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Prinzessin Vidyavati

Prinzessin Vidyavati wurde zur Herrscherin über das Königreich Magadha als sie gerade achtzehn Jahre alt war. Sie war eine sehr fromme und gebildete junge Dame, denn sie hatte die Gita, Upanishaden, Brahma Sutras (Sammlung von Aphorismen) und die sechs Schulen der Philosophie studiert. Sie hatte Unterscheidungsvermögen und war wunschlos glücklich. Ihre Zeit verbrachte sie in Meditation und mit dem Studium der Upanishaden. Sie weigerte sich jedoch zu heiraten, obwohl ihre Eltern und Verwandten sie mehrfach dazu drängten. Als Herrscherin jedoch und auch Politikerin war sie so fähig wie Königin Chudalai. Prinzessin Vidyavati praktizierte regelmäßig intensiv Tapas (reinigende Handlungen, Askese) und Sadhana und war eine selbstverwirklichte Seele. Täglich unterrichtete sie auch nachmittags von 2 bis 4 Uhr Vedanta (wörtl. „das Ende des Wissens“, eines der 6 indischen Philosophiesysteme). Viele Pandits (Gelehrte) und Studenten besuchten ihren Unterricht und auf wundersame Weise beseitigte sie in ihren Lehrstunden die Zweifel aller.

Ein armer Brahmane (Mitglied des Priester- und Gelehrtenstandes) kam ebenfalls regelmäßig in ihrem Unterricht. Meist kam er eine halbe Stunde früher und verließ den Ort nach allen anderen. Er setzte sich auch immer in die Nähe der Prinzessin. Daher nahmen die Leute an, dieser Brahmanenpriester sei besonders an Vedanta interessiert. Eines Tages folgte der Brahmanenpriester nach dem Unterricht der Prinzessin schweigend zum Palast. Die Prinzessin bemerkte ihn erst, als sie den Palast erreicht hatte. Sie empfing ihn herzlich, bat ihn sich zu setzen und erkundigte sich: „Mein Herr, wie ich kann ich dir dienen?“ Der Brahmane antwortete: „Du bist die schönste Frau der Welt. Ich bin von deiner Schönheit bezaubert. Ich hege den innigen Wunsch dich zu heiraten.“ Die Prinzessin antwortete: „Ich bin entzückt deinen Wunsch zu erfahren. Ich werde dir deinen Wunsch erfüllen.“ Der Brahmane war hoch erfreut, als die Prinzessin ihm seinen Wunsch gewähren wollte und fragte: „Wirst du den Tag für unsere Hochzeit festlegen?“

Die Prinzessin gab zur Antwort: „Welchen Tag du magst.“ Der Brahmane war glücklich: „Morgen ist ein günstiger Tag. Darf ich kommen?“, und die Prinzessin erwiederte: „Ich bitte darum.“ Nun sah der Brahmane sich am Ziel seiner Wünsche: „Wann soll ich kommen?“ Hierauf antwortete die Prinzessin: „Du kannst um 2 Uhr nachmittags kommen.“ Nun sagte der Brahmane: „Ich bin dir sehr dankbar. Ich bin der glücklichste Mensch der Welt. Ich werde für die Hochzeit vorbereitet sein. Gib dem Mann am Tor bitte Anweisung, dass er mich mit meinen Sachen hineinlässt. Ich werde alles was für die Hochzeit notwendig ist mitbringen.“ In Gegenwart des Brahmanen rief die Prinzessin ihre Männer und gab die Anweisung, die Hochzeit zu verkünden und dem Torhüter gab sie die Weisung, ihn am nächsten Tag um 2 Uhr zu ihr zu lassen. Alle Verwandten und Offiziere waren fassungslos. Sie waren entsetzt und betrübt, dass die Prinzessin einen armen Brahmanenpriester heiraten würde. Der Brahmane verließ den Palast und ging sofort zu einem Geldverleiher und lieh sich eine große Summe zu einem hohen Zins. Er kaufte seidene Saris (indische Frauenkleidung), ein Bett, Kissen und andere Dinge und verbrachte eine ruhelose Nacht. Am nächsten Tag kleidete er sich in seidene Kleider und einen seidenen Turban, dann ging er mit all seinen Sachen zum Palast.

Der Torhüter ließ ihn unverzüglich hinein. Er ging in den Raum in dem Vidyavati ihren Vortrag über Vedanta hielt. Er verbeugte sich vor ihr und nahm in königlicher Haltung seinen Platz ein. Während die Prinzessin einen wichtigen Punkt der Vedanta besprach, unterbrach er sie und sagte: „Ich habe alle nötigen Dinge gebracht. Soll ich alles fertig machen?“ Die Prinzessin antwortete ruhig: „Oh ja, tu das. Ich werde gleich soweit sein.“ Schon bald hatte der Brahmane die Liege gerichtet und unterbrach wieder mit den Worten: „Es wird spät. Zeit ist kostbar. Du hast die Hochzeit auf heute 2 Uhr festegesetzt. Hast du das vergessen? Genug nun mit deiner Vedanta. Halte dein Versprechen.“ Prinzessin Vidyavati war die Verkörperung der Geduld. Nichts konnte sie aus der Ruhe bringen. Sie blieb immer zu allen Zeiten und unter allen Umständen gelassen und ausgeglichen, da sie in ihrer eigenen göttlichen Natur ruhte. Sie antwortete: „Ja, ich werde mich erst um dich kümmern und dann den Unterricht fortsetzen.“ Sie unterbrach ihren Vortrag und nahm Platz auf der Liege, die neben ihr auf dem Podium hergerichtet war. Sie sagte: „Mein Herr, ich bin nun bereit für die Hochzeit. Komm und setze dich an meine Seite.“ Der Brahmane sagte: „Du bist ein unschuldiges Mädchen. Du weißt nichts von weltlichen Dingen. Dies ist etwas sehr persönliches, was nicht in Gegenwart anderer getan wird. Bitte deine Diener, sie mögen die Liege in einen anderen Raum bringen.“ Die Prinzessin antwortete: „Kümmere dich nicht um die Öffentlichkeit. Komm und nimm hier Platz. Ich kann keine Zeit verschwenden. Viele warten darauf, dass der Unterricht fortgesetzt wird. Ich muss ihn beenden.“

Der Brahmane wurde sehr nervös. Er zitterte vor ihr. Er sprach kein Wort. Da stand die Prinzessin wieder von der Liege auf und sprach zu ihm: „Du bist ein Brahmane. Ich bin eine Kshatriya- (Angehöriger der Kriegerkaste) Frau. Du hast unter dem Einfluss der Leidenschaft deinen Verstand verloren und nun versuchst du etwas, das außerhalb deiner Reichweite liegt zu erhalten. Ist das eine tugendhafte Handlung für einen Brahmanenpriester? Du möchtest eine schlechte Tat heimlich tun. Du brauchst die Öffentlichkeit nicht zu fürchten, wenn du eine ehrbare Handlung offen tust. Schon der Gedanke, dass du etwas heimlich tun willst, zeigt, dass du versuchst etwas zu tun, das nicht rechtens und nicht anständig ist. Alles was heimlich erfolgt ist eine Sünde. Auch wenn du bestimmte Dinge heimlich tust, ohne dass die Öffentlichkeit davon weiß, kannst du sie doch nicht vor Gott verstecken, der in deinem Herzen wohnt. Er sieht alle deine Taten. Er kennt deine innersten Gedanken und Beweggründe. Ihn kannst du nicht betrügen, auch wenn du glaubst, du kannst die Öffentlichkeit betrügen. Wenn du andere betrügst, betrügst du letztendlich nur dich selbst.

Es gibt nichts außer dem einen Selbst. Alles ist in der Tat das einzige Selbst oder Brahman. Es gibt keine Vielfalt. Das ist die nachdrückliche Aussage der Weisen, die das Selbst verwirklicht haben. Versuche dich niemals an üblen Taten. Denn es ist dein Verderb, wenn du es tust. Der Ehemann soll auch immer weiser und mächtiger sein, als die Frau, die er wählt. Er soll ihr in jeder Hinsicht überlegen sein. Nur dann kann er ein friedliches Familienleben führen. Du zitterst vor mir. Du hast keine Kraft vor mir zu stehen. Du sitzt zu meinen Füßen, wenn ich dir einen gleichberechtigten Sitz anbiete. Du sprichst zu mir in einer leisen, bettelnden Stimme. Bist du der rechte Mann für eine Ehe mit mir? Du bist über fünfzig. Du hast viele Zähne verloren. Dein Haar ist grau. Dennoch hat dich die Leidenschaft nicht verlassen. Du möchtest eine junge Frau einer anderen Kaste heiraten.

Als Brahmanenpriester solltest du leidenschaftslos sein, du solltest über Unterscheidungsvermögen, Ruhe und Sinneskontrolle verfügen. In deinem Alter solltest du meditieren. Ist es deinerseits angebracht, dass du dich so benimmst? Ich finde, du bist von Leidenschaft überwältigt. Du hast kein Unterscheidungsvermögen. Du hast die Herrlichkeit eines keuschen Lebens nicht erkannt. Du läufst hinter dem schmutzigen, vergänglichen Körper eines Weibes her, um deine Sinne zu befriedigen und ein vorübergehendes Vergnügen zu genießen. Du hast die Quelle der Schönheit, die in den Kammern deines Herzens verborgen ist, vergessen. Du hast nicht versucht, das unsterbliche Wesen, das dir ewigen Frieden und immer währende Wonne gibt, zu erreichen. Du kannst den höchsten Platz nur erreichen, wenn du ein tugendhaftes Leben führst und auf dem Pfad der Wahrheit wandelst. Obwohl du monatelang an meinem Unterrichtteilgenommen hast, hast du nichts gelernt. Du hast keinerlei spirituelle Praxis geübt. Töte diesen Dämon der Lust, indem du Brahmacharya (Enthaltsamkeit) übst und regelmäßig meditierst. Erkenne dein wahres Selbst und sei frei. Ich werde dich aus dem Sumpf der Weltlichkeit erheben.“

Nun überdachte der Brahmanenpriester die Sache ernsthaft. Er kam zu Vernunft. Er erkannte seine Torheit und bereute sein törichtes Handeln. Er warf sich Vidyavati vor die Füße und flehte sie an, ihn in die Geheimnisse von Kaivalya (transzendentaler Zustand absoluter Unabhängigkeit) einzuweihen. Er gab sich ganz in ihre Hand und nahm sie als seinen Guru. Er folgte blind ihren Anweisungen und tat strenge Buße. Er zügelte seine Sinne und entwickelte göttliche Eigenschaften. Schließlich erreichte er das Ziel seines Lebens – die unendliche Glückseligkeit.

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