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Swami Krishnananda:

Antwort auf deine Fragen

Kapitel 68

Die Furcht, die Welt zu verlieren

Swamiji: Manchmal sieht er wie ein wunderschöner, ebener und honigsüßer Pfad aus. Manchmal sieht er wie ein aufgerichteter Donnerblitz aus. In den Upanischaden steht geschrieben, daß Gott wie ein aufgerichteter Donnerblitz ist. Jeder fürchtet IHN. Sonne und Mond fürchten IHN; die Götter für­chten IHN. Jeder fürchtet diesen aufgerichteten Donnerblitz. Dies ist ein Aspekt des Richters. Gott ist ein Richter.

Der Richter flößt Furcht ein, denn wir wissen nicht, welches Urteil ER über uns fällen wird; darum fürchten wir uns vor dem Richter. Doch zur selben Zeit gewährt dieser Richter ein Gefühl von Schutz. Man wird nicht beschützt, wenn ER nicht da ist. Auf diese Weise bekommt man durch IHN ein Gefühl von Sicherheit und Zufriedenheit, doch man empfindet auch eine Bedrohung, weil man nicht weiß, was einen erwartet. Da man den Richter nicht richtig versteht, hat man IHM gegenüber ein zwiespältiges Verhältnis.

Jeder in diese Welt geborener Mensch muß diese Stufen von der dreidimensionalen Welt der Raumzeit hin zur transzendentalen Gottheit durchlaufen. Niemand weiß im voraus, welche schrecklichen Erfahrungen und Schmerzen ihm innerlich widerfahren werden. Man erfährt sie erst, wenn man ihnen tatsächlich begegnet. Manchmal befürchtet man, irgendeine wunderschöne, herrliche und wertvolle Sache zu verlieren. Die Welt geht verloren. Die Welt ist eine gute Sache; sie ist so schön anzusehen. Wir können von ihr nicht behaupten, daß sie häßlich ist. Doch es scheint, daß wir uns aus Rücksicht vor irgend etwas, von dem wir keine Ahnung haben, von ihr verabschieden müssen. Dies ist unsere Furcht.

„Wonach suche ich? Ich werfe all meinen Besitz in das Meer und dann suche ich nach etwas Nebelhaftem, Vagen, Undenkbarem, was Erleuchtung oder Gott genannt wird.“ Manchmal wird die Seele von dieser Furcht erfaßt. Nur anfangs empfindet man Begeisterung; danach findet manchmal eine Umkehrung dieser Gefühle statt. Das Bewußtsein gibt Dir einen Anstoß und sagt: „Geh’ in die Welt zurück. Es ist unmöglich für mich, mit Dir weiter zu gehen.“

Manchmal wird der Fluß einige Kilometer ins Meer hinaus getrieben, bis er salzig wird. In einigen Fälle kann auch beobachtet werden, daß aufgrund der Macht des Ozeans das Flußwasser bereits mehrere Kilometer vor der Flußmündung salzig wird, was den Fluß noch stärker vorantreibt.

Doch es gibt auch Flüsse, die so mächtig sind, daß sie das Meerwasser 300 Kilometer weit vor sich hertreiben. In Südamerika ist das bei dem Amazonas der Fall. Man sagt von ihm, daß er durch seine Macht erst 300 Kilometer nach der Flußmündung salzig wird.

Auf diese Weise werden nicht nur kleine Ströme durch die unbekannte Macht salzig. Man kann sich auch selbst vorantreiben. Warum bist Du mißtrauisch? Das Schlimme ist, wir sind durch die Sinnesorgane in dieser Welt an ein sehr glückliches, freudvolles Leben gewöhnt. Wir sehen die schönen Dinge; essen, hören, berühren und riechen wundervolle Dinge. So ist diese Welt. Die Welt besteht für uns aus fünf Dingen: schönes Sehen, Riechen, Hören, Schmecken und wundervolles Berühren. Ohne diese Empfindungen existiert keine Welt. Nun möchte man sich von diesen wundervollen Dingen zurückziehen; was geschieht dann mit Dir? All diese wunderschönen Dinge verschwinden. Was bleibt zurück, wenn all diese wundervollen Dinge davongehen? Hier liegen die Befürchtungen.

Doch, was man als schön in dieser Welt ansieht, ist in Wirklichkeit nicht schön. Es ist eine Verkehrung der Tatsachen; die Sinne führen zu dem Irrglauben, daß man schöne, geschmackvolle und wunderbare Dinge in dieser Welt sieht. Die wahre Schönheit liegt irgendwo anders, wie man sagt, in dem Vorbild, dem Original der eigenen Persönlichkeit. Das wirkliche SEIN wird durch Deinen Geist reflektiert, was dann so, wie Herr Soundso, der hier sitzt, aussieht. Auf diese Weise sind wir in Wirklichkeit alle Spiegelbilder unseres eigenen Selbst’. Die Originale befinden sich irgendwo anders. Wenn die Spiegelbilder schon so attraktiv sind, wie müssen dann erst die Originale sein? Dies erzähle Deinem Verstand: „Fürchte Dich nicht. Ich möchte nur etwas Besseres als das erreichen, was ich hier in dieser Welt bekomme.“

Doch, wenn man sich diesbezüglich psychologisch in einer Sackgasse befindet, bedeutet ein Guru die einzige Lösung. Es ist nicht möglich, diesen Weg alleine zu gehen. Sonst steht man eines Tages vor einer schwarzen Wand oder einem Vorhang und findet keinen Ausweg mehr. Wenn Du keinen Ausweg mehr weißt, dann gehe zu Deinem Lehrer und sage ihm: „Ich habe dies Problem. Ich habe Kummer, bitte gib mir einen Rat?“ Was auch immer der Guru in diesem Augenblick sagen wird, ist die Lösung des Problems.

Jeder Schüler braucht einen Guru. Ein Voranschreiten in völliger Unabhängigkeit ist nicht möglich. Selbst ein Flugzeug kann nicht nur mit dem eigenem Willen und ohne Training durch einen Guru geführt werden, sonst werden einem Fehler unterlaufen. Ein Guru ist für alles erforderlich. Wo die Zukunft, besonders auf diesem Wege, vollkommen unbekannt ist, ist ein Lehrer für uns unbedingt erforderlich. Wir bewegen uns auf einer Spur, von der wir überhaupt keine Ahnung haben, und wir wissen nicht, was vor uns liegt. Und so müssen wir allein durch die Aufmerksamkeit des Gurus geführt werden, und wenn man einen kompetenten Guru hat, sollte es auch keine Probleme geben.

Man sollte nicht jeden Tag zu seinem Guru gehen und Fragen stellen, doch wann immer man eindeutige, schmerzliche Erfahrungen macht, die an den Lebensnerv gehen und Kummer bereiten, dann sollte man ihm von seinen Schwierigkeiten berichten.

Manchmal muß man sich selbst gegenüber Nachsicht üben. Man sollte sich selbst gegenüber nicht immer nur hart sein und sich dauernd unter Druck setzen, denn spirituelle Disziplin hat nichts mit Folter zu tun; wenn man sich zu sehr unter Druck setzt, werden Körper und Geist darauf reagieren und der Erfolg bleibt danach aus. Man muß sehr behutsam vorgehen. Man sollte weder zu nachsichtig sein, noch sollte man es bei seiner Strebsamkeit zu sehr übertreiben. Beides muß vermieden werden.

Manchmal bleiben wir in unserer Begeisterung nicht auf dem goldenen Mittelweg und werden innerlich oder äußerlich von Krankheiten befallen. Aus diesem Grunde ist ein Lehrer notwendig, der uns vor Übertreibungen bewahrt und lehrt, was richtig für uns ist. Ein Guru ist notwendig. Geh hin, um Deinen Guru zu treffen.

Besucher: Ich bin mir nicht sicher, ob ich Dich richtig verstanden habe, was Du mit dem „Richter (Gericht)“ gemeint hast, doch, ist es richtig, daß, wenn man in das Unbekannte geht, das „Jüngste Gericht“, dem man dann gegenüber steht, gleichbedeutend mit der Wahrheit selbst ist? Es ist mir nicht eindeutig klar. Und Du sagtest, es ist der Richter, bei dem wir gleichzeitig auch Sicherheit finden. Ist es das, was Du damit meinst?

Swamiji: Der Richter ist eine Quelle der Sicherheit und auch eine Quelle der Furcht.

Besucher: Das ist richtig.

Swamiji: Weißt Du, warum das so ist? ER handelt in beide Richtungen. ER kann auf jede Weise handeln; darum fürchtest und liebst Du IHN gleichzeitig. Einerseits kannst Du ohne IHN nicht leben, und doch möchtest Du andererseits durch IHN nicht all zu oft gestört werden.

Besucher: Ist ER denn wie die Wahrheit Selbst? Die Wahrheit ist schmerzhaft und dennoch befreit sie auch.

Swamiji: Ja das ist richtig. Es ist schmerzhaft, und doch wird man durch IHN befreit. Es ist für das verhaftete Individuum, das sich nicht selbst befreien möchte, von dem Augenblick an schmerzhaft, wo Verhaftungen als notwendiges Erlebnis der Freude angenommen wurden. Wir sind in einem Zustand der Verhaftungen, doch wir denken nicht daran, daß es sinnvoll ist, uns dieser Verhaftungen von einer Sekunde zur anderen zu entledigen. Wir haben, den Körper eingeschlossen, unsere eigenen Beziehungen aufgebaut. Dies sind die Quellen der Verhaftungen, doch wir möchten uns ihrer nicht entledigen. Verhaftungen werden ebenfalls zu einem Teil unserer Existenz. Für Menschen, die fünfzig Jahre lang hinter Gittern lebten, wird dieser Zustand zu einem Teil ihres Lebens; wenn sie ihr Gefängnis verlassen können, wird die wieder gewonnene Freiheit eine Zeit lang zu einer seltsamen Angelegenheit. Alle Gewohnheiten, welche auch immer wir angenommen haben, sehen für uns normal aus, obgleich sie in Wirklichkeit nicht normal sind.

Manche Menschen sind andauernd krank. Sie fühlen sich niemals wirklich gesund. Sie leiden unter Fieber, Magenschmerzen und Appetitlosigkeit, so geht das Tage und Monate lang und dieser Zustand wird ein Teil ihres Lebensinhaltes. Sie wissen nicht einmal mehr, was Gesundheit bedeutet. So sehr ist man in die Dinge verwickelt. Aus diesem Grunde wird befürchtet, von den weltlichen Verwicklungen getrennt zu werden, da es etwas ganz Normales und Wirkliches geworden ist.

Die andere Sache, die nun wirklich normal und das höchst Normale ist, hat für uns etwas Abstraktes und ist nur eine Art Gedanke. Ein direkter Kontakt damit scheint nicht sinnvoll. Wir kommen nur durch die Sinnesorgane mit wirklichen, substantiellen Objekten direkt in Berührung, doch können wir keinen physikalischen Kontakt zu Dingen aufnehmen, die wir als Ultimative Wirklichkeit wahrnehmen. ES bleibt fast immer nur als eine Art Gedanke bestehen, denn wir sind nicht in der Lage, uns selbst vollständig davon zu überzeugen, daß das, was wir nur als ein Gedanke wahrnehmen, genauso gut ist, wie die physikalische Berührung.

Auf diese Weise erzeugen viele Arten psychologischer Wahrnehmungen in uns Furcht und Belästigungen. Wir können uns von diesen Dingen nicht ohne die praktische Führung eines Gurus befreien.



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