Mrz 25 2016

Paul Kohtes über Meditation und Business

Abgelegt 09:25 unter Bad Meinberg,Events


Paul KohtesPaul Kohtes führte viele Jahre eine der erfolgreichsten PR-Agenturen Europas. Mitte der 80er Jahre entdeckte er die Meditation für sich. Seit vielen Jahren leitet er Seminare in Zen-Meditation, ist Initiator des Führungskräfteprogramms Zen for Leadership und Ko-Veranstalter des Kongresses Meditation & Wissenschaft. Darüber hinaus gründete er die Stiftung Identity Foundation, die das Thema Identität wissenschaftlich erforscht.  Weiterhin schrieb er zahlreiche Bücher, z.B. „Jesus für Manager“ oder „Das Buch vom Nichts“. Seit 2015 widmet er sich auch den neuen Medien. In Form der Meditationsapp  7Mind transportiert er traditionelle Meditationspraxis über das Internet.

Auf dem 4. Business Yoga Kongress von Yoga Vidya Bad Meinberg spricht Paul Kothes mit wundervoll  humoriger Leichtigkeit. Es macht einfach Spaß, ihm zu zuhören: „Noch vor 10 Jahren hätte ich das Wort Meditation in Führungskreisen nicht aussprechen dürfen, aber dann gab es zum ersten Mal im Spiegel einen Artikel über Meditation, der nicht ironisch geschrieben war. Von da an war ein Wandel in den Medien spürbar.“

Er liest einen Text von Laotse vor:

Kenne das Männliche, bewahre das Weibliche, so wirst du zum Strombett der Welt.
Bist du das Strombett der Welt, verläßt dich die wahre Tugend nicht und du kehrst wieder heim zur Kindheit.

Kenne das Licht, bewahre das Dunkle, so wirst du zum Vorbild der Welt. Bist du ein Vorbild der Welt, mangelt es dir nicht an wahrer Tugend und du kehrst wieder heim ins Unbegrenzte.

Kenne die Hoheit, bewahre die Demut, so wirst du zum Tal der Welt.
Bist du das Tal der Welt, hast du der wahren Tugend Fülle und kehrst wieder heim zur Einfalt.
Ist die Einfalt geteilt, wird sie brauchbar. Wendet der Weise sie an, so kann er die Welt beherrschen.
Darum: das wahrhaft Große ist ungeteilt.

Erst vor kurzem las Zen-Coach Paul Kohtes diese Verse bei einem der großen Mobilfunkanbieter vor. „Ich habe lange überlegt, ob ich das machen soll, aber es ging erstaunlich gut. Die Führungskräfte  bekommen langsam auch ein Gespür dafür, das es an etwas mangelt. Immer mehr Druck, immer höhere Anforderungen und dazu diese hohen Zahlen über Burnout Ausfälle bei Managern und Mitarbeitern, da kommt auf einmal so eine Nachdenklichkeit auf, ob das alles richtig ist – und auch eine Offenheit für neue Wege.“

Unser System des Funktionalismus mit dieser unglaublich hochentwickelten Spezialisierung ist oberflächlich gesehen sehr erfolgreich, doch ist es in Wahrheit ein Reparaturbetrieb. Wenn Menschen und Tiere funktionalisiert werden, gehen sie daran kaputt. Das wird in Führungskreisen immer mehr erkannt. Und wenn sie kaputt sind wird es sehr teurer. Immer mehr Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern daher Benefits wie Yoga- und Entspannungskurse, gesundes Essen und mehr Mitbestimmung. Dieser Trend ist vielleicht nicht ganz uneigennützig, aber wer erst einmal zu sich selbst gekommen ist und gelernt hat, seine Automatismen zu beobachten, der ist nicht mehr derselbe. Das macht etwas mit ihm. Er entdeckt sein Geburtsrecht auf Glück wieder.

Paul KohtesWenn ein Kind Bewusstsein entwickelt, bemüht es sich um eine stabile innere Vorstellung seiner Umwelt. Um Energie zu sparen entwickelt das Gehirn  Automatismen. Sie sind sehr praktisch im Alltag, aber wenn sie zwanghaft werden, schränken sie uns zu sehr ein. Darum ist es so hilfreich, einmal in die Distanz zur Normalität zu kommen, denn die Grenzen im Kopf hindern uns daran, kreativ, originell und spontan zu sein. Spielt öfter mal „Wünsch dir was“. schlägt Zen-Meister Paul Kothes vor. Es geht ja nicht darum alles gleich umzusetzen, sondern den Geist zu weiten und für verschiedene Alternativen zu öffnen.

Im Zen sind es die sogenannten Koans, die helfen sich aus der täglichen Routine zu erheben. Ein Koan kann intellektuell nicht gelöst werden. Es kommt darauf an, in einen anderen Modus zu kommen. Raus aus der rationalen Ebene rein in die ganzheitliche Ebene, wo eine Lösung entstehen kann, die völlig anders ist und auch völlig individuell. Ja, und wie das geht? Üben, üben, üben …

Glück ist im funktionalen Modus schwer zu erreichen. Wenn ich glücklich werden will, muss ich schauen, wie ich mit dem größeren Rad synchron laufen kann.  Wo will das größere Rad (die Existenz, Gott, das Schicksal) mich hinführen und wie kann ich mich daran anpassen – das ist eine wirklich spannende Aufgabe. Paul Kothes meint: „Das geht auch im Business, zu erkennen, wo ist Flow drauf, wo läuft es und wo nicht. Das ist auch interessant an dieser ganzen Startup Bewegung. Die kommen auf wirklich originelle Ideen, z.B. auf diese Meditationsapp. Zwei Jungs von der Uni wollten mich dafür gewinnen. Ich hatte da auch so eine Schranke im Kopf und konnte mir das erst gar nicht vorstellen – aber 150.000 Downloads in relativ kurzer Zeit zeigen, das da viele drauf gewartet haben.“

Das Leben wird erfüllter und glücklicher, wenn wir lernen, es ganzheitlicher zu gestalten. Sein und Funktionieren miteinander verbinden, die Gegensätze mit mehr „sowohl als auch“ verbinden. Darum geht es ja auch in jeder spirituellen Praxis, z.B auch im Yoga.  HA heißt „Sonne“, THA heißt „Mond“. Hatha Yoga meint also die Harmonisierung der aktiven und der empfangenden Energie im Menschen um zurück zur Einheit zu kommen, denn: „das wahrhaft Große ist ungeteilt“.

Ein Kommentar

Ein Yoga Blog Kommentar to “Paul Kohtes über Meditation und Business”

  1. Dieter Jahnkeam 25. März 2016 um 11:42 1

    Diesen Link http://www.meditation-wissenschaft.org/ hatte ich schon vor längerer Zeit empfohlen – mit der ich im Hintergrund Korrespondenz Pflege.

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