Der Aufstieg des Geistes
von Swami Krishnananda
12 Studium
der logischen Basis
rechtlicher
und ethischer Prinzipien
Wenn wir die
Prinzipien verstehen wollen, die den verschiedenen Gesetzessystemen zugrunde
liegen, müssen wir zuerst jenes faszinierende “Etwas” untersuchen,
das als “Beziehung” zwischen den Dingen bekannt ist. Aus einem bestimmten
Blickwinkel betrachtet, kann man durchaus sagen, daß alle philosophischen
Systeme der Welt lediglich Gedankengebäude sind, die in den Köpfen
von Denkern entstanden, die hart darum gekämpft haben, die wahre Bedeutung
dieser scheinbar unsichtbaren und dennoch sehr realen und durchdringenden
Essenz namens “Beziehung” zu erforschen. Wir halten die Beziehung von einer
Sache zur anderen schon fast für so selbstverständlich und offensichtlich,
daß wir es nicht einmal für nötig erachten, uns einmal
die Zeit dafür zu nehmen, um herauszufinden, was sie wirklich ist.
Eine genaue Betrachtung dieser Situation zeigt uns jedoch, daß es
sich hier um eine sehr harte Nuß handelt, die selbst die besten Denker
aller Zeiten nicht ohne weiteres knacken konnten. Die Schwierigkeit, die
“Beziehung” zwischen den Dingen zu klären ist die Ursache dafür,
daß der Mensch zu gleicher Zeit auf eine immer umfassendere Vereinigung
und ein immer engeres Band des Zusammenseins aller Menschen hofft (er kann
von der Erwartung nicht ablassen, daß ein derartiges Ideal vielleicht
einmal erreichbar ist, obwohl er es bis zum heutigen Tag nie erreicht hat),
und sich dabei trotzdem unterschwellig in einem unmanifestierten Krieg
mit seinen Brüdern befindet, der nur darauf wartet auszubrechen, was
ja in völligem Gegensatz zu der anfangs zitierten Hoffnung auf ein
höheres Band der Einheit steht, nach dem man sich sehnt und für
das ein jedes Mitglied in der menschlichen Gesellschaft zu arbeiten scheint.
Diese zweischneidige und zwiespältige Haltung und Veranlagung des
Menschen gegenüber dem Leben war schon immer die Quelle seiner Freuden
und Leiden. Ist dies womöglich der Grund dafür, daß es
dem Leben bislang gelungen ist, ein ungelöstes Mysterium zu bleiben?
Diese rätselhafte
Lage der Dinge ist nur anhand der wundersamen Natur der menschlichen “Beziehungen”
erklärbar, was der Grund dafür ist, warum die zugrunde liegenden
Prinzipien von Gesetz und Ethik sogar heute noch die Themen immer neuerer
Nachforschungen darstellen, deren endgültiges Ergebnis noch nicht
absehbar ist. “Menschliche Beziehung” ist eine quälende Notwendigkeit,
Erhabenheit und Schönheit, weshalb sie seit jeher sowohl das Thema
von großartigen intellektuellen Überlegungen und Konferenzen
als auch das ewig heranwinkende Ziel von Philanthropen, sozialen Wohlfahrtskreisen
und selbst von religiösen Idealisten war, auch wenn dieses Ziel nie
verwirklicht werden konnte. Zur gleichen Zeit war “menschliche Beziehung”
ein undeutliches Gespenst, das die Menschen auf Grund des unklaren Charakters
ihrer innewohnenden Natur in einem ununterbrochenen Zustand der Unsicherheit
festhielt, der im Kopf eines jeden immer wieder Zweifel darüber aufkommen
ließ, ob der andere wirklich ein so vertrauenswürdiger Freund
ist, wie es seine äußere Erscheinung vermuten läßt.
So kommt es, daß die Welt in zwei Lager gespalten ist: Eine Gruppe
behauptet, das Leben wäre eine herrliche Manifestation universeller
Harmonie und Gleichberechtigung von allen mit allen anderen in tiefer Liebe,
aufopfernder Güte und organischer Einheit, in deren Richtung sich
alles bewegt und bewegen muß; und die andere Gruppe sieht das Leben
als Bühne, auf der das Schauspiel des alles verwüstenden Leids
aufgeführt wird, das durch die Unversöhnlichkeit der psychologischen
Strukturen der verschiedenen menschlichen Individuen herbeigeführt
wird. Konsequenterweise behaupten letztere, daß soziale Solidarität
und vielleicht auch individuelle Befriedigung nicht erreicht werden kann,
es sei denn, über die Funktion einer mächtigen gesetzlichen und
moralischen Kontrollmaschine, die den Individuen von einer herrschenden
Autorität auferlegt wird, wobei es ganz gleich ist, ob diese von einer
einzelnen Person, einer Gruppe von Personen, einer Regierung oder einer
heiligen Schrift verkörpert wird. Sind wir aber in irgendeiner Weise
dem Ziel allen menschlichen Bemühens und Strebens nahe, wenn wir uns
mit einem sorgenvollen Leben und angespannten Nerven zufriedengeben, die
vom ewigen Konflikt dieser beiden gegensätzlichen Lager menschlicher
Ideen und Handlungen verursacht werden?
Wenn wir versuchen,
etwas tiefer in diese Materie vorzudringen, werden wir bald die Notwendigkeit
verspüren, darüber nachzudenken, warum es überhaupt zu diesen
beiden Betrachtungsweisen des Lebens und seiner Bedeutung gekommen ist.
Der Grund dafür scheint zu sein, daß zwei gewichtige Faktoren
begonnen haben, das zu bilden, was wir als menschliches Leben kennen:
der Faktor der Einheit und der Faktor der Verschiedenheit. Beide scheinen
im gegenwärtigen Stadium der menschlichen Evolution eine gleich starke
Rolle zu spielen, auch wenn man zugeben muß, daß je einer dieser
beiden Faktoren in wechselnden Proportionen in einem vergangenen Stadium
der Evolution vorgeherrscht hat oder in einem zukünftigen Stadium
vorherrschen wird. Der Mensch ist jeden Tag zugleich glücklich als
auch unglücklich, was andeutet, daß er in sich sowohl einen
unwiderstehlichen Drang zur Verwirklichung der Einheit mit der gesamten
Schöpfung verspürt als auch einem gleichzeitig wirkenden Druck
seitens seiner vom Ego bestimmten psycho-physischen Individualität
unterliegt, der in der Sprache von Selbstsucht und Unterscheidung, von
körperlichem Genuß und egoistischer Eigendurchsetzung spricht,
was ihn unaufhörlich mit gleichgearteten Merkmalen, die ja bekanntlich
auch jedes andere menschliche Wesen auszeichnen, in Konflikt geraten läßt.
Die Welt ist sowohl ein Dharma-Kshetra, ein Feld der Rechtschaffenheit,
das aus dem einheitlichen Absoluten, der einzig existenten Wahrheit, hervorgeht,
als auch ein Kuru-Kshetra, ein Feld der Aktivität und des Kampfes
gegen die schweren Widerstände, denen man sich täglich angesichts
der schweren Opposition von anderen Menschen stellen muß, in denen
ebenfalls eine unbesiegbare Leidenschaft zur Durchsetzung ihrer körperlichen
Befriedigungen und Ego-Freuden wohnt.
Dies sind
die zwei bedeutendsten Akte im Drama des universellen Lebens, und solange
wir nicht in der Lage sind, beide Szenen in ihrer wechselseitigen Verbindung
zu beobachten, die auf die Darstellung einer geordneten Vollständigkeit
des Gesamtbilds des ganzen Dramas hinzielt, können wir auch nicht
für einen einzigen Moment Frieden in unserem Denken finden. Was jedoch
ist die Lösung? Im Osten neigten Shankara und Buddha zur Betonung
des Einheitsaspekts und im Westen G.W.F. Hegel und Arthur Schoppenhauer
zur Betonung des Verschiedenheitsaspekts, womit sie die letztendlichen
methaphysischen und psychologischen Aspekte der Lebensbedeutung auf eine
jeweils spezielle Art und Weise dargestellt haben. Es ist jedoch zweifellos
notwendig, diese beiden Aspekte zusammenzubringen, was eine in der Tat
herkulische Aufgabe ist.
Hier stolpern
wir erneut über die grundsätzliche Zweideutigkeit des sozialen
Gesetzes, der sozialen Ordnung und der ethischen und moralischen Gebote.
Die politische Theorie von Hobbes befindet sich in perfekter Übereinstimmung
mit der empirischen und psychologischen Seite des menschlichen Miteinanders.
Die andere und in keiner Weise weniger wichtige Seite ist der letztendliche
ontologische Status des Lebens, und das war das Spezialgebiet von Hegel.
Die soziale “Kontrakt-Theorie” der menschlichen Beziehungen und der politischen
Organisation verlangt nach einer strikten Staatskontrolle durch die Mittel
der Machtausübung, der rechtlichen Gesetzgebung und der Auferlegung
einer äußeren Autorität, die die extravaganten Äußerungen
der menschlichen Selbstsucht unter Kontrolle halten sollen, die immer dann
ausarten, wenn unkontrollierbaren Leidenschaften und Vorurteilen freier
Lauf gelassen wird. Ohne eine solche feste Kontrolle würde sich die
menschliche Gesellschaft leicht in einen schmerzvollen Schauplatz voll
Chaos und Unheil verwandeln, was ja wohl kaum das ehrliche Ziel oder die
wahre Absicht des menschlichen Herzens sein kann. In Hinsicht auf die Natur
der Umstände dieser Angelegenheit und unter den herrschenden Bedingungen
ist dies zwar wahr und gerechtfertigt, doch würde das menschliche
Individuum in eine unglückliche Marionette verwandelt werden, die
unter dem Gewicht der äußeren Machtausübung zerdrückt
wird, insgeheim leidet und mit der völlig unverwirklichten Hoffnung
auf uneingeschränkte Freiheit und Freude stirbt, wenn diese Methode,
den Verlauf des menschlichen Lebens zu lenken, als ganze und vollständige
Wahrheit akzeptiert wird. Leider scheint dies jedoch zumindest die halbe
Wahrheit über die mißliche Lage des Menschen zu sein. Muß
das aber so sein?
Vielleicht
sollten wir zuerst einmal versuchen, die menschliche Notlage anhand eines
alltäglichen Beispieles deutlich zu machen: Ein starkes Magnetfeld
kann Tausende von winzigen Eisenspänen in einem mächtigen Band
des Einklangs zusammenhalten. Solange die magnetische Kraft ihren Einfluß
auf die Späne ausübt, können sich diese nicht unkontrolliert
zerstreuen, da sie dazu gezwungen sind, ihre Position gemäß
der von außen auf sie einwirkenden Kraft beizubehalten, auch wenn
sich diese Kraft vollkommen außerhalb der inneren Struktur der Späne
befindet. Obwohl die Späne nun aufgrund der äußeren Krafteinwirkung
in einem Band des Einklangs zusammengehalten werden, sind sie jedoch noch
immer isolierte Individuen, und niemand kann behaupten, daß ihre
Individualitäten in wahrer Einheit im Sinne einer gemeinsamen Existenz
verschmolzen wären. Übertragen auf die menschliche Gesellschaft
ergibt sich daraus folgendes Bild: Obwohl es so aussehen mag, als könnte
eine durch die Regierung ausgeübte politische Kontrolle die persönliche
Gier und die egoistischen Leidenschaften der Individuen wirksam in Schach
halten, indem sie ihre Freiheit beschneidet und ihre selbstsüchtigen
Neigungen einem ausgleichenden durch soziale und politische Regulierungen
ausgeübten Druck unterwirft, wird dadurch nur ein künstlicher
Friedenszustand erzeugt, in dem die Individuen weder ihre Individualität
verlieren noch ihre selbstsüchtigen Neigungen aufgeben, auch wenn
diese Neigungen vorübergehend unter Kontrolle gehalten werden. Schlafende
Hunde und eingerollte Schlangen hören nicht auf, das zu sein was sie
sind, nur weil sie sich im Augenblick nicht bewegen. Man kann wahre Glückseligkeit
und Frieden nicht einfach dadurch erreichen, daß man den Teufel,
der schwer bewaffnet darauf wartet, uns zu vernichten, in Ketten legt.
Diese fromme Hoffnung kann nur dann verwirklicht werden, wenn man nicht
nur eine künstlich harmonische Ansammlung von essentiell verschiedenartigen
Charakteren aufrecht zu halten versucht, sondern die Menschen samt ihrer
Vorurteile und Neigungen in eine universelle Harmonie emporhebt, die den
Charakter einer unteilbaren Ganzheit aufweist. Gesetzgebungen müssen
demnach mit dem Geist einer letztendlich spirituellen Einheit der Existenz
belebt werden. Die Abwesenheit dieser unentbehrlichen Erkenntnis in den
Verwaltungsbereichen vergangener Regierungen war der wesentliche Grund
für den Sturz von Weltreichen, für das Zerbrechen von Sozialstrukturen,
für das Versagen ethischer Regeln in der menschlichen Gesellschaft
und für das Scheitern der ansonsten aufrichtigen Bemühungen von
großartigen Führern der Menschheit.
Die Moral
der menschlichen Gesellschaft beruht seit jeher meist auf gesetzlichen
Regulierungen, so daß es aus den Tiefen der Menschenseele, die die
uneingeschränkte Freiheit sucht, verständlicherweise zur Auflehnung
dagegen gekommen ist. Die Torheit des Menschen liegt jedoch seit jeher
darin, daß er versucht, sich die ersehnte Freiheit zu erkämpfen,
indem er das gleiche Recht anderer Individuen verletzt, die sich ihrerseits
um Freiheit bemühen. Wahrlich, der Mensch ist der Knotenpunkt zwischen
Gott und Bestie. Der göttliche Funke in ihm drängt ihn in Richtung
absoluter Freiheit, doch der Teufel, den er zur gleichen Zeit in seiner
Brust beherbergt, läßt ihn in Konflikt mit seinen Brüdern
geraten und Krieg mit der restlichen Menschheit führen. Diesen Krieg
beginnt er aufgrund seiner Unwissenheit um die Tatsache, daß absolute
Freiheit solange unmöglich bleiben muß, bis er mit entsprechendem
Respekt sowohl die Stärken als auch die Schwächen und Bemühungen
der anderen berücksichtigt, die ja ebenfalls in der weiten Atmosphäre
der Menschheit um ihn herum existieren. Es kann kein abgesondertes “Absolutes”
für jedes einzelne Individuum geben, sondern nur ein einziges Absolutes,
das Leben und Bestrebungen aller Individuen in sich vereint und in einer
ozeanischen Ausdehnung äußerster Vollkommenheit transzendiert.
Damit der Mensch sozialen und politischen Frieden finden kann, der den
persönlichen Frieden in sich umschließt, benötigt er eine
Weltregierung, die in ihre verwaltende Organisation die Notwendigkeit miteinbezieht,
die Umstände zu berücksichtigen, derer es bedarf, um die menschliche
Natur auf ihr angestrebtes Ziel der universellen Absolutheit hin emporzuheben.
Dieses Ziel kann nur eine äußerst spirituelle Essenz sein, in
die die Materie des Universums in kosmischer Subjektivität verschmilzt.
Darüber hinaus müßte die Notwendigkeit berücksichtigt
werden, individuelles Verhalten und Handeln durch rechtliche und gesetzliche
Kontrolle zu leiten und auf dem Weg zu diesem grandiosen Lebensziel hin
zu unterstützen. Wie großartig! Doch ist dies auch praktizierbar?
Die Antwort
lautet “ja” und präsentiert sich in dem leuchtendem Bild des Zeitalters
der Wahrheit, das in indischer Tradition als Satya-Yuga bekannt ist und
von dem es heißt, daß es sich auf Erden vor langer, langer
Zeit ereignet hat und dessen periodische Wiederkehr und Wiederholung, den
Überlieferungen gemäß, nach oder zu Beginn eines jeden
Weltzeitzyklus erwartet wird. Dies ist das Schicksal des Menschen, das
er sowohl in glorreichen Perioden konstruktiver geschichtlicher Zeiten
als auch in den üblen, destruktiven Zeiten des Krieges anstrebt.
Könnte man diese beiden Aspekte als “Licht des Tages” und “Dunkelheit
der Nacht” innerhalb des sich beständig wandelnden Geschichtszyklus
bezeichnen, der von der ewigen Sonne des allmächtigen Absoluten erleuchtet
wird? Es hilft nichts, lediglich nationale Hymnen zu singen, mittels gesetzlicher
Gebote tyrannischen Druck auszuüben oder sich für menschlichen
Frieden und für das Allgemeinwohl einzusetzen, wenn man diese letztendliche
und grundsätzliche Bedeutung der menschlichen Natur und Geschichte
in der geschäftigen Anspannung des Lebenskampfes aus den Augen verloren
hat, der durch die unvermeidliche Reibung zwischen dem abwärts führenden
und aufspaltenden Sog der empirischen Persönlichkeit des Menschen
und dem aufwärts- und zur Vereinigung strebenden Drang seiner höheren
spirituellen Natur verursacht wird. Verwaltungstechnisches Genie ist somit
weder nur gesetzlich, ethisch oder weltlich (ohne die spirituelle Bedeutung
der Struktur des Universums zu berücksichtigen) noch ist es reine
Religiosität oder Spiritualität im Sinne eines formverhafteten
und traditionsgebundenen Schriftgelehrten-Typus oder eine starre, asketisch
orientierte Einstellung, die der realistischen Annäherung an das Leben
beraubt ist, die verlangt, daß man den beständigen Bedarf nach
Recht, Ethik und humaner Würdigung der ganzen Menschheit berücksichtigt.
Unglücklicherweise ist der Mensch seit jeher engstirnig und damit
unfähig, derart umfassend zu denken und zu handeln. Dies dürfte
ausreichend erklären, warum der Mensch ist, was er ist, und warum
die Welt immer schon so war, wie wir sie auch heute vorfinden.
Es bedürfte
der Führerschaft eines gewaltigen Genies mit der Fähigkeit, in
die universellen Kräfte einsehen zu können. Und diese Kräfte
sind weder materiell minus spirituell, noch spirituell minus materiell.
Die Wahrheit ist eine Verschmelzung von Geist und Materie, von Göttlichkeit
und Menschlichkeit, von Gott und der Welt. Wird der Mensch in der Lage
sein, diese Vision in sich zu erwecken? Wenn ja, dann gibt es für
ihn Hoffnung, und dann ist auch wirklicher Frieden möglich, und zwar
nicht nur auf Erden, sondern ebenso im Himmel und überall. Andernfalls
ist das Objekt, nach dem gesucht wird, sehr weit entfernt und nur schwer
zu finden. Die Welt bedarf der Führerschaft eines Übermenschen,
dessen Augen Gott und die Welt gleichzeitig schauen können, dessen
Persönlichkeit zugleich heiliger Tempel des Allmächtigen und
aktive Verkehrsader der menschlichen Angelegenheiten ist. Die Welt hat
ein solches Ideal in der Persönlichkeit von Sri Krishna gesehen, der
ein außergewöhnlicher Vertreter der größten Staatsmänner
ist, und zwar in dem Sinne, wie wir ihn oben als dringend notwendig für
die Wohlfahrt der Menschheit definiert haben. Es hat auch in anderen Perioden
der Menschheitsgeschichte Gelegenheiten für die Manifestationen solcher
Übermenschen gegeben, deren Aufzählung in einer kurzen Abhandlung
jedoch schwierig sein dürfte. Falls der Mensch überhaupt noch
dazu fähig ist, Hoffnung in seinem leidgeprüften Herzen zu nähren,
das darum kämpft, sich in dem reißenden Strom der Evolution
in Richtung seiner ehrfurchtgebietenden Bestimmung an einen Strohhalm zu
klammern, dann beruht diese Hoffnung genau auf der Verwirklichung dieses
übermenschlichen Ideals.
Soziale Sicherheit
und Freundschaft können nicht gewährleistet werden, solange die
soziale Beziehung als eine rein äußerliche Verbindung verbleibt,
die unabhängig von den durch sie verbundenen Individuen wirkt und
nicht innerhalb der Natur der Individuen selbst. Eine Beziehung zwischen
zwei Personen muß die Essenz dieser beiden Individuen durchdringen.
Nur dann ist es möglich, daß die Beziehung zwischen beiden freundschaftlich,
sicher und beständig werden kann. Sollte diese Beziehung jedoch nur
eine Form sein, die aufgrund eines von außen ausgeübten Druckes
eingegangen wird, so daß die beiden Individuen nur miteinander verbundenen
zu sein scheinen, dann können die derart durch eine äußere
und ihrer eigenen Natur gegenüber fremde Macht miteinander verbundenen
Individuen sich im selben Moment gegenseitig an die Gurgel springen, in
dem dieser äußere Druck entfernt wird. Und genau dies geschieht,
wenn der Staat, der der Gesellschaft seine Gesetze aufzwingt, eher eine
Maschine als ein Organismus ist. Zusammen mit Hobbes mag man der Meinung
sein, daß der Staat niemals mehr sein kann als eine von außen
auf das Individuum einwirkende Maschine, was auch immer die Notwendigkeit
für die Inbetriebnahme der Maschine sein mag. Für Hegel ist der
Staat ein Organismus, der das Gesetz des Absoluten widerspiegelt und ein
lebendigeres, umfangreicheres und wirklicheres Prinzip darstellt als das
Individuum; nicht eine “kollektive” Kraft, sondern ein unteilbares Gesetz,
das vom inneren Willen der Individuen letztendlich nicht getrennt werden
kann. Die viel mißbrauchte und verzerrte Tradition der göttlichen
Herkunft oder des göttlichen Rechts der herrschenden Autorität,
die in alten Zeiten so hoch angesehen war, ist vielleicht vor dem Hintergrund
der Hegelschen Logik von der organischen Struktur des Staates als vorübergehender
Manifestation des ewigen Gesetzes des Universums zu verstehen. Für
den durchschnittlichen Verstand ist es jedoch extrem schwierig, wenn nicht
gar unmöglich, die tiefere Bedeutung der Hegelschen Philosophie des
Staates zu verstehen, deren Fehlinterpretation zur ökonomischen Philosophie
des Materialismus führte, der sich für seine Lehrsätze zwar
die dialektische Logik Hegels aneignete, den spirituellen Inhalt jedoch
nicht erkannte. Das griechische Sparta und Nazi-Deutschland waren Beispiele
einer Verherrlichung der Staatsmacht, der die spirituelle Vitalität
und Kraft fehlt, was den Staat somit in einen Vernichtungsapparat verwandelte,
der mit dem Gewicht eines Bulldozers über die Individuen hinweg rollte
und sie unter diesem Gewicht zerquetschte. Die politischen Systeme des
alten Athens und des modernen Frankreichs haben der individuellen Freiheit
und der Staatsmaschinerie einen gleichwertigen Status eingeräumt,
wobei der Staat zwar noch immer als Maschine verbleibt, doch nicht mehr
in dem Ausmaß, daß er die individuelle Freiheit zerstört.
In England jedoch wurde die Doktrin der individuellen Freiheit über
die Struktur des Staates gestellt, der zum Wohle und zum Wachstum des Individuums
besteht und keinem anderen Zweck dienen soll als dem Individuum. Die spontane
Äußerung eines Beobachters dieser drei Staatsmodelle wäre
wohl, daß das erste völlig falsch sein muß und in keiner
Weise mit der Wahrheit übereinstimmen kann; das zweite, aus dem empirischen
Blickwinkel der Dinge betrachtet, pragmatisch und versöhnlich erscheint;
und das dritte vielleicht das beste sein dürfte. Doch selbst dieses
beste kann nicht wirklich als das beste angesehen werden, solange es das
Individuum und den Staat als sich einander ausschließende Größen
betrachtet, wobei das eine außerhalb des anderen existiert und beide
dennoch durch ein unergründliches Band miteinander verbunden sind,
welches weder vom Individuum noch vom Staat unabhängig voneinander
verstanden werden kann. So kommt es, daß kein politisches System
jemals auf lange Sicht und unter allen Umständen erfolgreich gewesen
ist. Die Systeme haben sich gelegentlich gewandelt, um sich den veränderten
äußeren Umständen und Bedürfnissen der Individuen
im Ablauf der Zeit anzupassen. Obwohl diese Veränderungen als Reaktionen
auf jenseits der menschlichen Kontrolle liegende Bedingungen logisch gutgeheißen
werden mögen, haben sie bis heute noch nicht zur Entdeckung eines
stabilisierenden Ankers geführt, auf den sich die Notwendigkeit zur
Veränderung als beständigem Standard beziehen könnte. Und
es sieht so aus, als ob der Mensch noch keine Zeit dafür verwendet
hat, solch einen Ankerplatz als geeignete Bezugsgröße zu suchen.
Gott, die Welt, das Individuum und die Gesellschaft werden fälschlicherweise
als vier verschiedene Realitäten angesehen, was sie unglücklicherweise
aber nicht sind. Sie sind die vier Facetten des leuchtenden Kristalls einer
einzigen Wirklichkeit, auf die sich alles hin bewegt und für deren
Verwirklichung alle Dinge unermüdlich beschäftigt sind. |
|

Hier kostenlosen
Yoga Gesamtkatalog
anfordern





Broschüre und kostenlose Übungspläne anfordern
|
|
.
- Yoga Übungen lernst du am besten bei einem Yogalehrer
- Yoga Einführungs-Seminare gibt es in den Yoga Vidya Seminarhäusern als Wochenend- und Wochenkurse. Diese werden auch von Krankenkassen bezuschusst
- Bei Yoga Vidya findest du jährlich fast 3000 Seminare zu Yoga, Meditation und Ayurveda, darunter auch das umfangreichste Yogalehrer Weiterbildungs-Angebot
- In den Yogalehrer Ausbildungen beim Berufsverband der Yoga Vidya Lehrer/innen in 50 verschiedenen Städten lernst Du Yoga, Meditation, Yoga Philosophie, spirituelles Leben und auch, wie Du sie anleiten kannst
- In den Yoga Vidya Zentren gibt es regelmäßige Einführungskurse
- Im Yogalehrer-Verzeichnis findest Du eine/n qualifizierte/n Yogalehrer/in in Deiner Nähe
- Im Yoga-Shop findest Du DVDs, Bücher, Yoga-Matten, Kissen, CDs und vieles mehr für deine Yoga-Praxis
Auf unseren Internet-Seiten findest du viele weitere Informationen:
Yoga Vidya findest du auch in vielen sozialen Netzwerken
|