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Göttliche Erkenntnis


Tantra (Agama)

Tantra (Agama)

Die Sanskrit Literatur kann in sechs orthodoxe und vier weltliche Titel unterteilt werden. Diese sind: 1) Sruti, 2) Smriti, 3) Itihasa, 4) Purana, 5) Agama und 6) Darsana; und 1) Subhashita, 2) Kavya, 3) Nataka und 4) Alankara.

Die Agamas sind theologische Abhandlungen und praktische Handbücher zur Gottesverehrung. Die Agamas beinhalten Tantras, Mantras und Yantras. Das sind Abhandlungen, die die äußere Gottesverehrung in Bildern, Tempeln, usw. besprechen. Alle Agamas behandeln 1) Jñana, Wissen, 2) Yoga, Konzentration, 3) Kriya, Handeln und 4) Charya, Tun. Sie geben auch genaue Details über Ontologie, Kosmologie, Befreiung, Hingabe, Meditation, Mantraphilosophie, mystische Diagramme, Amulette und Zauberworte, Tempelbau, Herstellung von Bildern, häusliche Pflichten, soziale Regeln und öffentliche Feste.

Die Agamas teilen sich in drei Teile: Vaishnava, Saiva und Sakta. Die drei Hauptsekten im Hinduismus, nämlich Vaishnavismus, Shivaismus und Shaktismus, begründen ihre Lehren und Dogmas auf den jeweiligen Agamas. Die Vaishnava Agamas oder Pancharatra Agamas verherrlichen Gott als Vishnu. Die Saiva Agamas verherrlichen Gott als Shiva und ließen eine wichtige philosophische Schule entstehen, den Saiva Siddhanta. Die Sakta Agamas oder Tantras verherrlichen Gott als die Mutter der Welt unter einem der vielen Namen Devis. Die Agamas beziehen ihre Autorität nicht aus den Veden, sie widersprechen ihnen aber auch nicht. Sie sind alle in ihrem Geist und Charakter vedisch. Deshalb werden sie alle als maßgeblich angesehen.

Die Tantra Agamas gehören zum Sakta Kult. Sie verehren Shakti als die Mutter der Welt. Sie beschränken sich auf den Shakti (Energie) Aspekt Gottes und schreiben verschiedene Arten ritueller Verehrungen der göttlichen Mutter vor. Es gibt siebenundsiebzig Agamas. Sie sind in mancher Hinsicht den Puranas sehr ähnlich. Die Texte sind meist Dialoge zwischen Shiva und Parvati. In manchen von ihnen beantwortet Shiva die Fragen von Parvati und anderen, und Parvati beantwortet die Fragen Shivas. Mahanirvana, Kularnava, Kulasara, Prapanchasara, Tantraraja, Rudra Yamala, Brahma Yamala, Vishnu Yamala und Todala Tantra sind die wichtigen Werke. Die Agamas lehren okkulte Praktiken, wovon manche Kräfte verleihen, andere Erkenntnis und Freiheit. Unter den existierenden Büchern ist das Mahanirvana Tantra das berühmteste.

Tantra Yoga

Tantra Yoga ist eine der stärksten Kräfte zur spirituellen Erneuerung der Hindus gewesen. Als unwissende, nicht erleuchtete und unvorbereitete Menschen ihn praktizierten, führte es zu gewissen Mißbräuchen; und es kann nicht geleugnet werden, daß manche entartete Formen von Shaktismus nichts anderes gesucht haben als Magie, Amoral und okkulte Kräfte. Ein Beispiel für einen irregeführten Ausdruck der Wahrheit und eine Verkleidung der ursprünglichen Praktiken ist die Theorie der fünf Makaras (Pancha Makaras); - Mayda, Wein; Mamsa, Fleisch; Matsya, Fisch; Mudra, Symbolhandlungen; Maithuna, geschlechtliche Vereinigung. Die esoterische Bedeutung dieser fünf Makaras ist: »Töte den Egoismus, beherrsche das Fleisch, trinke den Wein der Gottberauschung und vereinige dich mit Gott Shiva.«

Tantra erklärt (Tanoti) bis ins kleinste Detail das Wissen bezüglich Tattva (Wahrheit, Brahman) und Mantra (mystische Silben). Es errettet (Trayate). Daher heißt es Tantra.

Die Tantras sind keine Bücher über Hexerei, Zauberei, magische Formeln und geheimnisvolle Worte. Sie sind wunderbare Schriften. Jeder Mensch, gleich welcher Kaste, welchen Glaubens und welcher Farbe, kann aus ihnen Inspiration und spirituelle Kraft schöpfen und Weisheit und ewige Wonne erwerben. Die Mahanirvana und Kularnava Tantras sind die wichtigen Bücher im Tantra Sastra. Die Yoga Kundalini Upanishad oder der Krishna Yajurveda, das Jabala Darsana, Trisikha Brahmana und die Varaha Upanishad sind nützlich, um Wissen über Kundalini Shakti und die Methoden zu erwerben, wie sie zu erwecken und zum Sahasrara Chakra am Scheitel zu führen ist.

Tantra ist in mancher Hinsicht eine Geheimlehre. Es ist Gupta Vidya. Man kann es nicht durch das Studium von Büchern erlernen. Man muß das Wissen und die Praxis von den praktischen Tantrikern, den Tantra Acharyas und Gurus erwerben, die den Schlüssel dazu besitzen. Der Tantraschüler muß über Reinheit, Glauben, Frömmigkeit, Hingabe an den Guru, Leidenschaftslosigkeit, Demut, Mut, kosmische Liebe, Wahrhaftigkeit, Nichtbegehrlichkeit und Zufriedenheit verfügen. Das Fehlen dieser Eigenschaften beim Praktizierenden bedeutet einen groben Mißbrauch des Shaktismus.

Das Shakti Tantra ist Advaita Vada. Es sagt, daß Paramatman (die höchste Seele) und Jivatman (die individuelle Seele) eins sind. Die Saktas anerkennen die Veden als grundlegende Schriften. Sie anerkennen die Sakta Tantras als Texte, die die Mittel darlegen, um das in den Veden dargestellte Ziel zu erreichen.

Tantra Yoga hebt besonders die Entwicklung von Kräften hervor, die verborgen in den sechs Chakras vorhanden sind, vom Muladhara zum Ajña. Kundalini Yoga gehört tatsächlich zum Tantra Sadhana, das eine genaue Beschreibung dieser Schlangenkraft und der Chakras (Plexus) gibt. Das ganze Tantra Sadhana zielt darauf ab, die Kundalini zu erwecken und sie mit Gott Sadashiva im Sahasrara Chakra zu vereinen. Methoden, die im Tantra Sadhana zur Anwendung kommen, um dieses Ziel zu erreichen, sind Japa des Namens der Mutter, Gebet und verschiedene Rituale.

Guru und Diksha (Einweihung)

Yoga muß von einem Guru (spirituellen Lehrer) gelernt werden. Und das gilt ganz besonders für Tantra Yoga. Der Guru erkennt die Kategorie, der der Aspirant angehört, und empfiehlt das entsprechende Sadhana.

Der Guru ist niemand anders als die höchste göttliche Mutter selbst, die zur Welt herabgestiegen ist, um den Aspiranten zu erheben. So wie man eine Lampe an der Flamme einer anderen entzündet, so wird die göttliche Shakti, die aus dem Mantra besteht, vom Guru an den Schüler weitergegeben. Der Schüler fastet, hält Brahmacharya und erhält das Mantra vom Guru.

Die Einweihung beseitigt den Schleier des Geheimnisses und befähigt den Schüler, die in den Schriften verborgene Wahrheit zu erfassen. Diese ist üblicherweise in mystischer Sprache verschlüsselt. Durch Eigenstudium kannst du sie nicht verstehen. Eigenstudium fürhrt dich nur zu noch größerer Unwissenheit. Nur der Guru wird dir durch Diksha (Einweihung) die richtige Sichtweise geben, wie die Schriften zu lesen sind, und wie du Yoga praktizieren mußt.

Voraussetzungen, um Schüler zu sein

Die Voraussetzungen dafür, ein Schüler zu sein, sind Reinheit, Vertrauen, Frömmigkeit, Leidenschaftslosigkeit, Wahrhaftigkeit und Beherrschung der Sinne. Er muß intelligent sein und an die Veden glauben. Er muß davon Abstand nehmen, irgendein Wesen zu beleidigen.

Er muß achtsam sein, fleißig, geduldig und ausdauernd. Er muß stets allen Menschen Gutes tun. Jedes Sadhana muß unter der persönlichen Leitung eines Gurus, eines spirituellen Lehrers, ausgeführt werden.

Tantra Sadhana

Bhuta Suddhi ist ein wichtiger tantrischer Ritus. Es bedeutet Reinigung der fünf Elemente, aus denen sich der Körper zusammensetzt. Der Sadhaka (Aspirant) löst den sündigen Körper auf und bildet einen neuen, göttlichen Körper. Er flößt dem Körper das Leben der Devi ein.

Nyasa ist ein sehr wichtiger und starker tantrischer Ritus. Dabei werden die Fingerspitzen der rechten Hand, unter Begleitung eines Mantras, auf verschiedene Körperteile gelegt.

In Kavacha wird das eine Brahman in verschiedenen Namen angerufen, um verschiedene Körperteile zu schützen. Man kann sich zum Beispiel Parabrahman im Sahasrara Padma im Kopf vorstellen. Über den höchsten Herrn wird im Herzen meditiert. Der Beschützer der Welt, Vishnu, wird zum Schutz der Kehle angerufen, damit der Aspirant die Mantras seines Ishta Devata ausspreche.

Ein Mudra ist ein Ritual von Gesten mit den Händen. Das Mudra erfreut die Devatas. Es gibt 108 Mudras. Beim Willkommenheißen des Devata (Avahana) wird die entsprechende Geste gemacht. Beim Opfern (Arghya) wird Matsya Mudra ausgeführt. Die rechte Hand wird auf den Rücken der linken Hand gelegt und die Daumen beider Hände werden abgestreckt. Genauso gibt es Mudras für die einzelnen Handlungen während des Gottesdienstes.

Ein Yantra steht für ein Bild. Es ist ein Objekt der Verehrung. Ein Yantra ist ein auf Papier gezeichnetes Diagramm. Es wird auch auf ein Metallblatt graviert. Ein Yantra steht nur für einen speziellen Devata. Es gibt verschiedene Yantras für jeden Devata. Es gibt verschiedene Zeichnungen, je nach dem Objekt der Verehrung. Das Yantra ist der Körper des Devata. Allen Yantras gemeinsam ist der Rand, genannt Bhupura. Sie sind von einer Vierecksform mit vier Toren umgeben, die das Yantra umhüllt und es von der Außenwelt abschließt.

Zuerst meditiert der Sadhaka über den Devata, die Gottheit, und läßt dann den Devata in sich erstehen. Dann gibt er die so entstandene göttliche Gegenwart an das Yantra weiter. Wenn der Devata im Yantra durch das entsprechende Mantra angerufen worden ist, werden die Lebensströme (das Prana) des Devata durch die Pranapratishtha Zeremonie eingeflößt. Dadurch wird der Devata im Yantra eingesetzt. Die Materialien und Handlungen, die in der Puja zum Einsatz kommen, heißen Upachara. Es sind sechzehn: 1) Asana (der Sitz des Devata); 2) Svagata (Begrüßung des Devata); 3) Padya (Wasser zur Fußwaschung); 4) Arghya (Opferwasser); 5) Achamana (Wasser zum Trinken); Madhuparka (Honig, Ghee, Milch und Weißkäse); Snana (Bad); 8) Vastra (Kleider); 9) Abharana (Juwelen); 10) Gandha (Wohlgeruch); 11) Pushpa (Blumen); 12) Dhupa (Weihrauch); 13) Dipa (Licht); 14) Naivedya (Speisen) und Tambulam (Betel); 15) Nirajana (Arati); 16) Vandana (Verbeugung und Gebet).

Es gibt drei Arten von Sadhakas, nämlich Pasu (tierisch), Vira (taper) und Divya (göttlich).

Tantra Yoga ist die Wissenschaft zur Errettung. Er ist das wunderbare Boot, das den Menschen sicher zum anderen Ufer von Furchtlosigkeit, Unsterblichkeit, Freiheit und Vollkommenheit trägt, wenn er mit Verständnis und unter der persönlichen Anleitung eines festverwurzelten Tantra Gurus praktiziert wird.

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