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Der Sinn der Erziehung

  1. Alle sind Manifestationen von Gott. Es ist ein beschämender Fleck auf dir, wenn du Feindschaft gegen jemanden in dir trägst.
  2. Hasse nicht jene, die böswillig sind, eifersüchtig und selbstsüchtig. Sie sind es, die deine Erlösung fördern.
  3. Liebe und respektiere alle Heiligen, gleich welchen Glaubens.
  4. Vermeide Lippenbekenntnisse beim Dienen, bei Sympathiebekundungen und im Vedanta.
  5. Theorie ist eine Sache und Leben eine andere. Werde darum ein praktischer Mensch. Werde ein praktischer Vedantin.
  6. Kinder sind die Erbauer von Morgen. Sie sind die zukünftigen Bürger. Sie sind das Schicksal der Nation. Erziehe sie, diszipliniere sie und forme sie richtig.
  7. Jedes Kind trägt in sich seine Lebenskraft. Gib ihm die Möglichkeit, sich auszudrücken. Unterdrücke nicht seine Lebenskraft.
  8. Erziehung ist die Einführung ins Leben. Sie darf nicht elitär sein. Sie muss auf Freundschaft und Kameradschaft der verschiedenen Gemeinschaften zielen.
  9. Das Geheimnis erfolgreichen Lehrens und der Disziplin ist die richtige Erziehung. Jeder Lehrer sollte an das Kind glauben.
  10. Erziehung sollte zum Ziel haben, den Schüler einen starken, gesunden Körper und Geist entwickeln zu lassen, Selbstvertrauen, ethische Perfektion, Initiative und einen guten Charakter.
  11. Die Erziehung des Intellekts sollte Hand in Hand gehen mit der Entfaltung der Seele.
  12. Parallel zu Anweisungen in materiellen und praktischen Dingen sollten Anweisungen in göttlichen Dingen erfolgen.
  13. Das mentale und moralische Wachstum des Menschen hat nicht Schritt gehalten mit seinem technischen und wissenschaftlichen Fortschritt.
  14. Miss Erziehung nicht an materiellem Erfolg. Erziehung sollte nicht am wahren Ziel der Kultur vorbeischießen, nämlich dem moralischen und spirituellen Aufschwung.
  15. Schüler denken für gewöhnlich mehr an Diplome und Zertifikate und ans Geld als an die wahren Werte im Leben.
  16. Der Sinn von Erziehung ist es, jemanden furchtlos, „ich“-los, „mein“-los und wunschlos zu machen.
  17. Die Erziehung der heutigen Zeit ist ein wenig zu theoretisch. Die Schüler legen es mehr darauf an, einen guten Abschluss zu machen, als praktisches, nützliches Wissen zu erlangen.

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Du brauchst keinen Guru:

L. L. Bhirud, ein sehr ernsthafter Schüler des Yoga, der sehr wertvolle Hilfen aus den Lehren des Meisters erhalten hatte und so auf dem göttlichen Lebensweg bereits gut vorangeschritten war, schrieb: „Ich habe dein freundliches Geschenk, die beiden Bücher, erhalten. Ich habe auch deinen lieben Brief bekommen und bin wirklich glücklich über deinen Enthusiasmus, mir zu helfen. Heute will ich über meine Veränderungen in den letzten Monaten schreiben.
Nachdem ich in Poona angekommen war, fing ich an, das Buch von X. zu studieren, welches von Sadhana Chatushtaya handelt. (Anm.: Eigenschaften, die es für einen spirituellen Schüler zu erlangen gilt: Unterscheidung zwischen Wirklichem und Unwirklichem, Loslösung von den Dingen der Welt und Erwerb spiritueller Eigenschaften wie Ausdauer, Mut, Gleichmut und Vertrauen; letztendlich ein brennendes Verlangen nach Befreiung). Zu dieser Zeit hat mich dieses Buch sehr in seinen Bann gezogen. Jetzt aber verfolge ich die Lehren und Diskussionen von Y. Sie ziehen mich momentan sehr an. Ich finde es nicht mehr nötig, an einen Guru zu glauben. Ich mag kein Japa (Mantrawiederholung). Ich denke nicht, dass es nötig ist, den Befehlen von Meistern zu folgen, nur weil diese so großartig sind. Ich habe nichts mit Gott zu tun. Ich denke nie an Gott. Es ist nicht nötig, an ihn zu denken. Stattdessen möchte ich einfach den Weisungen meines Bewusstseins folgen. Das ist ein sehr einfacher und direkter Weg, sich der sogenannten Wirklichkeit zu nähern. Ich werde auch andere Autoritäten zu Rate ziehen, aber sie nur dann akzeptieren, wenn ich sie tatsächlich als wahr erkenne. Das, denke ich, ist eine große Veränderung in mir. Um es in klassischen Worten auszudrücken: Ich bin nun ein Anhänger des Jnana-Yoga (Yoga des Wissens). Ich hoffe, du wirst mich noch lieben, so wie ich bin.“

Als er diesen Brief erhielt, lächelte der Meister und bemerkte: „Hier ist eine klare Bestätigung dessen, was ich vor einigen Tagen gesagt habe. Das ist der Beweis! So werden unschuldige, intelligente Schüler vom rechten Pfad weggelockt; von Schurken, die an ihrem Glauben rütteln und sie dann im Stich lassen. Hört niemals diesen Schurken zu. Geht niemals in das Zimmer, wo ihre Bücher stehen. Die Gesellschaft dieser Prediger ist für die Schüler so förderlich wie die Gesellschaft einer arglistigen Tänzerin für einen wohlhabenden Zamindar (Großgrundbesitzer). So wie die Tänzerin seine Ressourcen verbraucht und ihn dann verlässt, so verbrauchen diese Prediger das ganze Vermögen des spirituellen Schülers und lassen ihn dann in einer höchst bedauernswerten Lage zurück. Der Schüler fühlt sich, als wäre sein Boot mitten auf dem Fluss verbrannt. Nehmt euch ihn Acht!“
Der Meister antwortete Bhirud: „Liebster Atman, Om Namo Narayanaya! Grüße und Bewunderungen! Danke für deinen freundlichen Brief. Ich sollte dir nicht von dem Weg abraten, den du gewählt hast. Aber ich würde dir raten, dass du genau abwägst, bevor du dieser Veränderung in dir Platz machst. Wahrhaftig ist es eine gute Sache, wenn jemand der Stimme seines eigenen Bewusstseins folgt. Aber ich frage dich: Bist du sicher, dass bei jedem Schritt deine innere Stimme nicht vielleicht die Stimme deines niederen Geistes ist, die des unreinen Geistes, welcher voll ist mit Wünschen und Unreinheiten? Bist du sicher, dass deine eigene niedere Natur sich nicht verkleidet hat im Gewand der Stimme des Bewusstseins, nur um dich zu täuschen? Man muss nämlich einen Geist haben, der vollkommen frei ist von allem Unrat, allen Wünschen, allen Schwächen, bevor man fähig ist, seiner eigenen inneren Stimme immer zu folgen. Erst dann, bitte glaube mir, wird diese innere Stimme deinen Glauben an Gott nicht mehr in Verruf bringen.
Du sagst, du brauchst keinen Guru. Sei doch ein bisschen kritisch dir selbst gegenüber. Hast du Y. denn nicht schon lange als deinen Guru angenommen? Folgst du nicht schon lange seinen Regeln? Zeigt das nicht, dass ein Schüler in jeder Situation seinen Guru braucht? Angenommen, du stößt bei deinem späteren Studium auf Schwierigkeiten, die deinem derzeitigen Ziel im Wege stehen. Was wirst du dann tun? Wirst du nicht zu einem alten Praktizierenden gehen, um diese Hindernisse zu beseitigen? Er ist der Guru.
Du sagst, du hast nichts mit Gott zu tun. Aber hast du einmal nachgefragt, wer das überhaupt sagt? Hast du das ‚ich’ erkannt, das nichts mit Gott zu tun haben will?  Dieses ‚ich’ ist Gott. Entdecke die wahre Natur dieses ‚ich’. Frage: ‚Wer bin ich?’ und erzähle mir dann, zu welchen Ergebnissen du gekommen bist. Das ist das Geheimnis. Natürlich kannst du Gott ablehnen, wenn du so geneigt bist, aber niemals kannst du die Existenz dieses ablehnenden Subjekts völlig negieren. Dies selbst ist Gott, Brahman.
Wenn du nun seinen Namen singst, wenn du Japa in der Einsamkeit und der Ruhe deines eigenen Herzens praktizierst, wirst du in dieser Höchsten Stille die Wahrheit der Existenz finden. In dieser Existenz wirst du auch Ananda erfahren. Möge Gott dich mit einer direkten Wahrnehmung von Satchidananda segnen!“

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Der Wert der Disziplin

Alle Arten von Menschen sind nötig, um einen Ashram zu bilden. Der Sivananda Ashram ist bekannt für die Universalität seines Glaubens, so dass jeder, der sich zu irgendeiner Religions-, Glaubens- oder Yoga-Richtung bekennt, Ashrambewohner werden kann. Es gibt orthodoxe Vairagis, die es vorziehen, die Reste von der Küche zu nehmen und am Ufer des Ganges zu essen. Vishnu Swamiji war einer von ihnen. Jedoch wurde es für den Küchenleiter mit der Zeit etwas zu umständlich, ihm die Speisereste zukommen zu lassen und gleichzeitig für alle das Essen im Speisesaal zu servieren.
Der Meister rief Vishnu Swamiji zu sich und sagte: „In allem, was du tust, solltest du versuchen, den anderen die wenigste Mühe zu machen. Gut, wenn du es vorziehst, die Reste am Ufer des Ganges zu essen, so tue es. Das ist in Ordnung so und für die Küchenleute wäre es auch nicht allzu schwierig, sich darauf einzustellen. Aber du solltest dabei Geduld und Disziplin haben und warten, bis du an der Reihe bist. Frage nie nach besonderen Aufmerksamkeiten. Folge diesen Regeln und es wird dir in deiner Entwicklung weiterhelfen.
Selbst Gott folgt einigen selbst auferlegten Regeln. Denke zum Beispiel an die universellen Gesetze und wie schön sie zusammenwirken. Denke an die Stellung der Planeten und die Präzision und den Rhythmus, mit denen sie sich bewegen. Könnte Gott nicht auch die Welt verlassen und als Einsiedler in Uttarkasi leben? Er hingegen hat sein Auge auf jedes noch so kleine Atom der Schöpfung und hilft jedem je nach seinen Bedürfnissen. Er muss über jedermanns Karma Buch führen und Belohnungen und Strafen in strenger Übereinstimmung mit den ewigen Gesetzen bemessen. Du solltest genauso viel Selbstdisziplin erwerben, wenn du wünschst, Gottesbewusstsein zu entwickeln.“
Vom Meister hieß es, dass auch er während der Zeit seines Sadhana im Swarg Ashram die dort herrschenden Regeln befolgte. Die dortigen Autoritäten wollten ihm in jeder erdenklichen Weise entgegenkommen, er jedoch bestand immer darauf, in der Menge der Sadhus einer von vielen zu sein und lehnte es ab, die ihm gebotenen Vorzüge zu nutzen. So stand er wie die anderen Sadhus in der prallen Sonne Schlange und wartete, bis er an die Reihe kam, um Almosen zu nehmen.

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Namaskar Sadhana

Swami Satchidananda Mataji hatte in ihrer Rede erwähnt, wie sie sich früher immer dagegen gewehrt habe, sich vor anderen niederzuwerfen. Auf dem Weg von seinem Zimmer zum Büro drehte sich der Meister zu ihr um und fragte: „Warum ist es nötig, sich vor G. niederzuwerfen? Sie gehört einem anderen Rang an und ist keine Sannyasin. Warum sollte sich ein Sannyasin vor einem Berufstätigen niederwerfen?“ Satchidananda Mataji antwortete: „Ich sah andere Sannyasins vor ihr niederknien.“  
Darauf sprach der Meister: „Es schadet nicht, vor allem und jedem niederzuknien, denn alles ist eine Manifestation Gottes. Ich werfe mich sogar vor dem Kuhdung auf die Erde, da alles Brahman ist. Niederwerfung allein ist schon Sadhana. So solltest du nicht denken: ‚Er ist ein Dieb, er ist ein schlechter Mann’, denn Gott selbst hat in der Gita schon erwähnt: ‚Ich bin das Spiel des Betrugs.’ Niederwerfungen erhalten die Gesundheit und verlängern das Leben. Es war einmal ein großer Heiliger, der sich vor Eseln und Pferden niederwarf. Einmal kniete er vor einem toten Esel nieder und sogleich wurde dieser wieder lebendig; so groß ist die Kraft von Namaskar.
Du magst dich gegenwärtig nicht niederknien, aber bist du bereit, dich vor Schweinen, Bullen und Eseln niederzuwerfen? Sie alle sind Manifestationen Gottes. Du solltest bereit sein, dich ohne inneren Konflikt und aus vollem Herzen vor allem niederzuknien.“

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Eine mitfühlende Antwort:

Ein Mann berichtete dem Meister von einer bestimmten Krankheit, unter der er litt. Der Meister riet ihm, einen Einlauf zu machen.
Er fragte: „Ist das etwas zu essen?“
„Ein Einlauf ist nichts zu essen“, antwortete der Meister. „Es ist die Injektion von Flüssigkeit in den Mastdarm, so dass die Därme gereinigt werden können.“
Nachdem er des Meisters Instruktionen bekommen hatte, ging der leidende Mann.
Der Meister hatte immer mitfühlendes Verständnis für die Schwierigkeiten anderer. Ein gewöhnlicher Mensch hätte vielleicht über die Frage des kranken Mannes nur gelacht.

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Nirvikalpa Samadhi

Ein gelehrter Besucher brachte einige Zweifel vor: „Swamiji, ich möchte etwas über Nirvikalpa Samadhi erfahren. Die Schriften sagen, dass jemand, der diesen Zustand erreicht hat, nicht öffentlich kundtue, dass er ihn erreicht habe. Wie können wir denn nun wissen, ob ein bestimmter Mensch die höchste Weisheit erreicht hat oder nicht?“
Der Meister antwortete: „Wir können es erkennen, indem wir seine Handlungen beobachten, sein Verhalten, seine Gespräche, seine Visionen, seinen Frieden, seinen Segen, seine beispiellose Heiterkeit, sein ausgeglichenes Wesen unter allen Bedingungen, seine kosmische Liebe und seine dauerhafte Weisheit.“
„Wie kann er selbst wissen, dass er den Zustand von Nirvikalpa Samadhi erreicht hat?“, war die nächste Frage.
„Wenn seine Erfahrungen mit denen der Seher der Upanishaden übereinstimmen, wenn ihn Frieden und Segen begleiten, wenn er in den schlimmsten Situationen gelassene Heiterkeit bewahrt, wenn alle seine Zweifel verschwunden sind, wenn er in der Verschiedenheit die Einheit erkennt, wenn er das Selbst in allen Wesen fühlt und die ganze Welt sein Körper ist. Wenn er komplett frei ist von sinnlichen Bedürfnissen, wenn er nicht beeinflusst wird durch Anziehung oder Ablehnung und frei ist von Lust, Ärger, Egoismus, Stolz und Anhaftung – dann kann er sicher sein, dass er Selbstverwirklichung erreicht hat.“
Ein anderer Schüler fragte: „Swamiji, Gott ist doch barmherzig, warum sollte er nicht aus seiner Gnade heraus alle Menschen aus dem Elend erretten? Warum müssen Menschen denn überhaupt leiden?“
Und der Meister antwortete: „Gott hat dem Menschen den freien Willen gegeben, so zu handeln, wie er möchte. Der Mensch genießt oder leidet je nach Art seiner Handlungen, je nachdem, ob sie gut oder schlecht sind. Gott zwingt Seinen Willen niemandem auf. Es kommt auf die Menschen an, Seinen Willen mit offenen Armen zu empfangen. Nur wenn der Mensch sich dem göttlichen Willen hingibt, wird dieser in ihm arbeiten. Es gibt keinen Zwang, der von Gott ausgeht. Er wartet einfach nur, bis der Mensch von selbst den Willen Gottes seinem eigenen Willen vorzieht.“
Swami Venkatesanandaji sagte dann: „Swamiji, wo Gott doch allmächtig ist, kann er nicht bewirken, dass der Mensch immer in Übereinstimmung mit dem göttlichen Willen handelt, um so die Sünden und Leiden, die durch das Handeln gegen den göttlichen Willen entstehen, von vornherein zu vermeiden?“
Zur Antwort erzählte der Meister die folgende Begebenheit: „Als der Kurukshetra-Krieg zu Ende war und die Kauravas (in der Bhagavad Gita die Gegner der Pandavas) getötet worden waren, kam Udanka zu Gott Krishna und fragte diesen, warum Er auf Seiten der Pandavas gewesen war und die Zerstörung der Kauravas herbeigeführt hatte, obgleich beide Seine eigene Kreation waren. Krishna erklärte, dass Er Sein Bestes getan habe, den Krieg zu verhindern und Frieden zwischen den Cousins herzustellen und wie Er den Krieg erst zugelassen hatte, nachdem Er herausgefunden hatte, dass die Kauravas fest entschlossen waren, zu kämpfen.
Udanka fragte, warum Krishna dann nicht die Gefühle der Kauravas dahingehend geändert habe, dass sie die Pandavas lieben gelernt hätten, so dass der Krieg hätte umgangen werden können. Krishna antwortete, dass der Mensch einen freien Willen habe und Er niemanden dazu zwingen würde, Gott zu lieben, bis derjenige von sich aus die Liebe zu Gott und Seinem Willen entwickele.“

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Sesshaft sein

„Verlässt Shroff uns heute?“, fragte der Meister Swami Chinmayanandaji.
„Wahrscheinlich nicht, Swamiji. Sein gesundheitlicher Zustand war letzte Nacht wieder sehr schlecht.“ – „Was ist passiert?“
„Swamiji, er regt sich leicht über Kleinigkeiten auf. Das Problem, dass er in der Hitze des Tages mit dem Bus fahren sollte, belastete ihn so sehr, dass sein Blutdruck wieder stieg.“
„So ist es. Nur ältere Menschen kennen diese Schwierigkeiten. Für einen jungen Menschen ist es eine Lappalie, für einen alten Mann mit einem schwachen Herzen und Blutdruckproblemen aber ein wirkliches Problem. Ein junger Mensch kann das noch nicht verstehen. Als ich jung war, machte ich doppelte Saltos, aber nun ist selbst das Laufen durch Diabetes und andere Leiden für mich schwierig geworden. Das Alter hat seine eigenen Grenzen. Du solltest versuchen, die Älteren zu verstehen und mit ihnen zu fühlen. All diese Probleme werden gelöst, wenn du an einem Platz bleibst. Der Ashram ist meine ganze Welt. Wenn du an einem Ort bleibst und mit deiner Arbeit fortfährst, kannst du viel Dienst leisten und dir diese Plagen ersparen.“

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Ein lehrreicher Wettkampf

Die frühmorgendliche Yogastunde war vorüber. Ganga Prasad Sharma’s Gegenwart zog die Aufmerksamkeit des Meisters auf sich. Wenn er Leute sah, die gleich nach den Asanas aufstanden, um zu gehen, sagte er: „Steht jetzt noch nicht auf. Oh Ganga Prasadji! Oh Vishnu Swamiji! Nun werdet ihr beide eure Fähigkeiten zeigen, indem ihr uns Yoga Asanas vorführt. Lasst uns sehen, wer gewinnt.“
Beide machten sich fertig und gingen in die „Arena“.
„Nun wird Ganga Prasadji uns eine komplizierte Asana zeigen. Mache etwas, zu dem Vishnuji nicht fähig ist.“
Ganga Prasadji demonstrierte sogleich eine wundervolle Stellung, worin der Körper in die seltsamsten und schwierigsten Dehnungen gebracht wurde.
Vishnu Swamiji versuchte es ihm gleichzutun, konnte aber keine Perfektion erreichen.
„Ganga Prasadji, du hast gewonnen. Nun wird Vishnu Swamiji etwas vorführen, was du nicht tun kannst.“
Vishnu Swamiji demonstrierte Shakti Chalani (fortgeschrittene Technik aus dem Kundalini Yoga), was Ganga Prasadji wiederum nicht nachmachen konnte. Letztendlich konnte Vishnu Swamiji doch noch einen Sieg erreichen, da Ganga Prasadji Vayu Bhakshana (Leben allein von Luft) nicht kannte. Es war ein sehr unterhaltsamer und lehrreicher Wettkampf.
„Diese Wettkämpfe haben auch einen anderen Effekt. Wenn du alleine oder mit weniger bewanderten Menschen zusammen bist, wirst du nur langsam die Befriedigung erlangen, dass du gut bist. Aber findest du jemanden, der besser ist als du, bist du beschämt. Du wirst dich langsam danach sehnen, immer größere Perfektion zu erreichen. Das Ziel ist Gott und nichts Geringeres sollte dich zufrieden stellen.“

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Echtes Karma Yoga

Ganga Prasad war auch ein Maler. Er brachte ein wundervolles Gemälde, das er selbst gemalt und ungeachtet der Kosten in einen schweren Rahmen hatte fassen lassen. „Das ist der Geist des Karma Yogas“, lobte der Meister. „Er kann keine halben Sachen machen. Er macht alles gleich richtig. Wenn Ganga Prasad das Gemälde einfach so abgegeben hätte, hätte es leicht schmutzig werden oder kaputt gehen können. Trotz der hohen Kosten hat er es rahmen lassen. Nun ist es sicher.
Karma Yoga heißt nicht, Dinge nur oberflächlich zu verrichten und dabei zu denken, dies sei der Weg, um sich nicht an Handlungen und ihre Früchte zu binden. Das ist nur tamasige Nachlässigkeit. Karma Yoga heißt, alles effizient und tüchtig zu tun, und gerade deshalb unabhängig von den Früchten zu bleiben. Es heißt, alle Handlungen Gott zu widmen und ihn zu verehren.“

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Pflege der Leprakranken

Einige Besucher des Sivananda Ashrams bemerkten, dass sich aus der Nachbarschaft eine Anzahl von Leprakranken jeden Morgen und jeden Abend vor der Speisenausgabe einfand. Der Meister gab dem Schüler, der die Essensverteilung vornahm, spezielle Anweisungen, diesen leidenden Menschen äußerste Aufmerksamkeit zu widmen und sie mit dem Gefühl zu behandeln, dass sie alle eine Form von Gott sind.
Das hieß: Während der Schüler es womöglich versäumte, einen kranken Sadhu mit gefalteten Händen zu begrüßen, sollte er dies einem Leprakranken gegenüber nie vergessen. Der Meister selbst zeigte das größte Interesse, wenn es darum ging, gefährliche oder sogar ansteckende Krankheiten zu behandeln. Die Sadhus von Rishikesh erzählten oft voller Verwunderung, wie der Meister früher im Swarg Ashram neben Cholerakranken geschlafen und jede Möglichkeit wahrgenommen hatte, ihnen zu helfen, ohne den geringsten Gedanken an den eigenen Schutz.
Eines Tages reiste nun Pastor Taylor von der amerikanischen Lepramission in Begleitung eines Regierungsbeamten an. Er bat um die Unterstützung des Meisters für die Leprahilfe in Rishikesh.
Der Meister war bereit mitzuhelfen und sagte später: „Die Regierungsbeamten und auch der Gesundheitsminister Dr. Gairola haben in der Bewältigung dieser Arbeit immer die Hilfe der Sannyasins gesucht. Warum? Weil diese hilflosen Opfer ihres Prarabdha Karmas (in diesem Leben aktivierte Wirkungen von Handlungen aus früheren Leben) von allen anderen Bereichen der Gesellschaft vernachlässigt werden. Ein praktizierender Arzt würde es ablehnen, Leprakranke zu behandeln, da seine Praxis sonst schließen müsste und so sein Einkommen nicht mehr gesichert wäre. Menschen haben Angst, Leprakranken nahe zu kommen. Nur ein Sannyasin, der dem weltlichen Leben entsagt hat und noch nicht einmal den Tod fürchtet, kann solche Dienste kühn übernehmen.“
Es wurden Abmachungen getroffen, am nächsten Morgen die Leprakolonie zu besuchen. Wie gewöhnlich war der Meister in der Lage, sich nicht nur um die großen Probleme zu kümmern, sondern auch um die Nebensächlichkeiten, die damit verbunden sind.
„Dr. Subramanyam wird uns begleiten. Wir werden eine Liste der Leprakranken anfertigen und sie je nach Krankheitsstadium klassifizieren. Wir sollten die Kinder, die noch nicht angesteckt sind, isolieren und für sie sorgen. Wir sollten auch jenen besondere Behandlung anbieten, die noch im Anfangsstadium der Krankheit sind und versuchen, sie zu retten.
Dayanand Swamiji, bitte besorge uns einen Pferdewagen für 6 Uhr morgen früh. Bitte nimm für zehn Rupien Süßes zum Verteilen mit. Geh und sage den Menschen in der Kolonie, dass wir um 6 Uhr morgens kommen. Nimm dir auch etwas Geld zum Verteilen mit.“
Der Trupp startete bald nach der morgendlichen Lesung. Der Meister fragte nach, ob denn genug Papier da wäre, um die Namen aufzuschreiben, wie viele Stifte sie mit dabei hätten und ob es Tinte zum Auffüllen gäbe. Er war immer sehr besorgt um Kleinigkeiten. Sobald sich der Wagen in Bewegung setzte, begannen sie, das Jaya Ganesha zu singen.
In der Leprakolonie wurden die Leute versammelt und in eine Liste eingetragen. Der Meister hatte großes Interesse an jedem einzelnen Fall; dabei fand er sehr rasch heraus, welche Kinder von der Krankheit noch unberührt waren.
Sobald ein Patient seinen Namen gesagt hatte, gab ihm Dayanandaji zwei Süßigkeiten.
Zwei Stunden vergingen allein mit der Aufnahme dieser Details. Als nun alles vorüber war, rief der Meister zwei gebildete Leprakranke zu sich und wies sie an, wie die wohltätigen Spenden des Ashrams zu verteilen seien. Nachdem dann alle Kirtan gesungen hatten, verließ er den Ort.

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Rotte Selbstsucht mit der Wurzel aus

Swami Chidananda hatte in der Morgenstunde eine spannende Rede gehalten von der Notwendigkeit, die Selbstsucht in jedem Schüler auszurotten. Er behandelte verschiedene Methoden, wie dies zu erreichen sei. Am Ende fragte der Meister Parasuraman, ob er sich Aufzeichnungen von der Stunde gemacht habe.
„Swamiji, ich habe ein Tagebuch von allem, was wir hier durchnehmen.“
„Einer Lesung beizuwohnen, ist nur der Anfang des Sadhanas“, begann der Meister. „Nun schließe deine Augen und überlege dir, wie viele Male du in vollen Zügen deine Selbstsucht gelebt hast. Mache dir in deinem Tagebuch eine Notiz darüber. Du wirst von deinem spirituellen Zustand verblüfft sein. Eine suchende Analyse wird dir die subtilen Formen der Selbstsucht offenbaren. Du solltest dich langsam bemühen, deine negativen Seiten auszumerzen. Manche Menschen denken, dass sie nahe an der Perfektion angekommen seien. Sie meinen nur noch eine Haaresbreite von Nirvikalpa Samadhi (dem höchsten transzendentalen Bewusstseinszustand) entfernt zu sein. Sie denken, dass sie Samprajnata Samadhi (höherer Bewusstseinszustand, aber noch mit Dualität) erfahren haben. Sie schließen die Augen und träumen nur. In ihrem Alltag wirst du sie aber voller Selbstsucht, Egoismus und schlechter Eigenschaften finden.
Andere denken, wenn sie die Augen schließen, dass sie Atma Jyoti (Licht, welches von der göttlichen Seele ausstrahlt) sehen. „Warum folgt Nirvikalpa Samadhi nicht sofort danach?“, fragen sie.
Manche behaupten, Krishna gesehen zu haben. „Krishna ist drei Mal zu mir gekommen, warum kommt er nicht ein viertes Mal?“ Diese Menschen täuschen sich selbst.
Du musst dir selbst energisch auftragen, die Selbstsucht zu zerstören. Gib dich selbst Gott hin. Lebe für ihn allein. Dann wird er sich dir offenbaren.“

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Spiritueller Stolz

Nach dem abendlichen Satsang (Gruppenmeditation mit anschließendem Kirtan) begann ein Sannyasin von beeindruckender Erscheinung, mit dem Meister über die Hauptgrundsätze seines eigenen Kultes und der Praxis, die von ihm und seinem Guru vertreten wurden, zu diskutieren.
„Swamiji, aus unserer Sichtweise hat sogar Hören (der Schriften), Reflektion und Kontemplation keine Bedeutung. Unser einziges Sadhana ist es, der Stille zuzuhören – reines Zuhören, ohne zu versuchen, durch den Verstand zu begreifen, was vermittelt wird. Wir tun dies, weil der Atma (das wirkliche Selbst, die dem Menschen innewohnende Göttlichkeit) stets jenseits des greifbaren Verstandes ist. Unser Guru hat uns erzählt, dass dies die beste Methode ist und alle anderen bedeutungslos sind. Eines Tages wird die Wahrheit von selbst scheinen, ohne jede Mühen von Seiten des Schülers.“
„Sehr schön“, sagte der Meister mit seinem charakteristischen Lächeln. „Aber ein Schüler muss schon ein Super-Adhikari (Adhikari = jemand, der auf dem Weg zu Gott Fortschritte gemacht hat) sein, um die Wahrheit auf diesem Wege zu begreifen. Bei Janaka (weiser König) war das Aussprechen von ‚Tat Twam Asi’ (‚Das bist Du’; d.h. deine wahre Realität ist göttlicher Natur) schon genug und er hatte sich selbst verwirklicht. Aber heutzutage, selbst wenn wir es millionenfach hören, scheinen wir weit von der Wahrheit entfernt zu sein.“
Nachdem er mehrere andere Themen diskutiert hatte, sagte er zu den Schülern: „Der Maharadscha von Sitamau ist ein großer Gläubiger. Sein Sadhana ist eine ständige Wiederholung des Namens von Rama, 24 Stunden am Tag. Er hat durch sein Praktizieren auch große hellseherische Fähigkeiten. Es geschah nämlich, dass ein Gläubiger, der zufällig einmal das Bett des Maharadschas benutzte, eine Vision von Rama hatte, welche er auf die Mantra-Shakti (Mantra-Kraft) des Maharadschas zurückführte. Der Maharadscha kennt sich auch gut aus in den Upanishaden. Und doch pflegt er zu sagen, er sei nur Praktiker und eigentlich für Vedanta nicht gelehrt genug. Er ist zu bescheiden, sich selbst einen fortgeschrittenen Schüler oder Japa Yogi zu nennen!“

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Schüchternheit beim Kirtansingen

Während des Abend-Satsangs zogen einige neue Besucher die Aufmerksamkeit des Meisters auf sich. Er rief sie einzeln zu sich und bat sie, Kirtan zu singen. Ein Rechtsanwalt und ein anderer hoher Beamter fanden sogleich viele Ausreden, es nicht zu tun, aber der Meister gab nicht nach. „Kennt ihr denn Kirtan nicht?“
Sie konnten nicht nein sagen, das wäre gelogen gewesen.
„Doch, wir kennen es, Swamiji.“
„Dann singt. Was ist denn so schwierig daran, ‚Ram Ram Ram’ zu singen?“
Jeder gab seinem Herz einen Stoß, die Scheu war überwunden.

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Die Kundalini erwecken

Ein Besucher fragte den Meister: „Swamiji, ist es wirklich nötig, einen bestimmten Yoga zu lernen, um die Gottverwirklichung zu erreichen oder kann man auch ein ganz normales Leben führen und ständige Konzentration üben?“
„Konzentration ist Yoga. Studium ist ebenfalls hilfreich für die Yoga Praxis.“
Der Besucher fragte weiter: „Sollte man es anstreben, die Kundalini zu erwecken?“
„Kümmere dich nicht um die Kundalini, sie sorgt für sich selbst. Sie wird aus eigenem Antrieb erwachen, wenn durch die Praxis von Japa und Meditation die Klarheit des Geistes erreicht ist.“

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Das Bewusstsein erheben

Ein Besucher fragte den Meister: „Warum steigt das Bewusstsein manchmal zu einer so hohen Ebene auf, dass wir vieles sehen und erfahren können und fällt dann plötzlich wieder soweit herunter? Warum können wir das Bewusstsein nicht auf einer Ebene halten?“
Der Meister antwortete: „Wenn der Geist sattwig (rein, ausgewogen, erkennend) ist, hat man dieses erhabene Bewusstsein. Aber durch die Kräfte von Rajas (Qualität der Aktivität) und Tamas (Qualität der Verblendung und Trägheit) und durch die Unterströmungen und Wünsche des Geistes sinkt das Bewusstsein wieder. Mache mehr Sadhana. Entwickle Leidenschaftslosigkeit. Je mehr die Wünsche ausgefiltert werden, desto mehr ist der Geist mit Sattwa (Klarheit) gefüllt. Er wird so beständig sein wie ein Licht an einem windstillen Ort. An Feiertagen kannst du hierher kommen und Satsang und Abgeschiedenheit genießen. Du kannst mehr Sadhana praktizieren. Ein bisschen Stille einhalten, ein bisschen Pranayama, ein bisschen Abgeschiedenheit – dies sind alles Hilfen.“

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Der Nutzen des Fastens

Eine Besucherin bat den Meister, ihr einige Anweisungen zu geben. „Praktiziere Japa und Kirtan und leiste selbstlosen Dienst“, sagte der Meister. „Studiere die Ramayana (Lebensgeschichte des Rama) und die Bhagavata (Kurzform für Bhagavatapurana, Geschichten von Heiligen, Sehern und Königen rund um Krishna). Stelle die Frage ‚Wer bin ich?’. Spende ein Zehntel deines Einkommens. Nimm einfaches Essen zu dir. Reduziere Chutneys. Faste einmal alle vierzehn Tage.“
Die Dame bemerkte: „Ich bekomme eine sehr gute Konzentration, wenn ich faste.“
„Dann fahre fort, es gelegentlich zu tun“, riet der Meister. „Wenn du schweres Essen zu dir nimmst, kannst du dich nicht konzentrieren. Durch Fasten entwickelt sich Sattwa.“

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Den Geist bezwingen

„Ich praktiziere Konzentration, aber ich schaffe es nicht, den Geist auf einen Punkt zu bündeln“, klagte ein Besucher.
Der Meister riet ihm: „Du kannst Konzentration entwickeln durch mehr Praxis und Leidenschaftslosigkeit. Geh um 9 Uhr abends zu Bett und stehe früh auf. Nach dem Morgenbad wiederhole Japa und meditiere. Mache noch eine Sitzung abends, bevor du zu Bett gehst. Reduziere weltliche Geschäfte. Reduziere Geschwätz. Reduziere die Zeitungslektüre. Lies weniger Romane. Viel Zeit wird durch Geschwätz und das Lesen von Zeitungen und Romanen verschwendet.“
Der Besucher sagte: „Der Geist ist nicht einmal für zwei Minuten beständig. Er wandert zu zahllosen Plätzen.“
„Es liegt in der Natur des Geistes, umherzuwandern“, sagte der Meister, „und es ist deine Pflicht, ihn zurückzuziehen und an deiner Gottheit festzumachen. Studiere die Gita. Folge den darin enthaltenen Anweisungen. Reduziere deine Wünsche und Gelüste.
Praktiziere die Wiederholung des göttlichen Namens. Wiederhole immer wieder: ‚Ram, Ram’. Wenn du nicht meditieren kannst, praktiziere Japa und Kirtan. Vor allem aber musst du überhaupt erst die Bestrebung haben. Wenn du ein Diplom erlangen willst, dann musst du zuerst danach streben. Als allererstes musst du jedoch nach Befreiung streben. Dieser starke Wunsch nach Gott wird Mumukshutwa genannt. Dann musst du die feste Überzeugung haben, dass es ein höheres Leben gibt, dass es einen Atman (das Selbst, der göttliche Funken im Innern) gibt, einen Gott, dessen Natur Frieden und Segen ist. Bestreben, Glauben, Hingabe, geistiger Verzicht – all das sollte sich nach und nach entwickeln. Niemand wird an einem Tag ein Magister oder Doktor. Zuerst muss man das Studium vollenden, dann das Diplom erwerben und zum Schluss die Doktorarbeit schreiben. Gleichermaßen musst du dich nach und nach entwickeln.
Du solltest für deine tägliche spirituelle Praxis ein Programm haben und pro Tag mindestens zwei oder drei Verse aus der Gita (Kurzform für Bhagavad Gita) lernen. Dann wird der Geist mit Reinheit und göttlichen Gedanken gefüllt. Vergiss auch den Satsang nicht.“

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Lehren der Gita

„Swamiji, werde ich Frieden finden, wenn ich die Gita studiere?“, fragte eine Besucherin.
Der Meister antwortete: „Du musst die Lehren der Gita praktizieren. Setze alles in Yoga um. Gott sagte in der Gita: ‚Was immer du tust, isst, opferst oder gibst, welche Art von Askese du auch praktizierst, opfere es mir, oh Sohn der Kunti.’ Was immer du tust – auch wenn du ein Bad nimmst oder ins Kino gehst –, widme es Gott.“
„Wie kann ich arbeiten, wenn ich alles Gott widme?“, fragte die Besucherin wieder.
„Wiederhole ‚Ich bin Dein, alles ist Dein, Dein Wille geschehe.’ So wirst du mehr Frieden und mehr Stärke gewinnen. Fühle die Gegenwart von Gott. Gott wohnt in deinem Herzen. Die Augen, Nase, Ohren – alles sind seine Werkzeuge. Alles gehört Gott. Nur durch seine Energie kannst du sehen. Sehen, hören, riechen – all dies kommt von Ihm. Wer gibt den Augen Stärke zu sehen, der Nase Stärke zu riechen und den Händen die Kraft zu arbeiten? Es ist nur Gott. Aus Unwissenheit meinst du, dass du selbst alles tust. Du solltest fühlen, dass Er allein es ist, der alles tut. Dann wird Arbeit dich in keinster Weise binden.“

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Das Herz weiten

Der Meister fuhr fort: „Indem du Gottes Namen wiederholst, indem du Kirtan praktizierst, bekommst du Stärke, der Geist verändert sich, und Rajas (Qualität der Aktivität) und Tamas (Qualität der Trägheit) werden zerstört. Du gewinnst mehr Reinheit und Unterscheidungsfähigkeit. Du musst viele Werte kultivieren wie Bescheidenheit, Toleranz, Mut und Ahimsa (Gewaltlosigkeit, Nicht-Verletzen). Du musst deinen Geist beobachten und deinen Ärger kontrollieren. Viel Energie wird verschwendet durch Ärger. Warum solltest du dich über andere ärgern? Alles ist eins. Ein Leben vibriert in allen. Aus Unwissenheit denkst du, dass dieser Mensch hier Gupta ist und jener dort Bannerji, aber alle sind eins. Liebe alle.
Teile mit anderen, was immer du hast. Schließe nicht deine Tür, um alleine zu essen. Durch Teilen dehnt sich dein Herz aus. Menschen behalten normalerweise die besten Dinge für sich selbst, die mittleren Qualitäten für Freunde und Verwandte und die schlechten für die Bediensteten. Die faulen Früchte werden den Dienern gegeben. Ihnen aber solltest du die besten Dinge geben und freundlich zu ihnen sprechen; dann wird dein Herz sich ausdehnen. Es ist nicht leicht, das Herz zu erweitern, wenn es hart wie Stein geworden ist. Es muss schmelzen wie Butter, wann immer ein Leidender an deine Tür klopft. Du solltest eilen, um ihm Milch zu geben. Das ist Mitgefühl. Das ist wirkliches Advaita (Nicht-Zweiheit, Nicht-Dualität). Deswegen solltest du Freundlichkeit, Mitgefühl und Liebe entwickeln. Liebe verbindet und Liebe schweißt zusammen.“
Um seine Instruktionen abzuschließen, sagte der Meister: „Nächstes Mal komm und bleib hier. Komm in deinen Ferien hier her.“ Alle Besucher waren sehr glücklich, solch wertvolle Information erhalten zu haben, und mit Freude im Herzen verbeugten sie sich vor dem Meister und gingen.

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Kampf ist Wachstum

Als der Meister abends auf der Terrasse vor seinem Zimmer saß, kamen ein paar Ashrambewohner und nutzten die Gelegenheit, bestimmte Zweifel zu klären.
Der Sekretär, Vishnu Swamiji, brachte ein Problem zur Sprache: „Swamiji, wenn im Ashram etwas schief geht, sollen wir dich dann informieren und es korrigieren oder sollten wir es einfach ignorieren? Wenn wir versuchen, es zu korrigieren, verletzen wir oft die Gefühle des Übeltäters.“
Der Meister riet: „Versuche, die Situation durch intelligente und freundliche Mittel zu verbessern.“
„Aber diese Methode ist nicht immer praktizierbar“, entgegnete Vishnu Swamiji.
„In einem Ashram mit dreihundert Menschen besteht immer die Gefahr, dass Ärger oder Kampf entsteht“, bemerkte der Meister. „Kampf ist Wachstum! Aber man sollte taktvoll und freundlich sein. Wenn trotzdem die Gefühle von anderen verletzt werden, dann bete für sie.“

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Über Gewalt

K. N. Reddy fragte: „Dürfen wir Gewalt anwenden, um für Gerechtigkeit zu kämpfen?“ – „Niemals!“, antwortete der Meister.
„Manchmal ist Gewalt notwendig. Gewaltlosigkeit ist nicht überall möglich. Ist das wahr?“, fragte Vishnu Swamiji.
Darauf antwortete der Meister: „Sannyasins sollten niemals irgendeine Art von Gewalt anwenden. Haushälter jedoch dürfen sich dem widersetzen, um sich selbst zu schützen. Sie dürfen sich verteidigen. Sannyasins dagegen sollten sich niemals irgendeiner Art von Gewalt hingeben, weil sie schon nicht mehr ihr Körper sind. Während der Vraja-Homa-Zeremonie wird der Körper verbrannt.“

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Die Kraft der Liebe

Bhupendranath kam mit einem Problem zum Meister: „Die Gita sagt, man solle seine Pflichten erfüllen. Aber wenn man es tut, muss man manchmal mit seiner Familie oder seinen Freunden kämpfen, um seine Ziele zu erreichen.“
„Kämpfe nicht. Wenn du kämpfst, wirst du nichts gewinnen. Liebe! Durch Liebe allein wirst du alles bekommen. Liebe ist die größte Kraft auf Erden. Es ist die Liebe der Suchenden, die dem attributlosen Brahman eine Form gibt, mit der es sich der Welt zeigt. Eine aufrichtige Träne eines Aspiranten bringt Gott auf die Erde. Diese Träne sollte wirklich von Herzen kommen.“
Jemand bemerkte dann: „Manchmal opfert man zuviel im Namen der Liebe und merkt dann, dass man alles verloren hat. Wegen Ghandis Gewaltlosigkeit mussten viele Menschen leiden.“
Der Meister antwortete: „Es gibt keine wirkliche Liebe in der Welt; alles ist selbstsüchtige Liebe. Durch Ghandis Gewaltlosigkeit bist du nun frei.“

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Alle Klänge dulden

Während der Meister mit den Schülern sprach, kam unter großem Lärm ein Fahrzeug mit Lautsprechern auf dem Dach angefahren. Einer der Bewohner des Ashrams wollte schon dorthin eilen und den Fahrer bitten, in der Umgebung des Meisters keinen solchen Lärm zu verursachen.
Der Meister jedoch hielt ihn zurück und sagte: „Warum sollten wir sie zum Aufhören bewegen? Gut, sie verkaufen vielleicht Zigaretten. Lass sie doch verkaufen. Warum sollten wir sie anhalten? Das Welttheater muss weitergehen. Wir sollten uns darin zurückhalten und so weit wie möglich alle Klänge ertragen.“

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