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Parikshit
erzählt nach der Bhagavatam von Sukadev Bretz

 


Ein Einsiedler lebte mit seiner Familie in einer Einsiedelei im Wald. Die meisten Einsiedler im alten Indienhatten eine Familie. Aber sie lebten abgeschieden, waren mit einfachen Dingen zufrieden und meditierten. Dieser Meister war eines Tages in tiefer Meditation. Da kam der König Parikshit vorbeigeritten. Er hatte einen langen Ritt hitner sich und wollte etwas zu essen und zu trinken. In Indien gilt das Gesetz der Gastfreundschaft gegenüber jedem und dem König gegenüber natürlich in besonderem Maße. Der König klopfte also an, als keine Antwort kam, öffnete er die Tür und sah dort jemanden in Meditation sitzen. Er rief: „Bitte, großer Weise, ich bräuchte etwas zu essen und zu trinken, ich bin ganz schwach und muß heute noch weit reiten.“ Keine Antwort. „He, ich habe mit dir gesprochen, nun sag doch was!“ Keine Antwort. Er schüttelte ihn. Der Asket blieb immer noch ruhig sitzen. Nun wurde der König wütend und dachte, das ist kein Heiliger, sondern er ist nur zu faul oder zu geizig, mir etwas zu geben und tut deshalb so, als ob er meditiert. So lange kann doch keiner ruhig sitzen. Der König nahm also eine Schlange, legte sie dem Einsiedler um den Hals und ging weiter. Da kam der Sohn des Weisen von hinten her und sah das. Er war noch jung und daher zu schüchtern, den König anzusprechen. Er war von seinem Vater erzogen worden, niemals auch nur eine Lüge zu sagen. Er hatte bis zu diesem Moment nicht ein einziges Mal eine einzige Lüge gesagt. Und deshalb waren seine Gedanken unheimlich stark. Und jedes Wort, das er sagte, mußte zur Wahrheit werden. Und er sagte: „Dieser König wird in sieben Tagen an einem Schlangenbiß sterben.“ Nach ein paar Stunden kam der Weise aus der Meditation heraus, sah die Schlange um seinen Hals, nahm sie vorsichtig ab – es heißt auch, einem Weisen in der Meditation werden Schlangen und wilde Tiere nichts tun, das ist auch die Kraft von Ahimsa. Wenn jemand fest verankert ist in Ahimsa, tun ihm Tiere bestimmt nichts. Auch von Buddha gibt es solche Geschichten. Was Buddha gemacht hat in Indien war weniger Meditation einführen und Philosophie und die Praktiken des Buddhismus, die waren alle bekannt in Indien. Aber hat Menschen in Massen zu Mönchen und Nonnen gemacht. Das war außergewöhnlich. Es gab zwar schon Asketen, aber selbst die meisten von ihnen waren verheiratet. Es gab zwar auch ein paar Mönche, aber wenige. Und Buddha hat Tausende und Zig-Tausende zu Mönchen gemacht. Und das mochten andere natürlich nicht. Die Eltern mochten nicht, daß die Kinder zu Mönchen wurde, die Gattin mochte nicht, daß der Ehemann zum Mönch wurde, der Mann wollte nicht, daß die Frau zur Nonne wird, usw., und so hat Buddha aus diesem Grund schon einige Feindschaft auf sich gezogen. Und unter seinen Feinden gab es einen, der schließlich einen wilden Elefanten gegen Buddha hetzte, damit er ihn niedertrampeln sollte. Der Elefant kam zu Buddha hin, Buddha hob nur die Hand zum Segnen und der Elefant verneigte sich vor ihm. Ein anderes Mal wurden wilde Tiger auf ihn losgelassen und auch sie verneigten sich vor Buddha. Also, bei Tieren soll das absolut gelten. Menschen können die Kraft der Ahimsa des Weisen vielleicht nicht ganz so spüren und ihn trotzdem verfolgen, aber der Weise fühlt nicht, daß sie ihn verfolgen.

Jedenfalls, der Weise kam also aus der Meditation, legte die Schlange ab und fragte seinen Sohn: „Was ist eigentlich passiert? Wieso ist die Schlange da?“ Der Sohn antwortete: „Der König war da und hat dir diese Schlange um den Hals gelegt und hat in Kauf genommen, daß du daran stirbst. Dem habe ich’s aber gezeigt. Er wird jetzt in sieben Tagen an einem Schlangenbiß sterben.“ „So?“ „Ja, ich habe gesagt, daß er es wird und du weißt selbst, wenn ich etwas sage, wird es geschehen.“ „Aber der König ist doch insgesamt ein gerechter König und mir ist ja auch nichts passiert. Und wir hätten ihn ja auch bewirten sollen. Und wenn ich es nicht gemacht habe, hättest du es tun sollen. Ich habe es halt nicht gemerkt, das tut mir leid. Der König hat sich halt geärgert. Er ist kein Weiser, deshalb hat er seine Emotionen nicht so unter Kontrolle. Aber wir, die wir Asketen sind, wir sollten unsere Emotionen vollständig unter Kontrolle haben.“ Sagt der Sohn: „Ja, ich seh’s ja ein, es war nicht richtig, aber du weißt, es wird geschehen. Ich kann’s nicht mehr zurücknehmen.“ Schweren Herzens ging also der Weise zum König. „Oh König, ich muß dir leider sagen, du wirst in sieben Tagen an einem Schlangenbiß sterben.“ Der König fragte ihn, warum. Der Weise erklärte es ihm und entschuldigte sich: „Tut mir leid, aber es ist leider nicht mehr zu ändern.“ Der König erkannte auch, daß er nicht das Richtige getan hatte, aber auch er konnte es nicht rückgängig machen. Nun gab er den Auftrag, ein neues Haus zu bauen auf einem Pfahl, aus neuem Material, das alles inspiziert wurde, damit ja keine Schlange irgendwo verborgen war und daß keine Schlange hochgehen konnte. Dieses Haus wurde sieben Tage lang gebaut. Gleichzeitig baute er aber auch vor und fragte: „Was ist der schnellste Weg, bis dahin zur Verwirklichung zu kommen, falls ich doch sterbe?“ Dann hieß es: „Die Geschichten Gottes zu hören und den Lobpreis Gottes zu singen.“ Dann lud er Sukadev ein, den Sohn von Vyasa, der ihm die Bhagavatam erzählte, die Geschichten von Inkarnationen von Vishnu und insbesondere von Krishna. Kurz vor Ende der sieben Tage ging der König in sein neues Haus hoch. Oben setzte er sich hin und bekam Essen. Und in einer Frucht, die er bekam, war eine Schlange, die ihn biß und er starb. Aber da er in der Zwischenzeit den Lobpreis Gottes gesungen hatte und die Geschichten von Krishna gehört hatte, kam er zu höheren Bewußtseinsebenen und erreichte die Befreiung. Letztlich war es dann ein Segen. In den sieben Tagen konnte er sich vorbereiten.
 
 

 

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