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Vers 40

Vinaiyoda Vidum KathirVel Maraven
Manaiyodu Thiyangi Mayangidavo
Sunaiyodu Aruvith Thuraiyodu Pasum
Thinaiyodu Ithanodu Thirindhavane


Den Karma vertreibenden, leuchtenden Vel werde ich nicht vergessen;
Werde ich verblüfft und getäuscht sein, durch dieses vergängliche Leben?
Zur Quelle, zum Wasserfall und durch die Hirsefelder, O Gott
der Du diesen gewandert bist, und auch zum Beobachtungspunkt?


„O Gott, der (bei der Suche nach Valli) über die (Berg-) Quelle, am Rand des Wasserfalls, die Hirsefelder und die Aussichtspunkte gewandert ist! Ich werde den leuchtenden Vel nicht vergessen, der die (Dunkelheit der) Karmas vertreibt. Werde ich durch dieses Leben des  Samsara verblüfft und getäuscht sein? (Nein, so kann es nicht sein!)“

Erklärung:

Dies ist ein einmaliger Vers, der die wahre Bedeutung und den wirklichen Ruhm des Vels erklärt. Der Vel ist nicht einfach die göttliche Waffe von Skanda, wie man ihn normalerweise wahrnimmt und sich darauf bezieht, sondern er ist selbst auch der höchste Gegenstand der Meditation, d.h. er ist mit dem Absoluten identisch. Fortgeschrittene Sadhakas wissen das. In seinem Buch Lord Shanmukha and His Worship sagt Sri Swami Sivanandaji: „Während der Aspirant in der Übung (der Meditation) voranschreitet, kann er schrittweise auf alles Drum und Dran verzichten und sich nur auf den Vel (den Speer) konzentrieren. Dieser Speer ist die wirkliche Svarupa (Natur) von Subrahmanya. Es repräsentiert Bewusstsein. Wenn alles andere vergeht, bleibt nur dies übrig... jemand der über diesen (Vel) als Bewusstsein meditiert, erreicht sicherlich das höchste Brahman, das Satchidananda ist.“

Im vorherigen Vers hallte die Sehnsucht der Seele nach Freiheit von den drei Eshanas wieder. Jetzt zeigt Arunagiri den Weg dies zu erreichen. Er besteht darin, beständig an den Vel zu denken, d. h. darüber zu meditieren. Was ist der Vel und was ist seine Macht? Genau wie die Sonne anstrengungslos Dunkelheit ver- treibt nur durch ihr Scheinen, vertreibt oder zerstört der Vel kraft seiner Wesens natur Karmas. Bezeichnenderweise nennt Arunagiri das Vel in diesem Vers „Kadir-Vel“ – den Vel, der von strahlendem Licht ist - während er ansonsten als Jnana-Vel, Vel der Weisheit bezeichnet wird.

Ich werde nicht den leuchtenden Vel vergessen, der Karma vertreibt, sagt Arunagiri. Der Vel symbolisiert reines Bewusstsein, welches das Selbst oder Brahman ist. Den Vel nicht zu vergessen bedeutet deshalb das Bemühen, sich im Bewusstsein des Selbst fest zu gründen, was natürlich alle Karmas vernichten wird. Die Ursache für Karmas, ob tugendhaft oder anderes, sind Wünsche. Von Wünschen angetrieben, handelt der Mensch.

Warum beschäftigt man sich mit Aktivitäten irgendeiner Art? Es ist der Wunsch, der einen zur Aktivität antreibt, um etwas zu bekommen, etwas zu erreichen, was man nicht hat. Warum gibt es Wünsche? Wegen der Unwissenheit über die wirkliche Natur der Dinge als auch über die eigene essentielle Natur. Zu denken, dass man der Körper oder der Geist ist und danach zu streben, Dinge zu besitzen und sie zu genießen, um Glück zu bekommen, geschieht aus Unwissenheit über die eigene essentielle Natur, das Selbst. Das Selbst, das man wirklich ist, ist unsterblich und ewig, Seligkeit und Frieden, Weisheit und unendliche Macht. Dies nicht zu vergessen, d.h. in dieser Bewusstheit verwurzelt zu sein, löst die Unwissenheit auf. Dieses Selbst ist der Vel, der die Unwissenheit zerstören kann, so wie die Sonne die Dunkelheit entfernt. Wenn Unwissenheit so durch ein Bewusstsein des Selbst bzw. des Vel schwindet, hören die Wünsche auf und mit ihnen auch das Karma.

Unwissenheit ist kein wirkliches Ding, so wenig wie Dunkelheit; sie ist nur die Abwesenheit von Weisheit, genau wie Dunkelheit nur die Abwesenheit von Licht ist. Wenn das Licht kommt, vergeht die Dunkelheit automatisch und es braucht keine Anstrengung, um sie zu vertreiben. Genauso vergeht die Unwissen heit, wenn Weisheit dämmert, wenn man dauerhaft das Bewusstsein des Selbst aufrecht erhält. Um also die Kette des Karmas zu durchbrechen, welche die Wirkung von Wünschen und Unwissenheit ist (Avidya, Kama und Karma, die drei Knoten des Herzens, die die Seele an die phänomenale Existenz binden), ist das Nichtvergessen des Vel, d. h. das Bewusstsein der eigenen wahren Natur das einzige Mittel. Wenn das Denkprinzip im Menschen, das letztendlich das Bewusstsein selbst ist, an den Vel, reines Bewusstsein, denkt, also an sich selbst, wird es von seinen Verbindungen mit dem Geist und den Sinnen getrennt und sofort hören diese auf zu funktionieren, so wie eine riesige Maschine zum Stillstand kommt, wenn ihr der Strom abgedreht wird. Dann setzt das Bewusstsein, das im Bewusstsein ruht, den Karmas sofort ein Ende. Arunagiri sagt deshalb: „Niemals will ich den strahlenden Vel vergessen, der Karmas vertreibt. Darum werde ich niemals mehr dem Samsara unterworfen sein.“

Ständige Erinnerung an den Vel, was heißt zu versuchen, im Bewusstsein des Selbst fest verwurzelt zu sein, befreit einen von den Fesseln des Karma und von den Auswirkungen von Samsara. Hier erreicht die Meditation ihren Zenit und Höhepunkt, wenn die Meditation auf das Absolute oder Satchidananda als reines Bewusstsein – den Vel – gerichtet ist.

Was geschieht nun mit dem physischen Leben, wenn man so versucht im Bewusstsein der Allgegenwart des Selbst, in der unaufhörlichen Erinnerung an den Vel verwurzelt zu sein? Die Welt ist weiterhin da, aber nicht wie vorher. Für so einen Menschen mag es scheinen, als sei die Welt da, und es mag auch scheinen, als unterliege er der Unbeständigkeit des Lebens. Aber für ihn ist das alles nur ein Scherz, ein Spiel. Genauso wie Maya Gott nicht bindet, bindet diesen Menschen der Kreislauf von Geburt und Tod nicht. Nichts betrifft ihn mehr. Er mag seine Aktivitäten wie vorher fortführen, scheinbar auf die gleiche Weise; aber, wegen seines besonderen Bewusstseins, macht er alles ohne davon betroffen zu sein, ohne Täuschung oder Aufregung, da er sich immer der unveränderlichen Wirklichkeit bewusst ist, in der er versucht, verwurzelt zu sein.

Wie schön dies doch Arunagiri in diesem Vers zum Ausdruck bringt, wenn er sagt, dass Skanda sich auf die Suche nach Valli Devi in den Hirsefeldern usw. machte. Valli stand meist auf einer erhöhten Plattform in den Hirsefeldern und verscheuchte die Vögel, die das Korn aufpicken wollten. Manchmal ging sie zu der Bergquelle in der Nähe, um Wasser zu trinken oder zu einem Wasserfall in der Nähe für ein Bad. Das war tagsüber; und vor Sonnenuntergang ging sie nach Hause in das nahegelegene Dorf.

Skanda wusste dies alles. Aber, so sagt Arunagiri, er ging dennoch abends zu diesen Plätzen, um sie zu suchen, nachdem sie schon nach Hause gegangen war. Wenn er dies wusste, warum suchte er sie dann? Es war ein Vergnügen für ihn, ein Lila, ein Akt der Gnade! Nicht nur das; er war nicht enttäuscht, weil er sie nicht traf, denn er wusste schon vorher, dass sie nicht da sein würde; andererseits war es Ihm eine Freude, nach ihr zu suchen. Bei der Suche nach Valli handelte Skanda äußerlich wie jeder Liebende, der seine Geliebte sucht, aber seine innere Einstellung war völlig anders, was den ganzen Unterschied ausmacht. Genauso handelt jemand, der versucht, im Bewusstsein der Allgegenwart Gottes gefestigt zu sein, so wie jeder andere und es scheint, als würde er leiden und sei an das Samsara gebunden, aber es ist alles bedeutungslos für ihn. Er weiß, dass das Selbst die einzige Wirklichkeit und die Welt ohne Essenz ist. Nichts erschüttert ihn mehr, genauso wie Gott nicht enttäuscht war.

Aber wie wäre es bei einem gewöhnlichen Menschen, der seine Geliebte nicht sehen kann? Wie aufgeregt und enttäuscht wäre er? Es würde ihm scheinen, als ob das Leben jede Bedeutung verlieren würde. Man könnte auch sagen, dass Arunagiri hier indirekt auf das Leiden hinweist, das die armen weltlichen Menschen erleiden, die so sehr an ihre Partner verhaftet sind. Auf der Suche nach ihren Geliebten laufen sie hier- und dorthin, selbst an unmöglichsten Orten suchen sie, in der vergeblichen Hoffnung, sie kurz zu sehen.

Die schlimme Misere der Menschen, die noch in den Fesseln der Karmas sind und von sexueller Anziehung in Unruhe versetzt werden und der immer freie Zustand derjenigen, die im Gottesbewusstsein verwurzelt sind und für die alles ein reines Spiel ist, werden beide von Arunagiri auf einen Streich schön dargestellt. „O Gott, für den all dieses phänomenale Leben ein Lila, ein göttliches Spiel ist! Niemals werde ich den Vel der Weisheit vergessen. Die Karmas können mich nicht mehr berühren. Samsara kann mir nichts mehr bedeuten. Ich versuche in meinem eigenen Selbst zu ruhen“, erfreut sich der Heilige.

„Manai“ bedeutet Haus, d.h. ein Wohnort. Menschen, als Körper, leben in Häusern. Ein Haus hat verschiedene Teile, wie den Eingangsbereich im vorderen Teil, das Wohnzimmer, das Schlafzimmer, die Küche, das Esszimmer, den Hinterhof, den Garten mit Bäumen und Brunnen usw. – alle innerhalb der Grundstücksmauer. Egal wo man sich im Haus befindet, ist man immer noch innerhalb der Grenzen des Hauses. Dies gilt für den Körper. Aber das „Manai“, Haus, für die Seele, den Jiva, ist der gesamte Bereich der Maya, der, wie wir im vorherigen Vers gesehen haben, die sieben großen Geburten umfasst, besonders die sieben höheren Erfahrungsregionen.

In der Meditation kann der Jiva die Erfahrung verschiedener Regionen haben. Aber in jeder Region ist sie immer noch innerhalb der Grenzen von Maya. Die ganze Schöpfung, die von Maya projiziert wird, ist das „Manai“, der Wohnort der Seele, den sie überschreiten muss, um Gott zu erlangen. Dies geschieht durch Meditation über den Vel, das Selbst. Wenn die Seele auf das Vel-Bewusstsein, das Bewusstsein Brahmans eingestimmt ist, wird Maya sofort transzendiert, nicht, indem man räumlich irgendwo anders hingeht, sondern indem sich die Seele hier und jetzt im Brahmanbewusstsein verliert.

In diesem Vers ist die Seele nicht vollständig im Brahman-Bewusstsein gefestigt, sondern versucht sich durch stetige Meditation darin zu festigen. Schon dies gibt ihr die Überzeugung, dass sie jenseits der Begrenzungen von Maya gehen wird und lässt sie sagen: „Werde ich durch die verschiedenen Bereiche der Maya („Manai“) gefangen oder getäuscht, wenn meine Meditation über Brahman unaufhörlich ist? Nein, die Welt der Erscheinungen kann mich nicht beeinflussen.“

Dieser Vers scheint auch ein Gebet an Gott zu beinhalten, er möge kommen und uns segnen. Valli war einpünktig nur Gott hingegeben, aber sie musste trotzdem bei ihren Eltern und Verwandten („Manai“, Haus) leben. Als ihre Hingabe und die Zeit sie zu segnen reif war, machte sich Gott selbst auf die Suche nach ihr und nahm sie an. So scheint Arunagiri Gott daran zu erinnern und Seine Gnade anzurufen, indem er sagt: „Ich meditiere ununterbrochen über den Vel; ich bin jedoch immer noch in diesem Leben („Manai“) gefangen, genau wie Valli. O Gott, so wie Du aus freien Stücken zu Valli gegangen bist und sie angenommen hast, geruhe freundlicherweise zu kommen und mich zu segnen, d.h. Dich mir zu offenbaren, so dass ich von dieser Phänomenalität befreit werde.“

Von diesem Vers an führt uns Arunagiri zum Höhepunkt seiner Gotteserfahrung, die er in Vers 43 beschreibt. Da wir uns dem nähern, nimmt auch das Tempo zu. Die Verse 40, 41 und 42 sind von besonderer Art, sehr kühne Behauptungen und gewähren intime Einblicke auf den Gemütszustand, der der großartigen Erfahrung direkt vorangeht.

Der Vel ist auf mysteriöse Weise mächtig. Wer sich an den Vel erinnert, ist von allen Karmas befreit, ist siegreich in all seinen Unternehmungen und erstrahlt in Weisheit. Der Vel ist Stärke. Der Vel ist Macht. Der Vel ist Stütze. Der Vel ist Weisheit. Der Vel ist das Selbst. Der Vel ist das Absolute, Sein- Wissen-Glückseligkeit, Satchidananda. Der Vel und der Träger des Vels (Skanda) sind eins.

*

Um Maya, von der die drei Eshanas untrennbar sind, zu transzendieren, praktiziert der Sadhaka jetzt intensive Meditation über den Vel, das Selbst, reines Bewusstsein; d. h. er setzt das „Aham Brahma Asmi“ Upadesa in die Praxis um, welches er bei seiner Sannyasa-Weihe erhalten hat (Vers 37). So wie Buddha unter dem Bodhibaum saß, mit dem festen Entschluss nicht aufzustehen, bis die Erleuchtung käme oder der Körper vergehen würde, so ist der Sadhaka jetzt fest entschlossen, die göttliche Erfahrung zu erreichen. Dies gibt ihm höchstes Vertrauen, dass Samsara, das Spiel der Maya, ihn nicht beeinflussen kann. Das physische Leben sieht für ihn vom Standpunkt des Vel oder Atman-Bewusstseins aus wie ein Traum und erscheint ihm wie ein reines Spiel, genauso wie es ein Lila für Gott war, Valli in den Hirsefeldern und an anderen Orten zu suchen.

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