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3. Kapitel - Medizinische Laufbahn

 

Nach Abschluss seines Studiums standen Kuppuswami drei Wege offen – Kunst, Wissenschaft und Medizin. Es fiel ihm sehr leicht, sich für die Medizin zu entscheiden. Damit hatte er eine Laufbahn gewählt, die ihn für den vor ihm liegenden Weg bestmöglich vorbereitete. Er nutzte zielbewusst seine Energien für diese Aufgabe und übertraf seine Studienkollegen bei weitem, schon bald auch die Studenten höherer Semester. Sehr schnell erreichte er große Fähigkeiten auf vielen Gebieten, die selbst seine Professoren verblüfften. Schon während des ersten Studienjahres hatte er Zugang zu den Operationssälen, um den Chirurgen zu assistieren. Dies gab ihm die Gelegenheit seine Kenntnisse weiter zu vertiefen.

Kuppuswami arbeitete wie ein Besessener mit unglaublichem Enthusiasmus
und Eifer. Er hatte immer ein kleines Notizbuch bei sich, in welches er jede noch so kleine Einzelheit, die für ihn von Bedeutung war, notierte. Aber auch
alltägliche Ereignisse beeinflussten seine grundsätzliche Einstellung zum Leben und bereicherten seinen Erfahrungsschatz.

Seine großartige Persönlichkeit zeigte sich schon sehr früh in seiner akademischen Laufbahn. Den normalen Stoff von zwei Jahren bewältigte er mühelos in einem Jahr. Am Abend vor seinem Examen schloss er seine Bücher und meditierte. In fast jedem Fach erzielte er Bestnoten. Er konnte Wort für Wort aus jedem Buch zitieren und wurde dafür von seinen Mitschülern und Professoren beneidet und bewundert. Seine Liebe, seine Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit beeindruckten alle, die mit ihm in Berührung kamen.

Über die wahrscheinlich ereignisreichste Zeit in seinem frühen Leben schrieb er in seiner Autobiographie folgendes: „In der Schule war ich ein außergewöhnlich fleißiger Junge. Während meiner Studienzeit am Medizinischen Institut in Tanjore fuhr ich in den Ferien nie nach Hause. Ich verbrachte die ganze Zeit mit Arbeiten und Lernen im Krankenhaus. Ich hatte freien Zutritt zum Operationssaal. Ich war einmal hier, einmal dort und erwarb so chirurgische Kenntnisse, wie sie normalerweise nur Studenten höherer Semester besaßen. Ein alter Assistenzchirurg musste sich einer Prüfung unterziehen; er gab mir seine Lehrbücher, um sie ihm vorzulesen. Dadurch konnte ich mich in theoretischem Wissen mit älteren Studenten messen. In allen Fächern war ich der Beste. Ich hatte von einem sehr engagierten Assistenten am Mannargudi-Krankenhaus gehört. Ich wollte werden wie er. Mit aller Bescheidenheit darf ich erwähnen, dass ich ein größeres Wissen besaß als viele Ärzte mit anerkannten Titeln. Meine Mutter und meine Brüder wollten mich dazu überreden, in ein anderes Fach zu wechseln, aber ich hielt unerschütterlich an meinem Entschluss fest, denn ich hatte eine große Vorliebe für die Medizin. Meine ganze Freizeit verbrachte ich mit dem Studium aller möglichen medizinischen Bücher. Im ersten Studienjahr an der „Medical School“ konnte ich bereits Prüfungsfragen beantworten, die Andere nicht einmal im letzten Jahr wussten. Ich übertraf die Mitstudenten in allen Fächern.“

Nach Abschluss der medizinischen Hochschule mit glänzenden Ergebnissen sah sich Dr. Kuppuswami nach einer Möglichkeit um, seine Leidenschaft für die Chirurgie ganz in den Dienst der Menschheit zu stellen und sich außerdem an den finanziellen Belastungen seiner Familie zu beteiligen, die seine Brüder nach dem Tod des Vaters übernommen hatten. Er schloss sich als Assistent einem Doktor in Trichinopoly an.

Dr. Kuppuswami war stets aktiv und sehr dynamisch, aber dennoch nicht ehrgeizig genug, um zu Wohlstand zu kommen. Stattdessen war Dienen sein größtes Bestreben und er kannte keine Zufriedenheit in dieser Hinsicht. Ein Tag ohne Dienst an Anderen war für ihn wie ein verlorener Tag.

Schon als junger Mensch hatte die unbefangene Art seines Wesens eine besondere Kraft die Anderen mitzureißen. Die Patienten, die zu ihm kamen, konnten sofort sein mitfühlendes Wesen spüren und schütteten ohne alle Vorbehalte ihre Herzen bei ihm aus. Das erleichterte seine Arbeit sehr. Die Zwanglosigkeit, die die Patienten bei ihm genossen, erlaubte es ihnen, ihm die ganze und ehrliche Geschichte ihrer Gebrechen zu offenbaren. Den Notleidenden in der Nähe zu helfen ist ohne Zweifel eine lohnenswerte Form des Dienens. Aber auch andere kranke Menschen brauchen Hilfe. Noch wichtiger für ihn war, die Menschen zu lehren, nicht krank zu werden.

In seiner Autobiographie schreibt er: „Ich kam auf die Idee, eine medizinische
Zeitschrift ins Leben zu rufen und arbeitete sofort die Einzelheiten aus. Meine
Mutter gab mir hundert Rupien für die Anlaufkosten. Ich bat ayurvedische Ärzte um Beiträge über Ayurveda. Ich selbst schrieb, unter mehreren Pseudonymen, Artikel zu verschiedenen Themen und veröffentlichte sie in meiner neuen Zeitschrift ‚Ambrosia‘. Nach ihrem ersten Erscheinen 1909 gewann die Zeitschrift rasch an Beliebtheit. Berühmte Leute begannen, Beiträge dafür zu schreiben. Einmal wollte meine Mutter ein Fest feiern und brauchte ungefähr 150 Rupien, um die Ausgaben zu decken. Ich konnte ihr sofort mit diesem Betrag aushelfen.

‚Ambrosia‘ wurde vier Jahre lang erfolgreich verlegt, bis ich nach Malaysia aufbrach. Sie hatte Halb quartformat, 32 Seiten pro Ausgabe und eine gefällige Aufmachung. Ihre Themen waren interessant und für praktizierende Ärzte sehr nützlich. In den Seiten von ‚Ambrosia‘ war außerdem ein deutlicher spiritueller Hauch zu spüren. Im Unterschied zu anderen medizinischen Zeitschriften wurzelte sie in den Lehren der alten Weisen. Spiritualität lag schon in meiner Jugend in meiner Natur.“

Ungewöhnlich war, dass Dr. Kuppuswami das Journal wie ein kommerzielles Unternehmen leitete. Zum Preis von 3 Rupien bot er ganzseitige Anzeigen an. Als die Beliebt heit zunahm, stiegen die Einnahmen, leider überstiegen aber bald die Kosten diese. So war zwar die Leitung der Zeit schrift geschäftsmäßig, die Führung der finanzi ellen Aspekte war es keinesfalls! Doch der Hauptzweck der Zeitschrift war die Verbreitung von Wissen. Dass sie ihm kein Einkommen brachte, war nicht so schlimm, dass sie aber seine dürftigen finanziellen Reserven verbrauchte schon.

Dr. Kuppuswami war beliebt und erfolgreich bei seinen Patienten, aber ein völliger Laie beim Geldverdienen. Er versäumte es, Rechnungen zu schreiben und gab auch noch Medizin kostenlos ab.

Außer der Herausgabe der „Ambrosia“ fand der Doktor noch eine andere
reizvolle Beschäftigung, wann immer er dafür Zeit in seinen vollgepackten Tagen fand. Per Brief gab er seinen Patienten medizinischen Rat. Mit diesem Dienst heilte der erfolgreiche Doktor die Kranken. Indem er Anweisungen zur Hygiene und Regeln zur Gesunderhaltung gab, ermöglichte er den Menschen, Krankheiten abzuwehren und vollständige Gesundheit, Lebenskraft und Vitalität zu erhalten.

Dr. Kuppuswami suchte noch nach einer Beschäftigung, die es ihm erlaubte, sich selbst und das Journal am Leben zu erhalten. Er ging nach Madras und wurde Mitarbeiter in Dr. Hallers Apotheke. Eher zufällig wurde dieser Teil seiner Biographie bekannt, denn als einmal ein Arbeiter im Ashram einen Auftrag mit der Begründung ablehnte, dass dies nicht Bestandteil seiner Arbeit sei, wies Swami Sivananda auf seine Arbeit in Dr. Hallers Apotheke hin: „Neben der Buchführung und der Ausgabe von Medikamenten waren auch noch die Patienten zu betreuen. Das war wirklich harte Arbeit. Ich habe all dies erledigt und auch noch Zeit gefunden, mein Journal weiterzuführen. Von Madras aus verschickte ich das Journal kostenlos an viele Menschen, die daraus ihren Nutzen zogen.“

Kuppuswami fühlte mehr und mehr die Notwendigkeit, den Bereich seines Dienens auszuweiten und in direkten Kontakt mit den Hilfsbedürftigen zu kommen. Als Dr. Haller und sein Geschäftspartner Dr. Damry sich entschlossen ihre geschäftliche Verbindung aufzulösen, sah er die Gelegenheit sein Leben radikal zu ändern. Er schrieb seinem Freund in Singapur, Dr. Iyengar, dass er vorhabe, nach Malaysia zu gehen, weil er wusste, dass es dort einen großen Bedarf für seine Dienste geben würde.

Als er dieses Thema zu Hause anschnitt, waren alle Mitglieder der Familie sehr stark berührt und brachen in Tränen aus. Aber bereits in diesem Alter war er ein Experte im Umgang mit heiklen Themen und wartete ab, bis sich die Situation wieder beruhigt hatte. Mit Humor und philosophischen Argumenten brachte er ihnen die edlen Ziele nahe, die er sich vorgenommen hatte. Obgleich Doktor der Medizin, war er auch ein begnadeter Bittsteller und sein angenehmer Charakter machte ihn zu einem Meister der Überzeugung. Seine Mutter erkannte, dass hinter der Verkleidung seines freundlichen Gesichtes ein eiserner Wille und unnachgiebige Entschlossenheit
versteckt waren. Sie und sein älterer Bruder versuchten noch auf verschiedene Weise ihn umzustimmen: „In den Schriften wird das Überqueren der See verboten“, sagten sie. Aber Dr. Kuppus wami schenkte
Aberglauben schon lange keine Beachtung mehr und erwiderte, dass
diese Regeln veraltet seien, in der Gegenwart keinen Platz mehr hätten
und wenn erforderlich für den Dienst am Menschen alle herkömmlichen Regeln außer Kraft gesetzt werden sollten. Der Ruf der kranken und leidenden Mensch heit war für ihn ein Ruf Gottes. Sollte er sich etwa hinter fragwürdigen Konventionen verstecken und diesem Ruf nicht folgen? Schon dieser Gedanke war für ihn absurd. Die Mutter und der Bruder waren nun überzeugt. Er erhielt ihren Segen und ihre Einwilligung.

Mit einem glücklichen Gesicht, erhellt durch ein Lächeln der Zufriedenheit, sagte er seinen Freunden und Verwandten Lebewohl, die vergeblich versuchten die Tränen des Abschiedsschmerzes zu unterdrücken. Sie segneten ihn und wünschten ihm viel Glück bei seiner edlen Mission. Er für seinen Teil fühlte, dass ihm eine schwere, drückende Last von seinen Schultern genommen wurde. Mit erleuchtetem Herzen und erfüllt mit Freude und Dankbarkeit für Gottes Hilfe schickte er ein stilles Gebet zum Allmächtigen mit der Bitte um Führung auf dem künftigen Weg, damit SEIN Wille geschehe.

Mit einem glücklichen Gesicht, erhellt durch ein Lächeln der Zufriedenheit, sagte er seinen Freunden und Verwandten Lebewohl, die vergeblich versuchten die Tränen des Abschiedsschmerzes zu unterdrücken. Sie segneten ihn und wünschten ihm viel Glück bei seiner edlen Mission. Er für seinen Teil fühlte, dass ihm eine schwere, drückende Last von seinen Schultern genommen wurde. Mit erleuchtetem Herzen und erfüllt mit Freude und Dankbarkeit für Gottes Hilfe schickte er ein stilles Gebet zum Allmächtigen mit der Bitte um Führung auf dem künftigen Weg, damit SEIN Wille geschehe.

Am Vorabend seiner Abreise aus Indien gaben Freunde für Dr. Kuppuswami (er hatte von seinen Freunden den Spitznamen Dr. Ambrosia erhalten) eine Abschiedsparty. Auf dieser Party in Madurai im Jahre 1913 war auch der berühmte Maharishi Shuddhananda Bharratiar anwesend. Er erinnerte daran, wie sehr der junge Doktor von festen Prinzipien des selbstlosen Dienens an den Kranken und Leidenden erfüllt war.

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Malaysia

Dr. Kuppuswami verließ Madras mit der S. S. Tara im Jahre 1913. Schon während der Reise war er stets eifrig auf der Suche nach Gelegenheiten zu dienen. Stethoskop und Doktorkittel waren immer griffbereit. Niemals bestand er auf Formalitäten. Sofort wurde er aufmerksam, wenn ein Mensch nieste oder stöhnte und eilte unverzüglich zu ihm, fragte nach dem Grund der Beschwerden und behandelte ihn. Mit seiner natürlichen Aufrichtigkeit unterlief er auch bei sehr zurückhaltenden Menschen jede Scheu und machte sie mühelos zu „gefügigen Opfern“.

Manchmal sah man ihn tief in Gedanken versunken über das Deck schreiten. Oft saß er still wie eine Statue und blickte in den Himmel auf die riesige Weite des Meeres und die Wellen, die darauf tanzten. Die sengende Sonne, der aufsteigende Dunst und die versammelten Wolken, all das versetzte ihn in eine nachdenkliche Stimmung. Es war ein kühnes Abenteuer und er hatte kein Geld, auf das er im Falle des Scheiterns seiner Erwartungen zurückgreifen konnte. Einerlei, er hatte riesengroßes Vertrauen, Hoffnung, Stärke, Willenskraft und eine leidenschaftliche Entschlossenheit.

Es war kein leichter Weg für Dr. Kuppsuwami und eine ungewisse Zukunft erwartete ihn in dem fernen Land, in dem er ganz und gar unbekannt und ohne Freunde war. Er musste ganz neu beginnen und erlitt auch anfangs Enttäuschungen und Rückschläge. Aber wenig später ergaben sich Gelegenheiten die den Umschwung zum Guten brachten und er fühlte, dass seine Zukunft nun gesichert war.

Von seiner orthodoxen Familie, die der Brahmanenkaste entstammte, hatte er fromme Bräuche und Ideen übernommen. Eine dieser Regeln verbot ihm in Hotels und Restaurants zu speisen. Um Schwierigkeiten an Bord des Schiffes, welches ihn von Südindien nach Malaysia brachte, zu vermeiden, hatte er eine kleine Ration Laddu (indische Süßspeise) bei sich. Er ernährte sich während der gesamten Reise nur von Laddu und trank Wasser. Dies war ein sehr unbefriedigender Zustand und wenn man bedenkt, wie gut sein Appetit noch im Alter von 60 Jahren war, kann man ermessen, welch gesunden Appetit er zu jener Zeit wohl hatte. Nachdem er in Malaysia angekommen war (wir glauben in Penang), eilte er dennoch sofort mit dem Zug nach Seramban und hatte fast schon die Grenze seiner physischen Belastbarkeit erreicht. Trotzdem war sein Wille so stark, dass er keine Ruhe zum Essen fand, bevor er nicht die Person erreicht hatte, die er suchte - Dr. Iyengar, der Arzt der für die medizinische Versorgung auf einer Gummibaumplantage verantwortlich war. Dr. Iyengar gab ihm ein Empfehlungsschreiben für einen seiner Bekannten, Dr. Harold Parsons, einem praktischen Mediziner in Seramban, der Hauptstadt von Negri Sembilan.

Dr. Kuppuswami ging ohne Umweg zum Stadtbüro des Doktors. Dieser war allerdings gerade unterwegs. Sein Bruder, Mr. Wilfred Parsons, informierte ihn, dass der Doktor schon zur Senawang Plantage gegangen sei. Dr. Kuppuswami beschloss sofort, Dr. Parsons dort aufzusuchen. Aber jetzt verließen ihn doch seine Kräfte. Aber wo konnte er etwas Passendes zu essen finden? Da begegnete ihm ein Mann aus Malabar (Indien), der so freundlich war, ihm den Weg zu einem Tempel zu zeigen, wo Joghurt und Reis angeboten wurde.

„Die Tempelpriester waren nicht besonders gastfreundlich, aber irgendwie schaffte ich es etwas Reis und Joghurt zu bekommen. Dies erfrischte mich großartig“, erzählte uns Swami Sivananda später mit einem dankbaren Lächeln. Dieses lang zurückliegende Ereignis mag der Anlass dafür gewesen sein, niemals jemandem mit der Bitte nach Essen zurückzuweisen, ein Grundsatz den er stets beibehielt.

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Die Senawang Gummibaumplantage

Als Dr. Kuppuswami endlich die Senawang Plantage erreichte, stellte er fest, dass Dr. Parsons gar keinen Assistenten benötigte. Aber der gute Doktor war so beeindruckt von Dr. Kuppuswami, dass er ihn dem Manager der Senawang Plantage, Mr. A. G. Robins, vorstellte. Die Senawang Plantage besaß auch ein eigenes Krankenhaus.

Glücklicherweise benötigte Mr. Robins gerade einen Assistenten für das Krankenhaus, das der vorherige inkompetente Assistent gerade verlassen hatte. Mr. Robins war ein Mann mit unbeherrschtem Temperament und von hünenhafter Gestalt, groß und kräftig. Er fragte Dr. Kuppuswami:

„Können Sie das Krankenhaus auch alleine leiten?“ Dieser erwiderte: „Ich könnte auch drei Krankenhäuser leiten.“ Er wurde sofort eingestellt. Ein ortsansässiger Inder gab ihm den Rat, die Stelle gemäß den Richtlinien des Krankenhauses nicht für weniger als hundert Dollar im Monat anzunehmen. Mr. Robins willigte ein, ihm ein Anfangsgehalt von hundert fünfzig Dollar im Monat zu geben.

Die Malaria war ein verbreitetes Übel in jener Zeit und der Manager der Plantage hatte eine ausgeprägte Marotte: Er fuhr in einer Riksha in der Plantage herum. Die Einrichtung, die für die medizinische Betreuung sorgte, hatte den Namen „Dr. Parsons und Glenny“ mit einem zentralen Büro in Seramban. Jede der Plantagen hatte ein kleines Krankenhaus mit einem diensthabenden Assistenten. Dr. E. Glenny besuchte jedes dieser Krankenhäuser einmal in der Woche.

Dr. Kuppuswami war für das Krankenhaus in Senawang verantwortlich. Er machte sich sehr schnell mit den Gegebenheiten des Krankenhauses, den Medikamentenbeständen etc. vertraut und war im Handumdrehen in seine Arbeit vertieft. Auch hier lag wieder harte Arbeit vor ihm. Seine Aufgaben waren erneut sehr vielfältig: Verschreiben von Medikamenten, Führung der Buchhaltung und Visite bei den Patienten so wie er es auch schon bei Dr. Haller in Madras getan hatte. Er war voller Energie und Tatendrang. Nebenbei gab er kostenlosen Unterricht und bildete in kurzer Zeit Menschen für die Arbeit als Krankenpfleger aus.

Die Gummibaumplantage war eine kleine Welt für sich. Sie besaß ihr eigenes Postamt, eine Eisenbahnstation, eine Apotheke, ein Geschäft, einen Tempel usw. und natürlich überall Gummibäume, an deren Stamm ein kleiner Becher gebunden war, um den Saft aufzufangen. Auf einem Morgen Land (1 Morgen = 4.047 m²) wuchsen ca. 1000 Bäume.

Der durchschnittliche Grundbesitz einer Plantage betrug etwa eintausend bis dreitausend Morgen. Die Arbeiter waren zu jener Zeit ausschließlich Tamilen aus Südindien. Jede Plantage beschäftigte mindestens vier- bis fünftausend Arbeiter. Für die nächsten sieben Jahre wurde dies Dr. Kupuswamis kleine Welt. Sie stellte sein Labor dar für spirituelle und altruistische Experimente. Das war sein Universum. Es war die „Universität“, in der er zur Selbstverwirklichung heranreifte.

1967 machte Swami Venkatesananda, ein Schüler Swami Sivanandas, eine Pilgerreise in diese Gegend und schildert im Folgenden seine Eindrücke: „Etwa sechs Meilen von Seramban entfernt liegt die Senawang Plantage. Am Straßenrand sahen wir zwei Gebäude: diese (oder auch zwei etwas einfachere Hütten vorher) beherbergten den jungen Doktor aus Indien und waren stumme Zeugen seiner Selbstverwandlung in einen Heiligen. Es war an diesem Ort, an dem der Doktor sich intensiv mit den grundlegenden Problemen des Lebens auseinandersetzte, den Höhen und Tiefen, Freud und Leid, um so die ewigen Wahrheiten des Daseins zu erfahren.“

Dr. Paramasivam erläuterte, dass das erste Haus in dem Kuppuswami lebte, aus groben Brettern gebaut war wie die meisten der alten Häuser in Malaysia. Dieses wurde schon bald abgerissen und ein neues Haus stand jetzt an seinem Platz. Ganz in der Nähe dieses Hauses befindet sich ein großes Gebäude, das zu jener Zeit sogar noch größer war. Damals war es das Krankenhaus, heute ist es eine Schule. Es gab Betten in zwei Abteilungen, eine für Männer und eine für Frauen. Die schwierigen Fälle wurden fast immer im Haus des Doktors versorgt.

Von Anfang an konnte man einen Unterschied im Auftreten von Dr. Kuppuswami und den anderen Ärzten bemerken. Auch das Verhalten der anderen Ärzte ihm gegenüber war sehr speziell. Diplomatie war nicht unbedingt seine Sache. Er behandelte jedermann mit derselben offenherzigen Aufrichtigkeit. Das Personal im Krankenhaus fand in ihm einen Kämpfer für ihre Angelegenheiten und sie konnten ihm immer vollkommen vertrauen. Das merkten bald auch die leitenden Angestellten.

Die mittellosen Arbeiter erinnerten sich noch nach über einem halben Jahrhundert an Dr. Kuppuswamis aufopferungsvollen Dienst für sie. Dr. Paramasivam, der auf einer benachbarten Plantage arbeitete, erinnerte sich an eine auffallende Angewohnheit: „Er untersuchte seine Patienten sehr gründlich und verschrieb Medikamente; soweit war alles ganz normal, aber er machte noch etwas anderes. Er gab jedem seiner Patienten ein Tulsi Blatt (Königsbasilikum) und ein paar Tropfen geweihten Wassers. Er hatte einige der heiligen Tulsipflanzen vor seinem Haus gepflanzt und weihte sie täglich. Die Tulsiblätter und das heilige Wasser hatte er immer griffbereit. Er gab jedem Patienten davon und hatte damit außergewöhnliche Erfolge.“

Ein älterer Farmarbeiter auf der Plantage, Sri Arumuyam, erinnerte sich an die
Behandlungen des jungen Arztes: „Ich erinnere mich sehr genau an ihn. Es gab etwas, das ihn von jedem Anderen unterschied. Er hätte niemals unhöflich mit uns gesprochen. Stets pflegte er die höfliche Form der Anrede. Niemals habe ich gehört, dass er harte oder ärgerliche Worte äußerte. Er war die verkörperte Gütigkeit und auf die armen Landarbeiter achtete er mit besonderer Sorgfalt. Er gab uns Medizin, Essen und Geld. Stets betete er während der Behandlung für die Patienten und gab ihnen ein Tulsiblatt und geweihtes Wasser. Auch hielt er jeden Tag Gebete im Krankenhaus ab. Nach dem Gebet verteilte er Prasad. Den Patienten, die ihr Bett nicht verlassen konnten gab er es selbst in den Mund. Er war ein großer und gut aussehender junger Mann mit einer einnehmenden Persönlichkeit und man hat sich immer gern an ihn erinnert.“

Die Betonung des alten Mannes lag in der Anerkennung und Freundlichkeit, mit welcher der junge Doktor trotz seiner höheren sozialen Stellung und Geburtskaste die mittellosen Landarbeiter behandelte, die alle einer untergeordneten Kaste angehörten und somit von geringerem sozialen Status waren. Heutzutage, in Zeiten der sozialen Gleichberechtigung, ist es für uns vielleicht nicht so einfach, die Bedeutung dieses Handelns nachzuvollziehen, aber für diesen alten Menschen war das Verhalten des Doktors schon der Beginn einer neuen Ära von Gleichberechtigung und gegenseitigem Respekt.

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Johore

Etwa sieben Jahre diente Dr. Kuppuswami im Krankenhaus der Plantage bei Seramban. Nach seiner Rückkehr vom Militärdienst in Übersee bat Dr. Parsons Dr. Kuppuswami, die Leitung des Krankenhauses in Johore zu übernehmen. Auch in diesem Krankenhaus nutzten seine Assistenten seine Nachsicht und Freundlichkeit ungebührlich aus und erfüllten ihre Pflichten nur sehr nachlässig. Er erledigte all ihre Arbeit so gut er konnte und beklagte sich nicht einmal darüber, denn sonst wäre der Arbeitgeber streng mit seinen Assistenten ins Gericht gegangen, was er möglichst vermeiden wollte. Das Problem der Überarbeitung wurde nie wirklich gelöst, weder in Malaysia noch während seines gesamten Lebens.

Über diese Epoche sagte er in seiner Autobiographie: „In Malaysia kam ich unmittelbar mit Hunderten von armen Menschen in Berührung, mit den angeheuerten Landarbeitern (aus Südindien) und auch mit der einfachen lokalen Bevölkerung. Ich lernte malaysisch und sprach mit den Einheimischen in ihrer Muttersprache. Ich half den Plantagenarbeitern so gut ich konnte und wurde von allen anerkannt. Ich gewann gleichermaßen die Wertschätzung meines Arbeitgebers und der Beschäftigten. Ich diente allen gern. War ich eben noch im Krankenhaus, so war ich im nächsten Augenblick schon wieder bei einem armen Kranken zu Hause, um ihm und seiner Familie zu helfen. Dr. Parsons war Aufsichtsarzt des Plantagenkrankenhauses und schätzte mich sehr. Ich unterstützte ihn auch bei seiner privaten Arbeit. Ab und zu verwendete ich mein Einkommen, um Freunden und Patienten zu helfen. Ich ging sogar soweit, einige meiner Wertsachen zu verpfänden.“

Dr. Kuppuswami war sowohl der Vertraute des Managements als auch der Arbeiter. Einmal gab es einen Streik der Straßenfeger des Krankenhauses. Der Aufseher und andere Vorgesetzte waren sehr aufgebracht und wütend darüber. Gelassen rief Dr. Kuppuswami die Rädelsführer zu sich und brachte sie dazu, die Arbeit wieder aufzunehmen. Er sicherte ihnen zu, sich für ihre Rechte einzusetzen. Er machte sich mit ihren Forderungen vertraut und wandte sich an die höheren Vorgesetzten. Sehr geschickt setzte er sich dann für die Rechte der Straßenfeger ein, so dass die Vorgesetzten schließlich nachgaben. Hinterher konnten sie sich nicht mehr erklären, wie der Doktor sie überzeugt hatte. Sein Einsatz für das Anliegen der Arbeiter war so aufrichtig, ehrlich und voller Mitgefühl!

Zusätzlich zu all diesen Pflichten half er noch seinen Assistenten und bildete sie weiter aus, um sie dann mit einem Empfehlungsschreiben zuzüglich Reise- und Taschengeld aus eigener Tasche auszustatten, damit sie in anderen Krankenhäusern erfolgreich dienen konnten. In Seramban und Johore war er eine bekannte Persönlichkeit. Der Bankdirektor war ihm stets zu Dank verpflichtet und löste seine Schecks sogar an Feiertagen problemlos ein. Durch seine natürliche und freundliche Art und durch seine Hilfsbereitschaft war er bei jeder mann sehr beliebt. Er wurde sehr schnell befördert und damit stieg auch sein Einkommen sprunghaft an. Diese Entwicklung hatte auch viele positive Auswirkungen auf seine private Arztpraxis. Natürlich wurde all dies nicht an einem einzigen Tag erreicht. Es bedeutete für ihn sehr harte Arbeit, absolute Zuverlässigkeit, große Anstrengungen und unerschütterliches Vertrauen in die Grundsätze von Güte und Wahrhaftigkeit und deren praktische Anwendung.

Er behandelte alle Patienten mit gleich großer Sorgfalt, forderte aber niemals eine Bezahlung von ihnen. Er fühlte sich glücklich, wenn sie von Kummer und Elend befreit waren. Den Menschen zu dienen und alles was er hatte zu teilen, lag in seiner Natur. Er munterte die Menschen mit Fröhlichkeit und geistreichem Humor auf und es gelang ihm, die Kranken mit Liebe und ermutigenden Worten wieder aufzubauen. Die Menschen wurden gesund und bekamen neue Hoffnung, Mut, Kraft und Vitalität. Es sprach sich überall herum, dass er beson dere Gaben von Gott geschenkt bekommen hatte. Seine an Wunder grenzenden Heilerfolge bei seinen Patienten bewirkten, dass sie Loblieder auf diesen überaus freundlichen und mitfühlenden Arzt sangen, der dazu noch mit einem charmanten und noblen Charakter gesegnet war. Bei schweren Fällen hielt er auch Nachtwache an der Seite der Patienten. Durch diese intensive Betreuung entwickelte er ein noch höheres Verständnis für die Gefühle der Kranken und bemühte sich nach besten Kräften, ihre Leiden zu erleichtern.

Sein Ansehen bei Kollegen und Vorgesetzten im Krankenhaus stieg sehr rasch – für seine gütige Natur, sein höfliches Wesens und sein selbstloses Dienen wurde er geliebt, bewundert und geachtet. Er war sozusagen die „rechte Hand“ all seiner Kollegen und sie vertrauten ihm voll und ganz. Schon bald lag die gesamte Leitung des Krankenhauses in seinen Händen. Er bekam einen eigenen Bungalow auf dem Krankenhausgelände. Dies ermöglichte es ihm, die maximale Zeit und Aufmerksamkeit wie möglich dem Krankenhaus zu widmen. Für seine privaten Bedürfnisse wendete er nur soviel Zeit auf wie unbedingt nötig, damit er sich wieder schnellstens den Aufgaben des Krankenhauses widmen konnte. „Nicht im Dienst“ war ein Fremdwort für ihn. Er war stets „im Dienst“ und nur für kurze Augenblicke am Morgen und nachts nahm er sich ein wenig Zeit, um etwas zu essen und sich auszuruhen. Dadurch erwarb er sich außerordentlich großes Ansehen, das schnell in ganz Malaysia bekannt wurde. Seine Aufrichtigkeit, seine gründliche Aufmerksamkeit, der Geist seines selbstlosen Dienens und dieses gewisse Etwas, das immer von ihm ausstrahlte, trugen dazu bei, geradezu wundersame Heilungen bei einigen seiner Patienten zu erreichen, die bereits von anderen Ärzten als unheilbar aufgegeben waren. Das führte dazu, dass viele Menschen, meistens aus den ärmsten Schichten der Bevölkerung, die unter schwersten körperlichen Gebrechen litten, in sein Krankenhaus kamen.
Aber gerade das bedeutete für ihn die Erfüllung seines innersten Wunsches: Dienen, dienen und so lange zu dienen, bis sein Körper ernste Anzeichen von Erschöpfung zeigte. Er behielt stets ein freundliches Gesicht und war immer bereit, die Patienten zu empfangen. Für jeden hatte er ein Lächeln, besonders für die Ärmsten.

Dr. Kuppuswami wurde deshalb besonders von den mittellosen Menschen als höchste Verkörperung Gottes auf Erden angesehen. Armut konnte ein Fluch, aber auch ein Segen sein. Ein religiöser Mensch auf der Suche nach Erlösung könnte sogar Freude über seine Armut empfinden, während ein Materialist natürlicherweise all seine Fähigkeiten und Energie einsetzen würde, um die Armut zu überwinden und Mammon als seinen Gott anbeten. Aber für Dr. Kuppuswami war Armut eine fast segensreiche Gelegenheit, seine Herzensgüte zu entwickeln. Die Armen brauchten seine Hilfe mehr als die Aristokraten, denn diese konnten auch gut ohne seine ärztliche Hilfe auskommen. Wenn ein armer Mann, der in den Slums lebte, einer Krankheit zum Opfer fiel, so war dies oft das Ergebnis der Zustände in den er leben musste. Dr. Kuppuswami nahm diesen Patienten dann bei sich auf, stellte wenn nötig ein Bett in seinem Haus zur Verfügung und behandelte ihn mit der gleichen Sorgfalt, die auch ein Familienangehöriger von ihm bekommen würde. Er setzte eine Krankenschwester für die ständige Pflege ein und besuchte ihn persönlich an seinem Bett, wann immer es seine Zeit neben seinen Pflichten im Krankenhaus zuließ. Wenn es den Patienten wieder besser ging gab er ihnen etwas Geld und schickte sie nach Hause.

Während dieser Zeit als Arzt in Malaysia war der junge Doktor der sprichwörtliche biblische Samariter in Perfektion. Diesen Dienst bewältigte er bis zur völligen Selbstaufgabe. Seine Energie, seinen Körper und seine Fähigkeiten betrachtete er niemals als sein Eigentum – sie gehörte jedem der Not litt und seiner Hilfe bedurfte. Niemals schonte er sich. Einmal stand eine Frau aus einer niederen Kaste, eine Pariah (Unberührbare), kurz vor der Geburt ihres Kindes. Sie hatte keine Angehörigen mehr, die sie um Hilfe bitten konnte. Aber dieser junge Doktor, ein Brahmane einer angesehenen Familie, war der erste, der mit großer Liebe und Mitgefühl für sie sorgte, als wäre sie seine eigene Schwester. Er sorgte für ihre Bequemlichkeit und verschaffte ihr Erleichterung, so gut er konnte und wenn nötig hielt er Nachtwache bei ihr. Vor der Tür ihrer kleinen, bescheidenen Hütte legte er sich auf dem Erdboden zur Ruhe nieder. Erst als seine Hilfe nicht mehr benötigt wurde, ging er nach Hause, um sich auch einmal den eigenen Bedürfnissen zu widmen. Es war dieses innewohnende Verlangen, allen zu helfen, Schmerz zu erleichtern, Leid zu mildern, zu trösten und Unterstützung zu geben, das sein Leben erfüllte.

Ein Patient, der an einer ernsthaften Kehlkopferkrankung litt, kam zu ihm und wurde von ihm untersucht. Er erkannte, dass die chirurgischen Voraussetzungen in seinem Krankenhaus nicht ausreichten, um diesem Menschen zu helfen. Er schrieb sofort einen persönlichen Brief mit Behandlungsvorschlägen an einen Freund im Krankenhaus von Singapur, gab dem Patienten eine Fahrkarte und noch einen angemessenen Geldbetrag und schickte ihn dann mit dem Brief unverzüglich zu seinem Freund nach Singapur. Die Ärzte in den größeren und besser ausgestatteten Krankenhäusern hatten eine sehr hohe Meinung von Dr. Kuppuswami und widmeten den Patienten, die er zu ihnen schickte, besondere Aufmerksamkeit. Der Patient kehrte vollständig geheilt zurück. Er benötigte eine Tracheotomie (Luftröhrenschnitt), um ein kleines Loch zu schließen.

Dr. Kuppuswami war glücklich, dass der Patient geheilt werden konnte und noch glücklicher, etwas über Tracheotomie zu lernen. Er hielt den Fall für bedeutend genug, um die breite Öffentlichkeit darüber zu informieren. Er schrieb einen ausführlichen Artikel darüber und veröffentlichte diesen in mehreren Zeitschriften.

Er schrieb auch andere Abhandlungen zu verschiedenen Themen für die „ Malay Tribune“. Er kaufte diese Zeitung regelmäßig, weil er durch sein Vorbild auch andere Menschen dazu brachte, sie zu kaufen. Das wiederum sicherte die Existenz eines kleinen Zeitungskiosks. Wenn er auch nie an den täglichen Neuigkeiten der Welt interessiert war, so pflegte er doch gelegentlich die Zeitung durchzulesen, um seine Kenntnisse der englischen Sprache zu vertiefen. An Politik war er niemals interessiert. Fußball, Kricket und ähnliche Spiele waren ihm damals völlig unbekannt.

Dr. Kuppuswami wurde Mitglied des Royal Institute of Public Health (M.R.I.P.H – Königliches Institut für die öffentliche Gesundheit) in London und Mitarbeiter beim Royal Sanitary Institute (A.R. San. I. – Königliches Institut für Hygiene) ebenfalls in London. Während seines Aufenthaltes in Malaysia veröffentlichte er auch einige medizinische Bücher wie Household Remedies (Häusliche Heilmittel), Fruits and Health (Obst und Gesundheit), Diseases and their Tamil Terms (Krankheiten und ihre tamilischen Bezeichnungen), Obstetric Ready-Reckoner (Geburtshilfe – schnelle Berechnungen) und Fourteen Lessons for Public Health (Vierzehn Lektionen für die Volksgesundheit).

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Das Leben mit dem Doktor

Einer der Zeitzeugen im Leben von Dr. Kuppuswami in Johore war Narasimha Iyer, der in Malaysia und auch später im Himalaya als Koch in seinen Diensten stand.

Folgendes passierte Narasimha Iyer an seinem ersten Tag beim Doktor. Am Abend als er ankam, legte der Doktor seine Matratze auf den Boden und zeigte auf ein Feldbett, das in demselben Raum stand und sagte zu Sri Narasimha Iyer: „Du legst dich ins Feldbett.“ Das war zuviel für den Koch. Aber sein Einspruch hatte keinen Erfolg. Der Doktor sagte: „Es ist sehr ungesund, sich in dieser Gegend auf den Boden zu legen. Ich bin daran gewöhnt, aber Du solltest dieses Risiko nicht ein-gehen.“ Er gab Narasimha Iyer keine Möglichkeit zu widersprechen.

Bei der ersten Mahlzeit am nächsten Tag stellte Narasimha Iyer höchst ehrfürchtig und pflichtbewusst eine dicke Holzbohle auf den Boden und darauf einen silbernen Teller, um das Essen zu servieren. Aber der Doktor hatte andere Vorstellungen. Er sagte: „Du setzt dich nun ebenfalls hier neben mich“. Für Nara simha Iyer war es ungewohnt, neben seinem Herrn zu sitzen und gemeinsam mit ihm zu essen. Doch dieser fuhr unbeirrt fort: „Setze dich hier links neben mich. Stelle das Essen in die Mitte. Wir werden uns selbst bedienen und zusammen essen.“ Und so machten sie es. Vom Ghee (gereinigte Butter) nahm der Doktor selbst nur ein wenig und goss dann mit erstaunlicher Schnelligkeit den Rest auf den Teller von Narasimha Iyer. Diese „Technik“ wurde beim Joghurt und auch bei allen anderen Speisen so wiederholt. Jetzt verstand Narasimha Iyer, warum ihn der Doktor gebeten hatte, sich an seine linke Seite zu setzen. Es erleichterte es ihm, den Koch zu bedienen.

„Worin besteht denn der Unterschied zwischen dir und mir? Du verdienst etwas weniger und ich etwas mehr, das ist alles. Wir essen beide dasselbe Essen, wir müssen beide schlafen und auch in jeder anderen Hinsicht des Lebens haben wir dieselben Bedürfnisse. Warum solltest du also mit dem Essen warten bis ich fertig bin? Bist du nicht zur selben Zeit hungrig? Warum solltest du also vor mir stehen? Deine Beine sind genauso anfällig für Schmerzen wie meine. Warum solltest du schmutzige Kleidung tragen? Du hast genauso viel Selbstachtung wie ich und für Hygiene und Gesundheit gelten auch die gleichen Grundsätze für uns beide. Nur manche arrogante, reiche Menschen haben noch törichte Vorstellungen von Überlegenheit und Minderwertigkeit. Ich kenne ihre Gewohnheiten. Sie legen verdorbenes Essen und alte Bananen für ihre Bediensteten zurück. Ich verabscheue ein solches Denken. Du sollst wie ein Mitglied meiner Familie sein. In Zukunft sollst du deine Meinung nie vor mir zurückhalten.“ Dies war die erste „Predigt“ des Doktors für seinen Koch.

Dieses Verhalten erweckte Neugier im Herzen von Narasimha Iyer und er beobachtete seinen Herrn nun etwas genauer. Dieses Gefühl, das er damals hatte, nämlich dass sein Herr ein außergewöhnlicher Mensch sei, trug dazu bei, dass er uns auch nach über zwanzig Jahren genau über Swami Sivanandas Leben in Malaysia berichten konnte.

Sri Narasimha Iyer hatte seinen ersten Monat im Dienst des Doktors hinter sich. Sein zu Beginn vereinbartes Gehalt betrug 25 Dollar im Monat inklusive Unterkunft und Verpflegung. Am ersten Tag des nächsten Monats eilte der Doktor morgens in die Küche und übergab Narasimha Iyer einen Umschlag mit 35 Dollar. Narasimha Iyer konnte den Grund nicht herausfinden, warum er zehn Dollar zusätzlich erhalten sollte. Vielleicht waren sie für Einkäufe, die er für den Doktor erledigen sollte? Er fragte den Doktor. „Das ist Dein Sambhavana“, erklärte dieser und fragte dann: „Ist das genug?“ („Sambhavana“ hat eine heilige Bedeu tung. Es ist eine Dankesgabe, die mit Ergebenheit und Anerkennung überbracht wird). Narasimha Iyer erinnerte sich, dass er niemals Worte wie Gehalt, Bezahlung oder Arbeitslohn von dem Doktor hörte, wenn dieser seine Bediensteten für die geleistete Arbeit entlohnte. Auch dann sah er in ihnen das Göttliche. Was immer er ihnen gab, war eine Dankesgabe an Gott durch ihn.

Während seiner freien Zeit begann Narasimha Iyer mit dem Studium religiöser Schriften. Als er gerade die Werke von einigen tamilischen Weisen studierte, kam der Doktor plötzlich in die Küche. „Was ist das? Pattinathars Leben? Hast Du es gelesen?“ Mit einer Singsang Stimme wiederholte er einen oder zwei Verse daraus, verstärkt von freundlichen Gesten, so wie ein Kind seinem Vater stolz einen Teil eines Gedichtes vortragen würde, das es gerade in der Schule gelernt hatte. Als der Doktor bemerkte, dass Narasimha Iyer durch seine Anwesenheit immer noch ein wenig verlegen war, zog er sich mit der Bemerkung zurück: „Lies nur weiter. Es ist ein sehr gutes Buch!“

Kurz vor Ende seiner Dienstzeit äußerte Narasimha Iyer den Wunsch, ein gemeinsames Erinnerungsfoto mit seinem Herrn zu bekommen. Sofort eilte der Doktor aus dem Haus und kam nach wenigen Minuten mit der Nachricht zurück, dass der Fotograf bereit sei. Er gab Narasimha Iyer einen seiner Anzüge und nahm ihn mit in das Studio.

Narasimha Iyer hatte sich zu dieser Zeit schon mit der liebenswerten aber ungewöhnlichen Natur seines Meisters angefreundet. Der Doktor positionierte den Sessel und arrangierte auch die anderen Details.

Als das Foto-Shooting vorbei war, bemerkte er lächelnd: „In diesem Anzug siehst Du wie ein Jurist aus!“ Dazu lachte er herzlich. Dann kehrten beide nach Hause zurück. Dort stand Narasimha Iyer wie gewöhnlich wieder mit einem Tuch um die Taille in der Küche und war eifrig mit der Zubereitung von Reisplätzchen beschäftigt. Der Doktor kam mit einem herzlichen Lachen in die Küche und sagte: „Nun, so siehst Du ja ganz besonders reizend aus. Soll ich den Fotografen jetzt noch einmal rufen?“
Er konnte sich gar nicht beruhigen und verließ immer noch lachend die Küche. Diese herzlichen Späße waren eine Angewohnheit von ihm, aber jeder der weitsichtig genug war, konnte auch hinter diesen scheinbaren Späßen immer eine tiefere Weisheit erkennen. Er konnte sich niemals dazu bringen, Diener wie Diener zu behandeln. Er liebte sie und er hatte Spaß mit ihnen. Für ihn waren sie gleichberechtigt.

Sein innerliches Verlangen alles was er hatte und erlebte mit Anderen zu teilen, wurde erst recht unwiderstehlich, wenn es etwas Außergewöhnliches zu teilen gab. Narasimha Iyer berichtet uns von folgendem Erlebnis:

„Eines Tages kam der Doktor in die Küche, als Narasimha Iyer gerade grünes Bananencurry zubereitete. Es war noch in der Pfanne und der Doktor begann schon einige Stückchen herauszufischen, fing munter an zu essen und sagte: „Oh Narasimha Iyer! Was wissen diese reichen Menschen schon vom Glück? Kennen sie Glück? Und an welchem Glück werden die Fürsten wohl Freude haben? Schau Dir das hier an! Gibt es etwas Vergleichbares auf der Welt?“ Die vorzügliche Zubereitung ließ ihn umgehend ausrufen, dass es ein erstklassiges Curry sei. Mit einer Untertasse und einem Löffel in der Hand eilte er zum Telefon. Er hatte sich an seinen Freund Subramanya Iyer erinnert, für den grünes Bananencurry fast kostbarer als das eigene Leben war. „Oh Subramanya Iyer! Weißt Du was ich jetzt gerade mache? Ich esse gerade ein erstklassiges grünes Bananencurry. Ich werde Dir sofort etwas davon schicken, wenn es aus dem Ofen kommt. Mein neuer Koch, Narasimha Iyer, eine wirklich beeindruckende Erscheinung, der stets mit einem Tuch um die Taille in der Küche werkelt, wird es Dir gleich nach Hause bringen. Er weiß noch nicht, wo genau Du wohnst, halte also bitte Ausschau nach ihm.“ Als er mit dem Kochen fertig war, fragte Narasimha Iyer den Doktor ob er jetzt essen wolle. „Nimm bitte erst eine Schüssel mit dem Gemüse und bringe es Subramanya Iyer! Kennst Du sein Haus? Nein? Dann frage bitte unterwegs jemanden nach dem Weg. Bringe bitte erst ihm etwas und dann werden wir essen.“ Das war Swami Sivanandas „moderne“ Auslegung des Begriffs „Geben und Nehmen“. Zuerst gib einen Teil von dem was du hast den anderen und dann denke an dich selbst!

Hier sind noch einige kleine Begebenheiten, nicht ganz so ausführlich, die Dr. Kuppuswamis liebvolle, gütige und großzügige Natur verdeutlichen: „Oh edler Herr“, klagte ein Bettler auf der Straße. „Ich bin hungrig und hatte in den letzten zwei Tagen nichts zu essen. Ich sterbe vor Hunger! Ich habe an jeder Tür gerufen. Oh weh! Wer nur kann meine Not verstehen? Sogar Gott scheint grausam zu sein, denn auch Er scheint entschlossen mein trostloses Dasein zu verlängern.“ Er war drauf und dran sich auf den Kopf zu schlagen und umzufallen. Wenn auch dieses Wehklagen nicht an ihn gerichtet war, tätschelte Dr. Kuppuswami doch dem Bettler den Rücken und führte ihn in den Hof seines Hauses. „Ruhe Dich hier ein paar Minuten aus. Oh Narasimha Iyer, bringe bitte die Hälfte vom Reis und den anderen Dingen! Nimm ein frisches Blatt für den Servierteller und richte das Essen schön darauf an. Schnell, schnell!“ Narasimha Iyer eilte und brachte das Essen. „Hier bitte, alter Freund! Nimm etwas zu essen und lass´ es Dir gut gehen.“ Der Bettler traute seinen Ohren nicht. Er rieb sich die Augen, um sicher zu sein, dass er nicht träumte.

„Lang nur zu, worauf wartest Du noch?“ Voller Dankbarkeit begann der Bettler sein Festmahl zu essen. Gelegentlich hatte er Tränen in den Augen, obwohl er versuchte sie zu unterdrücken. Nach dem Essen wusch der Bettler seine Hände, Swami Sivananda stand dabei an seiner Seite und goss ihm das Wasser über die Hände. Noch ehe der Doktor erkannte, was der andere Mann vorhatte warf sich dieser flach auf den Boden und berührte dankbar seine Füße. Der Doktor gab ihm noch etwas Taschengeld mit auf den Weg, damit er sich unterwegs etwas zu Essen kaufen konnte.

Narasimha Iyer stand fassungslos dabei und konnte sich aus dem was da geschah keinen Reim machen. Der Doktor wandte sich dann an ihn und sagte: „So, jetzt können wir essen“. Was konnte der arme Narasimha Iyer schon tun? Er hatte nur Essen für zwei zubereitet. Die Hälfte davon hatte der Doktor dem Bettler gegeben. „Sie können schon mit dem Essen beginnen. Ich werde noch etwas zubereiten und später essen“, erwiderte Narasimha Iyer. Sogleich kam die Antwort. „Nein, nein, wir kommen schon zurecht. Wir werden den Rest zwischen uns teilen. Was ist schlimm daran, wenn wir einmal nur die Hälfte zu essen haben? Jeder Mensch spürt den Hunger auf die gleiche Weise. Indem wir dem Bettler etwas gegeben haben, haben wir doch den Hunger bereits gestillt. Ob nun seinen oder unseren Hunger spielt keine Rolle.“ Mit diesen Worten nahm er Platz um zu essen.

Narasimha Iyer erinnerte sich auch an ein anderes Ereignis, ganz ähnlich wie das Vorherige. Ein Bettler kam zum Bungalow des Doktors und erbat ein paar Münzen, um sich etwas zu essen zu kaufen. Nachdem er von Narasimha Iyer erfahren hatte, dass das Essen nicht gleich fertig sein würde, ging der Doktor an die Haustür und fragte. „Wieviel musst Du für ein ordentliches Essen bezahlen?“ Der Bettler erwiderte beiläufig: „Dreißig Cent, mein Herr“. Des Doktors große Hand griff in die Manteltasche und fischte ein Fünfzig-Cent Stück heraus. „Hier bitte, kaufe Dir ein gutes Essen dafür. Ist es auch genug?“

Der Bettler war sehr erstaunt. Nur selten wurde er so zuvorkommend behandelt. Er war es gewohnt, immer nur beschimpft und misshandelt zu werden. Hier war jemand, der ihm viel Geld gab und ihn dann auch noch fragte, ob es genug sei. Da der Doktor bemerkte, dass der Mann sprachlos dastand, wiederholte er seine Frage und klimperte die ganze Zeit mit Münzen in seiner Hosentasche, als sei er ungeduldig mit dem Bettler, weil der nicht um mehr Geld bat. Zu guter Letzt nahm er ein weiteres Fünfzig-Cent Stück und sagte: „Hier, das ist auch noch für dich und du kannst gerne noch einmal zu mir kommen, falls das Geld für das Essen nicht ausreicht.“

Narasimha Iyer erwähnte auch noch die Geschichte von Subramania, einem gebildeten jungen Mann, der im Alter von 24 Jahren nach Malaysia kam und nach einer Beschäftigung Ausschau hielt. Er kam nach Singapur und traf dort einen prominenten Gentleman aus Südindien, der ihn sofort auf Dr. Kuppuswami aufmerksam machte: „Geh zu diesem Doktor. Er wird alles für Dich tun. Er ist der freundlichste und hilfreichste Gentleman, den Du in dieser Gegend finden kannst. Wenn er nichts für Dich tun kann, dann wird es niemand können.“ Der junge Mann betrat das Anwesen des Doktors mit gemischten Gefühlen in seinem Herzen. Einerseits war er pessimistisch aufgrund schlechter Erfahrungen, anderseits fühlte er unerklärliche Hoffnung und Freude. Der Doktor war mit Narasimha Iyer spazieren gegangen und es war schon dunkel, als sie zurückkehrten. Sofort ging der Doktor zu dem jungen Mann und fragte was er für ihn tun könne. Subramania erklärte dem Doktor den Zweck seines Besuches und bat ihn um Hilfe bei der Suche nach einer Beschäftigung. Die Antwort des Doktors überraschte ihn. „Oh ja, gewiss werde ich Dir helfen Arbeit zu bekommen. Komm erst einmal herein. Du kannst zunächst bei mir wohnen. Fühl´ Dich wie zu Hause. Jetzt wollen wir aber essen.“ Die angenehme Überraschung des jungen Mannes kann man sich gut vorstellen.

Er blieb und wurde vom Doktor wie der eigene Bruder behandelt. Ein voller Monat verging. Dann machte sich der Doktor ans Werk, ihm eine Arbeit zu besorgen. Er wollte bei dem jungen Mann nicht den Eindruck erwecken, er sei nicht willkommen, wenn er ihm gleich nach seiner Ankunft zu einer Arbeit verholfen hätte. Er bat einen seiner Freunde, ihm eine Anstellung bei der Eisenbahn zu vermitteln. Dies war in kürzester Zeit erledigt. Der junge Mann trat seinen Dienst bei der Bahn mit einem Monatsgehalt von 40 Dollar an. Er fragte sich nun, ob er jetzt gebeten würde, seine eigene Unterkunft zu finden. Mit feinem Gespür sprach der Doktor das Thema beim Abendessen an und bat den jungen Mann, auch weiterhin auf unbefristete Zeit sein Gast zu sein. Subramania blieb noch einen weiteren Monat. Aber nachdem er sein erstes Monatsgehalt erhalten hatte, war Subramania der Überzeugung, dass es nun Zeit sei, auf eigenen Füßen zu stehen. Der Doktor verstand dies nur zu gut und willigte ein.

Bereits am nächsten Tag fand der Doktor eine schöne Wohnung mit einer günstigen Miete für ihn. Er sorgte dafür, dass die persönlichen Sachen des jungen Mannes dorthin gebracht wurden, bat Narasimha Iyer, Subramania mit Verpflegung für einen Monat zu versorgen und ihn auch mit den nötigen Kochutensilien auszurüsten. Außerdem sorgte der Doktor beim Besitzer des Dorfladens dafür, dass Subramania soviel Kredit wie nötig gewährt würde.

Sowieso sicherte der Doktor Subramania zu, dass er ihn jederzeit um Hilfe bitten könne, wenn Not am Mann sei. Es ging ihm nicht darum, Dankbarkeit vom Anderen für die kleinen Hilfeleistungen zu erwarten. Sein Motto war stets: „Habe ich wirklich alles getan, was in meiner Macht stand?“ Er gab Subramania eine große Abschiedsparty und begleitete ihn zu seinem neuen Haus.

Der Doktor vergaß niemals die Schwierigkeiten, die er selbst bei seiner Ankunft in Malaysia hatte. Jeder, der in eine ähnliche Lage geriet, fand in ihm einen freundlichen und unermüdlichen Helfer. Er hatte immer eine Handvoll Münzen in seiner Hosentasche. Wenn er auf seiner Veranda hin und her lief oder sonst unterwegs war, klimperte er mit den Münzen, um sicher zu sein, sie stets bei sich zu haben. Es hätte ihn betrübt, wenn er einmal nicht den gewohnten Betrag verteilt hätte.

Sitharama Iyer aus Malaysia erinnerte sich: „Er war sehr ungewöhnlich. Er war immer voller Freude. Er hatte für alle ein Lächeln und ein gütiges Wort für
jeder mann. Er hatte niemals lange schlechte Laune und er behandelte jedermann gleich. Wenn er auf der Straße einen seiner Arbeiter traf, blieb er stehen und plauderte in seiner freundlichen Art ein paar Minuten mit ihm. Für uns war dies nicht immer ganz einfach. Da wir strengere Maßstäbe an das Verhalten Anderer setzten, fanden wir oft Fehler oder Mängel. Postwendend wies er unsere Kritik zurück und sagte: „Stellt Euch vor, welche Freude ein Mensch durch ein Gespräch mit mir hat. Was verliere ich, wenn ich ihm diese Freude mache? Im Gegenteil. Auch mir bereitet es Vergnügen.“ Er kleidete sich wie ein Prinz und sprach mit den Arbeitern, als gehöre er zu ihnen. Das war wahrhaftig das Kennzeichen eines Heiligen, auch wenn wir es zu jener Zeit noch nicht verstehen konnten.“

In geschäftlichen Angelegenheiten zu feilschen war überhaupt nicht seine Art.
Manchmal begleitete Narasimha Iyer den Doktor zum Basar. Egal was ein Händler verlangte, der Doktor bezahlte ohne zu murren. Narasimha Iyer belehrte den Doktor bei der erstbesten Gelegenheit, dass er das nicht tun sollte. Er erklärte ihm, dass die Händler zunächst sowieso einen höheren Preis verlangen würden, da sie wüssten, dass die Kunden immer erst einmal feilschen würden. Der Doktor entgegnete: „Das macht nichts. Ich werde nicht feilschen. Er ist ein armer Mann. Gönne ihm einige Cent mehr, als er verdient. Sobald er meine Eigenart kennt und versteht, wird er aufhören, höhere Preise zu verlangen.“

Dr. Kuppuswami nahm seine Mitmenschen immer beim Wort. Er stellte sein Gegenüber nie in Frage und verdächtigte niemanden. Als er einmal ein Auto benötigte, bot ein so genannter Vermittler für eine Gebühr seine Dienste an, um ihm beim Kauf behilflich zu sein. Erst viel später fand der Doktor heraus, dass dieser nicht wirklich die Absicht gehabt hatte, den Autokauf für ihn auszuhandeln. „Das ist nicht schlimm“, sagte er. „Gott hat es so gewollt.“ Er war stets aufrichtig, geradeheraus, bescheiden und offenherzig. Mit übertriebener Diplomatie und undurchsichtigen Handlungen konnte er nichts anfangen.

Er hatte eine große Vorliebe für gute Kleidung und besaß viele ausgewählte Gegenstände aus Gold, Silber und Sandelholz. Manchmal kaufte er eine Menge verschiedener goldener Ringe und Ketten und trug sie eine ganze Weile. Im Geschäft vergeudete er keine Zeit mit dem Aussuchen sondern erstand alles, was er sah. Er bezahlte die Rechnungen immer ohne zu feilschen. Er hatte auch viele Hüte, die er aber niemals aufsetzte. Nur manchmal trug er eine Filzkappe und bei passender Gelegenheit einen Seidenturban wie ein Rajputen-Prinz.

Ein Freund aus Malaysia, Sri Sitharama Iyer, erinnerte sich bei einem Besuch in Rishikesh: „Er trug immer teure Kleidung. Seine Garderobe bestand nur aus
Seide, aber er maß ihr keine Bedeutung bei. Er hatte Seide gegenüber niemals den Respekt, der ihr gebührte. Er zog sie an, als seien es Lumpen. Er liebte Schmuck. Er trug eine goldene Halskette und hatte mindestens zehn Ringe an seinen zehn Fingern verteilt. Manchmal trug er sie und ging aus. Am nächsten Tag verschwanden sie in seinem Kästchen, um für Monate in Vergessenheit zu geraten. Er besaß auch viele verschiedene Turbane.“

Schon als Kind hörte Kuppuswami oft andächtig Vorträgen aus den heiligen Schriften zu und als Jugendlicher besaß er bereits eine kleine Bibliothek mit Yogabüchern, die sich bei jedem Besuch in einer Buchhandlung vergrößerte. Diesen Schatz nahm er mit nach Malaysia.

In Malaysia ergänzte er diesen Bestand spiritueller Bücher systematisch. Narasimha Iyer wies darauf hin, dass der Doktor stets eine Liste dieser Bücher bei sich hatte. Gelegentlich nahm er diese Liste mit in den Buchladen und bat den Verkäufer, ihm alle Bücher vorbeibringen, die im Geschäft erhältlich waren und nicht auf der Liste standen. Der Doktor nahm auch gerne Bücher in ihm fremden Sprachen, weil er annahm, dass Andere Nutzen aus diesen Büchern ziehen könnten. Alles was er in die Hände bekam, las er mit großem Interesse und Freude. Als Narasimha Iyer seinen Dienst bei ihm antrat, zeigte er ihm bereits am ersten Tag die Bibliothek und ermutigte ihn, spirituelle und religiöse Bücher zu lesen. Der Doktor weckte bei jedem, der mit den Büchern in Berührung kam, großes Interesse daran.

So war seine Bibliothek für jedermann offen, der eine Vorliebe zu diesen Büchern besaß. Durch sein liebenswürdiges Wesen hatte er bald einen großen Freundeskreis, die alle „Mitglieder“ in seiner Bibliothek wurden. Daraus erwuchsen zwei Satsangs (Zusammenkunft zum Gebet, Singen, Vortrag, Austausch etc.) mit dem Doktor. Die Bücher selbst bildeten eine Art Universum von „Heiligen“, die dem Doktor in seiner freien Zeit Gesellschaft leisteten. Aber noch wichtiger waren ihm die spirituell gleichgesinnten Freunde, die ihm, ob nun bei ihm zu Hause, im Krankenhaus, auf dem Basar oder am Strand immer eine willkommene Gesellschaft waren.

Für Gespräche mit anderen Themen wurde nur sehr wenig Zeit verwendet. Jeder begrüßte ihn in etwa folgendermaßen: „In dem Buch von diesem Yogi stand das und das...,“ und eine lebhafte Diskussion nahm ihren Lauf. Diese Unterhaltungen ließen den Doktor oft in tiefe Gedanken versinken und er tauchte in den Ozean spirituellen Wissens ein auf der Suche nach einer Perle der Wahrheit. Narasimha Iyer sagte, dass der Doktor viele Nächte auf diese Weise verbrachte. Entweder spazierte er auf dem Rasen rund ums Haus oder er ließ seine Gedanken in seinem Studierzimmer Revue passieren. Die endliche Natur der Welt, der vergängliche Charakter der Zeit und die endlose Wiederkehr von Freude und Schmerz, von Anziehung und die Abstoßung, welche die Grundlage des Lebens und aller Schöpfung bilden, waren das ständige Objekt seiner Überlegungen. Er erkannte, dass das Leid ein unabwendbarer Begleiter für jeden Menschen war. Der Bettler am Straßenrand, der Leprakranke an der Ecke, die klagenden Patienten im Krankenhaus und die mit Armut geschlagenen Menschen, die schweigend ihr Schicksal tragen, erinnerten ihn auf Schritt und Tritt an das menschliche Leiden.

Mit der Zeit ging er mehr und mehr in die innere Stille und suchte nach den Realitäten die Bestand haben, nach dem Unveränderlichem unter all den vergänglichen Dingen, dem Ewigen inmitten all dem Endlichen. In diesen Meditationen war er für die übrige Welt nicht ansprechbar. Und er beschloss Yoga zu praktizieren. Denn, wie Thomas A. Kempis sagte: „Welchen Wert hat eine Unmenge an Wissen, wenn nichts davon einen Nutzen in der praktischen Anwendung hat?“

Er nahm die Bhagavad Gita (eine klassische Yogaschrift) zur Hand und öffnete sie aufs Geradewohl. Hier steht es: „Wirst Du in diese vergängliche und mit Elend beladene Welt geboren, verehre `MICH´.“ Er betete: „Oh Herr, Du warst so gütig, mein Problem zu lösen!“ Auf der Stelle fasste er den Entschluss, mehr und mehr Zeit der Verehrung Gottes zu widmen, mit stillem Wiederholen der Mantras, mit formellen und auch einfachen Anbetungen und sich mit dem Studium der glorreichen Leben von Heiligen zu beschäftigen.

Er organisierte im Krankenhaus von Senawang Satsangs (spirituelle Treffen). In Johore Bahru fanden diese dann jeden Abend statt. Er hatte eine angenehme Stimme, auf die auch die besten Musiker neidisch sein konnten. Er dachte, wenn er in Begleitung von Musikinstrumenten singen würde, könnte dies den geliebten Gott noch mehr erfreuen und ihn selbst in noch größere Höhen der Beglückung emporheben. Also beschloss er, Harmonium spielen zu lernen. Er fand einen Musiker und verpflichtete ihn für ein paar Wochen als Lehrer. Er verpflegte ihn und versorgte ihn mit allen Annehmlichkeiten. Und in nur einem Monat lernte er Harmonium zu spielen.

Als Honorar erhielt der Musiklehrer 200 Dollar. Der Lehrer war angenehm überrascht. Für zwanzig bis fünfundzwanzig halbstündige Unterrichtsstunden
hatte er niemals eine solch hohe Entlohnung erwartet. Diese freigiebige Großzügigkeit war ein typischer Charakterzug von Dr. Kuppuswami.
Jeden Abend saß Dr. Kuppuswami mit Narasimha Iyer und mit ausgewählten
Freunden in seinem Puja-Raum, öffnete sein Herz und zelebrierte mit wohlklingenden Melodien die heilenden Rituale und Mantras. Tränen göttlicher Liebe rannen über seine Wangen. Auch nachdem die Anderen bereits gegangen waren saß der Doktor noch allein im Raum und vertiefte sich in die stille Wiederholung der Mantras bis spät in die Nacht. Von Morgens bis Abends diente er den Kindern Gottes. Der größte Teil der Nacht war dann mit dem Wiederholen von Gottes Namen ausgefüllt. Er reduzierte die Zeit für seine persönlichen Bedürfnisse auf ein Minimum.

Er regte Schulungen zu heiligen Schriften an, wie z. B. die Ramayana und die Bhagavatam und sein Haus wurde so zu einem ständigen Zufluchtsort für Heilige, aber auch für arme und hilfsbedürftige Menschen. Er hatte in seinem Haus einen extra Raum dafür vorgesehen. Dieser war stets geschmückt und hatte ein Podium. Die Kinder der Nachbarschaft lud er ein und übte mit ihnen Theaterspiele. Wenn er das Drama vom Heiligen Nandanar in Malaysia aufführte, brachte er sogar europäische Botschaftsbeamte dazu, die Kirtans mitzusingen. Oft übernahm er auch selbst Rollen in diesen Aufführungen. Diese Stücke inspirierten ihn überaus und die hohen Ideale dieser Heiligen hatte er stets vor seinem geistigen Auge.

Er nahm an allen sozialen und religiösen Veranstaltungen des Ortes und der
Umgebung teil. Ohne die Anwesenheit des Doktors kam keine rechte Begeisterung auf. Er sorgte stets dafür, dass diese mit Leben und Freude erfüllt wurden. Er spielte auf dem Harmonium und brachte die Menschen mit seinen Späßen und lustigen Liedern zum Lachen.

Falls einer seiner Freunde es einmal versäumte, ihn einzuladen, ging er geradewegs zu ihm und fragte: „Hast Du mich vergessen? Egal, Du bist mein Freund und ich bin verpflichtet bei der Geburtstagsfeier Deines Kindes dabei zu sein.“ Und mit dieser majestätischen Kühnheit begann er dann seinen Sankirtan (Mantra-Singen). Er brauchte keinen Vorwand, keine Einladung und keine Formalitäten. Jeder der ihn kennen lernte, wurde von seiner Begeisterung angesteckt. Manche machten sich anfangs vielleicht lustig über ihn, wurden jedoch später seine treuen Anhänger.

Er machte es zur Gewohnheit, die Brahmanen und die Armen regelmäßig mit
Essen zu versorgen. Er führte die jährlichen Shraddha-Feierlichkeiten (Glaubens - F.) zu Ehren der Vorfahren mit tiefem Glauben und Hingabe durch und lud Priester von weit her dazu ein. Er speiste die „Unberührbaren“ und gab ihnen Sandelholzpaste auf die Stirn. All diese barmherzigen Taten halfen dem Doktor in seinem späteren Leben, die Wahrheit von Sarvam khalvidam Brahman – Alles ist tatsächlich Brahman – zu erkennen und zu verwirklichen.

Mit Hilfe von Büchern begann Dr. Kuppuswami Sirshasana (Kopfstand) und andere wichtige Yoga-Asanas zu praktizieren. Seine Begeisterung war so ansteckend, dass Sri Narasimha Iyer ebenfalls begann, Asanas zu praktizieren. Eines Abends rief der Doktor Narasimha Iyer zu sich, als dieser gerade ins Bett gehen wollte und bat ihn: „Oh Narasimha Iyer! Kennst Du Dich mit dem Kopfstand aus? Bitte hilf zuerst mir, anschließend helfe ich dir.“ Er machte sich bereit, setzte seinen Kopf auf das Kissen, schwang die Beine gegen die Wand und rief: „Oh, halte meine Beine, sie zittern. Drücke sie gegen die Wand. So ist es gut.“ Dann nahm er wieder seine normale Haltung ein und sagte: „Gut, jetzt bist Du dran.“ Auch wenn Narasimha Iyer einigermaßen mit dieser Übung vertraut war, so war er doch weit davon entfernt perfekt zu sein. „Mach´ Dir keine Sorgen. Ich werde Deine Beine festhalten “, beruhigte ihn der Doktor.

Narasimha Iyer begann auch Pranayama, Tratak und andere Hatha-Yoga-Techniken zu üben. Er fing an, schmutzige und zerrissene Kleidung zu tragen und glaubte, dass er durch Entsagung seiner Grundbedürfnisse des täglichen Lebens den Zustand unsterblicher Glückseligkeit erreichen könne.

Er kämmte sich nicht mehr und hatte seine goldenen Ohrringe und Armreifen
abgelegt, die er gewöhnlich getragen hatte. In kürzester Zeit hatte er sich entstellt. Wann immer er ein wenig Freizeit hatte, schloss er sich in der Vorratskammer ein und übte Pranayama oder versuchte an der Wand auf dem Kopf zu stehen (im fehlerhaften Sirshasana). Trotz der vorzüglichen Verpflegung war er bald nicht mehr in der Lage, die großen Anstrengungen dieser Übungen auszuhalten. Da er die Übungen ziemlich planlos durchführte, hatte dies bald negative Auswirkungen auf seinen Organismus und seine Gesundheit. Dazu kam, dass versteckte angeborene Anlagen und Verlangen sein Herz beschwerten.

Der Doktor bemerkte diese Veränderungen bei Narasimha Iyer. Er kritisierte niemals vorschnell das Streben eines Menschen, wie fehlerhaft es auch sei. Aber eines Morgens, während Narasimah Iyer gerade sein Pranayama übte, kam er unerwartet in die Küche und gab ihm eine einfühlsame Belehrung: „Du solltest diese Bücher nicht allzu ernst nehmen. Die Autoren schreiben einfach, was ihnen in den Sinn kommt, ohne Rücksicht auf die individuellen Schwierigkeiten, die der Übende überwinden muss, wenn er versucht die Anweisungen zu befolgen. Ihre Aussagen sind einseitig. Sie lehren nicht die Zusammenhänge. Sie ignorieren oft die elementaren Grundlagen und bieten gleich die fortgeschrittenen spirituellen Übungen an. Sie weisen nicht darauf hin, dass es unklug ist, ihre fortgeschrittenen Übungen ohne direkte Anleitung eines erfahrenen Experten zu praktizieren, da es den Verkauf ihrer Bücher hemmen würde. Diese Hatha-Yoga Übungen erfordern einen erfahrenen Lehrer. Lobpreise den Herrn! Niemand muss Dir je dabei helfen. Gib diese schwierigen Übungen vorerst auf und übe nur soviel, wie für den Erhalt guter Gesundheit erforderlich ist.“ Narasimha Iyer war tief beeindruckt und befolgte den Rat. Aber der Eifer Narasimha yers, den spirituellen Weg zu weiter zu verfolgen, blieb unverändert. Eines Tages äußerte er gegenüber dem Doktor seinen Wunsch, dem weltlichen Leben zu entsagen, in den Himalaya zu gehen, nach einem Yogi zu suchen und zu Füßen des Yogis Yoga zu praktizieren um Gottverwirklichung zu erlangen. Mit einem herzlichen Lachen auf diesen Vorschlag riet ihm Dr. Kuppuswami: „Warte noch damit. Gib das Familienleben noch nicht so schnell auf. Du solltest erst allen Deinen familiären Verpflichtungen nachkommen, die Du übernommen hast. Andernfalls wirst Du Probleme bekommen, die Deine spirituellen Bestrebungen verzögern. Es ist noch Zeit genug. Gott wird Dich in richtiger Weise führen. Trage den Wunsch zu entsagen immer in Dir. Er wird entscheiden, wann Du von Deinen weltlichen Verpflichtungen frei sein wirst. Dann wirst Du gewiss durch Seine Gnade die Hilfe eines Yogis im Himalaya finden, der Dich führen wird.“

Später schloss sich Narasimha Iyer seinem Meister wieder an – nicht als sein Diener, sondern als sein Schüler. Als er Swami Sivananda am Ufer des Ganges wieder traf, drückte er sein Erstaunen aus: „Wie viel Wahrheit lag in Deinen Worten, Meister. Du konntest die Zukunft vorhersehen und mit hundertprozentiger Genauigkeit voraussagen!“

Nur wenige Swamis sah man ab und zu in der abgelegenen Stadt in Malaysia.
Trotzdem erhielt der Doktor eines Morgens, von einem Swami der unterwegs
nach Singapur war, einen Besuch. Er hatte während seines Aufenthaltes in
Malaysia von dem Doktor gehört und kam einfach mal vorbei, um ihn kennen zu lernen. Der Doktor war außer sich vor Freude, als er den Swami erblickte.
Selbstvergessen eilte er umher, um ihn zu unterhalten und zu versorgen. Er wusch ihm die Füße, ließ ihn auf einem bequemen Sofa Platz nehmen und fächerte dem Swami frische Luft zu. Gleichzeitig bat er Narasimha Iyer, dem Swami ein Glas warmer Milch zu bringen. Der Swami war äußerst angetan von dieser Gastfreundschaft. Der Doktor bestand darauf, dass er auf unbestimmte Zeit sein Gast bleiben möge.

Nachdem der Swami einige Tage beim Doktor verbracht hatte, wurde er krank. Der Doktor pflegte und umsorgte ihn liebevoll, bis er wieder völlig gesund war. Der Swami war von dieser liebevollen Behandlung geradezu überwältigt. Er hatte ein paar wertvolle Bücher bei sich, die er sorgfältig in Ehren hielt. Er hatte sie zunächst versteckt gehalten. Nun gab er Kuppuswami spontan das Buch „Jiva-Brahma-Aikya-Rahasyam“ von Swami Kadappai Satchidananda Yogeshwarar. Dieses Buch wirkte wie ein Funke, der die Spiritualität des Doktors weiter entzündete und seine Gedanken noch mehr auf Gott ausrichtete. Es führte ihn zum Studium anderer Bücher – den Werken von Swami Ram Thirtha, Swami Vivekananda, zu theosophischer Literatur etc.. Der Swami blieb noch ein paar Tage und musste sich dann verabschieden, weil er wichtige Verpflichtungen in Singapur hatte. Widerstrebend und schweren Herzens ging der Doktor zum
Bahnhof und kaufte für den Swami ein Ticket erster Klasse nach Singapur. Dann kehrte er nach Hause zurück, bewirtete ihn umfangreich, gab ihm gute südindische Spezialitäten mit für die Reise, begleitete ihn zum Bahnhof und verabschiedete ihn mit Tränen in den Augen und der dringenden Bitte, ihm zu schreiben, falls er noch einmal nach Johore kommen würde. Der Swami war beim Abschied sichtbar gerührt von dieser reinen, selbstlosen und göttlichen Liebe. Gerne gab er der Bitte nach und war auch bald in der Lage, sie einzulösen.

Dr. Kuppuswami machte aber auch die Bekanntschaft von Heiligen mit anderen Fähigkeiten. Während eines Vortrags berichtete er später seinen Schülern davon: „In Malaysia gab es mehrere Tantriker (als Tantriker gilt jemand, der magische Kräfte besitzt und mit Mantras und Yantras arbeitet). Zu dieser Zeit kostete die spanische Grippe in Malaysia vielen Menschen das Leben. Auch mich hatte die Krankheit befallen, aber irgendwie kam ich davon. Ein Tantriker hatte verschiedene Mantras und Yantras. Das war eine wunderbare Kunst. Der in das Mantra eingeweihte Meister trug eine besondere Salbe auf dem Daumennagel auf. Er rief Hanuman an, welcher dadurch erschien. (Affengott; Gefolgsmann von Rama. H. symbolisiert den menschlichen Geist, der am leichtesten durch völlige Hingabe an Gott und beständiges Wiederholen seiner Namen beherrscht wird) Der Tantriker konnte sagen, was an einem bestimmten Ort gerade passiert oder
was eine bestimmte Person gerade tat, wo sie war und so weiter. Ich erinnere mich noch jetzt an das Mantra.

Ich hatte große Achtung vor diesem Mann, der mich das Mantra lehrte. Ich
kniete vor ihm nieder und half ihm bei jeder Gelegenheit. Später gab ich die
tantrischen Praktiken aber auf, weil mir der Gedanke nicht gefiel, sich Devatas
(Engelswesen, die verehrt werden und Wünsche erfüllen) untertan zu machen, um eigene Begehren zu erfüllen. „Götter sollten verehrt und angebetet werden und nicht dazu gebracht werden, uns zu dienen“, sagte ich und schickte den Yogi mit einem kleinen Geldbetrag fort.

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