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Die Essenz der Brahma Sutras



Das Gesetz der Kausalität als Beschränkung

Da wie wir nicht ignorieren können, physische Körper zu sein, - auch wenn wir theoretisch behaupten, nicht aus Fleisch und Blut zu bestehen, - so können wir doch das hartnäckige Gefühl nicht einfach abschütteln, nur Körper und an einem Ort zu sein. Dass es vom Gefühl her eine große äußere Welt gibt, kann ebenfalls nicht geleugnet werden. Das Gefühl bzgl. einer äußeren Welt kann konsequenter Weise auf Grund dessen, dass wir innerhalb des Körpers sind, nicht vermieden werden. Wenn wir jedoch kein wirkliches Gefühl entwickeln, innerhalb des Körpers zu sein, dann existiert auch keine äußere Welt. Doch wer kann das von sich behaupten? Was auch immer von einem hier sitzenden Menschen, seien es Weise oder Heilige, gelernt wird, er wird fühlen: Ich sitze hier!‘ Niemand kann von sich sagen: Ich bin überall.‘

Es gibt einen Teufel, der nach allem greift. Diese Idiotie der Körperverhaftung, als die einzige Wirklichkeit, zwingt uns, viele andere Fehler zu akzeptieren. Worin liegt der Fehler? Ein Fehler ist: Da ich hier bin, muss die Welt draußen sein‘ – so wird gefolgert. Doch die dritte Frage ergibt sich: Woher stammt die Welt?‘

Es gibt im Geist ein sonderbares Phänomen, dass von allen Philosophen aus Ost und West diskutiert wurde, nämlich, dass der Geist nur in Verbindung mit Ursache und Wirkung denken kann. Alles muss eine Ursache haben, sonst erhebt sich Frage: Wo hat alles seinen Ursprung genommen?‘ Doch warum sollte die Welt von irgendjemanden ausgehen? Wer hat dir gesagt, dass sie von irgendwoher kommt? Doch das Gesetz von Ursache und Wirkung, das tief in der Geiststruktur verankert ist, und ohne dass der Geist nicht denken kann, gibt dem Einzelnen das Gefühl, an einem Ort zu sein, dass sich die Welt außerhalb befindet, und dass es jemanden geben muss, der die Welt erschaffen haben muss. Diese unvermeidliche missliche Lage sollten wir näher betrachten, bevor wir entscheiden, ob Gott nun eine Person ist oder nicht.

Bist du ein Mensch?‘ Stell dir selbst die Frage: Bin ich ein Mensch oder nicht?‘ Wer würde von sich behaupten, kein Mensch zu sein? Darum projiziert die im Gegensatz zur universalen Ausdehnung stehende individuelle Existenz‘ durch das kausale Gesetz automatisch einen Gott, der über der individuellen Existenz und der Welt wacht. Niemand behauptet, dass Gott jetzt hier sitzt, sondern ER ist weit weg. Wenn das der Fall ist, bedarf es eines großen Zeitaufwandes, IHN zu erreichen. Man kann IHN auf Grund der Entfernung nicht sofort erreichen. Dabei ist es unwichtig, ob es wirklich so weit bis zu IHM ist. Wenn sich der Geist einmal auf eine Entfernung festgelegt hat, wird er dabei bleiben, auch wenn es sich um eine krankhafte Einbildung handelt, wofür es vielerlei Gründe gibt. Manchmal werden Studenten vor ihrem Examen krank. Soldaten werden krank und ergreifen die Flucht, wenn sie in den Krieg ziehen sollen. In ähnlicher Weise hat jeder seine Krankheit. Wenn man nun Moksha (Befreiung) wünscht, - wovon denn? Worin besteht die Bindung? Dies steht im Gegensatz zu den Erklärungen in Büchern und Kommentaren: Kann jemand sagen, worin die Befreiung liegt? Hat Gott Bindungen erschaffen? Wir alle sagen weiterhin, dass Gott die Welt erschaffen hat. Wenn Gott die Welt erschaffen hat, so muss ER auch die Bindungen der Welt erschaffen haben. Wenn man Gott nicht nachsagen will, dass ER die Bindungen erschaffen hat, wer war es dann? Wir würden uns selbst keine Bindungen auferlegen. Würde ich mich selbst einsperren? Gott erschafft keine Bindungen. Es wäre eine Blasphemie zu behaupten, Gott würde Bindungen erschaffen. Wer könnte sonst Bindungen erschaffen? Da diese Frage nicht so einfach zu beantworten ist, kann man auch nicht wissen, was Moksha bedeutet. Wie sehr man sich auch am Kopf kratzen mag, nichts kommt dabei heraus. Die irrtümliche Vorstellung, die unsere Existenz umgibt, erzeugt bei jeder Berührung neue Schwierigkeiten für uns:

Sarvarambha hi doshena dhumenagnirivavritah‘

„Alles, was man macht, erzeugt neue Wolken und bringt keine Zufriedenheit!“

Tatsächlich bedeutet Befreiung, eine Befreiung von der Vorstellung von Ursache und Wirkung, - das etwas von etwas kommt. Der Geist ist im Netz des kausalen Gesetzes eingebunden. Wer will ihn da von Ursache und Wirkung‘ befreien? Aus diesem Grund wird der Jnana Yoga Pfad als schwierig erachtet. Es ist so, als würde man die eigene Persönlichkeit einschmelzen.

Auf den Punkt gebracht, lässt sich die Brahma Sutra nicht eindeutig darüber aus, ob Moksha durch einen personifizierten Gott oder durch etwas Anderes zu erreichen ist. Wenn dies klar gewesen wäre, gäbe es nicht so viele Kommentare (Sankaracharya, Ramanujacharya, Madhvacharya usw.) über die Brahma Sutra. Jede Sutra drückt sich irgendwie vage aus. An einigen Stellen wird in der Sutra gesagt, dass die Jiva oder das Individuum von Gott abhängig ist. Das Jüngste Gericht und die Vergeltung durch das karmische Gesetz kommt von Gott und nicht durch das eigene Selbst. Hier wird es problematisch, Gott als ein weit entferntes Sein anzusehen. Wenn ER so weit von uns entfernt ist, wie berührt uns Gott und welche Beziehung besteht zwischen IHM und uns?

Diese Probleme gaben Acharya Madhva, der einen Kommentar über die Brahma Sutra geschrieben hat, das Gefühl, dass keine Beziehung zwischen dem Individuum und Gott besteht. Diese Schlussfolgerung allein zu hören, flößt uns Furcht ein. Seine Philosophie besteht darin, dass die individuelle Seele (Jiva) ein Diener Gottes und vollkommen von IHM abhängig ist.

Die drei Acharyas – Sankara, Ramanuja und Madhva – haben ihre eigenen Definitionen über die Befreiung. Du wirst EINS‘, - das ist Befreiung. Worin liegt nun die Bedeutung, mit etwas Anderem eins zu werden? Wenn Wasser mit Milch vermischt wird, werden sie zu einer neuen Substanz; man kann Wasser und Milch nicht mehr voneinander unterscheiden. Ramanujas Sichtweise ist wie folgt: Du kannst fühlen, mit Gott eins zu sein, so wie Wasser sich mit Milch vereint fühlt, doch bleiben sie verschieden, obwohl sie aus bestimmten Gründen wie eins ausschauen. Die innige Beziehung zwischen Gott und der Seele verleiht zwar das Gefühl, dasselbe zu sein, obwohl es nicht so ist. Ramanujas Schlussfolgerung ist, dass die Seele nicht gottgleich ist, genauso wenig wie Wasser und Milch nicht wirklich eins werden.

Madhvas Sicht der Befreiung ist wie der Verlust der Individualität, was durch das Vereinen mit anderen Individualitäten möglich ist. Wenn man Reiskörner und Sesamkörner miteinander mischt, könnte jedes Saatkorn von sich glauben, dass es seine individuelle Existenz durch diese Verbindung verloren hätte. Dies ist Madhvas Vorstellung von der Vereinigung mit der Wirklichkeit, doch Reis kann nicht auf diese Weise eins mit Sesam werden, denn die Saatkörner unterscheiden sich voneinander. Im Fall der Mischung von Wasser und Milch hingegen, gibt es eine scheinbar neue Substanz. Hier liegt der Unterschied zwischen der Auffassung von Ramanuja und Madhava.

Doch im Fall von Sankara, bedeutet Moksha das Mischen von Wasser und Milch. Sie werden zu einer völligen Einheit. Wenn hundert Tropfen Wasser sich mit sich selbst vereinen, werden sie zu einem einzigen großen Tropfen. Doch das Mischen von 100 Münzen macht daraus keine einzelne große Münze, - es bleiben die ursprünglichen Münzen. Im Falle von Wasser ist das nicht so. Jede Anzahl zusammengemischter Tropfen bilden einen großen Tropfen. Letztendlich kann dies zu einem großen Tropfen, wie dem Ozean führen. Dies ist im Grunde der Standpunkt von Sankaracharya.

Was sagt die Brahma Sutra? Es gibt keine klare Stellungnahme! Warum sollten sich sonst die Menschen voneinander unterscheiden?! Es gibt Hinweise, dass alle drei Sichtweisen ihre Richtigkeit haben. In den Upanishads findet man Passagen, die all diese Sichtweisen bestätigen.

Ob etwas wirklich existiert oder nicht, ist nicht wichtig, sondern woran das Bewusstsein glaubt ist wichtig. Bindung ist der Glaube des Bewusstseins an die Existenz bestimmter bindender Faktoren. Die Welt bindet; alle Menschen sind Quellen von Übel und Begrenzungen‘, - diese Vorstellung des Einzelnen muss überwunden werden, damit die Übles erzeugenden‘ Elemente von der Seele entfernt werden. Dies ist möglich, wenn der Einzelne sich entweder von der kausalen Welt vollständig loslöst oder sich mit ihr vollständig identifiziert. Der Einzelne kann sich nicht von der Welt loslösen, da er Teil der Welt ist. Darum bleibt als Ausweg nur, sich mit der Welt zu vereinen. Die erste Absicht ist scheinbar schwer und unpraktisch, die zweite ist löblich und der richtige Weg zur Selbstintegration.


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