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20. Kapitel Shankara Jayanthi


Guru charanam, bhaja charanam,
Satguru charanam, bhava haranam.
Mânasa bhajare, guru charanam,
Dustara bhava sâgara taranam.
Guru maharâj guru jaya jaya,
Para brahma satguru jaya jaya.

Religion bedeutet Verwirklichung, nicht nur bloßes Lernen oder reine Phantasie oder ein geistiges Konzept. Sie ist auch keine Einbildung oder Beeinflussung des Gehirns, noch ist sie eine Entscheidung, zu der man infolge intellektueller Auseinandersetzung gelangt.

Das erklärt Shankara, Indiens größter Heiliger und Philosoph, der als Inkarnation von Shiva angesehen wird und der respektvoll auch Shrimath Adi Shankaracharya85 genannt wird.

Wofür sonst können wir ihn halten als für Shiva selbst, der da unangefochten und unerschrocken verkündet: „Ich bin das Selbst von allen, ich bin alles, ich bin transzendent, ich bin Eins ohne ein Zweites, ich bin das Absolute; ich bin grenzenloses Bewusstsein; ich bin reine Wonne.“

Shankara
ist der Vedanta Guru (vedanta = Philosophie der Einheit).
Er wurde als Inkarnation Gottes zu einer Zeit geboren, als Indiens Gedankengut und Kultur in Verfall gerieten, der ethisch-moralisch hochstehende und weit verbreitete Einfluss der buddhistischen Kultur86 allmählich nachließ und Orientierungslosigkeit um sich griff. Plötzlich kamen viele Sekten auf und verwirrten die Menschen durch ihre Lehren. Negative gesellschaftliche Einflüsse und blinder Aberglaube trieben unter dem Deckmantel der Religion die leichtgläubigen Massen in den Fanatismus und ließen sie in völliger Unwissenheit über die höchste Wirklichkeit. Es gab nicht weniger als 72 Religionsgemeinschaften und Sekten dieser Art.

Die Herabkunft Krishnas (Inkarnation von Vishnu, dem Schöpfergott)
erneuerte den Hinduismus und rettete manch eine Seele vor dem Untergang – Seelen, die sich andernfalls, infolge einer falschen Auslegung der Veden und der Upanishaden, der Passivität, dem Fatalismus, hingegeben hätten. Auf gleiche Weise erschien Shankara auf der Erde, um viele ringende Seelen zu retten. Er befreite und erleuchtete sie mit seiner friedlichen, nicht fordernden Überzeugungskraft und liebevollen Verbreitung seiner Lehre. Dank seiner unwiderstehlichen Logik errang er einen einzigartigen intellektuellen Sieg über die anderen Philosophieschulen. Angesichts seiner Lehre erwiesen sich alle anderen Theorien als Trugbilder und Irrtum.

Es war Shankara, der so die gedankliche und kulturelle Einheit und Reinheit des Hinduismus begründete. Aberglaube und verfälschte Praktiken verschwanden in kürzester Zeit.

Dank der Bemühungen Shankaras kamen die klassischen sechs indischen Philosophiesysteme, welche vorher durch Schwätzer in den Hintergrund gedrängt worden waren, wieder zur Geltung.

Er siegte über die anderen Philosophiesysteme, weil er nicht auf seinem eigenen Glauben und seiner Überzeugung beharrte, sondern auch das Für und Wider anderer Denkweisen berücksichtigte. Er kannte auch allen anderen Theorien bis ins Kleinste. Seine Philosophie beruhte auf denselben Prinzipien und Grundlagen wie die anderen Systeme. Deshalb wurde sie von den anderen Gedankenschulen mit Respekt anerkannt, ungeachtet der unterschiedlichen Auffassungen im Überbau.

Das Geheimnis seines Sieges und seiner Überzeugungskraft lag in seinen ausgesprochen treffenden und einleuchtenden Erläuterungen und Beispielen. Niemals gründete er seine Behauptungen auf theoretischen Axiomen und unbewiesenen Hypothesen, sondern auf ganzheitlicher Erfahrung. Ferner fußten alle seine Argumente auf den Veden, die authentisch und unbestritten sind.

Shankara
ließ sich niemals in leidenschaftliche Streitgespräche ein, um seinen Standpunkt zu verteidigen oder die Theorien anderer zu widerlegen. Dank seines überragenden Intellekts verbreitete er seine meisterhaften Ausführungen in einfachen, klar verständlichen Worten, mit der gleichen höchsten Autorität wie die Bhagavad Gita, die Upanishaden, die Brahma Sutras oder der unangefochtenen Gültigkeit des Shruti Pramana usw.

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Vor allem beschränkt sich die Philosophie Shankaras nicht auf hoch intellektuelle Menschen. Sie ist auch für einen Laien leicht verständlich. Mit seinem tiefgründigen Wissen, seinem allumfassenden Lernen, seiner kühnen intuitiven Einsicht und seinen überzeugenden Erklärungen hat er das starke Gebäude des Vedanta errichtet, das für den Gelehrten und den Laien gleichermaßen zugänglich ist. Wie weise und wirkungsvoll hat er dem Gelehrten, der sich über die verschiedensten Schriften den Kopf zerbrach, als Mittel „Bhaja Govindam87, die Verehrung Krishnas, verschrieben.

Aber Vedanta ist nicht das einzige, was Shankara verkündet hat. Er regt zur Verehrung Gottes in verschiedenster Art und Weise an und befürwortet Bhakti (Hingabe zu Gott) sehr. Ohne jegliche Voreingenommenheit gegen die eine oder andere Form verfasste er zahllose von Hingabe und höchster Wahrheit überfließende Hymnen, die göttliche Ekstase und Freude auch in einem nicht entwickelten Geist hervorrufen. So erreicht er das Herz jedes ernsthaften Suchers nach Wahrheit. Sein unermüdliches Wirken zum Wohle der Menschheit zeichnet ihn auch als einen wahren, tatkräftigen Karma Yogi (aktiv Handelnder im Dienst anderer) aus.

Und hinter all dem steht seine unumschränkte Hingabe an seinen Guru. Beachte, wie er sagt: „Jeder Mensch, der dank der unvergleichlichen Barmherzigkeit und des Blickes des Satguru (Weisheitslehrer) erkennt: ‚Ich bin Brahman’, überwindet jeglichen Zweifel und, da sein Geist nun frei ist von der Täuschung, erreicht er Befreiung noch während des Lebens in diesem Körper.“ Wie wirkungsvoll und herrlich ist doch die Hingabe an den Guru!

Shankara Jayanthi
fällt auf den 5. Tag nach Vollmond im Monat Vaisakh (Mai/Juni). Studiere an diesem Tag Shankaras Werke, bete und meditiere. Möge sein Segen auf euch herabregnen!

85. Shrimath = ehrfurchtsvolle Bezeichnung für Heilige; adi = Anfang, Ursprung; acharya = Meister
86. Buddha lebte im 6. Jh. v. Chr. Vom 3. v. Chr. bis 4. Jh. n. Chr. waren weite Teile Indiens buddhistisch. Ab dem 4. Jh. n. Chr. verschwand der Buddhismus weitgehend aus Indien.
87. Buddha lebte im 6. Jh. v. Chr. Vom 3. v. Chr. bis 4. Jh. n. Chr. waren weite Teile Indiens buddhistisch. Ab dem 4. Jh. n. Chr. verschwand der Buddhismus weitgehend aus Indien.



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