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Swami Krishnananda:

Antwort auf deine Fragen

Kapitel 3

Über die Meditation und das Dienen

Ronald: Was ist der Zweck der Meditation? Was ist das Ziel und woher weiß man, wann man das Ziel erreicht hat?

Swamiji: Du solltest Dir die Fragen selbst beantworten. Wie meditierst Du?

Ronald: Ich versuche so ruhig wie möglich zu sein, beobachte meinen Atem und gehe dann langsam zum Mantra über. Ich bewege mich gedanklich vom Atem zum Mantra, und dann versuche ich es, - ohne es zu verbalisieren - , zu denken; mit anderen Worten, ich lausche dem Mantra ohne irgendeine physikalische Bewegung oder physikalische Äußerung, und wenn die Gedanken aufsteigen, versuche ich mich wie ein desinteressierter Beobachter zu verhalten. Ich versuche mich, mit keinem Gedanken zu identifizieren, - den Gedanken zwar zu beobachten, ihn aber nicht festzuhalten, und dann erlaube ich dem nächsten Gedanken aufzusteigen.

Swamiji: Du sagst, daß du versuchst nach innen zu gehen, aber warum möchtest du nach innen gehen? Was erwartest Du dadurch? Welchen Zweck verfolgst Du damit gedanklich?

Ronald: Ich möchte nach Innen gehen, um mein “Selbst” unbeeinflußt durch externe Einflüsse wahrzunehmen. Ich möchte ein größeres Bewußtsein von dem erlangen, was mein “Selbst” genannt wird.

Swmiji: Was verstehst Du unter dem “nach Innen gehen”? Gehst Du in Deinen Leib? Wo ist Dein “Selbst” in diesem Augenblick?

Ronald: Mein “Selbst” befindet sich genau hier. Das ganze Wesen schließt das “Selbst” ein, aber ich möchte mir dessen vollkommen bewußt werden, um nicht nur eine bloße Andeutung, sondern ein vollständigeres Gefühl davon zu haben.

Swamiji: Willst Du damit sagen, daß Du Dir im Augenblick Deines “Selbst’” nicht bewußt bist? Wenn Du sagst, daß Du Ronald bist, hast du kein Bewußtsein von Deinem “Selbst”?

Ronald: Auf oberflächliche Art.

Swamiji: Warum sagst Du, daß ist oberflächlich ist? Ist es nicht wirklich?

Ronald: Es ist eine Wirklichkeit, aber ich würde sagen, daß es Stufen der Wirklichkeit gibt.

Swamiji: Ich freue mich, alle diese Dinge zu hören. Sehr gut. Nun, willst Du damit sagen, daß das wirkliche “Selbst” tiefer versteckt ist als das Selbst von Ronald? Das Bewußtsein von Ronald ist auch eine Art Selbst. Du sagst, daß es oberflächlich ist, und meinst dabei, daß das tatsächliche “Selbst” tiefer ist als das Bewußtsein von Ronald. Wieviel tiefer?

Ronald: Das weiß ich nicht. Und ich weiß nicht, wie man wissen kann, wann man “ES” erreicht hat.

Swamiji: Angenommen, Du erreichst die tiefste Ebene Deines “Selbst’”. Was geschieht danach? Das ist die Antwort auf Deine Frage nach dem Zweck.

Ronald: Ich würde sagen, daß ich mich wie ein vollkommener Mensch fühlen würde.

Swamiji: Wirst Du Dir selbst immer noch als “Ronald” bewußt sein, wenn Du die tiefste Stufe Deines “Selbst” erreichst hast?

Ronald: Ich würde “Ja” sagen, denn, wenn ich es nicht täte, würde es bedeuten, daß ich in dieser Ebene begrenzt wäre. Ich würde sonst das, was ich zuvor begriffen hatte, nicht richtig erfaßt haben.

Swamiji: Das bedeutet also, daß Du Dir, wenn Du durch die tiefste Ebene Deines “Selbst” gegangen bist, auch aller anderen Ebenen Deines Selbst, die Du transzendiert hast, bewußt wärest; dann wirst Du über das Bewußtsein einer mannigfaltigen Persönlichkeit verfügen. Dann hast Du kein vereinigtes Bewußtsein, sondern ein mannigfaches Bewußtsein aller Ebenen von 'was auch immer' Du sein könntest. Du wirst Dich wie “Viele” anstatt wie “EINS” fühlen.

Ronald: Nun, ich würde sagen, daß es wie ein Gefühl vieler Aspekte von irgend etwas, aber dennoch wie ein Ganzes sein würde.

Swamiji: Meinst Du, daß diese Aspekte konzeptionell oder wirklich vorhanden sind?

Ronald: Sie sind konzeptionell.

Swamiji: Dann sind es nicht wirklich existierende Ebenen. Es sind nur einige Ideen von Dir.

Ronald: Wenn man an einem Konzept arbeitet, dann wird es Wirklichkeit.

Swamiji: Hier kommen wir zu einer großen Frage: Sind Gedanke und Wirklichkeit identisch?

Ronald: Wenn der Gedanke die aktive Welt erreicht, dann wird er Wirklichkeit.

Swamiji: Du hegst den Gedanken, daß sich die Welt außerhalb von Dir befindet. Du glaubst, daß die Welt vor Dir liegt. Kann man sagen, daß der Gedanke selbst die Welt ist, weil der Gedanke mit der Wirklichkeit identisch ist? Entsteht der Gedanke aufgrund der Welt, oder ist der Gedanke selbst die Welt?

Ronald: Ich würde sagen, der Gedanke entsteht aufgrund der Welt.

Swamiji: Dann ist das Konzept nicht mit der Wirklichkeit identisch; es handelt sich dann um zwei verschiedene Dinge. Wie auch immer, Du hast mich nach dem Zweck dieser Handlungen gefragt, und Du hast Dir Deine Antwort selbst gegeben, indem Du sagtest, daß Du Dich “vollkommen” fühlst, wenn du die tiefste Ebene Deines Selbst’ erreichst. Bist Du mit dieser Antwort zufrieden?

Ronald: Nun, ich habe es nicht erreicht.

Swamiji: Nein, aber, wenn Du es erreichst, dann wirst Du Dich vollkommen fühlen. Ein Gefühl der Vollkommenheit wird sich in Deiner Persönlichkeit ausbreiten, und das ist der Zweck der Meditation. Ist es das, woran Du denkst?

Ronald: Ja.

Swamiji: Was auch immer Du mir über den Zweck der Meditation erzählt hast ist vollkommen richtig, aber es gibt noch etwas mehr als das. Du hast nur eine Stufe erreicht; selbst dann, wenn Du in dem Sinne, wie wir versucht haben zu verstehen, zur tiefsten Ebene Deines Selbst’ gehst, bedeutet das nicht das Ende der Reise. Es gibt noch etwas. Es gibt noch etwas Bedeutenderes als das eigene tiefste Selbst, zu dem sich das Wort “Mein” gesellt. Solange diese Begriffe des “Ich, Du, Er, Sie, Es” weiterhin bestehen, haben wir nicht das endgültige Ziel des Lebens erreicht.

In der endgültigen Existenz gibt es kein “Er, Sie, Es, Ich und Du”. Niemand spricht dann über “Mein Selbst, Dein Selbst” usw.. Diese Ideen sind empirisch, versuchsweise und relativ in Verbindung mit dem Persönlichkeitsbewußtsein; das Selbst aber ist keine Person, es ist eine Superperson. Ich weise darauf hin, daß es für Dich etwas mehr zu erkennen gibt als die Ebene, die Du durch diese Analyse erreicht hast. Es braucht einige Zeit dafür, überhaupt zu verstehen, was diese große Sache ist.

Das eigene tiefste 'Selbst' zu kennen, ist gleichbedeutend mit der Erkenntnis von “Gott Selbst”. Dies zu hören, jagt einen gewaltigen Schrecken ein! Wieso ist das Erkennen der tiefsten Ebene meines Seins gleichbedeutend mit dem Erkennen von Gott? Du hast eine Vorstellung von Gott als der allumfassenden Allmacht, dem universell gegenwärtigen Sein. Ist ER in meinem eigenen Herzen, der tiefsten Ebene meines Seins, gegenwärtig? Wenn ja, wie ist mein Verhältnis zu Gott? Nachdem Du das in der tiefsten Ebene erfahren hast, wirst Du ein Gefühl der Vollkommenheit empfinden, doch die Frage über das Verhältnis zu Gott bleibt weiter bestehen. Das ist der nächste Schritt.

Was wir auch immer bis jetzt diskutiert haben, ist nur der erste Schritt. Wir haben die zweite Ebene nicht berührt. Die zweite Ebene betrifft Dein Verhältnis zum Kosmos und zu Gott Selbst. Das ist der nächste Schritt.

Es gibt da ein Buch, namens “Bhagavad Gita”, das aus achtzehn Kapiteln besteht. Die ersten sechs Kapitel befassen sich mit der Frage, über die wir bis jetzt diskutiert haben - über das tiefste Selbst und alles das. Die nächsten sechs Kapitel, vom siebenten bis zum elften Kapitel, befassen sich mit der anderen Frage über das Verhältnis zum Kosmos und zur Allmacht Selbst, und dann gibt es noch etwas mehr darüber in den letzten sechs Kapitel.

Ein eingehendes Studium dieser Tiefe ist notwendig. Du kannst das Geheimnis der Dinge nicht in wenigen Minuten einer Diskussion erkennen. Darum sagen wir auch, daß man Jahre zu den Füßen eines Meisters verbringen muß, um diese Dinge zu verstehen. Bücher können diese Dinge nicht immer klarstellen. Man benötigt den göttlichen Segen. Entsprechend der indischen Tradition kommt dieser Segen durch den Guru, und vielleicht mag sie auch durch Gott Selbst kommen. Es ist eine Suche, die sich ein Leben lang fortsetzen wird. Es ist nicht eine Frage weniger Monate oder Jahre, die Suche wird sich solange fortsetzen, bis man keinen einzigen Zweifel mehr hegt. Zu fragen, wie man wissen wird, daß man “ES” erreicht hat, ist eine Frage des Zweifels. Ein Mensch, der “ES” erreicht hat, hat keine Zweifel.

Woher weißt Du, daß es Tag und nicht Nacht ist, und woher weißt Du, daß Du ein Mensch bist? Woher weißt Du, daß Du Ronald bist? Dies entspringt einer intuitiven Wahrnehmung, und diese Art der Wahrnehmung wird sich dann offenbaren. Du wirst danach keine Frage mehr stellen, “ob Du es erreicht hast oder nicht”. Ein Mensch, der Zweifel darüber hat, “ob er es erreicht hat oder nicht”, hat es nicht erreicht. Er befindet sich noch außerhalb des Selbst. Du mußt viele Jahre zu den Füßen eines Gurus verbringen, dann werden diese Fragen geklärt werden.

Es war für uns ein demütiger Segen, bei einem großen Meister wie Swami Shivananda sein zu dürfen. Wir haben körperlich mit ihm einige zwanzig Jahre lang zusammengelebt, und welchen Frieden wir auch immer in unserem Geist empfinden, er ist nicht auf dem Studium von Schriften gewachsen, sondern er hat sich aufgrund der Gegenwart des Meisters eingestellt. Die Persönlichkeit des Meisters bringt eine Energie und eine Art von Segen hervor, die unbeschreiblich ist. Man weiß tatsächlich nicht, was dieser Segen bedeutet. Man fühlt sich aufgeladen, geklärt, hochgehoben, gestärkt und in ein neues Licht getaucht, bloß weil man mit ihm in Kontakt ist und ihn täglich sieht, mit ihm spricht und ihm nahe ist.

Das Studium der Bücher ist nicht genug. Man mag eine ganze Bibliothek auslesen, aber es werden noch immer Zweifel bestehen bleiben. Die Begleitung eines großen Meisters ist notwendig. Nun bist Du auf dem richtigen Wege, aber Du hast noch eine lange Reise vor Dir. Sei glücklich, daß Du auf dem Weg bist, aber sei auch sicher, daß Du diese Reise für eine lange Zeit fortsetzen mußt.

Ronald: Wenn uns dieses Geschenk im Leben zuteil wurde, wie können wir die Qualität unseres Lebens verbessern?

Swamiji: Das ist eine ernsthafte Frage. Bäume, Tiere, Insekten und Menschen leben. Vielleicht hast Du einen Unterschied in der Lebensqualität dieser Spezies beobachtet. Obgleich die Bäume leben, scheinen wir ein besseres Leben als diese oder als die Tiere zu leben; aber auf welche Weise sind wir besser? Wir atmen, die Tiere und Pflanzen atmen auch; wir essen, die Tiere und Pflanzen essen auch. Wir schlafen und sie schlafen auch. Aber, wenn wir diese Phänomene beiseite lassen, was ist die Besonderheit im menschlichen Dasein? Darauf sind schon viele verschiedene Antworten gegeben worden.

Ein Mensch kann denken und das Für und Wider einer Situation abwägen, was die Tiere nicht entsprechend tun können. Wir können aus einer gegenwärtigen Bedingung für die Zukunft Schlußfolgerungen ziehen, was den Tieren nicht vollständig möglich ist. Es gibt noch einen weiteren Aspekt. Wir möchten leben, aber warum möchten wir leben? Was ist daran schädlich, wenn jemand nicht lebt? Was steckt hinter dieser Beharrlichkeit lebendig zu sein? Was erreichen wir damit, am Leben zu sein?

Ronald: Man hofft, daß das Leben einen Zweck hat.

Swamiji: Jetzt hast Du einen lebenswichtigen Punkt berührt. Wir fühlen, daß wir durch das Leben in der Lage sind, einen Zweck zu erfüllen. Nun, was ist der Zweck?

Ronald: Ich hoffe, daß ich durch mein Hiersein die Welt ein wenig verbessern kann.

Swamiji: Du glaubst, daß durch unser Leben die Welt möglicherweise verbessert werden könnte?

Ronald: Ich hoffe.

Swamiji: Sind wir hier, um die Welt zu verbessern?

Ronald: Ich glaube, daß wir dazu da sind, um der Welt und anderen gegenüber unseren Beitrag zu leisten. Dies sollte man wirkungsvoll tun und sich zur selben Zeit friedvoll fühlen, so daß es weder zu einem Opfer noch zur eigenen Bestrafung wird.

Swamiji: Nun, was fehlt der Welt, das wir ihr geben könnten? Es scheint, daß der Welt etwas fehlt, das wir haben, wodurch sie, wenn wir es ihr geben, besser wird. Wir haben etwas, was die Welt nicht hat. Das ist es, was Du meinst. Was ist es, was der Welt fehlt und das wir haben?

Ronald: Die Welt kann ein unpersönlicher Platz sein, und wir geben ihr etwas Persönliches und Vertrauliches.

Swamiji: Du meinst, daß das Persönliche über dem Unpersönlichen steht?

Ronald: Ich würde es so sagen.

Swamiji: Hier ist eine Frage, die wir innerhalb dieser Menschenmenge hier nicht beantworten können. Dies ist eine ernsthafte Frage, die sich daraus ergibt, ob es richtig ist zu sagen, daß das Persönliche über dem Unpersönlichen steht. Es ist eine metaphysische Frage, die womöglich tief in die spirituellen Tiefen aller Existenz reicht. Können wir sagen, daß die Existenz persönlich oder unpersönlich ist. Die Persönlichkeit ist sterblich; und wenn das der Fall ist, kann man sie nicht über die Unpersönlichkeit stellen. Alles, was sterblich ist, hat keinen dauerhaften Wert, und wenn unsere Persönlichkeit sterblich ist, sollten wir uns, glaube ich, so schnell wie möglich davon befreien. Was ist gut daran, dasjenige zu umarmen, das sterblich ist? Das Bewußtsein von etwas Sterblichem stellt uns womöglich etwas Unsterblichem gegenüber.

Was ist unsterblich in dieser Welt? Wenn wir etwas dazu beitragen können, irgend etwas unsterblich zu machen, dann wäre dies eine große Sache. Doch da wir selbst sterblich sind, - welchen unsterblichen Beitrag können wir da leisten? Wer kann sich von uns etwas Lohnendes erhoffen, wenn wir selbst sterblich sind? Wenn unser Leben selbst in Gefahr ist, welchen Beitrag können wir da der Welt leisten? Jeden Augenblick vergeht alles. Die ganze Welt befindet sich in einer Entwicklung, die der Auflösung durch eine vorherrschende Bedingung unterworfen ist. Sie ist in einem Zustand des Fließens und der ständigen Bewegung, ohne irgendeinen Hinweis auf Beständigkeit. Wenn jeder Augenblick eine Entwicklung und eine Bewegung hin zur Zerstörung ist (was auch uns als Persönlichkeiten einschließt), wo ist dann der Zweck des Lebens? Es gibt entweder in uns oder auf der Welt oder in beiden etwas Unsterbliches, dem wir nachstreben, und falls irgend etwas als ein lohnender Zweck angenommen werden kann, muß es etwas sein, das in seiner Natur unsterblich ist.

Sterbliches kann nicht als sinnvoll im Leben angesehen werden. Niemand wird sterblichen Dingen nachgehen, weil uns die Sterblichkeit zu jeder Zeit im Genick packen wird. Es gibt etwas Unsterbliches, das uns am Leben erhält, und das darauf besteht, daß wir leben sollen. Dieser Wunsch, fortwährend am Leben zu bleiben, ist eine Berührung mit der Unsterblichkeit, die in uns arbeitet. Sterblichkeit kann nicht sprechen, da sie jede Minute stirbt. Wenn es nur Sterblichkeit in uns gibt, kann ich nicht mit Dir sprechen, und Du kannst nicht mit mir sprechen, denn damit zeigen wir zu jeder Sekunde die Wertlosigkeit unserer Existenz an. Aber, wenn wir wenigstens drei Minuten lang am Leben wären, würde dies zeigen, daß es mehr als nur Sterblichkeit in uns geben muß. Das Sterbliche kann nicht einmal drei Minuten existieren; es verschwindet in einer Sekunde, - was aber nicht geschieht. Wir existieren weiter, was zeigt, daß eine Unsterblichkeit in uns ist, und es liegt an uns, herausfinden, was diese Unsterblichkeit ist.

Ich glaube, die Frage nach der Unsterblichkeit ist der Zweck unseres Lebens, und wenn dieser erreicht werden kann, können wir diesen Beitrag auch der Welt leisten. Was macht es für einen Sinn, der Welt etwas Sterbliches zu geben und sich dabei einzubilden, etwas Gutes getan zu haben? Alles in der Welt trägt ein Element der Ewigkeit in sich, denn anders kann nichts existieren. Wenn wir sagen, daß das Böse existiert, meinen wir damit auch, daß sich ein göttliches Element dahinter befindet. In der Mitte der zeitlich begrenzten Dinge dieser Welt befindet sich die Ewigkeit. Zuallererst ist es notwendig für Dich zu existieren, um der Welt dienen zu können. Bist du sicher, daß Du existierst?

Ronald: Ja, ich existiere.

Swamiji: Wie lange wirst Du existieren? Wie viele Minuten? Wenn Du sagst, daß Du für die nächsten fünfzig Jahre existierst, - wer gibt Dir die Garantie dafür?

Ronald: Niemand.

Swamiji: Warum nimmst Du dann an, daß Du weitere fünfzig Jahre leben wirst? Wieso kann es zu solch einer unbegründeten Annahme kommen?

Ronald: Ich gehe nicht von der Annahme aus, daß ich noch fünfzig Jahre leben werde.

Swamiji: Und dennoch ist sie da, wie ja durch die Aussage, daß Du einen Beitrag für diese Welt leisten möchtest, zum Ausdruck kommt. Es ist eine sehr wichtige Frage. Wenn Du nicht sicher bist, daß Du über einen beträchtlichen Zeitraum hinweg existieren wirst, wird sich die Frage eines Beitrages für diese Welt nicht so bedeutsam erheben. Wenn diese Versicherung gegeben wurde, ist es wunderbar; aber laß sie dort stehen. Ansonsten ist es ein nutzloses Unternehmen, weiterhin zu sagen, daß man einen Beitrag für die Welt leisten möchte, wenn man morgen seinen letzten Atemzug machen wird. Die Doktrin vom Dienst für die Welt hat einen Defekt, der herausgefunden werden muß. Wenn der Mensch selbst nicht mehr da sein wird, - welcher Beitrag kann dann noch geleistet werden? Es gibt noch etwas mehr als Dienst im Leben, es sei denn, Du interpretierst Dienst vollständig anders.

Ronald: Was meinst Du mit “mehr im Leben”? Das deutet auf ein Bewußtsein von etwas Bestimmtem hin.

Swamiji: Ich glaube, daß ich jetzt genug gesprochen habe. Wir sollten dieses Thema auf ein anderes Mal verschieben. Dieses ist eine ernste Angelegenheit, und sollte nicht so nebenbei diskutiert werden. Es ist, wie man sagt, eine Frage auf Leben und Tod.

Wie sieht unsere Zukunft aus? Laß die Zukunft der Welt sein wie sie will. Wie sieht Deine Zukunft aus und wie sieht meine Zukunft aus? Laß uns zuerst darüber klar sein und danach über die Zukunft der Welt nachdenken. Wir haben die Welt nicht erschaffen und wir sollten uns nicht allzu sehr mit ihr beschäftigen. Laß den Schöpfer die Verantwortung für sie tragen.

Wer erschuf die Welt? Trägt “ER” dafür irgendeine Verantwortung? Oder hat sie niemand erschaffen? Wenn Du an einen personenartigen Schöpfer glaubst, der diese Welt erschaffen hat, dann trägt “ER” für sie die Verantwortung, - oder hat “ER” die Verantwortung dafür Dir oder mir zugeschoben? Laß uns darüber nachdenken.

Hat jemand die Probleme der Welt erschaffen, für die wir dann verantwortlich sind? Ist das gerecht? Wenn Gott oder jemand anders, der diese schlechte Welt erschuf, von uns erwartet, die Last mit ihm zu teilen und darunter zu leiden, dann ist “ER” weder weise noch wohltätig. Warum sollte Gott eine schlechte Welt erschaffen und von uns erwarten, sie zu verbessern?

In dieser Frage steckt etwas Nachdenkenswertes. Laß uns zunächst entscheiden, ob Gott solch eine Welt erschuf. Zweitens, - wenn “ER” eine schlechte Welt erschaffen hat - , müssen wir daran arbeiten, um diesen Fehler zu korrigieren? Ist es wahr, daß unser Dienst von der Welt gewünscht wird, oder sind wir so egoistisch uns einzubilden, daß wir die Macht hätten, die Welt einzulösen? Bevor wir weitersprechen, müssen diese Fragen beantwortet werden.

Ist es der Egoismus des Menschen, der ihm das Gefühl gibt, er wäre in der Lage zu dienen und die Welt zu verbessern? Oder steckt noch etwas anderes dahinter, das uns das Gefühl gibt, daß wir für die Welt arbeiten? Viele kamen und gingen, und sie haben die Welt genauso verlassen, wie sie war. Glaubst Du, daß eine Welt aus Eisen wegen des Dienstes so vieler Menschen zu einer Welt aus Gold wird? Buddhas und Christen kamen und gingen. Sie haben auch ihren großen Beitrag für die Welt geleistet. Möchtest Du noch mehr tun? Bist Du größer als Christus und Buddha?

Ronald: Ich glaube, daß sich das Bewußtsein in unserem Vorwärtsschreiten erheben und entwickeln kann, die Welt aber in gewissem Sinne neutral bleibt.

Swamiji: Ist die Welt schlecht?

Ronald: Nein.

Swamiji: Welchen Beitrag leistest Du dann?

Ronald: Die Welt ist nicht schlecht, sondern es ist der Mensch, der die Welt beeinflußt. Die Welt ist eine neutrale Substanz.

Swamiji: Wenn sie eine neutrale Substanz ist, dann ist es besser sie so zu belassen, wie sie ist. Warum willst Du Dich einmischen?

Ronald: Es liegt in der Natur des Menschen.

Swamiji: Was ist die Natur des Menschen? Sich in etwas einzumischen? Warum sollte er? Warum mischt er sich in etwas ein, das von jemand anderem erschaffen wurde?

Ronald: Allein durch die bloße Tatsache zu handeln, nehmen wir einen gewissen Einfluß darauf.

Swamiji: Was wollen wir letztendlich erreichen? Das sollte zunächst klar sein. Gleichgültig, ob wir einen Beitrag leisten oder nicht, was ist das endgültige Ziel? Was wollen wir erreichen? Was bedeutet dieser Beitrag, der Zweck, das endgültige Ende aller Dinge?

Dies ist eher eine Frage der Ewigkeit, denn eine Frage bezüglich der Zeit. Es gibt eine Endlosigkeit hinter all diesen Prozessen, die wir Dienst, Leben in der Welt usw. nennen. Wir können diese Angelegenheiten nicht an einem Runden Tisch diskutieren. Wir müssen in dieser Frage, die über-physikalisch, über-sozial und weitestgehend über-psychologisch ist, sehr aufrichtig sein. Es gibt etwas im Menschen, das zu der Bestimmung in Begriffen der Gesellschaft und den sozialen Beziehungen herausfordert. Du bist nicht nur ein Mitglied der Gesellschaft; es gibt in Dir etwas, das über der Gesellschaft steht. Es ist ein Stück Ewigkeit, das sich durch Dich ausdrückt und das der Grund dafür ist, daß Du das Gefühl hast, sicher und beschützt zu sein, und daß Du auf dieser Welt unendlich lange leben wirst. Jener Impuls hat sich dadurch, daß die Ewigkeit inmitten des Irdischen einhergeht, erhoben. Wir sollten solche Dinge nicht so zufällig diskutieren. Es sind ernsthafte Dinge in Beziehung auf die Zukunft der Menschheit, und die Zukunft der Seele des menschlichen Individuums. Der Drang nach Dienst, der Drang Gutes zu tun, erhebt sich durch die Einmischung jedes Individuums in die kosmische Bewegung der Natur hin zum Höchsten Absoluten. Hier liegt das Geheimnis allen Lebens und aller Bemühungen.



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