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Leben und Werk des Heiligen Arunagirinathar - Nach der Berufung

Jetzt wollen wir weitergehen. Arunagiri, der vom Herrn gerettet und dem von Ihm befohlen wurde Seinen Ruhm zu besingen, unternahm eine Pilgerreise, um Lord Murugan seine Ehrerbietung zu erweisen, für den es in fast jeder Stadt, in jedem Dorf und selbst an entlegenen Orten Tempel gab: Und wo immer er hinkam, zollte er dem Bildnis des Herrn dieses Ortes seinen Tribut, indem er ihm eines oder mehrere Tiruppugazh Lieder widmete, wobei er sich in diesem speziellen Vers jeweils auf den Namen des Ortes bezog. So ersehen wir aus den verfügbaren Liedern, dass er in ganz Indien mehr als 200 große und kleine Tempel von Lord Skanda besucht hat. Einige dieser Plätze sind:

Chidambaram, Vaitheswaran Koil, Mayuram, Sikkal, Ettukuti, Vedaranyam, Tiruvavaduthurai, Tiruppanandal, Kumbakonam, Swami Malai, Tanjavur, Salem, Tiruchchengodu, Tiruchirappalli, Vayaloor, Virali Malai, Palani, Madurai, Tirupparankundram, Pazhamudirsolai, Tirunelveli, Tiruchchendur, Valliyoor, Tirukkonam, Kadirkamam (auf Sri Lanka), Papa Nasam, Sivakasi, Rameswaram (alle südlich von Tiruvannamalai); Tirupporur, Kanchipuram, Chennai, Valli Malai, Tiruttani, Tiruppati, Kalahasti, Varanasi, Hardwar (Mayapuri), Berg Kailash, Jagannath (Puri), Vishakapatnam und zurück nach Tiruvannamalai (diese letzteren liegen nördlich von Tiruvannamalai).

Die Tiruppugazh Lieder hatten einen besonderen Zauber. Sie sprachen die Menschen an und berührten ihre Herzen, wegen ihrer Schönheit, ihres Stils, ihrem Rhythmus, ihrer Bedeutungstiefe und vor allem wegen Gottes Gnade, der Arunagiri mit der Mission der moralischen Erneuerung, religiösen Einheit und Verbreitung spiritueller Weisheit beauftragt hatte. Man merkte, dass die Tiruppugazh Gedichte ein Geschenk für alle waren – der sinnliche Mensch fand nicht nur seinen beklagenswerten Zustand dargestellt sondern es wurde ihm auch ein Ausweg aufgezeigt; eitlen Pandits (Schriftgelehrte), die ihre Zeit mit Debatten verschwendeten, wurde ihre Torheit gezeigt; Gottesverehrer, die mehr Inspiration benötigten, fanden Verse der Hingabe und der Anrufung; der Aspirant, der nach Weisheit dürstete, bekam das Nötige für Kontemplation und Studium usw. So waren die Tiruppugazh Lieder eine Fundgrube sozialen, religiösen und spirituellen Reichtums, die unterschiedliche Menschen befriedigen und erheben konnte. Die Menschen wurden daher leicht von ihnen angezogen. Überall begannen Männer und Frauen seine Verse zu singen und in Ekstase zu tanzen. Seine Tiruppugazh Lieder wurden bald so beliebt, dass Menschen im Norden und Süden, im Osten und Westen begannen, sie zu rezitieren, sagt Arunagiri selbst in einem seiner Lieder (T-384: „Pattar Gana - ppriya“). Dies brachte Arunagiri Name und Ruhm, und große Verehrung in jeglicher Hinsicht.

Es ist selten, dass Berühmtheit nicht auf Eifersucht und Hass trifft. Es heißt, dass der große belesene Gelehrte und Poet, Sri Villiputturar, der Autor des Mahabharata in Tamilisch, ein strenger Vaishnava, durch das tamilische Land zog und dabei Poeten und gelehrte Männer zu einem literarischen Wettstreit aufforderte, sie mit seiner großen Belesenheit besiegte und ihnen zur Strafe die Ohren abschnitt. Er war die Eitelkeit und Hochmütigkeit in Person. Wahrscheinlich wollte Gott der Allmächtige ihm eine Lektion erteilen. Er konnte den großen Ruhm des heiligen Arunagiri nicht hinnehmen.

Er ging nach Tiruvannamalai mit der bösen Absicht, Arunagiri in einem Wettstreit zu besiegen. Obwohl der Heilige keinen Wert auf einen solchen Wettstreit legte – da er ein Verehrer Gottes und eine Personifizierung von Bescheidenheit war – nahm er dennoch an, da er es als den Willen Gottes sah. Arunagiri beantwortete alle Fragen, die ihm von Villiputturar gestellt wurden, und jetzt war er an der Reihe. Arunagiri komponierte eine Reihe von Gedichten, das Kandar Anthaadi, und Villiputturar kommentierte und erklärte die Verse sofort. Aber als es zum 54. Vers kam, konnte er trotz seiner größten Anstrengungen weder das Gedicht enträtseln noch irgendeine Bedeutung darin finden. Das war tatsächlich höchst seltsam!

Er akzeptierte seine Niederlage durch Arunagiri, der die Bedeutung des Gedichtes aufschrieb, was auch heute noch der einzige verfügbare Kommentar zu diesem Vers ist. Gemäß den Regeln des Wettstreits, sollten nun Villiputturars Ohren abgeschnitten werden, was er selbst anbot. Aber Arunagiri gab sich niemals irgendwelchen grausamen Handlungen hin. Er ließ den Gelehrten ohne Demütigung gehen, nahm ihm aber das Versprechen ab, dass er nie mehr so unmenschlich handeln würde. Dies brachte Arunagiri die Bezeichnung „Karunaikku Arunagiri“ ein, was „Arunagiri, für Mitgefühl“ bedeutet.

Wie wir schon gesehen haben, lebte Arunagiri während der Herrschaft von Pravuda Deva Raya II (der im 2. Viertel des 15. Jahrhunderts herrschte), auf den er sich in einem seiner Tiruppugazh Lieder bezieht. Arunagiris außergewöhnliche Liebe zu Lord Murugan und sein Mitgefühl für Villiputturar riefen die Bewunderung und Ehrfurcht von Pravuda Deva hervor. Der König betrachtete sich selbst als höchst gesegnet, der Bewunderer eines Heiligen sein zu dürfen, für den Gott eine lebendige Wirklichkeit war. Der König betete den Heiligen praktisch an. Er bereitete Arunagiri einen königlichen Empfang und ehrte ihn am Hofe

Es gab einen großen Devi-Upsaka, einen Verehrer der Göttlichen Mutter, der Sambandan hieß. Er war ein strenger Jain (indische Glaubensrichtung) und pflegte aus selbstsüchtigen Gründen enge Freundschaft mit König Pravuda Deva. Der weitverbreitete Ruhm von Arunagiri und die besondere Ehre, die ihm durch den König zuteil wurde, entzündete Sambandandans Eifersucht auf Arunagiri, da er fürchtete, er würde deshalb nicht mehr in der Gunst des Königs stehen. Er heckte deshalb einen gerissenen Plan aus, um Arunagiri zu diffamieren. Er sagte zu Pravuda Deva: „Du bewunderst Arunagiri. Aber er ist nicht wirklich ein so großer Verehrer von Murugan, für den Du ihn hältst.

Wenn Du denkst, dass er es tatsächlich ist, bitte ihn, seinen Ishta Devata (persönliche Gottheit) vor einer öffentlichen Versammlung zu manifestieren. Und ich wette, ich kann das und kann Dir den Darshan(Erscheinung) meiner Göttlichen Mutter geben. Wenn ich versage, werde ich Dein Königreich verlassen; und wenn er versagt, schick ihn fort.“ Pravuda Deva konnte diese eifersüchtige Haltung von Sambandandan nicht hinnehmen. Er informierte Arunagiri darüber und bat ihn, dem Wettkampf zuzustimmen. Arunagiri stimmte zu und ausgefeilte Arrangements wurden getroffen. Eine große Versammlung wurde im Hof des Arunachaleshwarar Tempels einberufen. Der König mit seiner Gemahlin, die Adlige und eine große Menschenmenge versammelten sich dort, um dem unge - wöhnlichenWettkampf beizuwohnen. Sambandandan machte alle möglichen Kunststücke, Pomp und Show, um seine Ishta Devata – Kali – zu manifestieren, aber es gelang ihm nicht. Jetzt kam Arunagiri an die Reihe. Er machte keine besonderen Anstrengungen, sondern sang ein Tiruppugazh Lied, das mit „Athala Sedanarada“ beginnt (T-1056).

Frei übersetzt lautet es

„O Schwiegersohn von Vishnu (Skanda), der (als Krishna) Bhimasena half (einem der fünf Pandava Brüder), der seinen Gada (Waffe) immer auf seinen Schultern trägt, um die große Armee von Feinden zu vertreiben; der auf seiner Flöte spielte, was die Kühe wieder zurück brachte, die sich verstreut hatten; der, während er der Fahrer des Wagens von Arjuna war, sein Muschelhorn blies, das wie Gold leuchtet und die Töne der Vedas von sich gibt; der sich auf den Milch - ozean mit tosenden Wellen stützt; dessen Göttliche Füße die Erde selbst durchschritten und (in die niederen Regionen) gepresst haben; der Garuda als sein Vahana, sein Fahrzeug, hat! O Muruga, der im Herzen von Pravuda Deva Maharaj lebt, um es vor Freude tanzen zu lassen! O Gott der Götter! Komm tanzend, o Herr, komm auf solche Weise tanzend, dass, wenn Du tanzt, alles tanzt – die Adisesha (Weltenschlange) tanzt in den Unterwelten; der Berg Meru tanzt auf der Erde; Kali tanzt mit Shiva, der auf dem Stier reitet; die Ganas (himmlische Heerscharen) von Shiva tanzen um Ihn herum; die süße Sarasvati tanzt, Brahma, der auf dem Lotus sitzt, tanzt; der Mond tanzt; Deine Schwiegermutter Lakshmi Devi, die auf dem roten Lotus sitzt, tanzt; Dein Schwiegervater Vishnu, der Seine Visvarupa (kosmische Form) zeigte, tanzt; und der Pfau (auf dem Du reitest) tanzt auch. (Komm tanzend, o Herr, bitte komm.)“ Kaum hatte Arunagiri das Lied beendet, als Murugan auf einem tanzenden Pfau vor der Versammlung erschien, indem er sich aus einer Säule manifestierte, und er gab allen Darshan.

Diese beiden Fakten, nämlich dass der Herr ohne Verzögerung auf einem tanzenden Pfau erschien und seine Vision allen gab, beschreibt Arunagiri selbst in zwei seiner anderen Tiruppugazh Lieder (eines von Viruddhachala, T-755: „Tirumozhi“; und eines von Tiruchirappally, T-331: „Arivaiyar“). Die Säule, aus der Lord Murugan erschien, wie auch der Hof, wo die Versammlung stattfand, sieht man heute noch im Arunachaleshwarar Tempel, wo Murugan ein kleiner Schrein gewidmet ist. Da er aus einer Khamba, einer Säule, hervorkam, wird er „Khambattu Ilayanaar“ genannt. Es gibt natürlich sehr unterschiedliche Versionen dieses Ereignisses.

Einige behaupten, dass, als Sambandandan zu Kali betete, sie ihm erschien und ihm sagte, nur er alleine, der König, könne sie sehen und die anderen nicht. Eine andere Version in diesem Zusammenhang ist, dass die Devi(Göttin) an ihr Vesprechen, ihm jederzeit ihren Darshan zu gewähren, nur zwölf Jahre lang gebunden war und diese genau an dem Tag vor dem Wettstreit vorbei waren, und so erschien sie über haupt nicht. Er jedoch bat sie dann, wenigstens auch Murugan nicht zu erlauben sich zu manifestieren, und dem stimmte sie zu. Als Arunagiri also das „Athala Sedanarada“ Lied sang, erschien demzufolge Murugan nicht. Arunagiri spürte, dass da etwas nicht stimmte und durch seine yogische Vision fand er heraus, dass die Devi Murugan als ein kleines Baby auf ihrem Schoß hielt, ihn mit ihren Reden unterhielt und so sein Erscheinen in der Versammlung verhinderte. Es heißt, Arunagiri sang dann das Devendra Sanga Vaguppu und das Mayil Viruttham und zur Melodie des Letzteren tanzte ein Pfau vor Kali.

Die Melodie der Musik und der Tanz des Pfaus bezauberten sie. Sie lockerte unbewusst ihren Griff um Murugan, woraufhin er zu dem Pfau hinüber sprang, zu der Versammlung eilte und seinen Darshan gab. Wie auch immer, die Version, dass Murugan sofort erschien, scheint korrekter und noch nachvollziehbarer zu sein und wird durch die Aussagen des Heiligen selbst unterstützt. Gott kann durch nichts anderes gebunden oder kontrolliert werden als durch die wahre Liebe seines Verehrers. Sie kann Ihn von überall her anziehen und ihn unverzüglich auf der physischen Ebene manifestieren. Darüber hinaus war Murugan für Arunagiri nicht nur seine persönliche Gottesvorstellung (Ishta Devata), sondern das Höchste Wesen. Das geht sogar aus dem obigen Lied hervor. Obwohl Murugan darin als Schwiegersohn von Vishnu usw. gepriesen wird, also in seinen theologischen Aspekten, bittet Arunagiri ihn in dem Lied auf solche Weise tanzend zu kommen, dass, wenn er tanzt, alles überall tanzt einschließlich Brahma, Vishnu und Shiva8 , was bedeutet, dass Er für die Höchste Wirklichkeit steht, die selbst hinter der Trinität ist.

Dies geht auch aus einem anderen Gedicht klar hervor (T-433, „Agaramummaagi“): „O Herr, der (der Anfang aller Dinge) wie das Akara oder der Buchstabe ‚A‘ ist, der unter den Buchstaben als erstes kommt, der der Herr aller Dinge ist, der jenseits von allem ist, der die Essenz aller Dinge ist, der Brahma ist, der Vishnu ist, der Shiva ist, der jenseits dieser Dreiheit ist, der alle Dinge hier ist, der jedes Ding egal wo ist und der als die Süße (die Essenz aller Dinge) kommt.“ Der Murugan, den Arunagiri manifestierte, war nicht so sehr der theologische Aspekt, sondern die Höchste Wirklichkeit, die hinter den verschiedenen Manifestationen ist. Deshalb kann nicht die Rede davon sein, dass die Devi Skanda irgendwo am Kailash (Sitz von Shiva und Skanda als seinem „Sohn“) festhält. Es bedeutet jedoch nicht, dass ein Gott einem anderen überlegen oder unterlegen ist. Jede Manifestation Gottes hat verschiedene Aspekte; mindestens zwei den absoluten und den relativen. Krishna war nicht nur der Freund und Wagenlenker von Arjuna, sondern auch der Bhagavan, der Höchste Gott der Gita-Upadesa gab und Arjuna die Vision von Visvarupa zeigte. Ähnlich ist es mit allen Göttern der Fall, mit Skanda, Devi usw.

Gott ist alle Aspekte gleichzeitig und es ist die innere Haltung des Verehrers, mit der er Gott anruft, nämlich auf sattwige, rajasige oder tamasige Weise, auf die es ankommt. Arunagiri hatte reine Hingabe und seine Anrufung war nicht durch persönliche Ziele motiviert. Dies erklärt die spontane Manifestation von Lord Skanda bzw. das Nichterscheinen der Göttin. Gott ist ein Sklave der Liebe des Verehrers, welche Form Gottes es auch immer sein mag und wer auch immer der Verehrer sein mag. Das Ereignis beweist nur die Größe von Arunagiri und seine reine Liebe zu Gott, die auch für die Göttliche Mutter gleich groß war, wie man aus vielen seiner Tiruppugazh Lieder sehen kann. Nebenbei bemerkt, er hatte auch den Segen der Göttlichen Mutter. Angesichts dessen enthüllt die Aussage, dass die Devi Murugan festgehalten habe, um ihn daran zu hindern, zu der Versammlung zu kommen, bestenfalls das eigene inadäquate Verständnis von Arunagiris Liebe zu Murugan und auch seines Konzeptes von Gott, welches Gott als spirituelle Wirklichkeit hinter allem verstand.

Darum sagt Arunagiri in dem Loblied oben: „O Herr! Komm so tanzend, dass wenn Du tanzt, Shiva, Vishnu, Brahma, Kali etc. – alles tanzt!“ Da das Gebet so lautete, hätte Arunagiris Gebet nicht nur Murugan allein mani fe stiert, sondern auch Kali, wenn Kali wirklich Murugan festgehalten hätte. Es heißt, dass der König sein Augenlicht aufgrund des göttlichen Glanzes, den menschliche Augen nicht ertragen können, verlor, als Arunagiri Skanda mani - festierte und der König Seinen Darshan hatte. Sofort gab ihm Arunagiri Bhasma, die heilige Asche und brachte so das Augenlicht des Königs zurück. Dies ist eine Version. Nach einer anderen Version holte Arunagiri die Paarijata-Blumen aus dem Himmel und die Sehkraft des Königs wieder her. Sie lautet: Nachdem er in dem Wettstreit besiegt worden war, verschwand Sambandandan aus äußerster Scham und verließ das Königreich.

Aber seine Feindschaft zu Arunagiri legte sich nicht. Er wollte Arunagiri irgendwie wegbekommen und so näherte er sich nach einiger Zeit dem König wieder: „O mächtiger König! Es gibt nur einen Weg, Dein Augenlicht zurück zu bekommen. Wenn die himmlischen Paarijata-Blumen gebracht und auf Deine Augen gelegt werden, werden sie ihr Sehvermögen zurückgewinnen. Und diese übermenschliche Handlung können nur Arunagiri und ich vollbringen. Aber ich möchte, dass Arunagiri es macht, weil es seinen Ruhm und seine Ehre schmälern würde, wenn ich die Blumen bringen würde. Bitte fordere ihn deswegen auf, die Blumen zu holen und für den Fall, dass er es ablehnt, werde ich sie Dir sofort bringen.“ Der König kannte Sambandandans böse Absichten nicht, wollte aber unbedingt seine Sehkraft zurückgewinnen und bat daher Arunagiri, die Blumen zu holen.

Dieser stimmte bereitwillig zu. Arunagiri stieg den Tempel- Gopuram (Turm) hinauf, verließ dort seinen physischen Körper, ging in den Körper eines Papageis ein, der gerade starb und flog in die himmlischen Regionen. Man sagt, dass er dies tat, weil man nicht mit diesem Panchabhuta- Sarira, dem aus den fünf Elementen bestehenden Körper, in den Himmel gelangen kann. (Aber seltsamerweise ist auch der Körper des Papageis aus den gleichen fünf Elementen gemacht!) Sambandandan nahm diese Gelegenheit wahr und informierte den König, dass Arunagiri tot sei, dass sein Körper im Arunachala-Gopuram liege und dass er bald verbrannt werden sollte.

Der König ordnete ohne richtige Nachforschung oder Nachdenken an, dass er verbrannt werden solle, was der übel gesinnte Sambandan unverzüglich erledigen ließ, damit Arunagiri nicht zurückkäme. Der Arunagiri-Papagei kam mit den Paarijata-Blumen aus dem Himmel zurück und fand seinen Körper im Gopuram nicht mehr. Er nahm es als den Willen Gottes, ging als Papagei zum König, brachte ihm die Blumen und stellte zu seiner großen Freude sein Augenlicht wieder her. Dem König tat seine voreilige, unbedachte Handlung, dass er Arunagiris Körper hatte verbrennen lassen, extrem leid, er weinte bitterlich und bat ihn um Verzeihung.

Der Arunagiri-Papagei, dessen Göttliche Mission vorüber war, flog davon und setzte sich auf die Arme des Herrn, für alle Ewigkeit. Es gibt keine authentischen Hinweise, weder dafür, dass der König sein Augenlicht verloren hat als er den Darshan Gottes hatte, noch für den Rest der Geschichte, die hauptsächlich auf Erzählungen beruht. Es ist tatsächlich merkwürdig und unglaubwürdig, dass:

(a) wenn Gott extra zu dem Zweck angerufen wird zu erscheinen, um dem König Darshan zu geben, der König sein Augenlicht durch die Vision Gottes verlieren sollte; und dass in dieser riesigen Versammlung nur der König und sonst niemand 60 Kandar Anubhuti 01---KandarAnubhuti 09.12.2008 15:18 Seite 60 sein Augenlicht verloren haben sollte. Tatsächlich müsste, wenn schon jemand sein Augenlicht verliert, es Sambandandan mit seinen bösen Absichten gewesen sein und nicht der fromme, hingebungsvolle König.

(b) Arunagiri körperlich (als Papagei) zum Himmel gegangen und die Paarijata- Blumen geholt haben soll; denn für jemanden, der Gott selbst in einer offenen Versammlung durch ein reines Gebet manifestieren konnte, sollte es keine schwierige Aufgabe sein, ein paar Paarijata-Blumen zu holen.

(c) der König ohne weiteres Nachforschen die Verbrennung des Körpers von Arunagiri angeordnet haben soll, der zu seinem Wohl und in seinem Dienst auf seine Aufforderung hin gegangen war.

Als Unterstützung der Behauptung, dass Arunagiri zum Papagei wurde, wird eines seiner Tiruppugazhs (T-425: „Sariyaiyaalarkkum“) zitiert, worin Arunagiri zu Gott betet, ihm den makellosen Sayujya-Zustand zu gewähren, den immer - währenden Zustand von Ruhm und höchster Freude (Sukha-Svarupa). Auf Tamil heißt das Wort für „Seligkeit“, „Ananda“, gleich wie für „Papagei“, nämlich Suka. Und so wird Arunagiris „Suka-Svarupa“ als Svarupa (Gestalt) eines Papa geien interpretiert. Aber in dieser Interpretation wird der wichtige Faktor außer Acht gelassen, dass die „Suka-Svarupa“, um die Arunagiri bittet, praktisch eine Erklärung des ersteren, „des makellosen Zustands von Sayujya“ und ein wesentlicher Teil des Gebets ist.

Sayujya ist der Zustand der Einheit mit Gott. Es ist der vierte und endgültige Zustand der Befreiung – die ersten drei sind Salokya, Samipya und Sarupya - und die Gestalt eines Papageis kann nicht mit Sayujya gleichgesetzt werden. Selbst wenn der Papagei für immer auf den Armen des Herrn sitzt, kann dies nicht der Zustand von Sayujya genannt werden. Die Form eines Papageien kann bestenfalls Samipya sein, nicht einmal Sarupya, geschweige denn Sayujya. Darum kann man „Suka“ nur so verstehen, dass es den Zustand von Ananda bedeutet und nicht den eines Papageis. Es ist Satchidananda, der Zustand endloser Herrlichkeit und Höchster Seligkeit. Darüber hinaus gibt es einen feinen Unterschied zwischen „Svarupa“ und „Rupa“.

Während Rupa sich auf die „äußere Form“ bezieht, bezeichnet Svarupa einen „Zustand“ oder die „essentielle Natur“ und bezieht sich auf das innerlich Erreichte, einen Bewusstseinszustand. Sukha-Svarupa ist ein Sanskritbegriff und weist klar auf den „Zustand des Glücks“ hin, den Zustand der „endgültigen Seligkeit“, der bei der Befreiung erlangt wird, obwohl man es verzerrt als die tamilische Bedeutung von „die Gestalt des Papageis“ wiedergeben kann. Und darüber hinaus ist es ein Gebet für die endgültige Befreiung, nicht dafür, zum Himmel zu gehen, um die Paarijata-Blumen zu holen; und Gott hat Arunagiri  auch nicht als Erhörung seines Gebetes die Gestalt eines Papageien verliehen. Es war Arunagiri selbst, der in den toten Körper eines Papageis einging.

Es scheint eine Verdrehung der ganzen Angelegenheit zu sein, wenn man versucht, die Verwandlung von Arunagiri in einen Papagei dadurch zu rechtfertigen, dass man sie mit dem göttlichen Willen ausstattet, so als habe Gott ihm aufgetragen, in den Körper des Papageis einzugehen. Als der Arunagiri- Papagei seinen Körper nicht mehr vorfand, hätte er in einen anderen menschlichen Körper eingehen können, wenn Arunagiri dies gewollt hätte. Wenn argumentiert wird, dass Arunagiri zufrieden damit war, in dem Körper des Papageis zu sein, weil „alles was einen Anfang hat auch ein Ende hat“ und so sein menschlicher Körper verschwinden musste, gelten die gleichen Gesetze genauso für den Körper des (toten) Papageien, der Arunagiri nicht auf göttliche Weise verliehen wurde, sondern in den er nach seinem eigenen Willen einging. Zu behaupten, dass Gott beschloss, Arunagiri den Zustand eines Papageien (Suka-Svarupa) zu gewähren, als Antwort auf all die unzähligen Gebete Arunagiris, nur um die Legende zu rechtfertigen, dass er als Papagei zum Himmel geflogen ist, um Paarijata-Blumen zu holen – was allein deswegen notwendig wurde, weil der König als Einziger in dieser riesigen Versammlung sein Augenlicht verlor, als er die Vision des Herrn hatte – all dies scheinen nur unterhaltsame Geschichten zu sein, die weit von der Wahrheit entfernt sind.

Weder kann man sagen, dass der König alleine es verdient hätte zu erblinden, noch ist es für Arunagiri notwendig, zum Himmel zu gehen um Paarijata- Blumen zu holen (denn er hätte sie durch bloßes Gebet bekommen können), noch hätte der König die Verbrennung von Arunagiris Körper gedankenlos angeordnet (da er verpflichtet war, ihn bis zu seiner Rückkehr zu beschützen), noch würde der allwissende Gott Arunagiris Gebet um den Sayujya-Zustand der Glückseligkeit (Sukha-Svarupa) als den Zustand eines Papageien interpretieren. Tatsächlich scheint die ganze Geschichte erfunden, denn im westlichen Teil des Arunachaleshwarar Tempels in Tiruvannamalai gibt es einen Arunagiri geweihten Schrein, der als Samadhisthana des heiligen Arunagiri gilt, in dem sein Körper begraben wurde, als er Befreiung erlangte.

Wir können also das Leben von Arunagiri aufgrund von Hinweisen in seinen Werken, Inschriften etc. wie folgt zusammenfassen: Arunagiri war ein Nachfahre der Familie von Gowda Brahmanen, die aus dem Norden kamen und sich in Mullandiram und anderen Dörfern niederließen. Er war von Jugend an mit Tamil und Sanskrit wohl vertraut. Er hatte eine gute Bildung und Erziehung. Er war ein verheirateter Mann und hatte Frau, Kinder, Schwäger und andere Verwandte. Seine Eltern zogen wahrscheinlich zum Wohle seiner Ausbildung nach Tiruvannamalai. Obwohl er verheiratet war, wurde er, weil es das Schicksal so wollte, ein Opfer der Kurtisanen von Tiruvannamalai, verlor all seinen Besitz und zog sich unheilbare Krankheiten zu, dererwegen er sich nicht nur vor sich selber schämte, sondern wegen derer sich auch seine Verwandten über ihn lustig machten und ihn auslachten.

Um dieses elende Leben zu beenden, stieg er auf den Turm des Arunachala Tempels (Gopuram) und stürzte sich hinunter, um Selbstmord zu begehen. Der mitfühlende Lord Skanda, für den er Liebe in seinem Herzen hatte, hielt ihn in seinen Armen, schrieb mit seinem Vel das heilige Mantra auf seine Zunge, gab ihm eine Japa-Mala und befahl ihm, seinen Ruhm zu besingen, indem er ihm die erste Zeile des Loblieds gab, um damit seinen heiligen Auftrag zu beginnen. Der Sünder wurde in einem Augenblick zum Heiligen von höchster Verwirklichung, hatte verschiedene göttliche Erfahrungen und wurde außerdem von all seinen Krankheiten geheilt. Er wurde ein Sannyasin, ein Entsagter, im wahrsten Sinne des Wortes.

Er sang 16000 Tiruppugazh Lieder (Loblieder) und komponierte viele andere Werke, besiegte Villuputturar in einem literarischen Wettstreit und ließ Lord Murugan sich manifestieren, um König Pravuda Deva in einem Wettstreit mit Sambandandan seinen Darshan zu geben. Schließlich erlangte er den höchsten Zustand von Sayujya, die advaitische Verwirklichung, eins mit LordcSkanda bzw. Parabrahman zu sein. So lebte Arunagiri ein ruhmreiches Leben des Gottesbewusstseins, vollbrachte viele übermenschliche Taten, erhob Menschen aus dem Sumpf von Samsara (dem Rad von Geburt und Tod)und verpflanzte sie fest in das Bewusstsein Gottes; und der Heilige führt weiter suchende Seelen zur Vollkommenheit und verleiht ihnen selbst heute die notwendige Unterstützung. Möge die Gnade des heiligen Arunagiri immer mit uns allen sein!

 

8.Brahma der Schöpfer, Vishnu der Erhalter und Shiva der Zerstörer gelten als die Trinität, über die sich Brahman, das Absolute, in der Welt manifestiert. In der shaivistischen Tradition steht Shiva für das höchste Absolute, in der Vaishna-Tradition Vishnu und bei den Anhängern von Skanda eben Skanda (Murugan)

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