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Die Wissenschaft des Pranayamavon Swami Sivananda
Was
ist Pranayama? Svasa bedeutet Einatmung, Prasvasa Ausatmung. Du kannst die Übung des Pranayamas beginnen, nachdem Du Festigkeit in Deiner Asana (Sitz, Stellung) erlangt hast. Wenn Du drei Stunden in einer Asana an einem Stück sitzen kannst, hast Du Meisterschaft über die Asana erlangt. Auch wenn Du in der Lage bist, zwischen einer halben und einer Stunde zu sitzen, kannst Du mit den Pranayamaübungen beginnen, ohne die man kaum irgendeinen spirituellen Fortschritt erreichen kann. Prana ist Vyashti, wenn es auf das Individuum bezogen wird. Die gesamte kosmische Energie oder das kosmische Prana ist Hiranyagarbha (die kosmische Intelligenz, kosmischer Geist, Brahma), die als das treibende goldene Ei bekannt ist. Hiranyagarbha ist Samashti Prana. Ein Streichholz ist Vyashti (einzeln). Die ganze Streichholzschachtel ist Samashti. Ein einzelner Mango-Baum ist Vyashti. Der ganze Mango-Hain ist Samashti. Die Energie im Körper ist Prana. Durch die Kontrolle der Bewegung der Lungen oder Atmungsorgane können wir das Prana, das im Innern schwingt, kontrollieren. Durch
die Kontrolle des Pranas kann auch der Geist leicht beherrscht
werden, da das Prana mit dem Geist fest verbunden ist, wie ein
Vogel mit einer Schnur. Genauso wie der Vogel, der mit einer Schnur
an einen Pfosten angebunden ist, nachdem er bald hier und bald
dorthin geflogen ist, auf dem Pfosten zur Ruhe kommt, genauso findet
dieser Geist-Vogel, nachdem er hierhin und dorthin verschiedenen
sinnlichen Objekten hinterher gelaufen ist, seinen Ruheplatz während
des Tiefschlafs im Prana. Pranayama
in der Bhagavad Gita Pranayama
in den Schriften Shankaracharyas Pranayama
in der Yoga Vashishtha “Höre nun etwas über die Eigenschaften des Pranas. Das Einatmen des Pranas, das mit einem Maß von 12 Fingerbreit ausgeatmet wurde, wird Puraka (Einatmung) genannt. Wenn Apana Vayu von außen ohne jede Anstrengung wieder in den Körper eintritt, bezeichnet man das auch als das innere Puraka. Wenn Apana Vayu aufhört, sich selbst zu manifestieren und Prana im Herzen absorbiert wird, bezeichnet man die Zeitdauer dieses Zustandes als (innerer) Kumbha. Wenn sich das Prana im Akasha (Äther) des Herzens äußerlich in verschiedenen Aspekten ohne jegliche Betrübnis des Geistes manifestiert, dann nennt man dies das äußerliche Rechaka (Ausatmung). Wenn das äußerlich fluktuierende Prana in die Nase eintritt und an ihrer Spitze anhält, wird es äußerliches Puraka (Einatmen) genannt. Wenn es jedoch an der Spitze der Nase vorbeitritt, geht es 12 Fingerbreit hinunter. Auch dann wird es äußeres Puraka genannt. Wenn Prana nach außen und Apana nach innen geht, dann wird das als äußerliches Kumbhaka (Anhalten) bezeichnet. Wenn das scheinende Apana Vayu sich im Innern nach oben bewegt, dann wird es als äußeres Rechaka (Ausatmen) betitelt. All diese Praktiken führen zu Moksha (Befreiung). Daher sollte immer über sie meditiert werden. Diejenigen, die all die äußeren und inneren Kumbhakas und anderen Praktiken verstanden und sorgfältig ausgeführt haben, werden niemals wiedergeboren. “All die acht Verfahren, die bisher erläutert wurden, sind geeignet, um Moksha zu erzielen. Sie sollten sowohl am Tag als auch in der Nacht geübt werden. Diejenigen, die mit diesen Praktiken ständig verbunden sind und ihren Geist kontrollieren, werden im Laufe der Zeit das Nirvana erlangen. Solchen Übenden wird es niemals nach materiellen Vergnügungen dürsten. Sie werden immer in sich selbst ruhen, ob sie gehen, stehen, wachen, träumen oder schlafen. “Prana, das
nach außen geflossen ist, wird erneut im Herzen absorbiert
nachdem es 12 Fingerbreit zurückgelaufen ist. Ähnlich
wird Apana im Herzen absorbiert, nachdem es aus dem Herzen geflossen
und 12 Fingerbreit zu ihm zurückgelaufen ist. Apana, das dem
Mond entspricht, wird den gesamten Körper während seines
Durchgangs kühlen. Das Prana jedoch, das der Sonne entspricht,
wird im Körper Hitze erzeugen und alles im Körper verdauen.
Wird man jemals noch Schmerzen bekommen, der den höchsten
Zustand erreicht hat, wo die Kalas (die Strahlen) des Apana (dem
Mond) von Prana (der Sonne) überschwemmt werden? Wird jemand
wiedergeboren werden, der diesen mächtigen Wohnsitz erreicht
hat, wenn die Kalas des Sonnen-Pranas verschlungen werden von Apana,
dem Mond? Diese werden augenblicklich die sieben Geburten von denjenigen
verhindern, welche den neutralen Zustand erreichen, in welchem
sie sehen, wie Apana Vayu zu Prana wird und auch umgekehrt. Ich
lobpreise das Chidatma, welches im Zwischenzustand ist, in dem
Prana und Apana ineinander absorbiert werden. Ich meditiere unaufhörlich über
jenes Chidatma, das im Akasha ist, unmittelbar vor dem Ende
meiner Nase, wo sowohl Prana als auch Apana erlöschen. Es
liegt an der Kontrolle des Pranas, daß ich das höchste
und unbefleckte Tattwa (Element, Wahrheit) jenseits des Leidens
erlangt habe. ” (Yoga Vashishtha) Kontrolle
des Atems In der Bhagavad Gita, dem unsterblichen Gesang Krishnas, findest Du eine schöne Beschreibung der Sitzhaltung für Pranayama und Meditation (Kapitel 6, Verse 11, 12 und 13): “An einem reinen Ort, auf einem besonderen, festen Sitz, der weder zu hoch noch zu niedrig ist und aus Schichten von übereinandergelegtem Tuch, einer Tierhaut und Kusha-Gras besteht, mit einpünktigem Geist, mit Herrschaft über das Denken und die Sinne, möge er sich auf diesen Sitz niederlassen und Yoga üben, um sein niederes Selbst zu reinigen. Er halte seinen Körper unbewegt, Kopf und Nacken gerade und ruhig, den Blick auf die Nasenspitze (oder den Punkt zwischen den Augen) gerichtet, ohne herumzusehen.” Pranayama
ist die Kontrolle des Pranas und der vitalen Kräfte des Körpers.
Es ist die Kontrolle des Atems. Pranayama beginnt mit der Zügelung
des Atems, um so Kontrolle über die Lebensströme oder
vitalen inneren Kräfte zu haben. Mit anderen Worten: Pranayama
ist die vollendete Beherrschung der Lebensströme durch Kontrolle
des Atems. Atem ist die äußerliche Manifestation des
grobstofflichen Pranas. Die Gewohnheit, richtig zu atmen,
muß durch regelmäßige Übung von Pranayama
gefestigt werden. Bei gewöhnlichen, weltlichen Menschen ist
die Atmung unregelmäßig. Arten
des Pranayama Die Ausatmung ist Rechaka, die erste Art des Pranayamas. Einatmung ist die zweite Art und wird Puraka (Einatmen) genannt. Wenn der Atem angehalten wird, ist dies Kumbhaka (Anhalten), die dritte Art. Kumbhaka ist das Zurückhalten des Atems. Kumbhaka verlängert das Leben, vermehrt die innere spirituelle Kraft, Stärke und Vitalität. Wenn Du den Atem für eine Minute anhälst, wird diese Minute Deiner Lebenszeit hinzugefügt. Yogis besiegen den Yama, den Gott des Todes, indem sie den Atem zum Brahmarandhra (Fontanelle) an der Spitze des Kopfes hochführen und ihn dort halten. So erobern sie den Tod. Chang Dev lebte durch die Übung von Pranayama Eintausendvierhundert Jahre. Jede der Bewegungen im Pranayama, nämlich Rechaka (Ausatmen), Puraka (Einatmen) und Kumbhaka (Anhalten), wird durch Ort, Zeit und Anzahl gesteuert. Ort bezeichnet das innere oder äußere des Körpers, die spezielle Länge oder Breite und ob das Prana in einem bestimmten Teil des Körpers gehalten wird. Die Dauer der Aus- bzw. Einatmung ist bei jedem Menschen unterschiedlich. Die Länge des Atems variiert entsprechend dem vorherrschenden Tattwa (Element). Die Länge des Atems beträgt 12, 16, 4, 8 bzw. 0 Fingerbreit, entsprechend den Tattwas Prithivi, Apas, Tejas, Vayu oder Akasha (Erde, Wasser, Feuer, Luft oder Äther). Dies ist während der Ausatmung äußerlich und während der Einatmung innerlich. Die
Zeitdauer wird im allgemeinen in Matras gezählt, was einer
Sekunde entspricht. Das Matra ist ein Maß. Mit Zeit ist auch
gemeint, wie lange das Prana in einem bestimmten Zentrum oder Teil
fixiert werden sollte. Kundalini
ist die Quelle für alle okkulten Kräfte. Entsprechend
der Zeitdauer, die es geübt wird, ist das Pranayama kurz oder
lang. Genauso wie Wasser, das auf eine heiße Pfanne geschüttet
wird, nach allen Seiten hin verdampft, genauso hält die Luft
unter starker Anstrengung des Anhaltens (Kumbhaka) an und bleibt
im Inneren. Der Ort der Ausatmung liegt im Bereich von 12 Angulas (Fingerbreit) von der Nasenspitze. Dies kann man mit einem Stück Schilf oder Stoff nachprüfen. Der Ort der Einatmung reicht vom Kopf bis hinunter zu den Fußsohlen. Man kann sich dessen vergewissern durch ein kribbelndes Gefühl ähnlich dem der Berührung einer Ameise. Der Zeitraum des Kumbhakas besteht aus den äußeren und inneren Räumen von Ein- und Ausatmung zusammengenommen, da die Funktionen des Atems bei Ein- und Ausatmung angehalten werden können. Dessen kann man sich vergewissern durch das Ausbleiben der oben aufgeführten Anzeichen, in Verbindung mit Ein- und Ausatmung. Die
Angaben zu den drei Arten der Atemregulierung bzgl. Zeit, Raum
und Anzahl sind optional. Es ist nicht so zu verstehen, daß sie
zusammen praktiziert werden sollten. In vielen Smritis kann man
lesen, daß die einzige erwähnte Spezifikation in bezug
auf die Kontrolle des Atems die der Zeit ist. Die dritte Art von Pranayama, die in Satz 50 der Yoga Sutras beschrieben ist, wird nur bis zum Erreichen des ersten Udghata praktiziert. Das vierte Pranayama wird weiter fortgeführt. Es befaßt sich mit der Fixierung des Pranas in den verschiedenen Chakras (Padmas, Lotus) und dem langsamen, schrittweisen Hochziehen zum letzten Lotus im Kopf, wo vollendeter Samadhi eintritt. Dies ist im Innern. Äußerlich zieht es die Länge des Atems in Betracht in Übereinstimmung mit dem vorherrschenden Tattwa (Element). Das Prana kann sowohl innen wie außen beschrieben werden. Durch
allmähliche Beherrschung der einleitenden drei Arten von Pranayama,
setzt die vierte Art ein. In der dritten Art von Pranayama wird
der räumliche Bereich der Atmung außer Acht gelassen.
Das Anhalten des Atems tritt durch eine einzelne Anstrengung auf
und wird dann nach Raum, Zeit und Anzahl gemessen und wird so Dirgha
(lang) und Sukshma (subtil, feinstofflich). In der vierten Art
jedoch werden die Zeiträume der Ausatmung und Einatmung ermittelt.
Die verschiedenen Zustände werden nach und nach beherrscht.
Die vierte Art wird nicht sofort durch eine einzelne Anstrengung
praktiziert wie die dritte. Andererseits erreicht sie verschiedene
Grade der Vollendung, wenn sie ausgeführt wird. Wenn eine
Stufe beherrscht wird, wird die nächste Stufe aufgenommen
und geübt. Der dritten Art gehen keine Abmessungen voraus
und sie wird durch eine einzelne Anstrengung herbeigeführt.
Der vierten gehen jedoch die Kenntnisse um die Maße voraus
und sie wird nur durch großes Bemühen erreicht. Die
Bedingungen bezüglich Zeit, Raum und Anzahl sind auch auf
dieses Pranayama anwendbar. Besondere okkulte Kräfte entwickeln
sich von selbst mit jeder Stufe des Fortschritts. Drei
Arten von Pranayama Grüße Deinen Guru und Sri Ganesha, sobald Du in der Asana sitzt. Der Zeitpunkt für Abhyasa ist der frühe Morgen um 4 oder 10 Uhr, abends um 16 Uhr und nachts um 22 oder 0 Uhr. Wenn Du vorankommen willst, solltest Du täglich 320 Runden Pranayama ausüben. Sagarbha
Pranayama geht einher mit Japa (Wiederholung) eines Mantras, z.B.
Gayatri oder OM. Es ist 100 Mal wirkungsvoller als das Agarbha
Pranayama, das einfach ist und nicht von Japa begleitet wird. Pranayama
Siddhi (Vollkommenheit) hängt von der Intensität der
Bemühungen ab. Ein besonders enthusiastischer Schüler mit
Parama Utsaha, Sahasa und Dridhata (Eifer, Heiterkeit und Zähigkeit),
kann innerhalb von 6 Monaten Vollendung herbeiführen; während
ein nachlässiger Schüler mit Tandri und Alasya (Schläfrigkeit
und Faulheit) selbst nach 8 oder 10 Jahren keine Verbesserung finden
wird. Harre aus mit Geduld, Vertrauen, Zuversicht, Erwartung, Interesse
und Aufmerksamkeit. Du bist dazu bestimmt Erfolg zu haben. Nil
desperandum - verzweifle niemals. Das
vedantische Kumbhaka Pranayama
für Nadi-Shuddhi 1. Sitze in Padmasana. Meditiere über das Bijakshara (Samenmantra) von Vayu (Luftelement), Yam, das von rauchiger Farbe ist. Atme durch das linke Nasenloch ein. Wiederhole das Bijakshara 16 Mal. Dies ist Puraka (Einatmen). Halte den Atem an, bis Du das Bija 64 Mal wiederholt hast. Dies ist Kumbhaka (Anhalten). Atme dann sehr sehr langsam durch das rechte Nasenloch aus, bis Du das Bijakshara 32 Mal wiederholt hast. Dies ist Rechaka (Ausatmen). 2. Der Nabel ist der Sitz von Agnitattwa (das Feuerelement). Meditiere über dieses Agnitattwa. Ziehe die Luft durch das rechte Nasenloch ein, während Du 16 Mal das Agni Bija, Ram, wiederholst. Halte den Atem an, bis Du das Bija 64 Mal wiederholt hast. Atme dann langsam durch das linke Nasenloch aus, bis Du das Bija geistig 32 Mal wiederholt hast. 3. Fixiere den Blick auf die Nasenspitze. Atme durch das linke Nasenloch ein und wiederhole das Chandra (Mond) Bija, Tham, 16 Mal. Halte den Atem an, bis Du das Bija 64 Mal wiederholt hast. Stell Dir vor, daß der Nektar, der aus dem Mond herausfließt, durch alle Gefäße Deines Körpers strömt und sie reinigt. Atme dann langsam durch das rechte Nasenloch aus, bis Du das Prithivi Bija (Lam) 32 Mal wiederholt hast. Durch
die Übung der oben dargestellten drei Arten von Pranayama
werden die Nadis gründlich gereinigt. Sitze dabei in Deiner
normalen Stellung. Yogi Yajnavalkya andererseits erklärt folgendermaßen: “Um den aufwärtsgerichteten Atem und den abwärts gerichteten Atem zu beherrschen, soll der Atem mit dem Mantra OM als Maßeinheit kontrolliert werden.” Die Wiederholung des Pranava alleine, ist für Paramahamsa Sannyasins (die höchste Klasse von Sannyasins) gedacht. Es ist in den Smritis (Schriften) dargelegt worden, daß gewöhnliche Kontemplation durch Einatmung und durch andere Phasen der Atemkontrolle (im Bereich des Nabels, Herz und Stirn, in Bezug auf die Formen von Brahma, Vishnu bzw. Shiva) geübt werden soll. Für den Paramahamsa jedoch wurde Brahman als das alleinige Objekt der Kontemplation dargelegt. “Der selbstbeherrschte Asket soll mit Hilfe des Pranava über das höchste Brahman nachsinnen” erklärt die Shruti (Schrift). Übung
Nr. 1 Übung
Nr. 2 Übung
Nr. 3 Übung
Nr. 4 Tiefenatmung 1. Steh auf. Halte die Hände an den Hüften, die Ellbogen zeigen nach außen, jedoch nicht nach hinten gezwungen. Stehe bequem. 2. Strecke den Brustkorb gerade nach oben. Drücke die Hüftknochen mit den Händen nach unten. Durch diesen Vorgang wird ein Vakuum erzeugt und die Luft wird von alleine einströmen. 3. Halte die Nasenlöcher weit geöffnet. Benutze die Nase nicht wie eine Saugpumpe. Sie sollten ein passiver Durchgang sowohl für die eingeatmete als auch für die ausgeatmete Luft sein. Erinnere dich, daß korrekte Atmung geräuschlos ist. 4. Strecke den gesamten oberen Teil des Rumpfes. 5. Wölbe die obere Brust in eine unverkrampfte Haltung. Halte den Bauch natürlich entspannt. 6. Beuge den Kopf nicht zu weit nach hinten. Ziehe den Bauch nicht ein. Ziehe die Schultern nicht nach oben. Beachte während der Ausatmung sorgfältig folgende Regeln: 1. Laß die Rippen und den gesamten oberen Teil des Rumpfes allmählich nach unten sinken. 2. Ziehe die unteren Rippen und den Bauch langsam nach innen. 3. Beuge den Körper nicht zu weit nach vorne. Eine Wölbung des Brustkorbs sollte vermieden werden. Halte Kopf, Nacken und den Rumpf in einer geraden Linie. Ziehe den Brustkorb zusammen. Atme die Luft nicht durch den Mund aus. Atme sehr langsam und geräuschlos aus. 4. Die Ausatmung findet durch Entspannung der Muskeln statt, die bei der Einatmung angespannt wurden. Der Brustkorb fällt durch sein Eigengewicht nach unten und man stößt die Luft durch die Nase aus. 5. Halte am Anfang den Atem nach der Einatmung nicht an. Nach der Einatmung erfolgt augenblicklich die Ausatmung. Wenn Du fortgeschritten bist, kannst Du entsprechend Deiner Fähigkeit den Atem langsam von 5 Sekunden bis zu einer Minute anhalten. 6.
Wenn eine Runde der Tiefenatmung vorüber ist, kannst Du eine
kurze Atempause machen, dabei normal atmen. Beginne dann mit der
zweiten Runde. Stehe während der Pause ruhig und in einer
bequemen Stellung, mit den Händen auf den Hüften. Die
Anzahl der Runden kann individuell (entsprechend der Fähigkeit)
festgelegt werden. 3 oder 4 Runden ausführen, jede Woche um
eine Runde steigern. Die Tiefenatmung ist nur eine Spielart des
Pranayamas. Kapalabhati Sitze in Padmasana (Lotussitz). Halte die Hände auf den Knien. Schließe die Augen. Führe Puraka (Einatmen) und Rechaka (Ausatmen) schnell und kraftvoll aus. Bei dieser Übung beginnt man zu schwitzen. Denjenigen, die in Kapalabhati sehr erfahren sind, fällt Bhastrika sehr leicht. In diesem Pranayama gibt es kein Kumbhaka (Anhalten). Rechaka (Ausatmen) spielt die dominierende Rolle. Puraka (Einatmen) ist sanft, langsam und lang (Dirgha). Rechaka (Ausatmen) sollte jedoch schnell und forciert ausgeführt werden, durch Kontraktion der Bauchmuskeln mit einem nach hinten gerichteten Schub. Entspanne während des Purakas (Einatmen) Deine Bauchmuskeln. Der Kopf sollte nicht gebeugt und die Wirbelsäule nicht gekrümmt sein. Kopf und Rumpf sollten aufgerichtet sein. Plötzliche Ausstöße des Atems folgen aufeinander wie in Bhastrika. Zu Beginn kannst Du mit einer Ausatmung pro Sekunde starten. Allmählich kannst Du dann zwei Ausatmungen pro Sekunde machen. Morgens mit einer Runde von 10 Ausatmungen starten. In der zweiten Woche eine Runde am Abend praktizieren. In der dritten Woche zwei Runden am Morgen und zwei Runden am Abend ausführen. Steigere Dich jede Woche allmählich und vorsichtig um jeweils 10 Ausatmungen pro Runde, bis Du 120 Ausatmungen pro Runde erreichst. Die Übung
reinigt das Atmungssystem und die nasalen Atemwege. Es beseitigt
Verkrampfungen der Bronchien. Als Folge verschafft es Abhilfe bei
Asthma und kann diese Krankheit im Laufe der Zeit auch heilen.
Die Lungenspitzen werden gründlich mit Sauerstoff versorgt.
So können sie keine Brutstätten für Tuberkulose-Bakterien
bieten. Schwindsucht wird durch diese Übung geheilt. Die Lungen
werden beachtlich entwickelt. Kohlendioxid wird in großem
Ausmaß vermindert. Unreinheiten des Blutes werden ausgesondert.
Gewebe und Zellen absorbieren eine große Menge von Sauerstoff.
Der Übende bleibt gesund. Das Herz funktioniert ordentlich.
Der Kreislauf und die Atmung werden angeregt. Das äußere
Kumbhaka (Bahya) Leichtes,
angenehmes Pranayama (Sukha Purvaka) Dieses Pranayama beseitigt alle Krankheiten, reinigt die Nadis, stärkt den Geist in Konzentration, verbessert die Verdauung, vermehrt das Verdauungsfeuer und den Appetit, hilft Brahmacharya einzuhalten und erweckt die Kundalini, die im Muladhara Chakra schläft. Die Reinigung der Nadis erfolgt sehr rasch. Du kannst auch Levitation (Schweben über dem Boden) erfahren. Pranayama
für das Erwecken der Kundalini Pranayama
während der Meditation Prana,
Geist und Virya (Fortpflanzungsenergie) stehen in einer Sambandha
(Verbindung). Wenn Du den Atem kontrollieren kannst, werden Prana
und Virya von selbst beherrscht. Wenn Du das Prana kontrollieren
kannst, sind Geist und Virya von selbst beherrscht. Wenn Virya
beherrscht wird, durch das Verweilen als Akhanda Brahmachari, d.h.
12 Jahre wird kein Tropfen Samen abgegeben, sind Geist und Prana
von selbst beherrscht. Genauso wie es eine Verbindung zwischen
Wind und Feuer (Licht) gibt , genauso gibt es auch eine Verbindung
zwischen Prana und Geist. Der Wind entfacht das Feuer. Prana entfacht
den Geist. Wenn kein Wind da ist, werden Feuer und Licht ruhig.
Hatha Yogis nähern sich Brahman durch die Kontrolle des Pranas.
Raja Yogis nähern sich Brahman durch die Kontrolle des Geistes.
Beim Pranayama brauchst Du die Nasenlöcher nicht zu verschließen.
Schließe einfach nur die Augen, wenn Du in einer sitzenden
Stellung übst. Vergiß den Körper und konzentriere
Dich. Falls Du dies beim Gehen übst, spüre einfach genau
die Bewegung der Luft, die ein und ausgeatmet wird. Pranayama
beim Gehen Pranayama
in Shavasana Rhythmisches
Atmen Wenn das Ausmaß von Ein- und Ausatmung gleich ist, hast Du eine rhythmische Atmung. Falls Du beim Einatmen 6 x OM zählst, zähle auch beim Ausatmen 6 x OM. Dies ist Ein- und Ausatmen in gleichmäßiger Weise. Es harmonisiert den physischen Körper, den Geist und die Indriyas, die ermüdeten Nerven werden beruhigt. Du wirst völlige Ruhe und innere Stille erfahren. All die aufschäumenden Emotionen und aufwogenden Impulse werden sich beruhigen. Es gibt noch eine weitere Art des rhythmischen Atems. Atme langsam durch beide Nasenlöcher für 4 x OM ein.; halte den Atem für 8 x OM an (inneres Kumbhaka); atme langsam durch beide Nasenlöcher für 4 x OM aus und halte den Atem ausgeatmet für 8 x OM an (äußeres Kumbhaka). Wiederhole
den obigen Vorgang einige Male entsprechend Deiner Stärke
und Deinen Fähigkeiten. Mit einiger Übung kannst Du allmählich
die Dauer der Einatmung und Ausatmung auf 8 x OM und die Perioden
des Anhaltens auf 16 x OM steigern. Versuche jedoch niemals die
Zeiten zu steigern, bevor Du Dir nicht sicher bist, daß Du
die Energie und Stärke dazu hast. Du mußt bei der Übung
Freude und Vergnügen erfahren. Du solltest keine übermäßige
Anstrengung verspüren. Sei sehr aufmerksam darauf bedacht,
den Rhythmus beizubehalten. Erinnere Dich, daß der Rhythmus
wichtiger ist, als die Länge des Atems. Du mußt den
Rhythmus in Deinem gesamten Körper spüren. Übung
wird Dich vollkommen machen. Geduld und Ausdauer sind erforderlich. Surya Bheda Dieses
Pranayama sollte wieder und wieder ausgeführt werden, da es
das Gehirn reinigt, die Darmflora verbessert und Krankheiten heilt,
die aus einem Übermaß an Vata (“Wind”, einer der 3 ayurvedischen Grundprinzipien) entstehen. Surya Bheda beseitigt die vier verschiedenen Übel,
die durch Vata verursacht werden, und heilt Rheumatismus. Es heilt
Rhinitis (Schnupfen), Cephalalgia und verschiedene Formen von Nervenleiden.
Nebenhöhlenentzündungen werden beseitigt. Es zerstört
Zerfall und Tod, erweckt die Kundalini Shakti und steigert das
körperliche Feuer. Ujjayi Den Atem anhalten, solange es bequem ist, durch das linke Nasenloch ausatmen, in dem Du das rechte Nasenloch mit Deinem rechten Daumen verschließt. Bei der Einatmung den Brustkorb ausdehnen. Während der Einatmung wird durch den teilweisen Verschluß der Kehle ein besonderer Klang erzeugt. Der Klang, der während der Einatmung entsteht, sollte sanft, gleichförmig und kontinuierlich sein. Dieses Kumbhaka kann auch im Stehen und Gehen praktiziert werden. Anstatt durch das linke Nasenloch auszuatmen, kannst Du auch langsam durch beide Nasenlöcher ausatmen. Wärme im Kopf wird dadurch beseitigt. Der Übende wird sehr schön. Das Magenfeuer wird angefacht. Es beseitigt alle Übel im Körper und in den 3 Dhatus, heilt Jalodara (Wassersucht des Bauchs oder Ascites), Schleim in der Kehle, Asthma, Schwindsucht und alle Arten von Lungenkrankheiten werden geheilt. Herzkrankheiten und alle Krankheiten, die aus mangelhafter Einatmung von Sauerstoff entstehen, werden geheilt. Alle Arbeiten werden mit Ujjayi Pranayama vollendet. Der Übende wird niemals von Erkrankungen des Schleims (Kapha), der Nerven, Blähungen, Dysenterie, vergrößerter Milz, Schwindsucht, Husten oder Fieber angegriffen. Praktiziere Ujjayi, um Zerfall und Tod zu zerstören. Geräusch zu machen. Verschließe dabei das rechte Nasenloch mit dem Daumen. Wiederhole geistig OM mit Bhava (der Bedeutung bewußt) während der Einatmung, des Anhaltens und der Ausatmung. Atme nach der Reinigung des Schädels aus, indem Du das Prana nach oben zwingst. Dieses
Pranayama sollte wieder und wieder ausgeführt werden, da es
das Gehirn reinigt, die Darmflora verbessert und Krankheiten heilt,
die aus einem Übermaß an Vata (“Wind”, einer der 3 ayurvedischen
Grundprinzipien) entstehen. Surya Bheda beseitigt die vier verschiedenen Übel,
die durch Vata verursacht werden, und heilt Rheumatismus. Es heilt
Rhinitis (Schnupfen), Cephalalgia und verschiedene Formen von Nervenleiden.
Nebenhöhlenentzündungen werden beseitigt. Es zerstört
Zerfall und Tod, erweckt die Kundalini Shakti und steigert das
körperliche Feuer. Sitkari Sitali Dieses
Pranayama reinigt das Blut. Es stillt Durst und mildert Hunger.
Es kühlt das System. Es heilt Gulma (chronische Dyspepsie
bzw. Verdauungsschwäche), Plieha (Entzündungen bei verschiedenen
chronischen Krankheiten), Fieber, Schwindsucht, Verdauungsstörungen,
Störungen des Pitta, des Schleims (Kapha), Vergiftungen, Schlangenbisse
etc. Wenn Du im Urwald oder an einem Platz bist, wo es kein Wasser
gibt und Du Dich durstig fühlst, praktiziere dieses Pranayama.
Du wirst augenblicklich vom Durst befreit. Wer dieses Pranayama
regelmäßig praktiziert, wird von dem Biß von Schlangen
und Skorpionen unberührt bleiben. Sitali Kumbhaka ist eine
Imitation der Atmung einer Schlange. Der Übende bekommt die
Stärke, seine Haut abzustreifen und Mangel an Luft, Wasser
und Nahrung auszuhalten. Er wird immun gegen alle Arten von Entzündungen
und Fieber. Bhastrika Bhastrika ist eine mächtige Übung. Bhastrika stellt eine Kombination aus Kapalabhati und Ujjayi dar. Nachdem Du Kapalabhati und Ujjayi geübt hast, kannst Du mit Bhastrika beginnen, es wird Dir dann sehr leicht fallen. Einige können solange üben, bis sie müde werden. Du wirst stark schwitzen. Wenn Dich Schwindelgefühle überfallen, breche die Übung ab und atme einige Atemzüge normal weiter. Setze die Übung fort, wenn das Schwindelgefühl vorbei ist. Im Winter kann Bhastrika sowohl am Morgen als auch am Abend ausgeführt werden. Wenn es im Sommer sehr heiß ist, solltest Du Bhastrika nur morgens machen. Bhastrika lindert Halsentzündungen, steigert das Verdauungsfeuer, beseitigt das Übermaß an Schleim, heilt Krankheiten der Nase und des Brustkorbs, heilt Asthma, Schwindsucht etc. Es regt den Appetit an. Es bricht die drei Granthis (Knoten, Unreinheiten, Blockaden), nämlich, Brahma Granthi, Vishnu Granthi und Rudra Granthi. Es beseitigt Schleim, der der Riegel oder das Hindernis ist zur Tür an der Öffnung des Brahma Nadi (Sushumna). Es befähigt einen, um die Kundalini zu wissen. Es heilt alle Krankheiten, die aus einem Übermaß an Wind (Vata), Galle (Pitta) und Schleim (Kapha) entstehen. Es gibt dem Körper Wärme. Wenn Du in einer kalten Region nicht ausreichend Kleidung hast, um Dich vor der Kälte zu schützen, kannst Du dieses Pranayama üben und rasch ausreichend Wärme im Körper erzeugen. Es reinigt die Nadis beträchtlich. Es ist das nützlichste aller Kumbhakas. Bhastrika Kumbhaka sollte insbesondere praktiziert werden, da es das Prana befähigt, die drei Granthis (Knoten bzw. Blockaden) zu durchbrechen, die fest in der Sushumna liegen. Es erweckt rasch die Kundalini. Der Übende wird niemals an irgendeiner Krankheit leiden. Die Zahl der Ausatmungen und der Runden sollten durch die Stärke und Fähigkeiten des Übenden festgelegt werden. Du darfst nicht ins Extreme gehen. Einige Schüler können sechs Runden machen, andere auch zwölf Runden. Du
kannst Bhastrika auch mit einer kleinen Änderung am Ende üben.
Nachdem Du zwölfmal rasch ein- und ausgeatmet hast, atme durch
das rechte Nasenloch ein, halte den Atem solange an, wie Du bequem
kannst. Atme dann durch das linke Nasenloch aus. Atme durch das
linke Nasenloch ein, halte wie zuvor den Atem an und atme dann
durch das rechte Nasenloch aus. Bhramari Murchha Plavini Kevala
Kumbhaka Pranisches
Heilen Du
kannst eine außergewöhnliche Konzentrationskraft, einen
starken Willen, eine perfekte Gesundheit und einen starken Körper
erlangen, wenn Du regelmäßig Pranayama praktizierst.
Du wirst die Kraft des Pranas bewußt zu kranken Körperteilen
schicken können. Angenommen, Du hast eine träge Leber.
Sitze in Padmasana. Schließe Deine Augen. Atme ruhig ein,
bis Du 3 x OM gezählt hast. Halte dann den Atem an, bis Du
6 x OM gezählt hast. Lenke das Prana zur Region der Leber.
Konzentriere dort Deinen Geist. Halte Deine Konzentration in diesem
Bereich. Stell Dir vor, daß das Prana alle Gewebe und Zellen
der Leberlappen durchdringt und dort seine heilende, regenerierende
und aufbauende Arbeit verrichtet. Vertrauen, Vorstellungskraft,
Aufmerksamkeit und Interesse spielen eine sehr wichtige Rolle bei
der Pranaheilung. Atme dann langsam aus. Stelle Dir während
der Ausatmung vor, daß die krankhaften Verunreinigungen abgesondert
werden. Wiederhole diesen Vorgang 12 Mal am Morgen und 12 Mal am
Abend. Die Trägheit der Leber wird in wenigen Tagen verschwinden.
Dies ist eine hochwirksame Behandlung ohne Medikamente. Du kannst
während des Pranayamas das Prana zu jedem beliebigen Körperteil
bringen und jede Art von Krankheit heilen. Versuche ein- oder zweimal,
Dich selbst zu heilen. Du wirst dadurch in Deinen Überzeugungen
bestärkt werden. Warum weinst Du wie jemand, der um Ghee (geschmolzene
Butter) weint, wenn er Butter in den Händen hält? Warum
jammerst Du bei Krankheiten, wenn Du ein preiswertes, leistungsfähiges,
leicht verfügbares Mittel, das Prana, jederzeit zu Deiner
Verfügung hast. Verwende es klug. Wenn Du in Deiner
Konzentration und Deinen Praktiken voranschreitest, kannst Du viele
Krankheiten durch bloße Berührung heilen. In fortgeschrittenen
Stufen, werden viele Krankheiten durch bloßen Willen geheilt. Fernheilung Du
kannst durch Briefwechsel mit Deinen Patienten eine genaue Zeit
verabreden. Du kannst z.B. schreiben: “Sei um 4 Uhr morgens bereit.
Schließe Deine Augen. Ich werde mein Prana übertragen.” Sag
geistig zu dem Patienten: “Ich übertrage Dir Deinen Bedarf
an Prana, der vitalen Kraft.” Mache Kumbhaka (Anhalten), wenn Du
das Prana sendest. Habe die geistige Vorstellung, daß das
Prana mit der Ausatmung Deinen Geist verläßt, durch
den Raum fließt und in das System des Patienten eintritt.
Das Prana bewegt sich unsichtbar wie die drahtlosen Radiowellen
und leuchtet wie Blitze durch den Raum. Das Prana, das durch die
Gedanken des Heilers gefärbt ist, wird nach außen projiziert.
Du kannst Dich selbst durch das Praktizieren von Kumbhaka mit Prana
wiederaufladen. Dies erfordert lange, beständige und regelmäßige Übung. Entspannung Entspannung
des Geistes Sitze
für 15 Minuten in einer entspannten und bequemem Stellung.
Schließe Deine Augen. Ziehe den Geist von den äußeren
Objekten zurück. Beruhige den Geist. Laß die blubbernden
Gedanken schweigen. Denke, daß der Körper eine Kokosnußschale
sei und Du völlig verschieden bist von dem Körper. Denke,
daß der Körper ein Instrument in Deinen Händen
ist. Identifiziere Dich mit dem alles durchdringenden Geist, dem
Atman. Stelle Dir vor, daß die gesamte Welt und Dein Körper
wie ein Strohhalm in diesem riesigen Ozean des Geistes treiben.
Spüre, daß Du in Kontakt stehst zu dem höchsten
Sein. Spüre, daß das Leben der gesamten Welt in Dir
pulsiert, vibriert und pocht. Spüre, daß der Ozean des
Lebens Dich sanft in seinem riesigen Schoß wiegt. Du wirst
großen geistigen Frieden, Kraft und Stärke erfahren. Übe
und spüre dies. Wichtigkeit
und Nutzen von Pranayama “Wie könnte Jnana (Wissen), das Moksha (Befreiung) bringen kann, sich sicher erheben ohne Yoga? Und auch Yoga wird machtlos in der Aufrechterhaltung von Moksha, wenn es ohne Jnana ist. Daher sollte der Aspirant, beständig beide, Yoga und Jnana, üben, um Befreiung zu erlangen.” (Yogatattwa Upanishad) “Tatah kshiyate prakasavaranam”- So schwindet der Schleier, der das innere Licht verhüllt (Yoga Sutras Kapitel II, Vers 52). Tamas (Trägheit) und Rajas (Leidenschaft) bilden die Decke oder den Schleier. Dieser Schleier wird durch die Übung von Pranayama beseitigt. Nachdem der Schleier entfernt ist, wird die wahre Natur der Seele erkannt. Chitta (Geist) selbst besteht aus sattwigen (reinen) Partikeln, wird jedoch von Rajas und Tamas umhüllt, genauso wie Feuer von Rauch umhüllt ist. Es gibt keine reinigendere Handlung als Pranayama. Pranayama gibt Reinheit und das Licht der Erkenntnis leuchtet. Durch den magischen Rundblick des Verlangens, wird die Essenz, die von Natur aus leuchtend ist, verdeckt und Jiva (die individuelle Seele) wird zu den Lastern gelenkt. Dieses Karma des Yogis, welches das Licht verdeckt und ihn an wiederholte Geburten bindet, wird durch die Übung des Pranayamas Stück für Stück abgeschwächt und schließlich zerstört. Nach Vachaspati besteht die Hülle, die das Selbst bedeckt, aus Leiden und Sünden. Manu
sagt: “Laß die Mängel durch Pranayama verbrennen.” Vishnu
Purana spricht von Pranayama als einem Hilfsmittel des Yogas: “Derjenige,
der durch beständige Übung den subtilen inneren Luftstrom
als Prana, Lebensenergie, erkannt hat, hat Sicherheit im Pranayama
erreicht.” Wenn Du ein Fingerbreit des Atems im Innern halten kannst, wirst Du die Kräfte der Voraussage erhalten; wenn Du zwei Fingerbreit im Innern halten kannst, wirst Du die Kraft des Gedankenlesens bekommen, bei Zurückhaltung des Atems um drei Fingerbreit Levitation, bei vier Fingerbreit Psychometrie, Hellhörigkeit etc., bei fünf Fingerbreit die Fähigkeit, sich für alle unsichtbar zu bewegen; bei sechs Fingerbreit die Kraft des ‘Kaya Siddhi‘; bei sieben Fingerbreit die Fähigkeit, in den Körper eines anderen Menschen einzutreten (Parakaya Pravesa); bei acht Fingerbreit die Kraft, immer jung zu bleiben; bei neun Fingerbreit die Macht, Devas (Engelswesen) für Dich als Diener arbeiten zu lassen; bei zehn Fingerbreit Anima, Mahima und andere Siddhis; und bei elf Fingerbreit wirst Du Einheit mit Paramatman erlangen. Wenn der Yogi durch große Übung Kumbhaka für volle drei Stunden ausführen kann, kann er auf einem Daumen balancieren. Er erlangt alle Arten von Siddhis. So wie Feuer den Brennstoff zerstört, so zerstört auch Pranayama die Bündel von Papas (negatives Karma, Sünden). Pratyahara macht den Geist ruhig. Dharana festigt den Geist. Dhyana läßt einen den Körper und die Welt vergessen. Samadhi bringt unendliche Wonne, Erkenntnis, Frieden und Befreiung. Während
des yogischen Samadhi schmilzt die Flamme des Yogagni (Feuer des
Yogas im Sonnengeflecht), die sich vom Nabel bis zum Kopf ausdehnt,
das Amrita (Nektar) im Brahmarandhra (Schädeldecke). Der Yogi
trinkt dies mit Freude und Ekstase. Er kann, indem er ausschließlich
diesen yogischen Nektar trinkt, für Monate ohne Nahrung und
Getränke verweilen. Der
Geist eines Menschen kann dazu gebracht werden, die gewöhnliche
Erfahrung zu transzendieren, um auf einer höheren Ebene als
die der Vernunft zu existieren. Diese ist als der überbewußte
Zustand bekannt und geht über die Grenze der Konzentration
hinaus. Seinem Anlitz offenbart sich unmittelbar die Wahrheit,
die das gewöhnliche Bewußtsein nicht begreifen kann.
Das sollte durch richtiges und regelmäßiges Üben
und durch Beeinflussung der subtilen Kräfte des Körpers
geschehen, um dem Geist einen nach oben gerichteten Schub in höhere
Regionen zu geben. Wenn der Geist in den überbewußten
Zustand der Erkenntnis erhoben wird, beginnt er von dortaus zu
handeln und erfährt höhere Wahrheiten und höheres
Wissen. Von dieser Art ist das letzte Ziel des Yogas, das durch
die Übung von Pranayama erlangt werden kann. Die Kontrolle
des schwingenden Pranas bedeutet für einen Yogi das Entzünden
der Flamme des höchsten Wissens, die Selbstverwirklichung. Besondere
Anweisungen 2. Bevor Du Dich zum Pranayama hinsetzt, reinige Deine Nasenöffnungen gut. Vor den Übungen kannst Du eine kleine Menge Fruchtsaft, Wasser oder eine kleine Tasse Milch trinken. Wenn die Pranayamaübungen beendet sind, kannst Du nach 10 Minuten eine Tasse Milch trinken oder ein leichtes Essen zu Dir nehmen. 3. Sollte es im Sommer abends sehr heiß sein, solltest Du nur am Morgen üben. Wenn Du Hitze im Gehirn oder Kopf verspürst, solltest Du den Kopf mit Amla Öl oder Butter einreiben, bevor Du Dein Bad nimmst. Nimm Misri Sherbat, in dem Du Kandiszucker in Wasser auflöst. Dies hat eine kühlende Wirkung. Praktiziere auch Sitali Pranayama. Die Hitze wird Dir dann nichts ausmachen. 4.
Vermeide strengstens ein zuviel an Reden, Essen, Schlafen, Zusammensein
mit Freunden und Anstrengung. 5. “Mitaharam vina yastu yogarambham tu karayet, Nanaroga bhavettasya kinchid yogo na sidhyati”. Wenn man Yoga-Praktiken ausführt, ohne auf die Ernährung zu achten, kann man keinerlei Nutzen daraus ziehen, sondern wird verschiedene Krankheiten bekommen. 6. Völlige sexuelle Enthaltsamkeit für sechs Monate oder ein Jahr wird Dich zweifellos dazu befähigen, raschen Fortschritt in der Praxis und im spirituellen Voranschreiten zu erzielen. Sprich nicht mit Frauen (bzw. Männern). Lache und scherze nicht mit ihnen. Meide ihre Gesellschaft völlig. Ohne Brahmacharya (sexuelle Enthaltsamkeit) und ohne eine spezielle Ernährung wirst Du aus den intensiven fortgeschrittene Yogaübungen keinen maximalen spirituellen Nutzen erhalten. Für die allgemeine Gesundheit kannst Du natürlich in jedem Fall leichte Übungen praktizieren. Dann sind obige Einschränkungen nicht so wichtig. 7. Übe regelmäßig und systematisch. Verpasse keinen Tag. Setze nur mit den Übungen aus, wenn Du ernsthaft krank bist. Einige Menschen verzerren ihre Gesichtsmuskeln, wenn sie Kumbhaka (Atem anhalten) machen. Dies sollte vermieden werden. Es ist ein Anzeichen dafür, daß sie ihre Fähigkeiten überschreiten. Das muß strengstens vermieden werden. Solche Menschen können kein kontrolliertes Rechaka (Ausatmung) und Puraka (Einatmung) haben. 8. Hindernisse im Yoga sind: Schlafen während des Tages, Wachbleiben über Nacht, ein Übermaß an Urin und Kot, das Übel unbekömmlicher Nahrung und geschäftige geistige Aktivität mit Prana. Wenn man krank wird, sollte man dies nicht auf die Yoga-Praktiken zurückführen. Dies ist ein schwerer Fehler. 9. Stehe um 4 Uhr morgens auf. Meditiere oder praktiziere Japa (Wiederholung des Mantras) eine halbe Stunde lang. Mache dann Asanas und Mudras. Nach einer Tiefenentspannung von 15 Minuten kannst Du dann mit Pranayama beginnen. Sportliche Aktivitäten können gut mit den Asanas kombiniert werden. Wenn Du genügend Zeit hast, kannst Du nach Beendigung aller Yogaübungen und der Meditation sportlich aktiv werden. Pranayama kann auch unmittelbar nach dem Aufstehen noch vor Japa und Meditation ausgeführt werden. Es wird Deinen Körper leicht machen und Du wirst die Meditation genießen. Du kannst in der Reihenfolge praktizieren, wie es Deinem Zeitablauf und Deiner Gewohnheit am besten entspricht und für Dich am angenehmsten ist. 10. Ein maximaler Nutzen wird erzielt, wenn Japa (Wiederholung des Mantras) auch bei der Übung der Asanas und des Pranayamas gemacht wird. 11. Es ist am besten, Japa und Meditation früh morgens um 4 Uhr zu beginnen, sobald Du aus dem Bett aufstehst. Zu dieser Zeit ist der Geist sehr ruhig und erfrischt. Du kannst Dich dann gut konzentrieren. 12. Die Mehrheit der Menschen vergeudet ihre wertvolle Zeit am frühen Morgen, in dem sie eine halbe Stunde ihrer Morgentoilette nachgeht und eine weitere mit dem Putzen der Zähne zubringt. Dies ist schlecht. Aspiranten sollten versuchen, ihre Ausscheidungen in 5 Minuten zu verrichten und die Zähne in 5 Minuten zu reinigen. Wenn die Eingeweide verstopft sind, praktiziere nach dem Aufstehen Shalabhasana (Heuschrecke), Bhujangaasana (Kobra) und Dhanurasana (Bogen) 5 Minuten lang sehr intensiv. 13. Mache zuerst Japa und Meditation. Schreite dann mit den Asanas und den Pranayamaübungen fort. Beende die gesamte Übungsrunde mit einer weiteren kurzen Meditation. 14. Wenn man aufsteht, ist man meistens noch etwas schläfrig. Es ist deshalb sinnvoll, für ca. 5 Minuten einige Asanas und ein wenig Pranayama zu machen, um die Schläfrigkeit abzustreifen und sich für die Meditation bereitzumachen. Nach der Übung von Pranayama wird der Geist konzentriert (einpünktig). Pranayama wirkt sich gut auf verschiedene innere Organe und den gesamten Körpers aus. 15. Die klassische Abfolge der Yogaübungen ist wie folgt: Mache zuerst alle Asanas, dann Mudras, anschließend Pranayama und dann Dhyana. Da der frühe Morgen besonders gut für Meditation geeignet ist, kannst Du folgende Reihenfolge einhalten: Japa, Meditation, Asanas, Mudras und Pranayama. Dies ein besserer Weg. Du kannst Dich an die Reihenfolge halten, die für Dich geeignet ist. Mache nach den Asanas eine Tiefenentspannung von 5 Minuten und beginne dann mit Pranayama. 16. Einige Hatha Yoga Bücher untersagen kaltes Baden am frühen Morgen. Der Grund hierfür mag sein, daß man sich erkälten oder irgendein Leiden an den Lungen bekommen könnte, wenn man um 4 Uhr morgens ein kaltes Bad nimmt, besonders an kalten Orten wie Kaschmir, Mussoorie, Darjeeling etc. Für warme Orte gilt diese Beschränkung nicht. Solange es erfrischend und anregend ist, bin ich immer für kalte Bäder, bevor man mit den Yoga-Praktiken beginnt. Es vertreibt Schläfrigkeit. Es regt den Kreislauf an und ist gesund für das Herz. Es stellt sich ein gesunder Strom von Blut zum Gehirn ein. 17. Asanas und Pranayama entfernen alle Arten von Krankheiten, verbessern die Gesundheit, energetisieren die Verdauung, kräftigen die Nerven, strecken die Sushumna Nadi (Energiekanal in der Wirbelsäule), entfernen Rajas und erwecken die Kundalini. Die Übung von Asanas und Pranayama verleihen eine gute Gesundheit und einen ruhigen Geist. Da kein Sadhana (spirituelle Praxis) ohne gute Gesundheit und keine Meditation ohne einen ruhigen Geist möglich ist, hat Hatha Yoga auch für Dhyana (Meditations-) Yogis, Karma Yogis (selbstlos Dienende), Bhaktas (Gottesverehrer) und Vedantins großen Nutzen. 18. Die Erhaltung des Körpers ist ohne Asanas oder irgendeine Art von körperlichen Übungen oder Aktivitäten unmöglich. Selbst ein orthodoxer (strenger) Vedantin (der den Yoga des Wissens praktiziert) ist ein unbewußter Hatha Yogi. Er praktiziert täglich irgendeine Art von Asana (im Sinne von Sitzhaltung). Auch praktiziert er unbewußt Pranayama, da während der Meditation Pranayama von selbst kommt. 19. Immer wenn Du Dich unbehaglich, deprimiert oder entmutigt fühlst, übe Pranayama. Du wirst sofort mit neuer Lebenskraft, Energie und Stärke erfüllt sein. Du wirst erhaben, erneuert und von Freude erfüllt sein. Bevor Du beginnst, einen Aufsatz, Artikel oder eine Arbeit zu schreiben, mache zuerst Pranayama. Du wirst schöne Ideen hervorbringen und es wird ein inspirierendes, machtvolles und originelles Werk werden. 20. Sei regelmäßig in Deiner Praxis. Regelmäßigkeit ist besonders wichtig, wenn man den maximalen Nutzen aus den Asanas und Pranayama ziehen möchte. Diejenigen, die nur ab und zu praktizieren, werden nicht viel Nutzen erzielen. Gewöhnlich praktizieren Leute am Anfang zwei Monate lang mit großem Enthusiasmus und lassen dann in ihrer Praxis nach. Dies ist ein Fehler. Sie wollen immer einen Yoga-Lehrer an ihrer Seite und haben nicht die Willenskraft, allein zu praktizieren. Sie haben eine verweichlichte Mentalität. Sie sind faul, schlaff und träge. 21. Die meisten Menschen wollen sich nicht durch selbstlosen Dienst von Mala (Unreinheit) und von Vikshepa (Unruhe des Geistes) durch Yoga-Praktiken befreien. Sie möchten sofort die Kundalini erwecken und Brahmakara Vritti (Erkenntnis: Ich bin Brahman (Das Absolute)) hervorrufen. Sie werden auf dem spirituellen Weg stolpern und fallen. Diejenigen, die versuchen die Kundalini durch Asanas und Pranayama zu erwecken, sollten Reinheit in Gedanken, Wort und Tat haben. Sie sollten geistig und physisch Brahmacharya haben. Nur dann können sie die Wohltaten der Erweckung der Kundalini genießen. 22. Säe den Samen der Spiritualität in Deiner Jugend. Vergeude keinen Virya (sexuelle Energie). Diszipliniere die Indriyas (Sinne) und den Geist. Mache Sadhana. Wenn Du alt wirst, wird es für Dich schwierig, irgendein strenges Sadhana zu praktizieren. Übe darum bereits als Teenager. Du wirst in kurzer Zeit die besonderen Nutzen erkennen, die Du aus bestimmten Arten von Sadhana (spirituelle Praxis) ziehen kannst. 23. Wenn Du in Deinen spirituellen Praktiken voranschreitest, mußt Du strenges Mauna (Gelübde der Stille, Schweigen) durchgehend 24 Stunden lang einhalten. Dies muß für einige Monate fortgesetzt werden. Jeder sollte entsprechend seinem Temperament, Fähigkeiten, Bedürfnissen und wie es für ihn angenehm ist, eine Folge von einigen Übungen in Asanas, Pranayama und Meditation wählen. 24. Es ist für einen Menschen gut möglich, sich in sexueller Enthaltsamkeit zu üben, obwohl es verschiedene Arten von Versuchungen und Ablenkungen gibt. Ein wohlgeordnetes Leben, Studium der Schriften, Satsang (Zusammensein mit Weisen), Japa (Mantrawiederholung), Dhyana (Meditation), Pranayama (Atemübungen), sattwige (reine) und maßvolle Ernährung, tägliche Innenschau und Erforschung, Selbst-Analyse und Selbst-Korrektur, Sadachara (richtiges Verhalten), Übung von Yama, Niyama (yogische Ethik), physischer und verbaler Tapas (Askese), all dies wird den langen Weg zum Erreichen des Ziels pflastern. Viele Leute haben einen unregelmäßigen, unrechtschaffenen, unmäßigen, unreligiösen und undisziplinierten Lebensstil. Darum leiden sie und versagen im Erreichen des Ziels des Lebens. So wie der Elefant Sand auf seinen eigenen Kopf wirft, so bringen sie wegen ihrer Torheit Schwierigkeiten und Nöte über ihre eigenen Köpfe. 25. Wackle nicht unnötig mit dem Körper. Durch häufiges Schütteln des Körpers wird auch der Geist gestört. Strecke auch den Körper nicht ständig. Wenn Du Pranayama, Japa und Meditation machst, sollte die Asana ruhig und fest wie ein Fels sein. 26. Du mußt Deiner Gesundheit und Konstitution entsprechend herausfinden, was für eine Art von Ernährung und welches spezielle Pranayama Dir genau helfen wird. Nur dann kannst Du sicher in Deinem Sadhana voranschreiten. Lese zuerst alle Anweisungen zu den verschiedenen Übungen in diesem Buch von Anfang bis Ende durch. Verstehe klar die Technik. Wenn Du irgendwelche Zweifel hast, bitte einfach irgendeinen Yogalehrer oder fortgeschrittenen Yogaschüler, sie Dir vorzumachen, und übe sie dann selbst. Dies ist die sicherste Methode. Du darfst nicht zufällig irgendeine Übung auswählen und anfangen, sie in einer falschen Art und Weise auszuführen. 27. Zu allen Übungen habe ich das Mantra OM als Zeiteinheit vorgeschlagen. Du kannst auch Dein persönliches Mantra, Rama, Shiva, Gayatri oder einfach Zahlen als Zeiteinheit verwenden. Gayatri oder OM ist das Beste für Pranayama. Am Anfang mußt Du für Puraka (Einatmen), Kumbhaka und Rechaka (Ausatmen) eine bestimmte Zeiteinheit beachten. Die Zeiteinheit und das richtige Verhältnis kommen von selbst, wenn Du Puraka, Kumbhaka und Rechaka (Ausatmen) machst, solange Du es bequem ausführen kannst. Wenn Du in der Praxis fortgeschritten bist, brauchst Du nicht mehr zu zählen. Du wirst auf natürliche Art und Weise durch die Kraft der Gewohnheit das richtige Verhältnis einhalten. 28. Am Anfang solltest Du einige Tage lang den Rhythmus zählen und so Deine Fortschritte sehen. In den fortgeschrittenen Stufen brauchst Du den Geist nicht mehr durch das Zählen ablenken. Die Lungen werden Dir sagen, wann die erforderliche Zeitspanne erreicht ist. 29. Fahre mit dem Pranayama nicht fort, wenn Du zu erschöpft bist. Während und nach der Übung sollte immer Freude und Heiterkeit im Geist sein. Du solltest völlig belebt und erfrischt aus der Übung kommen. Binde Dich selbst nicht durch zu viele Regeln (Niyamas). 30. Bade nicht unmittelbar nach dem Pranayama. Warte mindestens eine halbe Stunde. Wenn Du während der Übung schwitzt trockne Dich nicht mit einem Handtuch sondern verreibe den Schweiß mit Deinen Händen. Setze den Körper keinen kühlen Luftzügen aus, wenn Du schwitzt. 31. Atme stets sehr langsam ein und aus. Atme lautlos. Nur bei Pranayamas wie Bhastrika, Kapalabhati, Sitali und Sitkari kannst Du ein leichtes und sanftes Geräusch machen. 32. Du kannst keinen Erfolg erwarten, wenn Du nur 2 oder 3 Minuten an einem oder 2 Tagen übst. Du benötigst zu Beginn mindestens 15 Minuten täglicher Praxis. Es hat keinen Sinn, wenn Du jeden Tag von einer Übung zur anderen springst. Du solltest eine bestimmte Übung täglich praktizieren, und sie bis zu einem hohen Grad vervollkommnen. Natürlich kannst Du gelegentlich auch noch andere Übungen neben Deiner täglichen Übung ausführen. Für Deine tägliche Praxis solltest Du Kapalabhati und Wechselatmung üben. Sitali, Sitkari etc.. können gelegentlich geübt werden. 33. Das Puraka (Einatmen) ist als Nisvasa bekannt und Rechaka (Ausatmen) ist bekannt als Uchvasa. Der geistige Prozeß bei Kevala Kumbhaka wird als Sunyaka Form der Atemkontrolle bezeichnet. Anhaltende, systematische Praxis und allmähliche Steigerung von Kumbhaka (Anhalten) ist als Abhyasa Yoga bekannt, das Schlucken von Luft und das Leben ausschließlich von dieser Luft als Vayubhakshana. 34. Der Autor der Shivayoga Dipika beschreibt drei Arten von Pranayama: Prakrita, Vaikrita und Kevala Kumbhaka. Wenn das Prana in der Gestalt des Atems bewußt so ein- und ausgeatmet wird, wie dies von selbst geschieht, wird dieses Pranayama Prakrita genannt. Wenn das Prana durch Einatmen, Ausatmen und Anhalten entsprechend der in den Shastras vorgeschriebenen Regeln beherrscht wird, wird es Vaikrita (künstlich) genannt. Bei großartigen Menschen, die über diese beiden Arten der Zurückhaltung des Atems hinausgewachsen sind, erfolgt die plötzliche Beherrschung der vitalen Ströme direkt (ohne Einatmung und Ausatmung) und wird Kevala Kumbhaka genannt. Prakrita Pranayama gehört zum Mantra Yoga. Vaikrita zum Laya Yoga. 35. Wenn weder Ein- noch Ausatmung vorhanden sind und der Körper bewegungslos in einem Zustand verharrt, wird das Kevala Kumbhaka (natürliches Aufhören des Atems) genannt. Dann sieht man Gestalten wie der Blinde, hört Klänge wie der Taube und sieht den Körper als Holz. Dies sind die Eigenschaften von jemandem der Stille erlangt hat. 36. Patanjali legte keine besondere Betonung auf die Ausübung verschiedener Arten von Pranayama. Er erwähnte: “Atme langsam aus, atme dann ein und halte den Atem an. Du wirst einen festen und ruhigen Geist erlangen”. Nur die Hatha Yogis haben das Pranayama zu einer Wissenschaft entwickelt und diverse Übungen erwähnt, die sich für verschiedene Personen eignen. 37. “Breite ein Tiger- oder Antilopenfell oder eine vierfach gefaltete Decke aus. Über dies lege ein weißes Tuch. Setze Dich dann für die Pranayamaübung mit dem Gesicht nach Norden”. 38. Einige praktizieren die Abfolge als Ausatmen, Einatmen und Anhalten, andere als Einatmen, Anhalten und Ausatmen. Die letztere Version ist üblicher. Im Yajnavalkya, finden wir verschiedene Arten der Atemkontrolle in der Reihenfolge von Puraka (Einatmen), Kumbhaka (Anhalten) und Rechaka (Ausatmen); während wir sie im Naradiya Text in der Abfolge von Rechaka (Ausatmen), Puraka (Einatmen) und Kumbhaka (Anhalten) haben. Diese beiden können als Alternativen aufgefaßt werden. 39. Ein Yogi sollte stets Furcht, Zorn, Faulheit, zuviel Schlaf oder Wachen und zuviel Nahrung oder zuviel Fasten vermeiden. Wenn diese Regel jeden Tag streng eingehalten wird, wird ohne Zweifel innerhalb von drei Monaten spirituelle Weisheit von selbst entstehen, nach vier Monaten sieht er Devas, in fünf Monaten wird er zu einem Brahmanishta, und wahrhaftig in sechs Monaten ist er in der Lage, willentlich Kaivalya zu erreichen. Hieran besteht kein Zweifel. 40. Ein Anfänger sollte für einige Tage nur Puraka (Einatmen) und Rechaka (Ausatmen) ohne jegliches Kumbhaka ausführen. Nimm Dir viel Zeit für Rechaka (Ausatmen). Das Verhältnis von Puraka (Einatmen) zu Rechaka (Ausatmen) ist 1:2. 41. Pranayama in seiner einfachen und vorbereitenden Form kann von jedem in jeder Körperhaltung, sitzend oder gehend, praktiziert werden. Für diejenigen, die entsprechend den vorgeschriebenen speziellen Methoden praktizieren, werden die Übungen rasch Früchte bringen. 42. Steigere allmählich die Dauer des Kumbhakas. Halte in der ersten Woche für 4 Sekunden den Atem an, in der zweiten für 8 Sekunden, in der dritten Woche für 12 Sekunden und so weiter, bis Du die Grenze Deiner Fähigkeit den Atem anzuhalten erreicht hast. 43. Gesunder Menschenverstand (Yukti) sollte Dich in Deiner Praxis leiten. Wenn eine Art von Übung für Dich nicht bekömmlich ist, ändere sie nach gebührender Betrachtung oder Beratung mit Deinem Guru. Dies ist Yukti. Wo Yukti ist, da ist Siddhi, Bhukti und Mukti (Vollendung, Freude, und Befreiung). 44. Du mußt Puraka (Einatmen), Kumbhaka und Rechaka (Ausatmen) so ausführen, daß Du in keiner Phase des Pranayamas ein Gefühl von Erstickung oder Unbehaglichkeit erfährst. Du solltest niemals die Notwendigkeit fühlen, zwischen zwei aufeinanderfolgenden Runden ein paar normale Atemzüge zu nehmen. Die Dauer von Puraka (Einatmen), Kumbhaka (Anhalten) und Rechaka (Ausatmen) muß richtig angepaßt werden. Sei sorgfältig und achtsam. Du wirst Erfolg haben. 45. Du mußt die Phase der Ausatmung nicht unnötig verlängern. Wenn Du die Zeit für Rechaka (Ausatmen) zu sehr verlängerst, wird die folgende Einatmung in einer eiligen Art ausgeführt und der Rhythmus wird gestört. Du mußt Puraka (Einatmen), Rechaka (Ausatmen) und Kumbhaka (Anhalten) sorgfältig regulieren, es muß absolut bequem sein, die gesamte Folge des Pranayamas sollte so ausgeführt werden. Erfahrung und Praxis werden Dich voranbringen. Übung macht den Meister. Sei beständig. Ein weiterer wichtiger Faktor ist, daß Du am Ende von Kumbhaka eine wirksame Kontrolle über die Lungen haben mußt, um Rechaka (Ausatmen) langsam, fließend und im richtigen Verhältnis zu Puraka (Einatmen) ausführen zu können. 46. Surya Bheda und Ujjayi erzeugen Wärme. Sitkari und Sitali sind kühlend. Bhastrika bewahrt die normale Temperatur. Surya Bheda vernichtet ein Übermaß an Vata, Ujjayi Kapha, Sitkari und Sitali Pitta und Bhastrika alle drei. 47. Surya Bheda und Ujjayi können während des Winters praktiziert werden. Sitkari und Sitali können im Sommer praktiziert werden. Bhastrika kann zu allen Jahreszeiten ausgeführt werden. Solche Personen, deren Körper selbst im Winter heiß ist, können Sitali und Sitkari auch während des Winters praktizieren. 48. Ziel des Lebens ist die Selbstverwirklichung. Dies wird herbeigeführt “durch Beherschung des Körpers und der Sinne, Dienst an einen guten Guru, Hören der Vedantischen Lehren und anhaltende Meditation hierüber” (Niralamba Upanishad). Wenn Du wirklich ernsthaft bist und einen raschen und sicheren Erfolg haben willst, solltest Du regelmäßig und systematisch Asana, Pranayama, Japa , Meditation, Svadhyaya etc.. üben. Du solltest sehr sorgsam in der Aufrechterhaltung von Brahmacharya sein. “Wirksame Mittel zur Kontrolle des Geistes sind das Erwerben von spirituellem Wissen, Gesellschaft mit Weisen, der völlige Verzicht auf alle VAsanas (Wünsche) und die Kontrolle des Pranas” (Muktikopanishad). 49. Ich möchte nochmals betonen, daß Asanas, Pranayama, Japa, Dhyana, Brahmacharya, Satsanga, Einsamkeit, Mauna, Nishkama Karma für den spirituellen Fortschritt alle absolut notwendig sind. Ohne Hatha Yoga wird man im Raja Yoga nur schwerlich Vollendung erlangen. Am Ende von Kumbhaka (Anhalten) solltest Du Deinen Geist von allen Objekten zurückziehen. Durch allmähliche Übung wirst Du im Raja Yoga gefestigt sein. 50. Einige Schüler, die vedantische Schriften studieren, denken, sie seien Jnanis und ignorieren Asanas, Pranayama etc. Sie sollten diese auch praktizieren, bis sie in Shat-Shampat (sechs noble Tugenden) des Sadhana-Chatushtaya (vier Qualifikationen des Jnana Yogaschülers) - Sama, Dama, etc..- und allen anderen vorbereitenden Fähigkeiten des Jnana Yoga vollendet sind. 51. Zögere nicht. Warte nicht darauf, einen Guru zu finden, der an Deiner Seite sitzt und nach Dir schaut. Wenn Du ernsthaft, regelmäßig und systematisch bist und den Regeln und Anweisungen dieses Buches sehr sorgfältig folgst, wird es keinerlei Schwierigkeiten geben. Du wirst unzweifelhaft Erfolg erzielen. Leichte Fehler werden am Anfang auftauchen, aber das macht nichts. Sei nicht unnötig besorgt. Gib die Praxis nicht auf. Du wirst selbst lernen, die Praxis richtig anzupassen. Gesunder Menschenverstand, Instinkt und die innere Stimme der Seele wird Dir auf dem Weg helfen. Alle Hindernisse werden sich am Ende glätten. Beginne die Übung noch in dieser Sekunde im richtigen Ernst und werde ein wahrer Yogi. Om Shantih, Shantih, Shantih! Verschiedene Mantras und ihre Wirkungen sind in meinem Buch “Japa Yoga” beschrieben. Zur Titelseite des Buches "Die Wissenschaft des Pranayama" von Swami Sivananda |
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