Um sich immer wieder an das inspirierende Leben großer Persönlichkeiten zu erinnern, haben Weise aus allen alten Religionen bestimmte Tage im Jahr festgelegt, die als besonders heilig und erfolgversprechend gelten, Um die Erinnerung an solch großartige Menschen aufrecht zu erhalten, gedenken die Völker an diesem Tag dieser überragenden Persönlichkeiten und beleben den Geist großer Ereignisse neu. So findet man im hinduistischen Kalender die Geburtstage der göttlichen Inkarnationen, Heiligen und Weisen, Gita Jayanthi (Tag, an dem die Bhagavad Gita, eine heilige indische Schrift, enthüllt wurde), Guru Purnima (Vollmondnacht, in der der spirituelle Lehrer besonders verehrt wird), Shivaratri (Neumondnacht, die Shiva heilig ist und mit spiritueller Aktivität verbracht werden sollte), Vaikunta Ekadashi (11. Tag nach Neu- und nach Vollmond, der Vishnu zugeordnet ist und der besonders gut ist zum Fasten) und viele andere Feiertage. Der Gayatri-Japa-Tag ist so ein besonders heiliger und ruhmreicher Tag. Er erinnert an das heilige Gayatri-Mantra, das größte und ruhmreichste aller Mantren.
Das Gayatri-Mantra ist Leben und Stütze, eine starke geistige Rüstung, eine wunderbare Festung, das seine Eingeweihten bewacht und beschützt. Das ist auch die wahre Bedeutung des Wortes Gayatri – „das, welches denjenigen beschützt, der es singt“.
Das Gayatri ist die göttliche Kraft, die den Menschen zum Göttlichen transformiert und ihn mit dem strahlenden Licht höchster spiritueller Erleuchtung segnet. Egal welchen Aspekt des Göttlichen jemand besonders verehrt, die zusätzliche tägliche Wiederholung einiger weniger Malas (Rosenkranz mit 108 Perlen) des Gayatri-Mantras wird unermesslichen Reichtum und Segen bringen. Es ist allumfassend anwendbar: ein aufrichtiges Gebet um Licht und Erleuchtung an die allmächtige höchste Geistsubstanz. Das an den Höchsten gerichtete Gayatri-Mantra ist das bedeutendste aller Mantren. Es ist jedem Priester, egal welchem Glauben oder Orden er angehört, als das alleinige, transzendentale, leitende Licht vorgeschrieben. Ob religiös Strebender oder Junggeselle, Hausherr, Einsiedler oder Pensionär, jeder sollte dieses Mantra Tag für Tag wiederholen. Sannyasins (Entsagte, Mönche) sollten stattdessen das OM wiederholen.
Das Gayatri-Mantra kann man immer wiederholen, während man über jede beliebige Form meditiert. Die Mehrheit verbindet es im allgemeinen mit der Vorstellung einer weiblichen Gottheit. Wer Gott eher als mütterlichen Aspekt verehrt, hält an dieser Ansicht fest. Aber in Wirklichkeit wird im gesamten Gayatri niemals von einer Frau, einem weiblichen Wesen, gesprochen. Allein die Tatsache, dass das Wort „Gayatri“ grammatikalisch weiblich ist, macht aus dem dadurch angesprochenen Aspekt Gottes noch keinen weiblichen. Gayatri ist nur die Bezeichnung für das Versmass und nicht für die Gottheit selbst.
Manche Menschen glauben, die Sonne sei die Gottheit des Gayatri-Mantras. Aber auch diese Ansicht muss etwas richtig gestellt werden. Die Sonne, von der im Mantra die Rede ist, ist nicht die Sonne, welche für unsere physischen Augen sichtbar auf die Erde scheint. Es ist tat savituh oder „jene Sonne”. Damit ist jene große Sonne gemeint, welche nicht von unserer herkömmlichen Sonne oder dem Mond erhellt wird und die das unpersönliche, absolute Brahman (das Allumfassende, das unzerstörbare göttliche Prinzip) ist.
Daher ist es das größte aller Mantren, denn die oberste Gottheit ist niemand anders als Brahman selbst. Warum also sich nach anderen Mantren sehnen? Das Gayatri selbst ist das krönende Juwel, der König aller Mantren. Es ist das mächtigste aller Mantren. Na gayatryah paro mantrah - es gibt kein größeres Mantra als das Gayatri.
Jedes Wort, jeder Buchstabe des Gayatri trägt in sich die höchste vedantische Vorstellung der absoluten und höchsten Wahrheit. Praktiziere die Wiederholung des Gayatri und es wird dir die beste aller Früchte schenken, die Frucht der Unsterblichkeit.
Das Mantra lautet wie folgt:
Om bhur bhuvah svah
Tat savitur varenyam
Bhargo devasya dhimahi
Dhiyo yo nah prachodayat
Om - Symbol für Para Brahman (das Höchste)
Bhuh - Bhu Loka oder die physische Ebene
Bhuvah - die astrale Ebene
Svah - die himmlische Ebene
Tat - Das; das transzendentale höchste Selbst (paramatma); Gott
Savituh - der Schöpfer
Varenyam - verehrungswürdig
Bhargah - Entferner von Sünden und Unwissenheit; Ruhm und Glanz
Devasya - glänzend, scheinend
Dhimahi - wir meditieren
Dhiyah - der Intellekt, das Verstehen
Yo - wer
Nah - unser
Prachodayat - erleuchten, führen, vorantreiben
Bedeutung:
„Wir meditieren über die Herrlichkeit des Schöpfers, der das Universum erschaffen hat, der Verehrung verdient, der die Verkörperung des Wissens und des Lichts ist, der alle Sünden und Unwissenheit beseitigt. Möge er unseren Verstand erleuchten!“
Darin sind fünf Teile enthalten:
Om ist der erste Teil; Bhur bhuvah svah der zweite; Tat savitur varenyam der dritte; Bhargo devasya dhimahi der vierte und Dhiyo yo nah prachodyat ist der letzte Teil. Während du das Mantra wiederholst, solltest du nach jedem Teil eine Pause einlegen.
Dieser seltene göttliche Schatz des Gayatri-Mantras wird heutzutage von jungen Menschen oft vernachlässigt. Das ist ein sehr schwerer Fehler. Öffne jetzt an diesem heiligen Tag deine Augen und beginne ernsthaft mit dem Rezitieren des Gayatri. Wiederhole es mindestens 108 mal (1008 mal ist besser!) am Gayatri Japa Tag. Fahre danach fort, das Mantra wenigstens 108 mal täglich zu wiederholen, ohne auch nur einen einzigen Tag auszulassen.
Möge das Gayatri-Mantra der ganzen Welt bewusst werden durch die Erinnerung daran am Gayatri-Japa-Tag (japa = Wiederholung eines Mantras). Möget ihr alle dreifach gesegnet sein, wenn ihr euch jetzt, in diesem Moment, vornehmt, das Gayatri-Mantra täglich zu rezitieren. Möget ihr seine tiefe innere Wahrheit erfahren.
Gayatri Japa wird am Tag nach Raksha Bandhan oder Avani Avittam (Juli/August) gefeiert.