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15. Kapitel - Der Überfall

Am 8. Januar 1950 war der Abendsatsang gerade in vollem Gange. Es war ziemlich dunkel in der Bhajan-Halle, denn während des Kirtansingens wurde sogar die Lampe, die vorher zum Lesen aus der Gita usw. verwendet worden war, heruntergedreht und beiseite gestellt. Die beiden Öllampen zu beiden Seiten des Altars strahlten so hell wie möglich, konnten aber doch nur etwa ein Drittel der Halle erleuchten, wobei der Eingang im Dunkeln lag.

Govindan, ein junger Mann, den Swamiji schon vor einigen Monaten im Ashram aufgenommen hatte, näherte sich Swamiji durch diesen Eingang mit einer Axt in der Hand. Er hob die Axt. Als er zuschlug, verfehlte sie ihr Ziel und traf die Tür. Govindan wurde nervös und hob die Axt erneut, um Swamiji damit zu schlagen. Dieses Mal wurde der Schlag von einem Bild an der Wand aufgefangen. Nur der Holzgriff der Axt traf Swamijis Turban. Normalerweise nahm Swamiji den Turban, den er trug, wenn er sein Kutir verließ, in der Bhajan-Halle ab. Aber an diesem Tag hatte er es vergessen, so dass der Turban ihn schützte. Swamiji glaubte, es sei ein Stock, der ihn getroffen hatte, fasste mit der Hand hoch und verletzte sich diese an der Axt.

Eine der Frauen, die in der Nähe saßen, machten Swami Vishnudevanandaya aufmerksam. Er stand auf, drückte Govindan so fest, dass er seine Hand nicht noch einmal heben konnte und zog ihn nach draußen. Die Menschen in der Bhajan-Halle erfassten jetzt sofort, was geschehen war, zwei hielten Govindan fest, während er an Händen und Füßen gefesselt wurde. Dann fingen ein oder zwei an, ihn zu schlagen. Swamiji schrie so laut er konnte: „Schlagt ihn nicht, schlagt ihn nicht.“ So entkam Govindan der Rache, wurde in einen nahegelegenen Raum gebracht und eingeschlossen.

„Setzt den Kirtan fort“, sagte Swamiji und Kirtan, Arati und Friedensgebete wurden fortgesetzt und der Satsang zu Ende geführt. In der Zwischenzeit eilte ein Swami in die Diamond-Jubilee-Halle und informierte in stockenden Sätzen die Swamis, die sich dort aufhielten darüber, was geschehen war. Diese liefen zur Polizeistation und kamen mit ein paar Polizisten zur Bhajan-Halle. Von dort aus gingen alle Satsang-Teilnehmer zu dem Raum, in dem Govindan festgehalten wurde. Schnell wurde das Seil, mit dem seine Füße gebunden waren, gelöst, er stand auf und wurde von beiden Seiten von Polizisten überwacht. Die Menge verfolgte die Angelegenheit mit Interesse. Swamiji ging direkt zu Govindan, verneigte sich vor ihm mit gefalteten Händen und sagte: „Govindan, möchtest du noch weitere Schläge austeilen? Hier bin ich. Sei so nett und befriedige deine Bedürfnisse.(Der Polizeiinspektor beobachtete mit großer Verwunderung diese Szene.) Govindan murmelte: „Nein, ich möchte dich nicht noch einmal schlagen. Ich habe genug.“ Die Gesichter ringsum zeigten, dass diese Worte Öl auf das Feuer des Zorns gossen, den sie irgendwie mühsam zu beherrschen suchten. „Was habe ich dir getan? Warum bist du so böse auf mich?“, fragte Swamiji liebevoll. Darauf gab der andere keine Antwort.

Anschließend gingen alle nach unten in die Richtung von Swamijis Kutir. „Was sollen wir tun, Swamiji? Soll ich Anklage gegen ihn erheben?“, fragte der Polizeiinspektor. „Nein, verweise ihn einfach nur aus Muni-ki-Reti. Das reicht“, sagte Swamiji und ging zu seinem Kutir. Hier warteten endlos viele Besucher auf ihn. Viele Männer und Frauen des Ortes hatten von dem Vorfall gehört und waren trotz der späten Stunde unter Tränen zu Swamijis Kutir geeilt. Swamiji nahm Platz und empfing sie alle strahlend lächelnd, als sei nichts geschehen.

Ganz sicher hat Swamiji unter dem Schutz Gottes gestanden. Später stellte sich heraus, dass Govindan ihm bereits am Morgen aufgelauert hatte, denn er wusste, dass Swamiji immer allein von seinem Kutir zur Bhajan–Halle ging. Swamiji wäre ganz ohne Schutz gewesen. Für den Täter wäre der Überfall ein Leichtes gewesen. Aber an diesem Morgen war Swamiji nicht zur Morgenmeditation in die Bhajan-Halle gegangen. „Ich konnte mir nicht erklären, warum ich an diesem Morgen so fest schlief, dass ich nicht um 3.30 Uhr aufgewacht bin“, sagte er. Govindan hatte ein paar Runden um die Bhajan-Halle gedreht und ungeduldig auf Swamiji gewartet. Normalerweise kam Govindan nie vor 9 Uhr aus seinem Raum, aber dieses eine Mal in seinem Leben besuchte er den Morgen-Satsang und sang Kirtans in dieser frühen Morgenstunde. Abends nahm Swamiji nach seiner Ankunft in der Bhajan-Halle immer seinen Turban ab. Er konnte nicht sagen, warum er es an diesem Abend nicht gemacht hatte.

Govindan hatte die Entfernung von der Tür bis zu Swamiji genau berechnet und den ersten Hieb genau darauf abgestimmt, aber vergessen, den Türvorsprung in diese Berechnung einzubeziehen. Als der erste Hieb sein Ziel verfehlt hatte, wurde er sich dieser Tatsache bewusst. Als er dann näher an sein Ziel heran ging, vergaß er, die Axt neu auf diese Entfernung einzustellen.

Am nächsten Tag wurde entschieden, dass Govindan in Begleitung von zwei Ashramiten den Ashram verlassen und mit einem Fahrschein für den „Grand Trunk Express“ nach Salem, seinem Heimatort, zurückkehren sollte.

Swamiji hieß die Vorschläge, Govindan solle angeklagt werden nicht gut, sondern sagte: „Nein, nein, wir sollten ihn nicht bestrafen. Er hat nur mein Prarabdha-Karma (das in diesem Leben wirksame Karma) erfüllt. Wollt ihr etwa behaupten, dass sich irgendetwas ohne den Willen Gottes ereignen könnte? Nein, Gott hat Govindan dazu gebracht, das zu tun. Sind etwa ‘Dyutam chalayatam asmi’ (Ich bin das Spiel des Betrügers, Bhagavad Gita 10; 36) nur leere Worte? Wohnt nicht derselbe allgegenwärtige Gott auch dem Räuber, dem Einbrecher, dem Mörder und dem Schurken inne? Nein, ich möchte Govindan nicht einsperren lassen. Wir sollten ihm dafür danken, dass er mein Karma so einfach ausgearbeitet hat. Der Herr hat mein Leben verschont, weil dieser Körper noch mehr Dienst verrichten soll. Ich muss in diesem Dienst fortschreiten. Das ist alles, was dieser Vorfall mir sagt.“

Um 11 Uhr herum ging Swamiji mit Früchten, Büchern, Kleidern, einer neuen Decke und einer Japa-Mala zur Polizeistation. Eigenhändig trug er Kumkum und andere Pulver auf Govindans Stirn auf und verneigte sich vor ihm. Die Anwesenden waren von Staunen ergriffen, als sie das sahen. Swamiji übergab ihm Bücher mit seiner eigenhändigen Widmung: „Möge Gott dich segnen mit Gesundheit, langem Leben, Frieden, Wohlstand, Hingabe, Weisheit und Befreiung!“ Er weihte Govindan in das achtsilbige Mantra, „Om namo Narayanaya“ ein, überreichte ihm Kleider und die anderen Sachen und gab ihm folgende Ratschläge: „Wiederhole das Mantra unaufhörlich. Übe regelmäßig und intensiv Japa. Vergiss alles, was vorgefallen ist. Achte aber sorgfältig darauf, dass der Geist nicht wieder in die alten fehlerhaften Gewohnheiten zurückfällt und dass du nicht zwangsläufig dieselben Fehler immer wieder begehst. Lies gute spirituelle Bücher. Meide die Gesellschaft schlechter Menschen. Die verborgene Spiritualität wird sich durch spirituelle Praxis entfalten. Diese Spiritualität ist in dir vorhanden. Wenn sie überhaupt nicht da wäre, wärest du nicht hierher gekommen. Ich habe Saswat Swami und Purushottami gebeten, dich nach Agra zu begleiten und dich während der Reise mit allem Nötigen zu versorgen. In Agra wirst du eine Fahrkarte nach Salem bekommen. Bitte schreibe mir oft, wie es dir geht und was dein Sadhana macht. Möge Gott dich segnen!“ Dann wiederholte er ein paar Mal „Om namo Narayanaya“ und ließ auch Govindan dieses heilige Mantra wiederholen.

Besondere Speisen wurden vor seiner Abreise für Govindan zubereitet. Swamiji sandte ein Schreiben an den Polizeiinspektor, er wolle in keiner Weise gegen Govindan vorgehen. Die Polizei solle die ganze Angelegenheit vergessen. Abends wurde in der Bhajan-Halle ein Gottesdienst mit Gebeten für ein langes Leben von Swamiji abgehalten. Die Teilnehmer sangen das Maha-Mantra zusammen und die Halle war erfüllt von der Schwingung des Maha-Mrityunjaya Mantras. Anschließend verteilte Swamiji eigenhändig das Prasad.

Am 19. Februar erhielt Swamiji einen Brief von Govindan, in dem dieser schrieb, dass er gut in Salem angekommen sei. Er sei Swamiji dankbar für alles, was dieser für ihn getan hatte und er betet, dass jede etwaige weitere Fallgrube auf seinem Lebensweg ebenso durch Swamijis Gnade ausgeräumt werden möge und er betrachtet sich als sein Schüler. Als Swamiji den Brief las, lächelte er und sagte: „Muruganandaji! Trage Govindas Namen in die kostenlose Verteilerliste des Magazins ein. Nimm seine Adresse auch in das Prasad-Register auf. Alle kostenlose Literatur soll an ihn geschickt werden. Ich möchte ihm auch Bücher schicken. Ich werde ihm schreiben, dass er wieder kommen kann.“

Es gab noch eine Reihe weniger gefährlicher Ereignisse, von denen Swamiji in seiner Autobiographie schreibt: „Im Ashram gab es in der Vergangenheit ein paar Schüler, deren Sinne und Wünsche sehr stark waren, die mich kritisierten, den ganzen Ashram und den Himalaya missbraucht und diesen Ort im Zorn verlassen haben. Ich segnete sie und betete um Licht, Erkenntnis, rechtes Verständnis und innere spirituelle Kraft für sie. Letztlich gehen sie alle weg, um mit vollkommen gewandelten Herzen in den Ashram zurück zu kehren. Ich heiße sie mit großer Liebe und Zuneigung willkommen. Ich vergesse es schnell. So kann jemand Hunderte Male weggehen und wiederkommen. Meine Liebe zu ihm ist mächtiger. Nicht durch Zwang, Regeln oder Vorschriften können Menschen in göttliche Naturen verwandelt werden. Sie brauchen eigene Erfahrungen, um sich zu überzeugen. In einem seiner frühen Briefe an Swami Paramananda schrieb er: „Ich möchte um mich herum Menschen haben, die mich beschimpfen, beleidigen, verleumden, herab würdigen und kränken. Ich möchte ihnen dienen, sie bilden und transformieren.“

In einer Menschenmenge grüßte er zuerst die mit den schlechten Eigenschaften mit gefalteten Händen, seien sie in Weiß oder Orange gekleidet. Er redete sie in den hochachtungsvollsten Formen an. Dazu sagte er: „Erkläre einen Schurken zum Heiligen, ehre ihn öffentlich und er wird sich schämen, seine schlechten Machenschaften weiter fortzusetzen. Erzähle einem jähzornigen Menschen beharrlich: ‘Du bist eine Verkörperung des Friedens’ und er wird sich schämen, wütend zu werden. Nenne einen faulen Menschen einen dynamischen Arbeiter und er wird sich intensiv dem Dienst widmen. Aber Anerkennung muss von ganzem Herzen kommen und du musst deine ganze Seelenkraft in jedes Wort einfließen lassen.“

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