Lebensregeln
des Ayurveda

Sattvisches Leben
Alle menschlichen Wesen sollten einem sattvischen (reinen
Lebensstil) folgen, der Frieden und geistige Klarheit vermittelt. Zur
körperlichen Reinheit gehört eine reine Ernährung mit
rohen oder frisch gekochten vegetarischen Lebensmitteln, reine Luft
und sauberes Wasser, angemessene körperliche Übungen, die
beruhigend wirken, sowie körperliche Sauberkeit.
Zur
Reinheit des Geistes gehören Wahrhaftigkeit, Ehrlichkeit, Demut,
Ausgeglichenheit, Gewaltlosigkeit, Freundlichkeit und Mitgefühl
für alle Lebewesen. Emotionale Unreinheiten wie Ärger, Hass,
Stolz, Begierde und Furcht werden aufgegeben; auf Klatsch und Sorgen
sollte man verzichten. Dies sind die wesentlichen schlechten geistigen
Gewohnheiten, die unsere natürliche Geistesklarheit und unser geistiges
Gleichgewicht zerstören.
Zu
einem reinen Lebensstil gehören ein angemessener Lebensunterhalt
(im Sinne einer beruflichen Tätigkeit, die anderen keinen Schaden
zufügt), eine angenehme Art zu sprechen, eine harmonische oder
angenehme Umbebung und das Vermeiden von Ablenkungen, Lärm und
allen gewalttätigen oder entwürdigenden Formen der Unterhaltung.
Zu
einem sattvischen Leben gehören die Hingabe an das Göttliche
oder die Wahrheit, Mitgefühl, Dienst an den Mitmenschen, das Studium
spiritueller Lehren, Erfurcht vor spirituellen Lehrern und das Praktizieren
von Yoga und Meditation.
Die
Reinheit selbst sollte jedoch nicht durch Selbstgerechtigkeit, Übersensibilität
oder Fanatismus zu einem Fehler werden. Wir sollten stets gute Laune
und Mäßigung bewahren. Was wir brauchen, sind natürliche
Harmonie und Anpassungsfähigkeit und nicht die Bürde künstlicher
Standards.
Ernährung
und Kräuter
Unsere
Ernährung ist die wichtigste langfristigste Maßnahme zur
Behandlung unseres Körpers. Bis sich die Erfolge zeigen, können
ein bis sechs Monate vergehen, doch die Wirkung ist dann anhaltend.
Die Ernährung ist ein beständiges Heilmittel, auch wenn sie
gelegentlich an die Jahreszeiten, das Alter oder spezifische Krankheiten
angepasst werden muss. Unser Körper setzt sich aus den Nahrungsmitteln
zusammen, die wir zu uns nehmen, und wir können nicht erwarten,
dass sich unser körperlicher Zustand verändert, wenn wir unsere
Ernährung nicht ändern.
Der
Ayurveda konzentriert sich vorwiegend auf die Energien der Nahrungsmittel,
um damit die Körpersäfte ins Gleichgewicht zu bringen. Mineralien,
Vitamine und die chemischen Inhaltsstoffe spielen demgegenüber
eine untergeordnete Rolle. Aus ayurvedischer Sicht gibt es keine Ernährungsformen,
die für jeden Menschen richtig ist, und auch keine Mindestanforderungen
für Stoffe, die täglich aufgenommen werden sollten. Entscheidend
ist vielmehr, ob die Nahrung, die wir zu uns nehmen, und die Art und
Weise, wie wir essen, mit unserer Konstitution harmoniert.
In
der Vedanta-Philosophie wird der Geist (Manomaya-Kosha) als die Essenz
der Nahrung betrachtet.
Wir
sind was wir essen!

Alles
was wir essen, wirkt sich auf unsere Gefühle aus und kann dazu
führen, dass wir für psychische oder körperliche Störungen
anfällig werden. So wie falsche Gefühle unsere Verdauung beeinträchtigen
können, kann eine schlechte Verdauung unsere Gefühle stören.
Wir
sollten auch an die spirituellen Eigenschaften der Nahung denken, die
wir zu uns nehmen. Wirkt sich die Nahrung die wir zu uns nehmen günstig
auf unseren geistigen Prozess aus, oder wirkt sie störend? Fleisch
ist ein sehr schlechtes Nahrungsmittel, wo nahrhaft es auch sein mag.
Es enthält die Energie des Todes und verkörpert die Kräfte
der Gewalt, sowie die negativen Emotionen von Angst und Hass.
Man
sollte nicht nur auf die Qualität der Nahrungsmittel achten, sondern
auch auf die Bedingungen der Nahrungsaufnahme. Hierzu gehören im
Ayurveda eine entsprechende Zubereitung der Mahlzeiten, die richtige
Kombination der Nahrungsmittel, die Menge und die Häufigkeit der
Nahrungsaufnahme, sowie die richtige Zeit und der richtige Ort zum Essen.
Auch die emotionale und geistige Einstellung ist wichtig: Gutes Essen,
das man in schlechter Stimmung zu sich nimmt, kann Krankheiten verursachen.
Ebenso wichtig ist, dass die Mahlzeiten mit Liebe, Sorgfalt und positiven
Gefühlen zubereitet werden.
Kräuter
sind wie feinstoffliche Nahrungsmittel. Mann kann sie in kleinen oder
größeren Mengen zu sich nehmen. Größere Mengen
(ca. 28g - pro Tag) sollten in der Regel nicht ohne den Rat eines Arztes
oder Heilpraktikers eingenommen werden. In kleinen Dosen sind Kräuter
wie starke Nahrungsergänzungsmittel, die fast jeder regelmäßig
zu sich nehmen kann und sollte. Sie gehören zu den notwendigen
Nahrungsmitteln und bilden einen Teil der feinstofflichen Ernährung.
Öle
und Massagen
Die
meisten von uns brauchen regelmäßige Massagen und eine äußere
Anwendung von Ölen. Die therapeutische Berührung schafft eine
Verbindung zu unserem Körper und durchbricht die Stagnation entlang
der Oberfläche. Die Ölmassage nährt das Herz und beruhigt
den Geist. Sie verleiht den Muskeln und Gliedmaßen Elastizität
und stärkt die Knochen.
Ätherische Öle und Räucherwerk
Ätherische
Öle und Duftstoffe sind ebenfalls ein wichtiger Teil des Lebens.
Sie öffnen Geist und Herz und reinigen die Luft und die Aura. Räucherwerk
wirkt auf ähnliche Weise. Es unterstützt die Reinigung und
schafft eine Atmosphäre der Empfänglichkeit für die göttlichen
Kräfte.
Farben und Edelsteine
Der
richtige Gebrauch von Farben hat durch die sinnliche Wahrnehmung einen
harmonischen Effekt auf den Geist und die Emotionen. Unsere Eindrücke
nähren den Geist und beeinflussen die Körpersäfte.
Edelsteine
helfen die Aura auszugleichen, und harmonisieren die kosmischen Einflüsse
der Sterne auf uns. Sie sind nicht nur Schmuckstücke, sondern auch
eine zusätzliche Möglichkeit, die feinstofflichen Energien
des Lebens abzustimmen. Es ist hilfreich, Edelsteine zu tragen oder
zu benutzen, die unser körperliches und geistiges Gleichgewicht
stärken.
Lebensstil
Unser
Lebensstil ist wahrscheinlich der wichtigste, allgemeine Faktor unserer
körperlichen und geistigen Gesundheit. Richtiger Lebensstil bedeutet
nicht, die eigene Natur zu unterdrücken, sondern deren tiefere
Kräfte an die Oberfläche zu bringen. Im Ayurveda sollen also
unsere natürlichen Bedürfnisse wie Essen, Schlafen, Stuhlgang,
Wasserlassen, Niesen, Weinen, Husten, Gähnen oder Winde nicht unterdrückt
werden.
Überlegungen
zum individuellen Lebensstil beziehen solche körperlichen Faktoren
ebenso wie das richtige Maß an Ruhe, Sonne, Hitze oder Kälte,
ausreichend körperliche Bewegung sowie eine angenehme und natürliche
Umgebung.
Die
geistigen Faktoren und ethischen Haltungen des richtigen Lebensstils
sind die Prinzipien eines sattvischen Lebens. Diese werden der jeweiligen
Konstitution angepasst.

Yoga
und Meditation
Yoga
und Meditation beziehen sich auf die spirituellen Aspekte des Lebens.
Im Ayurveda heißt es, die Seele sei die Quelle des Lebens und
der Gesundheit. Deshalb müssen wir so leben, wie es unsere Seele
verlangt, damit wir Frieden finden und uns wohl fühlen. Krankheiten
sind ein Hinweis darauf, dass wir den Kontakt zu unserer Seele verloren
haben. Nach ayurvedischer Ansicht ist das Praktizieren von Yoga, eine
sehr wichtige, natürliche und vorbeugende Maßnahme, um die
Gesundheit zu erhalten.
Jeder
von uns sollte tägliche Yogaübungen machen und meditieren.
Ohne diese Übungen hat unser Leben keinen wirklichen Mittelpunkt,
um den die anderen Praktiken der richtigen Lebensführung angeordnet
werden können.
Durch
Yoga gelangt der Mensch in einen Zustand der Ruhe und Ausgewogenheit.
Daher haben Yoga-Übungen sowohl einen heilenden, als auch einen
vorbeugenden Wert. Yoga ist die Wissenschaft von der Vereinigung mit
dem höchsten Sein.
Atmung
Atemübungen
(Pranayama) sind eine Heilmethode des Yoga, die ein Gleichgewicht im
Bewusstsein herstellen können. Durch das praktizieren von Pranayama
erreicht man Kontrolle über PRANA (Lebensenergie), das eng mit
dem Geist verbunden ist. Sobald der Atem ruhig durch unseren Körper
fließt, ist auch unser Geist in einem ruhigen, ausgewogenen Zustand.
Ist der Geist aber von negativen Gefühlen wie Sucht, Ärger,
Zorn oder Sorge ergriffen, wird der Atem unregelmäßig und
unruhig.