Die Chandogya Upanishad
von Swami Krishnananda
Kapitel 2. - Uddalakas Lehren über das Einssein des Selbst
1. Die Vorgeschichte
Vor vielen Jahren lebte ein Heiliger namens Uddalaka, Sohn von Aruni. Er hatte
einen Sohn, der Svetaketu genannt wurde. Aus irgendeinem Grund war sein Vater
nicht in der Lage, seinen Sohn persönlich zu schulen bzw. einzuweisen. Der
Junge trödelte überall herum, spielte mit den Kindern aus der Nachbarschaft
und wusste nicht, was Lernen oder gar eine Ausbildung bedeutet. Eines Tages rief
der Vater seinen Sohn zu sich: „Mein lieber Sohn niemand in unserer Familie
wird allein durch seinen Namen zum Brahmin. Er muss sich seines Namens würdig
erweisen, d.h. er muss mit dem wirklichen Wissen eines Brahmins ausgestattet
werden. Wir sollten uns nicht nur wegen unseres Namens und durch unsere soziale
Stellung in der Gesellschaft als Brahmin bezeichnen. Du bist mit einem berühmten
Mann verwandt. Darum musst auch du zu einer herausragenden Persönlichkeit
werden. Du solltest nicht nur sagen müssen, ‚ich bin ein Freund von
dem und dem, mein Vater ist der und der.’ Du musst auch von innen her zu
einer derartigen Persönlichkeit werden. Darum musst du zu einem Gurukula
gehen und von ihm lernen.“
Als Svetaketu zwölf Jahre alt war, verließ er also das Haus seines
Vaters, um sich von einem Gurukula ausbilden zu lassen. Nach Abschluss seiner
Ausbildung war er bereits 24 Jahre alt, d.h. seine Ausbildung dauerte 12 Jahre.
Er studierte all die Vedas, Shastras, alle religiösen Schriften, und es
gab praktisch nichts Religiöses, was er nicht gelernt hatte. Dieses Lernen
hatte aber auch noch einen anderen Effekt. Es erfüllte den Jungen mit großem
Stolz. Er glaubte, dass es niemand bzgl. des Lernens mit ihm gleichtun könnte.
Er glaubte alles zu wissen, sodass er glaubte, nahezu allwissend zu sein. Als
er im Alter von 24 Jahren wieder nach Hause zurückkehrte, sprach er nicht über
das Erlernte. Er gab sich würdevoll und saß da, ohne selbst mit seinem
Vater ein Wort zu wechseln. Er war schlicht eingebildet. Er gab aufgrund seines
Wissens keinen Laut von sich. Sein Vater beobachtete sein Verhalten. Er sprach
nicht, er war arrogant, stolz, aufgeblasen, so als würde er alles wissen.
Er machte einen fremdartigen Eindruck. Eines Tages rief der Vater seinen Sohn
zu sich: „Du sprichst nicht. Du scheinst viel gelernt zu haben und machst
einen arroganten Eindruck. Ich verstehe nicht, was das zu bedeuten hat. Hast
du alles von deinem Guru gelernt, was dir das Gefühl gibt, alles zu wissen
und bist darum voller Stolz? Weißt du alles? Hast du alles gelernt?“
„
Weißt du, was DAS ist, durch das man alles weiß? Kennst du DAS, wodurch
Ungehörtes hörbar wird und Ungedachtes denkbar wird? Hat dein Guru
oder Lehrer, bei dem du die vier Vedas gelernt hast, dir dieses Geheimnis vermittelt,
durch die die Dinge hörbar werden können, die nicht gehört werden,
durch die die Dinge gedacht werden können, die undenkbar scheinen, und wodurch
die Dinge verstanden werden können, die man nicht versteht? Es gibt ein
Wissen, durch das man alles erfährt. Hast du davon gehört? Haben deine
Lehrer dir dieses beigebracht?“ Sehr komisch! Der Junge scheint nie davon
gehört zu haben!? Wie können Dinge gehört werden, die nicht hörbar
sind? Wie können Dinge gedacht werden, die undenkbar sind? Wie können
Dinge verstanden werden, die unverständlich sind? Davon steht nichts in
den Vedas oder Shastras geschrieben. Man findet nirgendwo etwas darüber
geschrieben. Der Junge sagte: „Was ist das? Ich kenne es nicht. Mir wurde
nichts darüber beigebracht.“ Er wurde etwas kleinlaut. Es gibt also
etwas, was ich nicht weiß. „Wenn du niemals von etwas gehört
hast, wie kann man es dann hören? Wenn man über eine Sache nicht nachdenkt,
wie kann man darüber nachdenken? Wie kann etwas verstanden werden, das man
eigentlich nicht versteht?“ – „Doch es gibt einen Weg“,
sagte der Vater. „Es gibt einen Weg, über den es möglich wird,
alles zu erfahren, selbst wenn man normalerweise keine Kenntnis davon haben kann. Übersinnliches
kann erfahren werden und alles kann durch das Wissen einer einzigen Sache bewusst
werden.“ Der Vater richtete diese Frage an seinen Jungen, doch der wusste
nichts davon. „Wie ist das möglich?“ fragte der Junge seinen
Vater. „Was bedeutet diese Frage? Wie ist es möglich, Kenntnis davon
zu erlangen?“ – „Ich werde dir ein Beispiel geben.“ Ohne
in die Einzelheiten zu gehen, gab der Vater nur ein Beispiel, eine Analogie darüber,
wie es möglich ist.
„
Wenn man weiß, woraus die Erde gemacht wurde, dann kennt man auch alles,
was aus der Erde entstanden ist, denn alles, was aus der Erde entstanden ist,
muss im wesentlichen dieselbe Substanz beinhalten. Folgendes Beispiel soll veranschaulichen,
wie viele Dinge bekannt sein müssten, wenn man die Basis kennt. Töpfe,
Gefäße, Teller usw. wurden aus Ton gefertigt. Wenn man also Ton kennt,
weiß man auch, woraus Tongefäße bestehen usw. Ist das verständlich?
Sicherlich ja! Denn es handelt sich nur um verschiedene Muster, die alle aus
Ton bestehen. Und das, was man als irdischen Top bezeichnet, ist nur ein Name,
der einem bestimmten Muster gegeben wurde, der aus irdischem Material gefertigt
wurde.
So verhält es sich auch mit bestimmten anderen Dingen. Wenn man sich einen
kleinen Goldklumpen anschaut, so kann er in verschiedenen Schmuckgegenständen
Verwendung finden. Er kann zu einer Halskette, einem Ring oder irgendetwas anderes
verarbeitet werden. Wenn man nun weiß, was Gold wirklich ist, woraus es
wirklich besteht, dann weiß man auch, woraus eine Goldkette, ein Ring oder
andere Schmuckgegenstände dieser Art gefertigt werden, denn alle haben dieselbe
Substanz. Bei den Schmuckgegenständen handelt es sich nur um Muster von
gleicher Substanz, d.h. Gold.
Wenn man sich beispielsweise eine Schere anschaut, stellt man fest, dass sie
aus Eisen gefertigt wurde. Dann kennt man auch alle ähnlichen Gegenstände,
die Eisen als Grundlage haben, sei es ein Hammer, ein Nagel, eine Axt oder was
auch immer. Diese Gegenstände bestehen im Wesentlichen aus derselben Substanz.
Sie unterscheiden sich nur im Muster bzw. in ihrer Ausführung.
Dieser irdische Tontopf ist irgendwie etwas vollständig Fremdes. Man hat
diesem Muster, das aus Ton besteht, einen Namen gegeben. Im wahrsten Sinne des
Wortes gibt es so etwas wie diesen Topf eigentlich nicht. Wenn man den Topf berührt,
was fühlt man dann: Ton oder einen Tontopf? Man weiß es nicht wirklich.
Es ist außerordentlich schwierig zu bestimmen, ob man einen Tontopf oder
Ton berührt. Man berührt Ton und man sagt, man berühre einen Tontopf.
Der Tontopf existiert nur in unseren Köpfen, doch nicht außerhalb.
Das, was wirklich existiert, ist Ton. In Gedanken ist es klar, dass es sich bei
der Substanz um Ton handelt. Die Einmischung von Raum und Zeit in die irdische
Substanz ist für dieses eigenartige Muster verantwortlich. Auf diese Weise
ist das Tongefäß, das aus irdischem Material besteht, nur ein Name
oder Klang. Man benutzt einen Begriff, das ein Muster bezeichnet, das aus Erde
besteht. Was bedeutet dieses Muster aus irdischem Material? Was ist ein Muster?
Kann man verstehen, was dieses Muster außerdem noch ist? Das Muster ist
auch Erde! Man mischt sich durch die Interpretation, hervorgerufen durch eine
Vorstellung, in eine Substanz ein, die eigentlich, mit einer Verbindung zu Raum
und Zeit, irdischen Ursprungs ist. Darum beruht der Topf auf nichts anderes,
als einer geistigen Interpretation, die auf eine Substanz projiziert wird, die
eigentlich Ton ist. Es gibt eigentlich solch einen Topf nicht; er existiert nicht.
Und doch haben wir zwei Begriffe geprägt. Einerseits gibt es das Wort Ton,
und andererseits das Wort Topf. Nun haben wir zwei Wörter, die ein und dieselbe
Sache bezeichnen. Warum brauchen wir zwei Wörter, wenn es sich nur um eine
Substanz handelt? Wir stehen unter dem Eindruck einer illusionären Wahrnehmung.
Wir sind in unserer Vorstellung gefangen. Wir unterliegen einem Fehler bei der
Interpretation der Wirklichkeit, wenn wir behaupten, es gibt einen Topf’.
Der Topf existiert nicht; das, was existiert, ist lediglich Ton. Das, was wir
als Topf bezeichnen, entstammt einer Vorstellung unseres Geistes, “ sagt
Uddalaka Aruneya zu seinem Sohn Svetaketu.
Die Illustration von Uddalaka veranschaulicht, dass Objektformen untrennbar mit
unseren Vorstellungen verbunden sind. Wenn sie nicht originär mit dem Geist
des Wahrnehmenden verbunden wären, wären sie als Objekt existent und
könnten physikalisch durch die Sinnesorgane wahrgenommen werden.
In dieser Analogie über das Tongefäß, in Folge der Substanz Ton,
existieren neben dem Ton keine anderen Substanzen. Es ist merkwürdig, dass
eigentlich kein Topf vorhanden sein soll, und doch ist er vorhanden. Sind wir
einer Illusion aufgesessen? Ist es wahr, dass die Menschen nicht in der Lage
sind, Dinge richtig wahrzunehmen? Oder verabreichen wir den Dingen nur aus Bequemlichkeit
für das gesellschaftliche Zusammenleben irgendwelche Namen? Die Bequemlichkeit
zur Nutzung von Gegenständen kann nicht als objektive Wirklichkeit betrachtet
werden. Wenn wir den Dingen aus praktischen Gründen Namen geben, um sie
voneinander zu unterscheiden, bedeutet dies nicht, dass eine philosophische oder
gar wissenschaftliche Existenz als Gegenstück für diese Namen sanktioniert
wird. Wir müssen tolerieren, dass es aus praktischen Gründen unterschiedlichste
Namen bzw. Begriffe zur Differenzierung für alles Mögliche oder Unmöglich
gibt, ohne dass dafür entsprechende Objekte vorhanden sind. Wenn dieses
der Fall ist, muss das Diversifizieren zwangsläufig mit einem Schlag aufhören.
Dieses lässt darauf schließen, dass all diese Differenzierungen und
die Vielheit in der Welt offensichtlich sinnlos sind. In den Sprachen herrscht
ein völliges Durcheinander von Vorstellungen. Diese Vorstellungen werden
in scheinbaren Wirklichkeiten konkretisiert, als wären sie wirklich vorhanden,
wobei sie sich wie Kobolde auf uns stürzen.
Die Verschiedenartigkeit der Dinge, die Vielfältigkeit der Objekte und deren
immense Anzahl, die diese Welt ausmachen, sind eigentlich nicht vorhanden. Wenn
es wahr ist, dass ursächlich nur eine Substanz diese unterschiedlichsten
Muster oder Formen als Folge hervorbringt, bedeuten sie nicht wirklich etwas
Neues oder Anderes als das, was sie als ursprüngliche Substanz zum Inhalt
haben. Wenn Ton die Substanz eines Topfes ist, und nichts anderes darin enthalten
ist, wäre es belanglos, das hervorgebrachte Muster als Topf zu bezeichnen.
Wir haben unnötiger Weise Verwirrung gestiftet, indem wir einer besonderen
Form einen Namen gegeben haben. Wir können dieselbe Masse Ton auch mit einem
dritten oder vierten Namen bezeichnen, wie z.B. Glas, Teller usw. Auf diese Weise
haben wir eine so genannte Vielheit in unserem Geist erzeugt, die eigentlich
nicht wirklich existiert.
Dieses ist die philosophische Schlussfolgerung, die einer sorgfältigen Untersuchung
bzgl. der Schöpfung von Vielheit in Bezug auf deren Effekte folgen muss.
Dieses ist das Ergebnis der Analyse, die Uddalaka mit einfachen Worten dem jungen
Svetaketu verständlich zu machen suchte.
So wie es sich mit dem Ton und den daraus erzeugten Produkten verhält, so
verhält es sich mit allen Dingen in dieser Welt, welche Ursache sie auch
immer haben mögen, ob es sich um Eisen, Holz, Gold oder irgendeine andere
Materie handelt. Der Junge konnte die Bedeutung dieser Lehre nicht verstehen.
Doch sie ist klar. Wie verstehen nicht, was gemeint ist, doch sie ist erschreckend.
Es scheint die Grundfeste unserer Welt, an die wir glauben, zu erschüttern,
und es scheint, dass wir überhaupt nicht mehr existieren können, wenn
das die Wahrheit ist. „Es kann sein, dass meine Gurus all diese Dinge selbst
nicht verstanden haben. Sie haben mir jedenfalls nichts davon erzählt, “ sagte
der Junge zu seinem Vater.
„
Wenn sie es gewusst haben, warum sollten sie es mir vorenthalten haben? Ich habe
bis heute nicht nichts davon gehört. Ich habe die vier Vedas studiert, die
Shastras, aber davon stand nichts darin geschrieben. Was ist das? Bitte erkläre
mir das, heiliger Vater?“ Er wurde jetzt zum Guru von Svetaketu. Der Vater
sagte: „Ich werde dir alles über dieses Geheimnis erkläre.“
2. Die Vorrangstellung des Seins
Am Anfang gab es nur das Sein. Es gab nicht diese Vielzahl unterschiedlichster
Dinge.
„
Mein Junge es gab anfangs nur eine einzige existierende Wirklichkeit. Diese so
genannte Vielfältigkeit gab es nicht. Sie war Eins, zeitlos, nichts Äußeres,
dass sich von Ihr unterschied, vergleichbar gewesen wäre oder hätte
vervollständigt werden müssen. Es gab keine vorstellbare Wirklichkeit
in dieser Welt der Natur. Wie weit man auch immer seine Vorstellungskraft ausdehnen
mochte, man konnte sich nichts Äußeres vorstellen, denn das gab es
nicht. Letztendlich kam dort Raum, Zeit oder irgendetwas ins Spiel. Doch selbst
Raum und Zeit sind nur Objekte, Äußerlichkeiten, Effekte, die sich
nach dem Schöpfungsprozess erst entwickelt haben. Und darum müssen
auch sie bzgl. der Wirklichkeit verneint werden. Nur dieses war und ist. Es gab
ursprünglich keine Unterscheidungsmöglichkeiten, weder äußere
noch innere Unterschiede. Sprachlich ausgedrückt, gab es weder Sajatiya
Bheda noch Vijatiya Bheda noch Svagata Bheda.“
Dieses sind die grundlegenden Begriffe der Vedanta Philosophie, die man in der
Welt beobachten kann, und die nicht der Wirklichkeit entsprechen. Es kann innere
Unterschiede geben, wie man sie bei den Zweigen eines Baumes sehen kann. Es gibt
nur einen Baum, doch der hat viele Zweige. Genauso wie es in einem Körper
verschiedene Dinge geben kann. Die linke Hand unterscheidet sich von der rechten
Hand, ein Finger ist anders als der andere, ein Körperteil ist anders als
ein anderer. Dieses nennt man Svagata Bheda: die Unterschiede im eigenen Selbst,
im eigenen Körper. Obwohl das Objekt allein eine Einheit in sich selbst
ist, so gibt es innere Unterschiede in dieser Natur. Im Absoluten Sein gab es
ursprünglich diese Vielheit nicht. Es gibt noch eine andere Art von Unterscheidung
in dieser Welt. Alle Menschen unterscheiden sich voneinander. Obwohl jedes menschliche
Wesen ein Mensch ist, so unterscheiden sie sich doch. Kühe unterscheiden
sich voneinander. Dieses nennt man Sajatiya Bheda oder die Unterscheidung innerhalb
einer Spezies oder einer Kategorie derselben Art. Selbst diese Unterscheidung
gab es anfangs nicht. Vijatiya Bheda ist die dritte Art von Unterscheidung. Ein
Baum unterscheidet sich von einem Stein, ein Mensch unterscheidet sich von einem
Tier. Dieses ist die Unterscheidung verschiedener Arten von Spezies. Auch die
gab es ursprünglich nicht.
Auf diese Weise war die Absolute Wirklichkeit vollständig frei von diesen
drei möglichen Unterscheidungen. Es war eine außerordentliche Einheit,
die für den menschlichen Geist unvorstellbar ist.
Viele Leute glauben, das es wirklich nur ein so genanntes Nicht-Sein gegeben
hätte und kein Sein. Nicht-Sein wird als etwas Ursprüngliches von Dingen
unter besonderen Umständen angesehen. Wie sollte es möglich sein, dass
das Sein aus einem Nicht-Sein entsteht? Hat irgendjemand ein solches Phänomen
gesehen? Etwas kann etwas hervorbringen; wie könnte Nichts irgendetwas hervorbringen?
Uns ist eine solche Möglichkeit unbekannt. Darum sagte Uddalaka: „Mein
lieber Junge, obwohl es Leute gibt, die eine Doktrin des Nicht-Seins als Ursprung
vertreten, aus dem das Sein hervorgegangen sein soll, scheint dieses dennoch
unmöglich zu sein. Dieses ist unvorstellbar. Nicht-Sein kann nicht die Ursache
von Sein sein. Man kann auch nicht behaupten, dass das Sein die Ursache von Sein
ist. Das ist keine hinreichende Definition, denn sprachlich ist sie bedeutungslos.
Wenn das Sein nicht die Ursache des Seins ist, was ist es dann? Nicht-Sein? Unmöglich!
Nicht-Sein kann nicht die Ursache des Seins sein. Sein ist auch nicht die Ursache
des Seins. Was ist dann die Ursache des Seins? Es gibt offensichtlich keine Ursache
für das Sein. Wenn es eine Ursache gäbe, müsste man sie erklären,
und diese Ursache kann weder Sein noch Nicht-Sein sein. Etwas Drittes als Erklärung
kommt nicht in Frage. Sein kann nicht die Ursache für das Sein sein. Nicht-Sein
kann es ebenso wenig sein. Nicht-Sein kommt dafür nicht in Betracht. Es
ist ursachenlose Existenz. – Wie ist das möglich? Es ist eine alte
Doktrin, die zum Schmunzeln einlädt, zu behaupten, dass etwas aus nichts
entstehen könnte. Wie sollte Sein aus nicht Nicht-Sein entstehen? Man kommt
zu dem Schluss: allein das Sein und nicht das Nicht-Sein war und ist. Es gibt
weder individuelles Sein noch ein Sein von Diesem oder Jenem, noch aufgeteiltes
Sein. Es ist etwas, dass mit allen Objekten gleichermaßen verbunden ist.
Das Sein als solches ist unvorstellbar, denn ist kein Objekt. Der menschliche
Geist kann an etwas außerhalb von sich selbst denken und an nichts anderes.
Doch das Sein kann nicht etwas außerhalb des Geistes sein, denn der Geist
ist im Sein verwurzelt. Darum ist Es kein Subjekt, das durch die Sinne oder durch
die Vorstellungskraft des Geistes verstanden werden kann. Es ist keine Art Objekt,
weder physisch noch begrifflich, d.h. es kann weder wissenschaftlich untersucht
noch philosophisch darüber argumentiert werden. Was ist es dann? Wenn man
es so einfach verstehen könnte, wäre man gesegnet. Es kann nicht auf
diese Weise verstanden werden, denn wer könnte etwas verstehen, dass selbst
eine Voraussetzung allen Verstehens ist. Selbst der Geist bliebe unbeweglich,
wenn das Sein nicht als Hintergrund vorhanden wäre. Es ist eine Voraussetzung
für das Verstehen und das Denken selbst. Auf diese Weise gibt es keine Möglichkeit
es zu verstehen, es zu erdenken, es sich vorzustellen, es zu beschreiben, es
zu erklären oder darüber zu argumentieren.
Dieses ist, um es klar auszudrücken, der Ursprung von allem. Die Kommentatoren
dieser Upanishad gehen weit ins Detail der Folgen, die der Ursache entspringen,
und wie die Schöpfung durch das Absolute Sein erfolgte. Entsprechend der
verschiedenen Gedankenschulen, denen die Menschen oder die Kommentatoren angehören,
sind die unterschiedlichen Vedas bzw. verschiedenen philosophischen Argumentationen
entstanden, die diese Beziehungen von Ursache und Wirkung erklären. Die
Krux der philosophischen Argumentation ist die Beziehung zwischen Ursache und
Wirkung bzw. Folge. Wie die Ursache mit den Auswirkungen und umgekehrt verbunden
ist, ist nur schwer zu verstehen. Entstand die Auswirkung wirklich von der Ursache,
unterscheidet sie sich von der Ursache oder nicht? Diese Fragen lassen sich nicht
so ohne weiteres beantworten, denn falls sich die Folge von der Ursache unterscheidet,
ist es keine Folge jener Ursache. Im Allgemeinen hat man aber diesen Umstand
bereits akzeptiert. Warum spricht man sonst von Auswirkung oder Folge einer Ursache?
Selbstverständlich ist sie dasselbe wie die Ursache. Darum ist man auf die
eine oder andere Weise gefangen. Man kann nicht behaupten, dass sich die Auswirkung
von der Ursache unterscheidet, und man kann nicht sagen, sie sei dasselbe wie
die Ursache. Wenn es einen Unterschied gäbe, warum hat man, linguistisch
betrachtet, zwei Begriffe, um den Unterschied zu dokumentieren? Wo sind diese
beiden Dinge überhaupt? Oder, wenn es sich um eine Prozessfolge handelt,
wie es auch immer wieder dargestellt wird, die die Ursache mit der Wirkung verbindet,
dann muss man auch sagen, um was für einen Prozess es sich handelt. Bei
dem Prozess muss es sich entweder um eine Bewegung des Selbst in sich selbst
handeln oder das Selbst muss die Bewegung von irgendetwas anderem sein. Wenn
es sich dabei um etwas anderes handelt, ist es wiederum nicht die Ursache. Hier
entsteht also dieselbe Schwierigkeit. Wenn es dasselbe wie die Ursache ist, gibt
es auch keine Auswirkung. Auf diese Weise befindet man sich in einem großen
Dilemma. Man ist gezwungen zu behaupten, es gäbe keine Auswirkungen. Doch
wenn es keine Auswirkungen/ Folgen gibt, wie kommt es zur Schöpfung? Wenn
man die Schöpfung beschreiben möchte, dann muss auch die Natur der
Auswirkungen beschrieben werden; doch man versteht nicht, was eine Auswirkung
ist. Und von daher versteht man auch nicht, was Schöpfung bedeutet.
Bis nichts mehr geht, kann man diese philosophische Argumentation treiben. Doch
Philosophen argumentieren nicht, um sich letztendlich geschlagen zu geben, sondern
sie suchen nach einer Lösung. Manchmal kommt man immer wieder an dieselbe
Wand, wenn man argumentiert. Doch es muss für dieses Rätsel der Erscheinungen
der Schöpfung oder dieses Prinzip von Ursache und Wirkung eine Lösung
geben. Es gibt kaum Lösungsansätze dafür. Einige Denker halten
daran fest, dass die Doktrin der Schöpfung keine Erklärung für
das historische Ereignis darstellt, das vor geraumer Zeit stattgefunden hat.
Man ist z.B. der Ansicht, dass nicht irgendjemand vor langer Zeit etwas getan
hat, über das wir heute diskutieren. Insbesondere Leute, wie Sankara, vertreten
die Auffassung, dass die Schöpfung eine notwendige Annahme für den
Einzelnen ist, um vom Individualen zum Absoluten aufzusteigen. Dabei geht es
nicht darum, ob es vorhanden ist oder nicht. Doch es muss als vorhanden akzeptiert
werden. Wie wir bereits gesehen haben, sind bestimmte Annahmen objektiv, wie
das x’ bei einer Gleichung. Es ist nicht wirklich vorhanden. Es
hat keine Bedeutung. Andererseits hat es eine enorme Bedeutung, denn es löst
ein Problem. Wenn das Problem gelöst ist, löscht es sich automatisch.
Es ist selbst nicht vorhanden. Auf diese Weise kann es ein so genanntes Nichtexistierendes
Ding geben, das als wirklich angenommen wird und in der Lage ist, ein ernsthaftes
Problem zu lösen. Und wenn es das Problem gelöst hat, löst es
sich automatisch auf.
Der Sinn der Lehre einer Upanishad unterscheidet sich außerordentlich von
irgendwelchen Geschichten oder Märchen, die irgendwann einmal stattgefunden
haben sollen. Dieses wird in den Kommentaren von Sankaracharya immer wieder betont.
Wir verstehen häufig nicht, was mit diesen Lehren gemeint ist. Sie haben
nichts mit Großmutters Erzählungen zu tun. Man kann sehr gut erkennen,
dass man ein Phänomen nicht ohne irgendwelche Annahmen erklären kann,
die von dem gegenwärtigen Zustand des menschlichen Verstandes akzeptiert
werden können. Es ist sinnlos darüber zu diskutieren, ob die Schöpfung
existiert oder nicht. Sie muss als gegeben hingenommen werden, denn wir sehen
diese Welt. Niemand zweifelt an der Existenz der Welt. So muss man einen Standpunkt
einnehmen, der aus der jetzigen Sichtweise akzeptabel ist. Und Uddalaka folgte
dieser Technik des Lehrens wie ein guter Psychologe. Es geht nicht um die Frage,
ob die Schöpfung existiert oder nicht, oder wie es dazu kam. Es macht wenig
Sinn, über die Vorstellungen des Geistes zu argumentieren, was aus menschlicher
Sicht mit dem Abstieg der Wirklichkeit, woran die Schüler festhalten, nicht
praktisch demonstriert werden kann. Es wird als Folge der weltlichen Schöpfung
angenommen. Wir kommen später noch zu einem anderen Punkt bzgl. dieser Annahmen,
die sich sehr von unseren Erwartungen unterscheiden. Von der akzeptierten Tatsache
der Schöpfung wird der Geist schrittweise zu dem Punkt geführt, wo
er feststellt, dass es so etwas wie eine Schöpfung nicht gibt. Doch zu Anfang
kann er es nicht akzeptieren. Erst später kommt er durch ein logisches und
schrittweises Aufsteigen der Gedanken, ohne ein Glied in der Argumentationskette
auszulassen, zu diesem Schluss. Und dieser logischen Argumentationskette folgt
Uddalaka auf interessante Weise.
Dass die Schöpfung stattgefunden hat, wird als gegeben angenommen. Dann
muss es einen Schöpfer geben. Wie sollte es eine Schöpfung ohne Schöpfer
geben? Der Schöpfer war das absolute Sein. Dieses betrachte ich als letztendliche
Wirklichkeit. Was wäre dann der Schöpfungsprozess und die Ursache der
Schöpfung? Die Absicht des Schöpfers ist die Ursache der Schöpfung.
Der Wille eines Künstlers ist die Ursache für einen Kunstgegenstand
in Form einer Skulptur, eines Gemälde usw. als Folge. Die Absicht, der Wille,
die ursächliche Meditation oder Tapas, wie es manchmal genannt wird, des
absoluten Seins ist die Ursache der Schöpfung. Sie ist gewollt.
Möge ich das Drama meiner eigenen Offenbarung sehen. Dieses ist der Wille,
der sich in seiner Folge selbst entfremdet, wie das Gefäß, das aus
Ton geschaffen wurde. Es wurde jedoch bereits eine interessante Annahme getroffen,
d.h., dass das Ergebnis (die Folge) sich nicht substantiell von der Ursache unterscheidet.
Genauso wenig wie sich das Tongefäß wesentlich vom Ton unterscheidet,
unterscheidet sich auch nicht die Auswirkung in Form der Schöpfung mit all
ihren Prozessstufen im Wesentlichen von der Ursache des reinen Seins. Entsprechend
der Doktrin dieser besonderen Lehre der Chhandogya Upanishad, war die erste Schöpfungsstufe
Agni, das Feuer, und bei jeder Stufe bezieht sich Uddalaka in dieser Folge auf
Gott, Devata. Feuer und Wasser sowie Erde sind keine materiellen Dinge. Devata
ist das Wort, um den Begriff bzw. dieses Muster zu bestimmen. Sie sind im Wesentlichen
identisch mit dem absoluten Selbst. Warum sollte man also ihre Bedeutung nicht
mit der Bedeutung des absoluten Selbst identifizieren? In der Schöpfung
findet eine Kettenreaktion statt. Das absolute Sein, das man vorübergehend
als ‚A’ bezeichnen möge, wird aufgrund seines eigenen Willens
zu ‚B’. Der ursächliche Wille von ‚A’, der in ‚B’ aufgeht,
hat auf ‚B’ einen außerordentlichen Einfluss. Das schöpferische ‚A’ wirkt
durch ‚B’. Vielleicht möchte dieses ‚B’ zu ‚C’ werden,
dann ‚D’ usw. Auf diese Weise entsteht eine abwärtsgerichtete
Formveränderung, die immer vielfältiger wird, bis zuletzt diese Vielfältigkeit
in Form der Welt entsteht, die wir vor uns sehen. Das absolute Sein oder Sat
wollte vielleicht etwas anderes sein. Es wurde zum Prinzip des Feuers, das überall
universal wirkt. Dieses wiederum hatte einen Willen, und es wurde zum Wasserprinzip,
das überall wirkt. Das Wasser wiederum erstarrte zu festen Objekten und
wurde zum irdischen Prinzip, nicht notwendigerweise zu diesem kleinen Planet
Erde, sondern zu etwas, das irgendwie irdisch ist oder in dieser Natur körperlich
ist. „Wann immer man im Körper Hitze fühlt, ist dieses ein Ausdruck
von Flüssigkeit, wie z.B. das Schwitzen“, heißt es in der Upanishad.
Hitze ist wie Fieber oder mit einem anderen Grund verbunden, um Wasser hervorzubringen.
Bei diesem Beispiel, wie auch bei Kummer und Sorgen, geht es um ein Gefühl,
das in einem selbst Hitze erzeugt um Wasser hervorzubringen. Damit wird Feuer
und Wasser erklärt.
Wasser produziert Nahrung: In der Sprache der Upanishad wird Nahrung mit Materie
gleichgesetzt. Alles Physische oder Materielle wird als Nahrung bezeichnet. Letztendlich
ist alles Äußerliche Nahrung für das Bewusstsein. Ein gedankliches
Objekt ist Nahrung. Das, was aus dem Kondensat von Wasser entsteht, ist Nahrung.
Diese benannten Elemente Feuer, Wasser und Erde werden als subtile Elemente angesehen.
Es sind reine Prinzipien der Schöpfung. Später vermischen sie sich
in bestimmten Proportionen für die Offenbarung der gröberen Elemente,
wie das eigentliche Feuer, das Wasser und die Erde, die wir vor uns sehen. Wovon
in der Upanishad hinsichtlich Feuer, Wasser und Erde gesprochen wird, sind nicht
die für uns allgemein bekannten Produkte, sondern es sind überphysische
Elemente, die so genannte Tanmatras. Diese Tanmatras werden in bestimmten Proportionen
vermischt. Um das physische Feuer zum Ausdruck bringen, sind drei Elemente in
einer bestimmten Proportion erforderlich. Dieses wird im Sanskrit Trivritkarana
genannt. Trivritkarana ist das Vermengen der Grundprinzipien, wie Feuer, Wasser
und Erde in einer Zusammensetzung, sodass das formgebende Element zur Hälfte
aus sich selbst und zu je einem Viertel aus den anderen beiden Elementen besteht.
Auf diese Weise findet man in jedem Element jeweils einen Anteil der anderen
beiden Elemente. In dieser Welt gibt es keine reinen Elemente, sondern es ist
immer eine Mixtur aller drei Elemente in bestimmten Proportionen. Wenn es also
viel Wasser gibt, gibt es auch viel Nahrung. Davon wird in der Upanishad berichtet.
Alles wird aus diesen drei Elementen produziert. Trotz der Verschiedenartigkeit
in dieser Welt, gibt es letztendlich nur drei wirkliche Substanzen. Alles andere
wird irgendwie aus den Proportionen dieser drei Substanzen hervorgebracht. Alle
Formen der Schöpfung sind eine Offenbarung der Proportionen dieser drei
genannten Elemente. Was sind das für Schöpfungen? Das wollen wir genauer
betrachten. Neben diesen drei Grundelementen Feuer, Wasser und Erde, die wir
auch als unorganische Stoffe bezeichnen, gibt es noch die organischen Stoffe.
3. Die dreifach Entwicklung
Die organischen Körper wurden ebenfalls aus nur drei ursprünglichen
Körpern vermischt. Es gibt die unterschiedlichsten Arten. Jene, die aus
der Erde sprießen, wie Pflanzen, Bäume, Vegetation usw., werden als
Udbhijja bezeichnet. Dieses ist eine Form der organischen Schöpfung, das
Königreich der Vegetation. Andere organische Formen werden aus Eiern geboren.
Diese Formen werden als Andaja bezeichnet. Eine weitere Form wird aus Leibern
von Müttern geboren. Diese Form bezeichnet man als Jivaja oder Jarayuja.
Eine vierte Form entwickelt sich aus Schmutz, Staub, Schweiß usw. All diesen
Formen organischer Schöpfung wird nur die Substanz dieser organischen Elemente
vorausgesetzt. Der Eintritt des Bewusstseins in diese verschiedenartig zusammengesetzten
Körper ist verantwortlich für die vielfältige Ausprägung
dieser organischen Körper. Der Unterschied liegt in der unterschiedlichen
Ausprägung ihres Bewusstseins. Je geringer die Offenbarung ihres Bewusstseins
ist, desto geringer ist auch ihre Fähigkeit. Umgekehrt, je mehr Intensität
des Bewusstseins vorliegt, desto größer ist auch ihre Fähigkeit.
In der Upanishad heißt es: der Wille des absoluten Seins wirkt durch diese
offenbarten Bestandteile: möge ich mich selbst in dieser Universalform
der Schöpfung offenbaren’.
Möge ich in diese drei erschaffenen Elemente, Feuer, Wasser und Erde, eintreten
und mich durch dreifachen Auftritt vervielfachen.’
Namen und Formen entstanden aufgrund der vielfältigen Vermischung der drei
Grundelemente durch den Willen des absoluten Seins. Darum besteht diese Welt
aus nichts anderem als Namen und Formen. Bestimmte Muster erhielten Namen und
Formen, womit sie voneinander unterschieden werden konnten. Doch was sind diese
Muster oder Objekte ohne Namen? Sie existieren nicht. Die drei Dimensionen der
Objekte, d.h. die Länge, Breite und Höhe, das Gewicht und weitere Merkmale
machen ein Objekt aus. Wenn diese Merkmale und Dimensionen der Objekte nicht
vorhanden wären, gäbe es keine Objekte und keine entsprechenden Namen.
Namen und Formen wären nicht vorhanden. Woraus besteht unsere Welt letztendlich
dann? Es ist die Formation einer einzigen Substanz, die sich dreifach ausprägt
und ausgeprägt hat, d.h. in Feuer, Wasser und Erde, die sich wiederum in
vielfache Formen aufgesplittet haben, deren Ergebnissen viele Namen gegeben wurden.
Was ist also dieses Universum der Vielfältigkeit eigentlich? Es ist nur
das Sein allein; Außer DAS gibt es nichts. Es heißt auch: es war
und ist nur ein Sein. Das bedeutet also: das Sein allein ist. Selbst nach der
Schöpfung gibt es nur ein Sein, wobei dieses Sein nicht nur der Vergangenheit
angehört. Selbst jetzt findet die so genannte Schöpfung oder Offenbarung
der Vielfältigkeiten statt. Die Schöpfung hat nie aufgehört. Diese
Vielfältigkeit existiert aus dieser Sicht nicht wirklich, da deren Ursprungsfaktoren
Inhalt der Substanz des Seins allein sind. Das, was die Ursache der Vielfältigkeit
zur Unterscheidung von Dingen untereinander darstellt, ist ebenfalls nur das
Sein, das sich in anderen Formen offenbart bzw. offenbarte. Wie kann es da eine
Verschiedenartigkeit geben? Wenn selbst der differenzierende Faktor Teil dessen
ist, was sie unterscheidet, dann gibt es auch keine Differenzierung. Darum leben
wir nur in einer Vorstellungswelt, die in unserem Geist vorherrscht. Wir müssen
jetzt, wo der Geist ins Spiel kommt, dieses Thema noch nicht weiter vertiefen,
denn darauf gehen wir noch gesondert ein. Es ist nicht der Geist von irgendjemand.
Es ist das Bewusstsein, das in besonderer Weise in Schwingung gerät und
den Eindruck erweckt, dass es etwas anderes gäbe, als ihn selbst. Die Erscheinung
der Vielfältigkeit der Welt ist etwas wie die Kreisförmigkeit eines
Feuers, das man in seiner kraftvollen Bewegung zu sehen glaubt. Wenn man den
Lichtkegel einer Taschenlampe vor sich schnell im Kreis über den Erdboden
kreisen lässt, hat man den Eindruck, vor sich einen geschlossenen Lichtkreis
zu haben. Doch dieser Lichtkreis existiert in Wahrheit nicht wirklich, sondern
es handelt sich nur um eine optische Täuschung, die aufgrund der schnellen
Bewegung der Taschenlampe zustande kommt. Auf die gleiche Weise wird durch die
besondere Schwingung des Bewusstseins ein wahrnehmbares Objekt erzeugt. Das,
was als Schöpfung bezeichnet wird, ist nur eine Erscheinung, die durch bestimmte
Schwingungen, besondere Schwingungsdichten und Bewegungen des Bewusstseins erzeugt
wird. Darum ist und war, selbst heute in Form der Schöpfung, das Sein allein
existent. Zusammengefasst bedeutet dieses, dass es keine Schöpfung gibt,
und nur das Sein erscheint als Schöpfung. Doch es scheint, dass dieses nicht
wirklich klar ist, darum fahre ich fort.
„
Mein Junge“, sagt Uddalaka zu seinem Sohn, „höre weiter zu.“
4. die dreifache Entwicklung (Fortsetzung)
Jedes Objekt der Schöpfung wurde in seine Bestandteile zerlegt und man fand
heraus, dass es nichts weiter als diese Bestandteile vorhanden gibt. Dieses Gesetz
kann auf alle Objekte angewendet werden. Die Konturen der Objekte sind nicht
ausschlaggebend. Die Natur der Substanz, aus denen sich ein Objekt zusammensetzt,
ist wichtig. Es ist völlig klar, dass sich ein Spazierstock von einem Tisch
unterscheidet, doch aus Sicht der Substanzen stellt man fest, dass beide aus
demselben Holz sind. Darum gibt das Wissen über den Spazierstock, unter
der Berücksichtigung der unterschiedlichen Strukturen, einen Aufschluss über
das Wissen eines Tisches. Auf ähnliche Weise kann diese Regel auf alles
in der Welt angewendet werden. In der Upanishad heißt es, dass alle Dinge
dieser Welt Kombinationen und Anordnungen der Grundbausteine von Feuer, Wasser
und Erde sind. Das Rot der Sonne, ist eine Schwingung, die vom Feuer der Sonne
ausgeht, sagt die Upanishad. Das blendende Weiß beruht auf den Wasseranteil
und die dunklen Flecken auf der Sonne haben etwas mit dem irdischen Prinzip zu
tun. So verhält es sich mit dem Mond, dem Licht und mit jedem anderen Objekt.
Bei den hier erwähnten Farben handelt es sich nicht um die im allgemeinen
Sprachgebrauch üblichen Farblehren. Eine Farbe hat die Fähigkeit, in
ihrem Umfeld bestimmte Schwingungen auszustrahlen, die dann die spezifische Wahrnehmung
ermöglichen. Auf diese Weise ist Farbe nur eine Reaktion, die in einem Wahrnehmungsprozess
stattfindet. Diese Reaktion wird durch die Natur des Objektes verursacht, dass
ihm innewohnt und die Wahrnehmung des Auges aktiviert, um sie in der gewünschten
Farbe zu erkennen. So verhält es sich mit all den Farben, wie Rot, Weiß oder
Schwarz, von denen in der Upanishad die Rede ist. Es handelt sich nicht bloß um
etwas Abstraktes, sondern um wesentliche Substanzen, und die Upanishad versucht
die Substanzen der Objekte zu analysieren. Das Rot der Sonne ist in ihr substantiell
gegenwärtig. Es ist Teil ihres kugelförmigen Körpers. Der für
uns sichtbare rötliche Körper lässt nicht darauf schließen,
dass ihr Charakter generell rötlich ist. Die Substanz wird lediglich als
rötlich interpretiert. Auf diese Weise unterscheidet sich die Farbe nicht
vom Objekt, denn das Objekt sendet lediglich Schwingungen in Verbindung mit dem
wahrgenommenen Körper aus. Die drei für uns sichtbaren Farben in den
Objekten sind ein Ausdruck der dreifachen Gegenwart von Feuer, Wasser und Erde.
Wenn eines dieser Elemente von einem Objekt zurückgezogen wäre, gäbe
es auch dieses Objekt nicht. Wenn man wirklich das Holz im Tisch erkennen würde,
gäbe es keinen Tisch. So verhält es sich auch mit anderen komplexen
Gegenständen. Wenn selbst ein einzelnes Element dem Gegenstand entzogen
würde, gäbe es eben dieses Objekt nicht mehr. So verhält es mit
allen Objekten in dieser Welt. Wir stehen unter dem Eindruck, es gäbe Millionen
bzw. unzählige von Dingen in dieser Welt. Worin liegt die Bedeutung dieser
Vielzahl? Sie alle stellen verschiedenste Dimensionen einer Zusammenballung der
drei Elemente dar. Aufgrund dieser verschiedenartigen proportionalen Zusammensetzung
der drei Elemente missinterpretieren wir dieses eine Objekt als eine Vielzahl
von Objekten, die sich alle scheinbar voneinander unterscheiden. Doch im Wesentlichen
sind sie alle gleich. Die Unterscheidung der Objekte liegt in der Vorstellung
und nicht in der Physik. Physikalisch, substantiell, wesentlich oder von Grund
auf sind sie alle identisch. Wir sind jedoch nicht in der Lage, die Grundsubstanz
zu erkennen, da wir mit der Art unserer Wahrnehmung in ihrer Komplexität
und unserem Glauben an die Äußerlichkeit der Dinge verheiratet sind.
Der verschienartige Ausdruck der Dinge in unserer Wahrnehmung lässt uns
an eine Vielheit der Dinge glauben. Wir haben uns selbst als Betrachter von der
Atmosphäre der Objekte getrennt.
Unglücklicherweise ist die Verbindung zwischen dem ursprünglichen Subjekt
und dem Objekt für das Auge nicht sichtbar. Es existiert außerdem
eine sehr wichtige innewohnende Verbindung zwischen dem wahrnehmenden Individuum
und dem Objekt. Es ist mehr als das, was es an der Oberfläche zu sein scheint.
Das Subjekt spielt eine bedeutende Rolle bei der Wahrnehmung eines Objektes.
Es ist nicht etwas, was sich außerhalb der Erde oder weit draußen
im Raum befindet, das von dem derzeitigen Standpunkt aus nicht zugeordnet werden
könnte. Alles kann irgendwie zugeordnet werden, sodass es wirklich keine
unabhängigen organischen oder unorganischen Objekte gibt. Die Unabhängigkeit
von Objekten ist eine Illusion. Die Illusion bzgl. der Wahrnehmung einer Unabhängigkeit
eines Objektes kommt aufgrund einer falschen Annahme der Situation eines Objektes
und den Faktoren, in die es wirklich verwickelt ist. Wann immer ein Objekt wahrgenommen
wird, geht man nur von den Aspekten aus, in denen sich das Objekt im Augenblick
präsentiert. Man vergisst jedoch die eingeschränkten Wahrnehmungsfähigkeiten
des Menschen. Es existieren noch andere Faktoren in einem Objekt, die die Sinne
nicht berühren können. Die fünf Sinne sind nicht alles. Angenommen
man hätte fünftausend Sinne, dann würde man viel mehr Dinge in
der Welt sehen und erfahren. Unglücklicherweise oder glücklicherweise
verfügt man aber nur fünf Sinne. Darum kann man auch nur fünf
Aspekte eines Objektes sehen, doch es ist ein Irrglaube, dass diese fünf
Aspekte alles wären. Es gibt noch andere rudimentäre Elemente in der
Umgebung des Objektes, die für die Sinne des Menschen nicht erkennbar sind.
Diese Elemente befinden sich zwischen Betrachter und dem Objekt, überall,
und sie stellen kein Objekt dar. Darum sind sie für die Sinne nicht erkennbar.
Die Sinne können nichts darüber berichten und der Mensch ist jedoch
auf die Wahrnehmung der Sinne angewiesen. Wenn die Beziehung des wahrgenommen
Objektes mit dem Subjekt und umgekehrt sowie die Beziehung zwischen den Objekten
untereinander für den Menschen erfassbar wären, dann fände sofort
ein Vermischen der Objekte im Ozean des Seins statt und es gäbe nur ein
Auge, dass ein einziges Objekt sehen würde, und die Vielheit der Objekte
in der Welt wären im Handumdrehen verschwunden. Das ist der philosophische
Hintergrund, zu dem unser Geist durch die Analyse der Upanishad getrieben wird,
wenn es heißt, dass jedes Objekt aus den drei Elementen Feuer, Wasser und
Erde besteht.
Die großen verwirklichten Persönlichkeiten früherer Zeit erwachten
sofort zur Wahrheit dieser Situation. „Oh, das ist die Wahrheit. Das Rötliche
ist das Feuer, das Weiße ist das Wasser und das Schwarze ist das Erdelement.“ Dieses
sind die drei Dinge, die überall existieren. Wo auch immer sich etwas Rötliches
zeigt, ist das Feuerelement im Spiel, dasselbe gilt für das Weiß als
Wasser und für das Schwarz als das Erdelement. Es sind überall nur
diese drei Dinge in der Welt sichtbar; etwas anderes existiert nicht. Die Welt
besteht nur aus diesen drei Dingen. Es wurde bereits erwähnt, dass diese
drei Dinge die Offenbarung des absoluten Seins sind. Sie sind der dreifache Auswurf
der Kraft des Absoluten. Und so kommen wir wieder zur Wahrnehmung des Universalen.
Wann immer man ein Objekt des Absoluten sieht, sieht man das Gesicht des Absoluten,
einen Aspekt der Offenbarung eines einzigen Seins. Es ist also keine Vielfältigkeit,
die man wahrnimmt, sondern Universalität, die von den aufnehmenden Sinnen
falsch interpretiert wird, und die als isoliertes Objekt gesehen wird. Dieses
haben die früheren Seher und Meister herausgefunden und gesagt: „Es
gibt für uns nichts Unbekanntes. Wir haben das Geheimnis gelüftet.
Wir wissen jetzt alles.“ Wenn eine Sache erkannt und richtig interpretiert
wird, dann weiß man alles. Diese Antwort gab sich Uddalaka auf seine eigene
Frage, die er seinem Sohn stellte. „Weißt du, was DAS ist, dass wenn
man es kennt, gleich alles bekannt ist?“ „Ja, jetzt erkenne ich diese
Dinge. Aus EINS wurden drei, und aus drei wurden viele. Was sind diese vielen?
Sie sind das EINE. Darum kenne ich das EINE, die DREI und gleichzeitig viele.“
In den Ausführungen der Upanishad heißt es: wann immer man die Farbe
Rot wahrnimmt, sollte man nicht glauben, dass es sich um ein rotes Objekt handelt,
sondern man sieht lediglich das Feuerprinzip; bei weißer Farbe sollte man
nicht glauben, dass man irgendein unabhängiges Objekt sieht, sondern es
handelt sich um das Wasserelement, und bei etwas Dunklem ist das irdische Prinzip
vorherrschend. Es gibt keine Dinge in dieser Welt, sondern nur diese drei Elemente.
Das, was für uns unbekannt bzw. unsichtbar scheint, liegt nur an unserer
Unfähigkeit, die Gegenwart dieser drei Elemente zu erkennen, in deren jeweiligen
Anteilen sich die Objekte scheinbar unterscheiden. Das Nicht-bekanntsein eines
Objektes liegt an der Unfähigkeit des Geistes, das jeweilige Objekt genau
zu analysieren. In dem Augenblick, wo verstanden wird, woraus ein Objekt besteht,
erkennt man das Objekt unmittelbar. Die letztendliche Analyse führt dazu,
dass man den wahren Kern aller Substanzen erkennt und sich nicht mehr durch die
Formation der Substanz in all ihren Variationen beirren lässt. Alles besteht
aus dieser dreifachen Offenbarung von Feuer, Wasser und Erde.
„
Nun höre genau zu, mein Junge“, sagt der Vater zu seinem Sohn, „ich
habe dir erklärt, dass alles in dieser ganzen Welt aus den drei Elementen
Feuer, Wasser und Erde besteht. Nun gibt es noch etwas ganz Erstaunliches. Selbst
du bestehst aus nur diesen drei Elementen. Du existierst nicht neben diesen Elementen.
Alles in dir ist eine Mixtur dieser Elemente, bis ins kleinste Detail deines
Körpers.“
5. Illustrationen der dreifachen Natur
Die Nahrung, die wir zu uns nehmen, wird in drei Teile aufgespaltet.
Sie wird in grobstoffliche, mittlere und feinstoffliche Formen zerlegt.
Die Nahrung wird
nicht vollständig vom Körper aufgenommen. Teile der Nahrung, d.h. die
grobstofflichen Exkremente, werden wieder ausgeschieden. Nur ein kleiner Teil
wird vom Körper aufgenommen. Die zur Ausscheidung anstehende Nahrung hat
einen so genannten Zerrhackereffekt. Die mittlere und damit etwas gröbere
Form der Nahrung wird im Körper zum großen Teil in Muskelmasse umgewandelt.
Die subtilen Nahrungsbestandteile, die vom Körper aufgenommen werden, beeinflussen
weitestgehend den Geist. Der Geist, die Denkfähigkeit, die Art und Weise
des Denkens wird ständig durch die Nahrung beeinflusst. Wenn man über
Jahre die gleiche Nahrung zu sich nimmt, wird dieses die Psyche beeinflussen.
Der Geist erfreut sich aufgrund der im System absorbierten Nahrung. Dieses sind
die drei Grundaspekte der Nahrung, die zum Bestandteil unseres Körpersystems
werden. Die Flüssigkeit, die wir zu uns nehmen, hat einen mittleren und
subtilen Aspekt für den Körper. Jede Flüssigkeit wird in drei
Teile aufgespaltet.
Der grobstoffliche Anteil der Flüssigkeit wird als Urin wieder ausgeschieden.
Der Anteil der mittleren Form der Flüssigkeit wird zu Blut. Die Kraft in
uns, die Energie, die Lebensenergie (Prana) wird durch den subtilen Anteil in
der Flüssigkeit beeinflusst. So wie der Geist durch den subtilen Anteil
in der festen Nahrung beeinflusst wird, so wird Prana durch den subtilen Anteil
in der Flüssigkeit beeinflusst. Bestimmte Dinge der Verdauung werden vom
Feuerelement dominiert, d.h. Öle, Ghee, Butter usw. Was geschieht, wenn
wir diese Dinge zu uns nehmen?
Die Energie verwandelt sich im körperlichen System in dreifacher Weise.
Die grobstofflichen Anteile werden zu Knochen. Butter oder Öle haben Einfluss
auf die Stärke der Knochen. Die mittleren Partikel werden zu Knochenmark.
Die subtilen Partikel werden zur Sprechenergie. Die Sprache wird durch das Feuerelement
in der Nahrung beeinflusst. Die Sprache, die Lebensenergie und der Geist bestehen
im Wesentlichen aus diesen drei Dingen der Nahrung, die der Körper über
das Verdauungssystem aufnimmt. Je mehr der eine oder andere Anteil in der Nahrungsaufnahme
verstärkt wird, desto höher ist der jeweilige Einfluss auf die Persönlichkeit.
Diese drei Elemente Feuer, Wasser und Erde sind in unser System eingetreten und
wurden zu Geist, Lebensenergie und Sprache, deren Wirken ist auch ein Indiz für
die übrigen Sinne. Die Sinne, die Lebensenergie und der Geist, d.h. alle
drei hängen außerordentlich von der Nahrungsaufnahme ab.
Mein Junge höre auf die Schlussfolgerungen meiner Untersuchungen. Der Geist
wird im Wesentlichen aus fester Nahrung geformt, Prana, die Lebensenergie wird
aus Wasser und die Sprache wird aus Feuerelementen gebildet. Der Junge sagte
daraufhin: „Es ist für mich sehr schwierig all diese Dinge zu verstehen.
Bitte mache mir das etwas klarer. Ich habe niemals zuvor gehört, dass ich
aus drei Elementen zusammengesetzt bin, dass ich nichts mein eigen nennen kann.
Dieses hört sich fremdartig an. Es sieht so aus, dass ich nicht einmal unabhängig
existieren kann. Ich bin ‚irgendwer’. Das ist unglaublich. Bitte
kläre mich weiter auf.“ „Nun, ich werde dir alles detailliert
erklären. Höre aufmerksam zu.“
6. Weitere Illustrationen
„
Du kennst doch Sahne. Wenn Sahne in einem Butterfass geschlagen wird, dann wird
daraus allmählich Butter. Die Sahne, die dazu gebraucht wird, ist Bestandteil
der Milch. Sie verändert sich durch den Gärungsprozess und durch die
Behandlung im Butterfass. Dieses geschieht auch mit der Nahrung, die wir zu uns
nehmen. Sie wird durch die körpereigenen Säfte vergoren, und ein wesentlicher
Teil der Nahrung verteilt sich im Körper bis hin zum Nervensystem, das die
Psyche des Körpers beeinflusst. Sie wird damit auch zur Essenz unseres Denkprozesses.
Die ursprüngliche Nahrung wird zu Geiststoff. Dieses geschieht auch mit
allen anderen Dingen, wie mit dem Wasser, das wir trinken, und die Feuerelemente,
die wir zu uns nehmen. So formt Wasser unsere Lebensenergie und feurige Elemente
unsere Sprache.
Jetzt verstehst du vielleicht die Zusammenhänge.“ „Ich brauche
noch mehr Klarheit. Das reicht mir nicht. Erzähl mir mehr über das
Geheimnis.“ „Nun werde ich dir das Geheimnis erklären, das hinter
all dem steckt.“
7. Die Bedeutung der körperlichen Bedürfnisse
„
Der Geist, unsere gesamten Persönlichkeit besteht aus sechzehn Einheiten.
Unser Dasein ist sechzehnfach. Wir machen ein Experiment, um zu beweisen, dass
der Geist nicht ohne feste Nahrung auskommt. Faste fünfzehn Tage lang. Nimm
während dieser Zeit keine feste Nahrung zu dir. Du darfst jedoch Wasser
trinken, soviel du magst. Warum? Weil die Lebensenergie aus Wasser besteht. Wenn
man Wasser trinkt, wird sich die Lebensenergie nicht aus dem Körper entfernen.
Wenn du allerdings kein Wasser trinkst, wirst du das Experiment nicht überleben.
Darum trinke soviel Wasser wie du magst, doch nimm keine feste Nahrung zu dir.
Ein Mensch, der nicht isst, aber dennoch Wasser trinkt, stirbt nicht so leicht.“
Der Junge nahm fünfzehn Tage lang keine feste Nahrung zu sich, wie ihm geraten
wurde. Doch trank er Wasser nach Herzens Lust. Nach fünfzehn Tagen ging
er wieder zu seinem Vater. „Noch verstehe ich nicht, worum es geht. Ich
habe fünfzehn Tage lang keine feste Nahrung zu mir genommen.“ „Oh!
Singe die Veda“, sagte der Vater. „Ich kann mich an nichts erinnern“,
sagte der Junge. „Ich kann mich an keinen Vers mehr erinnern. Mein Geist
funktioniert einfach nicht.“
„
Verstehst du jetzt, was mit dir geschehen ist? Weißt du, warum du dich
nicht mehr an die Vedas erinnern kannst? Du bist doch ein Meister der Vedas,
und du sagst, du könntest dich nicht mehr erinnern. Was ist mit dir geschehen?
Du hast keine feste Nahrung zu dir genommen. Das ist alles. Das ist der einfache
Grund. Wie kommt es, dass dein Gedächtnis streikt, nur weil du nichts gegessen
hast? Nimm das Beispiel des Feuers. Angenommen es gab eine Feuersbrunst, die
in sich zusammen gefallen ist, da du alles Brennbare entfernt hast. Das Feuer
geht langsam aus. Nur noch ein Glimmen des Feuers bleibt übrig. Was könnte
die Glut noch anrichten? Sie kann kein Feuer mehr entfachen. Das große
Feuer zuvor konnte alles verschlingen, was man hineinwarf. Doch nun ist es so
weit heruntergebrannt, dass nichts mehr passieren kann. Das ist mit dir geschehen.
Fünfzehn Teile deines Geistes wurden zurückgezogen. Du bist sechzehnfach
ausgerichtet. Fünfzehn Tage lang hast du nichts gegessen. Darum ist nur
noch ein Teil von den sechzehn aktiv. Vielleicht würde etwas Schlimmeres
geschehen, wenn du sechzehn Tage lang nichts gegessen hättest. Der Geist
existiert jetzt nur noch als Name. Du bist zwar in der Lage zu denken, doch das
ist wenig effektiv und daher eher sinnlos, so wie das Feuer, das nur noch vor
sich hinglimmt, denn es kann keinen Schaden mehr anrichten. Dieses ist auch dir
durch das fünfzehntägige Fasten widerfahren. Darum bist du nicht mehr
in der Lage, die Veda zu singen. Der Geist arbeitet nicht mehr; wie kannst du
dich da noch an irgendetwas erinnern? Die Vedas haben deinen Geist verlassen.
So und nun geh und iss erst einmal etwas. Dann wirst du etwas besser das Geheimnis
begreifen.“ Der Junge verließ seinen Vater, um etwas zu essen. Er
aß reichlich, denn nach fünfzehn Tagen Fasten war er hungrig. Nach
dem Essen und einer kurzen Siesta ging er zurück zu seinen Vater. Der Junge
war zufrieden.
Er war glücklich darüber, wieder etwas gegessen zu haben. Der Geist
wurde hellwach und die Erinnerung kehrte zurück. Er war aufgrund des Essens
wieder in der Lage, alle Fragen zu beantworten. Ansonsten wäre er in einem
Zustand des Sterbens gewesen.
„
Nun mein lieber Junge habe ich dir ein anderes Beispiel gegeben. Angenommen es
ist nur noch ein Funken des Feuers vorhanden. Jetzt bringe einen trockenen Grashalm
an die Glut und du wirst sehen, wie er sofort Feuer fängt. Bringe immer
mehr Gras und gieße ein wenig Öl darüber. Dann wird das Feuer
wieder vollends entfacht. Auf die gleiche Weise wurde der Geist, der gerade noch
seinen Namen trug, aufgrund der Nahrungsaufnahme wieder zum Leben erweckt und
die Erinnerung kehrte zurück, sodass all die Vedas wieder gegenwärtig
waren. Die fünfzehn Teile, die sich zunächst zurückgezogen hatten,
kehrten zurück.“
„
Der Geist ist das Wesen der Nahrung, die Lebensenergie das Wesen des Wassers
und die Sprache das Wesen der Hitze. Du bestehst nur aus diesen drei Dingen.
Dein Geist wurde aufgrund der festen Nahrung, die du wieder zu dir genommen hattest,
reaktiviert. Jetzt kennst du den Zusammenhang von Nahrung und Geist. Dein Geist
wäre gestorben, wenn du nichts gegessen hättest.“ „Das
ist sehr interessant, lieber Vater. Bitte erzähl mir mehr davon.“
|
|

Hier kostenlosen
Yoga Gesamtkatalog
anfordern





Broschüre und kostenlose Übungspläne anfordern
|
|
.
- Yoga Übungen lernst du am besten bei einem Yogalehrer
- Yoga Einführungs-Seminare gibt es in den Yoga Vidya Seminarhäusern als Wochenend- und Wochenkurse. Diese werden auch von Krankenkassen bezuschusst
- Bei Yoga Vidya findest du jährlich fast 3000 Seminare zu Yoga, Meditation und Ayurveda, darunter auch das umfangreichste Yogalehrer Weiterbildungs-Angebot
- In den Yogalehrer Ausbildungen beim Berufsverband der Yoga Vidya Lehrer/innen in 50 verschiedenen Städten lernst Du Yoga, Meditation, Yoga Philosophie, spirituelles Leben und auch, wie Du sie anleiten kannst
- In den Yoga Vidya Zentren gibt es regelmäßige Einführungskurse
- Im Yogalehrer-Verzeichnis findest Du eine/n qualifizierte/n Yogalehrer/in in Deiner Nähe
- Im Yoga-Shop findest Du DVDs, Bücher, Yoga-Matten, Kissen, CDs und vieles mehr für deine Yoga-Praxis
Auf unseren Internet-Seiten findest du viele weitere Informationen:
Yoga Vidya findest du auch in vielen sozialen Netzwerken
|