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6. Nirvana Prakarana - Von der Befreiung

Die Geschichte von Sikhidwaja - Teil I

Vasishtha sagte: „König Sikhidhwaja wurde im Lande Malva in Dwapara Yuga geboren. Er war sehr gerecht, großzügig, geduldig, edelmütig, beständig und tugendhaft. Chudala, die Tochter der Königin von Saurashtra, war seine Ehefrau. Chudala besaß die Gabe der Unterscheidung und Vichara. Sie übte Vichara (Selbsterforschung) auf folgende Weise: „Was ist dieses „Ich“? Wer bin ich? Was ist meine wahre Natur? Woher kommt die Täuschung im Geist? Wem ist sie zu verdanken? Wie und wann entstand sie? Wie zerstört man dieses kleine anmaßende „Ich“? Gibt es eine einzige Wirklichkeit, die unabhängig von Körper und Geist und die unsterblich und unveränderlich ist? Wie erreicht man diese Wirklichkeit? Was ist Freiheit? Was ist Verhaftung? Was ist Vidya (wahres Wissen)? Was ist Avidya (Unwissen)? Was ist Maya? Was ist dieses Samsara? Wie verliert man Verhaftung und Unwissen? Wie erreicht man ewige Wonne, Unsterblichkeit und höchsten Frieden?

Dieser Körper ist träge. Er besteht aus fünf Elementen. Er ist sterblich. Er hat einen Anfang und ein Ende. Das Wort „Ich“ kann deshalb nicht für ihn verwendet werden. Das Wort “Ich“ findet auf die zehn Organe keine Anwendung. Die Organe werden vom Geist gesteuert. Auch sie sind träge. Er ist aus Rajas entstanden. Das Wort „Ich“ kann auch auf den Geist nicht angewendet werden. Auch der Geist ist träge. Er hat Anfang und Ende. Er erleuchtet sich nicht selbst. Er besteht aus einem sattwigen Anteil der Tanmatras oder Wurzelelemente. Der Intellekt treibt ihn zum Handeln an. Auch der Intellekt wird von Ahamkara angetrieben. Deshalb kann er nicht das „Ich“ sein. Ahamkara oder Egoismus wird von Jiva bewegt. Deshalb kann auch Jiva nicht das „Ich“ sein. Es ist nur eine Spiegelung. So wie die Spiegelung der Sonne im Wasser verschwindet, wenn das Wasser austrocknet, so verschwindet auch diese Spiegelung (Jiva), wenn der See des Geistes austrocknet, d.h. wenn der Geist ausgelöscht wird. Das Satchidananda Atman oder Brahman, die Quelle, die Grundsubstanz des Körpers, der Sinne, Prana, des Geistes, Intellekts und Jiva ist das wirkliche unbegrenzte „Ich“. Ich bin mit diesem Atman oder dem unsterblichen Selbst identisch. Satchindananda ist meine wirkliche Natur.

So meditierte Königin Chudala auf das reine, alles durchdringende unsterbliche Selbst und erlangte die Selbstverwirklichung. Sie war eine Jnani und auch eine Yogini. Sie besaß yogische Kräfte. Sie konnte durch die Himmel schweben. Sie besaß die acht Siddhis oder übernatürliche Kräfte. Sikhidhwaja glaubte nicht, dass seine Ehefrau eine Jnani und Yogini wäre. Chudala versuchte ihrem Ehemann eine Vorstellung von Atma Jnana zu vermitteln, aber er zog keinen Nutzen aus ihren Unterweisungen.

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Sikhidhwaja führte ein unzufriedenes Leben. Er kannte keinen geistigen Frieden. Eines Tages sagte er zu Chudala: "Aus diesem weltlichen Leben ziehe ich keine Freude. Ich bin im Herzen betrübt. Ich wünsche mir, ins Waldleben einzutreten und Tapas und Meditation zu üben. Gib mir deine Erlaubnis. Chudala sagte: Mein verehrter Herr, du solltest dich zum jetzigen Zeitpunkt deines Lebens nicht zurückziehen.

Sikhidhwaja hörte nicht auf Chudalas Worte. Er verließ den Palast in der finsteren Nacht, marschierte zwölf Tage lang und betrat die Wälder an den Abhängen der Madarahügel. Er führte strenge Tapas aus, sprach Mantras und lebte von Früchten. Allmählich wurde sein Körper ausgezehrt. Chudala fand ihren Ehemann beim Aufwachen nicht an ihrer Seite. Daraus schloss sie, dass er in den Wald gegangen war. Sie war zutiefst im Herzen betrübt. Sie regierte nun selbst achtzehn Jahre lang das Königreich.

Dann wollte sie schauen, wie es ihrem Ehemann erginge. Eines Nachts schwebte sie mit ihrer yogischen Kraft durch die Himmel und landete auf den Mandarahügeln. Sie änderte ihre Gestalt und erschien vor ihrem Ehemann in der Gestalt des Sohnes eines großen Brahmanen als Kumbha Muni (geboren aus einem Kumbha oder Topf). Sikhidhwaja stand sofort auf und begrüßte den jugendlichen Brahmanen, der in der Luft schwebte, ohne den Boden zu berühren. Chudala zeigte diese yogische Fähigkeit in der Luft zu schweben, um Sikhidhwaja von ihrem hohen yogischen Entwicklungsstand zu überzeugen. Sikhidhwaja sagte: „Oh Kumbha Muni! Ich übte strenge Tapas, aber ich habe das Wissen über das Selbst nicht erlangt. Ich habe nur die Schmerzen verstärkt."

Kumbha Muni erwiderte: „Man kann die ewige Wonne Atmans genießen, wenn man zu Füßen eines Gurus sitzt, die Shrutis hört, auf die Mahavakyas oder Worte der Upanishaden reflektiert und meditiert. Der Schüler kann ewige Wonne genießen, wenn das Jnana, das der Lehrer ihm weitergibt, in ihm heranreift. Weshalb diskutierst du nicht in der Gesellschaft Weiser die Natur der Verhaftung und ihrer Befreiung? Warum erkundigst du dich nicht über Fragen wie etwas: Was bist du? Wie ist die Welt entstanden? Wie und wann wird sie aufhören? Weshalb verbleibst du im Zustand des Unwissens und schwelgst in diesen falschen Spielereien der Narren und wohnst hier wie ein Insekt in einem Erdloch?

Jnana ist das herausragendste aller Dinge. Nur Jnana zerstört die grässliche Krankheit der Wiedergeburten zusammen mit den einhergehenden Übeln. Weshalb sehnst du dich nicht danach? Möchtest du, oh Prinz, dein ganzes Leben mit schmerhaften Hindernissen verbringen, so wie einige Insekten ihre Tage beenden, indem sie das Holz, in dem sie leben, anbohren? Möchtest du nicht Jnana erlangen, das Unsterblichkeit und höchsten, ewigen Frieden verleiht? Zerstöre die unreinen Vasanas, Avidya und ihre Auswirkungen, indem du Wissen über das Selbst erlangst und ein Jivanmukti wirst. Tugendhafte Handlungen beseitigen die unreinen Vasanas. Wenn die unreinen Vasanas zerstört sind, wird der Geist ausgelöscht und Wissen über das Selbst dämmert in dir."

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Sikhidhwaja kniete dann vor Kumbha Muni nieder und sagte: „Bitte nimm mich als deinen Schüler an. Führe mich in die Geheimnisse von Atma Jnana ein. Du bist mein verehrter Guru.

Kumbha Muni sagte: "Oh König! Bitte höre von mir zwei Geschichten, die Geschichte des gebildeten Mannes und des Chintamani und die Geschichte vom Elefanten. Einmal lebte ein reicher Mann, der gut mit den Shastras vertraut war. Er führte Pujas, Gebete und andere heilige Riten durch, um Chintamani zu erlangen – den Kristalledelstein, der dir alles gibt, an das du gerade denkst. Er machte sich auf die Suche nach diesem Chintamaniedelstein. Er sah den glitzernden Edelstein vor sich.

Er dachte bei sich: „Dies kann nicht Chintamani sein. Chintamani kann nur durch strenge Tapas erlangt werden. Ich habe nicht viel Tapas geübt.“ Er ließ die goldene Gelegenheit vorüberziehen und zog auf der Suche nach dem Edelstein herum. Ein Siddha wollte den Gebildeten zum Narren halten. Er legte eine kleine Glasscherbe auf seinen Weg. Der gebildete Narr verwechselte das zerbrechliche Ding mit dem wirklichen Edelstein. Er nahm es hoch und dachte, dass dieses ihm alles geben würde, was immer er sich auch wünschte. Mit diesem Glauben spendete er alles, was er besaß. Er nahm den falschen Edelstein und zog sich in den Wald zurück. Der täuschende Edelstein hatte überhaupt keinen Nutzen für ihn. Er unterzog sich aufgrund dieses hochgradigen Unwissens großer Leiden.

Nun höre die zweite Geschichte: Es lebte ein riesiger Elefant in der Vindyagegend. Er geriet in die Falle eines Elefantenjägers. Er legte ihn in dicke Eisenketten. Der Elefant hatte lange, scharfe Stoßzähne. Er sprengte die starken Fesseln und rannte weg. Der Mann fiel zu Boden. Er grub einen tiefen Graben und deckte ihn mit Blättern und Gras ab. Der Elefant geriet wieder in die Falle. Der Jäger folterte ihn erneut. Hätte der Elefant den am Boden liegenden Mann getötet, dann wäre er nicht wieder in den Graben gefallen. Genauso schaffen sich alle dummen Menschen wie der Elefant von den Vindhyas ihren Kummer, wenn sie keine Weitsicht besitzen, um ihr zukünftiges Unheil zu verhindern und sich gegen kommendes Unheil durch Vorsichtsmaßnahmen zu rüsten.

Sikhidhwaja sagte: „Oh göttlicher Knabe, Kumbha Muni! Bitte erläutere mir die Bedeutung der Parabeln von Chintamani und dem Elefanten. Kumbha Muni erwiderte: Der gebildete Mann, der den Chintamani suchte, besaß nur theoretisches Wissen über die Shastras, er hatte jedoch keine Wahrheit erfahren (Tattwa Jnana). Er suchte nach dem Stein, aber wusste nicht, was er darstellte. Dieser Mann bist du. Du besitzt keinen inneren Frieden, obwohl du dich in all den heiligen Schriften auskennst. Du hast auf dein Königreich, deine Ehefrau und andere Verwandte verzichtet, die den wahren Chintamani beinhalteten.

Du hast keine Ahnung von wahrem Verzicht. Wisse, dass man nur durch die Zerstörung des Egoismus und der Wünsche Vervollkommnung und Frieden erhält. Nicht, indem man die Welt aufgibt, sondern indem man die Wünsche und den Egoismus hinter sich lässt, erhält man dauerhaften Frieden und ewige Wonne. Du hast den Edelstein des wahren Verzichts verloren. Du hast die falsche Glasscherbe der schmerzhaften Widrigkeiten durch deine Fehlsicht gewählt. Deshalb fehlt dir der innere Frieden. Fälschlicherweise dachtest du, dass du Frieden durch Tapas bekommen könntest, obwohl der unbezahlbare Chintamani vor dir lag. Vergeblich dachtest du, dass du den Chintamani gefunden hättest, nur um schließlich zu entdecken, dass dein Fund noch nicht einmal eine Glasscherbe wert war.

Kumbha Muni fuhr fort: Höre mir zu, oh großer König! Nun erkläre ich dir die Bedeutung der Elefantengeschichte in den Hügeln von Vindhya. Der Elefant bist du selbst in diesem Wald. Die zwei langen Stoßzähne sind Vairagya (Leidenschaftslosigkeit) und Viveka (Unterscheidungskraft). Der Elefantenjäger ist Ajnana (Unwissen). Du leidest unter den Qualen, die Ajnana dir auferlegt, genauso wie der Elefant sich viel Leid unterwarf, als er von dem Mann gefesselt wurde. Ebenso wie der mächtige Elefant durch die Eisenkette gefesselt wurde, so bist auch du von der Eisenkette der Wünsche gefesselt. Tatsächlich sind Wünsche stärker als Eisen. Eisen rostet und vergeht im Laufe der Zeit, aber die Wünsche werden immer größer und binden dich schneller.

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