1.
Jeder Mensch, der das Gefühl hat, daß es etwas Höheres gibt als
er selbst, ist religiös.
2. Religiös oder spirituell zu sein bedeutet, sich der Begrenztheit seiner
selbst bewußt zu sein und das Bedürfnis zu haben, diese Begrenzung
zu überschreiten.
3. Die Bhagavad Gita ist allgemeingültig; sie ist nicht auf den Hinduismus
beschränkt und sie ist auch keine auf eine bestimmte Religion bezogene
Schrift.
4. Die Bhagavad Gita lehrt nicht die hinduistische Religion, sondern Religiosität
als solches.
5. Vertrauensvoll können wir sagen, daß Religion noch nie gescheitert
ist und auch nie versagen wird. Sie kann auch nicht bedroht werden.
6. Äußerlich kann man Meditation als Religionsausübung ansehen,
innerlich ist sie Konzentration.
7. Das Ende bestimmt immer die Art der Mittel und Möglichkeiten in Philosophie
und Religion.
8. Äußerlich ausgeübte Religion ist der symbolische Ausdruck
eines verinnerlichten Grundsatzes. Das ist wirkliche Religion und darauf richten
die Upanishaden unseren Geist.
9. Ein Hindu würde vom rein religiösen Standpunkt aus Mohammed und
Jesus Christus nicht als Inkarnationen Gottes betrachten. Aber aus höchster
transzendentaler Sicht ist jeder eine Inkarnation des einen Wesens.
10. Gottesfurcht gilt als Anfang von Religiosität.
11. Für Gott gibt es keine Weltlichkeit und keine Religion. Man kann
nicht sagen, Gott sei eine weltliche oder eine spirituelle Persönlichkeit.
12. Glauben, Vernunft und Erfahrung, Theorie und Praxis, Kunst und Religion,
Liebe und Wohltätigkeit, Reinigung, Nachdenken, Meditation und Verwirklichung
gehen in Philosophie und Lehre von Swami Sivananda ineinander über und
ergänzen sich.
13. Die Upanishaden führen uns von weltlichen Vorstellungen über
religiöse Verehrung zu spirituellen Vorstellungen.
14. Gott liebt dich und du liebst Gott. Das ist Religion. Das ist Yoga.
15. Höhere Religion ist die eines Heiligen, der sich selbst mit der Wirklichkeit
identifiziert.
16. Es ist falsch, anzunehmen, Religion sei nicht weltlich und so die Bedeutung
und die vielfältigen Anforderungen des vergänglichen weltlichen Lebens
außer acht zu lassen.
17. Es gibt keine unreligiösen Augenblicke im Leben.
18. Wenn das Leben zu einem gesunden Ganzen werden soll, muß der Geist
religiöser Verehrung und Meditation das weltliche Leben ganz durchdringen
und sättigen.
19. Wenn wir ein zielbewußtes, sinnerfülltes Leben führen,
können wir sagen, daß das Religion ist.
20. Auf dieser Welt, ohne die der Mensch nicht einmal existieren könnte,
ist das Leben selbst Religion. Alle anderen Wissenschaften sind Kinder dieser
höchsten Wissenschaft.
21. Es ist der Geist Gottes, der uns retten kann. Und wenn wir diesen Geist
Gottes in unser tägliches Handeln und Benehmen einfließen lassen,
kann das als Religion betrachtet werden.
22. Karma hat in Religion und Philosophie eine besondere Bedeutung.
23. Der Mensch kann gar nicht anders als religiös sein.
24. Keine Religion behauptet offensichtlich, daß Gott schön sein
muß.
25. Kein großer Heiliger oder Weise hat je solche unsinnige Dinge begangen
oder würde ihnen je anhängen, wie sie die mißverstandene Interpretation
von Religion mit sich bringt.
26. Nur eine vollständige Sicht des Lebens gibt uns eine tiefgründige
Philosophie und zufriedenstellende Religion.
27. Die Philosophie und Religion von Swami Sivananda sind die Philosophie
und Religion der Menschheit als ganzes.
28. Sie faßt das Evangelium von Religion und Religiosität zusammen
als „Dein eigenes Selbst zu verwirklichen“.
29. Wenn der Intellekt sich machtlos und niedergedrückt fühlt, richtet
die Religion ihn wieder auf mit der Vorstellung eines allmächtigen Gottes.
30. Philosophie steht nicht im Gegensatz zu Religion. Andererseits ist sie
die Lampe, die die Ecken der Religion sowohl außen als auch innen ausleuchtet.
31. Prana-Agnihotra (Feueropfer) ist eine religiöse Handlung für
jemanden, der der Vaishwa-Philosophie anhängt und über das kosmische
Wesen meditiert.
32. Religion und Yoga ergänzen sich. Sie werden eins, indem sie die ganze
Persönlichkeit in Richtung auf auf den großen Schöpfer des
Weltalls hin erheben und transformieren.
33. Religiöse Gruppen- und Sektenbildung dient demselben Zweck wie politische
Gruppen in Form von Partein oder Nationalitäten.
34. Religion umfaßt das Leben in seiner Gesamtheit.
35. Religion ist Opfer. Sie ist die Widmung und Hingabe seiner selbst.
36. Religiöse Erfahrung ist auf eine sehr wichtige Weise gleichbedeutend
mit kosmischer Erfahrung.
37. Religion ist die Einstimmung des Menschen als Ganzes auf die Realität
als Ganzes.
38. Der Same der Religion ist das „Du“ oder „Ich“.
39. Religion ist tatsächlich das Leben in seiner Gesamtheit.
40. Es gibt weder „deine“ noch „meine“, weder östliche noch westliche
Religion. Es gibt in Wirklichkeit nur eine einzige Religion.
41. Entfernt man die Religion, so entfernt man damit die Seele.
42. Religion ist die Wissenschaft von der Seele. Sie ist nicht der Hinduismus,
das Christentum, der Islam, usw. Das sind keine Religionen in diesem Sinne.
43. Religion ist etwas, das wir nicht verstandesmäßig erfassen.
Deshalb nennen wir sie „Opium“. Wir wissen nicht, was die Welt wirklich ist
und nennen es „Realität“. Und wir wissen nicht, was wir selbst sind!
44. Religion kann nicht bedroht werden und wir müssen vor einer solchen
Möglichkeit keine Angst haben.
45. Religion ist fälschlicherweise als Liebe zu Gott, unter Ausschluß der
Welt, interpretiert worden und Weltlichkeit ist fälschlicherweise als
Liebe zur Welt unter Ausschluß Gottes definiert worden.
46. Religion ist der Körper und die Philosophie ist das Leben darin.
47. Religion ist heutzutage meistens eine reine Sonntagsangelegenheit, die
mit dem restlichen Leben in keinerlei Zusammenhang und Verbindung steht.
48. Religion ist die Beziehung zwischen den drei grundlegenden Prinzipien
Gott, Welt und Individuum.
49. Religion ist praktische Philosophie. Philosophie ist theoretische Religion.
50. Religion ist nicht gleichbedeutend mit einer Ablehnung und Verleugnung
des Lebens.
51. Religion bedeutet Fühlen, Erkennen, Erfahren. Philosophie bedeutet
endloses Suchen und Forschen, In-Frage-Stellen, Fragen.
52. Religion ist der Yoga bewußter Entwicklung. Unbewußte Weiterentwicklung
wird natürliche Evolution genannt.
53. Eine Art von Religion ist so gut wie die andere. Ein Weg zum Höchsten
ist so gut wie jeder andere.
54. Wir brauchen verschiedene Religionswege. Denn dasselbe Kleidungsstück
kann nie allen Menschen passen. Charakter und individuelle Prägung sind
von Mensch zu Mensch unterschiedlich.
55. Religion ist nichts Besonderes, keine Ausnahme. Vielfalt ist das Prinzip
der Schöpfung.
56. Man kann Religion besser verstehen, je mehr man sie praktiziert.
57. Wahre Religion bringt Heilige und Yogis hervor statt Tempel, Moscheen
und Kirchen.
58. Religion im höchsten Sinne bedeutet, anderen Gutes zu tun.
59. Es gibt viele Religionen, aber echte Anhänger gibt es nur wenige.
60. Religion als äußere Organisationsstruktur ist eine gesellschaftliche
Erscheinung. Religion als innere Einstellung und tägliche Praxis mit ihrer
geheimnisvollen folgerichtigen Dynamik ist eine spirituelle Erscheinung.
61. Religion und Yoga bedeuten praktisch dasselbe.
62. Religion und Yoga sind, bei richtigem Verständnis, nicht voneinander
zu trennen.
63. Religion ohne Yoga wäre nichts als eine leere Schale ohne jeglichen
spirituellen Inhalt.
64. Trennt man Religion von Philosophie, dann verkommt sie zu Aberglauben,
so wie Wirtschaft ohne Philosophie zur Ausbeutung und Politik zu Tyrannei entartet.
65. Religion fängt an, wenn wir ein Blatt opfern oder einen Wassertropfen
auf einen Stein gießen und dabei in diesem Stein Gott sehen.
66. Wahre Religion ist Gewahrsein der Gegenwart des Höchsten Wesens.
67. Religion beginnt, wo das intellektuelle Verständnis aufhört,
wo die Vernunft scheitert.
68. Religion ist lebendige Wirklichkeit, nicht nur die gedankliche Vorstellung
oder akademische Analyse der Wirklichkeit.
69. Religion leben heißt, Gott gegenüberzustehen und Ihm im täglichen
Leben zu begegnen.
70. Religion ist der Philosophie überlegen, wenn man Religion in ihrem
wahren Sinn versteht.
71. Religion ist weder Hinduismus, noch Christentum oder Buddhismus. Sie ist
die Kunst, Göttlichkeit anzustreben.
72. Religion bedeutet nicht, daß man eine Glocke läutet, ein Licht
schwenkt oder ein Mantra singt. Sie ist die Begegnung mit dem Göttlichen
von Angesicht zu Angesicht.
73. Religion ist das Dahinschmelzen des Individuums wie Eis an der Sonne.
74. Ein religiöses Leben ist eine schrittweise Annäherung an Gottesbewußtsein.
75. Religion bedeutet Gott zu erfahren, Gott zu sehen, in Gott einzutreten.
76. Wenn wir wirklich beginnen, ein religiöses Leben zu führen,
werden wir tatsächlich Kinder Gottes.
77. Spiritualität ist unvergänglich, während die weltliche
Struktur von Religionen vergänglich und den wechselnden Bedürfnissen
des menschlichen Geistes angepaßt ist.
78. Religion ist der Weg zur Vollkommenheit. Daher verliert der religiöse
Fanatismus, den wir im allgemeinen an der Oberfläche brodeln sehen, die
Bedeutung wahrer Religion.
79. Religion und Ethik sind die Flügel des Menschen, der versucht, das
Reich des Unbekannten zu durchdringen.
80. Religion und Philosophie sind untrennbar.
81. Religion ist kein wunderlicher Einfall der Menschen oder ein Ergebnis
von Furcht und auch keine gesellschaftliche Notwendigkeit, sondern die Antwort
auf ein lebendiges Drängen der Sehnsucht unseres Bewußtseins und
ist weder der Vernunft noch der Wissenschaft intellektuell zugänglich.
82. Der spirituelle Inhalt der Epen und Puranas (Göttergeschichten, klassische
heilige indische Schriften) unterscheidet sich vom ausgetreten Pfad logischer
Philosophie, denn er bringt eine ewige, unvergängliche Bedeutung in einen
vergänglichen, weltlichen Rahmen.
83. Der Hauptteil der Religion ist Theologie. Theologie ist die Bezeichnung
für in der Praxis angewandte Philosophie
84. Religion ist, wenn man das Vorhandensein und das Wirken einer übernatürlichen
Wirklichkeit auch im Irdischen spürt.
85. Religion ist weder eine gesellschaftliche Praxis noch eine menschliche
Erfindung, sondern das immerwährende Wirken zeitlosen Seins.
86. Die indische Religion beginnt mit dem Studium des Rig-Veda (Rig = Vers,
Veda = Wissen; Rigveda = die älteste der vier vedischen Textsammlungen),
der als ältester heiliger Text der alten indischen Kultur angesehen wird.
87. Die Lehre des Yoga entstand in spiritueller Ekstase durch tiefe Versunkenheit
in Gott und wurde in den Raja-Yoga-Sutras von Patanjali zusammengefaßt.
88. Religionen sowie gesellschaftliche und politische Einrichtungen dienten
ursprünglich alle dazu, die schrittweise Entwicklung des Einzelnen in
Richtung auf die Verwirklichung der spirituellen Einheit entsprechend seinen
individuellen Fähigkeiten und Neigungen zu fördern.
89. Tiefes religiöses Fühlen und Versenkung führen gelegentlich
zur Vision des Virat, des kosmischen Gemütes.
90. Religion muß sich über reine Erkenntnis hinaus ausdehnen und
die emotionellen Bedürfnisse des Menschen befriedigen.
91. Die hinduistische Religion war in der Lage, den Angriffen fremder Kulturen
zu widerstehen und durch die Wechselfälle der Zeit hindurch bestehen zu
bleiben.
92. Die indische Religion dient nicht nur dem Intellekt oder der Vernunft
oder einem erfahrungsgemäßen Bedürfnis, sondern der Menschheit
an sich.
93. Die Religion des normalen Hindu ist das, was in den Epen und Puranas beschrieben
ist.
94. Wenn ein gläubiger Inder zu Gott betet oder auch wenn er über
Gott meditiert, dann ist seine Gottesvorstellung üblicherweise die des
Gottes aus den Epen und Puranas.
95. Die religiösen Feste und Zeremonien, Rituale, Gelübde und Gebräuche,
die in ganz Indien praktiziert werden, haben ihren Ursprung in den Beschreibungen
dieser Art von Literatur, die Valmiki und Vyasa zugeschrieben wird.
96. Die Religion der Bhagavad Gita ist keine sektiererische Doktrin nur für
einen bestimmten Teil der Menschheit, sondern ein Ruf des einen einzigen Gottes
an die ganze Menschheit.
97. Religiöser Fanatismus entsteht, wenn sich die Hingabe zum eigenen
Gottesideal mit Haß für die Ideale anderer vermengt.
98. Religion in ihrer höchsten Form ist Kontemplation des Absoluten.
99. Das Hauptanliegen der Religion ist es, die Herzen aller zu einem einzigen
Ganzen voll spiritueller Kraft zu vereinigen.
100. Da alle Menschen in die Religion einbezogen sind, ist auch das ganze
Leben in die Religion einbezogen.
101. Solange man sich einer einzigen Religionsgemeinschaft zugehörig
fühlt, ist man nicht im eigentlichen Sinne religiös. Identifiziere
dich selbst nicht als Hindu oder Christ, usw.
102. Ohne Ishwara (eine persönliche Gottesvorstellung) gibt es keine
Religion. Daher dient Ishwara als ein Schritt zur Verwirklichung von Nicht-Dualität.
103. Jede Reaktion des Menschen auf das Universum ist Religion.
104. Ohne Religion zu leben hieße, ohne Seele zu leben.
105. Was auch immer die Beschäftigung eines Menschen im Leben sein mag,
das muß seine Religion werden, sein Weg zu Gott, das muß in Verehrung
des göttlichen Ideals transformiert werden.
106. Im Zustand der Meditation leben wir Religion, denn Religion ist die Verbindung
zwischen dem Menschen und Gott, zwischen der Seele und dem Absoluten.
107. Ohne Religion gibt es kein Leben.
108. Man vereinigt sich selbst mit diesem einen Wesen. Dann hat man keine
Probleme. Das nennt man Yoga, Spiritualität, Religion oder Meditation
und das ist das Ziel des Lebens.