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Yoga als eine universale Wissenschaft

  Kapitel 14:

  Konzentration - ihre Bedeutung und ihr Wert

Sva-vishayasamprayoge chitta-svarupanukara ivendriyanam pratyaharah: Das ist die Definition von Pratyahara in einer Sutra von Patanjali. Wenn die Sinne sich von ihren Objekten wieder gelöst und ihrer eigentlichen Natur untergeordnet haben, und wenn die Sinne eine Einheit mit der Psyche bilden, dann kann man von Pratyahara oder einem Versenken der Sinne sprechen. Die Sinne bewegen sich nicht nur zu den Objekten hin, sondern sie identifizieren sich auch mit ihnen, ordnen sich ihnen unter und nehmen die Natur der Objekte an, wobei sie im selben Augenblick ihre eigene Identität verlieren. Das Subjekt wird mit allen Konsequenzen zum Objekt. Pratyahara ist die Umkehrung dieses Prozesses, indem man sich unvermittelt von der falschen Identifikation abwendet und zu seiner eigenen, für diese Zeitepoche gültigen Geistesexistenz zurückkehrt. Pratyahara ist der 'gegenläufige Prozeß'.

"Yada panchavatishtante jnanani manasa saha, buddhischa na vicheshtati tamahuh paramam gatim", steht in der Kathopanishad geschrieben. Die fünf Sinne und der Intellekt sind mit dem Geist standfest vereint, der Intellekt ruht still, und es besteht eine Festigkeit in der gesamten Psyche, wie eine Flamme, die an einem windstillen Ort, nicht flackert - dies ist das Ziel der großen Natur von Pratyahara.

Die Natur von Samsara und die Arbeitsweise von Maya

Die individuelle Persönlichkeit wird durch die Sinneswahrnehmungen und Kontakte abgelenkt und geschwächt und verbraucht dadurch Energie. Wenn wir unseren Besitz zwischen verschiedenen Personen aufteilen, vermindert sich unser Besitz, oder aber, wenn wir unseren Besitz an verschiedene Menschen verleihen, bleibt uns nur ein kleiner Prozentsatz. Unsere wirtschaftliche Kraft hat sich verringert, da wir all unser Geld oder all unseren Besitz an andere verliehen haben. Doch angenommen wir bekommen das Geld oder den Besitz zurück, dann gewinnen wir unseren ursprünglichen Status und unsere wirtschaftliche Kraft zurück. Etwas ähnliches geschieht manchmal, wenn wir Objekte durch unseren Geist und unsere Sinne wahrnehmen. Wir verlieren uns in unendlicher Ablenkung der Sinneswahrnehmung. Wenn wir uns zu sehr an die Dinge der Welt, angetrieben durch die Macht der Wünsche, die durch die Sinne wirken, binden, verlieren wir unsere eigene Persönlichkeit. Der Mensch verliert seine Identität und gewinnt die Form seiner Bindung. Das ganze Prinzip des Yoga liegt darin, zum eigenen Bewußtsein der Purusha zurückkehren. Je mehr sich die Purusha in Verstrickung, hin zu den Objekten oder den Formen der äußerlichen Prakriti begibt, desto mehr erscheint sie als Prakriti, wobei die Purusha die Charakteristik der Prakriti in sich aufsaugt. Die Purusha wird zur Prakriti. Das Subjekt wird zum Objekt. Was kann es schlimmeres geben? Doch dieses ist das Wesen der sogenannten Samsara, der Verwirrung oder der Bewegung des Selbst weg von sich selbst, hin zu dem, was es nicht ist. Wie kann man zu etwas werden, was man nicht ist? Es ist logisch ein unhaltbarer Zustand, doch genau dieses geschieht. Darum nennen wir es Maya, eine Art trügerischer Handlung, die sich vor uns auftut, eine Erscheinung, die eigentlich überhaupt nicht stattfinden kann. Und doch geschieht es irgendwie. Die ganze Sache ist ein Mysterium. Dieses Mysterium wird Maya genannt. Wie kann das Subjekt zum Objekt werden? Wie kann Purusha zur Prakriti werden? Wie kann Bewußtsein zu einer Sache werden? Wie kann jemand zu einem anderen Menschen werden? Doch genau dieses geschieht. Dieses sollte nicht sein. Und es ist das große Yoga (von Patanjali oder anderen), was die große Kunst der Rückkehr der Purusha - über die verschiedenen Stufen der Verwicklung in der Prakriti - zu sich selbst, beinhaltet.

Wenn der Geist sehr stark aufgerüttelt und aus irgendeinem Grund abgelenkt ist, ist es für jedermann schwierig, sich in Unterscheidung zu üben. Wenn die Gefühle in Wallung sind, geht der Verstand fehl. Und wer dann glaubt, daß der Verstand in Übungslaune ist, rennt gegen eine ‘Betonwand’! Es funktioniert nicht, denn die Gefühle geraten außer Kontrolle, wenn der Verstand nicht klar denken kann. Wenn man dem Verstand dann sagt: "Übe Verstand", so ist es doch nicht möglich. Um jedoch in dieser Situation, wo der Geist durch die Gefühle abgelenkt ist, nicht zu resignieren, wird von Patanjali unter vielerlei Techniken, die zur Auswahl stehen, eine Art von Kumbhaka angeboten. Wir haben bereits kennengelernt, was Kumbhaka ist und was Patanjali unter Pranayama versteht. Es gibt eine besondere Sutra, wo er uns offensichtlich mitteilt, daß die ‘Ablenkung’ des Geistes vorübergehend durch ‘Atem verhalten’ nach der Ausatmung kontrolliert werden kann, obwohl dies weder gegen die geistige Überaktivität hilft noch eine wirkliche Problemlösung darstellt, - Pracchardana-vidharanabhyam va pranasya. Nach einer tiefen Ausatmung mit anschließendem ‘Atem verhalten’ kann die Überaktivität der Geistes gemindert werden, - eine Übung, die man jeder Zeit im täglichen Leben ausprobieren kann. Wenn der Atem nach einer tiefen Ausatmung angehalten wird, stellt der Geist für wenige Sekunden das Denken ein. Die Spannungen werden natürlich nicht aufgelöst, sondern nur zeitweilig außer Kraft gesetzt. Das weitere Anwachsen der Gedankenbewegungen wurde so unterbrochen, als würde ein wildes Tier durch das Anlegen eines Zügels in seiner Aktivität eingeschränkt, obwohl die Wildheit des Tieres nicht durch die Kontrolle behoben wurde. Patanjali gibt mit dieser Sutra keine Medizin gegen diese Krankheit der massiven Bindung des Geistes, doch stellt er damit einen Vorschlag in den Raum, den Geist in seiner Überaktivität zu stoppen und vor weiterer ‘Drehbewegung’ mit ansteigender Geschwindigkeit zu bewahren.

Jede Art von Kumbhaka ist eine Hilfe bei der Geisteskontrolle, denn das ‘Atem verhalten’ hat einen direkten Einfluß auf die Arbeitsweise des Geistes. Prana und Geist sind untrennbar miteinander verbunden. Darum wird in den Yoga Sastras so viel Wert auf Pranayama gelegt. Wenn wir, wie bereits früher erwähnt, versuchen, uns auf ein wichtiges Thema oder auf eine Handlung zu konzentrieren, halten wir unbewußt in der Atmung inne, - denn Prana und Atmung bewegen sich meistens gemeinsam, und sie agieren wie Geschwister. Der eine Teil bildet die Kraft des inneren Mechanismus, und der andere Teil ist dessen äußere Anwendung in Richtung auf die äußeren Objekte. Wir haben bereits beobachtet, daß die Kontrolle der Sinne nicht übertrieben werden sollte. Der ganze Yoga ist ein Erziehungsprozeß; und die Erziehung des Geistes sollte schrittweise und nicht forciert erfolgen. Es ist ein Wachstum des Geistes in einen Gesundheitszustand und letztendlich in eine Perfektion hinein. Darum muß dem impulsiv arbeitenden Geist, der durch das Prana und die Sinne wirkt, durch das Verstehen und Anwenden anderer Methoden, wie dem Studium der Schriften und dem Zusammenleben mit einer Gruppe in angenehmer Atmosphäre, was mit unnötigen Ablenkungen vergleichbar ist, größte Aufmerksamkeit geschenkt werden.

Nimm Viveka zu Hilfe

Es gibt Dinge in dieser Welt, die nicht unbedingt wichtig sind, und es gibt wiederum Dinge, die unvermeidlich sind. Die unvermeidlichen Dinge verfolgen uns auf Schritt und Tritt. Es sollte den spirituellen Sucher jedoch nicht schwer fallen, sich von unnötigen Dingen zu befreien. Doch das wichtigste ist herauszufinden, was wichtig und was unwichtig im Leben ist. Dies ist nicht einfach, auch wenn es so aussieht, denn der Geist ist sehr trickreich und schlau, und er versteht es, sein Verlangen zu manipulieren. Jeder Wunsch, jedes Verlangen und jede Leidenschaft scheint wichtig, wenn sie die Oberhand gewinnt. Doch Viveka Shakti oder die richtig angewendete Unterscheidungskraft sagt uns, was wirklich wesentlich und nicht vermeidbar ist. Jene Dinge, die indirekt mit unserer Yogapraxis verbunden sind und unsere minimalen Lebensbedürfnisse in der Welt, sind unvermeidlich. Wir können ohne sie nicht existieren. Oder sie sind gesellschaftlich, körperlich oder psychologisch notwendig, um uns in der derzeitigen Lage und in unserer Yogapraxis behilflich zu sein, obwohl dieselben Dinge zukünftig bedeutungslos sein können. Dies kann einen Wintermantel betreffen, den wir nicht immer benötigen. Bestimmte Dinge sind unter bestimmten Bedingungen erforderlich, doch sie müssen nicht immer notwendig sein. Und wir sollten deshalb nicht an ihnen verhaftet sein. Häufig können wir nicht zwischen Luxus und Notwendigkeit unterscheiden. Aller Luxus scheint aufgrund der seltsamen Neigung des Geistes, der voll von Gier oder Begierde in unterschiedlicher Form ist, notwendig zu sein. Darum kommen wir auf den Punkt einer guten Führung im Yoga zurück. Denn ohne solch eine Führung oder einen Guru, weiß der unreife Mensch nicht, was Luxus bedeutet und was als notwendig geboten erscheint; und er erkennt nicht, wohin er gezogen bzw. daß er falsch geführt wurde, und daß er mit falschen Anweisungen auf einem nur scheinbar ’richtigen’ Pfad wandelt.

Lebendiges Vertrauen in die Existenz Gottes und in Seine Fähigkeit zu helfen

Wenn sich im Anfangsstadium der Yogapraxis ein aufrichtiger Sucher in seinem geistigen Frieden gestört fühlt, ist es für ihn unter Berücksichtigung seiner Lebensumstände notwendig, ein anderes Umfeld zu suchen. Manchmal ist dies einfach. Wenn man beispielsweise von seinem Chef schikaniert wird, wird man gern seinen Arbeitsplatz wechseln. Dies ist nicht schwer. Doch durch den Arbeitsplatzwechsel kann man leicht vom Regen in die Traufe kommen. Durch den Wechsel kann man etwas erreichen, doch man gibt auch etwas auf. Beispiele dieser Art gibt es in rauhen Mengen. Wir können die Luft nicht in feste Bestandteile zerschneiden. Alles ist miteinander verbunden und voneinander abhängig. Und obwohl sich die Wogen ‘eines Ozeans’ wieder geglättet haben, scheint es oft so, daß wir dennoch kein Bad nehmen können. Darum sagt uns diese Anweisung im weitesten Sinne, daß wir uns von den Dingen, die uns ablenken und ein Unwohlsein hervorrufen, Spannungen und soziale Konflikte erzeugen, entfernen sollten. Dies ist eine sehr gute Ermahnung der Älteren. Obwohl es schwer scheint danach zu leben, sollten wir diesen Rat sehr ernst nehmen, denn das Leben verläuft nicht immer gradlinig, sondern im Zickzack und auf unsichtbaren Pfaden, mit Hochs und Tiefs und entgegen unseren Vorstellungen. Das Leben ist schwierig und nicht nur ein Honig schlecken. Doch kann man sagen, daß Aufrichtigkeit im Herzen, ein ernsthaftes Verlangen nach höherer Vollkommenheit im Leben, Liebe zu Gott seine eigene Wirkung im Gegensatz zu allem Tumult im Leben zeigen. Aufrichtigkeit gibt immer etwas zurück und läßt niemals leiden. Wenn man mit ganzem Herzen bei der ehrenwerten Yogapraxis ist, - diesem feinen Streben im Yoga, - werden wir aus allen Teilen der Welt gesegnet, von den Engeln im Himmel, - ja, sogar von Gott selbst.

Der Geist des Menschen ist so tief in die Sinnesobjekte verstrickt, daß er selbst nicht mehr in der Lage ist, ein Vertrauen zur notwendigen Hilfestellung durch die Existenz Gottes und in die Fähigkeiten der Engel zu entwickeln. Die ganze Welt ist wie ein Freund und eine wundervolle Organisation aus Mitleid und dankbaren Kräften. Ein guter Mensch leidet niemals, obwohl oft behauptet wird, daß nur er leiden würde. Es sieht zwar so aus, doch ist es nicht so. Anfangs scheint es, als ob es ein blühendes Übel in der Welt gäbe. In der Ausdehnung der Ewigkeit sind diese wenigen Jahre des Leids wie ein Bruchteil einer Sekunde. Es sieht so aus, als würden wir aus einer Mücke einen Elefanten machen, und als würde aus einer kleinen Sorge, die sich als kraftvolle Natur auf uns herabgesenkt hat, eine wirkliche Hölle. All unser Leid ist im weitesten Sinne ein Echo dessen, was wir in der Vergangenheit getan haben. Darum sollten wir uns wegen dieser kleinen Sorgen nicht gleich unterkriegen lassen. Wir sollten immer daran denken, daß dies Prozesse der Reinigung sind, und daß dieser Zustand sich wieder ändern wird. Letztendlich ist die Welt sehr gerecht und das universale Gesetz ist ausnahmslos freundlich.

Aus diesem Grunde erwähnt Patanjali irgendwo, daß es am besten sei, den Geist zu trainieren, in dem die Vrittis durch Kontemplation auf Ishvara, Japa oder Mantra mit einem inneren Bezug zur göttlichen Existenz kontrolliert werden - Tajjapas tad-artha-bhavanam. Doch neben dieser inneren Kontaktaufnahme des spiritueller Suchers mit den höheren Mächten der Natur, ist eine permanente Beobachtung des Suchers durch einen Guru notwendig. Wenn wir versuchen auf eigenen Beinen zu stehen, kann sich unser Intellekt eines Tages verirren, denn die Welt ist für ein kleines Individuum zu groß.

Die Begegnung mit den Naturkräften

Die Naturkräfte sind zu unverständlich und zu unglaublich unermeßlich, um ihnen als kleines Individuum standhalten zu können. Um dieser Natur erfolgreich zu widerstehen, muß man eine Stärke ähnlich den Naturkräften entwickeln, was nicht so ganz einfach ist. Darum müssen wir verschiedene Methoden bei dem Versuch anwenden, unseren Geist zu zügeln, und nicht in einer Methodik verhaftet bleiben; genauso wie man in einem Militärischen Manöver verschiedene und nicht nur eine Technik anwendet. Wenn man nicht so vorgeht, erleidet man Rückschritte oder vielleicht sogar eine Niederlage. Genauso ist es bei der Natur, und genauso wie wir an verschiedenen Tagen unterschiedliche Nahrung zu uns nehmen, ist es für einen Yogaschüler notwendig, so viele Techniken wie möglich beim ‘Zügeln’ des Geistes anzuwenden. Obwohl wir jeden Tag essen, so essen wir doch nicht immer dasselbe. Wir variieren die Nahrung jeden Tag, denn Körper und Geist haben ihre eigene Einstellung. Irgendwie müssen wir den Prozeß der Yogapraxis mehr in ein glückliches und freudiges Unternehmen verwandeln, als uns vorzustellen, daß dies eine schmerzhafte Arbeit ist, die uns, wie in einem Gefängnis, auferlegt wurde. Wir versuchen uns nicht in der Yogapraxis, als wären wir Gefangene in einem Konzentrationslager, und als wäre Yoga eine Strafe. Nein! Es ist etwas, was wir offenen Auges aus eigenem Antrieb mit dem Wissen tun, was es ist und wie wichtig es für unser Leben ist.

Der Geist weigert sich, sich auf irgendein besonderes Objekt zu konzentrieren, denn er ist nicht davon überzeugt, daß das ausgewählte Konzentrationsobjekt die erwünschte Zufriedenheit bringt. Wir haben Leute immer wieder sagen hören, daß Konzentration gut sei. Wir haben es in vielen Büchern gelesen. Uns wurde es immer wieder eingehämmert. Doch unser Herz hat einen Verstand, der sich unsicher ist. Das Herz stimmt nicht immer mit dem Urteil des Verstandes überein, denn man ist häufig mehr Herz als Verstand. Unser Gefühl gewinnt die Oberhand und drückt die Meinung des Verstandes nieder. Wer ist wirklich im Grunde seines Herzens davon überzeugt, daß alles, was die Welt den Menschen geben kann, auch im Konzentrationsobjekt vorhanden ist? Wer glaubt das schon? Wie kann man sich selbst davon überzeugen zu glauben, daß alle Werte und Reichtümer der Schöpfung durch die Konzentration auf einen Punkt an der Wand, auf eine Kerzenflamme, eine Blume oder überhaupt irgend etwas Vorstellbares, erreichbar sind? Obwohl sich etwas Rationales hinter diesem Argument verbirgt, und wir vielleicht intellektuell in der Lage sind zu erfassen, daß es einen Punkt in dieser Art der Konzentration gibt, der uns herausfordert es zu praktizieren, und es gibt eine Zufriedenheit tief in unserem Herzen, - die Welt ist so reich, so schön, so großartig und vollkommen. Es gibt viele Dinge in dieser Welt, die ausgesprochen schön sind, und die es wert sind zu besitzen, zu haben und sich an ihnen zu erfreuen. Wofür ist diese Konzentration eigentlich gut? "Ich übe die Konzentration seit vielen Jahren. Ich bin dumm, ich bin ein Narr. Ich habe diese Welt verloren, ich habe die andere Welt verloren und bin in einer hoffnungslosen Situation." - Auf diese Weise trauert der Geist. Wir schreien innerlich bei dem Gedanken an die Anweisung, sich auf einen Punkt zu konzentrieren. Von innen her kommt ein Aufschrei, und nichts kann schlimmer sein, als eine psychologische Revolution.

Dies kann jedem widerfahren. Yoga ist für den Menschen einerseits ein Schrecken und andererseits auch wiederum Mutter und Vater. Nichts kann so wohltuend wie Yoga sein, und nichts kann ebenso schrecklich und Furcht einflößend wie Yoga sein. Dies ist die Ironie der ganzen Angelegenheit. Es ist nicht einfach für einen Menschen zu glauben, daß die Konzentration auf welche innerliche oder äußerliche Form auch immer in der Lage ist, den Überfluß der Reichtümer der Welt schenken kann. Wer wünscht sich nicht, wenn es möglich wäre, König zu sein? Wer wünscht sich nicht, wenn es sinnvoll wäre, die ganze Welt zu besitzen? Wir wissen, daß es nicht möglich ist. Darum lehnen wir, wie der Fuchs, der in einer Geschichte über die ‘Ablehnung der sauren Trauben’, die Welt als nicht wertvoll ab, denn wir können sie nicht besitzen. Wir kennen dies nur zu gut. Wir sind nicht reif genug, und nicht in der Lage, den Schatz des Universums zu besitzen; wir haben nicht die Möglichkeit, die Macht zu entwickeln, um Meister des Universums zu werden. Wir sind Pessimisten, Armselige, die versuchen Yoga für ein ‘Ende’ zu praktizieren, das auch ‘nichts’ zu sein scheint. Diesen Schwierigkeiten stehen wir eines Tages gegenüber. Viele haben angesichts dieser Probleme aufgegeben. Mit solchen Schlägen mußten sie ihre Köpfe zerbrechen. Sie wären besser ohne, als mit Yoga gefahren. Dies ist eine traurige Situation. Wenn diese Situation bei einigen Menschen hochkommen kann, dann kann sie auch bei anderen entstehen. Darum laßt uns in unser Gedächtnis zurückrufen, langsam voran zu gehen, und laßt uns schauen, ob wir wirklich in unseren Herzen von unserer Handlungsweise und unserem Weg überzeugt sind. "Ich spüre keine Zweifel und meine Praxis ist jene, die ich wollte. Ich gehe den richtigen Weg, und die Tatsache, daß ich kein Licht am Horizont sehe, und daß ich über Jahre hinweg keine Erfahrungen gemacht habe, kann mich nicht davon abbringen, die Praxis fortzusetzen, denn ich weiß bereits, daß ich durch all diese Stufen der Vergessenheit, Dunkelheit und Hilflosigkeit hindurchgehen muß." - Dies sollte die feste Überzeugung eines jeden Yogaschülers sein. Selbst wenn wir uns völlig hilflos fühlen und zu fallen scheinen, müssen wir davon überzeugt sein, daß dieses sogenannte Fallen, ein Teil des aufsteigenden Prozesses ist. Doch wer ist noch im Augenblick des Fallens davon überzeugt? Darum Gnade uns Gott und der Guru möge uns segnen! Hier ist Vorsicht geboten, und dies muß den Yogaschülern klargemacht werden, wenn sie aufrichtig genug sind, ihre Praxis aufzunehmen.

Die gegensätzlichen Kräfte von ‘gut’ und ‘böse’

All dies geschieht, denn die Natur hat, obwohl sie mit all ihren Kräften unser Freund ist, ihre eigenen Launen; und die Naturkräfte arbeiten in zwei Richtungen, zum einen nach innen und zum anderen nach außen zu den Objekten hin. Im sechzehnten Kapitel und an weiteren Stellen der Bhagavad Gita wird von Daivi und der Asuri Sampat gesprochen. Daivi-sampad-vimokshaya nibandhayasuri mata. Es heißt, daß Daivi Sampat der Befreiung der Seele dient und Asuri Sampat sie bindet. Daivi Sampat sind nichts weiter als die gebündelten Kräfte zum inneren Zentrum der Dinge hin, und Asuri Sampat ist der Antrieb hin zu Raum, Zeit und zu den Objekten. Und wir sind mitten zwischen Teufel und der Tiefsee gefangen. Wir werden gleichzeitig in zwei Richtungen gezogen. Wir werden einerseits vorwärts zu den Objekten in Raum und Zeit getrieben, und anderseits gibt es gleichzeitig einen inneren Drang, sich zu den Zentren der Objekte hinzubewegen. Die Schwierigkeiten ergeben sich sehr häufig aufgrund eines Konfliktes zwischen diesen beiden Kräften. Die Mahabharata und die Ramayana beschreiben nichts weiter als die Tore zwischen diesen kosmischen Konflikten, die jeder individuell in seiner Yogapraxis passieren muß. Es gibt einen Platz im Kosmos, der Kurukshetra genannt wird, wo die rivalisierenden Kräfte miteinander kämpfen, und wir wissen nicht, wie es ausgeht. Manchmal scheint die eine Seite zu gewinnen, manchmal die andere, ohne daß eine Seite wirklich einen Sieg davonzutragen scheint. Doch man sagt, daß die Wahrheit siegt, - Satyameva jayate. Und was ist Wahrheit? Wahrheit scheint irgendwie ein einheitliches Verstehen und eine Integration der Dinge zu sein, ein Zentralisieren von allem in der Vollkommenheit des Absoluten. Jedes Streben, jede Bewegung hin zum Zentrum sollte darum als Bewegung hin zur Wahrheit angenommen werden, und darum ist dieses Streben hin zum Zentrum früher oder später von Erfolg gekrönt. Auf diese Weise mußten in der Mahabharata die Pandavas und nicht die Kauravas, jene Kräfte, die zu den Dingen hin streben, erfolgreich sein. Darum müssen wir selbst in der Hölle bei dem Gedanken glücklich sein, daß die Wahrheit letztendlich triumphieren wird. Und die Hölle kann für uns die Form dieser Konflikte zwischen den Kräften innerhalb und den Kräften außerhalb annehmen. Langsam und beharrlich sollte der Marsch des Yogis hin zur Vollkommenheit sein.

Die Philosophie hinter Dharana oder Konzentration

Dies sind einige der Ideen, die sich aus dem Zusammenhang mit der Pratyahara-Praxis, oder dem Zurückziehen der Sinne und des Geistes ergeben, - ein in der Tat schwieriger Prozeß, der schwer zu erreichen und dennoch sehr wichtig ist. Die Konzentration des Geistes auf eine Sache ist schwer. Es ist für den Geist nur schwer zu verstehen, daß die Konzentration auf irgendeine Sache wirklich Fortschritte bringen soll. Viele Yogis praktizieren Konzentration und sie scheinen nichts dabei zu erreichen. Sie sind nicht glücklich. Sie wandern bei ihrer Suche hierhin und dorthin, anstatt sich auf ein Objekt zu konzentrieren. Der Geist sucht nach etwas Ablenkung und etwas Zufriedenheit. Wenn jemand dem Ertrinken nahe ist, kann selbst Stroh bei einer Flut Hilfe bieten. Selbst ein bißchen Zufriedenheit ist genug. Wenn alles verloren ist, bringt es Erleichterung. Doch eine durchgreifende Analyse der Philosophie des Dharana, der Konzentration oder der tieferen Bedeutung der Philosophie, sollte den Sucher davon überzeugen, daß alles in seiner Hand liegt, wenn er einen kleinen Fortschritt bei der Konzentration erzielen möchte. Von Dharana wird angenommen, daß es ein Fixieren der Aufmerksamkeit des Geistes auf eine bestimmte innere oder äußere Form, oder eine Idee bedeutet. Beides ist richtig; beides ist zulässig.

An dieser Stelle mag der Suchende richtig fragen: "Doch warum sollte ich mich auf eine Punkt, eine Flamme, eine Blume oder eine Idee konzentrieren? Welcher tiefere Grund liegt dahinter? Strebe ich nicht nach Moksha, Kaivalya, dem Etablieren meines Selbst’ in der unendlichen Purusha, der Gottverwirklichung? Was soll die Konzentration auf einen Punkt? Worin liegt die Relevanz der Gottverwirklichung? Wenn der Geist am Anfang keinen Zusammenhang zwischen diesem kleinen Keim der Konzentration und jenem großen Ideal der Befreiung oder Allmacht und Allgegenwart erkennt, entsteht gegenüber der Konzentration einen Widerwillen Geistes. Warum sollte jemand zu seiner Wahlentscheidung stehen, wenn er den Sinn der Wahl nicht erkennen kann? Der Kandidat weiß, daß dieses ‘Brüten’ und die schlaflosen Nächte vor seiner Entscheidung früher oder später Früchte tragen wird, einer Sache nach der sein Geist verlangt. Wozu sollte dieses ‘Brüten’ dienen, wenn es überhaupt keine Beziehung zu dem hat, wonach man strebt?

Ist bei dieser Konzentration auf ‘etwas’ kein Schwitzen erforderlich? Nein, denn es hat eine interne Beziehung zu dem großartigen Ziel, nach dem wir streben. Das ganze Universum ist ein integriertes Ganzes. Alles ist mit allem verbunden. Ein kleines Sandkorn am Ufer des Ganges ist mit den Sternen am Himmel und dem ganzen Sonnensystem verbunden. Die mächtige Sonne, die dreiundneunzig Millionen Meilen von uns entfernt ist, weiß was sich in unserer Küche abspielt. Insoweit wie die ganze Struktur der Schöpfung ein Ganzes ist und eine Vollkommenheit als eine Art Organismus bildet, so ist alles mit allem verbunden, selbst das kleine ‘Etwas’, worauf wir uns konzentrieren, ist mit dem großen Ziel verbunden, nach dem wir streben. Moksha ist mit der Absoluten Purusha in dem Punkt verbunden, worauf wir uns konzentrieren, denn alles Innere ebenso wie alles Äußere ist mit allem im Kosmos verbunden. Laßt uns darum glücklich sein. Laßt uns freuen und in Ekstase tanzen, daß wir die Absolute Vollkommenheit Selbst ein kleines Bißchen berühren, selbst wenn dieses Berühren in der Konzentration auf den kleinen Punkt an der Wand geschieht. Warum sollten wir nicht glücklich sein, wenn wir wissen wie man glücklich sein kann? Yoga ist die Bewegung von Freude zu Freude, Ananda zu Ananda, und keine Bewegung von Duhkha zu Duhkha, von Sorge zu Sorge. Yoga ist kein Fluch, der uns auferlegt wurde. Es ist ein großer Segen, der uns durch die Struktur der Dinge, durch die Natur der Welt, durch die Gerechtigkeit Gottes geschenkt wurde. Darum laßt uns in einer Körperhaltung hinsetzen - Sthira-sukham asanam - und selbst davon überzeugen, daß ein paar Minuten der Konzentration des Geistes einen riesigen Gewinn bringt, einen Kredit auf der positiven Seite unseres Lebenskontos. Nehabhikra-manasosti pratyavayo na vidyate - Auf dem spirituellen Sektor gibt es keinen Verlust in dem Bemühen als solches. Jedes Bemühen ist ein Gewinn. Jeder Pfennig, der auf die Bank gebracht wird, bedeutet eine Verbesserung des Kontos., selbst wenn es sich nur um einen Pfennig handelt. Das macht nichts, ein ehrenwertes Bemühen bleibt ein ehrenwertes Bemühen, selbst wenn dieses Bemühen nur klein ist und hilft. Jedes Bemühen stärkt den eigenen spirituellen Wert.

Nach einiger Zeit lehnt sich der Geist dagegen auf. Der Geist ist ein Kobold, ein Affe. Er wird abgelenkt. Humorvollerweise wird erzählt, daß der Geist schlimmer als ein Affe ist. Er kann, wenn überhaupt, mit einem abgelenkten Affen verglichen werden, der Alkohol getrunken hat und in seinem angetrunkenen Zustand von einem Skorpion gestochen wurde und auch noch vom Teufel besessen ist. Man kann sich vorstellen, in welch schlechtem Licht der menschliche Geist stehen muß. Doch es steckt ein Quentchen Wahrheit darin. Große Meister haben davor gewarnt, einen wilden Elefanten in einen Seidenfaden zu wickeln, die Gewässer der Ozeane auszutrinken oder Feuer zu schlucken, doch niemand kann den Geist kontrollieren, denn der Geist ist leidenschaftlich in seinem Drang hin zu den äußeren Objekten in Raum und Zeit. Er will nichts anderes. Der Geist muß durch Schmeicheleien, Erziehung und wo es nötig ist, durch Verhätscheln zur Konzentration zurückgebracht werden. Viveka ist wichtig. Wir müssen uns in Unterscheidungsfähigkeit und Verstehen üben. Nach Tagen der Konzentration wird der Yogaschüler möglicherweise feststellen, daß der Geist dumpf, ermüdet und erschöpft ist, und daß er nicht bereit ist, mit der Konzentration fortzufahren. In diesem Falle, sollte man andere Ziele bei der Kontrolle des Geistes verfolgen, wie dem Studium von Schriften oder Gespräche mit Freunden über spirituelle Themen. Man nimmt an, daß ein Viertel unseres Wissens von unseren Lehrern, ein Viertel durch unser eigenes Bemühen, ein Viertel durch die Gesellschaft mit Kollegen und Freunden und ein Viertel durch das Voranschreiten der Zeit selbst kommt. Studium, Diskussionen, Konsultationen eines Gurus oder Lehrers und über allem eine tiefe Aufrichtigkeit oder ein Gefühl bereiten den Weg zum Erfolg.

Wie man den Knoten des Geistes bricht

Patanjali sagt: Desabandhas chittasya dharana. Das Bündeln der Gedanken auf einen besonderen Punkt wird Konzentration genannt, und dieser Punkt kann alles Mögliche sein. Man braucht sich nicht den Kopf über die Art dieses Punktes zu zerbrechen. Jeder Konzentrationspunkt ist richtig. In einem Abschnitt der berühmten Panchadasi von dem Heiligen Vidyaranya, erzählt der Autor, daß selbst Spaten, Hacke, Schaufel, Bäume und Steine als Meditationsobjekte auf Ishvara dienen können, denn Ishvara hat all diese Formen angenommen. Gott, das vollkommene allmächtige, allwissende Sein offenbart sich selbst in kleinsten Gegenständen, in den allerletzten Formen und schlimmsten Dingen. Wenn wir auf diese Weise die Vollkommenheit, Allmacht und Allgegenwart Gottes in Allem anrufen, zu dem wir Vertrauen haben, sei es einen Stein oder irgend etwas Gottähnliches, auf das wir uns konzentrieren können, so macht dies nichts, denn Konzentration ist ein Prozeß, bei dem wir den Knoten des Geistes brechen können, durch den der Geist an die Verwicklungen in Raum und Zeit gebunden ist. Der Geist ist nichts weiter als ein Knoten. Er bildet keine feste Substanz, die man mit den Fingern berühren kann oder mit den Augen erfassen könnte. Er ist ein psychischer Knoten, eine Art von Durcheinander, ein Mischmasch und ein Punkt, mit dem alles verbunden zu sein scheint und aus dem nichts so einfach entrinnen kann. Der Geist ist ein vollkommenes Chaos. Anstelle er selbst zu sein, ist er innerlich mit allen Kräften der Welt verbunden; anders ausgedrückt, der Geist besteht aus dem Drang, sich nach Raum und Zeit hin zu orientieren. Wenn das Bewußtsein zu Raum und Zeit strebt, wird es Geist genannt. Es gibt letztendlich keinen anderen Geist, als das Bewußtsein selbst. Er existiert nicht. Wir wissen nicht, woher er kommt. Der Geist hat weder Vater noch Mutter. Er ist irgendwie zutage getreten. Die Macht, mit der das Bewußtsein versucht, sich in Richtung auf die äußeren Formen hinzubewegen, wird Geist genannt. Darum muß dieser Drang des Bewußtseins, nach außen hin in Raum und Zeit, eingeschränkt bzw. kontrolliert werden. Der Konzentrationsprozeß des Geistes auf ‘etwas’ Natürliches, kontrolliert diesen Impuls, und anstatt sich in Raum und Zeit zu verlieren, sammelt er sich für die Zeit, wo er sich auf diesen einen Punkt konzentriert. Dies ist letztendlich sein Todesstoß. Der Geist besteht aus nichts weiter, als einer Verbindung des Bewußtseins mit Formen, und diese Verbindung wird durch die Konzentration genauso zerstört, wie die Energie, die bei dem Beschuß eines Atoms freigesetzt wird. Wenn ein Atom durch machtvolle Strahlen konstant und direkt beschossen wird, öffnet das statische Atom seine innere schreckliche Kraft. Der Geist ist die Saat kosmischer Kräfte. Das ganze Universum befindet sich im Geist, obwohl der Geist wie ein schmaler kleiner Punkt aussieht. Durch einen Beschuß mit Hilfe der Konzentration, wird die kosmische Energie im Geist befreit, und der Yogi in sich fühlt ein Erwachen von dieser Bindung mit allen Dingen, dem Körper oder äußeren Objekten. Dies muß ausnahmslos täglich praktiziert werden. Tivra-samveganam asannah. Wenn sich der Sucher in der Konzentration bemüht, stellt sich sofort Erfolg ein. Und diese Praxis muß täglich mit Liebe und ohne Unterbrechung fortgesetzt werden. Satkarasvita. Dann wird es zu Dridha-bhumi; man wird ein Teil der Praxis. Darum ist die Konzentrationspraxis ein großer Segen, eine Gnade. Es ist eine göttliche Gnade und darum eine große Hinterlassenschaft. Laßt uns darum glücklich sein.


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