sie zu besänftigen.

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Sannyas:

Der Meister verlieh einigen seiner treuen Schüler Titel. Er wandte sich S. zu und fragte sie: „Welchen Titel möchtest du?“
„Den Titel des Sannyas, Swamiji.“
„Weißt du denn, wie man kämpft? Bevor du den Titel des Sannyas trägst, musst du wissen, wie man kämpft.“
S. war verwirrt über diese unerwartete Bemerkung. Sie brauchte einige Minuten, um die tiefere Bedeutung dieser Worte zu verstehen. Dann antwortete sie: „Ja, Swamiji, ich werde mit dem niederen Verstand kämpfen.“
„Ja, das ist es, was ich meinte“, sagte der Meister.

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Vertrauen einer Schülerin:

Der Meister wurde von Dr. Mukerji informiert, dass Neelakantan, einer seiner liebsten Schüler, ernstlich krank war. Der Doktor hatte geraten, ihn in ein größeres Krankenhaus zu verlegen. Der Meister machte sich Sorgen und ließ sofort nach Savatri, Neelakantans Frau, schicken.
„Der Doktor meint, man müsse Neelakantan in einem besseren Krankenhaus behandeln. Ist dein Bruder in Delhi? Was meinst du dazu?“
Savitri, die ihrem Mann sehr ergeben war, antwortete unter Tränen: „Mir erscheint der beste Platz der, wo Bhagavan lebt. (Sie bezeichnete den Meister immer als ‚Bhagavan’, was ‚der Erhabene’ bedeutet und ein Name für Gott ist). Mit Bhagavans Gnade und der Behandlung der Ashramärzte bin ich sicher, dass es meinem Mann bald besser gehen wird. Ich kam voller Vertrauen in Bhagavan hierher und ich glaube fest daran, dass mein Mann sich erholen wird. Ich möchte ihn nirgendwo anders hinbringen. Wirst du mir erlauben, ihn zu dir zu bringen, damit du ihn segnen kannst?“
Der Meister unterbrach sie sofort: „Nein, bring ihn nicht hierher, ich werde selbst zu ihm gehen.“
Savitri fragte: „Darf ich Murali ein Telegramm schicken und sie bitten zu kommen? Ihre Gegenwart wird ihm gut tun.“ Murali war ihre Tochter und studierte an der medizinischen Fakultät.
„Was ist mit ihren Vorlesungen? Sie wird sie versäumen“, wandte der Meister ein.
„Das stimmt, sie muss für die Prüfungen da sein.“
Der Meister wandte sich an den Doktor: „Wie können wir ihn nach Delhi verlegen, wo seine Frau und seine Kinder hier sind? Wo sollten sie in Delhi wohnen? Sie möchte ihn nicht dorthin bringen.“
Mit geschlossenen Augen zog sich der Meister plötzlich in sich selbst zurück und begann, das Maha Mrityunjaya Mantra zu rezitieren. Die Bürohalle erschallte von den göttlichen Vibrationen.
Nach einer Weile sagte er: „Ohji, veranlasse, dass das Mrityunjaya Mantra im Tempel rezitiert wird, und zwar den ganzen Tag lang.“ Ihm wurde gesagt, dass der Priester das Japa ausführen würde.
„Das reicht nicht. Einige der Ashrambewohner müssen mit einstimmen.“
Er wies dann einen der Swamis an, Japa zu praktizieren, wann immer er die Zeit dazu fand und beauftragte einen anderen Swami, die Leitung des Japa zu übernehmen. Er wandte sich wieder Savitri zu und sagte zu ihr: „Du musst auch Japa tun und zwar gemeinsam mit deinen Kindern. Gönne deinem Mann bis auf weiteres vollkommene Ruhe. Gib ihm viel Fruchtsaft zu trinken und bitte ihn, sich keine Sorgen zu machen. Alles wird gut werden.“
Er gab ihr etwas von der heiligen Asche, die sie Neelakantan auftragen sollte. Er trug auch einem der Schüler auf, der Familie zu helfen, erfuhr dann aber, dass Swami S. das schon tat und die ganze Nacht wach geblieben war.
Der Meister wandte sich ihm zu und sagte: „Du bist alt. Wenn du dich zu sehr verausgabst, brauchen wir bald jemanden, der sich auch um dich kümmert.“ Er fragte dann Swami P., ob er so nett sein und der Familie helfen könne.
Zum Arzt gewandt sagte er: „Doktor Saheb, ich wünschte, Sie könnten ihren Aufenthalt bei uns um ein paar Tage verlängern.“ Dr. Muerji sagte, dass er noch heute abreisen müsse.
„Dann schreiben Sie uns bitte das Nötigste zu seiner Behandlung auf. Wenn manche der Medikamente hier nicht erhältlich sind, werde ich jemanden nach Dehra Dun schicken, um sie zu besorgen.“ Der Meister selbst gab ihm ein Blatt Papier, um alles aufzuschreiben.
Es war spät geworden, schon lange nach Büroschlusszeit. Der Meister wartete, bis der Arzt alles niedergeschrieben hatte. Als dieser es bemerkte, sagte er: „Ich werde mindestens eine halbe Stunde dafür benötigen, die Krankheitsgeschichte und die empfohlene Art der Behandlung aufzuschreiben.“
„Macht gar nichts“, kam prompt die Antwort.
Als der Meister dann am Abend Savitri traf, fragte er sie sogleich besorgt: „Wie geht es Neelakantan? Geht es ihm besser? Kann er sprechen? Hast du ihm den Fruchtsaft gegeben und hat er ihn getrunken?“
Am späten Abend ging es Neelakantan schon viel besser. Sein Fieber war gesunken, seine Schmerzen zurückgegangen und er war gutgelaunt und hoffte auf baldige Genesung.
Als der Meister am nächsten Morgen in sein Büro kam, rief er Meenakshi Amma und trug ihr auf: „Gehe doch bitte und finde heraus, wie es Neelakantan geht, ob er gut geschlafen hat, ob seine Schmerzen nachgelassen haben und welche Nahrung er zu sich genommen hat.“
Meenakshi Amma ging sofort und kam bald wieder, um zu berichten, dass er gut geschlafen hatte, sein Appetit besser war und die Schmerzen sich verringert hatten. Selbst das Fieber war gesunken.
„Erste Klasse! Lacht er auch wieder?“, fragte der Meister mit freudigem Gesichtsausdruck und fuhr fort: „Ja, und morgen wird er wieder laufen können.“
Swami S. erschien und bevor er noch irgendetwas sagen konnte, sagte der Meister: „Deinem Patienten geht es gut, glaube ich.“
„Ja, Meister, wenn du deine Gnade gibst, was sollte da anderes passieren?“
„Der Doktor hat ihm Angst eingejagt. Morgen kann er Sambar und Reis essen. Ja, ich habe Shiva mit der Kraft meines Mrityunjaya Japa gestern dazu gebracht, zu ihm zu eilen. Ihm muss es einfach gut gehen.“
Überglücklich über die guten Nachrichten der schnellen Genesung war ihm dieser Satz einfach herausgerutscht.

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Liebevolle Rücksichtnahme:

Eine sehr alte Dame, eine Schülerin des Meisters, war sehr darum bemüht, jeden Abend einen letzten Blick auf den Meister zu erhaschen, bevor er aus dem Büro in seine Hütte ging. Auch liebte sie es sehr zu beobachten, wie der Meister aus einiger Entfernung auf sie zugeschritten kam. So richtete sie es ein, dass, wenn der Meister die Straße entlang ging, sie vor ihm eine Abkürzung nahm, einige Stufen hinunterkletterte und dann an einem bestimmten Punkt auf ihn wartete, um sich vor ihm zu verneigen.
Heute sagte der Meister liebevoll zu ihr: „Nimm nicht die Treppe. Gehe einen anderen Weg. Dir zuliebe werde ich langsam laufen und du kannst vor mir an deinem Lieblingspunkt ankommen.“

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Lachen und Weinen:

Als der Meister aus einer Ecke des Büros ein Lachen vernahm, wandte er sich einem seiner Schüler zu und fragte: „Weißt du, wie viele Muskeln während des Weinens arbeiten und wie viele beim Lachen?“
Dieser wusste jedoch keine Antwort auf die Frage, so sagte der Meister: „Fünfundsiebzig Muskeln beim Weinen und fünfzehn beim Lachen. Solch eine Menge an Energie geht verloren durch das Weinen!“

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Spiritueller Stolz:

Ein alter Herr, ein Schüler des Meisters, der Kundalini Yoga praktizierte, kam zur Hütte des Meisters, um dort seinen Segen zu erhalten, da er noch am selben Tag weiterreisen musste. Der Meister erkundigte sich nach seinen Fortschritten im Sadhana.
Mit einem Ausdruck von Stolz auf seinem Gesicht informierte er den Meister: „Ich mache gerade Kechari Mudra. Nun werde ich bald fähig sein, mich in die Luft zu erheben.“
Mit einem bedeutungsvollen Lächeln sagte der Meister zu ihm: „Ja, du kannst in die Luft steigen, aber komm auch wieder zurück zum Ananda Kutir (Sivanandas Hütte)!“

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Alter und Tod:

Da der Meister oft an Hexenschuss litt, halfen ihm seine übervorsichtigen Schüler immer, wenn er vom Stuhl aufstand. So wollten sie jegliche plötzliche oder falsche Bewegung verhindern.
Ein alter Swami, ein Bewohner des Ashrams, der sich vom Meister verabschieden wollte, bevor er nach Bombay weiterreiste, beobachtete dies und bemerkte: „Das Alter ist schlimm. Es ist voller Schmerzen.“
„Warum stirbst du dann nicht?“, fragte der Meister.
„Wie könnte ich das tun?“, lamentierte der alte Swami, so als wolle er sterben, könne aber nicht.
„Ja, wie kannst du das tun, wenn du nach Bombay gehst, um dich zu verjüngen.“
Ein paar Minuten vorher hatte der alte Swami dem Meister eröffnet, dass er nach Bombay gehen wolle, weil er dort Verwandte hatte, die sich um ihn kümmern konnten.
Der Meister wollte damit ausdrücken, dass jedermann den Tod fürchtet und alles tun würde, um sein Leben zu verlängern. Nur jemand, der gottverwirklicht ist, fürchtet ihn nicht.

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Heilmittel für Asthma:

Ein sehr krank aussehender Mann näherte sich dem Meister und klagte, dass er schon länger an Asthma leide. So bat er den Meister, ihn durch seine Gnade zu heilen. Der Meister riet ihm, das Maha Mrityunjaya Mantra zu wiederholen und lehrte ihn Pranayama. Er segnete den Mann und warnte ihn: „Du hast wahrscheinlich in deinem letzten Leben ein paar Ratten in ein Loch gezwungen und darin erstickt, deshalb leidest du nun an Asthma. Achte wenigstens in diesem Leben darauf, was du tust.

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Sorge um einen Schüler:

Einer seiner Schüler schrieb dem Meister, dass er unter Schlaflosigkeit leide und fragte an, ob man ihm nicht eine Medizin dagegen schicken könnte. Der Meister schlug seinem Sekretär vor: „Warum schicken wir ihm nicht mein Öl?“ Der Meister benutzte eine besondere Kombination von Ölen, um tiefen Schlaf zu erlangen.
Der Sekretär antwortete, wenn er dieses Öl verschicken würde, hätte der Meister nichts mehr für sich selbst. Er schlug vor, neues einzukaufen und dieses dann dem Schüler zu senden. So unternahm er nichts weiter, weil er den Gedanken nicht aushalten konnte, dass der Meister ohne sein Spezialöl dastehen würde.
Der Meister rief also einen anderen Schüler zu sich und sagte: „Ohji, geh sofort und hole die Flasche aus meinem Zimmer.“
Als dieser den Auftrag ausgeführt hatte, sagte der Meister: „Schütte die Hälfte davon in eine andere Flasche und schreibe darauf ‚Schlaföl’, gib dem Mann auch eine Gebrauchsanweisung mit und schicke ihm ein Telegramm, dass das Öl zu ihm unterwegs ist.“
Während der Schüler hinausging, um alles zu tun, was der Meister ihm aufgetragen hatte, rief der Meister ihn nochmals zurück und sagte: „Ach, schicke ihm doch lieber dreiviertel des Öls, ein Viertel ist genug für mich.“
Solcherart war des Meisters große Sorge um das Wohlbefinden seiner Schüler.

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Lektionen in Vedanta:

Der Meister arbeitete in seinem Büro in der üblichen heiteren und ungestörten Weise. Als er seine Arbeit beendet hatte, schaute er sich um und sein Blick blieb bei Troja aus Trinidad hängen.
Meister: „Wie geht es dir? Ist alles in Ordnung?“
Troja: „Ja, Swamiji, mir geht es gut. Ich versuche, Vedanta zu lernen.“
Meister: „Das ist gut. Du musst Yogalehrer werden, wenn du an deinen Wohnort zurückkehrst.“ Nun begann der Meister, sein Wissen in Vedanta zu überprüfen.
Meister: „Was ist Vedanta?“
Troja: „Es ist die Philosophie der Wahrheit.“
Meister: „Was ist Wahrheit?“
Troja konnte diese Frage nicht richtig beantworten, so half ihm der Meister: „Wahrheit ist das, was in der Vergangenheit existierte, was in der Gegenwart existiert und was auch in der Zukunft weiterexistieren wird. Sie ist unveränderbar, unendlich, unsterblich und unzerstörbar. Sie ist der allumfassende Atman.
Was sind all die Eigenschaften, die ein spiritueller Anwärter besitzen sollte?“
Troja: „Selbstlosigkeit; gut zu sein.“
Meister: „Er sollte Leidenschaftslosigkeit, Unterscheidungsvermögen, Heiterkeit, einen fokussierten Geist, Glauben und brennende Sehnsucht besitzen. Wenn er sich all diese Qualitäten angeeignet hat, was sollte er dann tun?“
Troja: „Er muss sich konzentrieren.“
Meister: „Nein, nicht sofort. Er muss zuhören, reflektieren und dann über die Wahrheit meditieren. Er muss eins werden mit dem, was ist, er muss die Selbstverwirklichung im Auge behalten. Nachdem du die Selbstverwirklichung erfahren hast, was wirst du tun?“
Troja: „Ich werde mich ergeben.“
Meister: „Du selbst bist die Wahrheit geworden, zu wem willst du denn noch gehen, um dich zu ergeben?“
Troja fand es schwierig, diese Frage zu beantworten. Er suchte nach einer passenden Antwort, als der Meister ihm mit einer humorvollen Bemerkung auf die Sprünge half: „Wirst du gut essen, dich dann strecken und danach tief schlafen? Nein, du wirst die Wahrheit predigen und es jedem bewusst machen und so ihre Ignoranz beseitigen. Ist es nicht so?“
Troja stimmte ihm zu.
Meister: „Was ist Ignoranz?“
Troja: „Nicht die Wahrheit zu kennen.“
Meister: „Den Körper als Seele zu sehen, ärgerlich zu werden, stolz zu sein, Eifersucht und Hass zu fühlen – all das sind Zeichen von Ignoranz. Nicht zu wissen, dass du der alles durchdringende Atman bist, das ist Ignoranz.“
Der Meister begann zu spaßen: „Komm jeden Tag hierher: Ich werde dich Vedanta lehren. Du musst mich als deinen Guru akzeptieren. Bist du damit einverstanden, oder nicht? Du passt auf mich auf, und ich werde mich um deine Seele kümmern. Nun, was meine ich wohl damit? Wie wirst du für mich sorgen? Ich für meinen Teil werde dir Vedanta beibringen, indem ich deine Ignoranz beseitige.“
Troja: „Und ich werde mich um deinen Körper kümmern.“
Meister: „Indem du mir dosenweise Kekse gibst?“
Troja: „Nein, Swamiji, ich werde dich finanziell unterstützen, um deine göttliche Botschaft zu verbreiten.“
Des Meisters Lehrstimmung hielt an: „Was findet in Samadhi statt?“
Troja: „Es ist ein überbewusster Zustand, in dem man eins mit dem Absoluten wird.“
Dem Meister gefiel diese Antwort und er bereicherte ihn weiter: „Die Sinne, der Geist und der Intellekt  hören alle auf zu funktionieren. Psychologie hat damit nichts zu tun. (Troja studierte Psychologie). Was ist der Geist?“
Troja hatte Schwierigkeiten, seine Gedanken auszudrücken, so kam der Meister ihm zu Hilfe: „Es ist das Denkprinzip.“
Nachdem er ein paar Besucher empfangen hatte, die zum Darshan gekommen waren, nahm er die Lektion wieder auf: „Wo ist der Geist?“
Troja: „Im ganzen Körper.“
Meister: „Er ist alldurchdringend und sitzt im Herzen während des (Tief-)Schlafs, im Auge während des Wachseins und in der Kehle während des Träumens. Nun, wer ist Troja?“
Troja war verwirrt. Dies bemerkend schloss der Meister an: „Ist Troja das Auge, die Nase oder der Körper? Wer ist Troja?“
Das gab den Schlüssel zur Antwort und Troja erwiderte: „Dieser Körper, mit seinem Geist und Intellekt, das ist Troja.“
Der Meister schien zufrieden mit der Antwort und fuhr fort: „Wo war Troja vor fünfunddreißig Jahren und wo wird er einst hingehen?“
Troja: „Das weiß ich nicht.“
Meister: „Nach einiger Zeit wirst du Befreiung erlangen oder etwa nicht? Was ist der Geist? Ist er Alkohol oder Brandy? Was ist Es?“
Troja: „Es ist die essentielle Natur des Menschen.“
Meister: „Es ist die Seele, Es ist das Bewusstsein. Warum ist Es Bewusstsein? Weil Es sich selbst kennt und andere! Es ist eine Verkörperung der Existenz, des Wissens und der Wonne. Wie kannst du wissen, dass der Geist da ist?“
Troja: „Durch die eigene Existenz.“
Meister: „Ja, weil du existierst. Wenn es dich gibt, dann muss es auch den Geist geben. Nun sage mir, während du deinen Kaffee getrunken hast, wer hat ihn genossen?“
Troja: „Der Körper, die Sinne haben ihn genossen.“
Meister: „Die individuelle Seele, wenn sie mit den Sinnen verbunden ist, wird der Genießer und der Handelnde. Der eigentliche reine Geist genießt weder, noch handelt er. Es ist nur Zeuge. Es ist die individuelle Seele, welche eine Reflektion des Geistes ist, die genießt.“
Des Meisters Blick fiel auf die Uhr, er stellte fest, dass es schon sehr spät war und er ging zu seiner Hütte.

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