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Die Kraft der Gedanken

 

Vom Gedanken zur Gedankentranszendenz

 

Gedanke und Leben

Der Mensch denkt an Sinnesobjekte und verhaftet sich an sie. Er denkt, Früchte sind sehr gut für den Körper. Er bemüht sich, sie zu besitzen. Dann hat er sie tatsächlich und genießt sie. Nun hängt er an den Früchten. Er entwickelt die Gewohnheit, Früchte zu essen, und wenn er sie sich nicht täglich beschaffen kann, empfindet er Schmerz.
Aus dem Denken entsteht Verhaftung; aus Verhaftung entsteht der Wunsch; auf den Wunsch folgt Zorn, der Zorn entsteht, wenn der Wunsch aus dem einen oder dem anderen Grund nicht befriedigt wird; aus dem Zorn entsteht Täuschung; aus Täuschung Verblendung, Verlust des Gedächtnisses; aus Gedächtnislücken mangelnder Intellekt; durch mangelnden Verstand geht der Mensch vollständig zugrunde. Willst du immerwährenden Frieden erlangen, denke nicht an Dinge, sondern denke stets nur an den unsterblichen wonnevollen Atman.
Wünsche an sich sind harmlos. Sie werden durch Gedankenkraft dynamisch. Erst dann richten sie großen Schaden an. Der Mensch grübelt oder denkt an Sinnesobjekte. Er stellt sich vor, dass sie ihm sehr viel Freude bereiten werden. Diese Vorstellung regt die Wünsche an. Die Vorstellungskraft arbeitet mit den Wünschen zusammen. Und die Wünsche werden gestärkt und belebt. Sie greifen den getäuschten Jiva vehement an.

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Gedanken und Charakter

Der Mensch ist kein Geschöpf der Umstände. Seine Gedanken sind die Architekten seiner Umstände. Ein charaktervoller Mensch schafft sich sein Leben aus den Umständen. Er ist ständig bemüht und strebend. Er schaut nicht zurück. Er schreitet mutig voran.
Er fürchtet keine Hindernisse. Er nörgelt niemals und ist niemals wütend. Er ist niemals mutlos oder enttäuscht. Er ist voll Kraft, Energie, Schwung und Vitalität. Er ist immer eifrig und voller Begeisterung.
Gedanken sind die Ziegel, aus denen sich der Charakter aufbaut. Der Charakter ist nicht angeboren. Er wird geformt. Die Entschlossenheit, einen bestimmten Charakter im Leben aufzubauen, ist notwendig. Das muss durch ständiges Streben geschehen.
Schaffe deinen Charakter; du kannst dein Leben gestalten. Charakter ist Macht; er ist Einfluss; er bringt Freunde. Er bewirkt Gunst und Unterstützung. Er schafft Freunde und Reichtum. Er eröffnet einen sicheren und einfachen Weg zu Reichtum, Ehre, Erfolg und Glück.
Der Charakter ist der bestimmende Faktor über Sieg und Niederlage, Erfolg und Misserfolg und in allen Situationen des Lebens. Ein Mensch mit gutem Charakter genießt das Leben jetzt und später.
Kleine Liebenswürdigkeiten, kleine Höflichkeiten, ein wenig Anteilnahme und ein wenig Wohlwollen, die man sich im sozialen Umgang zur Gewohnheit gemacht hat, verleihen dem Charakter mehr Charme als großartige Vorträge auf der Bühne, Reden, Ansprachen, Talente, usw. Ein starker Charakter wird gebildet durch starkes und vornehmes Denken. Ein guter Charakter ist die Frucht persönlicher Anstrengung. Er ist das Ergebnis der eigene Mühe.
Nicht Reichtum und Macht und auch nicht bloßer Intellekt steuern die Welt. Es ist ein moralischer Charakter in Verbindung mit moralischer Vortrefflichkeit, der dieses gesamte Universum lenkt.
Nichts auf der Welt - Reichtum, Ruhm, Ehre, Sieg - ist auch nur eine Feige oder ein wenig Stroh wert ohne Charakter. Der Charakter muss dahinterstehen und alles tragen. Und, der Charakter wird durch die Gedanken gebildet.

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Gedanken und Worte

In jedem gesprochenen Wort liegt Kraft. Es gibt zwei Arten von Vrittis oder Gedanken in Worten, nämlich Shakti Vritti und Lakshana Vritti.
Die Upanishaden erklären Lakshana Vritti. ›Vedasvarupoham‹ bedeutet nicht ›Verkörperung der Veden‹. Lakshana Vritti bezeichnet ›Brahman‹, das nur durch das Studium der Veden erreicht werden kann: durch Shabda-Pramana allein.
Sieh hier die Macht der Worte. Wenn jemand einen anderen ›Sala‹ oder ›Badmash‹ nennt oder ›Dummkopf‹, wird dieser sofort wütend. Darauf folgt Kampf. Wenn man jemanden ›Bhagavan‹ nennt oder ›Prabhu‹ oder ›Maharaj‹, ist er sehr erfreut.

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Gedanken und Handlungen

Gedanken sind schlummernde Samen für Handlung. Die Handlungen des Geistes sind die einzig wahren Handlungen, nicht die Handlungen des Körpers. Die Handlungen des Geistes sind wahrhaft als Karmas zu bezeichnen.
Gedanken und Tat hängen zusammen. Es gibt keinen Geist außerhalb der Gedanken. Gedanken machen den Geist aus.
Worte sind nur der äußere Ausdruck von Gedanken, welche nicht wahrnehmbar sind. Handlungen sind begründet in Gefühlen von Wunsch und Widerwillen (Zu- und Abneigungen). Diese Gefühle werden verursacht von dem Umstand, dass Dingen freud- oder schmerzvolle Eigenschaften zugeordnet werden. Der Gedanke ist begrenzt. Er ist ungeeignet selbst zum Ausdruck zeitlich begrenzter Vorgänge, ganz zu schweigen vom Absoluten, das unaussprechlich ist. Der Körper und seine Organe sind nichts als der Geist.

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Gedanke, Friede und Kraft

Je geringer die Zahl der Wünsche ist, desto weniger Gedanken sind da. Werde absolut wunschlos. Das Rad des Geistes wird völlig zum Stillstand kommen. Wenn man die Bedürfnisse reduziert, wenn man nicht versucht, die Wünsche zu erfüllen, wenn man versucht, einen Wunsch nach dem anderen auszurotten, werden die Gedanken in ihrer Anzahl und ihrer Dauer verringert. Auch die Zahl der Gedanken pro Minute wird geringer.
Je weniger Gedanken, desto größer der Friede. Denke stets daran. Ein reicher Mensch, der in einer großen Stadt in Spekulationsgeschäfte verwickelt ist und sehr viele Gedanken hat, hat einen ruhelosen Geist trotz aller Annehmlich- keiten, ein Sadhu jedoch, der in einer Höhle im Himalaya lebt und Gedanken- kontrolle übt, ist sehr glücklich trotz seiner Armut.
Je weniger Gedanken vorhanden sind, desto stärker sind Geist und Konzentration. Nimm an, die durchschnittliche Zahl der Gedanken, die dir im Laufe einer Stunde durch den Kopf gehen, beträgt hundert. Wenn es gelingt, sie durch die ständige Übung von Konzentration und Meditation auf neunzig zu reduzieren, wurden zehn Prozent an Konzentrationskraft des Geistes gewonnen.
Jeder Gedanke weniger gibt mehr Kraft und Frieden im Geist. Die Reduzierung um auch nur einen einzigen Gedanken gibt geistige Kraft und Frieden im Geist. Das wird zu Beginn vielleicht nicht so empfunden, da der Intellekt nicht subtil ist; es gibt aber im Inneren ein spirituelles Thermometer, das die Verringerung schon um einen einzigen Gedanken aufzeichnet. Wenn man einen Gedanken weniger hat, hilft dann die geistige Kraft, die dadurch gewonnen wurde, leicht, um einen zweiten Gedanken zu eliminieren.

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Gedanke, Energie und heilige Gedanken

Der Gedanke ist eine feinere Manifestation des Seins als Äther oder Energie. Man denkt, weil man Teil hat am universellen Gedanken.
Der Gedanke ist sowohl Kraft als auch Bewegung. Der Gedanke ist dynamisch. Der Gedanke bewegt sich. Der Gedanke entscheidet die Zukunft. So wie man denkt, so wird man. Der Gedanke schafft einen Heiligen oder einen Sünder. Der Gedanke kann den Menschen formen. Denke, du bist Brahman, und du wirst Brahman werden.
Heilige Gedanken lassen göttliche Gedanken entstehen und halten sie auf- recht. Gedanken des Hasses stören die Gedanken der Harmonie im Herzen. Jeder nutzlose Gedanke ist Energieverschwendung. Unnütze Gedanken sind Hindernisse für das spirituelle Wachstum. Jeder Gedanke muss eine bestimmte Absicht haben.
Negative schlechte Gedanken können die Furcht nicht überwinden. Geduld überwindet Zorn und Reizbarkeit. Liebe ist stärker als Hass. Reinheit ist stärker als Lust. Der Geist wird nicht jeden Tag gebildet; in jeder Minute verändert er Farbe und Form.

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Gedanken, die binden

Durch die Kraft des Differenzierens erschafft der Geist das Universum. Die Ausbreitung der Gedanken des Geistes in Richtung Sinnesobjekte ist Bindung.
Das Aufgeben von Gedanken stellt Befreiung dar. Der Geist schafft zunächst eine Bindung an Körper und Sinnesobjekte und bindet den Menschen durch diese Verhaftung. Die Verhaftung ist zurückzuführen auf die Kraft von Rajas.
Sattva bringt Nichtverhaftung und flößt im Geist Unterscheidungskraft und Entsagung ein.
Der rajasige Geist verursacht Gedanken von ›Ich › und ›Mein‹ und Unterschiede in Körper, Kaste, Glauben, Farbe, Lebensstand, usw.
Der giftige Baum der Illusion der Maya wächst mehr und mehr aus dem Samen der Modifikationen des Geistes oder der sich ausweitenden Gedanken im Boden der mannigfaltigen Freuden der Welt.

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Von reinen Gedanken zur transzendentalen Erfahrung

Es gibt zwei Arten von Gedanken; reine Gedanken und unreine Gedanken. Der Wunsch nach tugendhaftem Handeln, Japa, Meditation, das Studium religiöser Schriften, usw. sind reine Gedanken. Der Wunsch nach Zerstreuung, der Wunsch, andere zu verletzen oder sexuellen Missbrauch zu suchen, sind unreine Gedanken.
Unreine Gedanken müssen durch das Ansteigen reiner Gedanken zerstört werden, und letztlich müssen auch die reinen Gedanken aufgegeben werden.
Gedanken erlangen Kraft durch das Wiederholen von Sinnesvergnügen. Sinnesfreuden lassen im Geist subtile Eindrücke zurück.
Der wahre Svarupa des Geistes ist nichts anderes als Sattva. Rajas und Tamas kommen fallweise in der Mitte zu Sattva dazu. Sie können durch Sadhana oder Reinigungspraktiken wie Tapas, selbstloses Dienen, Dama, Sama, Japa, Gottesdienst, usw. beseitigt werden. Wenn Daivi Sampat, göttliche Eigen- schaften, entwickelt werden, sterben Rajas und Tamas ab. Dann wird der Geist rein, subtil, fest und einpünktig. Er geht dann im subtilen, unsichtbaren und homogenen Brahman (Akhandaikarasa Brahman) auf. Er verschmilzt nun mit Brahman, so wie sich Milch mit Milch, Wasser mit Wasser und Öl mit Öl vermischt. Nirvikalpa Samadhi resultiert daraus.

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Die Raja Yoga Methode, um die Gedanken zu transzendieren

Ersetze unreine Gedanken durch reine Gedanken. Diese Methode der Substitution macht alle schlechten Gedanken zunichte. Das ist sehr einfach. Es ist die Raja Yoga Methode.
Die Methode der unmittelbaren Beseitigung der Gedanken durch Willenskraft oder mittels Anwendung der Formel ›Verschwinde, Oh schlechter Gedanke‹ ist sehr anstrengend. Für gewöhnliche Menschen ist sie ungeeignet. Sie verlangt ungeheure Willenskraft und spirituelle Stärke.
Du musst dich über die reinen Gedanken erheben und zum höchsten Zustand der Gedankenlosigkeit gelangen. Nur dann ist es möglich, in deinem Svarupa zu ruhen. Erst dann wird sich Brahman enthüllen wie die Amalaka Frucht in der Hand.

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Die vedantische Technik, um die Gedanken zu transzendieren

Wenn verschiedenste, sinnlose Gedanken und Emotionen dich sehr belästigen, bleibe unbeteiligt (Udasina). Sage dir: »Wer bin ich?« Fühle: »Ich bin nicht der Geist. Ich bin der Atman, der alldurchdringende Geist, Suddha Satchidananda. Wie können Emotionen mich berühren?
Ich bin Nirlipta, unverhaftet; ich bin Sakshi, der Beobachter der Emotionen. Nichts kann mich stören.« Wenn diese Suggestionen von Vichara, vedantischer Reflexionen, wiederholt werden, gehen die Gedanken und Emotionen von selbst zugrunde.
Das ist die Jñana Methode, um Gedanken und Emotionen und das Kämpfen mit dem Geist zunichte zu machen.
Wenn ein Gedanke im Geist auftaucht, frage: »Warum ist diese Vritti (Modifikation) aufgetaucht? Wen betrifft sie? Wer bin ich? Alle Gedanken werden schließlich zugrunde gehen. Alle geistigen Aktivitäten werden enden. Der Geist geht nach innen. Er verweilt im Atman. Das ist Vedanta Sadhana. Dieses Sadhana ist beständig fortzusetzen.
Der eine Gedanke ›Wer bin ich?› wird alle auftauchenden verirrten Gedanken weltlicher Natur zerstören. Dieser Gedanke löst sich von selbst auf. Das Ego verschwindet. Das zurückbleibende Gleichgewicht ist Kevala Asti; Chinmatra; Kavala Suddha Chaitanya; Chidakasamatra, das Nama-rupa-rahita ist (ohne Name und Form), Vyavahararahita, Malavasana-rahita, Nishkriya, Niravayava, das Shanta-Shiva-Advaita der Mandukya Upanishad. Das ist Atman. Das gilt es zu erkennen.

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