Der Aufstieg des Geistes
von Swami Krishnananda
15 Die Ziele
der menschlichen Existenz 1
Die Probleme
eines Wahrheitssuchers können nur dann richtig eingeschätzt und
in einem zufriedenstellenden Ausmaß gelöst werden, wenn es die
Möglichkeit gibt, ihre Ursachen eindeutig zu identifizieren. Hierbei
müssen selbst die weniger offensichtlichen Ursachen berücksichtigt
werden, die nicht auf Anhieb ersichtlich sind, da es sich bei diesen eventuell
sogar um die Hauptursachen aller menschlichen Probleme handeln könnte.
Ein guter Arzt wird sich bei der Verordnung eines geeigneten Medikaments
nicht allein auf die Behandlung von äußeren Symptomen beschränken,
sondern sich auch darum bemühen, den Ursachen der Krankheit auf die
Spur zu kommen, da bei einer Behandlung der Ursache auch das Symptom automatisch
behandelt wird. Ebenso steht es mit den Schwierigkeiten des menschlichen
Lebens und der Vielzahl von Formen, die diese annehmen können. Es
sieht zwar so aus, als gäbe es eine Unmenge an Schwierigkeiten, die
unabhängig voneinander existieren, doch sind sie aller Wahrscheinlichkeit
nach nur Vervielfältigungen einiger weniger, oder womöglich nur
eines einzigen grundlegenden Problems.
Wenn wir die
wissenschaftliche Methode zur Erforschung der Ursachen der Probleme des
menschlichen Lebens anwenden, so müssen wir natürlich auch jene
Erscheinungsformen in der Natur untersuchen, die die Umwelt des Menschen
bilden. Ebenso wie der Verordnung von Medizin eine sorgfältige Prüfung
des vorliegenden Falls vorausgeht und diese Prüfung wiederum auf einem
tiefgründigen Verständnis der Anatomie, Physiologie und der gesamten
Philosophie der wissenschaftlichen Medizin basiert, ist für eine Untersuchung
der Natur der menschlichen Probleme und für die Suche nach geeigneten
Heilmitteln für diese Probleme eine tiefgreifende logische Analyse
notwendig, die auf systematische Weise durchgeführt wird und auf den
Prinzipien der Philosophie des Lebens basiert. Eine Analyse aller persönlichen
und natürlichen Phänomene führt dazu, daß man eher
auf tiefere und generelle Prinzipien stößt, als auf Personen,
Objekte oder Dinge. Man wird dabei an die Vision einer völlig neuen
Welt heran geführt, die keine Anhäufung von isolierten Personen
und Objekten mehr ist, sondern sich als ein Spiel von miteinander in Beziehung
stehenden Mächten, Kräften und Gesetzen offenbart, die in einer
brüderlichen Umarmung zusammenzufinden scheinen. Dies bedeutet, daß
man es bei dem Objekt der Untersuchung nicht mehr nur mit einer einzelnen
Sache oder Person, oder gar mit einem Bündel von Objekten oder Ereignissen
zu tun hat, sondern mit einer Art grenzenloser Ausdehnung, die das gesamte
Universum umfaßt.
Wie aber könnten
wir die Natur verstehen oder überhaupt irgend etwas wissen, wenn es
nicht ein beobachtendes Bewußtsein gäbe? Wie kann man überhaupt
etwas erkennen, wenn es keinen Erkennenden gibt? Und es muß nicht
extra erwähnt werden, daß nur das Erkannte materiell oder unbewußt
sein kann, nicht jedoch das Erkennende selbst. Das Erkennende muß
bewußt sein! Doch nicht nur dies - Bewußtsein kann nicht nur
eine Eigenschaft des Erkennenden sein, sondern muß dessen wahre Existenz
sein, da es andernfalls lediglich die Eigenschaft einer unbewußten
Grundlage wäre, was einer völlig absurden Schlußfolgerung
gleichkäme. Daraus läßt sich ableiten, daß das Erkennende
substantiell und essentiell Bewußtsein sein muß, und daß
es das Bewußtsein selbst ist, das die Erscheinungen erkennt.
Doch noch
einmal: Welche Beziehung besteht zwischen Bewußtsein und seinem Objekt?
Die Beziehung selbst muß bewußt oder eine Form des Bewußtseins
sein, da die Verbindung zwischen Bewußtsein und seinem Objekt andernfalls
unbewußt wäre, was zur Folge hätte, daß es unmöglich
wäre, daß überhaupt irgend jemand irgend etwas erkennt.
Da es eine akzeptierte Tatsache ist, daß es so etwas wie Erkenntnis
gibt, sollte dies beweisen, daß nicht nur das Erkennende ein Zentrum
des Bewußtseins ist, sondern daß sogar die Beziehung zwischen
dem Erkennenden und dem Erkannten ein Prozeß des Bewußtseins
sein muß. Da diese Beziehung zwischen dem Erkennenden und dem Erkannten
in Form des Erkenntnisprozesses selbst irgendwie mit dem Objekt der Erkenntnis
in Verbindung stehen müßte und diese Verbindung eine zweite
Beziehung darstellen würde, die nun ebenfalls erklärt werden
müßte, bliebe als letztendliche Schlußfolgerung nur die
Annahme, daß eine Verbindung zwischen dem Erkennenden und dem Objekt
der Erkenntnis unmöglich ist, es sei denn, daß das Objekt ebenfalls
eine Erscheinung des Bewußtseins selbst darstellt. So gelangen wir
zu einem wunderbaren Ergebnis: Bewußtsein kennt Bewußtsein
durch Bewußtsein, was auch dem berühmten Lehrsatz der Vedanta-Philosophie
entspricht: Sat ist Chit - Existenz ist Bewußtsein. Dies ist
eine Wahrheit, die wir anhand einer rein logischen Analyse erreicht haben.
Diese durch
Induktion erhaltene Schlußfolgerung wird von den Upanishaden bestätigt,
die ihrerseits vom höchsten Absoluten sprechen, das willentlich eine
feinstoffliche ursächliche Form des potentiellen Seins annimmt. Dieser
ursprüngliche potentielle Zustand wird in der Vedanta-Philosophie
als Ishvara oder höchster Schöpfer bezeichnet, dessen Manifestationsimpuls
sich in die schwachen Umrisse einer zukünftigen Möglichkeit und
Formhaftigkeit des Universums hinein akzentuiert, wobei dieses Stadium
des universell sich offenbarenden Seins Hiranyagarbha genannt wird. Ein
weiterer Schritt im Prozeß der sich vollendenden Offenbarungsverdichtung
vollzieht sich, wenn die Umrisse früherer Entfaltungsstufen die gröbere
und sichtbare Gestalt des Universums annehmen, die Virat genannt wird.
Hier finden wir die niederste und letztendliche Form der universellen Offenbarung,
in der die verschiedenen Anordnungen, Ausgestaltungen oder Formen keine
isolierten oder abgesonderten Zentren der Selbstbehauptung oder Inividualität
bilden, sondern als Brennpunkte des einen universellen Seins, des Virat,
verbleiben.
Sobald diese
Brennpunkte jedoch damit beginnen, ihre Unabhängigkeit zu behaupten,
folgt die “Individualisierung”, in der sie aufhören, reine Konzentrationspunkte
des Universellen zu sein. Sie erscheinen als verschiedene Formen oder Körper,
die durch Raum und Zeit, ohne augenscheinliche Beziehung zueinander, voneinander
abgeschnitten sind, da die Aufgabe von Raum und Zeit in der Trennung und
Isolation des einen Teils vom anderen beziehungsweise der einen Form von
der anderen beruht. An dieser Stelle kommt es dann zu einer plötzlichen
Katastrophe, die über jedes derartig sich selbst behauptende individuelle
Zentrum hereinbricht, so daß ein jedes von ihnen eine gewaltige Rastlosigkeit
in seiner eigenen Individualität verspürt, die einem Gefühl
des nahenden Todes ähnelt. Hinzu kommt die Furcht vor der bevorstehenden
unvermeidlichen Auslöschung, die aus allen Richtungen droht. Dies
ist leicht verständlich, da das Individuum natürlich Todesängste
und Seelenqualen verspüren muß, wenn es sich von der universellen
Wirklichkeit und damit von der alles erhaltenden und versorgenden Kraft
abgetrennt hat. Um diese Angst zu überwinden und diesen unheilvollen
Zustand abzuschütteln, ringt das Individuum um die Rückgewinnung
dessen, was es verloren hat, was nur durch eine Rückkehr zur universellen
Form des „Einsseins“ möglich sein kann, da das Universelle jedes Individuum
in einer totalen Einheit des Seins beinhaltet. So versucht das Individuum,
das das Bewußtsein seiner Untrennbarkeit vom Universellen verloren
hat, diese Universalität auf künstliche Weise herzustellen, indem
es aktiv um Kontakt mit anderen Individuen und Formen ringt. Es glaubt
fälschlicherweise, daß der körperliche und psychologische
Kontakt mit anderen Individuen ein Heilmittel zur Wiederherstellung der
verlorenen Universalität und Einschließlichkeit sei. Zum Zweck
der körperlichen und psychologischen Kontaktaufnahme mit anderen Individuen
entwirft und belebt das innewohnende Bewußtsein die Sinneskräfte
in Form des Sehens, Hörens, Fühlens, Riechens und Schmeckens,
zusammen mit ihren entsprechenden Sinnesorganen, durch die es die Sinne
wirken läßt, um den Kontakt zu anderen Individuen herzustellen.
Zum selben Zweck entwirft es auch die psychologischen Organe des Egos,
des Denkens, Empfindens und Wollens. Diese Methode, so nimmt es an, wird
die ersehnte Universalität oder das Vereintsein mit allen anderen
Individuen oder Formen herbeiführen, und mit dieser Überzeugung
stürmt es voll ungestümer Heftigkeit auf die anderen Individuen
los, in der Hoffnung, diese außerhalb seiner selbst befindlichen
Individuen nicht nur berühren, sondern in sich selbst absorbieren
zu können. Sollte dieses Manöver gelingen, so gäbe es kein
“Außensein” und keine anderen Individuen mehr, sondern einzig die
alleinige Universalität der eigenen Selbstheit. Hierauf beruht sowohl
die Wahrnehmung von Objekten als auch das Denken an Objekte und die Sehnsucht
nach Objekten über die Sinne und das Denken. Die Absicht all dieser
Aktivitäten des individuellen Bewußtseins ist es, die Universalität
in ihrer eigenen Selbstheit wiederherzustellen, was jedoch leider nicht
möglich ist, da die Universalität nicht durch Sinneskontakt mit
äußeren Objekten oder gar durch das bloße Denken an äußere
Objekte zurück erlangt werden kann, da “Äußerlichkeit“
die das spezielle Merkmal von Raum und Zeit ist, die Verschmelzung von
einem Individuum mit einem anderen oder auch nur einen wirklichen Kontakt
mit einem Objekt verhindert, sowie dessen Besitz oder Genuß, - es
sei denn mittels einer törichten Einbildung, die einem vorgaukelt,
selbst im Gestank der Hölle himmlische Freuden zu finden.
Dies ist die
Wahrheit über das Leben, das menschliche Erleben und die menschliche
Natur, sowie die Bedeutung aller Aktivitäten im Leben, seien diese
sozialer, persönlicher oder psychologischer Natur. Hierin liegt der
große Kummer des Individuums und das einzige Allheilmittel gegen
dieses Unglück besteht darin, Wege und Mittel zur Wiederherstellung
der wahren Universalität zu finden, die unabhängig von Raum und
Zeit und deren Begleiterscheinungen ist, nämlich der Äußerlichkeit
und der Ausschließlichkeit von Dingen, Objekten, Personen und Ereignissen.
Universalität wird nicht durch Sinneskontakt erreicht, sondern durch
eine Identifikation des Bewußtseins mit dem Selbst aller Dinge; sowie
auch des Seins aller Dinge mit dem Selbst des Bewußtseins. Dies ist
die großartige Philosophie des Yoga, das Fundament seiner Psychologie
und das Prinzip seiner Praxis.
Wie jedoch
soll all dies bewerkstelligt werden? Was ist die tatsächliche Methode,
die Menschheit aus diesem traurigen Zustand des Lebens auf Erden zu befreien,
zu dem es in der bereits geschilderten Weise kam? Die Methode ist die Umkehrung
des Manifestationsprozesses, indem man die Effekte zu ihren Ursachen
zurückverfolgt, und zwar Schritt für Schritt, ohne auch nur ein
einziges Glied in der Kette dieses Rückkehrprozesses des Bewußtseins
zu seiner letztendlichen Universalität auszulassen. Zu diesem Zweck
ist es für jeden unentbehrlich, die Ursachen aller Erfahrungen, die
man im Verlauf seines Lebens macht, sorgfältig zu untersuchen und
zu überprüfen, um dann die Auswirkungen dieser Erfahrungen zu
ihren Ursachen zurückverfolgen zu können. Über das Erkennen
der Ursachen wird es möglich, die Wirkungen in ihre Ursachen zu verschmelzen,
so daß die Wirkung schließlich verschwindet und die Ursache
allein übrigbleibt. Tatsächlich gäbe es in diesem Fall keinerlei
Wirkungen mehr, sondern einzig und allein die letztendliche Ursache - die
absolute Universalität -, deren Verwirklichung das Ziel des Lebens
ist.
An dieser
Stelle muß deutlich darauf hingewiesen werden, daß man die
Kunst erlernen sollte, im eigenen Leben sowie in allen Aktivitäten
und Beweggründen ein einziges Ziel zu verfolgen. Die meisten Menschen
dieser Welt leben ohne ein Ziel und taumeln hilflos umher, angetrieben
vom Wind der Umstände und dem Reiz von Vergnügungen, die sich
vorübergehend zu manifestieren scheinen, wenn es zu einem Sinnes-
und Nervenkitzel kommt, das Ego aufgebläht oder die Sinne in Erregung
versetzt werden. Dies ist ein wahrlich erbärmlicher Zustand, den der
Mensch nur allzu oft als Höhepunkt der Zivilisation und Kultur erachtet,
während es sich dabei tatsächlich um den tiefsten Punkt des Absturzes
handelt. Seltsam: Der Mensch zieht es vor, in der Hölle den Herrscher
zu spielen, anstatt im Himmel zu dienen. Ist es nun aber nicht höchste
Zeit, daß die Menschheit die Fehler ihres Denkens und Handelns erkennt
und sich entschlossen auf den Weg macht, um das einzige Heilmittel für
die Krankheit der sterblichen Existenz und die vielfältigen Qualen
des irdischen Lebens zu finden?
Persönliche
und soziale Beziehungen sind lediglich Projektionen des menschlichen Geistes
durch eine Veräußerlichung in Raum und Zeit in bezug auf Personen
und Dinge, die man genötigt ist, als verschieden oder getrennt von
sich zu betrachten. Der moderne Wissenschaftler neigt zu der Überzeugung,
daß der Prozeß der Evolution von der Materie hin zum Leben,
vom Leben hin zum Instinkt und vom Instinkt hin zum Verstand einen Fortschritt
darstellt. Dies ist auch tatsächlich ein Fortschritt, allerdings eher
in der Weise, wie der Fortschritt von plus eins zu minus eins, von minus
eins zu minus zwei, von minus zwei zu minus drei, und so weiter. Und wahrlich:
Minus drei ist zahlenmäßig mehr als plus eins. Dieser grobe
Fehler, den der menschliche Geist in der Einschätzung des Lebens begeht,
bleibt jedoch unentdeckt, und so stürzt sich der Mensch kopfüber
in den Abgrund des Leidens und des Verderbens, ohne dabei zu wissen, daß
ihn sein Streben nach dem angeblich Guten, Bedeutsamen und Wertvollen schließlich
in den eigenen Untergang führt. Es ist fast unglaublich, daß
der Mensch selbst heute im Zeitalter der Entdeckungen der Relativitätstheorie
und der aus ihr ableitbaren atemberaubenden Schlußfolgerungen damit
fortfährt, sich in bezug auf Natur, menschliche Beziehungen und das
Leben im allgemeinen so unweise zu verhalten und Schein für Wirklichkeit
zu halten. Wenn die dreidimensionale Erscheinung der Welt, wie von der
modernen Physik behauptet wird, nur die von den getäuschten Sinnesorganen
wahrgenommene irrtümliche Abstraktion eines vierdimensionalen oder
gar multidimensionalen Organismus des Kosmos ist, wie kann man dann die
Begierde nach Sinnesobjekten rechtfertigen oder gar die Abhängigkeit
von den sogenannten äußeren Objekten der dreidimensionalen Welt
von Raum und Zeit, wo es doch nur ein Raum-Zeit-Kontinuum gibt, in dem
kein Individuum jemals von anderen Individuen isoliert sein kann, egal
in welcher Weise?
Hier stehen
wir einer seltsamen und unerwarteten Mischung von Wissenschaft und Metaphysik
gegenüber. “Wissen” scheint nun letztlich doch noch seinen Weg zu
einer integralen Intuition gefunden zu haben, die es auch viel eher ist,
als eine Sinneswahrnehmung oder ein mentales Erkennen einer räumlich-zeitlichen
Außenwelt von Personen, Dingen und Beziehungen. Der Wahrheitssucher
muß seinen Lern-, Erkenntnis- und Erfahrungsprozeß in einer
ansteigenden Ordnung von den Effekten zu deren jeweiligen Ursachen umkehren.
Die Antwort
auf die Frage, was das Ziel des Lebens ist, sollte inzwischen jedermann
klar sein. Das Ziel ist ein Aufstieg des Bewußtseins vom Äußeren
zum Inneren und vom Inneren zum Universellen. Zuallererst wäre es
notwendig, das Bewußtsein von “Äußerlichkeiten” und allen
“Beziehungen” zur Außenwelt zurückzuziehen, und zwar unter dem
Beistand der Verstandeskräfte, die ein für alle mal erkennen
sollten, daß eine “äußere Beziehung” in einer Welt unmöglich
ist, in der eine dreidimensionale Tiefe sowie jegliche Art von Abstand
keine Wirklichkeit sein können. Nach dieser Rückzugsphase des
Bewußtseins von der vorgespiegelten Äußerlichkeit von
Beziehungen gilt es als nächstes, die Grundbedürfnisse des eigenen
Lebens zu erkennen und sowohl in einer Atmosphäre als auch in einem
Zustand der minimalen Bedürfnisbefriedigung zu leben. Dies bedeutet,
daß alle Extravaganzen wegfallen sollten, da es sich bei diesen “Extras”
nicht mehr um lebenswichtige Notwendigkeiten handeln würde,
sondern um Luxus. Während die Natur eine Notwendigkeit zulassen mag,
toleriert sie Luxus selbst in geringem Maße nicht. Die Natur stellt
Notwendigkeiten bereit, aber keine Luxusartikel, da Luxus nichts anderes
als eine Ausnutzung von Umständen ist, in denen das individuelle Ego
auf Kosten anderer Egos in der Welt schwelgt. Die minimalen Bedürfnisse
der menschlichen Natur, die aus Nahrung, Kleidung, Unterkunft, Erziehung
und Kontakt zu Personen und Dingen der Umwelt bestehen, sollten genau berechnet
und eingeschätzt werden, und man sollte versuchen, nur unter disziplinierten
Bedingungen der Grundbedürfnisbefriedigung zu leben. Diese Aufgabe
überfordert die meisten Menschen jedoch bereits vollkommen, da sie
nicht daran gewöhnt sind, logisch zu denken. Man handelt stets auf
der Basis von Gefühlen und Gemütsbewegungen, sowie auf den Impuls
seiner Sinnesregungen hin. Doch nun ist die Zeit gekommen, sich abzuwenden
und eine absolute Art des Lebens anzustreben, die auf einem tiefgründigen
und neu orientierten System der geistigen, ethischen, sozialen und spirituellen
Erziehung aufbaut.
An dieser
Stelle ist es eigentlich nicht weiter notwendig, noch ausführlicher
auf den fortschreitenden Prozeß des Aufstiegs des Bewußtseins
einzugehen, da die gesamte Sachlage nach einem Studium des oben beschriebenen
Evolutionsprozesses klar genug sein sollte. Nötig ist nur, die Bewußtseinsschritte
von den Wirkungen zu den Ursachen zurückzuverfolgen, und zwar Stufe
für Stufe, ohne dabei auch nur eine einzige Sprosse auf der Leiter
des Aufstiegs auszulassen. Von den sozialen Beziehungen kommt man zu den
persönlichen Bedürfnissen und von diesen zu einer Anpassung der
eigenen Individualität an die Gesetze des Universums. Diese in den
Veden als Rita bekannten Gesetze sind nichts weiter als die Wirkungsweisen
und Arbeitsmethoden des Universellen. Das Ziel des Lebens mag viele Gesichter
annehmen und zum Zweck des praktischen Handelns auf niederen Ebenen auch
wirklich vielfältig sein, doch sind alle seine Formen organisch mit
dem zentralen System der höchsten Integration verbunden - dem Absoluten.
Jeder Gedanke, jedes Gespräch, jede Handlung und jegliche Art der
Beziehung zu Personen und Dingen im Leben sollte folglich im Licht dieser
Struktur der großartigen Wirklichkeit beurteilt und ausgearbeitet
werden.
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