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Die Verwirklichung des Absoluten
weiter zu Kapitel 5 Kapitel 4
DIE NATUR DER WIRKLICHKEIT BRAHMAN ALS EXISTENZ ODER SEIN Vor langer Zeit hat der RIGVEDA verkündet: "Das EINE SEIN, von dem die Weisen unterschiedlich sprechen." Die ganze Philosophie geht davon aus und die ganze Religion gründet darauf. Wir hören außerdem solche Erklärungen wie: "WAHRHEIT, WISSEN, UNENDLICHKEIT ist BRAHMAN", "BEWUSSTSEIN und WONNE ist BRAHMAN", "All DAS ist wahrlich BRAHMAN", "Dieses SELBST ist BRAHMAN", "Unsterblich, furchtlos ist BRAHMAN" usw. Weiterhin sind uns Behauptungen bekannt wie: "DAS, aus dem
diese Wesen geboren sind, durch DAS sie nach der Geburt leben, in DAS
sie wieder eintreten und mit DEM sie EINS werden, - erkenne DAS, "
Allgegenwart, Allwissenheit
und Allmacht, so wird gesagt, sind die Eigenschaften GOTTES. Sie dienen
dazu, die zwiefältige Natur BRAHMANS, - die WIRKLICHKEIT - zu bestimmen, und zwar ihre essentielle Natur (SVARUPA-LAKSHANA)
und die nebensächlichen Beifügungen (TATASHTA-LAKSHANA).
Erstgenanntes ist die unzerstörbare Wahrheit BRAHMANS, letztgenannte
sind seine aufgestülpten abhängigen Qualitäten, die den
Veränderungen des Zeitprozesses unterliegen. Das 'SVARUPALAKSHANA ' eines Dinges entspricht seiner Definition in Begriffen, die sich auf
die Eigenschaftsmerkmale oder 'SVABHAVAS ' stützen, aus
denen sich das Ding, solange es existiert, zusammensetzt. Die
Merkmale, die das 'SVARUPALAKSHANA ' eines Dinges ausmachen,
sind identisch mit der essentiellen Existenz eines Dinges
als solchem. 'SVABHAVA' und 'SVARUPA ' bedeuten das gleiche
Ding und sind keine zwei Dinge, die zu einem anderen in irgendeinem
Kontakt stehen. Ein Haus kann z.B. anhand seiner essentiellen Merkmale,
die solange verweilen wie das Haus selbst besteht, definiert werden.
Solch eine Definition würde das 'SAVARUPALAKSHANA' eines
Hauses sein. Als 'SVARUPALAKSHANA' BRAHMANS sollten nur jene
Eigenschaften zugelassen sein, die EWIG sind wie BRAHMAN SELBST und
nicht wie jene, die vorübergehend im Verhältnis zu JIVA (indiv. Seele) erscheinen. EXISTENZ oder 'SAT' ist stets EWIG.
Es kann keine Auflösung der EXISTENZ geben. Und EXISTENZ wiederum
kann nicht ohne das BEWUSSTSEIN von EXISTENZ sein. Daher ist BEWUSSTSEIN
oder 'CHIT' ebenfalls EWIG. Da EXISTENZ Ungebunden, Ungeteilt,
Einzigartig und in jeder Hinsicht Unendlich ist, ist sie auch HÖCHSTE
FREIHEIT oder WONNE. Somit ist WONNE oder 'ANANDA ' genauso EWIG
wie EXISTENZ und BEWUSSTSEIN. EXISTENZ-BEWUSSTSEIN-WONNE oder 'SATCHIDANANDA' ist keine dreigeteilte, sondern die EINE EWIGE WIRKLICHKEIT. Dies entspricht
dem 'SVARUPALAKSHANA' oder der Definition von der ESSENTIELLEN
NATUR BEAHMANS. Obwohl SAT-CHIT-ANANDA in Wirklichkeit EINS sind,
manifestieren sie sich unterschiedlich durch die tamasischen, rajasischen
und sattvischen VRITTI (Gedankenbewegungen) des MANAS (Denkorganes), wobei das TAMASIKA-VRITTI ausschließlich
EXISTENZ offenbart, das RAJASIKA-VRITTI die Kombination von EXISTENZ
und BEWUSSTSEIN und das SATTVIKA-VRITTI den gesamten EXISTENZ-BEWUSSTSEIN-WONNE-Komplex. SAT-CHIT-ANANDA sind keine Teile oder Eigentum BRAHMANS, sondern
BRAHMANS wahre ESSENZ oder eigenes SEIN.
Das 'TATASTHALAKSHANA'
eines Dinges entspricht dessen Definition in Begriffen von bestimmten
Eigenschaftsmerkmalen, die in nebensächlichem Zusammenhang zu ihm
bestehen und nicht für immer existieren. Diese Merkmale befinden
sich außerhalb des definierten Dinges und bilden somit nicht dessen
essentielle Natur. Sie unterscheiden sich vom SVARUPA oder SVABHAVA,
d.h. vom definierten Ding als solchem. Es besteht eine äußere
Beziehung zwischen diesen Merkmalen und dem Ding, das sie definieren.
Ein Haus kann z.B. als ein Gebäude definiert werden, auf dessen
Dach eine Krähe sitzt, was jedoch nicht bedeuten muß, daß
sich auf jedem Haus stets eine Krähe befindet. Dies ist nur eine
vergängliche Definition des Hauses im Verhältnis zu einem
äußeren Objekt, wobei das Verhältnis eher vorübergehender
Natur ist. Diese Definition hat keinen dauerhaften Wert. Weiterhin ist
dies eine unvollständige Definition, die allerdings dem 'TATASTHALAKSHANA'
eines Hauses durchaus entsprechen würde. Das 'TATASTHALAKSHANA'
von BRAHMAN ist die Definition BRAHMANS in Begriffen des scheinbaren
und vergänglichen Universums, entsprechend der individuellen Erfahrung.
Sowohl Schöpfung, Erhaltung und Auflösung des Universums,
als auch All-Gegenwart, All-Wissenheit und All-Macht,
sind alles Merkmale, die BRAHMAN im Verhältnis zu etwas, das sich
(scheinbar) außerhalb von IHM befindet, zugeordnet und übergestülpt
werden. Diese Definition ist nur solange tauglich, solange das Universum
(als wirklich) erfahren wird. Es ist eine abhängige und künstliche
Definition, die kein wirkliches Verhältnis zu DEM hat, was zu definieren
versucht wird. Die Ursächlichkeit BRAHMANS ist keine Tatsache als
solche, sondern eine erfahrungsbedingte Vorstellung des 'JIVA'
(indiv. Seele).
SEIN ist WAHRHEIT
im transzendenten Sinne ohne Beziehung zu irgend etwas. ES kümmert
sich nicht um die Schwierigkeit des Menschen, die Begrenzungen des relativen
Bewußtseins nicht transzendieren zu können und somit den
Wert und die Bedeutung der relativen Ordnung für die Wahrheit zu
halten. Der Höchste Wert der WAHRHEIT ist gleichbedeutend mit reinem
SEIN, denn Nicht-Sein kann keinen Wert haben.
EINES allein ohne ein Zweites." -CHH.UPANISHAD, VII.2.1.
BRAHMAN ist DAS, was beständig in den Dingen ist, die sich verändern. ES ist ohne Namen und Form, welche beide die charakteristischen Eigenschaften der Erscheinungswelt sind. ES ist essentiell ABSOLUTE EXISTENZ. EXISTENZ kann sich niemals verändern, kann niemals vergehen, auch wenn die von IHR durchdrungenen Dinge verschwinden. EXISTENZ ist daher die NATUR der WIRKLICHKEIT und unterscheidet sich von den formen- und namengebundenen Dingen. EXISTENZ ist ohne etwas Zweites und hat keine äußeren Beziehungen oder innere Unterscheidungen. ES ist nicht von Raum, Zeit und Individualität begrenzt. ES bezieht sich auf nichts, da es nichts Zweites gibt. Es gibt weder etwas Ähnliches noch etwas Unähnliches, denn nur 'DAS allein IST'. Das gesamte Universum ist eine spirituelle Einheit und eins mit dem essentiellen BRAHMAN. ES hat weder innen noch außen einen Unterschied. BRAHMAN ist strukturell überall gleich und daher entspricht die Kenntnis von Einem Teil dem Wissen um das GANZE. SELBST-ERKENNTNIS ist die Erkenntnis BRAHMANS. Alles, was ist, ist der EINE BRAHMAN, das WIRKLICHE des WIRKLICHEN,- "SATYASYA SATYAM" -. ES zu kennen, heißt ALLES zu kennen. "Wie durch die Erkenntnis eines Klumpen Erde alles, was aus Erde gemacht ist, erkannt werden kann, - alle Veränderungen sind lediglich Namen und ein Spiel der Sprache, da das letztendliche Substrat all dieser Dinge die Erde ist - , so wird gleichermaßen alles erkannt, wenn BRAHMAN erkannt wird." "Wo scheinbare Dualität ist, ist eine Subjekt-Objekt-Beziehung; doch wo ATMAN allein ist, - wie kann es da irgendeine Beziehung geben oder eine Handlung zwischen irgend etwas stattfinden ?" "Da ist WISSEN
und dennoch ist da keine Wahrnehmung oder Erkenntnis, denn dieses WISSEN
ist unzerstörbar; es ist beziehungslose BEWUSSTSEINS-MASSE".
-(VIDE BRIH.UPANISHAD)
ES ist der ewige
objektlose KENNER und alles andere ist nichts, - lediglich eine Erscheinung,
etwas Falsches. BRAHMAN ist EXISTENZ,
die unendliches BEWUSSTSEIN und reine WONNE ist. "BRAHMAN ist EXISTENZ, BEWUSSTSEIN, UNENDLICHKEIT." -TAITT.UPANISHAD,II.1. "BRAHMAN ist BEWUSSTSEIN, WONNE." -BRIH.UPANISHAD, III.9.28. "DAS, was UNENDLICHKEIT ist, ist WONNE und UNSTERBLICHKEIT." -CHH.UPANISHAD, VII. 23, 24.
Diese Sätze
beinhalten die beste Definition der Höchsten WIRKLICHKEIT. BRAHMAN
ist BEWUSSTSEIN, B<. ES ist der letztendliche
KENNER. ES ist nicht wahrnehmbar, denn niemand kann den Kenner kennen,
niemand kann DAS kennen, durch das alles erkannt wird. "Es gibt keinen Sehenden, sondern DAS; keinen Hörenden, sondern DAS; keinen Denkenden, sondern DAS; keinen Erkennenden, sondern DAS."
ES ist das ewige
SUBJEKT der Erkenntnis und niemand kennt ES als das Objekt der Erkenntnis.
Dieses grenzenlose SELBST-BEWUSSTSEIN ist die alleinige WIRKLICHKEIT.
ES ist die FÜLLE der VOLLKOMMENHEIT und UNENDLICHKEIT. "BRAHMAN ist UNENDLICH, das Universum ist UNENDLICH, aus dem UNENDLICHEN setzt sich das UNENDLICHE fort und nach der Wegnahme des UNENDLICHEN vom UNENDLICHEN verbleibt nur das UNENDLICHE." Dieser Satz aus den UPANISHADEN scheint die Unendlichkeiten aufeinander zu türmen und zu dem verwirrenden Schluß zu kommen, daß nach der Wegnahme des GANZEN vom GANZEN ausschließlich das GANZE zurückbleibt. Die hier eingepflanzte Bedeutung liegt im Unveränderlichen und Unsichtbaren Charakter der UNENDLICHEN WIRKLICHKEIT, unabhängig von all den Formen, die scheinbar in IHR erschaffen werden. Das UNENDLICHE ist Nichtdual und es sind keinerlei Verfahrensweisen mit IHM möglich. Wir lesen von SANATKUMARA, der die Gedanken NARADAS von dessen unangemessenen Vorstellungen
hinsichtlich der WAHRHEIT zu angemesseneren Vorstellungen führte
und schließlich dazu überging, ihm die Majestät BHUMAS,
- das 'absolut GROSSE', das 'UNBEGRENZTE', über dem es nichts mehr
gibt, DAS alles versteht, DAS den gesamten Raum ausfüllt und DAS
mit dem SELBST in uns identisch ist -, zu erklären. BHUMA ist das essentielle BRAHMAN, wo man nichts sieht, nichts hört,
nichts versteht. ES ist WONNE und UNSTERBLICHKEIT, - das Plenum der
GLÜCKSELIGKEIT. ES ist das VOLLKOMMENE SEIN. Nun, die Vorstellung
von der WIRKLICHKEIT als einem zusammengesetzten SEIN läßt
gleichermaßen die Idee des Nicht-Seins entstehen. Der RIGVEDA (X.129.1) sagt, daß am Anfang weder Nicht-Sein noch Sein war (NA
ASAD ASIT, NA SAD ASIT). SEIN war nicht, weil kein Nicht-Sein war.
Die WAHRHEIT ist eine überintellektuelle Transzendenz der Ideen
vom Sein und Nicht-Sein und von all dem, was verknüpft ist mit
den zeitlichen Beziehungen des Denkens, denn in dem, was WIRKLICH ist,
gibt es keinerlei Denkformen (Psychosen). Gemäß dem RIGVEDA
sind selbst "Unsterblichkeit und Tod nicht mehr als bloße Schatten".
Was wahrhaftig existiert,
ist das WIRKLICHE. "ES ist das Sein
und das Über-Sein, das Ausgedrückte und das Unausgedrückte,
das Gegründete und das Ungegründete, das Bewußtsein
und das Unbewußte, die Wirklichkeit und die Unwirkliche, das Wirkliche,
und das, was ES immer ist"
-TAITT.UPANISHAD, II.6.
SHRI Shankaracharya beschreibt die Bedeutung des später folgenden Anteiles dieses MANTRAS wie folgt: "Sie, die ABSOLUTE WIRKLICHKEIT, wurde das Geformte und Formlose,
das Definierte und Undefinierte, die Stütze und die Nicht-Stütze,
das Intelligente und das Unintelligente, die praktische (relative) Wirklichkeit
und das, was nicht die praktische (relative) Wirklichkeit ist; was immer
hier ist und das sie das 'WIRKLICHE' nennen. Die BRIHADARANYAKA
UPANISHAD (II.3.1.) sagt, daß BRAHMAN zwei Formen hat:
"die geformte und die formlose, die sterbliche und die unsterbliche, die feststehende und die sich bewegende, die wirkliche und die überwirkliche".
Es besteht ein Kontrast
zwischen BRAHMAN und der 'Welt der Namen und Formen'; BRAHMAN ist das
Höhere, das Unausdrückliche, das Grundlose, das Unbewußte,
das Unwirkliche im Verhältnis zur 'Welt der Namen und Formen',
die empirisch als seiend, ausdrücklich, gegründet, bewußt
und wirklich erfahren wird. Attribute oder Qualitäten werden logischerweise
zu unzulässigen Vorstellungen, wenn sie auf das ABSOLUTE ausgedehnt
und angewendet werden. Ein Gegenstand hat nur in Beziehung zu einem
anderen Gegenstand eine Beifügung. Es ist nutzlos zu sagen, daß
eine Substanz ein Attribut hat, wenn gleichzeitig von dieser Substanz
gesagt wird, daß sie allein existiert. Die Natur eines einzigartigen
absoluten Prinzips ist unbestimmbar. Jegliche Beifügungen begrenzen
ES und erschaffen einen Unterschied im Nicht-Unterschied. Von BRAHMAN
kann nicht gesagt werden, daß ES irgendwelche verständlichen
Attribute besitzt, da ES die gesamte EXISTENZ ist und nichts Zweites
in Beziehung zu IHM steht. SAT (SEIN) ist eine Idee im Verhältnis
zu ASAT (Nichtsein); das gleiche gilt für CHIT (BEWUSSTSEIN) in
Beziehung zu JADA (Trägheit/Stillstand); für ANANDA (WONNE)
in Beziehung zu DUKHA (Leid); für ANANTA (UNENDLICHKEIT) in Beziehung
zu ALPA (Begrenztheit); für PRAKASHA (LICHT) in Beziehung zu TAMAS
(Dunkelheit). Jedes qualitative Konzept birgt Beziehungen in sich, und
jeder Gedanke erzeugt eine Dualität. BRAHMAN zu denken, heißt,
DAS auf die Welt der Erfahrungen zu reduzieren. Denken ist nur in einem
individuellen Zustand möglich, doch BRAHMAN ist kein Individuum
und ebenfalls durch kein Individuum erreichbar. BRAHMAN kann nicht einmal
als ein Licht angesehen werden, da es nichts zum Bescheinen gibt. ES
ist auch kein Bewußtsein, da es nichts gibt, dessen ES sich bewußt
ist. Bewußtsein oder Licht im absoluten Zustand kann nicht Bewußtsein
oder Licht genannt werden, da solche Vorstellungen dualen Merkmalen
entsprechen. Das SEIN in SICH SELBST ist 'nichts' im Verständnis
des Individuums. ES ist kein Objekt der Erkenntnis. Die WAHRHEIT ist
unabhängig, beziehungslos und selbst-seiend; eine unabhängige,
beziehungslose und selbst-seiende Qualität hingegen gibt es nicht.
Die einzige Hilfe besteht im Eingeständnis der Hilflosigkeit des
Intellektes in seinem Versuch, die Natur der WIRKLICHKEIT zu bestimmen
und Zuflucht zu verneinenden Behauptungen zu nehmen.
"Der ATMAN ist weder dies, noch das." -BRIH.UPANISHAD, IV.5.15.
"Der ATMAN ist
weder das, was innerlich, noch äußerlich oder beiderseits
bewußt ist; ES ist keine Bewußtseinsmasse und weder bewußt
noch unbewußt; ES ist ungesehen, beziehungslos, unfaßbar,
unbestimmbar, undenkbar, unbegrenzbar; ES ist die Essenz des Bewußtseins
des EINEN SELBST, die Verneinung des Universums, friedvoll, wonnevoll
und nicht-dual."
-MAND.UPANISHAD, 7. "ES ist jenen unbekannt, die ES erkennen. ES ist jenen bekannt, die ES nicht erkennen." -KENA UPANISHAD, II.3.
All diese Hinweise
deuten auf die ABSOLUTE TRANSZENDENTE NATUR der WIRKLICHKEIT hin. "ES ist auch nicht durch häufiges Hören erreichbar, und selbst nachdem man von IHM gehört hat, bleibt ES vielen unerkannt. Wunderbar ist Sein Verkünder! Gesegnet ist derjenige, der ES erwirbt!"
Das ehrfurchtgebietende ABSOLUTE wird beschrieben als "klanglos, berührungslos, formlos, unzerstörbar, geschmacklos, beständig, geruchlos, anfangslos, endlos, Höher als das Höchste, ewig, ES erkennend, wird die Befreiung aus dem Rachen des Todes erlangt." ES besteht in solch
einem gleichförmigen und unterschiedslosen Zustand, daß,
"was immer hier ist, auch dort ist; was immer dort ist, auch hier
ist," - und daher wird die räumliche Natur der Existenz
mit ihren begleitenden Unterscheidungen von Zeit und Individualität
in der unsichtbaren und grundlegenden Essenz BRAHMANS überwunden.
ES 'ist ' und ES 'ist nicht '. Doch wenn überhaupt
etwas über das IDEAL und ZIEL des Lebens ausgesagt werden soll,
dann können wir mit einer solch verwirrenden Vorstellung von WIRKLICHKEIT
nicht weiterkommen. Für uns ist WIRKLICHKEIT das, was im strengsten
logischen Sinne das Höchste sein kann. Obwohl die WIRKLICHKEIT
sämtliche Logik und Vernunft transzendiert, ist dies der Philosophie
nicht möglich, da nichts in dieser Welt ohne das Denken erreicht
werden kann. Wir sind denkende Wesen und alles, was 'wirklich' ist,
muß für uns verständlich sein. wenn irgend etwas unverständlich
ist, können wir keine Beziehung dazu haben. Das WIRKLICHE ist daher
eher SEIN denn Nicht-Sein, eher BEWUSSTSEIN denn Unbewußtsein,
eher WONNE denn Leid. Das Nicht-Sein ergibt keinen Sinn, da schließlich
auch das Nicht-Sein 'sein ' muß. BEWUSSTSEIN selbst ist
SEIN, und solange Nicht-Sein und Unbewußtsein keine Objekte des
BEWUSSTSEINS sind, haben sie auch keine Bedeutung. "Wie kann Sein aus dem Nicht-Sein entstehen ?" -CHH.UPANISHAD, VI.2.1. "Die Heilige Lehre ist, daß ES das SEIN des Seins ist." -BRIH.UPANISHAD, II.1.20
ES ist das SEIN, das selbst dem Nicht-Sein Existenz gewährt. Das SEIN bedeckt das Nicht-Sein von beiden Seiten. In der BRIHADARANYAKAUPANISHAD (V.5.1.) wird "SATYAM " als ein aus den drei Silben 'SA ', 'TI ' und 'YAM ' zusammengesetztes Wort erklärt, wobei die erste und letzte Silbe die 'WAHRHEIT' kennzeichnen und die mittlere Silbe die Unwahrheit, was bedeutet, daß die 'WAHRHEIT' die Unwahrheit von beiden Seiten bedeckt und die unwirkliche Welt den äußeren Anschein der Wahrheit, - welche unbestechliches SEIN ist -, erlangt. Außerdem wird gesagt, daß allein die WAHRHEIT triumphiert und nicht die Unwahrheit (MUND.UPANISHAD, III.1.6.) , womit eine unterschiedliche Wirklichkeit für das, was 'ist ' und für das, was 'nicht ist ' gegeben wird. Das, was sich verändert, ist unwahr und das, was beständig ist, ist wahr. Nichtsein verschwindet im SEIN, welches in sich Selbst die höchstmöglichen Werte vereint, die das Ziel der allgemeinen Bestrebungen aller Individuen sind. Niemand wünscht sich 'nicht zu sein', jedermann wünscht sich eine Existenz in irgendeiner Form. Die Wahrheit des SEIN' als Höchstem Prinzip ist im Bewußtsein, das allen erkennenden Wesen zugrundeliegt, eingepflanzt. Die MAITRAYANI UPANISHAD sagt, daß BRAHMAN "EINER ist und grenzenlos; grenzenlos nach dem Osten, grenzenlos nach dem Süden, grenzenlos nach dem Westen und grenzenlos nach dem Norden; grenzenlos nach oben und unten und nach allen Seiten; für DAS existieren überhaupt keine Richtungen, keine Kreuzungen, kein unten und kein oben; dieser PARAMATMAN ist unbegreiflich, unendlich, ungeboren, nicht zu ergründen" (VI. 17). So etwas kann kein
'Nichtsein' sein. ES ist EXISTENZ in ihrer HÖCHSTEN VOLLENDUNG.
Extreme und äußerste EXISTENZ erscheint als Nichtexistenz.
Das extrem POSITIVE des WIRKLICHEN erscheint wie eine Verneinung von
allem. Gemäß dem Übermaß an Licht ist ES dunkel.
ES ist nicht wahrnehmbar, da ES allein das Wahrnehmende ist. ES ist
nicht erkennbar, da ES allein der Erkennende ist. ES scheint nirgends
zu sein, da ES allein überall ist. ES scheint nichts zu sein, denn
'ES ALLEIN IST ALLES'.
BRAHMAN
gründet "auf Seiner eigenen Größe, oder überhaupt
nicht auf Größe" (CHH.UPANISHAD,VII.24). ES ist
die unteilbare Masse an VOLLKOMMENHEIT, - auf was kann ES sich selbst
gründen? Das selbst-bestehende BRAHMAN wird durch nichts gestützt,
jedoch wird alles durch ES gestützt. Es ist kindlich zu sagen,
daß ES Ruhm gegründet 'hat ', obwohl Sein Name GROSSER
RUHM 'ist ' (SVET.UPANISHAD, IV.19). Weiterhin
"benennen die Menschen hier auf Erden die Kühe und Pferde, die
Elefanten und das Gold, die Diener und Frauen, die Felder und Häuser
als etwas, das Größe besitzt", doch BRAHMAN ist keine
Größe dieser Art, wohingegen deren Größe vom Vergleich
mit äußeren Objekten abhängt. Die Größe BRAHMANS
dagegen beruht auf Seinem eigenen SEIN, und nicht auf irgend etwas Zweitem. "BRAHMAN allein, - das Größte - , ist das gesamte Universum." -MUND.UPANISHAD, II.2.11.
"Wahrlich, dieses große, ungeborene SELBST, - nicht zerfallend, unsterblich und furchtlos, - ist BRAHMAN." Die Gesamtheit der WIRKLICHKEIT wird in diesem Weltprozeß nicht erschöpft. "Das gesamte Universum (in Sich) einschließend, dehnt ES sich darüber in die Unendlichkeit aus. Was immer hier ist, was immer war und was immer sein wird, ist einzig dieses PURUSHA. ES ist der HERR der Unsterblichkeit. Anteilig sind alle Wesen ein Viertel von IHM, Seine (nicht offenbaren) drei Viertel jubeln als Unsterblichkeit hoch über dem Staub der Erde" (RIG VEDA, X.90). "Unbeweglich, ist ES schneller als der Verstand", denn das WIRKLICHE, welches das SELBST ist, wird allen Gedankenformen vorausgesetzt. "Die Sinne scheitern in dem Versuch, ES zu erreichen." "Den anderen vorauseilend, steht ES still." "ES bewegt sich und bewegt sich nicht"; - ES ist anders als das, was ruht oder in Bewegung ist. "ES ist weit weg
und doch ist ES sehr nah; ES ist in allem und ist auch außerhalb."
ES ist das SELBST, das SEIN von allem. "Sitzend geht ES weiter und
liegend bewegt ES sich überall hin. ES ist offenbar und
doch verborgen." Solche metaphorischen Definitionen von der WIRKLICHKEIT
deuten auf die zentrale Bedeutung ihrer ABSOLUTHEIT hin. DAS, was alles
bewirkt, bewirkt nichts Besonderes. Alle Spekulationen hinsichtlich
des LETZTENDLICHEN PRINZIPS führen schließlich zu dem eindeutigen
Schluß, daß ES Ewig, Unendlich, Unbedingt, Nichtdual, Absolut
und Seiend ist. "ES ist ohne ein 'früher' und ohne ein 'später',
ohne ein 'innen' und ohne ein 'außen'; ES ist das SEIN, das SELBST
von allen, das Erfahrende von allem." YAJNAVALKYA beschreibt das Höchste SEIN folgendermaßen: "Ein OZEAN, das EINE, der SEHENDE ohne Dualität. Dies ist der Zustand von BRAHMAN. Dies ist das Höchste Ziel. Dies ist der Kostbarste Besitz. Dies ist die Höchste Heimstatt'. Einem Teil dieser WONNE verdanken die Kreaturen ihr Leben." "Durch gute Taten wird ES nicht größer und durch schlechte Taten nicht kleiner." In den Worten der berühmten NASADIYA SUKTA des RIG VEDA, war die ursprüngliche Bedingung der Existenz durch eine völlige Abwesenheit der Welt, des Himmels und aller (anderen) Offenbarungen charakterisiert. Es gab weder Tod noch Unsterblichkeit, da sich beide aufeinander beziehen und folglich keinerlei Erkenntniswert in der WIRKLICHKEIT haben. Es gab weder Tag noch Nacht, sondern nur das EINE, die Quelle des Lichtes, die ohne Veränderung und Bewegung existiert. ES existierte identisch mit Seiner KRAFT und es gab keinen Unterschied zwischen der Zeit und der Ewigkeit. Es gab nichts anderes als ES. Selbst die Götter können nicht sagen, wie diese Schöpfung verursacht worden ist, denn selbst sie wurden nach der Schöpfung geboren. Allein diese QUELLE, aus der das Universum entsprang, kann es auch erhalten, nichts sonst. Dieses EINE ALLEIN kennt die WAHRHEIT Seiner Schöpfung, - oder wer sonst kann es wissen? Das WIRKLICHE allein kennt das WIRKLICHE. Niemand sonst kann ES kennen. Das WIRKLICHE zu kennen, heißt, WIRKLICH zu SEIN. Wir können nicht abseits von IHM stehen und ES zur gleichen Zeit erkennen. In dem Moment, wo wir uns aufmachen, das WIRKLICHE zu suchen, beginnen wir mit dem Schaufeln des Grabes unserer abgesonderten, individuellen Existenz. Das HERRLLICHE BEWUSSTSEIN von der Höchsten WAHRHEIT ist die vollständige Transzendenz der kümmerlichen Anhaftung an Formen, die als etwas anderes als das eigene SELBST und als das eigene, scheinbar individuell lokalisierte Leben erscheinen. Im ABSOLUTEN, dem einzig WIRKLICHEN, zu leben, heißt, dem Individuellen, das unwirklich ist, zu sterben. "Derjenige wird nicht-existent, der erkennt, daß BRAHMAN nicht-existent ist. Von demjenigen, der erkennt, daß BRAHMAN existiert, wird gesagt, daß er wahrhaftig existiert." -TAITT.UPANISHAD, II.6.
Nicht das GANZE zu kennen, heißt, auf ein Teilbewußtsein begrenzt zu sein, das nicht wirklich besteht, das sterblich ist und daher im absoluten Sinne mit Nichtsein gleichzusetzen ist. Wahrhaft zu leben bedeutet, der WIRKLICHEN EXISTENZ bewußt zu sein, welche ohne die Mängel der Veränderung und des Todes ist. "Alle Geschöpfe haben EXISTENZ als ihre Wurzel, ihre Heimstatt' und ihre einzige Stütze." Alle Formen sind Schatten der REINEN EXISTENZ, welche allein Bestand in der Vergangenheit, der Gegenwart und Zukunft hat; wohingegen die Schatten wie Blasen im Ozean verschwinden. Im WIRKLICHEN sind EXISTENZ und INHALT identisch. Deshalb ist alles REINE EXISTENZ, die allein wirklich ist. "Wie Vögel zum Ausruhen einen Baum aufsuchen, so dient dieses Höchste SEIN allen Wesen hier als Ruheplatz für ihre Existenz." "Nicht durch Sprechen, nicht durch Denken, noch mittels Sehen kann ES erfaßt werden . Wie kann ES anders erkannt werden, außer als ‘ESIst’ anerkannt zu werden?" (KATHA UPANISHAD, VI.12). ES ist die schwere WIRKLICHKEIT, "der große Schrecken, der aufsteigende Donner, durch den aus Furcht das Feuer brennt, die Sonne ihre Hitze spendet, der Wind weht, INDRA erschauert und der Tod seine Pflicht tut!". "Die BRAHMANEN und KSHATRIYAS dienen als Seine Speise und der Tod selbst ist Seine Würze." "Auf den Befehl dieses UNZERSTÖRBAREN verweilen die Sonne und der Mond, die Erde und der Himmel in ihren geeigneten Positionen. Auf den Befehl dieses UNZERSTÖRBAREN stehen die Momente, die Augenblicke, die Tage, die Nächte, die halben Monate, die Monate, die Jahreszeiten und die Jahre unterschiedlich an ihren eigenen Plätzen. Auf den Befehl dieses UNZERSTÖRBAREN fließen einige Flüsse von den schneebedeckten Bergen zum Osten, zum Westen, in welche Richtung auch immer. Welch großartige Werke auch jemand in dieser Welt vollbringen mag, - selbst für die Dauer von Tausenden von Jahren -, ohne die Erkenntnis dieses UNZERSTÖRBAREN sind sie alle endlich. Wer auch immer ohne die Erkenntnis dieses UNZERSTÖRBAREN stirbt, ist bedauernswert" (BRIH.UPANISHAD). "Dieses UNZERSTÖRBARE ist SATYAM, - wahres SEIN." "'SAT' ist das Unsterbliche und 'TI' ist das Sterbliche. 'YAM' ist das, was beide zusammenhält" (CHH.UPANISHAD, VIII.3.5.). ES erhebt sich über das Sterbliche und das Unsterbliche, die beide relative Vorstellungen sind, hinaus. Das Höchste ist RITAM und BRIHAT, - das WIRKLICHE und das GROSSE. Das SEIN allein ist
die unvermeidliche Grunderfahrung und somit das grundlegende Konzept
in der Philosophie. Wir können uns über alles mögliche
hinwegsetzen, jedoch nicht die Tatsache, daß 'wir sind'!
SEIN ist die wahrhaftige Natur selbst dessen, der ES leugnet. Alle Bestandteile
unseres Denkens, alle Formen der Existenz, alle Veränderungen der
Erkenntnis setzen SEIN voraus. SEIN kann uns nicht zum Nichtsein führen,
denn in dem Moment, wo Nichtsein erkannt wird, wird es zum SEIN. Doch
SEIN ist kein Objekt unserer unmittelbaren empirischen Erfahrung, denn
diese ist immer eine besondere Art des Seins, oder vielmehr ein Werden
dessen, was das Objekt unserer relativen Erfahrung ist. Für uns
Individuen kann es keine solche Erfahrung der Existenz im allgemeinen
geben. Doch das EWIGE SEIN ist ALLGEMEINE oder ABSOLUTE EXISTENZ, welche
mit 'Werden' im Sinne eines Prozesses weder verwechselt noch
gleichgesetzt werden kann. BRAHMAN ist kein Prozeß oder eine Ansammlung
etlicher Besonderheiten und auch keine Vielfalt mehrerer Endlichkeiten.
Keine angehäufte Summe von Beziehungen, wie groß diese auch
sein mag, ergibt das ABSOLUTE. Eine Anhäufung von Endlichkeiten
kann uns eine Riesenmenge von Endlichkeiten bescheren, aber nicht das
UNENDLICHE, - räumliche Unermeßlichkeit oder Weite ist keine
Unendlichkeit. Das ABSOLUTE transzendiert alles Endliche und schließt
alles in sich ein. ES 'wird ' nicht, - ES 'ist '. 'Werden ' ist keine VOLLKOMMENHEIT der EXISTENZ, wohingegen
vollständiges SEIN die FÜLLE beinhaltet. Das ABSOLUTE wächst
oder entwickelt sich nicht. ES ist kein Prozeß, der sich über
sich selbst ausdehnt. Wäre dies so, dann würde das ABSOLUTE
in Raum, Zeit und Ursache verwickelt sein und aufhören, das ABSOLUTE
zu sein. Das ABSOLUTE ist vollständige EINHEIT und kein System
von mehren Wesensarten, die als Wirklich mittels Handlung und Gegenhandlung
miteinander existieren. ES ist keine komplexe Masse von Beziehungen.
Wenn das ABSOLUTE als ein System angesehen wird, dann müssen seine
Teile entweder identisch mit ihm oder unterschiedlich von ihm sein.
Wenn sie identisch sind, verlieren sie automatisch ihre Identität;
sind sie verschieden, dann wird die Beziehung untereinander unverständlich.
Das ABSOLUTE kann nur ein SEIN ohne jegliche Art von Unterscheidungen
sein. ES muß UNGETEILTE, EWIGE, GLEICHFÖRMIGE EXISTENZ sein,
- "EINES allein ohne ein Zweites." EXISTENZ ist das Universale
Konzept, das nichts außerhalb von sich zuläßt. EXISTENZ
ist das, was beständig in allen Erkenntnisprozessen gegenwärtig
ist. Alles wird als existent anerkannt, obwohl die Existenz eines Dinges
durch die begrenzenden Faktoren, aus denen sich die Individualität
dieses Dinges zusammensetzt, zur Eigenschaft wird. Ohne EXISTENZ kann
es keine Idee oder Erkenntnis, keine Handlung und keinen Wert, ja nicht
einmal Leben geben. Im objektiven Universum der Namen und Formen gibt
es ein beständiges Existenzprinzip, das allen Namen und Formen
zugrundeliegt. Selbst wenn alles stirbt und verloren ist, kann die EXISTENZ,
die selbst jene Bedingung, in der nichts mehr besteht, in sich trägt,
weder sterben noch verloren gehen. Da sich EXISTENZ nicht verändern
kann, gibt es für ES weder Tod noch Geburt. EXISTENZ ist EWIG.
Die physische Form eines äußeren Objektes ist der Veränderung
unterworfen, und diese Veränderung wird 'Prozeß von Geburt
und Tod' genannt. Für die Formen, Zustände, Bedingungen usw.
gibt es eine Geburt und einen Tod, nicht aber für die EXISTENZ.
EXISTENZ befähigt uns zur Erkenntnis, daß es Geburt und Tod,
Wechsel und Veränderung usw. gibt, doch ohne EXISTENZ kann nichts
sein. Alles 'ist ' in diesem oder in jenem Zustand. Obwohl
alles aufgelöst wird, wird die innewohnende EXISTENZ nicht aufgelöst.
Da EXISTENZ die allgemeine WIRKLICHKEIT von allem ist, muß ES
Unendlich sein. EXISTENZ ist Unteilbar und erklärt sich aus sich
heraus. EXISTENZ kann nicht näher bestimmt werden, da ES keine
spezifischen Merkmale hat und niemals zu einem Objekt der Erkenntnis
wird. ES ist die WIRKLICHKEIT des Objektes, wie auch des Subjektes.
Der Körper, die Lebensenergie, die Sinne, das Denkorgan, der Intellekt
und selbst die Bedingungen all dieser objektiven Offenbarungen, sie
alle begründen ihre Wirklichkeit auf dieser Höchsten EXISTENZ.
Das Reich des Erkennenden und des Erkannten usw., das gesamte Universum
in all seinen Aspekten und Zuständen gründet letztlich auf
UNVERGÄNGLICHER EXISTENZ. Das Universum ist eine Bedingung, ein
Erfahrungszustand, und dieser Zustand kann nur eine Bedeutung haben,
wenn er in der EWIGEN und UNENDLICHEN EXISTENZ verwurzelt ist. REINE
und VOLLKOMMENE EXISTENZ ist das ABSOLUTE und wird in den UPANISHADEN als HÖCHSTES BRAHMAN verehrt und verkündet. BRAHMAN ALS BEWUSSTSEIN UND INTELLIGENZ
Was ist nun die
Natur dieser ABSOLUTEN EXISTENZ? Das innerste SEIN in uns, unsere eigene
EXISTENZ wird dieses Problem lösen. Wir werden herausfinden, daß
wir keinen Unterschied zwischen unserem SEIN und unserem BEWUSSTSEIN
machen können. Sich das SEIN als wirklich und trotzdem als verschieden
vom BEWUSSTSEIN zu denken, scheint unmöglich zu sein. So wenig
wir das SEIN verleugnen können, so wenig können wir das BEWUSSTSEIN
verleugnen. Wir können die Objekte und Zustände des Bewußtseins
verleugnen, aber niemals das BEWUSSTSEIN selbst. Bevor wir überhaupt
richtig zu denken anfangen, um dies zu versuchen, wird ES seine Existenz
behaupten. BEWUSSTSEIN ist die positivste aller Tatsachen, der Zeitpunkt
aller Erfahrungen. ES transzendiert alle Begrenzungen des Raumes, der
Zeit und der Ursache. BEWUSSTSEIN ist niemals begrenzt, denn das Bewußtsein
von der Tatsache, begrenzt zu sein, ist bereits Beweis genug für
Seine Transzendente UNBEGRENZTHEIT.
Dieses UNIVERSALE BEWUSSTSEIN ist nicht mit dem individuellen Ichbewußtsein zu verwechseln. Vielmehr ist ES Reines BEWUSSTSEIN. Das Ichbewußtsein benötigt in einer bestimmten Weise eine Veränderung, wodurch es lediglich eine Veränderung im 'Werden' und kein 'SEIN' in ursprünglicher Fülle ist. BEWUSSTSEIN im Sinne von WIRKLICHKEIT besagt nicht, daß etwas außerhalb Seiner Selbst als Objekt bestehen muß. Dies ist nur im Fall von empirischer Erkenntnis notwendig, wo das Bewußtsein ein Objekt benötigt. In der Höchsten Bedingung sind die EXISTENZ und der INHALT des BEWUSSTSEINS ein und dasselbe. Das ABSOLUTE kennt sich ohne irgendeinen Erkenntnisprozeß. BEWUSSTSEIN ist ABSOLUTE INTELLIGENZ und UNBEGRENZTE SELBST-ERLEUCHTUNG. Sogar in allen Zuständen wie Wach-, Traum-, Tiefschlaf- und Ohnmachtszustand usw. verweilt das SELBST als die unentbehrliche und unbestreitbare UNMITTELBARKEIT des BEWUSSTSEINS, d.h. als Zeuge aller Zustände. Unberührt und Unverändert verharrt ES in allen Erfahrungszuständen als das EWIGE PRINZIP in vollster REINHEIT. Letztendliche EXISTENZ ist identisch mit UNENDLICHEM BEWUSSTSEIN und nicht mit individuellem Bewußtsein. Das WIRKLICHE ist UNPERSÖNLICH und das Individuelle ist persönlich. "BRAHMAN ist BEWUSSTSEIN." -AIT.UPANISHAD,
III.3. "PURUSHA ist SELBST-leuchtend." -BRIH.UPANISHAD,
IV.3.9,14. "Das SELBST allein ist Sein (eigenes) Licht." -BRIH.UPANISHAD,
IV. 3.6. "Durch was kann sich jemand seiner selbst bewußt sein, durch DAS allein sich jemand allem bewußt sein kann? Durch was kann man den KENNER erkennen?" -BRIH,UPANISHAD, II.4.14
ERKENNTNIS ist nicht die Beifügung, sondern die WIRKLICHE SUBSTANZ der WIRKLICHKEIT. Sie ist die ESSENZ der EXISTENZ. Aus diesem Grunde ist die WIRKLICHKEIT als ein Objekt der Erkenntnis nicht erkennbar. ES offenbart sich als das erste Prinzip in allen Gedanken und Handlungen. "DAS, was mit deinem PRANA (Lebensatem) einatmet, ist dein SELBST, das in allen Dingen ist. DAS, was mit deinem APANA* ausatmet, mit deinem VYANA*ringsherum atmet und mit deinem UDANA* nach oben atmet, ist dein SELBST, das in allen Dingen ist." (* andere Bez. für Lebensatem). YAJNAVALKYA erklärt mit der Sicherheit eines WAHRHEIT-SEHERS: "Du kannst den SEHER des Sehens nicht sehen. Du kannst den HÖRER des Hörens nicht hören. Du kannst den DENKER des Denkens nicht denken. Du kannst den VERSTEHER des Verstehens nicht verstehen. ER ist dein SELBST, das in allen Dingen ist." Das erkennende Subjekt
ist die ESSENZ vom SEIN des SELBST und deshalb ist ES kein Objekt der
Erkenntnis. BEWUSSTSEIN kann sich keines BEWUSSTSEINS bewußt sein,
sowenig sich jemand auf die eigenen Schultern steigen kann. EWIGES BEWUSSTSEIN
ist SEIN in Sich Selbst. "In Wahrheit,
O GARGI, sieht allein dieses UNVERGÄNGLICHE EINE, ohne gesehen
zu werden; ES hört, ohne gehört zu werden; ES denkt, ohne
gedacht zu werden; ES versteht, ohne verstanden zu werden. Es gibt keinen
anderen SEHER als DAS, keinen anderen HÖRER als DAS, keinen anderen
DENKER als DAS, keinen anderen VERSTÄNDIGEN als DAS. In diesem
UNVERGÄNGLICHEN EINEN, O GARGI, ist der Raum wie 'Kette
und Schuß'" eingewoben.
-BRIH.UPANISHAD, III.8.11.
Des weiteren wird
erklärt, daß, vergleichbar mit dem Meer als Zentrum aller
Gewässer, ATMAN als Auge das Zentrum aller Formen, als Ohr das
Zentrum aller Klänge, als Nase das Zentrum aller Gerüche usw.
ist. Die eine zentrale Handlung dieses SELBST-BEWUSSTSEINS wird häufig
in Bezug zu den wahrnehmenden Unterschieden als Auge, Ohr usw. bezeichnet.
Wenn das Auge auf den Raum gerichtet wird, ist es das BEWUSSTSEIN des
WIRKLICHEN, das im Auge leuchtet, das Auge selbst ist lediglich ein
sekundäres unempfindliches Instrument. Ebenso ist es mit den anderen
Sinnesfunktionen. Selbst das Denken und Verstehen sind bloße Namen
für die Widerspiegelung des WAHRHEITS-BEWUSSTSEINS in den unempfindlichen
psychologischen Organen. Sprache und Verstand kehren (von ihrer Erkenntnisreise
nach außen) erstaunt zurück, unfähig ES zu erreichen.
Es ist der ATMAN, der durch das Denkorgan leuchtet und die Freuden und
Wonnen darin wahrnimmt. Die Intensität des BEWUSSTSEINS wird im
Verhältnis zu der reflektierenden Fähigkeit der inneren wahrnehmenden
Instrumente verspürt. Jegliche Erkenntnis ist eine Reflexion des
SELBST-SEIENDEN WIRKLICHKEITS-BEWUSSTSEINS, ein Schatten der BRAHMAN-INTELLIGENZ.
Selbst ein Genius, bewandert in allen möglichen Wissensbereichen
und der Kunst, kann nur den Anschein der ABSOLUTEN WEISHEITSMASSE haben,
die durch seinen Intellekt, der wiederum nur ein schwacher Ersatz für
das wahre WISSEN ist, reflektiert wird. Auch die beste Inspiration des
größten Poeten ist nur eine Reflexion der BRAHMAN-ERKENNTNIS.
Es gibt keine Intelligenz, weder im Himmel noch auf Erden, die dem Vergleich
mit der INTELLIGENZ des ABSOLUTEN in irgendeiner Weise standhalten könnte,
da alle unterschiedlichen Wesen lediglich einen Intelligenzanteil besitzen
und niemals das BRAHMAN-BEWUSSTSEIN erfahren können, solange sie
als Individuen vom GANZEN getrennt sind. Das Denkorgan, der Intellekt
und die Sinne sind daher nicht intelligent; es ist BRAHMAN, der die
INTELLIGENZ und das LICHT der Lichter ist, BI<! Dieses erkennende SUBJEKT ist Unfaßbar, Unzerstörbar, Unverhaftet, Ungebunden, Unveränderlich, Unberührt. ES befindet sich zu allem, was objektiv ist, in Opposition, wie Licht zur Dunkelheit. ES entschlüpft dem Zugriff dessen, der im objektiven Bewußtsein gefangen ist. Die gesamte Welt ist objektiv (mit sich) beschäftigt, weshalb BRAHMAN der Welt unerkannt bleibt. Wir sind uns immer etwas anderem als dem SELBST bewußt, sowohl im Wach-, als auch im Traumbewußtsein. Nur im Tiefschlaf geschieht es, daß wir praktisch Eins mit dem ABSOLUTEN werden. Doch die Anwesenheit der Unwissenheit, - dem Lagerhaus der potentiell objektiven Kräfte, das in einem unmanifestierten Zustand existiert -, verhindert die Erfahrung BRAHMANS. Diese unmanifestierte träge Bedingung ist nicht die WIRKLICHKEIT. WIRKLICHKEIT ist DYNAMISCHES BEWUSSTSEIN, das gleichwohl der HÖCHSTE RUHEZUSTAND ist. ES ist der unvorstellbare VIERTE ZUSTAND, der die drei anderen Zustände ( z.B. Wachen, Träumen, Tiefschlafen usw.) in sich einschließt und transzendiert. Das WIRKLICHE 'sieht ' nicht und 'kennt ' nichts; ES sieht und kennt nur sich SELBST: "ES, der SEHER
und KENNER, erfährt keine Unterbrechung im Sehen und Erkennen,
da ES unzerstörbar ist, - es gibt nichts Zweites, das sich von
IHM unterscheidet, das ES sehen und erkennen könnte." "Gerade
wie ein Klumpen Salz innen oder außen nicht unterschieden werden
kann, sondern gänzlich aus derselben geschmacklichen ESSENZ besteht,
so hat dieses SELBST weder innen noch außen, sondern besteht durchweg
nur aus BEWUSSTSEINS-MASSE"
-BRIH.UPANISHAD, IV.5.13.
"Gerade wie ein
ins Wasser geworfener Salzklumpen sich im Wasser auflösen und außer
dem Salzgeschmack nichts mehr von ihm übrigbleiben würde,
so ist wahrlich dieses Große SEIN Unendlich, Endlos, eine Einzige
BEWUSSTSEINS-MASSE"
-BRIH.UPANISHAD, II.4.12. DAS ist der OZEAN der WEISHEIT und des LICHTES, - alles in EINEM.
"Da leuchtet weder
Sonne noch Mond, auch keine Sterne, keine Blitze und kein Feuer; sie
alle leihen sich ihr Licht von IHM, DER alleine leuchtet; die ganze
Welt erstrahlt in SEINEM herrlichen Licht".
-KATHA UPANISHAD, V.15.
Derjenige, der dieses BEWUSSTSEIN hat, lebt im Ewigen Sonnenschein, und es ist immer Tag für ihn. Für ihn gibt es keinen Sonnenuntergang. ATMAN wird mit einer Brücke erglichen, die die Welten miteinander verbindet. "Diese Brücke
überquerend, wird jemand, der blind ist, sehend; wer verwundet
ist, geheilt; wer krank ist, gesund. Diese Brücke überquerend,
erscheint selbst die Nacht als heller Tag, denn der BRAHMAN-ZUSTAND
ist ewig leuchtend".
-CHH.UPANISHAD, VIII.4.2.
In der MATRAIYANI
UPANISHAD finden wir die Erklärung, daß derjenige, der
die Dunkelheit durchdrungen hat, DAS erreicht, was wie ein Feuerrad
leuchtet; BRAHMAN, der Allmächtige, strahlend wie die Sonne; DAS,
was in der Sonne und dem Mond, im Feuer und im Blitz aufleuchtet, -
ES zu sehen, heißt, UNSTERBLICH zu werden (VI. 24). Dieses WIRKLICHE
ist das ABSOLUTE ERKENNENDE SUBJEKT, weshalb "ES nicht das Objekt
der Verehrung sein kann" (KENA UPANISHAD, I.4.). Der innere Erkenntnis-Mechanismus
ist einschließlich der Sinne ein träges Objekt, welches durch
das SUBJEKT, - das BRAHMAN-BEWUSSTSEIN - , erleuchtet wird.
"Alles, was dieses Herz und dieser Verstand, was Bewußtsein, Herrschaft, Unterscheidung, Intelligenz, Wissen, Wahrnehmung, Standhaftigkeit, Gedanke, Gedanken-Kontrolle, Verzagtheit, Erinnerung, Wille, Bestimmung, Leben, Wunsch, Anhaftung usw. sind, - all diese Dinge sind bloße Namen des REINEN BEWUSSTSEINS. All diese Dinge werden durch BEWUSSTSEIN gelenkt und alles ist im BEWUSSTSEIN verankert; die Welt hat BEWUSSTSEIN als ihren Führer. BEWUSSTSEIN ist der Grundstock (für alles). BEWUSSTSEIN ist BRAHMAN" -AIT.UPANISHAD, III.2.,3. "Wer immer erkennt, 'ICH BIN DAS ABSOLUTE ', wird dies ALLES" -BRIH.UPANISHAD,
I.4.10 ES ist die Unendlichkeit der äußersten Erkenntnis. ES kennt sich selbst als SELBST-IDENTISCH. "Es gibt niemanden, der ES kennt. ES ist das GROSSE ANFÄNGLICHE SEIN" -SVET.UPANISHAD, III.19.
ES ist übergeistige BEWUSSTHEIT, welche die Essenz der EXISTENZ bildet. ES ist BEWUSSTSEIN ohne Gedanke. ES ist 'PARAM VIJNANAT', d.h. 'über der relativen Erkenntnis befindlich '. Das SELBST ist REINES BEWUSSTSEIN, wie es allen Bewußtseinsveränderungen zugrundeliegt, die in der Bewußtseinsform äußerer Bedingungen oder Objekte arbeitet. Das menschliche Bewußtsein zeichnet sich durch Objektivität aus. Es ist eher Erkenntnis oder Wahrnehmung als einfaches, unverfälschtes BEWUSSTSEIN. Erkenntnis und Wahrnehmung sind die Erkenntnisprozesse des Denkorganes und der Sinne. Im Wachzustand des einfachen Bewußtseins empfangen die verschiedenen Sinne unterschiedliche Erkenntnisformen, wobei die Arbeitsweise und Erkenntnisfähigkeit eines Sinnesorgans ganz verschieden von - und ohne Verbindung zu - den anderen Sinnesorganen ist. So kann z.B. das Auge nur Formen erkennen und das Ohr nur Klänge hören. ERKENNTNIS unterscheidet sich hinsichtlich der verschiedenen Sinne. Doch selbst wenn diese Sinneswahrnehmungen völlig voneinander abgeschnitten sind, ist die PERSON, welche diese Sinnes-Wahrnehmung erfährt, ein und dieselbe. Die PERSON ist der Zusammenhalt aller Sinneswahrnehmungen, die untereinander keine Beziehungen haben. Ein und dieselbe PERSON erfährt Formen, Klänge, Berührungen, Geschmäcker, Gerüche usw. und fühlt: "ICH bin der Seher, der Hörer" usw.; fühlt aber nicht, daß z.B. der Seher sich vom Hörer unterscheidet. Der Letztendliche KENNER muß daher ein UNTEILBARES, ABSOLUTES GANZES BEWUSSTSEIN sein. Wäre da nur die leichteste Unterscheidung in der zusammensetzenden ESSENZ des KENNERS, - vorausgesetzt, der Kenner besteht aus Teilen -, dann würde ein zusammenfließendes Erkennen niemals möglich sein. Wäre eine Teilung im Kenner vorhanden, was wäre die Beziehung zwischen den Teilen? Wenn ein Teil vom anderen Teil abweicht, was existiert dann zwischen den beiden Teilen? Die Frage kann nicht beantwortet werden, da ERKENNTNIS keinen Raum in sich selbst zuläßt. ERKENNTNIS geht der Idee von Raum, Zeit und Kausalität voraus. Wenn die Teile, von denen gesagt wird, daß sie das Bewußtsein oder den Kenner bilden, durch nichts anderes als den Kenner unterschieden werden können, dann ist der KENNER nicht länger eine Zusammensetzung von Teilen, sondern ein UNGETEILTES BEWUSSTSEIN, das absolut identisch mit Sich Selbst ist. Die NATUR des KENNERS muß ERKENNTNIS sein. Wenn nicht, was ist sie sonst? Die fundamentalste Erfahrung ist reines und einfaches BEWUSSTSEIN, frei von den sich selbstwidersprechenden Unterteilungen und Fluktuationen der Gedanken. Niemand kann etwas Größeres oder etwas Gleichwertiges zum BEWUSSTSEIN, das die letztendliche Grundlage aller Erfahrungen im Leben ist, erfahren. Das Denkorgan kann
auch nicht der Kenner der Sinneswahrnehmungen sein, obwohl es ohne die
Hilfe seitens der Sinne dazu fähig ist, zu erkennen und zu koordinieren,
zu arrangieren und systematisch die Sinneswahrnehmungen zusammenzufügen.
Gedanken unterscheiden sich an verschiedenen Plätzen, zu bestimmten
Zeiten und unter den jeweiligen Bedingungen, so daß es einen anderen
zusammenführenden Handelnden mit geistiger Erkenntniskraft geben
muß. Ansonsten könnte eine Person nicht erkennen, daß
sie ein und dasselbe Individuum ist, das die verschiedenen Gedankenarten
erfährt. Selbst 'Erinnerung' wäre nicht möglich, außer
für ein nicht-relatives Bewußtsein, das die Gedanken transzendiert.
Geistige Erkenntnis und sinnliche Wahrnehmung sind ihrer Natur gemäß
gegensätzlich. Daher zeigt die Möglichkeit und die Erfahrung
der Vereinten VOLLSTÄNDIGKEIT eines Selbst-identischen, Absolut
Unmittelbaren und Direkten BEWUSSTSEINS, daß das wahre SELBST
in Seiner Essenz REINES BEWUSSTSEIN ist, welches durch die revoltierenden
Handlungen des Denkorgans und der Sinne nicht berührt wird. Die
innewohnende Natur des KENNERS oder des SELBST muß transzendentales
BEWUSSTSEIN sein, denn am Beispiel des Tiefschlafes kann festgestellt
werden, daß, - wenn der Körper, der Lebensatem, die Sinne,
das Denkorgan, der Intellekt, das Ego, das Unterbewußtsein und
all das, was ein Individuum auszeichnet, (im Tiefschlaf) ausgeschaltet
ist und dadurch dessen Wichtigkeit als Existenz (im Wachzustand) verliert
- , daß dann die Person trotzdem noch existiert, was anhand der
Erfahrung der erwachten Person als 'mit großer Wahrscheinlichkeit
mit der vorher schlafenden Person identisch zu sein', überprüft
werden kann. Die EXISTENZ der innewohnenden Person, - das SELBST - ,
kann in der Bedingung des Tiefschlafes als eine 'Bewußtheit vom
Nichts' bezeichnet werden, wobei eine 'Bewußtheit vom Nichts'
bloße BEWUSSTHEIT bedeutet, da 'Nichts' als solches keine Bedeutung
hat. Weiterhin wird die Existenz der SELBST-ERFAHRUNG durch das unterschwellige
Erringen der Existenz von sich selbst (als Person) im Tiefschlaf erhärtet.
Da Erinnerung ohne vorherige Erfahrung nicht möglich ist, und da
Erfahrung niemals ohne Bewußtsein möglich ist, müssen
wir daraus schließen, daß das SELBST im Tiefschlaf als reines
BEWUSSTSEIN existiert. Dieses BEWUSSTSEIN existiert im Wachzustand als
die unveränderliche Basis des wechselhaften Denkorganes und der
Sinne. Im Traumzustand existiert ES als der Vermittler der geistigen
Funktionen. Die Objekte im Wach- und Traumzustand unterscheiden sich
voneinander, doch das BEWUSSTSEIN von den Objekten bleibt dasselbe,
- ES verändert sich nicht im Verhältnis zu den Objekten. Der
einzige Unterschied zwischen dem Wach- und dem Traumzustand ist der,
daß die Wirkung der Denkfunktion in der Wach-Erfahrung von den
Sinnen unterstützt wird, während in der Traum-Erfahrung nur
das Denkorgan arbeitet. Das BEWUSSTSEIN jedoch bleibt in beiden Zuständen
dasselbe. Da dieses BEWUSSTSEIN erwiesenermaßen auch im Tiefschlaf-Zustand
existiert, ist es offenkundig, daß dieses EINE BEWUSSTSEIN, ohne
die geringste Veränderung in sich selbst, in allen Erfahrungszuständen
andauert, ohne einer Vergangenheit oder Zukunft ausgesetzt zu sein.
ES unterscheidet sich von keinem anderen Bewußtsein noch von Sich
Selbst, jetzt und später, hier und dort, in diesem oder in jenem
Zustand, wie dies allgemein ja für Objekte und geistige Zustände
zutrifft. BEWUSSTSEIN ist immer Eines allein und stets einzigartig.
Wir können nicht von zweierlei Bewußtsein' sprechen, von
denen wir etwas empfangen, obwohl es zwei oder mehr geistige Zustände
geben mag. BEWUSSTSEIN ist daher EWIG. Metaphysisch betrachtet, muß
alles, was EWIG ist, ohne jede Einschränkung auch UNENDLICH sein,
da Begrenzung ebenfalls etwas ist, das vom BEWUSSTSEIN erkannt und folglich
auch transzendiert wird. Das SELBST ist ABSOLUTES BEWUSSTSEIN, BRAHMAN
oder BHUMA. Die Unwissenheit, die allgemein im Tiefschlaf erfahren
wird, kann keine tatsächliche Existenz sein, denn wäre dies
so, dann würde sie ein Gegenspieler zum BEWUSSTSEIN sein, wodurch
Bewußtsein wiederum begrenzt und zerstörbar würde. Die
Unlogik und Unmöglichkeit der Existenz von Unwissenheit annulliert
ihre (scheinbare) Bedeutung und bekräftigt die EXISTENZ des ABSOLUTEN
als ALLEINIGES BEWUSSTSEIN, das nicht eine nackte, merkmalslose Transparenz
ist, sondern das gesamte Universum der Objekte umfaßt. Ein jeder
erfährt als sein zugrunde liegendes SEIN oder SELBST nicht Unwissenheit,
sondern BEWUSSTSEIN. Das SELBST ist deshalb in dem Sinne verschieden
von Unwissenheit, als BEWUSSTSEIN nicht Unwissenheit ist, was aber nicht
bedeutet, daß das SELBST dadurch Zeuge einer objektiven Unwissenheit
ist, die ebenfalls Existenz ist. Das SELBST stirbt
nicht, noch ist ES geboren und ES unterliegt auch keiner Veränderung.
Gäbe es diese Veränderungen, müßten sie von einem
anderen Bewußtsein erfahren werden, dessen Einspruch zu einem
unendlichen Rechtsanspruch führen würde. Das letztendlich
erfahrende BEWUSSTSEIN ist das SELBST. Dieses ABSOLUTE SELBST ist SELBST-ERLEUCHTUNG,
NICHT-DUALITÄT, UNABHÄNGIGKEIT, BEWUSSTSEIN, das ALLEINIGE
SEIN. BRAHMAN ALS WONNE ODER GLÜCKSELIGKEIT
ABSOLUTES SEIN ist die Höchste VOLLKOMMENHEIT. VOLLKOMMENHEIT ist WONNE. Das SELBST ist der Sitz ABSOLUTER LIEBE, ohne irgendein Objekt außerhalb von Sich Selbst. ES ist WONNE ohne Vergegenständlichung, denn BRAHMAN-WONNE wird nicht durch den Kontakt von Subjekt mit Objekt erreicht. LIEBE und WONNE sind hier (reine) EXISTENZ. DAS, was IST, ist die WONNE des BEWUSSTSEINS, welche EXISTENZ ist. Das Höchste Ziel aller Bemühungen ist die Befreiung von der gegenwärtigen Bedingung des begrenzten Lebens und das Erreichen von "BHUMA, das WONNE ist ". "Das Große
UNENDLICHE allein ist WONNE, wohingegen es in dem kleinen Endlichen
keine Wonne geben kann. Wo es weder Sehen noch Hören oder Erkennen
von irgend etwas Zweitem gibt, - das ist das UNENDLICHE"
-CHH.UPANISHAD, VII.23.24.
ABSOLUTE EXISTENZ ist ABSOLUTE ERKENNTNIS und ebenso ABSOLUTE WONNE. Das zu erfahrende BEWUSSTSEIN von WONNE hängt vom Wachstum und der Ausdehnung ab, die wir im BEWUSSTEN SEIN unseres SELBST verspüren.'SAT-CHIT-ANANDA' deutet nicht auf eine dreifältige Existenz hin, sondern ist ABSOLUTE SELBST-IDENTITÄT. Die Welt erscheint wirklich, intelligent und wonnevoll, da sie sich selbst auf dem Hintergrund von etwas projiziert, das essentiell 'WIRKLICHKEIT-INTELLIGENZ-WONNE ' ist. "Wahrlich, DAS
ist die Essenz. Nur durch den Erhalt dieser Essenz wird jemand mit WONNE
erfüllt. Ansonsten, - wer würde atmen und wer würde leben,
gäbe es keine WONNE in der (räumlichen) Existenz! Wahrlich,
diese Essenz ist die Quelle der WONNE".
-TAITT.UPANISHAD, II.7.
Diese ESSENZ ist
verliehene WONNE und FURCHTLOSIGKEIT, doch "würde jemand den
geringsten Unterschied in ihr herstellen, müßte er sich fürchten". "Dieses SEIN (BRAHMAN) ist die Höchste WONNE." -BRIH.UPANISHAD, IV.3.32
Die MUNDAKA UPANISHAD nennt die WIRKLICHKEIT "WONNEVOLLE UNSTERBLICHKEIT". Gemäß der TAITTIRIYA UPANISHAD ist dasjenige die WIRKLICHKEIT, "dessen SELBST die WAHRHEIT, die WONNE des Lebens, die FREUDE des Verstandes, die FÜLLE des Friedens und die UNSTERBLICHKEIT ist." Die wiederholten Verlautbarungen des Weisen YAJNAVALKYA, - "was immer anders ist als DAS, ist verkehrt", "derjenige, der ohne die Erkenntnis dieses UNVERGÄNGLICHEN dahinscheidet, ist beklagenswert", - betonen die absolute Hoheit der WONNE BRAHMANS, zu der im Vergleich selbst die höchsten Himmel und die Wohnstätte des Schöpfers nur (Orte der) Dunkelheit und Sorgen sind. Es wird gesagt, daß die natürlichen Erscheinungen von Hunger und Durst, Schmerz und Illusion, Alter und Tod durch DAS HÖCHSTE SEIN, das über allem Bösen und Sündigen ist, überschritten wird. BRAHMAN ist nicht 'wonnevoll', sondern 'WONNE', nicht 'bewußt', sondern 'BEWUSSTSEIN', nicht 'existent', sondern 'EXISTENZ'. DAS nimmt weder zu noch ab; DAS ist der OZEAN der VOLLKOMMENHEIT, ohne Ebbe oder Flut und angefüllt bis zum äußersten Rand Seines SEINS, nichts hinzufügend und auch nichts abgebend. DAS ist die wirkliche Natur des SELBST, in dem man vom 'Etwas-Bewußtsein' ins 'ALL-BEWUSSTSEIN' aufsteigt, wo der Erkenner und das Erkannte, der sich Erfreuende und das Erfreute eins sind, wo man über alle Wünsche hinausgehoben wird und nichts außerhalb sieht. Es wird gesagt, daß das SELBST in fester Umarmung mit dem SEIN, dessen Essenz die ERKENNTNIS ist, nichts erkennt, weder außen noch innen, da dies das WAHRE EINE ist, in dem allein das SELBST der Wunsch ist, der alle Wünsche und Sorgen in sich auflöst. Das ist der Höhepunkt der WONNE und der WEISHEIT, der auf einem geringen Anteil DESSEN beruht, DAS das gesamte Universum erhält. "Wer sich der WONNE BRAHMANS bewußt ist, fürchtet sich vor nichts." Wer Ruhe findet in DEM, das unsichtbar, körperlos, unausdrückbar und unergründlich ist, hat die FURCHTLOSIGKEIT erreicht." Denn dieser ATMAN ist STILLE und FRIEDEN, - "SHANTOYAMATMA". Von der scheinbar dreifachen Natur der WIRKLICHKEIT wird behauptet, daß sie in WAHRHEIT einfach ist. "DAS, was FREUDE ist, ist dasselbe wie SEIN, welches LEBEN ist" (CHH.UPANISHAD, IV.10.5.). Nichtexistenz ist die EXISTENZ der Abwesenheit von Existenz. EXISTENZ ist die Grundlage aller positiven und negativen Dinge. EXISTENZ ist ein Wert, der immer durch ein bewußtes SEIN eingeschätzt wird. Obwohl EXISTENZ 'in Sich Selbst ' kein (eigener) Wert ist, ist SIE dies in ihren 'wahrgenommenen' objektiven Phasen. Die Abwesenheit von Bewußtsein annulliert jeden Wert, einschließlich der Existenz. Wahrnehmung und andere Wege der Erkenntnis sind möglich aufgrund der INTELLIGENZ, die dem Mechanismus des einfachen Bewußtseins zugrundeliegt. INTELLIGENZ oder BEWUSSTSEIN ist nicht-objektiv und Objektivität ist somit eine Selbst-Begrenzung, hervorgerufen durch eine Veränderung im Erkenntnis-Prozeß. BEWUSSTSEIN muß daher unbegrenzt und unendlich sein. "Das UNENDLICHE ist I<. Alle Wesen sind I<, da sie I<, daß sie I<". Das SEIN der WIRKLICHKEIT besteht in ERFAHRUNG, - unwidersprochen durch Transzendenz und ungehemmt von Veränderung. Alle Erscheinungen verschmelzen in diesem EINEN GANZEN und verschwinden in IHM. Diese WIRKLICHKEITS-ERFAHRUNG ist EINE allein, ohne jeden Zusatz und wahr in sich selbst; über dem Denken und über jedem Teilaspekt des Seins, vielmehr alles einschließend, so daß nichts vollständig sein kann, ohne im wirklich REALEN, - dem ABSOLUTEN - , eingetaucht zu sein. Dieses SEIN kann nur EINS sein, da ERFAHRUNG immer etwas GANZES ist und da Unzufriedenheit stets die Wirkung eines Glaubens in unabhängige Mehrheiten und äußere Beziehungen ist, die sich endlos gegenseitig widersprechen. Das ABSOLUTE wird, unabhängig von den Millionen von Wegen sich IHM zu nähern, als ein und dieselbe UNBEGRENZBARE FÜLLE erfahren. Das ABSOLUTE handelt nicht, da Handlungen ohne das Ichbewußtsein, das zu einer Diskrepanz in der VOLLKOMMENHEIT des ABSOLUTEN führen würde, unmöglich sind. Denken und Sprechen sind gleichermaßen unlogische Vorstellungen in einem Zustand des ABSOLUTEN. Es gibt keinen Vergleich, keine passende Beschreibung und keine vernünftige Erklärung, welche die NATUR des ABSOLUTEN bestimmen könnte. Das WIRKLICHE ist überrational. ES wird 'erfahren ' und nicht (bloß) 'verstanden '. ES ist die intensivste TATSACHE, nichts ist wahrer als das ABSOLUTE. Alles andere als DAS ist eine Null. ES ist raum- und zeitlos, Unteilbar und Unzerstörbar. ES ist sozusagen Etwas, in dem die gesamte Existenz verloren zu gehen scheint, aber ES ist DAS, in dem alles in der härtesten Wirklichkeitsform gefunden wird. Wenn das ABSOLUTE als I< bezeichnet werden kann, dann ist alles andere nichts als Tod. ES ist selbst über dem Höchsten Intellekt, über I<angesiedelt. ES ist nicht GOTT, vielmehr ist ES die ESSENZ von GOTT, - die HÖCHSTE INTUITION. ES ist das ALLGEMEINE UNPERSÖNLICHE, über jeglicher Unterscheidung. ES ist das GROSSE UNBEWEGLICHE, durch das alles bewegt wird. "Alle Dinge existieren um des UNENDLICHEN SELBST' willen." "Wenn wir sie nicht als solche (relativen Dinge) erachteten, würden sie uns entschwinden." Wir lieben die Dinge, da wir das UNENDLICHE, das wir selbst sind, lieben. In jeder Handlung geistiger Liebe ruft das UNENDLICHE nach dem UNENDLICHEN, das ausschließlich in Sich und für Sich Selbst ist. Wir lieben nichts um seinetwillen; wir lieben alles um des SELBST' willen. Dieses SELBST ist nicht irgend etwas, das wir kennen. ES ist nicht einmal das Bewußtsein, wie wir es verstehen, denn Bewußtsein im einfachen Sinne ist ein fließendes Phänomen entsprechend dem Eintritt der WIRKLICHKEIT in die Elemente, die die Formen hervorrufen. All das existiert in der unterschiedslosen WIRKLICHKEIT. "So ist wahrhaftig die UNSTERBLICHKEIT", sagte YAJNAVALKYA. Daß das SELBST von Natur aus ABSOLUTE WONNE ist, beweist die Tatsache, daß ES Ewiges, Selbst-leuchtendes BEWUSSTSEIN ist. Es kann im BEWUSSTSEIN keine Unvollständigkeit geben. Außerdem ist es selbstverständlich, daß ES frei ist von allen Wünschen, da ES absolut ist und somit alles in sich einschließt. Leid ist die Wirkung aus dem Nichtbesitz von etwas, das gewünscht wird oder aus dem Besitz von etwas, das nicht gewünscht wird. Beides trifft für das ABSOLUTE nicht zu, da ES allein ist. Leid ist folglich im ABSOLUTEN unmöglich. Da im ABSOLUTENweder Hitze noch Kälte, Hunger oder Durst, weder Gram, Täuschung, Unwissenheit, Leidenschaft, Krankheit, Niedergang oder Tod vorhanden sind, kann durch sie auch kein Leid entstehen. Die Abwesenheit von Beziehungen mit objektiver Existenz, - was den Merkmalen von 'ASANGATA' (Nicht-Anhaftung) und 'KEVALATA' (Absolutheit) entspricht -, zeigt, daß das ABSOLUTE vollständig frei von Leid und Kummer ist. Die psychologischen, physischen und sonstigen schweren Sorgen finden hinsichtlich ihres Wunsches nach äußerlicher oder innerlicher Unterscheidung im ABSOLUTEN keinen Platz. Leid ist der Zustand, in dem sich ein Individuum, unter bestimmten gegebenen Umständen, durch eine besondere Erfahrung im Umgang mit einem Objekt oder einer Bedingung befindet. Das ABSOLUTE ist jedoch weder eine Bedingung unter vielen Bedingungen, noch eine Ebene unter vielen Ebenen, geschweige denn ein Individuum. Das ABSOLUTE erfährt keine Umstände oder Umgebungen. Seine ERFAHRUNG ist beziehungslos, weshalb es nichts derartiges wie beziehungsloses Leid gibt, da Leid eine objektive Erfahrung und deshalb relativ ist. Kontakt ist die Mutter allen Leides. Das ABSOLUTE hat keinerlei Kontakt (zu irgend etwas Zweitem) und kennt folglich auch kein Leid. Weiterhin zeigt die allgemeine Erfahrung, daß GLÜCKSELIGKEIT eine TATSACHE im Leben ist. Sie ist der Höchste Wert im Leben. Es kann keine andere Bedeutung in den Handlungen des Lebens geben, als den Versuch, auf diese oder andere Weise GLÜCKSELIGKEIT zu erlangen, - was auch immer die Quantität oder Qualität der abgeleiteten Glückseligkeit sein mag. Tatsächlich gibt es in der GLÜCKSELIGKEIT keine Unterschiede, und wenn trotzdem eine Abstufung empfunden wird, beruht dies auf den Abstufungen und Unterschieden, die in den Mitteln gegenwärtig sind, die zum Zweck des Glückseligkeits-Erwerbes benötigt werden, nicht aber in irgendwelchen Unterschieden innerhalb der GLÜCKSELIGKEIT Selbst. Das Licht und die Hitze von Feuer unterscheiden sich den unterschiedlichen (Brenn-) Mitteln gemäß, durch die das Feuer brennt. Glückseligkeit in dieser Welt wird, wenn auch nicht immer als allgemein das Ergebnis des Kontaktes des Denkorganes oder der Sinne mit bestimmten, wünschenswerten Objekten oder Zuständen erfahren. Kein Objekt oder Zustand kann tatsächlich in sich selbst wünschenswert sein, - denn wäre dies der Fall, dann würde ein und dasselbe Ding in jedem Wesen dieselbe Art von Liebe hervorrufen. Dies trifft aber keineswegs zu. Ein und dasselbe Ding kann Liebe oder Haß in unterschiedlichen Wesen erzeugen. Ein Mensch kann zur gleichen Zeit sowohl der Freund von jemandem als auch der Feind von jemand anderem sein. Man kann Würmer beobachten, die selbst in beißend-stinkenden und giftigen (anstatt in süßen) Früchten schwelgen. Ein und dasselbe Ding kann einer Person unter verschiedenen Bedingungen in unterschiedlicher Art und Weise erscheinen. Die Ansicht, daß irgend etwas aus sich selbst heraus erfreulich ist, stimmt nicht. Doch was ist dann Glückseligkeit und wo ist Glückseligkeit? Wenn Glückseligkeit allgemein durch den Kontakt des Subjektes mit dem Objekt erfahren wird, und wenn Glückseligkeit nicht die Natur des Objektes selbst sein kann, dann muß sie entweder die Natur des Subjektes oder die des Kontaktprozesses selbst sein. Der Kontaktprozeß als solcher ist nicht selbst-existent, sondern besteht nur als eine Gedankenbewegung, die durch das Subjekt der Erkenntnis selbst ausgelöst wird, was zu der Annahme berechtigt, daß GLÜCKSELIGKEIT allein zum Subjekt gehört. Doch, warum ist dann überhaupt Kontakt notwendig, um vorhandene GLÜCKSELIGKEIT im Subjekt aufsteigen zu lassen? Die Wahrheit ist, daß das Subjekt, wenn es sich ein Objekt der Liebe vorstellt oder (mit physischen Augen) anschaut und solchermaßen mit ihm in Kontakt kommt, sich eigentlich die Form vorstellt, anschaut und erfährt, die durch den Ausdruck des eigenen Wunsches, der das Objekt der Wahrnehmung oder der Erkenntnis durchdringt, Gestalt annimmt. Es ist der Wunsch des Subjektes, der im Objekt leuchtet und dieses anziehend werden läßt. Die Schönheit (des Objektes) ist im Betrachter verankert. Wenn das Subjekt das wünschenswerte Objekt berührt, dann erfreut sich das Subjekt seiner eigenen Wünsche und identifiziert sich mit diesen Wünschen, was konsequenterweise zu einem vorübergehenden Stillstand der Wünsche führt, solange sich diese in Übereinstimmung mit dem Gefühl der Befriedigung des Subjektes und dessen Vorstellung, das Objekt besessen zu haben, befinden. Da im Subjekt bereits BEWUSSTSEIN vorhanden ist, stellt sich vorübergehend das Gefühl ein, keine Wünsche mehr zu haben und mit dem objektivierenden Gedankenprozeß, - das Objekt (durch dessen Besitz) zu kennen -, identisch zu sein. Sobald die Gedanken im subjektiven Bewußtsein ruhen, ist das Subjekt unter Ausschluß von allem, - selbst der Wünsche -, einfach nur seiner selbst bewußt. Da die Wünsche in diesem Stadium jedoch nicht erlöschen, sondern lediglich zurückgehalten worden sind, handelt es sich hier nur um einen blitzartigen Prozeß in Form einer momentanen Erfahrung von extrem kurzer Dauer. Wenn man sich eines Wunschobjektes erfreut, entsteht ein leuchtendes Gefühl der Unabhängigkeit oder der Freiheit von Äußerlichkeiten, da durch den Erwerb des Objektes das leidvolle Gefühl der Abhängigkeit von demselben beseitigt ist. Wenn ein Subjekt auf irgendein Objekt schaut, richtet sich der Blick nicht wirklich auf das 'Objekt', sondern auf die 'Vorstellung', die das Subjekt vom Objekt hat. Solange ein Subjekt Interesse zeigt, ist ein Objekt nicht wirklich ein Objekt, sondern eine Bewegung, die das erkennende BEWUSSTSEIN in seiner unteilbaren Natur unternommen hat. Da diese Bewegung untrennbar vom BEWUSSTSEIN des Subjektes ist, handelt es sich, wenn die Form des Objektes als korrekte wechselseitige Erfüllung seiner Wünsche vor ihm steht, um das meist Geliebte, - das als das eigene SELBST geliebte -, oder aber, wenn es sich um die entgegengesetzte Form handelt, um das meist Gehaßte. Hieraus läßt sich trefflich die Vorliebe für bestimmte Objekt ableiten. Wie ein Hund, der sein eigenes Spiegelbild anbellt, so entwickelt eine Person in Übereinstimmung mit der Idee, die sie von einer Sache hat, eine besondere Neigung zu ihr. Man kann an nichts denken, außer in Begriffen der eigenen Wünsche und Vorstellungen. Wo kein Wunsch nach etwas ist, kann auch keine Glückseligkeit daraus entspringen. Wenn die Wünsche zurückgehalten werden, verweilen die Objekte so, wie sie sind. Doch solange jemand auch nur einen einzigen Wunsch hegt, ist es ihm nicht möglich zu erkennen, welches Objekt sich wirklich vor ihm befindet. Das Denkorgan, in dem sich ein Wunsch versteckt, ist wie gefärbtes Glas, durch das wir mit der Vorstellung auf ein Objekt schauen, daß dieses nur aus der einen (reflektierten) Farbe besteht und aus sonst nichts. Das Glücksgefühl, das wir erfahren, besteht daher aus der Erfahrung von der Abwesenheit des Wunsches, obwohl dies nur vorübergehend der Fall sein mag. Kontakte mit Objekten vermehren das Leid, da durch sie der falsche Glaube in die freudebringenden Objekte noch verstärkt wird, und jeder Kontakt einen weiteren Wunsch zur Wiederholung der Bemühung um noch mehr Kontakte erzeugt. GLÜCKSELIGKEIT ist die Natur des SELBST ohne Wünsche, und jeder Wunsch vermehrt das Leid je nach dem Grad der Intensität zu sich selbst. Mehr noch, - die Liebe des SELBST (zu Sich Selbst) ist die Grundlage aller Liebe. Einer liebt den anderen nur wegen der Liebe des SELBST. Der letztendliche Zweck aller Liebe ist es, in der Zufriedenheit des eigenen SELBST zu ruhen. Wahrnehmung und Kontakt arbeiten als Helfer zur Entschleierung der subjektiven Wünsche, die die äußeren Objekte umhüllen. Deshalb sind die Motive hinter den wahrnehmenden und vorstellungsbedingten Kontakten nicht so sehr darauf ausgerichtet, irgend etwas von dem Objekt zu erwerben, als es vielmehr zu einem Instrument zur Entschleierung des Denkorganes zu machen, was wiederum ein rein selbstsüchtiger Prozeß ist, den das individuelle Subjekt aus Erfolgsgründen unternimmt. Vorstellung oder Wahrnehmung entspricht auf gewisse Weise der Bemühung, einen Wunsch zu erschöpfen, obwohl wegen dem darin enthaltenen offenkundigen Irrtum ein anderer Wunsch aufsteigen kann. Kontakt ist nicht die geeignete Methode, um GLÜCKSELIGKEIT 'zu erwerben ', sondern eher ein 'Mittel zur Befreiung' von dem Wunschleiden, wodurch indirekt das SELBST erfahren wird. Doch selbst die vorübergehende Erfahrung von Glückseligkeit aufgrund des Kontaktes, sollte nicht als ein, - wenn auch winziger - , Genuß wahrer SELBST-WONNE mißverstanden werden, denn durch den Kontakt werden die Wünsche nicht ausgelöscht, weshalb dieses kontaktbedingte Glück auch nur eine, durch die materielle Qualität von SATTVA-GUNA (Reinheit) reflektierte SELBST-WONNE ist. Kontakt ist lediglich ein Anreiz für SATTVA-GUNA, das allein GLÜCKSELIGKEIT reflektieren kann. Sinneskontakt ist eine, aus getäuschter Wahrnehmung geborene, grobe Methode zur Wunscherfüllung und kann niemals dem Erfahrenden die WIRKLICHE WONNE verschaffen, nach der dieser verlangt. Niemand liebt etwas wirklich um dessentwillen, da nichts in diesem Universum einen wahrhaftig objektiven Wert hat, der für alle Zeiten gültig ist. Alle Werte gehen vom SELBST aus und bestehen im SELBST. Das SELBST allein ist der letztendliche und unendliche Wert in allen Dingen. Eine sorgfältige Analyse wird offenbaren, daß alle Kontakte ihre Bedeutung in der 'Selbst-Befriedigung' haben. 'Selbst-Befriedigung' in seiner individuellen Bedeutung ist nur eine vergängliche Freude und eine Täuschung, die durch die Handlungsweise der Gedankenbewegungen hervorgerufen wird. Selbst geistige Befriedigung, die über die Sinneswege stattfindet, ist nicht das, über das Denkorgan und die Sinne angestrebte Ziel. Niemand wird durch einen objektiven Prozeß dauerhaft zufriedengestellt. Das SELBST des Menschen hungert nach EWIGER BEFRIEDIGUNG, doch was es bekommt, ist ein Becher Gift, den es in der Dunkelheit findet und trinkt, - der eigentlichen Vision beraubt, mit der die wahre Natur der Dinge erblickt wird. Niemand würde bewußt Gift trinken, auch nicht bei großem Durstgefühl. Es ist nicht die Absicht des SELBST, sich mit trügerischen Luftspiegelungen zufrieden zu geben, doch es leidet unter dem Mangel an wahrer Erkenntnis und den Ablenkungen seitens der quälenden Erscheinungen des Lebens. Eigentlich liebt das SELBST nur die Höchste ESSENTIELLE EXISTENZ, die es als EINS mit Sich Selbst zu verwirklichen versucht, die jedoch inmitten des Lärmes der Sinne, den Kapriolen des Denkorganes und den Farben und Geräuschen der Objekte in dieser Welt nicht entdeckt werden kann. Die Liebe des SELBST ist unübertrefflich. Sogar ein Selbstmord, der begangen wird, beweist nur die HÖCHSTE LIEBE, die gegenüber dem SELBST offenbar wird, denn daß eine solche Handlung überhaupt begangen wird, beruht auf dem Ekel gegenüber irgendwelchen Bedingungen des Lebens und nicht auf dem Haß gegen das SELBST. Selbstmord ist die Wirkung einer quälenden Art von objektivem Kontakt, einer ätzenden Anhaftung an ein bestimmtes Phänomen, einem unerfüllten objektiven oder nicht erreichten relativen Ziel. Der Ekel dem eigenen Leben gegenüber entspringt der Unzufriedenheit mit einem besonderen Lebenszustand oder einer unerfreulichen Erfahrung im Leben, doch nicht dem LEBEN Selbst. Niemand empfindet im Herzen, daß er absolut aufhören sollte zu existieren. Ein jeder wünscht sich ein EWIGES LEBEN voll immerwährender WONNE. Ein leidvolles Leben wird verabscheut und ein angenehmes begehrt. Die Liebe der UNSTERBLICHEN WONNE als identisch mit dem SELBST zu erfahren ist bedingungslos und kennt keinen Vergleich. Diese
SELBST-LIEBE erleidet keine Verringerung, auch wenn es keine Objekte
gibt. Im Tiefschlaf, wenn keine Objekte erfahren werden, verbleibt die
GLÜCKSELIGKEIT des SELBST unverändert. Sogar das liebste Objekt
würde von jemandem zurückgewiesen, um die GLÜCKSELIGKEIT
des Tiefschlafes zu haben. Ja selbst ein Königreich wird bedeutungslos,
wenn sich der Schlaf einstellt. Das GLÜCK des Tiefschlafes, in
dem keine Kontakte stattfinden, ist größer als die, durch
Sinneskontakt hervorgerufene Freude. Es gibt Situationen, wo jemand
allem überdrüssig und selbst von den liebsten Dingen angewidert
ist. Die, in dieser Zeitspanne erfahrene Freude und Freiheit ist größer
als die scheinbare Befriedigung in Zeiten der Anhaftung und der Liebe
zu Objekten. All dies deutet letztlich auf das ZENTRUM der GLÜCKSELIGKEIT,
auf das ABSOLUTE SELBST hin. Welche Freuden jemand im einfachen Leben
auch haben mag, sie sind lediglich eine, durch das Denkorgan hervorgerufene,
verdrehte Spiegelung der SELBST-WONNE und deshalb unbeständig und
niemals befriedigend. Die Glückseligkeit des Tiefschlafes wird
zweifellos nicht durch irgendeine Intelligenz reflektiert, die irgendeine
Art von Gedankentätigkeit zuläßt; doch daß der
Wert (der Glückseligkeit) nicht verwirklicht wird, beruht auf der
Abwesenheit des BEWUSSTSEINS im Tiefschlaf. Durch die Gegenwart der
nichtoffenbaren Form des Denkorganes im Tiefschlaf wird die, durch das
BEWUSSTSEIN erleuchtete OFFENBARUNG der WONNE verhindert. Zur VERWIRKLICHUNG
der EWIGEN WONNE ist die Auflösung des stofflichen Denkprozesses,
sowohl in dessen entwickelten als auch unentwickelten Zuständen,
notwendig. Diese WONNE wird im SELBST erfahren und sonst nirgends. Da
das SELBST seiner Natur gemäß Absolut ist, ist die WONNE
des SELBST ebenfalls Absolut. WONNE ist kein Attribut, sondern die wahre
ESSENZ des SELBST. Das SELBST ist BRAHMAN, und SELBST-WONNE ist BRAHMAN-WONNE.
RAUM, ZEIT UND URSÄCHLICHKEIT
Das UNZERSTÖRBARE SEIN wird als DAS verkündet, in das der 'Raum' der Länge und Breite nach verwoben ist und in dem alles, was über den Himmeln und unter der Erde, was zwischen Himmel und Erde und was in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft befindlich ist, innen und überall durch 'Raum' miteinander verwoben ist. "Dieser BRAHMAN hat weder vorne noch hinten, weder innen noch außen." ES ist Raumlose UNENDLICHKEIT, "die unter und über dem Westen und Osten, dem Süden und Norden ist; ES allein ist die gesamte EXISTENZ" (CHH.UPANISHAD, VII.25). "ES ist nach allen Seiten hin Unendlich." Räumlichkeit ist das Eingeständnis der Verschiedenheit, welche der unbedingten Nicht-Dualität BRAHMANS abträglich ist. Raum ist eine Abweichung von der REINEN VOLLKOMMENHEIT, da er das Zeitliche in der EXISTENZ zuläßt. "Dieses SELBST ist kleiner als ein Reiskorn; dieses SELBST ist größer als das gesamte Universum" (CHH.UPANISHAD, III. 14.3). "Dieses SELBST ist ein Teil des hundertsten Teiles einer Haarspitze, die wiederum hundertfach unterteilt ist; und dieses (SELBST) steigt zur UNENDLICHKEIT empor" (SVET.UPANISHAD, V.9.). UNTEILBARKEIT deutet auf die Unabhängigkeit von Raum hin, denn alles, was im Raum ist, ist teilbar. ALLGEGENWART ist Raumlosigkeit. "BRAHMAN ist dort (an einem Punkt), und was dort ist, ist auch hier" (VIDE KATHA UPANISHAD, II.1.10). "Dieses Unermeßliche Ewige SEIN muß als eine EINHEIT erkannt werden;" "derjenige, der hier Dualität wahrnimmt, stirbt wieder und wieder" (BRIH.UPANISHAD, IV.4.20,19). Raum wird folglich in BRAHMAN transzendiert. Die Zeit wird ebenso in BRAHMAN aufgehoben. "DAS, was Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ist, und was diese dreifache Unterteilung der Zeit transzendiert, ist das unzerstörbare OM, das ALL, - BRAHMAN" (MAND.UPANISHAD, 1.2). BRAHMAN ist 'ANADI ' und 'ANANTA', d.h. von unbegrenzter Dauer, welche Zeitlosigkeit ist. "Über diese Brücke (ATMAN) können weder Tag noch Nacht, weder Alter noch Tod gehen" (CHH.UPANISHAD, VII,4,1). Die unverzügliche Abfolge des Bewußtseins-Blitzes, seine ABSOLUTE UNMITTELBARKEIT der ERFAHRUNG, seine Unabhängigkeit von Grenzen und seine ‘nicht auf Objekte’ Natur kennzeichnen sein zeitloses Wesen. Ursache ist Bewegung, und es kann über DAS, was Vollkommen WIRKLICH ist, nicht gesagt werden, daß ES sich bewegt. Bewegung ist Vergänglichkeit der Natur, doch BRAHMAN ist EWIG. In dieser essentiellen WIRKLICHKEIT gibt es keinen Weltprozeß, denn jeder Prozeß bedeutet Veränderung. Alles, was keiner Veränderung unterliegt, hat keine ist Ursache. Das UNZERSTÖRBARE, - 'AKSHARA' -, ist ohne die geringste Spur von Handlung. In der BRIHADARANYAKOPANISHAD (VI.4.20) wird das ABSOLUTE als "das GROSSE EINE, Ungeboren, Veränderungslos, Ewig, Unermeßlich, Fehlerlos, über den Raum sich erhebend" beschrieben. UDDALAKA sagt, daß alle Veränderungen nur bloße Namen, Wortmaterial und ohne Bestand sind. ES wird als verschieden von dem, was ins SEIN kommt und dem, was nicht ins SEIN kommt und als über den Tod hinausgehend und ohne Vergänglichkeit beschrieben. ES ist das EINE, von dem die Weisen unterschiedlich sprechen, und ES schließt jegliche Mehrheiten aus. Alle Beziehungen im Raum und Zeitenlauf werden zur Ursache einer Wirkung, oder zur Wirkung einer Ursache und zur Gegensätzlichkeit von Subjekt und Objekt. Die
objektive Welt von Raum, Zeit und Ursache repräsentiert lediglich
die Bedingung einer Erfahrung. Raum, Zeit und Ursächlichkeit sind
gegenseitig voneinander abhängig und keines von ihnen scheint den
Charakter der WIRKLICHKEIT zu haben. Ohne das eine, kann das andere
nicht erklärt werden, und jegliche Beweisführung würde
zu einem endlosen Teufelskreis führen. Eine vernünftige Begründung
ist nicht möglich, da selbst die Vernunft an diese Vorstellungen
gebunden ist. Raum, Zeit und Ursächlichkeit bedingen den Denkvorgang
als solchen und sind somit das Arbeitsmaterial aller Erkenntnismethoden,
- daher ist die menschliche Erkenntnis lediglich ein anderer Name
für die bewußte Offenbarung dieser Beziehungen. Objektiv
kann nichts, außer diesen Beziehungen erkannt werden. Raum, Zeit
und Ursächlichkeit repräsentieren letztlich nur Ideen und
nichts weiter. Sie sind die Selbst-Projektionen des Gedankenprozesses
in der Form einer äußeren Welt, um die Denkhandlung als solche
überhaupt zu ermöglichen und ihr einen besonderen Wert beizumessen.
Das Naturgesetz gilt immer in Beziehung zu einem Individuum oder einer
Gruppe von Individuen und ist niemals eine ewig existente Tatsache,
außer natürlich im Sinne der EWIG VERÄNDERUNGSLOSEN
UNTEILBAREN NATUR BRAHMANS. Raum, Zeit und Ursache sind bestimmte Wahrnehmungsweisen
äußerer Objektbedingungen und stellen somit Beziehungen dar
und nichts, was wirklich existent ist. Das wahrnehmende Denkorgan wünscht
nicht in einer chaotischen Art und Weise, sondern immer in System- und
Ordnungsbegriffen zu arbeiten. Zu diesem Zweck sind diese universell
anerkannten Beziehungen namens Raum, Zeit und Ursächlichkeit von
dem wahrnehmenden BEWUSSTSEIN, das individualisiert und veräußerlicht
ist, formuliert worden. Das gesamte Universum setzt sich aus den drei
Ideen von Raum, Zeit und Ursache zusammen. Sie sind die wirkliche
Bedingung aller Erkenntnis und Erfahrung in einem Individuum, und aus
diesem Grunde weigern sich diese Konzepte, selbst zu Objekten der Erkenntnis
zu werden. Entweder erkennen wir alles in Begriffen von Raum, Zeit
und Ursache, oder wir erkennen überhaupt nichts. Die Individualität
unterliegt diesen Kategorien der relativen Erfahrung und daher ist die
gesamte Erkenntnis im Universum relativ und phänomenal, - ein Notbehelf
ohne letztendliche Gültigkeit. Da Raum, Zeit und Ursache die idealen
und notwendigen Konstruktionen aller empirischen Erfahrung sind, sind
die Objekte der Erfahrung ebenso nur bloße Bedingungen, 'Paßformen',
die relativ zur WIRKLICHKEIT des Erfahrenden sind und keine Unabhängige
EXISTENZ haben. Das Objekt der Wahrnehmung existiert nur für die
Dauer der jeweiligen geistigen Zustände der Individuen, in denen
das Objekt wahrgenommen wird. Unabhängig von dem Gedankenspiel
des Wahrnehmenden gibt es keine beständige Wirklichkeit einer Objektform.
Obwohl die ESSENZ der Welt und die der Individuen ABSOLUT WIRKLICH ist,
- denn zu dieser essentiellen EXISTENZ gehört alles, was unbestechlich
und unbegrenzt ist -, entbehren die Objekte in ihrer abgeschiedenen
Natur jeglicher Wirklichkeit. Die Welt der Objekte in ihrem gegenwärtigen
Zustand ist falsch und abhängig von relativen Wahrnehmungen; ihre
'Formen ' sind unwirklich, denn 'Form' als solche ist
die eingebildete Konstruktion des auf Objekte ausgerichteten Zentrums
des BEWUSSTSEINS im Universum, angetrieben von machtvollen Wunschimpulsen.
Der KOSMISCHE GEIST handelt als das letztendliche Subjekt, dessen BEWUSSTSEIN
der Schöpfer aller Formen auf allen Offenbarungsebenen ist. Die
Welt, wie sie sich manifestiert, oder anders ausgedrückt, die Handlung
bzw. der Offenbarungsprozeß selbst ist sozusagen im Sinne einer
Illusion aufzufassen, obwohl das Wesen der Welt oder die letztendliche
SUBSTANZ der Welt ewig ist. Es ist die 'Form ' und nicht die
'ESSENZ', die unwirklich ist. Über die Natur eines jeden
Objektes kann gesagt werden, daß sie fünffach ist: EXISTENZ,
BEWUSSTSEIN, WONNE, Name und Form. Von diesen fünf Kategorien bilden
EXISTENZ-BEWUSSTSEIN-WONNE die Selbst-identische UNMITTELBARE WIRKLICHKEIT
von allem, so daß dieser SEIN-Komplex niemals aufhören wird
zu sein. Diese unaufhörliche SELBST-VOLLKOMMENHEIT ist das ABSOLUTE.
Name und Form der Welt sind, zusammen mit ihren Inhalten, nur eine Erscheinung
in der WIRKLICHKEIT. Wenn das ABSOLUTE die alleinige WIRKLICHKEIT ist,
können Raum, Zeit und Ursache nur bedeutungslose Begriffe sein.
"All dies ist, was das SELBST ist." -BRIH.UPANISHAD, II.4.6. "Dies ist das SELBST, dies ist das UNSTERBLICHE, dies ist das ABSOLUTE, dies alles ist EXISTENZ." -BRIH.UPANISHAD, II.5.1.
Daß alle Beweismittel
zur Bestimmung der exakten Natur der WIRKLICHKEIT und ihr Verhältnis
zur Erscheinung scheitern, deutet auf den nicht erkennbaren Charakter
der WIRKLICHKEIT hin. Deshalb wird ES auch als 'weder dies noch das'
definiert. Im Eingeständnis unserer begrenzten Erkenntnis und unserer
Unfähigkeit die WIRKLICHKEIT zu erkennen, ist unser Anspruch, ES
zu erkennen mit eingeschlossen. ES wird durch relative Mittel (als unbegreifliches
Objekt) erkannt, verwirklicht aber wird ES nur in der UNMITTELBAREN
ERFAHRUNG, die über der relativen Erkenntnis angesiedelt ist. BRAHMAN ALS GOTT ODER ISHVARA
Das Verhältnis zwischen JIVA und ISHVARA wirft die weitere Frage nach der Rolle, die der 'Freie WILLE' und die 'NOTWENDIGKEIT' in der Evolution spielen, auf.Wie erhebt sich die richtige Erkenntnis in JIVA ? Es sollte mittlerweile klar sein, daß die Ursache der Entstehung von Erkenntnis letztlich keine wirkliche, sondern eine unwirkliche Gegebenheit ist. Da jegliche Unwissenheit oder Fesselung des BEWUSSTSEINS eine bloße Erscheinung ist, sollte deren Auflösung gleichermaßen eine Erscheinung sein. Tatsache ist, daß BEWUSSTSEIN immer frei ist. Wenn ES gebunden oder beschränkt erscheint, muß dies als falsch gelten. Eine falsche Beschränktheit wird durch eine falsche Freiheits-Ursache beseitigt, wobei nichts absolut WIRKLICHES benötigt wird. Traum-Erfahrungen sind unwirklich (vom Standpunkt des Wach-Zustandes aus gesehen), und die Ursache des Erwachens aus dem Traum mag ebenso etwas Unwirkliches sein wie entweder die leidvolle Erfahrung, von einem Tiger gejagt zu werden, von einem Baum oder Berg zu fallen, im Wasser zu ertrinken, von irgendwelchen Leuten überfallen zu werden, oder aber wie die wundervolle Erfahrung, an Festmahlen, Belustigungen usw. teilzunehmen. Ähnlich wird die Auflösung der Unwissenheit nicht durch ein ABSOLUTES PRINZIP verursacht, sondern durch eine relative Erscheinung in Form des auslaufenden PRARABDHA'S (karmische Bedingtheit), der Wirksamkeit von PURUSHARTHA (menschliches Streben nach Vollkommenheit) oder dem WILLEN ISHVARAS als handelnder 'NOTWENDIGKEIT'. Alle zusammen, einschließlich dem WILLENISHVARAS, sind lediglich Erscheinungen und keine WIRKLICHKEIT, womit sie nur empirischen Wert besitzen, was wiederum bedeutet, daß ihre Existenz durch die Erscheinung des individualistischen Bewußtseins bewirkt wird. ISHVARA muß solange als Tatsache akzeptiert werden, solange alle Erkenntnis in Begriffen der Individualität und des Welt-Bewußtseins ausgedrückt wird. Wenn das Individuum als solches transzendiert wird, sind auch ISHVARA und die Welt transzendiert. ISHVARA ist von regulierendem Nutzen, um die Gegebenheiten des empirischen Universums zu erklären. ER ist BRAHMAN, das in Beziehung zu den Erfahrungen des Individuums erdachte ABSOLUTE. Wenn also die Fesselung und die 'Gelegenheit' der SELBST-VERWIRKLICHUNG eine Tatsache sind, folgt daraus, daß die Ursache der Fesselung und die 'Gelegenheit' der Befreiung ebenfalls wahr sein müssen. In der Annahme der Fesselung als einer Wirklichkeit, ist die Wirklichkeit der Erfahrungs-Welt inbegriffen. Fesselung entspricht der Abwesenheit der UNENDLICHKEIT des BEWUSSTSEINS oder einer Begrenzung des BEWUSSTSEINS. Dieser Zustand kann nicht durch JIVA verursacht werden, da JIVA selbst die Wirkung (das Ergebnis) von Unwissenheit ist. Ebensowenig kann diese Fesselung nicht durch die Welt verursacht werden, solange wir mit Welt entweder eine Ansammlung von Individuen oder bloß träge Materie meinen. BRAHMAN kann diesen Zustand auch nicht verursacht haben, da ER Einzigartig ist. Um Fesselung zu erklären, bedarf es eines ISHVARA, der in Sich Selbst das BEWUSSTSEIN von BRAHMAN und des Universums kombiniert. Wenn ER die Ursache der Fesselung ist, kann auch nur ER allein die Ursache für die Befreiung sein. Doch die Hl. Schriften plädieren entschieden dafür, daß ISHVARA niemals die Ursache für das Böse oder für das Leid in der Welt ist. ISHVARA verursacht keine Bindung, da ER die Verkörperung der VOLLKOMMENHEIT ist. Es ist daher unlogisch, ISHVARA zur Ursache der Fesselung des JIVA' zu machen. Zweifellos ist Bindung in dem Sinne 'kosmisch', als sie von allen JIVAS im Kosmos erfahren wird, und dennoch können wir ISHVARA nicht die Urheberschaft dafür zur Last legen. Tatsache ist, daß die Ursache der Bindung nicht nur aus irgendeinem Faktor allein besteht, sondern, daß es eine wechselseitige Handlung zwischen dem Subjekt und dem Objekt ist, die zur Erfahrung der Fesselung führt. Das ist der Grund, warum man sagt, daß Fesselung relativ ist. Irgendwie beinhaltet das Bindungsbewußtsein des JIVA die Vorstellung von der Existenz eines KOSMISCHENISHVARA. ISHVARAS EXISTENZ wird postuliert, nicht um IHM die Ursache der Bindung zuzuschreiben, sondern um eine Bedeutung und Erklärung für die Erfahrung einer Welt der Gebundenheit zu finden. Diese Erklärung ist allerdings relativ; Bindung, ihre Ursache und alles was damit in Zusammenhang steht ist relativ; und umgekehrt sind ISHVARA und das Universum ebenfalls relativ. All diese Dinge haben eine empirische Wirklichkeit und eine transzendentale Unwirklichkeit. Es ist das BEWUSSTSEIN von der Wirklichkeit einer letztlich falschen Gebundenheit, das die Zustimmung des Bewußtseins von seinen letztlich unwirklichen Wechselbeziehungen, d.h. der Welt und ISHVARA, erfordert. Nun, hinsichtlich
des 'Freien WILLENS' und der 'NOTWENDIGKEIT' muß
gesagt werden, daß der normale JIVA aufgrund seines Bewußtseins
von der Unvollkommenheit seiner Erkenntnis und Glückseligkeit auch
ein BEWUSSTSEIN von der Bemühung hat, die ihn auf die Beseitigung
der Unvollkommenheit hinweist. Dies ist durch das im JIVA gegenwärtige
BEWUSSTSEIN verständlich. Aber was ist es, was das Aufsteigen der
rechten Unterscheidung und der Kraft der Vernunft im JIVA verursacht
? Man kann nicht sagen, daß dies von der Bemühung herrührt,
da die Bemühung ohne eine solche unterscheidende Erkenntnis nicht
möglich ist. Außerdem kann man nicht sagen, daß alle JIVAS diese Erkenntnis besitzen, da sie nicht in allen zu sehen
ist. Tiere haben nicht eine solche Unterscheidungsfähigkeit. Wer
verhilft ihnen auf eine höhere Bewußtseinsebene? Können
wir sagen, daß ursprünglich alle JIVAS mit Unterscheidungskraft
ausgestattet waren und all die Tiere, Pflanzen und unbelebten Dinge
lediglich gefallene JIVAS sind? Das kann nicht sein, denn derjenige,
der unterscheidungsfähig ist, kann nicht fallen. Außerdem,
wie kamen nicht-unterscheidungsfähige JIVAS und Steine usw.
in die EXISTENZ? Diese Fragen können nur gelöst werden, indem
ein allmächtiger und allwissender ISHVARA oder die 'ABSOLUTE
NOTWENDIGKEIT' bzw. das 'GESETZ des ABSOLUTEN' als existent
im Verhältnis zum Universum akzeptiert wird. Hat nun ISHVARA,
- oder die 'ABSOLUTE NOTWENDIGKEIT' bzw. 'das GESETZ des ABSOLUTEN',
wie wir IHN zu nennen pflegen, um frei zu sein von einer vermenschlichten
Wirklichkeitsvorstellung, -volle Macht über JIVA , oder
hat JIVA ein wenig Freiheit für sich selbst? Es hat keinen
Zweck, die Schwierigkeiten, die durch die Idee der Unterscheidung zwischen ISHVARA und JIVA aufgrund der 'Regel von der Einheit
der beiden' verursacht werden, zu erläutern. Das wäre
ein unnützer Vorgang, da für ein fehlerhaftes Problem keine
wirkliche Lösung gefunden werden kann. Selbst die Lösung müßte
sich letztlich, aus logischen Gründen, als unwirklich zu erkennen
geben. Wie die Wirkung beschaffen ist, so muß auch die Ursache
sein. Somit haben jene JIVAS ohne die erforderliche Unterscheidungskraft
oder Vernunft weder Unabhängigkeit noch eigene Freiheit, geschweige
denn irgendwelche Verantwortlichkeit. In ihrem Fall ist es allein die
'ABSOLUTE NOTWENDIGKEIT', die wirkt. Bis hoch zur Ebene der vernunftbegabten
menschlichen Wesen gibt es, - unabhängig von der 'NOTWENDIGKEIT'
oder dem Zwang des Instinktes, über den der JIVA keine Kontrolle
hat -, keine moralische Verantwortlichkeit und keine Handlungs-Freiheit.
Das Göttliche Element ist in den subhumanen Wesen zugedeckt, was
im Fall der vernunftbegabten menschlichen Wesen anders ist. JIVA,
auf der Stufe des Menschen, wächst allmählich in das Angesicht
der WAHRHEIT hinein, wo der Göttliche Funke zu blitzen beginnt
und einen bestimmten Umfang an Freiheit und Verantwortlichkeit vermittelt.
Da die Göttlichkeit jedoch noch nicht vollständig offenbar
ist, ist diese Freiheit nicht voll, sondern begrenzt. Das träumende
Subjekt lebt mit der Freiheit, in der Traumwelt zu handeln, wo es auch
eine Traumwelt-Vernunft oder Traumwelt-Unterscheidungsfähigkeit
gibt. Es muß hier daran erinnert werden, daß die Vernunft
im Traum eine schwache Erinnerung an die wachende Vernunft ist, und
die wachende Vernunft wiederum eine begrenzte Reflexion des ISHVARA-BEWUSSTSEINS.
Im Traum sind Fortschritt, Rückfall, Freude und Leid erfahrbar,
doch diese Erfahrungen des träumenden Individuums werden dann vom
wachenden Individuum nicht erkannt. Tatsache ist, daß es zu diesem
Zeitpunkt kein wachendes Individuum gibt, das vom träumenden gesondert
existiert, da es mit Träumen beschäftigt ist. Und doch herrscht
das Gesetz des wachenden Individuums über das träumende. Diese
Analogie darf jedoch nur mit größter Vorsicht auf ISHVARA angewendet werden, da ER weder der Traumwelt JIVAS entleert,
noch in diese verwickelt ist. Das ist eine Tatsache, da JIVA als Wahrnehmer der Welt, - der ISHVARA nicht kennt - , keine
direkte Antwort von IHM (d.h., von BRAHMAN im Verhältnis
zu JIVA) erhalten kann. Deshalb kann ISHVARA nicht für
die besonderen Erfahrungen JIVAS in dessen Traumzustand der Welt-Wahrnehmung
verantwortlich gemacht werden, obwohl ISHVARAS UNIVERSELLES
GESETZ ganz allgemein jeden JIVA regiert.
Folglich ist allein im Menschen eine wechselseitige Handlung des 'Freien WILLEN' und der 'NOTWENDIGKEIT' vorhanden, wobei beide ihre eigene Rolle im Erwachen aus dem träumenden oder gebundenen Individuum spielen. Diese Stellung muß akzeptiert werden, solange unsere Erläuterungen an das rein Empirische gebunden sind. Das Erwachen aus dem Traum muß nicht bloß im Sinne des Erwachens zum ABSOLUTEN SELBST, sondern ebenso in jede Höhere Stufe des empirischen Zustandes oder der Erfahrung verwendet werden. Die Unterschiede zwischen den unterscheidenden Kräften unterschiedlicher Menschen werden durch das Vorrecht von einigen von ihnen in der Skala ihrer Entwicklung gegenüber den anderen erklärt, und zwar in Abhängigkeit davon, ob sie vom tierischen Zustand aufgestiegen oder vom himmlischen 'Status quo' herausgefallen sind. Es erheben sich weder zwei Individuen zur gleichen Zeit vom animalischen Zustand, noch fallen sie gleichzeitig vom Göttlichen Zustand heraus, da es sich ansonsten um eine Identität dieser Individuen handeln würde. Das ist der Grund, weshalb keine zwei Denkstrukturen jemals übereinstimmen können. Im reinen selbst abgestimmten Zustand der Individualität entsteht nicht die Frage nach 'Freiem WILLEN' oder KRIYAMANA-KARMA, da es dort nur die 'NOTWENDIGKEIT' oder 'ISHVARAS SEIN-GESETZ ' gibt. Doch sobald das Ego zu arbeiten beginnt, übt sich das Individuum im 'Freien WILLEN' und kann diesbezüglich Zeichen des Leides und der Schmerzen offenbaren, wenn seine Bemühungen nicht korrekt auf ein nicht-selbstsüchtiges Ziel gerichtet werden, und zwar in dem Umfang, wie dies jeweils möglich ist. Im Ich-losen Zustand kann es keine leidvollen Erfahrungen geben, da eine solche Geburt direkt vom 'GESETZ der NOTWENDIGKEIT' verursacht worden ist und nicht durch den individuellen 'Freien WILLEN'. Der Mensch ist eine Mischung aus Göttlichem BEWUSSTSEIN und rohem Instinkt, so daß er mit der zuerst genannten Ausstattung ein wenig Wahlfreiheit hat, während er im zweiten Fall der 'NOTWENDIGKEIT' unterworfen ist. Bei jenen, durch ihre eigenen Handlungen in niedere Geburten gefallenen Menschen, funktioniert weder der frische 'Freie WILLE', noch ISHVARAS GESETZ, sondern das Ergebnis des vorangegangenen 'Freien WILLENS', der die Ursache zum Fall geworden war. Wenn wir 'Mensch' sagen, müssen wir ebenso alle Individuen wie die GANDHARVEN, DEVAS usw. hierin mit einschließen. Diese Wesen sind nicht nur aufgrund von gutem KARMA aufgestiegene Menschen, die deshalb auch sicherlich nach der Erschöpfung der Kraft ihrer Tugenden wieder fallen werden, sondern auch jene, die direkt durch ISHVARAS ursprünglichen WILLEN sich manifestiert haben. Selbst diese letztgenannten tragen den Egoismus in sich und unterliegen somit einem weiteren Abstieg, obwohl sie nicht fallen müssen, wenn sie ihre Unterscheidungsfähigkeit nutzen. 'Freier WILLE' ist die Funktion des HÖHEREN BEWUSSTSEINS, das jedoch immer mit einem Ego verknüpft ist, - denn in untermenschlichen und überindividuellen Wesen, die weder Egoismus noch konsequenterweise einen 'Freien WILLEN' abgesondert vom WILLEN ISHVARAS oder des UNIVERSELLEN GESETZES haben, ist dieser 'Freie WILLE' nicht vorhanden. In untermenschlichen Wesen ist es die vollständige Unterwerfung unter die Unwissenheit gegenüber dem 'GESETZ'. In überindividuellen Wesen ist es die Erkenntnis der WAHRHEIT und die vollkommene FREIHEIT, die die Abwesenheit von Egoismus und eines abgesonderten 'Freien WILLEN' bedingt. Solange dieser Egoismus verharrt, kommt es zu einer Verquickung des 'Freien WILLENS' und der 'NOTWENDIGKEIT', einem Mittelweg zwischen vollständiger Unterwerfung und vollkommener Freiheit. Die Freiheit oder der 'Freie WILLE' verhält sich umgekehrt proportional zur Empfindung der Individualität, die jemand von sich hat, und der, auf jemanden eindringende 'WILLE ISHVARAS' oder die KOSMISCHE KRAFT in Form der 'NOTWENDIGKEIT' ist direkt proportional zur Individualität. 'Freier WILLE' ist ein Anzeichen der Wunschlosigkeit und der Ausdehnung des Bewußtseins in Abhängigkeit von deren angedeutetem Umfang, die 'NOTWENDIGKEIT' hingegen ist ein Anzeichen, das auf das Gegenteil hinweist. ABSOLUTE FREIHEIT ist das BEWUSSTSEIN davon, selbst identisch zu sein mit der 'ABSOLUTEN NOTWENDIGKEIT' oder dem 'GESETZ', das, - solange das Individuum noch leer ist vom BEWUSSTSEIN der EINHEIT und immer noch angezogen ist vom dualen Bewußtsein -, zwingend auf dieses einwirkt. Genau genommen ist das Minimum an Wahlfreiheit, welches das menschliche Wesen zu besitzen scheint, eine begrenzte Reflexion des 'ABSOLUTEN GESETZES' auf einer bestimmten Stufe. Die Frage des 'Freien WILLENS' und der 'NOTWENDIGKEIT' kann nur mit dem Verständnis von der Beziehung JIVAS zu JAGAT (Welt) und ISHVARA verstanden werden, denn es besteht immer eine sehr intime Verbindung von Einem zum Andern. Keiner hat eine Vorrecht gegenüber dem Andern. Diese Drei erheben sich gleichzeitig im BEWUSSTSEIN und versinken auch gemeinsam wieder in diesem. Es gibt keine Ursache-Wirkung-Beziehung zwischen diesen notwendigen Merkmalen der Erfahrung. ISHVARA ist der Name, der dem HÖCHSTEN ABSOLUTEN verliehen wird, wenn ES im Universum der dualen Erfahrung erscheint, um dort zu operieren und um allen Vorstellungen und Wahrnehmungen innerhalb des Universums einen Wert zu verleihen. Für das Individuum, das durch die Begrenzungen des Intellektes, der wiederum in den Prozeß von Raum, Zeit und Ursächlichkeit, - den schweren und unleugbaren Tatsachen des Lebens -, eingebunden ist, ist der unbestimmbare BRAHMAN ein Gegenstand der Spekulation. Dem Menschen, der auf diese Welt beschränkt ist, wird die ESSENTIELLE WIRKLICHKEIT als außerhalb der ERKENNTNIS befindlich erscheinen, da sein Höchstes (Ideal) stets seinem höchsten Denken entspricht. Der menschliche Verstand kann von seinem begrenzten Standpunkt aus die WIRKLICHKEIT nicht verstehen. Wir können nicht durch das WIRKLICHE sehen und sagen, "das ist das WIRKLICHE", da das WIRKLICHE dem WIRKLICHEN nur in Selbst-identischer, Nicht-objektiver ERFAHRUNG bekannt ist. Die ABSOLUTE WAHRHEIT kann nicht ausgedrückt, ja nicht einmal gedacht werden; ansonsten würde ES seine WAHRHAFTIGKEIT verlieren und unwahr werden. 'Unser ABSOLUTES ' ist das 'konzeptionelle ABSOLUTE ', und dieses Höchste BEGRIFFLICHE ist 'GOTT ' oder 'ISHVARA ', das unbestimmbare WIRKLICHE, das Objekt der Frommen MEDITATION und der Höchsten Form der VEREHRUNG, - PARA-BHAKTI -, während BRAHMAN das EWIGE SUBJEKT REINER UNBESTIMMBNARER ERKENNTNIS ist. Der relative Intellekt sucht nach einer Lösung der Schwierigkeiten, die durch die Vorstellung von der Unabhängigkeit dieser Welt und den darin stattfindenden Erfahrungen des Individuums gegenwärtig sind. Die kausale Beweisführung zwingt den Intellekt dazu, sich auf eine 'konzeptionelle WIRKLICHKEIT ' zu stützen, die diese Welt ohne Preisgabe der Idee der Ursache zu erklären versucht. Der Intellekt, der unentrinnbar durch die Kausalität gebunden ist, kann diese WIRKLICHKEIT, die sich über der Ursache und deren Helfershelfern befindet, nicht verstehen. Das reine UNTEILBARE SEIN kann nicht das Objekt der Verstandesmühen mittels phänomenaler Merkmale sein. Die menschlichen Wesen neigen im allgemeinen zu dem Gefühl der Notwendigkeit eines HÖCHSTEN HERRSCHERS, der Gerechtigkeit walten läßt und die Früchte ihrer Gedanken und Handlungen an sie verteilt. Dieses Empfinden erfordert einen barmherzigen und liebenden GOTT, der auf diese Gefühlsäußerungen eingeht und sie von allen Sorgen befreit. Der religiöse Geist beteuert, daß die Welt einen GOTT benötigt, der nicht als ein bloßer logischer Irrtum verbreitet werden kann. Er zollt den Gesetzen der Vernunft nur wenig Beachtung und unterwirft dieselben den Gesetzen der Gefühle des Menschen. Für ihn kann 'ERKENNTNIS, die nur SICH ALLEIN kennt' und sonst gar nichts, die Bestrebungen des Individuums nicht befriedigen. Die innere (geistige) Verfassung (des Individuums) wird auf das Universum ausgedehnt, was das natürliche Gefühl zur Folge hat, daß eine solche WIRKLICHKEIT, - in der 'Vielheit und Einheit', 'Tod und Unsterblichkeit' bloße Schatten der WIRKLICHKEIT und deren gegensätzliche konzeptionellen Aspekte sind -, für immer unlenkbar und nicht erkennbar für das, im Universum der Erfahrungen existierende, Individuum sein wird. Einen ganzheitlichen Einblick in das WIRKLICHE zu haben, entspricht dem Versuch, über den Intellekt hinaus zu gelangen; einen teilweisen Einblick zu nehmen, heißt, eine Niederlage im Erkenntnisversuch des WIRKLICHEN hinzunehmen. Dies verdeutlicht die Verfahrensweise des begrenzten menschlichen Verstandes, die tiefsten Probleme des Lebens und was darüber hinaus führt, zu lösen. Das relative Individuum kann in der HÖCHSTEN WAHRHEIT nur relative Tatsachen deuten, wie großartig und überwältigend seine Vorstellungen auch sein mögen. Für den individuellen Menschen ist GOTT ein Überdimensionaler MENSCH, - die KOSMISCHE PERSON -, die alles Wissen und Macht innehat. ER ist der Schöpfer, Erhalter und Zerstörer des Universums, der in Seiner unübertrefflichen Herrlichkeit über die Erde und den Himmel herrscht, der die Sonne, den Mond und die Sterne gestaltet, und der sich weit über den grenzenlosen Raum hinaus ausdehnt. ER ist die Höchste Vollkommenheit und Herrlichkeit; das vollständige Gegenteil dessen, was das begrenzte Individuum ist. GOTT ist in jedem erdenklichen Sinne Unbegrenzt. ER ist die HÖCHSTE SEELE, der VATER der gesamten Schöpfung. ER schließt nichts aus; alles befindet sich in Seinem Übermenschlichen KÖRPER.ER ist 'VIRAT ', der Universale KÖNIG, die Absolut Vereinigende FORM, in der alle Wesen zusammengebunden sind wie Perlen auf einer Schnur. ER ist 'HIRANYAGARBHA ', das innere belebende Lebensprinzip von allem. ER ist 'ISHVARA ', das UNIVERSELLE BEWUSSTSEIN, das die gesamte Offenbarung erhält. Es gibt nichts neben IHM. ER triumphiert und strahlt in Seiner eigenen GRÖSSE. ER ist der OZEAN von allem, das zu allen Zeiten und an jeglichem Ort immer das Beste ist. ER ist die Unmittelbare VORAUSSETZUNG und GEGENWART von allem, was jemals sein kann. ER ist 'ANTARYAMIN ', - der Innere ÜBERWACHER; 'AVYAKRITA ', der, über der Sinneswahrnehmung befindliche UNMANIFESTIERTE; 'SUTRATMA ' oder die alle miteinander verknüpfende FADEN-SEELE; das 'MAHAPRANA ', die Kosmische LEBENSENERGIE. ER dient als Höchstes OBJEKT aller Verehrung und Anbetung. ISHVARA ist die manifestierte Form der WIRKLICHKEIT. ER ist SAGUNA-BRAHMAN, das mit allen glorreichen Attributen ausgestattete ABSOLUTE. Diese Qualifizierte WIRKLICHKEIT ist trotz ihrer, für jeden von uns zugänglichen Größe, nicht das HÖCHSTE in Sich Selbst. Solange in unserem Denkprozeß, unserem Leben und unseren Handlungen das WIRKLICHE in Sich Selbst von keinem praktischen Nutzen ist, ist es hinsichtlich unseres Lebens unwesentlich, ob die HÖCHSTE WIRKLICHKEIT qualifiziert ist oder nicht. Solange wir innerhalb der Grenzlinien des Intellektes leben, kann das HÖCHSTE in Sich Selbst nicht als Bestandteil unserer Lebensbetrachtungen Verwendung finden, so daß wir mit dem zufrieden sein müssen, was das HÖCHSTE von unserem Standpunkt aus ist. Die KOSMISCHE PERSON, die vom Standpunkt der Intuition BRAHMANS aus keine unabhängige Existenz darstellt, ist wirklicher als das Universum und dessen individuelle Bestandteile. Obwohl unterhalb BRAHMANS (angesiedelt), ist GOTT über der Welt und beherrscht diese als deren vollendeter MEISTER. Solange unsere Persönlichkeit wirklich ist, ist GOTT ebenso wirklich und sollte der PersönlicheGOTT als unwirklich zurückgewiesen werden, dann haben wir nicht länger das Recht, als Individuen weiterzuleben. Der persönliche ISHVARA steht dem unpersönlichen BRAHMAN nicht gegenüber, sondern 'ist BRAHMAN, wie wir IHN verstehen '. Als Individuen sind wir jedoch relativ, so daß unsere relative Sicht in eine höhere Erfahrung verfeinert und transzendiert werden muß. Die Genauigkeit der unterscheidenden Fähigkeit wird dringend benötigt, um das äußerste an spiritueller Nicht-Weltlichkeit anzunehmen, - ob dies unserer schwächeren menschlichen Verfassung nun angenehm ist oder nicht. Unsere Unfähigkeit, die strengste WAHRHEIT anzunehmen, erfordert einen GOTT, der relativ ist zur empirischen Welt. Eine vernünftige Wahrnehmung akzeptiert nicht einfach die beständige Wirklichkeit eines kosmisch objektiven GOTTES, da die Form der objektiven Existenz nicht unabhängig vom Prozeß des subjektiven Bewußtseins ist. Wenn alle Erscheinungen unverständlich sind, dann ist ISHVARA, der auch nur eine Erscheinung des WIRKLICHEN sein kann, ebenfalls unverständlich. Es ist nicht BRAHMAN, der Sich in 'GOTT und die Welt' verwandelt, sondern das erkennende Subjekt, das BRAHMAN als solchen benutzt. Wenn das Denken aufhört, erlischt das Individuum und mit ihm zusammen versinken ISHVARA und die Welt ins REINE SEIN. Es ist nicht möglich, restlos damit zufrieden zu sein, daß ein Persönlicher GOTT die letztendliche WIRKLICHKEIT ist, wie unerfreulich dies auch für all jene sein mag, die nicht darauf verzichten können, in weltlichen Begriffen zu denken. Der Philosophie-Anwärter, der von der brennenden Leidenschaft, sich selbst in die EXISTENZ zu integrieren, erfaßt ist, hat nicht die stumpfsinnige Geduld, sich in dem langsamen Prozeß der fortschreitenden Selbst-Transzendenz durch die Kanäle der unterschiedlichen Stadien der WIRKLICHKEIT hindurch, aufzuhalten. Der höchste wissenschaftliche Geist versucht immer, das GANZE zu erfassen, und zwar nicht im Sinne des größten Teiles, da Teilhaftes innerhalb der EXISTENZ unlogisch und eine unwissende Vorstellung ist. Die, von ihrem eigenen SELBST abhängige WAHRHEIT, transzendiert selbst die Ideen von der Allwissenheit und Allmacht, da diese in Beziehungen verwickelt sind, die wiederum Begrenzungen des ABSOLUTEN sind. In den VEDAS und den UPANISHADEN finden wir dennoch ausführliche Beschreibungen über einen PERSÖNLICHEN PURUSHA, -PURUSHOTTAMA-, der QUELLE, SEIN und ENDE des Universums, die uns eine Idee von der unparteiischen Haltung der alten SEHER (RISHIS) gegenüber den unterschiedlichen Vorstellungen von der WIRKLICHKEIT und von den glänzenden Visionen des 'EINEN' in ihren vielen Visionen, die sie hatten, vermitteln, und die sie in den feinsten Zuständen des BEWUSSTSEINS von der 'GESAMTHEIT DER SCHÖPFUNG' zum Ausdruck brachten. Die erste Offenbarung des KOSMISCHEN PURUSHA wird in der dargebrachten Hymne des RIGVEDA, 'PURUSHA-SUKTA' genannt, folgendermaßen ausgedrückt: "Tausendköpfig war PURUSHA, tausendäugig und tausendfüßig. ER, der die Erde nach allen Seiten hin bedeckt, dehnt SICH SELBST ‘Zehnfinger lang’ darüber hinaus. All dies ist PURUSHA allein, - was immer war und was immer sein wird. Ein Viertel von IHM sind alle Wesen, (doch) dreiviertel von IHM erstreckt sich unsterblich in den (Höchsten) Himmel." -RIGVEDA, X.90. Das Wort 'tausend' wird hier verwendet, um 'zahllos' oder 'unendlich' anzudeuten und nicht, um damit irgendeine Zahl festzulegen. Diese Beschreibung vermittelt eine Idee von der Allumfassenden NATUR des HÖCHSTEN PURUSHA. ER offenbart Sich nicht vollständig in der Form des Universums; nur ein kleiner Aspekt von IHM kommt in der Relativität zum Ausdruck. Der größere Aspekt von IHM existiert unmanifestiert und verweilt als das leuchtende UNVERÄNDERLICHE. Dies heißt nicht, daß GOTT in Aspekte unterteilt oder in Teile geschnitten werden kann, vielmehr bedeutet es sprichwörtlich, daß GOTT in keiner Weise begrenzt, sondern über jeder Offenbarung befindlich und ebenso das SELBST all dessen ist, was offenbar ist. GOTT ist beides, 'Immanent und Transzendent', da ER in jeder Ecke dieses Universums gegenwärtig ist und dieses außerdem in einem unvorstellbaren Ausmaß transzendiert. Die WAHRHEIT ist weder in der Philosophie des I< noch in der des I< zu finden, die GOTT entweder als völlig in der Welt sich erschöpfend oder als gänzlich über der Welt befindlich anschauen. Das Universum ist eine ORGANISCHE EINHEIT, die durch das einfache SEIN GOTTES aufrechterhalten wird, von DEM alles ein Teil ist und DER die innere und äußere Wirklichkeit von allem ist. Die Philosophie des Die nebensächlichen
Attribute, die sog. 'TATASHTA-LAKSHANAS ' des ABSOLUTEN, lassen
ES als ISHVARA erscheinen, dessen EXISTENZ im Verhältnis
zum offenbarten Universum besteht.
"Die Sonne geht in IHM auf und wieder unter." "Die leuchtenden Reiche der Himmel sind Sein Haupt, die Sonne und der Mond sind Seine Lebensenergie, das Universum ist Sein Herz, die Erde ist Sein Fußpaar, - DIES ist das innerste SELBST aller Wesen" -MUND.UPANISHAD, II.1.4.
Die uns bekannte
Wirklichkeit ist im Verhältnis zu diesem SELBST begrenzt. Wir
lieben und besitzen Dinge, wir sprechen, handeln und denken deshalb,
weil wir das SELBST sind, DAS geliebt, besessen, ausgesprochen, getan
und gedacht wird. Die Welt existiert in unserem BEWUSSTSEIN, welches
das GROSSE SELBST von allem ist. Etwas anderes als unser SELBST gibt
es nicht; das SELBST ist 'VAISHVANARA ', der GOTT von
allen, und alle 'sind', weil ER 'ist'.
Unser SELBST und Sein SELBST sind eins; was immer außerhalb
von uns ist, ist ebenso in uns:
"In WIRKLICHKEIT ist dieser Raum im Herzen so groß wie dieser äußere Raum; in IHM sind beide enthalten, sowohl Himmel und Erde, Feuer und Luft, Sonne und Mond, Blitz und Sterne, was immer hier ist und was nicht hier ist, - all das ist in IHM enthalten." -CHH.UPANISHAD, VIII.1.3. Darin ist eine Erklärung enthalten, die für Aufruhr im weltlichen Menschen sorgt, nämlich, daß I< ! "DAS BIST DU, o SVETAKETU!" Dies mag nicht so leicht akzeptiert werden, doch nur das allein kann die unauslöschliche WAHRHEIT sein, die alle Widersprüche im Leben beseitigt. "PURUSHA ist, was ist und was nicht ist." "DERJENIGE, der in allen Wesen wohnt und etwas anderes ist als die Wesen; den die Wesen nicht kennen, dessen Körper alle Wesen sind, der alle Wesen von innen her beherrscht, - dies ist Dein SELBST, der Innere HERRSCHER, der UNSTERBLICHE" (BRIH.UPANISHAD,III.7.15). "Im Inneren des Herzens ruht der HERRSCHER von allem, der HERR von allem, der KÖNIG von allem..., ER ist der HERR aller Wesen, der KÖNIG aller Wesen, der BESCHÜTZER aller Wesen" (BRIH.UPANISHAD, IV.4.22). "ETAD VAI TAT, - DIES ist wahrlich DAS."
Der HÖCHSTE HERR ist die KRAFT der Kräfte. "Ohne den WILLEN des HÖCHSTEN kann AGNI (Feuer-Gott) keinen Strohhalm verbrennen und VAYU (Wind-Gott) keinen Strohhalm wegblasen" (KENA UPANISHAD, III). Alle Wesen, selbst Götter, die größten Kräfte, üben ihre Funktionen gemäß der Verbindung zu diesem HÖCHSTEN aus. Der GROSSE HERR kann alles geschehen oder ungeschehen machen oder das gesamte Universum im Bruchteil eines einzigen Momentes aufblitzen lassen! ER ist der ungebundene OZEAN der ERKENNTNIS. Selbst die Götter können IHN nicht sehen. Auch durch Buße und Opfergaben kann ER nicht erkannt werden. "Dieser ATMAN ist durch bloße Diskussion, den Intellekt oder durch angespanntes Zuhören nicht zu verstehen; ER wird nur durch denjenigen erreicht, den ER (zur Offenbarung Seiner NATUR) auswählt" (KATHA UPANISHAD, I.2.23). Das alles heißt aber nicht, daß GOTT ein selbstherrlicher Tyrann ist, der ohne Rücksicht auf die Gefühle und Beschwerden anderer, handelt wie ER will. Dies käme einer kärglichen Auslegung dieses Satzes gleich. GOTT erwählt alle und schließt niemanden aus, der zu IHM aufschaut; ER hilft selbst denjenigen, die IHN nicht kennen! Selbst ein Schurke und ein Kastenloser erreichen IHN durch Seine GNADE. GOTT ist der OZEAN der BARMHERZIGKEIT. ER ist der gerechteste HERRSCHER, der meist geliebte VATER von allen. Die Bedingung GÖTTLICHEN KRAFT wider die egoistischen Unternehmungen des Individuums, - einschließlich der sog. Wissenschaft usw. -, die zu Eigendünkel und zu unangemessenem Stolz führen. Dieser Absatz bedeutet auch, daß ER nur durch DAS zu erreichen ist, was jemand zu erreichen sucht, d.h., der SUCHER ist selbst das Höchste OBJEKT und somit auch das GESUCHTE. Das Subjekt und das Objekt sind in WAHRHEIT EINS. Man sollte keine getrennte Unabhängigkeit mit der Hoffnung auf ein erfolgreiches Ergebnis geltend machen. Wir werden auch darauf hingewiesen, das BEWUSSTSEIN eines EINZIGEN PURUSHA zu haben, selbst wenn wir verschiedenen Gottheiten Opfergaben anbieten. Die Vielzahl der Götter in den VEDAS entstammen keineswegs den kindischen Vorstellungen unreifer Schwärmer, die lediglich den übermenschlichen Kräften zu schmeicheln wußten; vielmehr handelt es sich hierbei um die Visionen der SEHER und deren überfließende ekstatische Freude beim Anblick des GROSSEN PURUSHA, der Sich in der wonnevollen Offenbarung Seiner SELBST in Seiner Universalen FORM übertrifft. Den VEDISCHEN SEHERN erschien diese Welt als die seligmachende Flut des übervollen Reichtums GOTTES. Dieses HÖCHSTE EINE ist das OBJEKT spiritueller Liebe. Alle Wesen haben ein angeborenes Verlangen, ja eine Liebe, ES zu erreichen. "ES wird großes Verlangen, - LIEBE -, genannt und ES wird als solches verehrt, und derjenige, der ES kennt, wird von allen Wesen geliebt und nach ihm wird verlangt" (KENA UPANISHAD,IV.6.). Dem transzendentalen Wunsch dieses GROSSEN WESENS gemäß, wird das gesamte Universum systematisch hervorgebracht, gerecht beschützt und von der Wurzel bis zum Zweig wieder ausgelöscht. ISHVARA ist der ABSOLUTE BRAHMAN, der im Universum wirkt. Dies ist die NATUR der WIRKLICHKEIT, wie sie erscheint, um all die Namen und Formen anzulegen, obwohl diese drei Aspekte das EINE SEIN sind, - das SELBST (BRIH.UPANISHAD, I.6). Die UPANISHADEN machen keinen großen Unterschied zwischen ISHAVARA und BRAHMAN; sie halten daran fest, daß "BRAHMAN beides ist, das Geformte und das Ungeformte" (BRIH.UPANISHAD, II.3.1). Damit stimmen sie beiden Standpunkten zu, dem phänomenalen und dem absoluten. Die Beweise für die Existenz ISHAVARAS kehren sich in Beweise für die Existenz BRAHMANS um. Tatsächlich kann es keinen strengen logischen Nachweis für die Existenz ISHVARAS geben, der verschieden von BRAHMAN ist. In dem Moment, wo wir etwas zulassen, das ISHVARA von BRAHMAN unterscheidet, fördern wir damit eine Wirklichkeit, die weder ISHVARA noch BRAHMAN ist. Das ABSOLUTE, das immer angefüllt ist mit SICH SELBST, erlaubt keinerlei zusätzliches Prinzip, das die REINE EXISTENZ begrenzen würde. ISHVARA ist BRAHMAN, ausgezeichnet durch den Schöpferischen Willen. Wenn es kein Ende der innewohnenden Natur BRAHMANS gibt, und wenn BRAHMAN als ISHVARA so erscheint wie ein 'Seil als Schlange erscheinen kann', dann kann ISHVARA keine von BRAHMAN verschiedene Wirklichkeit haben. BRAHMAN erscheint als die Höchste PERSON (PURUSHA-VIDHA) und mit diesem 'Werden' würde 'DAS was IST' als etwas erscheinen, das, zumindest zeitweise, aufhört zu sein. Eine solche Vorstellung wendet sich jedoch gegen den wahren Kern der WIRKLICHKEIT BRAHMANS. Daß BRAHMAN auf irgendeine Weise zu ISHVARA 'wird ', ist keine Tatsache, denn wäre dies so, dann würde die gesamte Philosophie, die die EXISTENZ der ABSOLUTEN WIRKLICHKEIT postuliert, in einen Selbst-Widerspruch und Absurdität einmünden. BRAHMAN in eine andere Form zu gießen, heißt, BRAHMAN zu verleugnen. Diejenige Theorie, die an ISHVARAS Schöpfung von Individuen festhält, - die für die Natur der manifestierten Welt, die wiederum durch die Kräfte vorausgegangener Zyklen der Welten bestimmt wird, verantwortlich sind- , macht ISHVARA zu einem Geschöpf der Zeit, entblößt IHN seiner Allmacht und Freiheit, und erzeugt eine ewige Dualität zwischen ISHVARA und den Kräften der Schöpfung in Form von stofflicher Materie, zusätzlich zu einer wirklichen Vielfalt an Individuen. Ein solch künstlicher Blickwinkel auf ISHVARA zeigt, daß sie (die Theorie) nur als praktische Erfindung zur Erklärung der Schwierigkeiten des Individuums einen Wert besitzt, und daß sie nicht dazu in der Lage ist, ISHVARA so zu 'begreifen', wie ER wirklich 'in Sich Selbst' ist. Diese Schöpfungsansicht stellt ein bedauerliches Echo der SANKHYA-Philosophie dar, die so kühn eine Mehrzahl von Wirklichkeiten behauptet, daß sie für all die Schwierigkeiten blind wird, die durch solch eine Behauptung entstehen. Eine ewige Vielheit oder Dualität widerspricht der ABSOLUTHEIT der WIRKLICHKEIT, was der Verleugnung der WIRKLICHKEIT gleichkommt. Wenn gesagt wird, daß ISHVARA nicht direkt mit der Schöpfung verknüpft ist, sondern nur bei der Offenbarung der Welt behilflich ist, die durch die schlafenden Potenzen der unbefreiten Individuen erzwungen wird, dann entsteht die Frage, - wer erschuf die Individuen? Selbst die Ansicht, daß ISHVARA allein durch seine bloße Existenz als eine Ursache der Manifestation sämtlicher Potentiale vorangegangener Weltzyklen handelt, rechtfertigt nicht die Position eines ISHVARA, der vollständig getrennt von BRAHMAN ist.Denn dies könnte ebenso durch BRAHMAN SELBST bewirkt werden, da ISHVARAS Anteil (an der Manifestation) lediglich darin beruht, Handlung durch SEINE bloße 'EXISTENZ' hervorzurufen. Wenn gesagt wird, daß Handlung ein möglicher Anteil ISHVARAS ist, der nicht dem UNVERÄNDERLICHEN BRAHMAN zugerechnet werden kann, dann bleibt die Frage, "was bringt ISHVARA dazu, überhaupt zu handeln", weiterhin unbeantwortet. Dieser Einwand gilt ebenso für die Theorie, daß ISHVARA SICH SELBST als Viele vorstellt. Mitleid, Notwendigkeit und Spiel (LILA) können keine befriedigende Antwort geben, da BRAHMAN weder Mitleid mit SICH SELBST haben kann, noch zu irgendeiner Handlungs-Notwendigkeit gezwungen wird und auch nicht als HÖCHSTE VOLLKOMMENHEIT ein Bedürfnis nach Unterscheidung oder Spiel empfindet. Ohne die Wahrnehmung von Dualität können weder Mitleid gezeigt, noch Notwendigkeiten (zu irgendeiner Handlung) empfunden, geschweige denn Spiele (LILAS) gewünscht werden. Diese Ansichten sind unvereinbar mit der Nicht-Dualität BRAHMANS. Es wird gesagt, daß die Individuen nur die Formen sind, die ISHVARA Sich vorstellt, Selbst zu sein. Wenn ISHVARA allmächtig ist, dann kann ER jederzeit damit aufhören, Sich so etwas vorzustellen. Wenn ER die Schöpfung zu jeder Zeit, nach jedem Zyklus der Welten erschaffen und wie eine Uhr arbeiten muß, dann kann ISHVARA nur eine Maschine sein und scheint keine Freiheit vom Denken und Handeln zu haben. Mehr noch, - ER scheint in strenger Übereinstimmung mit den Regeln, die ER Selbst aufgestellt hat, arbeiten zu müssen! Wenn sich ISHVARA der Zustand der Auflösung des Universums am Ende eines Zyklus als erzwungene Erfahrung aufdrängt, dann ist ER nicht weiter ISHVARA, der HERR. Wenn ER dies andererseits freiwillig auf sich nimmt, besteht kein Grund dafür, warum ER Zyklus für Zyklus weiter erschaffen sollte, gerade so, als sei dies Seine verbindliche Pflicht. Freiheit und das Gefühl der Pflicht stehen sich unvereinbar gegenüber. Wenn ISHVARA nichts mit der Schöpfung zu tun hat und lediglich die Individuen ihre Fesselung und Befreiung irgendwie durch eine Art von Beziehung zum ABSOLUTEN herstellen, dann besteht kein Grund dafür, weiterhin einen ISHVARA zu postulieren, der von BRAHMAN verschieden ist. Es kann kein Verharren der befreiten SEELEN bis zum Ende des Weltzyklus in ISHVARA geben, es sei denn, der Weltzyklus ist eine objektive Tatsache in Relation zum ABSOLUTEN. Es gibt allerdings keinen zuverlässigen Beweis für die Existenz eines objektiven ewigen Prozesses, außer in Beziehung zu den JIVAS oder den Individuen des Universums. Ist die Welt ewig oder nicht ewig? Wenn sie ewig ist, was geschieht mit ihr, nachdem JIVA SELBST-VERWIRKLICHUNG erreicht hat? Wenn sie weiterhin besteht, würde das ABSOLUTE SELBST zu einem Subjekt werden, das eine äußere Welt erkennt, was wiederum bedeuten würde, daß es etwas Zweites zum SELBST gäbe. Ist die Welt nicht ewig, dann hätte sie ein Ende und ISHVARA wäre nur ein anderer Name für BRAHMAN und keine weitere Möglichkeit, da die Welt als besondere Form ISHVARAS nicht-existent wäre. In solch einem Fall kann es kein Verharren der JIVAS in ISHVARA bis zum Ende des Weltzyklus geben, vorausgesetzt, die Individualität ist vollständig transzendiert worden. Diese unmittelbare Selbst-Transzendenz ist 'SADYO-MUKTI'. Sollte aber etwas von dem Individuum in JIVA zurückbleiben, was es noch vom UNMITTELBAREN KAIVALYA (Zustand der Befreiung) zurückhält, dann kann es nicht sein, daß es (das Individuum) bis zum KALPA (Kosmische Schöpfungs-Zeitspanne) einer anderen Person warten muß, da das KALPA-Ende das Ende seiner eigenen Individualität ist, wonach es nicht mehr von der ERFAHRUNG des ABSOLUTEN abgehalten werden kann. Daher kann es so etwas wie 'SARVA-MUKTI' oder UNIVERSELLE BEFREIUNG außerhalb der Befreiung aller JIVAS, und zwar unabhängig und zu allen Zeiten, nicht geben. Dies steht jedoch nicht im Widerspruch zur Theorie des 'KRAMA-MUKTI ' (fortschreitende Befreiung), da letztere nur die vorübergehend vom JIVA angenommene Form eines feinstofflichen und durchdringenden geistigen Wesens ist, bis die Kräfte einer solchen objektiven Erfahrung durch die ERFAHRUNG als solcher erschöpft sind. ISHVARA ist solange wirklich, solange JIVA wirklich ist; sobald letzterer REINES BEWUSSTSEIN verwirklicht, kann ihn niemand mehr von dieser VERWIRKLICHUNG zurückhalten. Doch bis dieser Zustand erreicht ist, muß es akzeptiert werden, daß ISHVARA, - das 'GESETZ des ABSOLUTEN '-, JIVA eindeutig kontrollieren wird. Wenn wir andererseits der Behauptung zustimmen sollten, daß selbst der befreiten Seele im Zustand ISHVARAS der Zutritt zur VOLLSTÄNDIGEN VOLLKOMMENHEIT verwehrt wird, dann entspräche dies der Zulassung eines Tyrannen, der unabhängig von den befreiten Seelen handeln kann wie er will, - selbst gegen die befreiten Seelen, die mit der WAHRHEIT vereint sind - , was einer Theorie entspräche, die indirekt die Möglichkeiten der Parteilichkeit ISHVARAS, der ewigen Verdammnis der Seelen und weitere solcher unhaltbarer Positionen auferstehen ließe. Solch ein ISHVARA mag diese Seelen ewig in Sich Selbst festhalten und braucht sie ohne ersichtlichen Grund nicht einmal am Ende des KALPAS freizulassen. Wenn gesagt wird, daß sie wegen der Existenz eines objektiven ISHVARA' bis zum Ende des KALPA' festgehalten werden, dann entsteht die Frage erneut, "was veranlaßt ISHVARA bis zum Ende des KALPA' zu verweilen?", außerdem ist es ohne Bedeutung (zu sagen), daß es ein Objekt im Verhältnis zum befreiten SELBST geben kann. Solch eine Theorie, bis zu ihren logischen Grenzen ausgedehnt, verhilft sich in ihrer Gesamtheit selbst zur Absurdität. Weiterhin würde die Ansicht, daß die befreiten Seelen im ISHVARA-Zustand bis zur Auflösung von ISHVARA nach dem Universellen Zyklus warten sollten, lediglich anzeigen, daß ISHVARA selbst vom Prozeß der Schöpfung, Aufrechterhaltung und Auflösung des Universums beherrscht wird, und daß ER nicht die Freiheit hat, diesen Prozeß zu beenden, obwohl dies Sein eigener Wille ist. Wenn der Weltprozeß nur ein Spiel ISHVARAS ist, kann dieses nicht zu einer strengen Regel werden, da die Regel einer Pflicht kein Spiel sein kann. Wir können nicht sagen, daß ISHVARA am Prozeß der systematischen Weltmanifestation festhalten sollte usw., da Offenbarung und alles, was damit zusammenhängt innerhalb der Zeit ist und ISHVARA selbst als die Bedingung von Zeit erachtet wird. Die Theorie, daß die Schöpfung von ISHVARA unabhängig ist von jener der Individuen, wobei die letztere die Ursache von Bindung ist, stellt eine Überstülpung von relativen Werten auf universell existente und eigenschaftslose Objekte dar und ist nicht überzeugend. Diese Theorie zieht scheinbar in Betracht, daß der menschliche Verstand etwas denken oder erkennen kann, selbst wenn er von allen Wünschen und ihren Eindrücken entschlackt ist. Denken ist ein aktiver Prozeß und dasselbe wie die Bewegung eines Wunsches oder Willens; seine Abwesenheit allein kann der Zustand des reinen Gleichgewichtes und der Harmonie über den Bewegungen des erkennenden Prozesses sein. Jede Form von Erkenntnis in einem Individuum ist ein Prozeß, und REINES GLEICHGEWICHT, das frei von allen Bewegungen ist, - die allein dem Prozeß seinen Wert verleihen -, kann kein Prozeß sein. Was die Schöpfung des Individuums genannt wird, ist nur eine äußere Beziehung. In dem Moment, wo seine Schöpfung, d.h. wo die äußere Beziehung durch das Geistorgan hindurch ein Ende findet, ist es für das Individuum nicht möglich, äußerlich zu leben oder irgend etwas äußerlich zu erkennen. Das Individuum ist nichts als das, was es durch seine tätigen Organe hindurch macht; wenn es nichts mehr macht, d.h., wenn seine Schöpfung ruht, dann ist es (als Individuum) nicht länger existent, da das Individuum, - wie alles Erschaffene - , lediglich eine Masse von unverständlichen Beziehungen ist. Von den tätigen Organen kann auch nicht gesagt werden, daß sie unabhängig sind von ihren eigenen Tätigkeiten und den Beziehungen, in die diese unausweichlich verwickelt sind, so daß in dem Moment, wo diese Tätigkeiten ruhen, auch die Instrumente ruhen. Das Individuum ist kein selbständig existierendes Etwas. Es ist nur ein Name, das einem Bündel von Beziehungen gegeben wird. Sobald die Beziehungen zurückgenommen werden, löst sich das Individuum in REINES SEIN auf. Individuen sind Objekte der Wahrnehmung und ihre Wirklichkeit bleibt solange unbegründet, solange sie nicht in einer wirklich bewußten Ursache oder einem wirklich bewußten Wahrnehmer verankert sind. Diese Ursache ist wahrlich nicht irgend etwas, das direkt durch die Sinne oder den Verstand wahrgenommen wird. Es kann einzig auf der Grundlage der Hl. Schriften und der empirischen Notwendigkeiten gefolgert werden. Die Wirkung erweist sich aufgrund einer Ursacheals wirklich, die als wirklich vorausgesetzt wird, und die Existenz der Ursache erweist sich erst durch die Wahrnehmung der Wirkung als wirklich. Die Überzeugung endet in einem endlosen Kreislauf, so daß keine objektive Wirklichkeit als Wahrheit bestand hat, - denn nichts Objektives kann Bestandteil des BEWUSSTSEINS sein. ISHVARAS Schöpfung kann nicht in Begriffen der verschiedenen Individuen des Universums erklärt werden da die Existenz der Individuen als solche nicht logisch nachgewiesen werden kann. ISHVARA ist das, was ER aufgrund des Universums und dessen Inhalte ist, und wenn letztere nicht beweisbar sind, dann ist ISHVARA ebenfalls nicht beweisbar; es sei denn, man argumentiert mit einer völlig unhaltbaren und willkürlichen Behauptung in der Form, daß man ISHVARA Sich aus reiner Objektivität oder aus einem Nicht-Sein heraus begreifen und Sich vorstellen kann, daß ER Selbst als ein absolutes Individuum existiert, auch wenn IHM kein zweites Objekt neben Sich bekannt ist. Es ist wahrlich verwunderlich, daß ISHVARA allmächtig ist und sich zur gleichen Zeit von BRAHMAN unterscheiden kann. Wenn in BRAHMAN ein unterscheidendes Prinzip existiert, dann kann weder BRAHMAN noch ISHVARA allgegenwärtig sein. Wenn es nichts gibt, was die beiden voneinander trennt, dann ist allein BRAHMAN und keine andere PERSON wie ISHVARA vorhanden. Vom Standpunkt des relativen Universums aus gesehen, ist ISHVARA eine Erscheinung BRAHMANS. Weiterhin wird gesagt, daß ISHVARA Sich Selbst aufteilte und zu vielen JIVAS (indiv. Seelen) wurde. Wenn ISHVARA nicht wirklich die Vielfalt geworden ist, sondern lediglich als vielfältige Welt erscheint, dann kann die Ursächlichkeit ISHVARAS ebenso nur eine Erscheinung sein, so daß kein wirklich Zweites neben BRAHMAN verbleibt. Wie konnte dies ISHVARA tun, ohne seine angeborenen Merkmale (der Allmacht, Allgegenwart usw.) zu verlieren? Wie erdachte Sich ISHVARA die vielen Individuen, ohne zu erkennen, daß sich ein Individuum vom anderen unterscheidet? Wie kann es eine Bewußtheit der Vielfalt geben, ohne das sich eine vom anderen zu unterscheiden? Wenn ISHVARA keine Unterscheidungs-Idee hat, wie kommt es dazu, daß ER die vielgestaltige Welt erschuf? Wenn die Idee der Unterscheidung nur dem relativen Individuum zu eigen ist und nicht ISHVARA, und wenn Schöpfung ohne die Idee der Unterscheidung nicht möglich ist, bedeutet dies, daß ISHVARA überhaupt nichts erschaffen hat, und daß es deshalb auch keine Schöpfung gibt. Wenn ISHVARA nicht wirklich die Vielfalt geworden ist, sondern lediglich als vielfältige Welt erscheint, dann kann die Ursächlichkeit ISHVARAS ebenso nur eine Erscheinung sein, so daß kein wirklich Zweites neben BRAHMAN verbleibt. ISHVARA ist das Objekt eines logischen Verständnisses der WIRKLICHKEIT, die dem Universum zugrundeliegt - nicht mehr und nicht weniger. ER hat einen Platz einzunehmen, weil das Universum wahrgenommen wird. Die Gegenwart eines ISHVARA drängt sich auf dem Weg der Notwendigkeit über die Erfahrung des Universums auf. Wenn SELBST-VERWIRKLICHUNG stattfindet, löst sich ISHVARA in REINES BEWUSSTSEIN auf. Diese Schwierigkeiten in der Beweisführung von der Existenz ISHVARAS als einer, von BRAHMAN unterschiedlichen Wirklichkeit, erscheint deshalb, weil das Individuum versucht, seine eigenen (begrenzten) Werte an die Universale WAHRHEIT der Dinge anzuhängen. Solange das Individuum existiert, muß ein ISHVARA als dessen notwendiger Gegenpol postuliert werden, da es bedeutungslos ist, zwar an der Existenz von Individuen oder der Welt festzuhalten, aber an der Existenz ISHVARAS nicht. Wo eine Wirkung ist, muß auch eine Ursache sein. Die Ursache kann nur dann geleugnet werden, wenn auch die Wirkung geleugnet wird. ISHVARA ist die notwendige objektive Vergegenwärtigung der Schußfolgerungen aus den Erfahrungen der Individuen. In der Bestätigung der Welt und der Individuen ist die Existenz des Höchsten SCHÖPFERS mit einbezogen. Wo es keinen GOTT gibt, kann es auch keine Welt geben. Die begrenzte Intelligenz des Individuums kann die Bedeutung des Universums nicht verstehen, außer auf der Grundlage eines ISHVARA, der es beherrscht. ISHVARA und JIVA sind die beiden Seiten von ein und derselben Münze. Die beiden haben eine wechselseitige Beziehung. Wird das Eine geleugnet, dann wird das Andere automatisch mit geleugnet. Wird das Eine bestätigt, dann wird das Andere ebenfalls bestätigt. Für das Individuum ist ISHVARA die kosmische Seite der Annahme von der Wirklichkeit seiner eigenen Erfahrungen. Die Transzendenz der Individualität, des Zeitlichen oder der Relativität ist gleichzeitig die Transzendenz des ISHVARA-Zustandes. Beide, JIVA und ISHVARA, finden in der Oberhoheit BRAHMANS ein Ende. Solange die Welt als Wirklichkeit erfahren wird, wird die Wirklichkeit ISHVARAS nicht abgelegt. Die Stufen der Wirklichkeit und der Erfahrungen, die allesamt Gegebenheiten im Leben des Individuums sind, zählen nicht; es sei denn, ISHVARA wird als URSACHE der Welt angenommen. Die qualitative Unterscheidung zwischen Wach- und Traumzustand kann nur eine Bedeutung haben, wenn die Existenz von ISHVARA als eine Tatsache angenommen wird. Von der Wahrheit und Falschheit weiß man, daß sie verschieden voneinander sind, weil es in der menschlichen Einbildungskraft ein äußeres Universum gibt. ISHVARA ist folglich eine relative Wirklichkeit. ER ist in diesem Sinne mehr eine Erklärung für die Erfahrung des Universums, als eine wahre Existenz. Und wo immer ISHVARA mit dem HÖCHSTEN SELBST identifiziert wird müssen wir verstehen, daß es sich damit um die ESSENTIELLE EXISTENZ ISHVARAS und nicht um Seine relative Form handelt, die auf diese Weise identifiziert wird. ISHVARA wird in den UPANISHADEN häufig als BRAHMAN SELBST bezeichnet,
da sie jede WIRKLICHKEITS-Stufe, - ANNA (mater. Körper), PRANA (Lebensatem), MANAS (Denkorgan), VIJNANA (Intelligenz) usw. - , als BRAHMAN betrachten, der SICH auf einer
Höheren oder niederen Stufe offenbart. Manchmal erachten sie
diese Dinge als den gesamten BRAHMAN. Sie pflegen nichts anderes zu
sehen als BRAHMAN in Allem. Häufig machen sie keinerlei Unterschied
zwischen der Form und der ESSENZ; für sie ist alles ESSENZ; selbst
die Form ist nichts als ESSENZ. Dies ist eine sehr hoch entwickelte
Sicht. Doch wenn ISHVARA als ein wirkliches Bindeglied in der
Ursächlichkeits-Kette existiert, dann sind wir gezwungen, einen
Unterschied zwischen dieser erfahrungsbedingten Vorstellung, die wir
von BRAHMAN haben und BRAHMAN, wie ER SELBST IST, zu machen. Wenn
die ursächliche Vorstellung abgelegt wird, gibt es keinen Anlaß, ISHVARA mit BRAHMAN zu identifizieren. Manchmal wird ISHVARA das SELBST aller Wesen genannt, der HÖCHSTE HERR,
die WIRKLICHKEIT des UNIVERSUMS usw., wobei auf diese Weise
das in ISHVARA vorhandene BEWUSSTSEIN und nicht SEINE
URSÄCHLICHE NATUR identifiziert wird. In der empirischen Beurteilung
erscheint ISHVARA als ein Wesensmerkmal, das mit dem Universum
verwickelt ist. DIE KRAFT BRAHMANS
Diese KRAFT ist sozusagen nur eine objektivierende Kraft, die die SELBST-ERFAHRUNG verhütet, indem sie das BEWUSSTSEIN, - der Erscheinungen wegen -, durch die Verschleierung und das Abziehen des BEWUSSTSEINS von Sich Selbst, täuscht. Doch da diese KRAFT mit BRAHMAN so identisch ist wie Hitze mit Feuer, erheben sich die Fragen: wie kann Sich BRAHMAN Selbst täuschen und woher stammt die Existenz der KRAFT im TEILUNGSLOSEN SEIN? Und außerdem, - wie kann es eine objektive KRAFT in der UNBEGRENZTEN BEWUSSTSEINSMASSE geben? Dies ist der unerklärliche Zauber, der irgendwie vorhanden sein muß, obwohl er eigentlich gar nicht sein kann und der irgendwie DAS täuscht, was auf ewig frei von Täuschung ist. Doch das Unerklärbare ist keine Entschuldigung dafür, wenn es darum geht, daß die Philosophie ihren Zweck zu rechtfertigen hat. Keine Spekulation ist jemals dazu fähig gewesen, die Bedeutung einer Ungeteilten Schöpfung, die von Ewigkeit zu Ewigkeit ist und von daher gar keine Schöpfung sein kann, herauszustellen. Wir können nicht sagen, warum wir in Unwissenheit gefangen zu sein scheinen. Dieses Geheimnis ist jenseits der Logik. Unsere größte Intelligenzleistung besteht darin, zuzulassen, daß wir tatsächlich nichts verstehen können. 'ANIRVACHANIYATVA ' oder das 'Unerforschliche' ist unsere letzte Ruhestätte; und dies ist alles, was die stolze philosophische Vernunft nach zahllosen Jahren des Nachdenkens als Ergebnis erreicht hat. Einige kühnere Geister hatten jedoch den unglaublichen Mut, unter gnadenloser Mißachtung aller Tatsachen der relativen Erfahrung und ohne deren Widersprüche und auffallend schwierigen Wirklichkeiten, die alle nur ihre Gültigkeit im Reich der Individuen besitzen, energisch auf der WEISHEIT zu beharren, daß es nichts außer dem EINEN BRAHMAN, dem ABSOLUTEN gibt. Sie erscheinen dem leidenschaftslosen Urteil als die wahren und größten Helden der Menschheitsgeschichte. Es kann keinen besseren Weg geben, als denjenigen, den diese Helden genommen haben. Die UPANISHADEN erklären: "SARVAM KHALU IDAM BRAHMA ";
-CHH.UPANISHAD, III.14.1
Letztendlich kann es keine Täuschung, Unwirklichkeit, 'MAYA', Fehler oder irgendein objektives Konzept oder erkennbares Prinzip geben, sondern einzig das ABSOLUTE BEWUSSTSEIN. Es kann nichts anderes als BEWUSSTSEIN da sein. Dies ist die WAHRHEIT. Selbst Stufen in der WIRKLICHKEIT würden Objektivität und darin enthaltene Dualität bedeuten, da sie die WIRKLICHKEIT auf eine phänomenale Erscheinung vermindern würden. WIRKLICHKEIT, wie Sie in SICH SELBST IST, kann nur das 'ABSOLUTE' sein, das frei von allen unterscheidenden Elementen ist, einschließlich der sogenannten Stufen. Das ABSOLUTE ist immer ES SELBST, niemals ein Objekt, niemals ein Subjekt und somit Ewig Unteilbar. |
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