Swami Krishnananda
Die Essenz der
Mundakopanishad
Gesammelt von
Swami Hamsananda
Englischer Originaltitel: Essence of Mundakopanishad
Aus dem Englischen übersetzt und herausgegeben
vom Bund der Yoga Vidya Lehrer e.V.Copyright:
The Divine Life Trust Society
P.O. Shivanandanagar – 249 192
Dist. Tehri-Garhwal, U.P., Himalayas, IndienDeutsche Ausgabe 2003:
All copies for free distribution
Kostenlos erhältlich bei:
Yoga Vidya Verlag Volker Bretz
Gut Hoffnungstal D-57641 Oberlah
Andere kostenlose Literatur erhältlich
bei:
Hans Joachim Schröer
The Divine Life Society
Kopenhagener Str. 40
D-30457 Hannover
1. Wissen ist die reife Frucht der
zarten Blüte der Tugend.
2. Wissen kommt aus dem Inneren. Daher ist es für extrovertierte
Menschen nicht leicht zugänglich.
3. Man kann nicht erwarten, dass wahres Wissen und weltliche Aktivi-tät
nebeneinander bestehen kann.
4. Entsagung ist die notwendige Voraussetzung, wenn man versucht,
sich in die allumfassende Natur auszudehnen.
5. Liebe zur (materiellen) Welt ist nicht dasselbe wie Liebe zum Absoluten.
6. Wahres spirituelles Wissen findet man nur bei den Menschen, für
die nichts in der Welt der Dinge von Wert ist.
7. Spirituelles Wissen ist eine unteilbare Erfahrung. Sie ist nicht
teilbar wie intellektuelles Wissen.
8. Spirituelles Wissen ist die Essenz des Wissens von allem, das im
allgemeinen und auch im besonderen existiert.
9. Brahma Vidya (Wissen um Brahman, das Absolute) ist die Technik
bzw. Wissenschaft, die es einem ermöglicht, die Absolute Erfahrung
zu erreichen.
10. Dharma (Pflicht) und Jnana (Wissen) unterscheiden sich grundle-gend.
11. Höheres Wissen genügt sich selbst, und wenn man es erreicht
hat, ist es nicht mehr nötig, irgendeine Handlung auszuführen.
12. Das transzendente Wesen ist jenseits aller Attribute.
13. Allwissenheit bedeutet Wissen über die grundlegende Essenz
von allem.
14. Es gibt keine wahre Macht, solange das Wissen unvollkommen ist.
15. Je größer das Wissen ist, desto größer ist
die Macht.
16. Der Weg des niederen Wissens ist der Weg des Samsara (Kreislauf
von Geburt und Tod), dessen Anfang und Ende unbekannt sind.
17. Veränderung ist eine andere Bezeichnung für Samsara.
18. Alles muss sich transformieren, denn nichts ist vollkommen.
19. Vairagya (Leidenschaftslosigkeit, Nicht-Verhaftung) ist das Ergeb-nis
der Beseitigung von Unvollkommenheit und Kenntnis der Voll-kommenheit.
20. Es gibt keine Handlung, die zu etwas führt, das nicht bedingt
ist durch Zeit und Raum, denn alle Handlungen bewegen sich in Zeit
und Raum.
21. Sowohl gute als auch schlechte Handlungen führen zu begrenzten
Ergebnissen.
22. Die Früchte von Handlungen sind nicht machtvoll genug, um
dem Handelnden dauerhaftes Glück zu verleihen.
23. Alle Wünsche und Handlungen führen zu Verhaftung.
24. Menschen , die voller Wünsche sind, sind nicht in der Lage,
den Rat weiser Menschen wertzuschätzen, denn Weisheit ist den
Wünschen entgegengesetzt.
25. Wo immer ein Mangel an Wissen ist, erfährt man Leid.
26. Keine Handlung kann einen Menschen dauerhaft in einen ruhmrei-chen
Zustand erheben, da jede Handlung lediglich eine Erscheinung ist.
27. Brahman (das Absolute) ist nicht etwas, das hervorgebracht wird.
28. Brahman kann weder hervorgebracht noch erschaffen werden. Es unterliegt
in keiner Weise der Läuterung oder Veränderung.
29. Die wichtigste Eigenschaft eines spirituellen Suchers ist echte
und vollständige Wunschlosigkeit.
30. Der spirituelle Schüler sollte die inneren Qualitäten
des Kopfes und Herzens weise miteinander verbunden haben.
31. Alle Menschen sind eins in ihrem essentiellen Selbst, aber alle
un-terscheiden sich in ihrer Art zu denken.
32. Alle Individuen kommen von, existieren in und kehren zurück
zu der einen Ursache aller Ursachen, d.h. dem einen selbst in allem.
33. Da alle geschaffenen Dinge sich letztlich auflösen, kehren
schließ-lich alle Einzelwesen zu ihrer Quelle, dem Selbst, zurück.
34. Name und Form bilden die (äußere) Welt der Erscheinungen,
wo-hingegen Satchidananda (reines Sein, Wissen und Glückseligkeit)
die Wirklichkeit ist.
35. Purusha ist das Eine, das den ganzen Raum erfüllt und im
innersten Herzen wohnt.
36. Virat (Gott in seiner Manifestation als Welt), Hiranyagarbha (kos-mischer
Geist) und Ishwara (persönlicher Gott) sind von ihrer Natur her
reines Bewusstsein.
37. Die Pranas und der Geist sind begrenzte Faktoren, daher haben
sie keinen Platz im unbegrenzten Göttlichen Wesen.
38. Erscheinungen existieren lediglich im Bewusstsein.
39. In der Tat, was im Universum real ist, ist nicht mehr und nicht
we-niger als Sein-Bewusstsein-Wonne.
40. Bewusstsein kann nicht einfach in der Luft hängen, ohne zu
einem Subjekt oder Objekt zu gehören.
41. Virat-Bewusstsein ist der wahre Seher, Denker und Versteher in
al-len Wesen.
42. Das ganze Universum ist allein der Purusha.
43. Da alles nur Purusha ist, folgt daraus, dass alle Unterschiede
un-wirklich sind.
44. Wirklich ist nur der Purusha allein.
45. Wenn man den Purusha kennt, kennt man alles.
46. Beständige Meditation über OM lässt das individuelle
Bewusstsein die Form von OM selbst annehmen, das von seiner Natur
her unbe-grenzt ist.
47. OM ist das Symbol Brahmans. Daher führt Meditation über
OM zur Verwirklichung des Absoluten.
48. Eine Sache kann mit einer anderen nur identisch werden, wenn es
teilhat an der Wesensnatur des anderen.
49. Jeder Gedanke schickt Energie zu dem Objekt, dem der Gedanke gilt.
50. Wenn ein Mensch ganz offensichtlich eine bestimmte Eigenschaft
besitzt, muss man verstehen, dass dies eine Eigenschaft des Geistes
ist und nicht des Atman (Selbst).
51. Da alle Formen nur Veränderungen sind, die im eigenen Inneren
ge-fühlt werden, können sie nicht der Natur des Atman angehören.
52. Der Führer des Geistes und der Pranas und der Beweger des
Kör-pers befinden sich im Inneren jedes Einzelnen.
53. Die Hauptmerkmale des Atman sind Unteilbarkeit, Absolutheit, Ewigkeit,
Unsterblichkeit und reines Sein.
54. Die innere Essenz des einzelnen Menschen weist immer auf die Möglichkeit
und Notwendigkeit eines ungeteilten Seinszustand hin.
55. Vollkommenheit kann nicht räumlich sein.
56. Absolutheit kann weder einen Ursprung, noch einen Fortbestand,
noch ein Ende haben.
57. Unvergänglichkeit ist dasselbe wie Unsterblichkeit, das wiederum
die Natur der Vollkommenheit bzw. das Sein ohne Veränderung ist.
58. Die verschiedenen Erscheinungsformen des Lebens können nur
durch die Absolutheit der Natur erklärt werden.
59. Der Ruhm Brahmans wird reflektiert durch die psychologischen und
physiologischen Handlungen des Einzelnen.
60. Jeder sehnt sich nach grenzenloser Freiheit
61. In denkenden Wesen manifestiert sich Brahman als Sein und Bewusstsein.
62. Es wird gesagt, dass das alldurchdringende Selbst sich in der
Mitte jedes Einzelnen befindet.
63. Wo auch immer etwas Positives erfahren wird, muss verstanden werden,
dass es eine Manifestation des Atman ist.
64. Wenn man das größte Höchste Wesen erschaut, löst
sich der Knoten des Herzens, alle Zweifel sind geklärt und alle
Handlungen hören auf.
65. Die Knoten des Herzens sind Avidya (Unwissenheit), Kama (Wunscherfüllung)
und Karma (Handlung; Gesetz von Ursache und Wirkung).
66. Wenn die Ursache entfernt wird, verschwinden auch alle Wirkun-gen.
67. Wenn der Geist, der die Ursache von Handlung ist, durch die Besei-tigung
der Unwissenheit überwunden ist, gibt es auch keine Hand-lung
mehr.
68. Der Jnani (Weise) hat keine besondere Verbindung zu diesem speziellen
Körper.
69. Alle relativen Werte werden in dem Augenblick überwunden,
wenn das Absolute Wissen erkannt wird.
70. Der Intellekt ist der Same des höchsten empirischen Wissens
und daher dem Wissen über Brahman am nächsten.
71. Objektivität ist Ausdruck des Raja-Prinzips (Aktivität,
Unruhe) des Intellekts . Das Bewusstsein dahinter ist Brahman.
72. Meditation wird mit Hilfe des Intellekts.
73. Der Atman wird verwirklicht, indem der Intellekt den Intellekt
transzendiert.
74. Wer dem Geist und der Sinne folgt, findet sich in der Welt des
Lei-dens.
75. Diejenigen, die sich eifrig im Universum der Dunkelheit bewegen
und deren Geist und Sinne unruhig sind, kennen Brahman nicht.
76. Dieses ganze Universum ist der höchste Brahman allein.
77. Was wirklich ist, ist unteilbar. Jede geteilte Manifestation ist
un-wirklich.
78. Alle Vorstellungen und Wahrnehmungen basieren auf der Idee von
Ursache und Wirkung. Dies ist für Brahman jedoch nicht von Be-deutung.
79. Die Upanishaden sagen, dass Brahman allein die Absolute Wirk-lichkeit
ist.
80. Sowohl Jiva (individuelle Seele), als auch Ishwara (persönlicher
Gott) haben eine gemeinsame Grundsubstanz, die Brahman ist und die
die wahre Realität beider ist.
81. Der Körper ist das Feld der Handlung und Erfahrung. Er ist
das Ergebnis von früheren Handlungen.
82. Allein der Geist unterscheidet das Jiva von Ishwara.
83. Die Erfahrung des Jiva ist ewig. Sie ist Reinheit, Wissen und
Frei-heit.
84. Die Aktivität des Ishwara besteht in Seinem reinen Sein.
85. Aufgrund der Begrenzungen an die Formen der Wünsche und Hand-lungen,
empfindet sich das Jiva als ohnmächtig, verwirrt und hilf-los.
86. Die Verwirklichung Ishwaras ist dasselbe, wie das Aufsteigen des
individuellen Bewusstseins zum Bewusstsein von Ishwara.
87. Der Ruhm der wahren Essenz des Individuums erkennt man nur, wenn
der sie verhüllende Schleier entfernt wird.
88. Die letztendliche Verwirklichung erfolgt als Identität des
Selbst mit dem Höchsten Wesen.
89. Göttliches Wissen ist frei von der Vorstellung von Gut und
Böse, denn dieses Wissen ist nicht relativ.
90. Das ganze Universum besteht ungeformt im Absoluten.
91. Bei der Selbstverwirklichung wird die Subjekt-Objekt-Beziehung
transzendiert und alles wird zum Selbst.
92. Wahre Wonne ist nicht die Folge von mentalem oder physischen Kontakt,
sondern das Ergebnis der Abwesenheit aller Kontakte.
93. Die Handlung des Wissenden besteht darin, dass er Wissen über
das Selbst besitzt.
94. Ein Brahma Vasishtha ist jemand, der sich im siebten Bewusst-seinszustand
befindet, wo das Ego vollständig im Absoluten aufge-gangen ist.
95. Erkenntnis des Selbst ist nur möglich, wenn man sich von
allen nach außen gerichteten körperlichen und mentalen
Handlungen zu-rückzieht.
96. Die Asketen, die frei sind von allen Sünden sind, erkennen
den At-man im Inneren in Form von Licht und Reinheit.
97. Falschheit ist das Gegenteil von Wahrheit und entsteht durch die
Verhaftung an die falsche Vorstellung von Individualität.
98. Wahrheit bricht die Individualität auf und ermöglicht
es dem Men-schen, den Atman zu verwirklichen.
99. Die Ursache von Verhaftung existiert lediglich im Geist. Darum
ist die Beherrschung des Geistes eine wichtige spirituelle Praxis.
100. Richtiges Wissen ist Gleichmut bzw. die Wahrnehmung des einen
Atman in allem.
101. Diejenigen verwirklichen das Selbst, die ohne Falschheit, Unehr-lichkeit
und Betrug sind.
102. Obwohl der Prozess der Verwirklichung ein innerer ist, schließt
das Ziel, das erreicht wird, auch das Äußere mit ein.
103. Allein die Wahrheit triumphiert.
104. Wahrheit bedeutet mehr, als lediglich die Wahrheit zu sprechen.
105. Das Festhalten an der Wahrheit bedeutet, die universelle Natur
der Wirklichkeit anzunehmen.
106. Unwahrheit ist negativ, wohingegen Wahrheit positiv ist.
107. Wahrheit ist in der Tat das Auge des Individuums, das nach der
Verwirklichung seiner absoluten Natur strebt.
108. Verlangen erzeugt Falschheit. Wunschlosigkeit lässt die
Wahrheit sich erheben.
Hari Om Tat Sat
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