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Die Psychologie des YogaKapitel 6 von : Yoga als eine Universelle Wissenschaft" , „Yoga as a Universal Science“ , eine Vortragsreihe von Swami Krishnananda, übersetzt von Sri Divya Jyoti, © THE DIVINE LIFE Trust SOCIETY, Rishikesh, Indien - Yoga ist Chitta-vritti-nirodhah,
was als Kontrolle bzw. Zügeln des Denkorgans oder der inneren Psyche
bzw. des gesamten Geistes bekannt ist. Die unterschiedlichen Wege der Gedankenkontrolle
oder das Zügeln des Chitta bezeichnen den gesamten Yogaprozeß.
In den vorhergehenden Kapiteln haben wir versucht, die Gründe für
die Gedankenkontrolle zu verstehen. In diesem Rahmen haben wir einige Bereiche
des gesamten Hintergrundes der Gedankenkontrolle tiefgehend analysiert.
Diese Einführung zum philosophischen Hintergrund der Yogapraxis ist
notwendig, da wir häufig nicht in der Lage sind, uns selbst zu überzeugen,
daß die Kontrolle des Geistes das wichtigste Element aller Bemühungen
ist. Wir müssen auch erkennen, daß die Überzeugungsarbeit
hinsichtlich unserer Gefühle für eine erfolgreiche Yogapraxis
von größter Bedeutung ist, genauso wie ein festes Fundament
für ein zu errichtendes Gebäude wichtig ist. Wir müssen
fest auf eine unerschütterliche Überzeugung bauen, die für
den Wert des Yoga notwendig ist. Wir sollten keine Zweifel hegen. Wenn
wir fest genug in unserer Überzeugung, in diesem Gefühl sind,
daß Yoga unvermeidlich für jeden einzelnen auf seinem Lebensweg
ist, sollten wir unsere Aufmerksamkeit auf die Praxismethode richten. Was ist der
Geist?
Wie sollte man den Geist kontrollieren? Was ist unter ‘Zügeln des Geistes’ zu verstehen? Wie wir bereits kennengelernt haben, ist der Geist von seinen Funktionen (Vrittis) her untrennbar. In erster Linie bezeichnet man als eine Vritti die Art und Weise, wie unser ganzes Sein auf die äußere Atmosphäre reagiert. Wir reagieren mit unserem Sein auf die ganze Welt. Diese Reaktion ist die zentrale Vritti oder die psychische Funktion in uns. Zum Zweck der Yogapraxis müssen wir das Innere des Geistes selbst verstehen, und nicht so, wie es manchmal mangelhaft von verschiedenen Psychologieschulen beschrieben wird. Der Geist ist weder irgend etwas Äußerliches noch unterscheidet er sich von uns. Ich bin mein Geist und mein Geist, das bin ich. Körper und Geist sind nicht nur einfach miteinander verbunden, sondern sie bilden eine vollkommene Einheit. Psychologen haben versucht, die Beziehung zwischen Geist und Körper unter dem Eindruck, daß es zwei verschiedene Dinge sind, zu analysieren. Doch es handelt sich nicht um zwei Dinge. Um das Verhältnis zwischen Körper und Geist klar zu verstehen, können wir nur einen Vergleich anstellen. Laßt uns einen Eisberg im Ozean vorstellen. Seine feste Spitze ragt aus dem Wasser. Je tiefer wir hinabtauchen, desto dünner wird die Eismasse, bis an der Basis nur noch Flüssigkeit zu finden ist. Doch die Flüssigkeitsmenge an der Basis und der feste obere Teil können nicht eindeutig in zwei getrennte Objekte unterteilt werden. Eine eindeutige Trennung ist unmöglich. Es gibt nur ein Abgestuftes voneinander Lösen. Aus Wasser wird stufenweise festes Eis oder umgekehrt wird eine feste Eisspitze an ihrer Basis allmählich zu Wasser. Mit anderen Worten, der feste Eiskörper ist lediglich eine bestimmte Dichte des Wassers, und jenes bildet sich stufenweise, so daß wir nicht feststellen können, wo der feste Eiskörper beginnt und die Flüssigkeit endet. Ähnlich verhält es sich in der Beziehung zwischen Körper und Geist. Wir können für unsere Zwecke den Geist als Flüssigkeit und den Körper als feste Masse ansehen. Der ‘flüssige’ Geist wurde zum ‘festen’ Körper. Und genauso wenig, wie man eine scharfe Grenze zwischen dem Wasser und dem festen Eiskörper ziehen kann, gibt es auch keine exakte Trennlinie zwischen Körper und Geist. Körper und Geist bilden ein vollkommenes Ganzes einer individuellen Persönlichkeit, wobei der Geist ein Aspekt und der Körper ein anderer Aspekt ist. Nun, unsere Reaktion auf das Universum, die Welt oder die Atmosphäre draußen ist etwas sehr Interessantes. Die Reaktion ist die Antwort, die wir als vollkommene Persönlichkeit dem großen scheinbar äußeren Kosmos geben. Diese unsere Antwort beruht auf der Erkenntnis unserer Sinnesorgane, durch die wir als individuelle Persönlichkeiten funktionieren. Unsere Geistesfunktionen sind somit unsere Funktionsweisen. Der individuelle Geist kann nicht als Objekt bezeichnet werden. ‘Mein Geist’ und ‘mein Körper’ sind lediglich falsche Ausdrucksweisen. Die individuelle Persönlichkeit steht nicht außerhalb des Geistes. Sie ist der Geist und nichts anderes. Die Vrittis oder Geistesfunktionen sind der Weg, wie der einzelne die Welt anschaut
oder die Dinge im Allgemeinen interpretiert. Die zwei Arten von Vrittis,
die ‘Schmerz-verursachenden’ und die ‘nicht-Schmerz-verursachenden’, wurden
bereits früher behandelt. Diese Vrittis, seien sie Schmerz
verursachend oder nicht, sind nicht nur der Weg, Dinge zu betrachten, sondern
auch der Weg, Dinge einzuschätzen oder zu interpretieren. Die Interpretation
ist wie eine Beurteilung dessen, was wir erblickt haben. Die Weltanschauung
unterscheidet sich von Individuum zu Individuum, obwohl im Allgemeinen
alle Menschen in ähnlicher Art und Weise die Dinge betrachten. Die
allgemeine Anschauung ist eine ‘nicht-schmerzhafte Vritti’, hingegen
eine besondere Sichtweise, zählt zu den ‘schmerzhaften Vrittis’.
Wenn man vor vielen Menschen Barren von Gold oder Silber, oder ein Koffer
voll Geld hinstellt, werden alle Menschen es auf die gleiche Weise betrachten,
und jeder weiß, daß es sich um einen große Werte handelt.
Hierbei handelt es sich um allgemeine Wahrnehmung. Wenn man jemandem eine
Tausend-Dollar-Note vor die Nase hält, weiß jeder, was damit
gemeint ist. Es ist eine ‘nicht-schmerzhafte Vritti’. Doch das Schmerzhafte
geht von seinem Besitzer aus, oder von demjenigen, der sie rechtmäßig
oder unrechtmäßig in Besitz nehmen möchte. Das bloße
Abschätzen von Werten im Allgemeinen, kann als ‘nicht-schmerzhafte Vritti’
bezeichnet werden. Doch eine besondere Interpretation des Objektes hinsichtlich
der eigenen Persönlichkeit, verbunden mit Liebe oder Haß, Vorliebe
oder Abneigung, entspricht der anderen ‘schmerzhaften Vritti’. Nun, Patanjali hat klargestellt, daß letztenendes all diese Vrittis ‘Färbungen’
des Geistes in Bezug auf Dinge sind, die sich außerhalb von uns selbst
in Raum und Zeit befinden und zu denen eine persönliche Beziehung
besteht. Die Yogapsychologie
im Vergleich zur Vedanta-Psychologie
Hier muß ein sehr feiner Unterschied bei der Definition der Objekte in Bezug auf die Yogapsychologie und Samkhya sowie in Bezug auf die bekannten Vedanta-Psychologie gemacht werden. Der Haken an der Sache liegt in der Interpretation der Bedeutung der Wortbegriffe von ‘Subjekt’ und ‘Objekt’. Der Betrachter ist das ‘Subjekt’, und das, was gesehen oder betrachtet wird, das ‘Objekt’. Die Definitionen von Subjekt und Objekt in der Yogapsychologie unterscheidet sich von der entsprechenden Definition des metaphysischen Systems der Vedanta, obwohl sich letztendlich beide in einem allgemeinen Interessenstandpunkt begegnen. Denn, wenn wir mit den Aphorismen von Patanjali fortfahren, werden wir feststellen, daß immer wieder derselbe Punkt betont wird, nämlich, daß die Bindung des Einzelnen in der Identifikation des Bewußtseins mit den Objekten liegt, und die Befreiung im Loslösen des Bewußtseins von den Objekten liegt. Dies ist etwas sonderbar im System von Patanjali, denn es basiert auf dem klassischen Samkhya. Das ganze Bemühen in diesem Yogasystem ist ausnahmslos auf das Erreichen eines Loslösens des Spirits (Purusha) von der Materie (Prakriti) ausgerichtet. Die Samkhya-Philosophie, auf die das Yoga von Patanjali basiert, glaubt an die Existenz des Spirits und der Materie als zwei unterschiedliche Elemente. Spirit und Materie werden manchmal in sich selbst sogar als ‘ewig’, mit eigenem Recht unabhängig voneinander existierend und ohne lebendige Verbindung zueinander, angesehen. Bei dieser Betrachtungsweise, können Bewußtsein und Objekte sich niemals vereinen, denn das Bewußtsein ist reines Subjekt, und das Objekt ist das ganze Gegenteil davon. Die Bindung des Bewußtseins ist das Objekt unseres Studiums. Worin liegt diese Bindung? Entsprechend der Yogapsychologie ist Bindung die illusionäre Annahme oder vielmehr die Vorstellung seitens des Spirits oder Bewußtseins, die Charakteristik des Objekts, der Prakriti, Materie oder etwas zu sein, was genau das Gegenteil von dem ist, was es wirklich darstellt. Alle Bewegungen in der Natur gehören zur Prakriti und zur Purusha. Wir können sie als Evolution, Äußerliches, als Name oder Form bezeichnen. Dieses sind lediglich unterschiedliche Bezeichnungen dessen, was wir bei der Definition der Dinge durch die Sinne oder selbst durch eigene Gedanken, glauben wahrzunehmen. Das ganze Panorama der Welt wird daraus geformt, oder wie man in der modernen Philosophiesprache sagt: die ‘Substanz der Materie’. Diese Substanz der Materie ist das Operationsfeld der Prakriti. Und die Substanz der Materie unterscheidet sich vom Bewußtsein. Prakriti und Purusha kommen irgendwie auf unverständliche Art und Weise zusammen. Es findet ein Nebeneinanderstellen von Materie und Bewußtsein statt. Dieses Nebeneinanderstellen ist die Quelle der Wahrnehmung, und alles andere folgt daraus. Wie kommt es im Bewußtsein nun zur Vereinigung von Subjekt und Objekt? Dieses wird an einem Beispiel in der Samkhya-Philosophie erklärt, nämlich dem Beispiel von dem Kristall und der Blume. Ein reiner Kristall ist von Natur aus farblos, doch wenn ein farbiges Objekt in Form einer roten Blume in seine Nähe kommt, wird das Rot in dem Kristall reflektiert, und es kann derart reflektiert werden, daß der ganze Kristall rot erscheint. Mag sein, wenn dieses geschieht, daß wir noch nicht einmal erkennen, daß es sich um einen Kristall handelt. Die Kristallhülle ist nicht mehr sichtbar, und es erscheint wie ein rotes Objekt. Die Farbe der Blume wurde durch das Kristall in seiner ursprünglichen farblosen Reinheit absorbiert. Findet nun wirklich eine Verbindung zwischen Kristall und Blume statt? In Wirklichkeit gibt es keine Verbindung. Die Farbe hat den Kristall in keiner Weise berührt. Der Kristall ist durch die Farberscheinung in ihm nicht ein bißchen unreiner geworden. Er gewinnt seine sichtbare Reinheit zurück, wenn die Blume aus der Nähe des Kristalls entfernt wird. Der Kristall wurde durch die Blume in keiner Weise verunreinigt, berührt noch infiziert. Doch zum Zeitpunkt, wo die Reflexion stattfand, schien es, als ob das Subjekt aufgehört hätte zu existieren; nur die rötliche Färbung der Blume war zu sehen. So stellt sich die Situation in der Wahrnehmung der Welt dar, heißt es in der Samkhya. Das obige Beispiel zeigt, daß die Bindung des Kristalls nichts anderes ist, als die falsche Vorstellung, es sei die Blume. Er hatte niemals wirklich die Farbe der Blume angenommen. Aufgrund der Reflexion entstand die Vorstellung, daß er zur Blume geworden ist. Worin liegt nun die Freiheit des Kristalls? Der Kristall gewinnt seine Freiheit zurück, wenn die Blume entfernt wird. Dann nimmt er seine ursprüngliche Reinheit farbloser Durchsichtigkeit wieder an und stellt sein eigenes selbständiges Bewußtsein wieder her, ohne von sich selbst eine Vorstellung einer anderen äußerlichen Form zuzulassen, wie in diesem Fall das Objekt einer Blume. Was ist nun Yoga? Es ist das Loslösen des Bewußtseins von der Materie, dem Subjekt vom Objekt. In der Metaphysik der Vedanta wird dasselbe Phänomen ähnlich erklärt. In der Vedanta wir diese Analyse der Samkhya als völlig richtig akzeptiert, doch es wird behauptet, daß das Individuelle lediglich eine Einbildung des Bewußtseins und nicht das wirklich Wesen dessen ist. Obwohl es notwendig ist zu unterscheiden, daß das Äußerliche in das subjektive Bewußtsein ‘hineinkriecht’, so kann das Objekt niemals zum Subjekt werden. Dieses ist der einleitende Satz im Kommentar Sankara’s zu den Brahma Sutras. Das Subjekt kann niemals zum Objekt werden; das Objekt kann niemals zum Subjekt werden. In der Vedanta Philosophie wird beharrlich darauf bestanden, daß das Subjekt letztendlich dasselbe wie das Objekt ist, und die Freiheit in der Vereinigung der Seelen liegt. Diese Aussage kommt aus einem völlig anderen Blickwinkel bzw. aus einer anderen Perspektive über dieselbe Situation wie (beim ‘Kristall’) vorher. Da das Subjekt niemals zum Objekt werden kann, müssen sie also getrennt sein - hierin gibt es eine Übereinstimmung zwischen Yoga und Vedanta, wo dieses ebenfalls akzeptiert wird -, doch in der Vedanta wird noch etwas hinzugefügt. Und diese zusätzliche Behauptung sagt aus, daß das Subjekt im Grunde dasselbe wie das Objekt ist. Beide unterscheiden sich im Kern nicht wesentlich voneinander. Diese Ähnlichkeit im Kern ist der Grund, daß sich beide derartig anziehen. Das Unendliche ist in den Subjekten gegenwärtig, und es ist dasselbe Unendliche, was in allen Objekten der Welt erscheint. Auf diese Weise geschieht, was geschehen muß, das eine Unendliche zieht das andere Unendliche an. Welchen philosophischen oder metaphysischen Hintergrund es beim Yoga oder der Vedanta auch immer geben mag, beide System stimmen darin überein, daß der Geist kontrolliert werden muß, was jedem klar sein sollte. Der Geist ist die nach außen gerichtete Aktivität des Bewußtseins, die empirische Bewegung des Einzelnen und dessen räumlich und zeitlich begrenzte Beteiligung. Dieses ist die große Sorge für alles und jeden, für das richtige Bewußtsein, was der Stoff aller Dinge ist. Wie nun den Geist von den Objekten lösen, oder mehr noch, ihn erziehen, damit er die richtige Beziehung zu den äußeren Dingen versteht? Es existiert ein berühmter Ausspruch in der Yoga-Vasishtha, was als Lehre durch den großen Heiligen Vasishtha an den Schüler Rama weitergegeben wurde: "Dvau kramau chitta nasasya, yogo jnanam cha Raghava...". Der Heilige sagte: "Es gibt zwei Wege den Geist zu kontrollieren. Entweder durchtrenne seine Beziehungen zu allen Dingen, oder schaffe eine Verbindung zu allem." Dies sind die zwei Wege, durch die der Geist kontrolliert werden kann. Es ist leicht, die Vorteile zu erkennen, die dem Loslösen des Geistes von allen Dingen folgt. Doch ist es nicht so leicht zu erkennen, worin der Vorteil aus der Verbindung zu allem liegt. Das Ergebnis ist in beiden Fällen gleich. Es gibt eine
Anekdote über Acharya Sankara, die an dieser Stelle wichtig
ist. Es wird dort gesagt, daß Acharya Sankara in sich in seinem Kutir befand, und die Tür von innen verschlossen war. Einer seiner Schüler
klopfte an seine Tür. "Wer ist da?" fragte der Meister. "Ich", war
die Antwort. "Oh Ich! Entweder muß es zu einer NULL schrumpfen oder
sich zum Unendlichen ausdehnen!" entgegnete der Meister von drinnen. Dieses
‘Ich’ sollte entweder zu ‘Nichts’ reduziert werden oder zum Unendlichen
ausgedehnt werden. Beide Wege sind gut. Bei der einen Methode werden die
Veränderungen des Geistes durch ein Zurückziehen seiner Funktionen
von allem Äußerlichen gezügelt. Die andere Methode schließt
die philosophische Vorstellung über die ursprüngliche Identität
des Geistes bei allen Dingen ein, was zur Ausdehnung des Geistes führt.
Die vorhergehende Methode, nämlich, das Zügeln der Geistsubstanz,
ist die Hauptanweisung Patanjali’s. Die Kontrolle
des Geistes durch Pranayama
Yogaschüler wissen sehr wohl, daß die Bewegung des Prana’s etwas mit dem Geist zu tun hat, daß Geist und Prana irgendwie miteinander verbunden sind, und daß Pranayama darum hilft, den Geist zu kontrollieren. Genauso wenig wie Körper und Geist getrennt voneinander in zwei unterschiedlichen Behältern verwahrt werden können, genauso wenig können Prana und Geist voneinander getrennt werden. Man kann sagen, daß Prana die eigentliche Bewegung des Geistes ist. Es ist der Geistfluß in eine besondere Richtung. Es ist die Gedankenenergie, die nach außen strebt. Es ist die Außenwirkung des Einzelnen. Das ist Prana. Mit anderen Worten, Prana ist die Kraft/Energie, mit der dieser Geist nach außen strebt. Prana ist lediglich eine Energie. Wenn ein Damm bricht und das Wasser durch die Bruchstelle strömt, dann bewegt sich das Wasser mit einer Kraft. Diese Kraft, mit der sich das Wasser fortbewegt, kann mit Prana verglichen werden, und das Wasser selbst ist der Geist. Nun, diese Wasserkraft kann nicht vom Wasser selbst getrennt werden, obwohl die Kraft nicht das Wasser ist. Vom logischen Standpunkt aus, sind es zwei verschiedene Dinge, doch praktisch sind sie nicht voneinander trennbar. Es kann lediglich eine theoretische oder eine logische Trennung zwischen der Wasserkraft und dem Wasser selbst gezogen werden. Genauso verhält es sich bei der Trennung von Prana und Geist. Um das Wasser unter Kontrolle zu bringen, muß man seine Kraft kontrollieren. Um den Geist zu kontrollieren, muß die Kraft des Prana’s unter Kontrolle gebracht werden. "Pranaspandaha nirodhah" ist eine der Methoden, um den Geist zu zügeln. Warum bewegt
sich Prana mit solch einer Kraft oder Geschwindigkeit vorwärts?
Warum bewegt sich das Wasser? Das Wasser strömt aufgrund der Bruchstelle
im Damm vorwärts. Es gibt einen Durchlaß für das Wasser,
und darum rauscht es vorwärts. Auf diese Weise strebt auch Prana nach draußen, denn es hat einen Weg nach draußen gefunden,
einen Auslaß. Dieser Weg, dieser Auslaß, sollte verschlossen
werden, und dann wird die Kraft im Inneren verbleiben. Die Wege sind die
Sinne. Sie bilden die Ausgänge, durch die die Kraft des Geistes in
Form des nach draußen strebenden Prana’s hinaustritt. Folglich
besteht eine Wechselbeziehung zwischen dem Geist, dem Prana und
den Sinnen. Die Kanäle der Sinne sind Ausgänge, durch die der
Geist als Prana ausströmt, um die äußeren Objekte
zu erreichen. Wenn wir darum versuchen, den Geist in der Yogapraxis zu
zügeln, müssen wir eine große Zahl von Stufen, und nicht
nur eine dieser Stufen, durchlaufen. Die Sinne, das Prana und der
Geist bilden eine Gemeinschaft, und sie gehen dabei derart freundlich miteinander
um, so daß es unmöglich ist, einen allein zu zügeln, ohne
die Kraft der anderen zu beeinflussen. Es ist so, als würde man eine
Bande von Dieben und Betrügern fangen wollen. Wir können nicht
nur einen festsetzen, und uns damit zufrieden geben. Denn da sind noch
die anderen, die mit dem bereits gefangenen Chef der Diebesbande verbunden
sind, und die noch immer frei ‘herumlaufen’, um ihre Spielchen zu treiben. Die Bedeutung
einer angenehmen Atmosphäre
Insoweit wie sich die Sinne in Bezug auf die äußeren Objekten bewegen, hängt deren Bewegungsgeschwindigkeit von der Natur, der Nähe und ähnlicher Umstände der Objekte ab. Darum muß die Yogapraxis der Geisteskontrolle Rücksicht auf das Umfeld des Schülers nehmen. Bei der Geisteskontrolle bewegen wir uns schrittweise vom inneren Geist hin zu den äußeren Bezugsfeldern, wobei das gesellschaftliche Umfeld einbezogen wird; das ist sehr weit gefaßt, und bezieht sich nicht nur auf eine einzelne Handlung, wie Atemverhalten oder das Denken an ein einzelnes Objekt. Darum beginnt die Yogapraxis in einer wirklich angenehmen äußeren Atmosphäre und in der richtigen Umgebung, obwohl es sich letztendlich im Wesentlichen um eine mentale Funktion handelt. So weit es irgend geht, sollte man sich in angenehmer Atmosphäre aufhalten und weder Verlockungen noch aggressivem Haß aussetzen. Es gibt Dinge, die wir aus irgendwelchen Gründen ablehnen oder die uns unheimlich anziehen. Das bleibt ein individuelles Geheimnis, darum sollte man sich zum Üben nicht unbedingt dorthin begeben, wo sich der Geist durch Liebe oder durch Haß besonders angezogen fühlt. Man sollte sich von derartigen Plätzen fernhalten. Dieses heißt nicht, daß Abgeschiedenheit ein Allheilmittel ist, doch wirkt eine Medizin besser, wenn der Körper vorher durch Fasten gereinigt wurde, und die Kontrolle des Geistes wird einfacher, wenn man sich in einer Umgebung angenehmer Atmosphäre ohne mentale Ablenkung aufhält. Wie wir bereits gesehen haben, strebt der Geist mit Hilfe der Vrittis zu den Objekten. Diese Vrittis sind bei jedem Menschen anders, denn ein spezielles Objekt löst nicht bei allen Menschen die gleiche Reaktion aus. Darum gibt es bei der Geisteskontrolle Unterschiede, obwohl wir uns letztendlich mental von allen Objekten lösen müssen. Der Verstand ist es gewohnt, daß es für ihn wertvoll ist, sich mit Objekten zu verbinden. Das wurde in diesem Denksystem so anerzogen, denn sonst würde man überhaupt an nichts denken. Die erste Pflicht eines Yogaschülers in dieser Verbindung liegt jedoch darin, den Geist in der wahren Beziehung zu Objekten zu erziehen. Warum denken
wir an Objekte? Der Grund liegt in einer bestimmten Freude für den
Körper, für die Sinne und auch den Geist, die aus der Berührung
mit Objekten erwächst. In einem Vers erzählt uns Patanjali,
daß der Geist seinerseits einer großen Fehleinschätzung
unterliegt, von Objekten ginge Freude aus. Der Geist wurde getäuscht,
wenn er glaubt, von der Berührung mit Objekten ginge Freude aus. Er
wurde getäuscht, denn die Folge mentaler Berührung mit Objekten
bereitet, gemäß dem Autor der Yoga Sutras, kein Vergnügen.
Nicht nur die spätere Folge, sondern selbst die Vorstellung, daß
die Berührung der Objekten Freude bereiten könnte, ist eine Fehleinschätzung.
Der Verstand sagt sich: "Selbst wenn die Berührung mit den Objekten
schmerzlich sein mag, was ist das schon gegenüber der zu erwartenden
Zufriedenheit? Warum nicht wegen etwas Nutzlosem ein wenig leiden und dafür
im Kern etwas Zufriedenheit, Freude erfahren, und sei es selbst für
einen Augenblick?" Doch dann ist selbst diese momentane Zufriedenheit im
Augenblick der Berührung keine wirkliche Zufriedenheit, sondern Enttäuschung.
Dies wird uns hier interessanterweise mitgeteilt. Die Freude, die zum Zeitpunkt
der Berührung mit Objekten im Geist aufkommt, entsteht aufgrund der Prakriti in einer sehr spitzbübischen Art und Weise. Wenn wir gewahr werden,
wie dieser Unsinn durch die Gunas oder die Eigenschaften der Prakriti funktioniert, werden wir zu unserer Überraschung erkennen, daß
wir überhaupt nicht in einer Welt der Freude leben. Das Spiel
der Gunas
Es gibt drei Arten oder Gunas der Prakriti - Sattva, Rajas und Tamas. Sattva bringt einen Ausgleich der Kräfte hervor, aus denen sich die Prakriti zusammensetzt. Rajas zerstört dieses Gleichgewicht der Kräfte, und Tamas überdeckt die Eigenschaften Sattva und Rajas. Wenn Tamas vorherrscht, entsteht eine Art von Unbewußtsein. Wir haben kein Bewußtsein, wenn wir schlafen. Im Schlafzustand herrscht Tamas; Rajas und Sattva sind vollständig überdeckt. Wenn wir beschäftigt sind oder über etwas nachdenken, sind wir im Rajas-Zustand. Sattva arbeitet ein wenig in uns, wenn wir glücklich sind. Nun, worum handelt es sich bei ‘ein wenig Glück’? Dies bedarf weiterer Erklärungen. In Tamas gibt es selbstverständlich keinerlei Erfahrungen. Darum kann man nur sehr wenig darüber sagen. Wir machen ständig Erfahrungen, seien sie wünschenswert oder nicht, schmerzhaft oder nicht schmerzhaft. Insoweit scheint es bei dem Zustand von Tamas keinerlei Erfahrungen zu geben; man kann praktisch nichts darüber sagen. Es ist ein völlig wertloser Zustand. Im Zustand von Rajas ist der Geist aus dem Gleichgewicht gebracht. In dieser Situation ist der Verstand durch die Kraft des Bewußtseins besetzt. Wir haben bereits erwähnt, daß der Geist der Weg des Bewußtseins hin zu den Objektbegriffen ist. Die Purusha erblickt sich selbst, so wie sie ist, in der Prakriti, den äußeren Objekten. Aus diesem Grunde bewegt sich der Geist, wenn er durch die Aktivität des Rajas der Prakriti gestört ist, hin zu den Objekten, gefolgt vom Bewußtsein der Purusha. Hier brauchen wir unser Vorstellungsvermögens. Wenn eine Kraft hinausgeschleudert wird, so ist diese Kraft auch mit der Intelligenz ausgestattet, sich über die Bewegung selbst im Klaren zu sein. Diese Kraft, die sich darüber bewußt ist, daß sie sich zu einem Objekt hinbewegt, ist der Geist, obwohl das Bewußtsein nicht zur Kraft gehört. Yoga sagt uns, das Geist nicht Bewußtsein und Prakriti nicht Purusha ist. Doch irgendwie kommt das Bewußtsein durcheinander, denn es glaubt, daß es die Kraft ist und es entsteht ein Auszieheffekt - aus sich selbst, außerhalb von sich selbst -, eine Verfremdung, eine Anomalie, eine Bewegung des Selbst weg von sich selbst und hin zu den Objekten. Die Purusha wird in diesem Augenblick zur Nicht-Purusha. Freude ist die
Voraussetzung für Purusha. Freude ist nichts weiter, als ein
erleuchten der Purusha, die in sich selbst ruht, und zu dem Zeitpunkt
nicht nach draußen gezogen wird. Doch jeder Wunsch bedeutet eine
äußerliche Anziehung. Wenn sich also ein Wunsch offenbart, was
der Auslöser für die Bewegung des Geistes hin zu äußeren
Objektbegriffen ist, hört die Purusha für diesen Bewegungszeitraum
auf zu existieren. Nichts kann schlimmer sein, nicht länger derjenige
zu sein, der man wirklich ist. Es ist der Verlust des Selbstbewußtseins.
Das Subjekt vergißt sich selbst, es wird zum Objekt, und gibt dabei
seine eigentliche Natur auf. In dem Augenblick, wo dies geschieht, wird
der Kristall zur Blume. Das Subjekt wird zum Objekt der Liebe und klebt
derartig am Objekt, als wäre es dieses Objekt selbst. Nun, die Sorgen,
die aus der Bewegung - ausgelöst durch Wünschen - nach Objektbegriffen
entstehen, beruhen auf nichts anderem, als dem Verlust des Selbstbewußtseins.
Selbstbewußtsein ist Freude; der Verlust dessen, bedeutet Sorge.
Die Sorgen im Kreislauf dieser Welt (Samsara) beruhen auf dem Verlust
des Selbstbewußtseins (Purusha) an den Objekten der Natur
(Prakriti), und dies erklärt alles Wünschen und alles,
was wir hier tun. Auf diese Weise überwältigt Rajas das
Selbstbewußtsein der Purusha, zwingt es, sich zu den scheinbar
außen stehenden Objekten hinzubewegen und gibt der Purusha das Gefühl, in den Objekten gegenwärtig zu sein. Dies geschieht,
wenn wir irgend etwas außerordentlich lieben. Wir glauben dort zu
sein, und wir haben uns selbst dabei völlig aufgegeben. Auf diese
Weise hängen wir an den Dingen. Dies ist ein großer Fehler und
kann sehr leicht aufgedeckt werden. Die Gunas der Prakriti spielen bei der Bewegung des Geistes hin zu den Objekten
eine große Rolle und binden dabei die Purusha in eine sorgenvolle
Erfahrung mit ein. Bevor der Geist mit dem Wunschobjekt in Berührung
kommt, entsteht eine Art von Angst, die durch keine Freude der Welt ersetzt
werden kann. Diese Angst ist selbst dann vorhanden, wenn sich die sogenannte
Zufriedenheit durch die Berührung mit den Objekten einstellt. Diese
Angst ist auch nicht mit aufrichtiger Freude aufzuwiegen. Nachdem die Zufriedenheit
wieder abgeklungen ist, bleiben womöglich Ängste schlimmster
Art zurück. Auf diese Weise entstehen Ängste vor, während
und nach der Berührung mit Objekten. Jemand, der viel Geld ‘machen’
will, spürt anfangs Ängste bezüglich des Weges, wie er zu
Geld kommen könnte. Zu dieser Zeit ist er sehr unzufrieden. Wenn er
zu Geld gekommen ist, hat er Angst: "Wie kann ich es sicher verwahren?
Hoffentlich nimmt mir niemand wieder alles weg!? Wie lange kann ich es
behalten?" Dies ist Angst. Dieser jemand ist nicht einmal glücklich,
Geld zu besitzen. Reiche Menschen haben aus Gründen, die sie nur selbst
kennen, einen ruhelosen Geist. Wenn diese Menschen alles wieder verloren
haben, wähnen sie sich meistens in der Hölle. "Wo gibt es Freude
in dieser Welt?" fragt Patanjali, "weder am Anfang, noch in der
Mitte oder am Ende." "Parinama-tapa-samskara-duhkhair guna-vritti-virodhaccha
dukham-eva saram vivekinah": Dies ist der Vers (II-15) von Patanjali.
Die Folgen, Parinama, diese Qualen, die sich aus dieser Art von
Erfahrung durch die Berührung mit den Objekten ergeben, ist Tapa.
Der immer wiederkehrende tiefer gehende Eindruck der Wünsche, verlangt
nach Wiederholung des Vorgangs und erzeugt weitere Qualen, was man als Samskara
Duhkha bezeichnet. Und letztendlich hört das Bewußtsein
auf frei zu sein und wird zum Sklaven, da es sich dieser Arbeitsweise der Gunas der Natur und den damit verbundenen naturbedingten Vorgängen (Prakriti)
unterordnet. Wie kann man Sklaverei mit Zufriedenheit oder Freiheit gleichsetzen?
Aus all diesen Gründen ist die Welt für einen Menschen mit Unterscheidungsfähigkeit
ein Jammertal. Es gibt nirgendwo Freude. Darum sprich zu Deinem Geist:
"Mein lieber Geist! Laß Dich nicht verführen. Verweile nicht
in einem Zustand der Illusion. Laß Dich nicht durch die Vorstellung
verleiten, daß die Welt der Objekte irgendwelche Freude geben kann.
Wenn die Welt Dir keine Freude geben kann, warum dann überhaupt noch
an sie denken?" Der Geist wird dann verstehen: "Meine Gedanken an die Welt
sind sinnlos und ohne jede Bedeutung." Alle Berührungen sind eine
Ausgeburt von Schmerzen - dieses ist ein berühmter Ausspruch. Und
die Gedanken sind nichts weiter als der Kontakt mit Objekten. Aus diesem
Grund ist es wichtig, den Geist von allen Kontakten mit irgendwelchen Dingen
zurückzuziehen. Auf diese Weise muß der Geist ein wenig erzogen
werden. Es gibt nichts wichtigeres als Erziehung. Danach muß nichts mehr erzählt werden. Wenn jemand richtig erzogen wurde, weiß er, was zu tun ist. Unzureichende Erziehung gibt dem Menschen das Gefühl, daß er Hilfe von außen benötigt. Andererseits, wenn jemand erleuchtet wurde, benötigt er keine Hilfestellung mehr, denn er weiß, was zu tun ist. Bevor jemand irgendwie versucht, sich mit Gedankenkontrolle auseinanderzusetzen, muß er zunächst darin ausgebildet werden, dieses richtig zu verstehen. Man versucht dieses in den Versen (Sutras), durch kleine Tadel zu erreichen. Doch selbst, wenn wir alles wissen, und wenn wir alles intellektuell verstanden haben, haben unsere Instinkte noch immer ihren eigenen Willen. Das liegt daran, daß die Instinkte für den Geist weitaus lebenswichtiger sind, als das rationale Denkvermögen. Wieviel wir auch immer intellektuell argumentieren, und wie sehr wir von der Wahrheit der Dinge überzeugt sein mögen, die Gefühle werden sich nicht so leicht unterwerfen lassen. Ein Philosoph kennt bis zu einem gewissen Grad die Natur des Universums, doch dieses Wissen hilft ihm nicht im täglichen Leben, denn seine Gefühle wurden nicht entsprechend durch die philosophische Analyse beeinflußt. Die Instinkte sind sehr mächtig, und welchen Scharfsinn auch immer man durch die schulische Erziehung entwickelt haben mag, es hilft nichts, wenn man mit dem täglichen Leben konfrontiert wird. Aus diesem Grunde muß, neben einer akademischen oder intellektuellen Erziehung, eine wirkliche Lebenserziehung in das Gehirn eingepflanzt werden. Solch eine Lebenserziehung wurde in früheren Zeiten (Gurukulavasa-Zeit) sehr erfolgreich durch das Erziehungssystem Gurukula bei den Schülern eingepflanzt. In der heutigen Zeit kennt man diese Form der Lebenserziehung nicht mehr. Wir kennen die intellektuelle Ausbildung, doch dieses ist keine lebensnahe, emotionale Erziehung, die in den Schüler mit dem Ergebnis eingepflanzt wird, daß der einzelne in seinem Wesen so bleibt, wie vor der Ausbildung. Die intellektuelle Ausbildung verändert den Schüler in keiner Weise. Die Lebensaussichten verändern sich durch die Hochschulausbildung nicht. Der einzelne bleibt so wie er ist. Doch im Gurukula-System wurden die Lebensaussichten berührt. Wenn der Schüler nach einer Trainingszeit unter einem Meister auf die Menschheit "losgelassen" wurde, war er ein vollkommen anderer Mensch. Heutzutage gibt es keine persönliche Beziehung mehr zwischen Lehrer und Schüler. Es gibt eine Art finanzielle Beziehung, was der Tod aller Erziehungsmethoden bedeutet. Und selbst solche Beziehungen zerbrechen jetzt. Heutzutage scheint es überhaupt keine Beziehungen mehr zwischen Lehrer und Schüler zu geben. Das ganze Beziehungsgeflecht bröckelt ab und wir wissen nicht, wo wir hintreiben. Früher war der Lehrer für den Schüler wie ein Vater. Gurus, Lehrer, Ausbilder oder Professoren waren auch Elternteile, die das Wohlergehen der Schüler im Sinn hatten. Welcher Professor denkt heutzutage noch an seine Schüler? Die Lehrer von heute kümmern sich überhaupt nicht mehr um ihre Schüler. Diese Art von Seelenverwandtschaft zwischen Lehrer und Schüler aus früheren Tagen ist heutzutage verloren gegangen, und darum sind wir in einer unglücklichen Lage. Es ist schwierig für uns, damit fortzufahren. Der Einfluß
des Lehrers auf den Schüler ist sehr wichtig. Die Anweisungen, die
ein Schüler von seinem Lehrer bekommt, sind eine Sache. Vielleicht
kann der Schüler diese Anweisungen auch aus anderen Quellen, wie Schulen
und Hochschulen, bekommen. Doch die Erfahrungen des Lehrers kann er nicht
aus anderen Quellen beziehen. Wenn ein Guru zu seinem Schüler spricht,
wenn ein Yogalehrer seinem Schüler Anweisungen erteilt, schwingt die
Seele des Gurus oder Lehrers mit und beeinflußt den Geist des Schülers
direkt. Das geschieht, weil der Yogalehrer kein gewöhnlicher Mensch,
wie jeder andere ist, sondern weil er in jeder Beziehung eine außergewöhnliche
Persönlichkeit ist. Er ist kein gewöhnlicher Mensch, sondern
er ist jemand, der verschiedene Stufen des Yogatrainings absolviert und
diese Fähigkeit aufgrund seiner persönlichen Praxis erreicht
hat. Dies ist sehr wichtig. Wenn jemand selbst kein Yoga praktiziert, kann
er auch nicht unterrichten. Es ist weder möglich noch wünschenswert
lediglich ein Buch zu lesen, und dann mit dem Unterricht zu beginnen. Es
ist ausschließlich die Yogapraxis, die den Yogalehrer stärkt
und ihm die Überzeugung gibt, mit dem Yogaschüler lebendig zu
kommunizieren. Wenn derart verfahren wird, entsteht aufgrund gegenseitiger
Übereinstimmung von Ideen und Ideologien eine Wiederannäherung
zwischen dem Willen des Lehrers und des Schülers. Der Schüler
gibt sich dem Lehrer vollständig und seelisch hin, und der Lehrer
übernimmt die Verantwortung für das Wohlergehen der Schülerseele
und nicht nur für dessen Intellekt. Das ist ein anderer bedeutender
Faktor, der dem Yogaschüler in seiner Praxis der Gedankenkontrolle
hilft.
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