Du bist hier: Götter und Meister / Meister, Heilige und Avatare / Ramana Maharshi

Ramana Maharshi

Ramana Maharshi (* 30. Dezember 1879 in Tiruchuli, im südindischen Tamil Nadu; † 14. April 1950 in Tiruvannamalai, Indien) war ein indischer Mönch. Viele seiner Bewunderer sprechen ihm den Status eines selbstverwirklichten Gurus zu. Mit dem Weg des "Atmavichara" begründete er die heute wohl wichtigste Methode innerhalb des Jnana-Yogas.

Kindheit

Ramana Maharshi wurde am 30. Dezember 1879, in einer dem Shiva Mahadeva geheiligten Nacht, in Tiruchuzhi im südindischen Tamil Nadu geboren, als zweiter von drei Söhnen des brahmanischen Anwalts Sundaram Ayyar und seiner Frau Alagammal. Seine Eltern nannten ihn Venkataraman. Seine Schulzeit verlief ohne Besonderheiten, er lernte drei Jahre in Tiruchuzhi, dann ein Jahr in Dindigul. Auffällig war nur Venkataramas gutes Gedächtnis, denn er konnte sich an alles erinnern, was er einmal gehört oder gelesen hatte. Als er zwölf Jahre alt war, starb sein Vater, woraufhin er im Hause seines Onkels aufgenommen wurde. Dort in Madurai besuchte er zunächst die Scotts Middle School, dann die American Mission High School, wobei er sich durch seine Sportlichkeit hervortat. Außerdem fiel er schon damalas durch seine ausgeprägte Spiritualität auf, so besuchte er besonders oft den berühmten Minakshi-Tempel. Dabei wurde er besonders stark durch die Erzählung von den Nayanmars beeindruckt, den 63 südindisch-shivaitischen Heiligen.

Jugend

Im Alter von 16 Jahren hatte Venkataraman eine seltsame Erfahrung. Obwohl er bei bester Gesundheit war, wurde er plötzlich von einer elementaren Todesangst ergriffen. Von dieser spontanen Furcht angetrieben, vertiefte er sich in die Frage: „Was ist es, das da stirbt?“ Um das herauszufinden, ahmte er eine Leiche nach, lag mit starren Gliedern auf dem Boden. Nun fragte er sich: „Bin ich der Körper? Sterbe jetzt ich?“ Sein Bewusstsein war jedoch wach und lebendig wie zuvor. In diesem Moment durchfuhr ihn die intuitive Einsicht, dass er unsterbliches Bewusstsein war, unabhängig vom Körper und dessen Schicksal. Später beschrieb er dies so: "Das ‘Selbst’ war etwas sehr Reales, das einzige Reale in meinem derzeitigen Zustand, und die gesamte bewusste Aktivität meines Körpers konzentrierte sich auf dieses ‘Selbst’. Seither ist die faszinierende Kraft dieses ‘Selbst’ im Mittelpunkt meiner Aufmerksamkeit geblieben ... Das Aufgesaugt-Sein in das ‘Selbst’ dauert seitdem ohne Unterbrechung an. Andere Gedanken erscheinen und verschwinden wieder, ähnlich wie die Noten eines Musikstücks, aber das ‘Selbst’ ist wie ein Grundton unter den anderen Noten stets vorhanden und mischt sich mit diesen. Auch wenn mein Körper vom Reden, Lesen oder was auch immer eingenommen ist, ist mein ganzes Sein nicht minder auf das ‘Selbst’ zentriert. Vor dieser Krise vermochte ich das ‘Selbst’ nicht klar wahrzunehmen, und ich fühlte mich nicht bewusst vom ‘Selbst’ angezogen." 

Spiritueller Werdegang

Entsagung und Mönchswerdung

Die Verwandlung, die in Venkataraman vorgegangen war, führte dazu, dass er in der Folgezeit immer mehr Abstand zu seinem bisherigen Leben gewann. Er fühlte sich zunehmend zur Meditation und zum Göttlichen hingezogen und verlor das Interesse, seinen schulischen Verpflichtungen nachzukommen. So verschwand er am 29. August 1896 von zu Hause, um zum heiligen Berg Arunachala zu reisen. Drei Tage später gelangte er zum dortigen Tempel des Arunachaleshvara Shiva in Tiruvannamalai. Nachdem er sich für ein Leben der Entsagung entschieden hatte, begann er dort eine Phase intensivster Meditation, wobei er beständig schwieg. Allmählich sammelten sich spirituelle Sucher um ihn. Einige Zeit später schrieb er auf die drängenden Fragen eines Tempelbesuchers hin seine Herkunft auf. Daraufhin wurde er von seiner Mutter gefunden, konnte jedoch nicht dazu bewegt werden, nach Hause zurückzukehren.

Auszug und Ashramgründung

Nachdem Venkataraman einige Jahre in dem Shiva Tempel verbracht hatte, ließ er sich in der Virupaksha-Höhle nieder, am heiligen Berge Arunachala. Trotz seines zurückgezogenen Lebens empfing er weiterhin spirituelle Aspiranten die sich für Rat und Führung an ihn wendeten. Bald schon gaben ihm seine Schüler den Namen "Ramana Maharshi", wobei "Maharshi" in etwa „großer heiliger Weiser“ bedeutet. 1916 stießen seine Mutter und sein Bruder Nagasundaram zu ihm, die unter seinem Einfluss ebenfalls zu Sannyasins (weltentsagenden Yogis) wurden. Allmählich entstand der "Skanda Ashram", zunächst an der Höhle, später etwas oberhalb am Arunachala. Nachdem seine Mutter 1922 gestorben war, wurde an ihrem Grab ein Schrein gebaut. Einige Zeit später entstand dort der heutige Shri Ramana Ashram. Den Menschen, die zu ihm kamen, half Ramana Maharshi nicht nur durch sein persönliches Beispiel und durch seine Unterweisungen, sondern schon allein durch sein Schweigen. Er sagte dazu: „Ein Verwirklichter sendet Wellen spiritueller Kraft aus, die viele Menschen anziehen. Er mag dabei in einer Höhle sitzen und schweigen. Wir können uns lange Vorträge über die Wahrheit anhören und doch kaum etwas begreifen; doch wenn wir in Verbindung mit einem Verwirklichten kommen, werden wir sofort begreifen, obgleich er nichts sagt.“ Selbst diejenigen, die seinem Weg nicht folgten, beeindruckte er durch seine innere Stille, seine Einfachheit und Bescheidenheit.

Die Lehre

Jnana Yoga. Die von Shankara vertretene Lehre des Advaita Vedanta, sah Ramana Maharshi als diejenige Philosophie und Praxis an, die seinen eigenen Erfahrungen am nächsten kam. Der Begriff Jnana (Erkenntnis) schloss für ihn die spirituelle Befreiung (Moksha) ein: „Wisse, dass nur Jnana Nichtverhaftung ist. Nur Jnana ist Reinheit; Jnana ist die Verwirklichung Gottes ... in diesem höchsten Zustand gibt es nichts, was man erreichen könnte, außer sich selbst".

Selbstoffenbarung. Ramana Maharshi weist zunächst darauf hin, dasa der Ausdruck „Verwirklichung“ an sich in die Irre führe, da das Selbst im Menschen ja bereits vorhanden sei. Vielmehr berichtet er von der "Offenbarung" des wahren Selbst, sobald man die Identifikation mit Körper und Verstand aufgegeben habe. Um diesen Zustand der Befreiung zu bezeichnen, gebrauchte er zum einen das Wort "Turiya-Avastha", also "vierter Zustand". Zum anderen bezog er sich auf die Selbstverwirklichung als "Turiyatita", was „das Vierte übersteigend“ bedeutet.

Atman. Außerdem beschäftigte sich Ramani Maharshi mit dem Atman, dem reinen Bewusstsein: "Die Menschen möchten das Selbst als etwas Neues sehen. Aber es ist ewig und gleichbleibend. Sie wollen es als strahlendes Licht oder so etwas sehen. Wie wäre das möglich! Es ist weder Licht noch Finsternis. Es ist nur, was es ist und kann nicht definiert werden. Die beste Definition ist ‘Ich bin, der ich bin’. ‘Wirklichkeit ist reines Bewusstsein‘. Das Selbst ist ‘die höchste, beseligende ursprüngliche Wirklichkeit. Ihre Form ist Schweigen.‘

Methode. Um die Selbstoffenbarung das zu erreichen, entwickelte Ramana Maharshi die Lehre des "Atmavichara": „Selbst-Hinterfragung ist der Vorgang und auch das Ziel. ‘Ich bin’ ist das Ziel und letztendliche Wirklichkeit. Sich mit Bemühung daran zu halten, ist Selbst-Hinterfragung. Wenn es spontan und natürlich ist, dann ist es Verwirklichung“. Konkret soll der Aspriant dabei das Aufsteigen von Ich-Gedanken aus dem Selbst und sein Zurücksinken dorthin beobachten.

Seminare

Jnana Yoga und Vedanta

Datum: 08.04.2022 - 10.04.2022
Ort: Bad Meinberg
Leiter: Premala von Rabenau
  Mehr erfahren

Jnana Yoga und Vedanta

Datum: 21.04.2023 - 23.04.2023
Ort: Westerwald
  Mehr erfahren

Tod und Samadhi

Nach einer längeren Krebserkrankung, die seinen Zustand innerer Stille und Zufriedenheit nicht zu erschüttern vermochte, starb Ramana Maharshi am 14. April 1950. Im Moment seines Maha-Samadhi erleuchtete ein Meteor den Himmel über dem Arunachala. Noch heute spüren viele Menschen die spirituelle Präsenz Ramana Maharshis an diesem Ort. Auch ich habe sie erfahren: Als ich diesen Text schrieb, wurde ich mehrmals in eine seltsame, tiefe Stille hineingezogen.

Vermächtnis

Ramana Maharshi hatte keine Schüler im engeren Sinne angenommen, da er die traditionelle Lehrer-Schüler- Beziehung für sich selbst als unpassend empfand. Viele Yogis wurden jedoch unmittelbar durch ihn beeinflusst und betrachteten ihn als ihren Lehrer. Dazu zählen sich unter anderem:

H.W.L. Poonja1910-1997Heiliger, Autor
Ganapati Muni1878–1936Gelehrter, Poet
Svami Ramdas1884-1963Heiliger, Wandermönch
Paul Brunton1898-1981Journalist, Autor
Shri Annamalai Svami1906-1995Heiliger, Mönch
Henri Le Saux1910-1973Mönch, Autor
Yogi Ramsuratkumar1918-2001Heiliger, Mystiker
Jean Klein1912-1998Autor, Gelehrter
Robert Adams1928-1997Autor, Gelehrter
Yoga Vidya Yoga, Meditation, Ayurveda, Yoga Ausbildungen, Yoga Kurse, Yoga Ferien hat 4,53 von 5 Sternen 619 Bewertungen auf ProvenExpert.com