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Göttliche Erkenntnis


Schüler

Schüler

Ein Schüler ist jemand, der den Anweisungen des Gurus in Wort und Geist folgt, und der bis zum Ende seines Lebens die Lehren des Gurus an Seelen weitergibt, die am Weg weniger weit fortgeschritten sind.

Ein wahrer Schüler macht sich nur Gedanken um die göttliche Natur des Gurus. Die Handlungen des Gurus als Mensch kümmern den Schüler nicht. Er beachtet sie überhaupt nicht. Für ihn ist der Guru ein Guru, auch wenn er unkonventionell handelt. Denke immer daran, daß das Wesen eines Heiligen unerforschlich ist. Urteile nicht über ihn. Messe nicht seine göttliche Natur mit dem unzulänglichen Maßband deiner Unwissenheit. Kritisiere nicht die Handlung deines Gurus, die er mit universeller Sicht ausführt.

Wahre Schülerschaft öffnet den Blick. Sie entzündet das spirituelle Feuer. Sie erweckt die schlummernden Fähigkeiten. Sie ist äußerst wichtig auf der Reise am spirituellen Pfad. Guru und Schüler werden eins. Der Guru segnet, führt und inspiriert den Schüler. Er überträgt ihm seine spirituelle Kraft. Er transformiert und spiritualisiert ihn.

Wer kann zum Guru gehen?

Um zu einem Guru zu gehen, muß man ein richtiger Adhikari sein. Richtiges Verstehen, Nichthängen an weltlichen Dingen, Gelassenheit des Geistes, Mäßigung der Sinne, Fehlen von niedrigen Leidenschaften, Vertrauen zum Guru und Hingabe an Gott sind die notwendigen Voraussetzungen, mit denen der Aspirant zum Guru gehen sollte.

Der Guru wird nur dem Aspiranten spirituelle Unterweisung geben, der nach Befreiung dürstet, der die Vorschriften der Shastras beachtet, wie es sich geziemt, der seine Leidenschaften und Sinne beherrscht hat, und der einen ruhigen Geist und tugendhafte Eigenschaften wie Barmherzigkeit, kosmische Liebe, Geduld, Bescheidenheit und Ausdauer besitzt. Die Einweihung in die Geheimnisse über Brahman wird nur dann Früchte tragen und Jñana in ihm erzeugen, wenn der Geist des Schülers wunschlos wird.

Guru-Seva

Aspiranten müssen ihre gesamte Aufmerksamkeit am Anfang auf die Beseitigung von Selbstsucht richten durch dauernden Dienst am Guru. Diene deinem Guru mit göttlichem Bhava. Der Krebs der Individualität wird sich auflösen.

Der Kapitän eines Schiffes ist immer achtsam. Ein Fischer ist immer achtsam. Ein Chirurg im Operationssaal ist immer achtsam. Genauso muß ein hungernder und dürstender Aspirant immer achtsam sein im Dienst an seinem Guru.

Lebe, um dem Guru zu dienen. Du mußt nach Gelegenheiten auf der Lauer liegen. Warte nicht auf eine Einladung. Melde dich freiwillig zum Dienst am Guru. Diene deinem Guru demütig, bereitwillig, ohne Fragen zu stellen, bescheiden, bereitwillig, unermüdlich und liebevoll. Je mehr Energie du für den Dienst am Guru aufwendest, umso mehr göttliche Energie wird in dich fließen.

Wer dem Guru dient, dient der ganzen Welt. Diene dem Guru ohne selbstsüchtige Absichten. Prüfe deine inneren Motive, während du dem Guru dienst. Der Dienst am Guru muß ohne Erwartungen von Name, Ruhm, Macht und Reichtum ausgeführt werden.

Gehorsam gegenüber dem Guru

Gehorsam gegenüber dem Guru ist besser als Ehrerbietung. Gehorsam ist eine wertvolle Tugend, denn wenn man versucht, die Tugend des Gehorsams zu entwickeln, wird das Ego, der Erzfeind auf dem Weg zur Selbstverwirklichung, langsam entwurzelt.

Nur der Schüler, der seinem Guru gehorcht, kann Beherrschung über sein niederes Selbst haben. Der Gehorsam muß sehr praktisch sein, aus vollem Herzen und wirklich dauerhaft. Wahrer Gehorsam gegenüber dem Guru schiebt weder auf noch fragt er. Ein heuchlerischer Schüler gehorcht dem Guru aus Angst. Ein wahrer Schüler gehorcht seinem Guru aus reiner Liebe, um der Liebe willen. Lerne zu gehorchen. Nur dann kannst du befehlen. Lerne, ein Schüler zu sein. Nur dann kannst du ein Guru werden.

Gib die irreführende Vorstellung auf, daß es eine sklavische Mentalität bedeutet, sich dem Guru zu unterwerfen, ihm zu gehorchen und seine Anweisungen auszuführen. Der Unwissende meint, es sei unter seiner Würde und gegen seine Freiheit, sich dem Befehl eines anderen zu unterwerfen. Das ist grober Unsinn. Wenn du sorgfältig überlegst, wirst du feststellen, daß deine individuelle Freiheit in Wirklichkeit eine absolut sklavische Ergebenheit deinem Ego und deiner Eitelkeit gegenüber ist. Es sind die Schrullen des sinnlichen Geistes. Wer den Geist und das Ego besiegt, ist wirklich ein freier Mensch. Er ist der Held. Und um diesen Sieg zu erlangen, unterwirft sich dieser Mensch der höher spiritualisierten Persönlichkeit des Gurus. Durch diese Unterwerfung vernichtet er sein niederes Ego und verwirklicht die Wonne unendlichen Bewußtseins.

Unbekümmerte Schüler

Der spirituelle Weg ist nicht dasselbe wie das Schreiben einer Doktorarbeit. Es ist genau genommen eigentlich etwas ganz anderes. Die Hilfe des Lehrers ist ununterbrochen notwendig. Heutzutage werden junge Aspiranten überheblich, arrogant und anmaßend. Sie gehorchen nicht den Anordnungen eines Gurus. Sie wollen keinen Guru haben. Sie wollen von Anfang an Unabhängigkeit. Sie meinen, sie seien in Turya Avastha, wenn sie noch nicht einmal das ABC von Spiritualität oder Wahrheit beherrschen. Sie halten irrtümlich Zügellosigkeit oder »Den eigene Weg und süßen Willen haben.« für Freiheit. Das ist ein schwerer, beklagenswerter Fehler. Deshalb wachsen sie nicht. Sie verlieren den Glauben an die Wirksamkeit des Sadhana und die Existenz Gottes. Sie gehen unbekümmert herum, ziellos, von Kashmir nach Gangotri und von Gangotri nach Ramesvaram, sprechen auf ihrem Weg Unsinn, manchmal über Vichara Sagar, manchmal über Panchadasi und stellen sich als Jivanmuktas dar.

Hingabe und Gnade

Wenn du Wasser von Wasserhahn trinken möchtest, mußt du dich niederbeugen. Ebenso, wenn du den spirituellen Nektar der Unsterblichkeit trinken willst, der von den heiligen Lippen des Gurus fließt, mußt du eine Verkörperung von Demut und Sanftmut sein.

Die niedere Natur des Geistes muß vollständig regeneriert werden. Der Aspirant sagt zum Lehrer: »Ich möchte Yoga praktizieren. Ich möchte Nirvikalpa Samadhi erreichen. Ich möchte zu deinen Füßen sitzen. Ich habe mich dir ergeben.« Aber er möchte seine niedere Natur, seine Gewohnheiten, seinen alten Charakter und sein Verhalten und Benehmen nicht aufgeben.

Das individuelle Ego eines Menschen, vorgefaßte Ideen, Lieblingsgedanken, Vorurteile und selbstsüchtige Interessen müssen aufgegeben werden. All das ist hinderlich, wenn man Lehren und Anweisungen des Gurus ausführen möchte.

Lege vor deinem Guru die Geheimnisse deines Herzens offen. Je mehr du das tust, desto größer wird das Wohlwollen des Gurus, was für dich einen Gewinn an Stärke im Kampf gegen Sünde und Versuchung bedeutet.

Bevor der Aspirant die Gnade des Meisters zu haben wünscht, muß er sie verdienen. Der Zufluß göttlicher Gnade erfolgt nur dann, wenn der Aspirant wirklich danach dürstet, und wenn er dazu bereit ist, sie aufzunehmen.

Die Gnade des Gurus kommt auf diejenigen herab, die sich ihm gegenüber äußerst demütig und vertrauensvoll fühlen. Glaube ist Vertrauen und Hoffnung in den Guru. Glaube ist die feste Überzeugung, daß das, was der Lehrer sagt, wahr ist, entweder durch das Mittel der Zeugenschaft oder der Maßgeblichkeit, ohne jeden anderen Beweis und weitere Bestätigung. Der Schüler, der Vertrauen zum Guru hat, diskutiert nicht, denkt nicht, überlegt nicht und sinniert nicht. Er gehorcht, gehorcht und gehorcht.

Die Hingabe des Schülers an den Guru und die Gnade des Gurus hängen zusammen. Hingabe holt die Gnade des Gurus herab, und die Gnade des Gurus macht die Hingabe vollständig.

Die Gnade des Gurus wirkt in Form von Sadhana im Aspiranten. Wenn ein Aspirant eisern an seinem Weg festhält, ist das die Gnade des Gurus. Wenn er Widerstand leistet, wenn Versuchungen auf ihn einstürzen, ist das die Gnade des Gurus. Wenn die Menschen ihn liebevoll und ehrerbietig aufnehmen, ist das die Gnade des Gurus. Wenn all seine körperlichen Bedürfnisse gestillt werden, ist das die Gnade des Gurus. Wenn er ermutigt wird und Stärke erhält, oder wenn er verwirrt und verzweifelt ist, ist das die Gnade des Gurus. Wenn er über das Körperbewußtsein hinausgelangt und in seinem Ananda Svarupa weilt, ist das die Gnade des Gurus. Fühle seine Gnade bei jedem Schritt und sei aufrichtig und vertrauensvoll zu ihm.

Wie der Guru unterweist

Der Guru lehrt durch sein persönliches Beispiel. Das Verhalten des Gurus im täglichen Leben ist ein lebendiges Ideal für den Schüler, der beobachtet. Das Leben des Gurus ist eine lebendige Predigt für den aufrichtigen Schüler. Durch den ständigen Kontakt nimmt der Schüler die Tugenden seines Gurus in sich auf. Allmählich wird er geformt. Lies die Chhandogya Upanishad. Du wirst sehen, daß Indra hundertein Jahre bei Prajapati blieb und ihm mit ganzem Herzen diente.

Nur der Guru kennt die spirituellen Bedürfnisse seines Schülers. Er gibt Upadesha je nach Temperament und Entwicklung des Schülers. Dieses Upadesha sollte geheim gehalten werden. Diskussion unter den Schülern führt zu Kritik am Guru und Schlaffheit im Sadhana. Es wird keinen spirituellen Fortschritt geben. Folge dem Upadesha des Gurus haargenau. Denke daran, daß es nur für dich gilt. Die anderen Schüler haben auch Guru-Upadesha erhalten. Laß sie es befolgen. Wende nicht das Upadesha, das du erhalten hast, auf andere an.

Der Schüler kann vom Guru aufnehmen oder profitieren je nach dem Grad seines Glaubens. Wenn der Guru zum Schüler kommt, um ihm spirituelle Anweisungen zu geben, und der Schüler dann unaufmerksam ist, überheblich und sorglos, und wenn er die Tür seines Herzens verriegelt, profitiert er nicht davon.

Wie der Guru prüft

Der Satguru teilt das geheime Wissen der Upanishaden den Schülern, denen er vertraut, erst nach wiederholtem Bitten und strengen Prüfungen mit. Manchmal versucht der Guru vielleicht sogar, seinen Schüler in Versuchung zu führen, aber letzterer muß versuchen, dies durch festes Vertrauen zum Guru zu überwinden.

Früher waren die Prüfungen sehr streng. Einmal verlangte Gorakhnath von einigen seiner Schüler, auf einen hohen Baum zu steigen und sich kopfüber auf einen sehr spitzen Dreizack, ein Trisula, zu stürzen. Viele Schüler, die kein Vertrauen hatten, schwiegen. Aber ein vertrauensvoller Schüler stieg sofort wie ein Blitz auf den Baum und stürzte sich hinab. Er wurde von der unsichtbaren Hand Gorakhnaths beschützt. Er erlangte sofort Selbstverwirklichung.

Einmal prüfte der Guru Govind Sing seine Schüler. Er sagte: »Meine lieben Schüler! Wenn ihr wahre Hingabe an mich habt, mögen sechs von euch vortreten und mir ihre Köpfe geben. Dann können wir Erfolg in unserem Unterfangen haben.« Zwei vertrauensvolle Schüler opferten ihre Köpfe. Der Guru Govind Singh nahm sie mit ins Lager und schlug stattdessen die Köpfe von zwei Ziegen ab.

Der Guru prüft die Schüler auf verschiedene Art und Weise. Manche Schüler mißverstehen ihn und verlieren den Glauben an ihn. Daher profitieren sie nicht.

Vier Arten von Schülern

Der beste Schüler ist wie Dieselöl oder Flugzeugtreibstoff. Auch aus großer Entfernung reagiert er sofort auf den Funken des Upadesha des Gurus.


Die zweite Art von Schüler ist wie Kampfer. Eine Berührung erweckt seinen inneren Geist und entzündet das Feuer der Spiritualität in ihnen.

Die dritte Art ist wie Kohle. Der Guru muß große Mühe aufwenden, um den Geist in ihnen zu erwecken. Die vierte Art ist wie der Stamm einer Platane. Jede Mühe ist vergebens. Egal, was der Guru tut, sie bleiben kalt und unempfindsam.

Zwei Dinge sind nötig, um ein schönes Bild oder eine schöne Statue zu machen. Das eine ist ein vollkommenes, fehlerloses, gutes Stück Marmor; das zweite ist ein erfahrener Bildhauer. Das Stück Marmor muß nur bedingungslos in den Händen des Bildhauers bleiben, um in das feine Bild geformt und geschnitten zu werden. Ebenso braucht der Schüler sich nur zu reinigen, zu läutern, aus sich ein vollkommenes, fehlerloses Stück Marmor zu machen und wenn er sich dann unter die erfahrene Leitung eines Meisters begibt, erlaubt er es, daß er ausgehöhlt und zum Bild Gottes gemeißelt wird.

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