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Goraksha Shataka

 

Vers 101: Advayatva

 

Im höchsten Zustand geht ein Kenner des Yoga aufgrund des Mittels dieser Leiter zur Befreiung, die wie ein Feuer im Schreckenswald der weltlichen Existenz ist, in die immerwährende Nichtdualität ein.


    भवभयवने वह्निर्मुक्तिसोपानमार्गतः |
    अद्वयत्वं व्रजेन्नित्यं योगवित्परमे पदे || १०१ ||


    bhava-bhaya-vane vahnir mukti-sopāna-mārgataḥ |
    advayatvaṃ vrajen nityaṃ yoga-vit parame pade || 101 ||

    bhava-bhaya-vane vahnir mukti-sopana-margatah |
    advayatvam vrajen nityam yoga-vit parame pade || 101 ||


Wort-für-Wort-Übersetzung

    bhava-bhaya-vane : im Schreckens-Wald (Bhaya-Vana) der weltlichen Existenz (Bhava)
    vahniḥ : (das wie) ein Feuer (ist, Vahni)
    mukti-sopāna-mārgataḥ : aufgrund des Mittels ("Weg", Marga) dieser Leiter (Sopana) zur Befreiung (Mukti)
    advayatvam : Nichtdualität ("Nicht-Zweiheit-Sein", Advayatva)
    vrajet : geht ein ("gelangt", vraj)
    nityam : in die immerwährende, ewige, eingeborene (Nitya)
    yoga-vit : ein Kenner des Yoga (Yogavid)
    parame : im höchsten (Parama)
    pade : Zustand ("Ort", Pada)

Anmerkungen: Mit diesem Vers endet das Goraksha Shataka. Der zweite Halbvers ist identisch mit dem des vorangehenden Verses (100) - er wiederholt refrainartig das Ziel des Hatha Yoga: das Erreichen des höchsten Zustandes (parame pade, d.h. Samadhi), und somit der Erfahrung der Nichtdualität (Advayatva), der immerwährenden Identität von "Selbst" (Atman) und Brahman, dem "Absoluten" (vgl. die Anm. zu Vers 100).

Der Ausdruck mukti-sopāna-mārgataḥ ist ein Anklang an Vers 2, wo das Goraksha Shataka als vimukti-sopānam, "eine Leiter (Sopana) für die Befreiung (Vimukti)" bezeichnet wurde.

In diesem Zusammenhang sind zwei Verse der Hatha Yoga Pradipika interessant (HYP 4.3-4), in denen sechzehn Synonyme für den höchsten Zustand des Yoga, der identisch mit der Befreiung (Moksha) aus dem Daseinswandel (Samsara) ist, aufgezählt werden:

    rāja-yogaḥ samādhiś ca unmanī ca manonmanī |
    amaratvaṃ layas tattvaṃ śūnyāśūnyaṃ paraṃ padam || 4.3 ||

    amanaskaṃ tathādvaitaṃ nirālambaṃ nirañjanam |
    jīvan-muktiś ca sahajā turyā cety eka-vācakāḥ || 4.4 ||

"Königlicher Yoga (Rajayoga), Versenkung (Samadhi), (der Zustand) jenseits des Geistes ('Selbstvergessenheit', Unmani), (der Zustand) des Geistes jenseits des Geistes (Manonmani), Unsterblichkeit/Göttlichkeit (Amaratva), Auflösung (Laya), Wahrheit/Realität ('So-sein', Tattva), leere Nichtleere (Shunyashunya), höchster Zustand (Para Pada), der geistlose (Zustand, Amanaska), Nichtzweiheit/Nichtdualität (Advaita), (der Zustand) ohne Stütze (Niralamba), der reine/unbefleckte (Zustand, Niranjana), Erlösung zu Lebzeiten (Jivanmukti), der) natürliche/angeborene (Zustand, Sahaja), und der vierte (Zustand, Turya) - so (lauten die Begriffe, die alle) ein und dasselbe bedeuten (Ekavachaka)." (HYP 4.3-4)

Im Yogasutra werden für diesen höchsten Zustand des Yoga neben Samadhi die Begriffe Nirbija Samadhi ("keimlose Versenkung"), Asamprajnata Samadhi ("nichterkenntnishafte Versenkung") und Kaivalya ("absolute Freiheit") gebraucht.

Aus der in der HYP 4.3-4 gegebenen Liste wird deutlich, dass Rajayoga, Samadhi und Jivanmukti allesamt den höchsten Zustand des Yoga bezeichnen, und das dieser auch im Hatha Yoga angestrebt wird. Bereits in den ersten drei Versen der Hatha Yoga Pradipika (HYP 1.1-3) wird darauf verwiesen, dass die Wissenschaft des Hatha Yoga ausschließlich zum Erreichen des Rajayoga genannten Bewusstseinszustandes gelehrt wird. Dies wird in weiteren 12 Versen immer wieder betont (HYP 1.70, 2.75-77, 3.126 sowie 4.4, 8, 77-80 und 103). Stellvertretend sei hier nur HYP 4.79 zitiert:

    rāja-yogam ajānantaḥ kevalaṃ haṭha-karmiṇaḥ |
    etān abhyāsino manye prayāsa-phala-varjitān || 4.79 ||

"Diejenigen, die den Zustand der meditativen Versenkung (Rajayoga) nicht kennen und lediglich Hatha(-Yoga) praktizieren, diese halte ich für welche, die den Erfolg (Phala) ihrer Bemühungen (Abhyasa) verfehlen." (HYP 4.79)

So ist das gesamte vierte Kapitel der Hatha Yoga Pradipika (114 Verse) und ebenso das siebte und letzte Kapitel der Gheranda Samhita (23 Verse) der Meditationspraxis gewidmet, deren Ziel das Erreichen des Zustandes des Samadhi bzw. Rajayoga ist. 

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