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Ma‘s zweite Reise nach Südindien

Haribaba wollte gern die Tempel von Südindien sehen, und so entwarfen Kenner des Südens einen detaillierten Reiseplan. Ma‘s Devotees versprachen, alle geeigneten Vorbereitungen zu treffen. Wenn Ma ihrem eigenen Kheyala folgend reiste, war sie nie davon abhängig, daß irgendjemand sie betreute; aber sie war sehr darauf bedacht, daß es den mit ihr reisenden Mahatmas an nichts fehlte. Außer Haribaba und vielen seiner Schüler waren u.a. Avadhutji, Swami Paramananda und Didi mit von der Partie.
      Die Brüder Munshaw aus Ahmedabad hatten den ersten und den letzten Teil der Reise organisiert. Bei Ma‘s Ankunft in Waltair erwartete sie ein Empfangskomitee, das sie zu einer Dharmashala begleitete. Während die Reisenden es sich dort bequem machten, verließ Ma mit einem Devotee aus Calcutta still und leise die Herberge. Sie spazierten durch die Stadt und kamen schließlich am Shanti Ashram an. Dessen Bewohner waren überglücklich, daß Ma sie so unerwartet besuchte. Sie sagten, zuerst sei alles für ihren Aufenthalt im Shanti Ashram vorbereitet worden, aber zu ihrer großen Enttäuschung hatte man in allerletzter Minute die Pläne geändert!
      Ma schlenderte zur Siedlung der Fischer weiter und begann einen Kirtan, um sie aus ihren Hütten zu locken. Bald war Ma von einer Kirtan singenden Menge umringt. Ma lud alle für den Abend in ihre Dharmashala ein. Sie folgten der Einladung mit ihren Frauen und Kindern. Viele Früchte und Süßigkeiten wurden als Prasad an sie verteilt. Ma, die Fischer und ihre Familien hatten viel Freude miteinander.
      Ma und ihre Begleiter reisten weiter nach Bezwada und Guntur, wo sie aufs herzlichste empfangen wurde, obwohl die Sprachbarriere jetzt keine Unterhaltung zuließ.
      Ma und Haribaba kamen am 27. Oktober 1952 in Madras an. Ma wurde am Bahnhof von den Honoratioren der Stadt mit einer Musikkapelle empfangen. Der bekannte Wissenschaftler Prof. Mahadevan hatte in der Sunday Times einen Artikel über Ma und ihren Besuch veröffentlicht, daher war Madras auf ihren Darshan vorbereitet.
      Als Ma vor den für sie bestimmten Zimmern Platz genommen hatte, rezitierten zehn Brahmanen vedische Hymnen und boten ihr den traditionellen Willkommensgruß des Purna Kumbha. Vom nächsten Tag an wurden die berühmten Tempel besucht - zuerst natürlich der Kapaleshwar-Tempel im Herzen der Stadt, dann der Tempel des Venkateshwara. Die Nordinder staunten über die Größe dieser Tempel - bleibender Denkmäler der Gottesliebe südindischer Könige.
      Am Abend besuchte Ma Sir C.P. Ramaswamy Aiyer, den früheren Regierungsschef des Fürstenstaats Mysore, auf dessen dringliche Einladung. Er machte einen sehr ergebenen Eindruck, und seine Familie hieß sie besonders herzlich willkommen. Ma‘s Begleiter waren ihrerseits froh, die Bekanntschaft dieses außergewöhnlichen Mannes zu machen.
      Ma‘s Tage waren dicht gefüllt. Sie besuchte die Ramakrishna Mission, wo sie von Swami Shuddasattvananda freudig begrüßt wurde. Er unterhielt sich eine Zeitlang mit ihr und gab ihr mit eigener Hand ein Stück Obst zu essen. Ms. Taleyarkhan brachte die ganze Gesellschaft nach Adyar zu einem Besuch der Theosophischen Gesellschaft. Sie hatte Ma‘s Besuch nicht angekündigt - daher konnte Ma hier eine Weile durch das sehr friedvolle, ruhige Gelände spazieren.
      Am folgenden Tag, dem 29. Oktober, fuhren sie ins etwa 60 km entfernte Kanchipuram. Ma und ihre Begleiter sahen die Shiva- und Vishnutempel. Überall empfingen die Priester sie bereitwillig, zeigten ihr die Götterfiguren und erläuterten sie ausführlich. Die monumentalen Tempelanlagen sind ehrfurchtgebietend. In ihren inneren Heiligtümern gibt es keinen Strom. Die Standbilder sind nur im Licht von Öllämpchen oder beim Arati mit Kampfer sichtbar.

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Man erzählte ihnen von einem alten Mangobaum vor dem Tempel, in dem die vier Veden eingeschlossen seien, denn der Baum bringe vier verschiedene Sorten Mangos hervor. Jeden Tag wird eine Mango gepflückt und Shiva im Tempel geopfert.
      Nach Shivakanchi und mehreren kleineren Tempeln sahen sie Kamakshi Devi, deren schöne Statue die Betrachter faszinierte.
      Der Vishnutempel war ebenso grandios und überwältigend. Man zeigte Ma den sorgsam im Tempel aufbewahrten Fächer, mit dem Yamunacharya der Skulptur des Gottes täglich einige Zeit Luft zugefächelt hatte. Die überlebensgroße Statue war so reich mit wertvollem Schmuck bedeckt, daß eine Aura von Licht von ihr auszugehen schien. Diese Figur dürfen alle Pilger anschauen. Darüber steht in einem inneren Heiligtum, zu dem 25 Stufen emporführen, noch eine Figur des Shri Varadarajan [Vishnu]. Es heißt, jede Stufe symbolisiere eine der Silben des Gayatri Mantra.
      Ms. Taleyarkhan hatte den zuständigen Minister, Shri Vishwanathan, zur Hilfe gezogen; er war selbst gekommen, um Ma zu treffen, und erkundigte sich freundlich nach ihren Wünschen. Durch ihn wußten die Tempelverwaltungen im Voraus, wann ungefähr mit Ma‘s Besuch zu rechnen war. Überall empfingen die Priester sie mit allen Ehrungen des jeweiligen Tempels. Man zeigte ihr das Wohnhaus und den Geburtsort von Shri Ramanujacharya, dem großen Vaishnava-Lehrer des Südens.
      S.S. Cohen schrieb einen Artikel über Ma‘s Aufenthalt in Madras und Tiruvanna-malai, dem die folgenden Auszüge entnommen sind:
      »Ms. Taleyarkhan aus dem Ramanashram hatte Mataji voriges Jahr in Delhi kennengelernt und ihr ein Versprechen abgenommen: falls sie je Südindien mit ihrem Besuch segnen werde, solle sie (Ms. Taleyarkhan) Gelegenheit bekommen, ihr mit allen für den Aufenthalt notwendigen Vorbereitungen dienlich zu sein ... Die Bürger von Madras kamen zu Hunderten, um Mataji zu sehen ... Ihre ganze Erscheinung, ihre magnetische Ausstrahlung und ihre beglückenden Worte bezauberten alle und zogen ein großes Publikum an. Am Abend des 29. Oktober beantwortete Mataji zum erstenmal öffentlich Fragen. Das Gespräch wurde von einer jungen Dame eröffnet, die wissen wollte, was sie gegen die Ohnmachtsanfälle tun könne, unter denen sie fast von Kindheit an litt, und die regelmäßig auftraten, wenn sie Bhajans hörte, an einer Puja teilnahm oder sich auf das Krishna-Standbild in ihrem Haus konzentrierte. Mataji stellte ihr etliche Fragen, erläuterte ihr dann zehn Minuten lang ausführlich die Bedeutung ihres Problems und forderte sie schließlich auf, Selbstkontrolle zu üben: ›Da du bei diesen Anfällen ohne Bewußtsein bist,‹ erläuterte sie, ›und da sie dir in all diesen Jahren weder spirituellen Fortschritt gebracht, noch dein Sadhana gefördert haben, solltest du sie als unerwünscht ansehen und dich daher bemühen, wach zu bleiben, sobald der Impuls, ohnmächtig zu werden, sich bemerkbar macht. Halte dich am Japa fest und stärke dein Gemüt, indem du den Namen Gottes wiederholst.‹ Damit legte Mataji der jungen Dame die Hand auf die Schulter und sagte gütig lächelnd: ›Du hast Shri Krishnas Darshan gehabt, jetzt muß ich deinen Darshan haben.‹ Das rührte sie zu Freudentränen.

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In diesem Moment stellte jemand die Frage:
       ›Was ist der leichteste Weg zu Gott?‹
      ›Überfließende Tränen!‹(Alle stimmten mit Shri Ma in Lachen ein.)
      ›Und wenn keine Tränen kommen?‹
      ›Dann solltest du dich an Leute anschließen, die Tränen vergießen, und zwar im Satsang. Der leichteste Weg zu Gott führt durch Liebe und Hingabe.‹«
      Am 30. Oktober besuchten Ma und die Mahatmas den Gaudiya Math. Haribaba war hocherfreut, den Tempel seines Ishta-Devata zu sehen. Shri Rama Rao, ein Richter am Madras High Court und Schüler von Ramana Maharshi, hatte Ma eingeladen, die monatliche Zusammenkunft in seinem Haus zu besuchen, auf der Ramana-Bhajans gesungen wurden. Shri Ma saß auf einem Sofa in einem blumengeschmückten Zelt, das im ausgedehnten Garten seines Hauses aufgerichtet worden war. Eine große Gruppe von Brahmanen rezitierte vedische Hymnen und das Upadesha Saram, eine eigene Komposition des Heiligen. Es war eine sehr schöne Veranstaltung.
      Am nächsten Tag besuchten Ma und ihre Gefährten Mahabalipuram und den berühmten Pakshitirtham. Der Legende nach führen dort zwei Rishis in Form zweier großer Vögel ihren Tapasya fort. Sie kommen täglich vom Himalaya hergeflogen, um von der ihnen geopferten Speise zu essen.
      Haribaba und Avadhutaji traten am 1. November eine ausgedehnte Tour zur Besichtigung anderer berühmter Orte an. Shri Ma hatte das Kheyala, in Ruhe in ›Abbotsbury‹ zu bleiben, wie das Haus hieß, in dem sie wohnte. Die Bewohner der Stadt hatten schon ein wenig die Hoffnung verloren, mit Ma zusammensitzen oder sprechen zu können. Vielleicht führte das zu ihrem Kheyala, am Ort zu bleiben. Am Abend wurden beim Satsang einige Fragen gestellt:
      Frage: »Wieviel Mühe muß man aufwenden, um Gott zu erreichen? Ist es nicht besser, stattdessen einfach auf Gott zu vertrauen?«
      Ma: »Wenn Er es dir nicht ermöglicht, Ihm zu vertrauen, bist du nicht fähig dazu. Was ist Streben oder willentliche Bemühung? Jede Handlung, die Er dich ausführen läßt, kannst du in dein Streben verwandeln.«
      Frage: »Ma, sag uns, warum vergängliche Dinge uns anziehen. Warum fühlen wir uns nicht zur ewigen Quelle des Friedens hingezogen?«
      Ma: »Das ist Sein Lila. Er spielt mit sich selbst. Aber sagt die Durga-Saptashati nicht auch: »In der Hülle der Täuschung bist Du es selbst.« Er manifestiert sich auch in Form dieser Ablenkungen. Man darf jedoch nicht vergessen, daß man sich selbst verlieren wird, wenn man an weltlichen Dingen hängt. Hängt man hingegen an Gott, so führt das zur Befreiung, zur Glückseligkeit! Wenn ihr euch an die Welt klammert, kauft ihr eine Rückfahrkarte, einen endlosen Rhythmus von Kommen und Gehen, Kommen und Gehen!«
      Ma schwieg eine Weile und fuhr dann fort:
      »Seht ihr, alles ist unendlich, nichtendlich, hat weder Anfang noch Ende. Aus diesem Grund sage ich euch allen, haltet an Gottes Namen fest. Tut das in aller Stille, innerlich. Öffentliche Zurschaustellung von Sadhana ist nicht zu empfehlen. Der menschliche Körper ist ein kostbares Geschenk. Verschwendet es nicht leichtsinnig. Versucht, Nama-Japa ebenso natürlich auszuüben, wie ihr atmet. Der Körper verändert sich permanent. Zuerst war er klein, jetzt ist er erwachsen. Diese Entwicklung, dieses Wachstum muß auf das Gute, Segensreiche gerichtet werden, sonst ist es (das Versäumnis, in diesem Leben das Selbst zu verwirklichen) einfach Selbstmord - nichts anderes.

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Dieses kleine Mädchen weiß nicht, wie man doziert und Vorträge hält. Als eure kleine Tochter und Freundin (zu den jungen Leuten gewandt) ist es mein kindliches Verlangen, daß ihr immer Seinen Namen im Sinn habt.«
      Nach diesen Worten wurde die Versammlung nachdenklich und schwieg.
      Die nächsten Tage vergingen mit Ausflügen in die Umgebung. Ma und die Mahatmas besuchten Pondicherry und hatten eine Audienz bei der Mutter im Ashram.
      Das nächste größere Ziel der Pilgerfahrt war der weltberühmte Tempel von Chidam-baram, 120 km von Pondicherry entfernt. In Südindien werden fünf Shivalingams als Repräsentanten der fünf Elemente des kosmischen Prozesses verehrt: in Shivakanchi ehrt man Shiva in der Form der Erde (Kshitimurti), in Jambukeshwara als Wasser (Apmurti), in Arunachalam als Energie (Tejamurti), in Kalahasti als Wind (Marutmurti) und in Chidambaram als Raum, bzw. Intellekt (Vyomanmurti). Shiva wird hier mit dem gestaltlosen Intellekt, der Erleuchtung, gleichgesetzt, daher heißt der Tempel Chidambaram (Chit = Intellekt + Ambara = Himmel). Die Legende sagt, Shiva sei nach seinem Tanz der Auflösung oder dem Tanz der Erschaffung aller Formen im gestaltlosen Bewußtsein aufgegangen. Der Tempel enthält die Figur des Shiva als Nataraja [Herr des Tanzes].
      In der Nähe des Nataraja-Tempels steht eine ebenso große Figur des Govindaraja, einer Form Vishnus. Die Nordinder beobachteten mit Interesse, daß Shivaiten zuerst den Shivaschrein betraten und sich von der Figur Vishnus abwandten. Auf dem Rückweg erwiesen sie dem Govindaraja ihre Ehrerbietung. Die Vaishnavas folgten der umgekehrten Prozedur, aber beide Figuren stehen im selben Tempel und werden von allen Besuchern verehrt. Das Tempelgelände ist sehr beeindruckend. Alle Tempel sind von von hervorragender Ausführung, in großem Stil erbaut. Jeder Pfeiler, jede Halle, jeder Gang ist mit mythologischen Darstellungen aus der vorgeschichtlichen Zeit der großen Epen ausgefüllt. Ein überwältigendes Erlebnis für alle Pilger.
      Am 4. November kamen Ma und ihre Gesellschaft nach Tiruvannamalai. S.S. Cohen schreibt: »Mataji sollte an diesem Tag, dem 4. November, mittags um 12.30 Uhr ankommen. Zusammen mit den Treuhändern des großen Arunachaleshwara-Tempels und den hiesigen Behördenvertretern hatte Ms. Taleyarkhan für sie einen Empfang mit allen Ehrungen des Tempels vorbereitet. Doch ihr Wagen glitt schon um Punkt 11 Uhr, 90 Minuten früher als erwartet, leise zum Ramanashram. So warteten die Treuhänder, Beamten, Elefanten und Priester im Schatten der Bäume auf der Landstraße nach Chidambaram auf sie und hatten keine Ahnung, daß sie schon angekommen war.
      Einige Minuten später ging sie im Ashram umher, um die Örtlichkeiten zu besichtigen, die Shri Ramana Bhagavan zu seinen Lebzeiten durch seine Anwesenheit geheiligt hatte. Sie stand ehrfürchtig mit gefalteten Händen vor seinem Samadhi und erkundigte sich, wie sein heiliger Körper bestattet worden war und ob es auf dem Samadhi ein Lingam gab. Sie konnte den Lingam nicht sehen, weil es von Blumenkränzen zugedeckt war. Alle Devotees des Ashrams und viele Mitglieder des Organisationskomitees, die aus Madras gekommen waren, versammelten sich am nächsten Tag, dem 5. November, im Ashram zur Grundsteinlegung für die Meditationshalle. Zum Schluss trat Shri Anandamayi Ma vor und streute zur Freude aller Anwesenden Blumen auf den Grundstein.
      Am Abend des 6. erfreute sie Maharshis Schüler, indem sie ca. 10 Minuten lang mit Bhagavans Namen den Bhajan anführte - ›Oh Bhagavan, he Bhagavan, ha Bhagavan‹ usw. Dabei variierte sie die Melodie und die Worte der Anrufung aufs Liebenswerteste.«

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Am Ende ihres Aufenthalts trat ein Mitglied des Organisationskomitees auf Shri Ma zu und bat sie mit gefalteten Händen, den Ramanashram wieder zu besuchen. Shri Ma lächelte und sagte: »Ich gehe nirgendwohin. Ich bin immer hier. Es gibt kein Gehen und kein Kommen alles ist Atman
      S.S. Cohen beschreibt ein von Ma vollbrachtes Wunder: »Obwohl es sehr früh am Morgen war, hatten sich schon eine Anzahl von Devotees versammelt, um ihr Lebewohl zu sagen. Ihre Herzen waren schwer, weil sie von ihr Abschied nehmen mußten. Auf einem bestimmten Gesicht, das normalerweise immer unbeteiligt blieb, sah ich eine ernste, nachdenkliche Gerührtheit. Noch vor einem Monat hätte ich mir nicht im Traum vorstellen können, aß es für einen Heiligen oder eine religiöse Institution solcher Gefühle fähig gewesen wäre, und ich war sehr froh darüber. Es war eins der Wunder, die Mataji in der kurzen Spanne von nur einer Woche vollbrachte: sie hatte den lang aufgestauten Kummer meines Freundes gelöst.«
      Ma‘s heilende Berührung hatte in Ambala ein Wunder auf der physischen Ebene bewirkt. In Madras wird auch die Verwandlung eines Herzens als Wunder bezeichnet. Überall im Land gab es weitere Zusammenkünfte voller Hingabe und Verehrung. Didi Gurupriya schreibt verwundert in ihrem Tagebuch: »Es ist zum Staunen, wie nahe wir uns den Leuten im Ramanashram fühlen. Ein Sadhu sagte: ›Bhagavan (Shri Ramana Maharshi) ist nicht mehr bei uns, aber in Mataji erkennen wir sein Wesen und seine Zuwendung wieder.‹ Wir fühlen uns auch ganz zu Hause, als ob wir alle diesen Ort gut kannten und die Leute hier alte Weggefährten wären.«
      Einer der neuen Devotees war die Frau von Shri Padmanavan, Shrimati Kalapakkam. Sie sang bei jeder sich bietenden Gelegenheit für Ma. Besonders beliebt war die Hymne ›He Jagatrata‹. Ma sang selbst mit und fügte ihre eigenen melodischen Variationen hinzu. Bibhu lernte das Lied, und nach ihrer Rückkehr in den Norden wurde es sehr bekannt und beliebt.
      Ma besuchte den Tempel, in dem Shri Ramana Maharshi viele Jahre lang Tapasya geübt hatte. Ms. Taleyarkhan sagte, das Tempelkomitee habe ihnen erlaubt, eine lebensgroße Fotografie des Maharshi am Ort seines Sadhana aufzustellen. Obwohl Ms. Taleyarkhan eine Parsin war, hatte sie durch ihre auf das eine Ziel gerichtete Hingabe und großherzige Haltung das Recht erlangt, alle Hindutempel zu betreten. Nun begleitete sie Ma überallhin. Ein weiteres neues Mitglied der Gruppe war Topaswami aus dem Ramanashram. Er identifizierte Ma so vollkommen mit dem Maharshi, daß er ihr ebenso rückhaltlos ergeben war wie seinem Guru.
      Am 7. November traf Ma in Kumbakonam ein. Von dort fuhr die Gesellschaft nach Shrirangam und besuchten den Samadhi des berühmten Dichter-Heiligen Shri Tyagaraja. Die Gläubigen sind überzeugt, daß er mit seinem hingebungsvollen Singen Shri Rama herbeigerufen und seinen Darshan erlangt habe. Sie besuchten auch den Tempel von Tanjore. Der kolossale, fast 4 Meter hohe Nandi gefiel Didi außerordentlich. Nirgendwo sonst in Indien sieht man eine so beeindruckende Skulptur.

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Der Tempel von Shrirangam ist der Stolz Südindiens. Mahaprabhu Gauranga hat sich auf seiner Pilgerfahrt in den Süden vier Monate in der Nähe des Tempels aufgehalten. Die zahllosen architektonischen Meisterwerke, die enorme Größe der Anlage, die vergoldeten Säulen und andere schöne Verzierungen faszinierten die Besucher. Die Priester erlaubten Ma und den Mahatmas, das innere Heiligtum zu betreten und allen Zeremonien beizuwohnen.
      Am Abend fand der übliche Satsang im weiten, offenen Tempelhof statt. Eine Menge von ca. 10.000 Menschen wartete in absoluter Stille, daß Ma erschiene und auf dem eigens für sie errichteten Podium Platz nähme. Es gab kein unwürdiges Gedrängel, keine hysterische Rangelei darum, näher an Ma heranzukommen, kein Geschrei, das mehr Unordnung als Ordnung erzeugt. Didi und andere, die an Ma‘s Auftritte in Calcutta, Dacca, Varanasi usw. gewöhnt waren, wünschten sich, die Devotees aus diesen Städten wären hier, um diszipliniertes Verhalten in Ma‘s Gegenwart zu sehen und zu lernen. Der Menge mangelte es nicht an Hingabe. Sie war begierig, Ma sprechen zu hören. Ma überwand die Sprachbarriere, indem sie in Shrirangam wie bei allen diesen Satsangs in anderen Tempelhöfen Kirtan sang.
      Shri Ma und die Mahatmas fuhren nach Rameshwaram, Dhanushkoti und Kanya-kumari weiter. Am 13. November arrangierte Didi auf Ma‘s Wunsch im Shivatempel von Rameshwaram eine Puja mit hunderttausend Bilvablättern. Alle Priester wurden zu einem Essen eingeladen. Am nächsten Tag kam der Tempelverwalter mit weiteren Beamten, um sich von Ma zu verabschieden. Er erwähnte, daß er Didi als Ma‘s Nandi ansah. Darüber lachte Ma und sagte: »Was für ein Zufall! Sie müssen wissen, daß Didi immer eine große Verehrerin Nandis war, weil er zeitlos und ewig auf seinen Ishta-Devata wartet.«
      In Madurai war Didi ein weiteres Mal tief beeindruckt, daß zehntausend Menschen so diszipliniert sitzen und auf Ma warten konnten. Ma sang wieder für sie. Als man sie wiederholt zum Sprechen aufforderte, sagte sie: »Ich habe euch folgendes zu sagen: Nur von Gott zu sprechen, ist der Mühe wert. Alles andere ist leidvoll und vergebens.«
      Ein Stimme aus der Menge: »Hier hat es lange nicht geregnet - uns droht eine Dürre. Unzählige Gebete werden zum Himmel geschickt! Was soll aus uns werden?«
      Ma: »Der die Welt erschaffen hat, erhält sie auch. Alles hängt von Ihm ab. Du bist selbst ein Familienvater. Brauchst du deine Kinder, damit sie dir sagen, was das beste für sie ist? Der Vater der Welt weiß, was zu veranlassen ist. Versucht, alles Ihm zu überlassen. Laßt alles nach Seinem Willen gehen.«
      (Diese Antwort schien der Versammlung zu gefallen. Übrigens ist hier zu erwähnen, daß es unmittelbar nach Ma‘s Besuch in Südindien ausgiebig regnete. Die Zeitungen berichteten, daß die Devotees dies Ma‘s Kheyala zuschrieben.)
      Ms. Taleyarkhan teilte der Versammlung ein wenig über Ma mit. Sie sagte: »In Wahrheit stellt sich für Ma die Frage einer Pilgerschaft nicht. Aus ihrer grenzenlosen Gnade ist sie nach Südindien gekommen, um das Land und die Leute zu segnen. Jeder einzelne sollte sich im Gedächtnis an ihren Aufenthalt bei uns bemühen, wenigstens einmal täglich 15 Minuten mit Nama Japa oder Maunam zu verbringen, wie Ma es von uns allen wünscht.«
      Auf diese angenehme Weise traten Ma und die Mahatmas über Suchindram und Trivandrum ihre Rückreise an. Ma wurde eingeladen, den Palast des Maharaja von Travancore durch ihren Besuch zu segnen, da die Damen der Königsfamilie sich nach orthodoxer Tradition nicht öffentlich in einer Menschenmenge zeigen durften. Der Privatsekretär des Maharaja machte Ma seine Aufwartung, in nahtlose Seidentücher gekleidet, wie zum Darshan der Meenakshi Devi. Er sagte Didi, daß Ma in Madurai von vielen Leuten mit der Göttin selbst identifiziert werde. Die Tage von Dacca, als man Ma Manush-Kali nannte, lagen weit zurück. In Anandamayi Ma’s gewinnender Persönlichkeit flossen die furchterregende Gestalt der Kali und die wunderschöne Figur der Meenakshi Devi zusammen.
      Im Tempel traf Ma ›Papa‹ Ramdas. Beim Satsang trafen sie noch einmal länger zusammen. Ma lernte auch Rama Devi kennen, eine andere in Südindien weithin bekannte Heilige.

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Am 23. November erreichten Ma und die Mahatmas Kaladi, den Geburtsort Shan-karas. Sie hörten die Legende über den am Math vorbeifließenden Fluß. Der Ort hatte eine spürbare Ausstrahlung von Frieden und Stille. Ma stand eine Weile vor der Statue des Jagadguru Bhagavan Shri Adi Shankaracharya. Sollte er womöglich seinerzeit (vor ca. 1300 - 1400 Jahren) im weit entfernten Siddheshwari gewesen sein?
      Nach einem eintägigen Aufenthalt in Kaladi fuhr die Gesellschaft ins etwa 240 km entfernte Coimbatore.
      Dort hatte Devarajbabu, ein Freund von Kantibhai Munshaw, alles zu ihrer Bequemlichkeit vorbereitet. Der ältere Bruder von Subhash Chandra Bose, Shri Shailesh Bose, der in Coimbatore lebte, verbrachte den ganzen Tag in Ma‘s Gesellschaft. Didi notiert, daß die Frage: ›Wann kommst du wieder?‹ überall, wo Ma eine kurze Zeit verbrachte, wie ein Refrain zu hören war. Sie fuhren nach Mysore weiter und besuchten am 26. November den berühmten Ashram von Sai Baba in Shirdi.
      In Mysore hatte der Maharaja Ms. Taleyarkhan sein persönliches Zelt für Ma zur Verfügung gestellt. Er und seine Familie kamen zum Darshan. So begann die lebenslange Verbindung der königlichen Familie mit Ma. Auch hieraus ergab sich eine augenfällige Vermischung von Traditionen des Nordens und des Südens, denn in späteren Jahren kam Padmanavan, die Schutzgottheit von Mysore, in Form einer Silberstatuette als Geschenk des Regenten zu Ma. Sie nahm ihn persönlich mit einer großen Zeremonie in Empfang.
      Sie beauftragte Bharat Bhai (Swami Bhaska-rananda), von südindischen Brahmanen alle vorgeschriebenen Riten zu seiner Verehrung zu erlernen.
      Es war auch Ma‘s Kheyala, im Saal des Kankhal-Ashrams eine Statue des Bhagavan Adi Shankaracharya aufzustellen. Diese sehr schöne Figur steht auf einem abgestuften Podest. Im Zentrum sitzt der große Asket in der typischen Stellung, in der er immer dargestellt wird. Je zwei südindische Messingleuchter schmücken die vier darunterliegenden Stufen auf beiden Seiten. Die Stirnseiten der vier unteren Stufen zeigen Reliefs mit Darstellungen der vier Regionen, in denen der Jagadguru die vier Maths [Hauptklöster des Sannyasi-Ordens] gründete: Badrinath im Norden, Shringeri im Süden, Puri im Osten und Dwarka im Westen. Die Reliefs wurden von dem berühmten bengalischen Bildhauer Nitai Pal und seinen Schülern geschaffen: so verschmelzen Traditionen und Kulturen, und so wird das Ideal der Entsagung hochgehalten. Alle Worte, Reisen, Taten Ma‘s sind auf dieses Ziel gerichtet, das spüren wir, wenn wir die leuchtende Spur ihres Kheyala durch ihr Leben verfolgen.
      Ma setzte ihre geruhsame Rundreise zu den südindischen Pilgerstätten noch ein oder zwei Monate fort. Sie hatte Darshan von Vitthaldeva in Pandharpur, sie verbrachte einige Tage in Pune, wo Shri Somnath Nanda sie erstmals sah. Durch sein Interesse und seine Bemühungen kam sie später oft nach Pune. So wurde die Basis für den späteren Ashram gelegt. In Bombay war Ma Gast von Shri Krishnananda Swami im Sannyasa Ashram in Ville Parle. Swami Maheshwarananda, der Leiter des Instituts, ist ein berühmter Heiliger und Gelehrter in diesem Teil des Landes. In späteren Jahren wurde er ein regelmäßiger Besucher in Ma‘s Ashrams.
      Ma und Haribaba blieben mehr als zwei Wochen in Bombay. Ein weiterer Kontakt, der nicht nur dauerhaft war, sondern sich zu enger Vertrautheit entwickelte, kam mit Swami Svatantrananda zustande. Er bemerkte einmal: »Nach diesen 12 oder 13 Tagen der Bekanntschaft mit Ma bin ich zu der Überzeugung gekommen, daß sie eine Kennerin des Brahman ist.«
      Von Bombay fuhren die Reisenden über Ahmedabad nach Dwarka. Auf Bitte des langjährigen Devotees Shri Deogan unterbrachen sie die Fahrt in Junagadh. Sie besuchten Bhalka Prabhas Tirtha und Somnath und erreichten Dwarka am letzten Tag des Jahres. Mit der Pilgerschaft nach Dwarka kam die Reise in den Süden zum Abschluß.

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