Swami Krishnananda

Brahma Sutra

Vaishvanara Vidya

Der höhere Aspekt der Meditation ist das Prinzip der Vaishvanara Vidya. Meditationen, die vollkommen auf Gedankengebilde gerichtet waren, wurden von dem großen Lehrer, Ashvapati, dem König aus der Chhandogya Upanishad abgelehnt. Wenn man auf etwas Bestimmtes meditiert, schließt man automatisch alles Andere aus. Man kann nicht an das Eine denken, ohne etwas Anderes auszuschließen. Der Gedanke, der etwas ausschließt, - und dies sollte uns klar sein, - also der Gedanke, der andere Gedanken bei der Konzentration ausschließt, ist auch ein Gedanke. Das Ausschließen von anderen Gedanken ist bei fortgesetzter Konzentration unmöglich, denn der Gedanke, der etwas ausschließt, besteht auch fort, da die Absicht besteht, nicht an andere Objekte zu denken. Es ist wie bei folgender Geschichte: Jemand sagte: Wenn du Milch trinkst, denke nicht an Affen‘; jedes Mal, wenn er Milch trank, kamen ihm nur Affen in den Kopf!

In der Geschichte des Kosmos gibt es keine Sache, die von einer anderen Sache wirklich vollkommen ausgeschlossen ist. Der Gedanke, etwas ausschließen zu wollen, ist nutzlos, denn der Geist, der etwas ausschließt, sollte auch in jenem Objekt präsent sein, das er gerade ausschließt. Hier spielt uns der Geist nur einen Streich. Dies ist der Grund, warum der große Lehrer Ashvapati den sechs großen Lehrern, die ihn aufsuchten, sagte, dass ihre Meditationsmethoden auf Atman allesamt unvollkommen seien. Er stellte die große Frage: Auf was meditiert ihr?‘ Sie gaben unterschiedliche Antworten. Die unterschiedlichen Meditationsobjekte stellten sich als völlig isoliert heraus. Der König sagte: Ihr macht alle zwei Fehler: Der erste Fehler ist, dass ihr auf etwas außerhalb von euch selbst meditiert, der zweite Fehler ist, dass eure Meditationsobjekte sich nur an einem Ort befinden.

Dass das Meditationsobjekt nicht nur an einem Ort sein kann, wird dadurch klar, dass der Geist nichts von seinem Meditationsobjekt ausschließen kann. Wenn der Ausschluss von irgendetwas nicht möglich ist, weil dies das Bewusstsein einschließen würde, dann hat man nur Erfolg, wenn in die Konzentration alles ein- und nichts ausgeschlossen wird.

Wenn Gedanken während der Meditation darüber aufkommen, dass sich etwas außerhalb des Meditationsobjektes befindet, schließe dieses Gedankenobjekt auch in die Konzentration mit ein. Ich meditiere auf Bananen und dies schließt Apfelsinen aus.‘ Die bringst Apfelsinen zu Bananen und behandelst beide wie ein einziges Objekt. Nun stellst du fest, dass eine weitere Frucht ausgeschlossen ist, schließe diese ebenfalls in dein Meditationsobjekt ein. Wann immer du fühlst, dass etwas ausgeschlossen ist, schließe es in die Konzentration ein. Damit wird das Konzentrationsobjekt immer größer. Dann wird die Meditation kosmisch, denn nichts wird mehr ausgeschlossen. Darum sprach der große König. Meditiere nicht auf einzelne Dinge, denn wenn du auf einzelne Dinge meditierst, dann wird etwas Anderes ausgeschlossen. Das, was fälschlicherweise ausgeschlossen wurde, wird deine Meditation zerstören.‘ Die Welt ist so erschaffen, dass nichts von der Welt ausgeschlossen werden kann. Man kann nicht sagen: Ich will dies, aber nicht das.‘ Man kann nicht das Eine wollen, ohne dass sich eine andere Sache einmischt, von der man glaubte, dass sie nicht erwünscht war.

Dies ist eine völlig andere Denkweise. Eine Frage, die von dem König, wie folgt beantwortet wurde: Glaube niemals, dass sich das Meditations­objekt nur an einem Ort befindet‘, denn wenn es sich nur an einem Ort befindet, gibt es noch etwas Anderes außerhalb dieses Meditationsobjektes, doch das ist aus psychologischer Sicht unmöglich, wenn man eine Ganzheitsbetrachtung an Stelle einer bruchstückhaften Betrachtung macht.

Auf diese Weise wird die Gesamtsicht zum Meditationsobjekt. Damit kann der Geist sogar jenseits der Himmel gehen. Du gehst mit dem Geist jenseits der Vorstellungsgrenzen, und wenn der Geist fühlt, dass es dort noch etwas gibt, beziehe das ebenfalls ein, sodass sich ein überdimensionales, einschließendes Inneres ergibt. Auf diese Weise wird ein rein örtliches Objekt vermieden.

Eine zweite Sache ist folgende: Das Objekt befindet sich nicht innerhalb, denn wenn sich ein Konzentrationsobjekt innerhalb befinden würde, kann man es nicht als Objekt ansehen, - sonst wäre es Teil des eigenen Subjekts. Niemand wünscht sich ein Objekt, das sich innerhalb des eigenen Geistes befindet. Darum muss es außerhalb sein. Doch in Wahrheit kann sich kein Objekt völlig außerhalb des Geistes befinden, denn wenn es nur außerhalb wäre, könnte sich niemand dessen gewahr werden. Das Durch­dringen des Bewusstseins über den Weg des so genannten äußeren‘ Objektes ist notwendig, damit der Gedanke über die Äußerlichkeit überhaupt aufkommt. Wenn sich das Bewusstsein nach außen bewegt und das Objekt durchdringt, dann hört die Äußerlichkeit des Objektes auf und wird Teil des Inneren. Auch hier wird das Kosmische der Dinge berührt. Auf beiden Wegen wird es Teil der universalen Meditation. Dies ist ein sehr tief greifendes Thema, in das die Heiligen von König Ashvapati eingeführt wurden.

Dies ist ein viel versprechender Weg der Meditation, um das Ich-Bewusstsein schmelzen zu lassen, dass sich auf einen Ort beschränkt und Gott als etwas weit oberhalb der Himmel ansieht. Dies ist auch ein Weg einer Saguna Upasana. Allein an alles zu denken, ist eine qualitativ gute Meditation. Es ist auch als Saguna zu betrachten, wenn sich das geistige Bewusstsein mit der ganzen Schöpfung befasst. Von dieser Art von Meditation nimmt man an, dass sie zum höchsten Schöpfungsprinzip, Brahma-Loka führt, wie es in der Sprache der Upanishaden heißt.

Es gibt zweierlei Persönlichkeiten, - die Eine ist die menschliche Seite; Gott wird von vielen Weltreligionen als eine riesige auf dem Thron des Himmels sitzende Persönlichkeit dargestellt. Wann immer wir an Gott denken, stellen wir uns IHN als jemanden vor, der den ganzen Raum erfüllt. Die andere Seite ist wie Vaishvanara, das Bewusstsein der Absoluten Wirklichkeit.

Wenn diese Meditation durch den Vaishvanara Vidya Prozess in ihrer Intensität zunimmt, empfindet man sich nicht mehr als der Meditierende von Vaishvanara, denn der Meditierende ist darin selbst eingeschlossen. Es ist ein alles vernichtendes Feuer und man hat keine Möglichkeit zuzuschauen, denn man wird selbst zum Feuer.

Was bleibt übrig? Ein großes Leuchten einer universalen Selbstidentität. Danach können wir nicht mehr viel darüber sprechen, denn wenn uns diese universale Feuersbrunst überflutet, sind wir drei Mal gesegnet, es wird uns zu Sadyo Mukti führen und wir sind sofort befreit.

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