von Swami Sivananda
Ein Lehrbuch mit Techniken zur spirituellen Vollkommenheit
Sadhana
von
Swami Sivananda
Eine
Girlande von Sadhanalehrsätzen
Grundlagen
göttlichen Lebens
Die
Disziplin der Verhaftungslosigkeit
Praxis
von Yoga Sadhana
Die
einfachste Form von Sadhana
Grundvoraussetzungen
für einen Suchenden
Sinneskontrolle
und Reinigung
Hindernisse
im Sadhana
Ichdenken
- der Same für Geburt und Tod
Wunsch
- die eigentliche Ursache allen Elends
Die drei Hauptfeinde
Selbstsucht
- ein tödliches Laster
Grundprinzipien
des praktischen Sadhana
Die
innere spirituelle Disziplin
Jnana Yoga Sadhana
Licht auf dem
Weg
Besondere
spirituelle Instruktionen
Nivritti Sadhana
Die
Wissenschaft von Yoga Sadhana
Eigenes
Bemühen und Schicksal
Brahmacharya
- die Basis allen Sadhanas
Güte,
Reinheit und Wahrhaftigkeit
Nächstenliebe
- ein Aspekt von Sadhana
Leiden
- ein Sprungbrett zum Erfolg
Sadhana
und Selbstverwirklichung
Wesentliche
Punkte des spirituellen Lebens
Die
Wichtigkeit spiritueller Praxis
Wichtige Sadhanas
Geheimnis
des Erfolges im Sadhana
Besiege Versuchungen
Meditiere
und verwirkliche
Der
ideale spirituelle Sucher
Licht auf Sadhana
Rat für Suchende
Selbstverwirklichung
Der Weg zu
Kaivalya
Fortschritt
auf dem Weg
Sadhana
- der einzige Sinn des Lebens
Konzentration
und Meditation
Das Bewußtsein
Brahmans
Der
Schlüssel zur Glückseligkeit
Sadhana
und einige Erfahrungen
Grundlagen
göttlichen Lebens
1. Wenn der Geist dumpf ist, wecke ihn mit Kirtan;
wenn er zerstreut ist, bringe ihn mit Pranayama, Gottesdienst und Meditation
wieder zur Ruhe; wenn er sich verhaftet, löse ihn durch Leidenschaftslosigkeit
und Unterscheidung.
2. Lasse dich nicht auf weltliche Gespräche
ein. Sprechen über sinnliche Dinge läßt den Geist in eine
sinnliche Tendenz geraten. Sprich immer über spirituelle Dinge und
Gott. Gehe zurück zur Quelle. Du wirst Unsterblichkeit und ewige
Wonne erlangen. Diese Quelle ist Parabrahman, das Absolute.
Die
Disziplin der Verhaftungslosigkeit
3. Wenn du Gottverwirklichung erreichen möchtest,
ist die Kontrolle der unbändigen Emotionen von größter
Wichtigkeit. Identifiziere dich nicht mit den Emotionen. Durch dieses
Nichtidentifizieren wird der Geist der Verhaftungslosigkeit erreicht.
4. Wenn die Anziehung der äußeren Objekte
aufhört, erlangst du Frieden. Der Geist wird fest und stetig und
du hast wunderbare Konzentrationskraft.
5. Durch diese Konzentrationskraft wirst du eins
mit dem göttlichen Willen, und bist nicht mehr an Körper, Frau,
Eigentum, Land und die mannigfaltigen Formen empirischer Erfahrungen verhaftet.
6. Verhaftung, Abneigung und Täuschung sind
die Wurzeln von Übel und Leid. Schmerzen berühren weise Menschen,
die alle vergänglichen Objekte der Welt als klägliche Luftblase
sehen, nicht im mindesten.
7. Verhaftungslosigkeit heißt, sich von dem
befreien, woran man verhaftet ist. Die Freiheit der Verhaftungslosigkeit
ist Freiheit von Verhaftung. Lasse die Gedanken an das Göttliche
entstehen und stehe über den Unruhen des Leben und den unbedeutenden
Dingen der Erde.
Praxis
von Yoga Sadhana
8. Lange Disziplin und intensives Kämpfen
haben Heiligen und Weisen die Kraft gegeben, die Realität zu sehen,
die weltliche Menschen nicht sehen können. Deshalb beginne mit harter
spiritueller Disziplin.
9. Die Praxis von Yoga stärkt den Charakter
und trägt dazu bei, alle Gegebenheiten beherrschen zu können,
indem man ihnen klar gegenübertritt und sie auf anständige Weise
löst.
10. Ständiges Denken an den Herrn und ständiges
Wiederholen Seines Namens füllen das Herz mit Sattva, Reinheit, und
enormer Kraft und Frieden, um auch den kritischsten Lebensumständen
mit vollkommener Ruhe und Gelassenheit zu begegnen.
11. Die Praxis von Yoga reinigt den Geist und gibt
Einsicht. Gleichsein mit allem und geistige Ausgewogenheit ist Yoga.
Die
einfachste Form von Sadhana
12. Japa ist die allerbeste spirituelle Praxis
in diesem modernen Zeitalter. Es ist auch die einfachste. Mache die Wiederholung
des göttlichen Namens zum Notanker und zum Halt in deinem Leben.13.
Om Tat Sat ist das hervorragendste Mantra. Durch Japa dieses Mantras,
Om Tat Sat, wird man zum Siddha. Wiederholung dieses Mantras bezwingt
den Tod.
14. Das, was im Satya Yuga (im goldenen Zeitalter)
durch Meditation erreicht wurde, im Treta Yuga (im silbernen Zeitalter)
durch Opfer und im Dwapara Yuga (im bronzenen Zeitalter) durch Gottesdienst,
wird im Kali Yuga (im eisernen Zeitalter) durch die Wiederholung des Namens
des Herrn erreicht.
Grundvoraussetzungen
für einen Suchenden
15. Wer erkannt hat, daß die Sinnenfreuden
dieser Welt vergänglich, illusorisch, hohl und wertlos sind, ist
bereit für den spirituellen Weg.
16. Wahre Suchende, die nach Gottverwirklichung
dürsten, müssen in allem, was sie tun, absolut ehrlich sein.
17. Der Suchende auf dem Weg des Yoga muß
bescheiden, einfach, sanft, kultiviert, tolerant, barmherzig und freundlich
sein.
18. Unerschütterlicher Glaube bringt den Suchenden
in Kontakt mit dem Unendlichem.
19. Nur ein Mensch mit Geduld, Ausdauer und eisernem
Willen kann den spirituellen Weg gehen.
20. Ohne brennende Entsagung und den glühenden
Wunsch nach Befreiung können die anderen Praktiken wie Shama, Dama,
Titiksha, usw. von einem starken Impuls von Leidenschaft oder einer starken
blinden Verhaftung weggefegt werden.
21. Ein Schüler von Bhakti Yoga muß ein
hohes Maß an reiner Emotion besitzen, ein Schüler von Jnana
viel Gelassenheit, Ruhe und Festigkeit und ein Karma Yogi muß lernen,
sein Herz in anderen aufgehen zu lassen.
22. Der Suchende muß frei sein von Hoffnung,
Wunsch und Habgier.
23. Wer in Freude und Schmerz standhaft und ausgeglichen
ist, ist bestens geeignet, Unsterblichkeit zu erreichen.
24. So wie farbiges Wasser ungehindert und problemlos
durch ein weißes Stück Stoff fließt, so kann auch die
Unterweisung eines Weisens nur dann in die Herzen der Suchenden einfließen
und sich dort niederlassen, wenn ihr Geist ruhig ist, wenn keine Wünsche
nach Vergnügung vorhanden und die Unreinheiten des Geistes beseitigt
worden sind.
25. Der Mensch, der mild und freundlich, nicht reizbar,
anpassungsfähig und demütig ist, der weiß, wie man in
die Herzen anderer eindringt (durch ständiges Dienen mit Liebe und
Demut), kann glücklich und friedvoll sein.
26. Wer sein Vergnügen und seine Bequemlichkeit
geringachtet und immer versucht, anderen zu helfen, ist wirklich ein fortgeschrittener
Schüler auf dem Weg der Spiritualität.
27. In Prüfungen, Enttäuschungen und Schwierigkeiten
muß der Glaube an Gott unerschütterlich sein. Hoffnung und
Hilfe kommen von innen, wenn man sich absolut hilflos fühlt.
28. Absolute geistige Verhaftungslosigkeit, strenge
Selbstdisziplin und vollkommene Selbstbeschränkung sind essentiell,
um das Summum Bonum zu erreichen.
29. Ein geeigneter Suchender ist ein Mensch, der
sich durch selbstloses Dienen gereinigt und seine Sinne kontrolliert hat,
der an die Worte des Guru und die Schriften glaubt und die vier Mittel
zur Erlösung erworben hat.
30. Rechtschaffenheit, Aufrichtigkeit, Freundlichkeit,
Liebenswürdigkeit, Wohlwollen, Dienen und Barmherzigkeit sind die
allerwichtigsten Voraussetzungen für einen Suchenden.
31. Unsterblichkeit und ewige Glückseligkeit
sind nicht Früchte eines unbekümmerten Abenteuergeistes. Ewige
und unablässige Wachsamkeit und intensives eigenes Bemühen sind
notwendig.
32. Wer physische, geistige, moralische und spirituelle
Kraft besitzt, ist eine ideale Seele. Er kann auf dem spirituellen Pfad
leicht Erfolg erzielen.
33. Der Wunsch, Brahman zu kennen, entsteht nur
in einem Menschen, dessen Geist rein ist, der frei ist von Wünschen,
und der, befreit von den Taten in dieser und in früheren Geburten,
Widerwillen gegenüber äußeren unbeständigen und vergänglichen
Dingen empfindet.
34. Wenn ein Yogi nicht vorsichtig ist, wenn ein
Yogi nicht fest in den vorbereitenden Praktiken von Yama und Niyama verankert
ist, wird er durch Versuchungen, Mara oder den Satan von seinem Ideal
abgebracht, ohne sich dessen bewußt zu werden.
35. Ein grobstofflicher Geist voll Selbstsucht und
Gier ist absolut ungeeignet für das spirituelle Leben.
36. Haß ist der tödlichste Feind des
Suchenden, wohingegen Liebe der Angelpunkt spirituellen Lebens ist.
37. Suchende machen keinerlei Fortschritt auf dem
Pfad, weil Nörgelei ihre Wesensart ist.
38. In einem Menschen mit korruptem Wesen, dessen
Kontrollfähigkeiten schwach sind, ist Fortschritt auf der spirituellen
Linie sehr schwierig und die Intuition ist träge.
Sinneskontrolle
und Reinigung
39. Reinigung ist der Paß für das glorreiche
fremde Land ewiger Wonne. Göttliches Leben ist nicht möglich
ohne Selbstbeherrschung und Reinigung. Selbstbeherrschung steigert Energie,
Vitalität, Kraft und geistige Stärke.
40. So wie der Grund eines Sees deutlich sichtbar
wird, wenn die Wellen an der Oberfläche sich legen, so kann das wahre
Selbst wahrgenommen werden, wenn sich die Erscheinungsformen des Geistes
legen.
41. Reinheit des Geistes führt zu Vollendung.
Man muß stets darum bemüht sein, den Geist immer rein zu halten.
Die aufsteigenden Vrittis müssen überprüft und unter Kontrolle
gebracht werden.
42. Dienst für Guru, Sadhus, Arme und Kranke
ist ein sicheres Heilmittel, ein unübertreffliches Mittel, um sich
rasch zu reinigen. Gütige wohltätige Handlungen mit Bhav sind
von höchster Bedeutung für die Reinigung des Herzens und den
Fortschritt auf dem spirituellen Pfad.
43. Beherrsche Pranas und Sinne mit Hilfe des durch
Sattva gestärkten Intellekts.
44. Verzicht auf Wünsche, Kontrolle des Atems
und richtige Analyse widerlegen die Handlungen des Geistes und zügeln
dementsprechend das Entstehen von Leidenschaft und Illusion.
45. Übe strenges Tapas. Es gibt nichts stärkeres
als Tapas, um die ungestümen Indriyas im Zaum zu halten. Durch ständiges
Tapas werden die Indriyas schwach und vergehen letztlich ganz.
46. Ein Stück Eisen glüht, solange es
im Feuer ist. Wenn es herausgenommen wird, erkaltet es und verliert seine
rote Farbe. Wenn man möchte, daß es weiterglüht, muß
man es immer im Feuer halten. Genauso, wenn man immer das göttliche
Bewußtsein kosten möchte, muß man den Geist vollkommen
unter Kontrolle halten. Er muß im spirituellen Feuer Brahmans aufgelöst
und geschmolzen werden.
47. Reinige dich. Beruhige die sprudelnden Sinne.
Stille den Geist. Stille die Gedanken. Beruhige die nach außen gerichteten
Tendenzen oder Energien des Geistes.
48. Es ist sehr einfach, den Geist zu kontrollieren,
wenn man die richtige Technik kennt. Vertraue fest auf Gott. Analysiere
den Geist und dein Wesen. Beobachte die Vrittis und bete. Untersuche dein
Wesen und deine Fehler und versuche diese durch geeignete Methoden zu
beseitigen.
49. Diszipliniere die Indriyas. Halte sie vollkommen
unter Kontrolle. Bezwinge sie durch Viveka und Vairagya. Lebe zu Hause
wie ein Sannyasin. Bereite dich auf Not und Leiden vor. Reduziere die
Bedürfnisse. Gib nicht viel für dich persönlich aus. Mache
den Geist frei von Egoismus, Wünschen, Verlangen und Verhaftung.
Du wirst dich reinigen.
50. Es gibt zwei Möglichkeiten, den Geist zu
kontrollieren, der eine ist Yoga durch das Abschließen der nach
außen gehenden Tendenzen des Geistes, und der andere ist Jnana durch
Brahma-Vichar. Für manche Menschen ist Yoga günstig. Für
andere ist Jnana günstig. Es kommt auf Geschmack, Temperament und
Fähigkeiten des Sadhaks an. Es kommt auch auf finanzielle Gegebenheiten
an. Wer einen ständigen Wohnsitz, Essen und andere Voraussetzungen
für Yoga besitzt, kann Yoga praktizieren. Wer ein Virakta ist und
ein Wanderleben führt, kann Vichara, Analyse, üben.
51. Ram! Dein Geist ist noch roh und unreif. Er
muß gründlich überholt und drastisch neugestaltet werden.
Er ist noch immer voll von weltlichen Gedankenwellen und Schwingungen.
Hüte dich! Sei wachsam und umsichtig. Erwache. Sei vorsichtig. Gib
acht!
52. Sei niemals nachsichtig oder milde zum Geist.
Schone den Stock und du verwöhnst das Kind. Er muß für
jeden ernsthaften Fehler, den er begeht, bestrafen werden, und die Organe
müssen an ihrem richtigen Platz gehalten werden. Gestatte ihnen nicht,
sich auch nur ein Zollbreit zu bewegen. Erhebe den Stock von Viveka, immer
wenn ein Organ seinen Kopf zu heben versucht. Erlange durch Übung
Sinneskontrolle und Reinigung.
Hindernisse
im Sadhana
53. Der spirituelle Pfad ist dornig, rauh, ausgesetzt,
steil und glatt. Aber das ist nichts für einen Menschen mit tugendhaften
Eigenschaften und einem Brahma Nishtha Guru, der ihn führt.
54. Der spirituelle Pfad ist zweifellos gespickt
mit Schwierigkeiten. Es ist ein Pfad auf Messers Schneide. Man wird mehrmals
fallen, aber man muß rasch wieder aufstehen und mit mehr Eifer,
Kühnheit und Heiterkeit weitergehen. Jeder Stolperstein ist ein Sprungbrett
zum Erfolg oder zum Aufstieg auf den Berg spirituellen Wissen.
55. Jeder Suchende muß sich verschiedenen
Schwierigkeiten auf dem spirituellen Weg stellen. Verliere nicht den Mut.
Nimm alle Kraft und allen Mut zusammen und schreite mit doppelter Kraft
und Energie frisch weiter auf dem Pfad.
56. Wenn weltliche Gedanken in den Geist zu gelangen
versuchen, weise sie zurück. Habe feste Hingabe an den spirituellen
Pfad.
57. Depression, Zweifel und Angst sind einige der
Haupthindernisse für einen fortgeschrittenen Schüler auf dem
spirituellen Weg. Sie müssen durch richtige Analyse und gute Gesellschaft
beseitigt werden.
58. Manchmal kommt Depression und belästigt
dich. Der Geist revoltiert. Die Sinne ziehen an deinen Beinen. Die Unterströmung
der Vasanas ergießt sich an die Oberfläche des Geistes und
quält dich. Sinnliche Gedanken machen den Geist unruhig und versuchen,
dich zu überwältigen. Sei mutig. Stehe wie ein Fels. Stelle
dich diesen vorübergehenden Hindernissen. Identifiziere dich nicht
mit diesen Hindernissen. Steigere die Zeit für Japa. Dann werden
alle diese Hindernisse vergehen.
59. Zweifel, Ungewißheit, ist ein großes
Hindernis auf dem Weg zur Selbstverwirklichung. Er behindert den spirituellen
Fortschritt. Er muß durch gute Gesellschaft, das Studium religiöser
Bücher, richtiges Denken und richtiges Überlegen beseitigt werden.
Er muß durch die Gewißheit der Überzeugung und einen
festen, unerschütterlichen Glauben, der auf Vernunft basiert, so
getötet werden, daß er nicht wiederauferstehen kann.
60. Die Vasanas sind sehr mächtig. Sinne und
Geist sind sehr bewegt und ungestüm. Immer wieder muß die Schlacht
geschlagen und gewonnen werden. Aus diesem Grund nennt man den spirituellen
Weg den Weg auf Messers Schneide. Es gibt kein Problem für den Menschen
mit starker Entschlossenheit und eisernem Willen, nicht einmal auf dem
Weg auf Messers Schneide.
61. Leidenschaft lauert in dir. Sie ist der tödlichste
Feind des spirituellen Suchers. Aus Leidenschaft entstehen Zorn und andere
schlechte Eigenschaften, die den spirituellen Reichtum des Suchenden zerstören.
62. Energieverlust, verborgene Unterströmungen
von Vasanas, Mangel an Sinneskontrolle, Nachlässigkeit im Sadhana,
Schwinden der Leidenschaftslosigkeit, Mangel an intensivem Bemühen,
Unregelmäßigkeit im Sadhana - das sind die verschiedenen Hindernisse
auf dem Pfad der Selbstverwirklichung.
63. Überladen des Magens, ermüdende Arbeit
oder Überarbeitung, zuviel Reden, zuviel schweres Essen am Abend
und zuviel Kontakt mit Menschen sind Hindernisse für einen spirituell
Suchenden.
64. Höre auf zu argumentieren. Werde ruhig.
Lasse dich nicht auf allerlei Gespräche und diverseste Gedanken ein,
nur weil es dem Geist behagt. Sei ernsthaft. Denke an Gott und sprich
über Gott, und nur Gott.
65. Der Wunsch nach Kräften wirkt wie Luftstöße,
die die Lampe der Spiritualität ausblasen können, die sorgfältig
behütet wird. Jede Nachlässigkeit, sie zu speisen, aufgrund
von Sorglosigkeit oder selbstsüchtigen Wünschen nach Siddhis,
bläst das kleine spirituelle Licht aus, das der Yogi nach so viel
Kampf entfacht hat, und stürzt den Schüler in den tiefen Abgrund
der Unwissenheit. Versuchungen warten nur darauf, den unachtsamen Schüler
zu überwältigen. Versuchungen aus den astralen, geistigen und
Gandharvawelten sind mächtiger als weltliche Versuchungen.
66. Verschiedene psychischen Siddhis und andere
Kräfte kommen auf den Yogi zu, der Sinne, Prana und Geist beherrscht
hat. Aber all das sind Hindernisse zur Verwirklichung. Sie sind Stolpersteine.
67. Stoppe die Vrittis. Beruhige den Geist. Überwinde
die Vrittis, die aus dem Bett der Eindrücke aufsteigen. Begegne allen
Schwierigkeiten kühn und gehe als Sieger hervor mit der Krone des
Erfolges, der Selbstverwirklichung.
Ichdenken
- der Same für Geburt und Tod
68. Ichdenken ist die gefährlichste Schwäche
des Menschen. Sie führt zum Fall des spirituell Suchenden.
69. Aufgrund von Egoismus meint der Mensch, er tue
alles, und daher ist er gebunden.
70. In dem Moment in dem Ichdenken auftritt, wird
sofort das freie Fließen der göttlichen Energie blockiert.
71. Unter dem Einfluß von Ichdenken handelt
der Mensch schlecht und falsch.
72. Das Ego ist ein geheimnisvolles Gas, das sich
für den Analysierenden in ein Nichts auflöst, das aber für
den Menschen von Nichtunterscheidung und Weltlichkeit ein Granitblock
zu sein scheint, der nicht einmal mit Dynamit oder Atombomben gesprengt
werden kann.73. Man kann ein Jivanmukta werden, wenn man das Ichdenken
und die beiden Ströme von Anziehung und Abstoßung, Mögen
und Nichtmögen vernichtet und sich mit Brahman identifiziert.
74. Demut ist eine Bombe von unendlicher Kraft,
die als einzige die uneinnehmbare Zitadelle des Ichdenkens zerstören
kann.
75. Die Praxis von Ahimsa ist in der Tat die Praxis
des Tötens von Ichdenken.
76. Wer keine Wünsche hat und auch nichts ablehnt,
und wer jederzeit Gelassenheit des Geistes bewahrt, wird nicht vom Gefühl
des Ichdenkens berührt.
77. Wer von Ichdenken frei ist, gewinnt nichts dabei,
wenn er das tut, was als gut angesehen wird, und verliert auch nichts,
wenn er etwas Falsches oder Entgegengesetztes tut.
78. Der Wunsch, das Selbst zu erkennen, Befreiung
zu erreichen und ein tugendhaftes Leben zu führen, entsteht aus sattvigem
Ego.
Wunsch
- die eigentliche Ursache allen Elends
79. Der Wunsch ist der Feind des Frieden. Wunsch
ist der Feind von Frömmigkeit. Wunsch ist der Feind von Weisheit.
Der geschlechtliche Wunsch ist der allerstärkste Wunsch. Töte
diesen Wunsch unbarmherzig durch Leidenschaftslosigkeit, Unterscheidung,
die Frage: „Wer bin ich?“ und regelmäßige Meditation und erreiche
Unsterblichkeit und ewige Wonne.
80. Der Wunsch ist der Grund für Wiedergeburten und alle möglichen Schmerzen, Nöte und Sorgen. Der Wunsch läßt
verschiedene Sankalpas oder Gedanken, Träumereien und Einbildungen
entstehen.
81. Die Wünsche sind zahllos, unersättlich
und unüberwindlich. Genuß kann keine Befriedigung bringen,
sondern stärkt, steigert und verschlimmert die Wünsche.
82. Sehnsüchtiges Verlangen läßt
Ichbewußtsein entstehen. Aus Ichbewußtsein entstehen Name
und Form, Geist und Körper. Aus Name und Form entstehen die Sinne.
Aus den Sinnen entsteht Berührung. Aus Berührung entsteht Empfindung.
Aus Empfindung entsteht Ergreifen. Aus Ergreifen entsteht Geburt. Aus
Geburt entstehen Alter, Tod, Kummer, Sorge und Schmerz. Diese Sehnsüchte
sind eine Masse von Schmerz. Lösche diese Flamme des Verlangens durch
Leidenschaftslosigkeit, Entsagung, Selbsteinschränkung und Meditation
über das reine allwonnvolle Brahman, das innere Selbst.
83. Man erreicht den Herrn durch Vernichten der
Wünsche. Wunsch führt zu Verhaftung. Der Wunsch ist der Grund
für Wiedergeburt. Zerschlage dieses Netz von Wünschen und Hoffnungen
und reinige so den Geist. Hefte den reinen Geist auf das höchste
Selbst und gelange zum wonnevollen Ort ewiger Wonne.
84. Der Geist ist an die Erde gebunden durch seine
Wünsche und wird befreit durch sein Freisein von weltlichen Anziehungen
und Erwartungen. Der Wunsch im Geist verursacht Anziehung zu Objekten
und bringt Bindung.
85. Nur wer frei von Wünschen ist, ist der
höchste Herrscher, egal ob er König oder Bettler ist. Wer viele
Wünsche hat, ist in der Tat das unglücklichste Wesen auf dieser
Erde.
86. Wo Wunsch ist, ist Welt. Die Zerstörung
der Wünsche entspricht dem Zustand von Wonne, denn ein wunschloser
Mensch ist der mächtigste König, der sogar den Elementen befehlen
kann.
87. Der Wunsch, Brahman zu erkennen, ist die Erfüllung
aller Wünsche.
88. Wünsche nach Kräften sind wie Luftstöße,
die die Lampe des Yoga, die sorgsam entzündet wurde, auslöschen
könnten.
89. Es nützt nicht viel, auch nicht wenn die
Kundalini erwacht ist, wenn subtile Wünsche, subtile Verhaftungen
und Bindungen, persönliche Wünsche, Ambitionen, etc. im unterbewußten
Geist bleiben. Es führt eher zum Rückschlag.
90. Gelassenheit kann durch Beseitigung von Wünschen
erreicht werden.
91. Der Geist ist dauernd in Schwingung. Manchmal
schwingt er niedrig und manchmal hoch. Der Grad oder das Maß der
Schwingung läßt die Empfindung von Hitze oder Kälte, Freude
oder Leid entstehen.
92. Beschwerlich ist der Kreislauf der Geburten.
Lösche das Feuer der Wünsche durch Leidenschaftslosigkeit, Unterscheidung,
Entsagung und Meditation über den Herrn. Bald wird der Ort ewiger
Freude erreicht sein.
Die
drei Hauptfeinde
93. Es gibt drei Tore zum Abgrund der Hölle:
Lust, Zorn und Gier. Ein weiser Mensch beseitige sie und schlage den Pfad
der Evolution ein.
94. Es gibt kein Feuer vergleichbar der Lust, kein
Übel vergleichbar dem Zorn, kein Laster vergleichbar dem Haß
und kein Schwert vergleichbar der Beleidigung.
95. Lustvolle Blicke sind Ehebruch der Augen; etwas
hören, das die Leidenschaft erregt, ist Ehebruch der Ohren; etwas
sagen, das Leidenschaft erregt, ist Ehebruch der Zunge.
96. Wer sich ausgiebig in Sinnenfreuden ergeht,
einen unkontrollierten Geist hat, maßlos ißt und untätig
ist, wird bald Zerstörung finden.
97. Das Ausrotten jeder schlechten Gewohnheit, wie
der Gewohnheit, Tee zu trinken, auch wenn sie erst vor wenigen Monaten
von dem Menschen Besitz ergriffen hat, ist extrem schwierig. Um wieviel
mehr dann die mächtigen und uralten inneren Feinde des Menschen,
Lust, Zorn und Gier. Nur durch ständiges Üben von Leidenschaftslosigkeit
kann der Geist bezwungen werden, welcher der Sitz dieser Übel ist.
98. Geschlechtliche Anziehung, Gedanken an Sexualität
und sexuelles Begehren sind die drei großen Hindernisse auf dem
Weg der Gottverwirklichung. Auch wenn der Geschlechtstrieb verschwindet,
bleibt doch die sexuelle Anziehung lange Zeit und macht dem Suchenden
Schwierigkeiten. Das Sehorgan richtet großen Schaden an. Zerstöre
den lustvollen Blick, den Ehebruch des Auges. Versuche in allen Gesichtern
Gott zu sehen. Lasse immer wieder die Ströme von Leidenschaftslosigkeit,
Unterscheidung und Analyse entstehen. Schließlich wirst du in Brahman,
dem Ewigen verankert sein. Lasse immer wieder erhabene göttliche
Gedanken entstehen und steigere Japa und Meditation. Die Gedanken an Sexualität
werden beseitigt werden.
99. Lust kann den Menschen nicht erfassen, der wahre
Unterscheidung, Leidenschaftslosigkeit und Vertrauen in die Worte von
Guru und Schriften hat.
100. Das Wiederholen des Geschlechtsaktes intensiviert
das sexuelle Verlangen, welches dann schwierig zu zerstören ist.
101. Leidenschaft macht den Menschen zum allergrößten
Bettler.
102. Man kann nicht um einer bezaubernden Frau willen
ein edles Ideal, die Selbstverwirklichung, opfern. Wie schade! Oh Mensch,
öffne jetzt die Augen. Sieh die absolute Nichtigkeit der Welt. Alles
ist vergänglich, außer dem alldurchdringenden Brahman. Erkenne
dies und sei weise. Erkenne Ihn, und sei für immer glücklich.
103. Wo Kama ist, ist Rama nicht. Wo Rama ist, ist
Kama nicht.
104. Es gilt die Lust unter allen Umständen
zu beherrschen. Keine einzige Krankheit entsteht durch Kontrolle der Leidenschaft.
Im Gegenteil, man erlangt unglaubliche Kraft, Freude und Frieden. Es gibt
auch wirksame Methoden zur Kontrolle der Lust. Der Atman, der die Natur
übersteigt, wird erreicht, indem man gegen die Natur geht. So wie
ein Fisch stromaufwärts in einem Fluß schwimmt, so muß
man sich gegen die weltlichen Ströme derbösen Kräfte bewegen.
105. Nachdem die Lust kontrolliert wurde, genießt
man die wahre Wonne von innen, aus dem Atman. In der gesamten Gita ist
die Hauptaussage, die Vorstellung und Geist der Leser fesselt, daß
der Mensch, der seine Leidenschaft besänftigt hat, der glücklichste
Mensch auf der Welt ist.
106. Es ist auch sehr sehr einfach, die Lust zu
beherrschen, die der tödlichster Feind ist, wenn man diesen Punkt
sehr genau nimmt und mit vollem Einsatz und konzentrierter Hingabe spirituelles
Sadhana übt. Disziplin in der Ernährung ist von größter
Bedeutung. Iß sattvige Nahrung. Mache Selbstanalyse. Meditiere über
die göttliche Form und die göttlichen Eigenschaften wie Allmacht,
Allgegenwart, Allwissenheit, usw. Sieh nicht mit lustvollem Herzen auf
Damen. Blicke auf deine Zehen, wenn du die Straßen entlanggehst
und meditiere über die Form deiner Gottheit.
107. Vermeide es, Damen mit schlechten Gedanken
anzusehen. Bewahre Atma Bhav oder das Bhav von Mutter, Schwester oder
Devi. Vielleicht mißlingt es dir oft. Versuche immer wieder, dieses
Bhav zu verwirklichen. Wenn der Geist mit lustvollen Gedanken zu schönen
Damen läuft, habe ein deutliches klares Bild im Geist, von Fleisch,
Knochen, Urin und Fäkalien, aus denen sich der Körper der Dame
zusammensetzt. Das läßt Leidenschaftslosigkeit im Geist entstehen.
Du wirst die Sünde des unkeuschen Blicks auf eine Dame nicht noch
einmal begehen.
108. Lege dir selbst eine Strafe auf, wenn der Geist
mit lustvollem Blick zu Damen läuft. Verzichte auf das Abendessen.
Mache zwanzig Malas Japa mehr.
109. Zorn ist eine Erscheinungsform von Leidenschaft.
Wenn die Lust beherrscht werden kann, ist auch schon der Zorn beherrscht.
Beherrschung des Zorns bringt höchsten Frieden und unglaubliche Freude
mit sich.
110. Zorn ist eine Erscheinungsform, die aus dem
Geistsee aufsteigt, wenn die Gunas Rajas und Tamas vorherrschen. Er ist
die Welle eines unangenehmen Gefühls, die sich aus dem Anthakarana
erhebt, wenn man sich gegenseitig zuwider ist. Er ist der furchtbare Feind
von Frieden, Erkenntnis und Frömmigkeit.
111. Zorn läßt acht Arten von Lastern
entstehen. Alle schlechten Eigenschaften und Handlungen entstehen aus
Zorn. Wenn Zorn beseitigt werden kann, sterben alle schlechten Eigenschaften
von selbst. Die acht Laster sind Ungerechtigkeit, Unbesonnenheit, Verfolgung,
Eifersucht, Aneignung des Eigentums anderer, Töten, harte Worte und
Grausamkeit.
112. Aus Zorn entsteht Täuschung, daraus Verwirrung
der Erinnerung, aus Verwirrung der Erinnerung der Verlust der Vernunft,
und wenn die Vernunft weg ist, ist der Mensch zerstört.
113. Im Lichte der modernen Psychologie haben alle
Krankheiten ihren Ursprung im Zorn. Rheumatismus, Herzkrankheiten, Nervenleiden,
sie alle sind auf Zorn zurückzuführen.
114. Zuviel Samenverlust ist die Hauptursache für
Reizbarkeit und Zorn. Leidenschaft ist die Wurzel und Zorn der Stamm.
Zuerst muß die Wurzel Leidenschaft zerstört werden. Dann stirbt
der Stamm Zorn von selbst ab.
115. Die eigentliche Ursache von Zorn sind Unwissenheit
und Ichdenken. Durch Vichara, richtige Analyse, muß Ichdenken beseitigt
werden.
116. Wenn ein Suchender den Zorn beherrscht hat,
ist die Hälfte seines Sadhana getan. Kontrolle des Zorns bedeutet
Kontrolle der Lust. Kontrolle des Zorns ist tatsächlich Geisteskontrolle.
Wer den Zorn beherrscht, kann nichts Falsches oder Schlechtes tun. Er
ist immer gerecht.
117. Sobald eine kleine Reizbarkeit auftritt, unterbrich
jede Konversation und halte Mauna, das Schweigegelübde. Die tägliche
Praxis von Mauna für ein oder zwei Stunden ist ein große Hilfe
bei der Kontrolle des Zorns. Versuche stets, mild und sanft zu sprechen.
118. Versuche, auch in äußerst provozierenden
Situationen kühl zu bleiben. Wenn man hungrig oder irgendwie krank
ist, ist man üblicherweise reizbarer. Der Zorn muß beherrscht
werden.
119. Identifiziere dich nicht mit der Vritti von
Zorn. Wenn sich eine Welle von Zorn im Geistsee erhebt, sei Beobachter
der Vritti. Identifiziere dich mit dem Selbst. Beobachte die Geistmenagerie.
120. Sei vorsichtig bei der Wahl deiner Gesellschaft.
Habe Gesellschaft von Gleichgesinnten. Sei mit Sannyasins, Bhaktas und
Mahatmas zusammen. Verschwende nicht den Samen. Verzichte auf berauschende
Getränke. Nimm keinen Tabak.
121. Auch wenn du sehr gelehrt bist, mußt
du frei sein von Gier.
122. Beherrschung der Zunge ist schwieriger als
Beherrschung des Geschlechtsindriyas.
123. Man kann nicht Herr über die Organe sein,
solange das Geschmacksorgan nicht beherrscht ist.
Selbstsucht
- ein tödliches Laster
124. Selbstsucht ist die Quelle aller Laster. Sie
entsteht aus Unwissenheit. Ein selbstsüchtiger Mensch ist habgierig
und unrechtschaffen. Er ist weit von Gott entfernt. Er tut alles, um seine
Ziele zu erreichen. Er verletzt andere, stiehlt ihr Eigentum und begeht
viele Sünden, um seine Selbstsucht zu befriedigen. Er hat weder Skrupel
noch Charakter. Geistiger Friede ist ihm unbekannt.
125. Der Mensch lebt umsonst, wenn er selbstsüchtig
und geizig ist. Der Mensch lebt umsonst, wenn er keine Barmherzigkeit
und Sympathie besitzt, wenn er nicht ein Leben von Tugend, Askese und
Meditation führt, und wenn er nicht religiösen Institutionen
und religiösen Lehrern mit schlichter und ungekünstelter Höflichkeit
und Hingabe hilft und ihnen dient.
126. Selbstsucht verzögert den spirituellen
Fortschritt. Wenn ein Mensch seine Selbstsucht zerstören kann, ist
die Hälfte seines spirituellen Sadhana getan. Weder Samadhi noch
Meditation sind möglich, wenn diese unerwünschte negative Eigenschaft
nicht beseitigt wird. Suchende müssen zu Beginn durch fortgesetztes
selbstloses und uneigennütziges Dienen ihre ganze Aufmerksamkeit
auf die Beseitigung dieser schrecklichen Krankheit richten.
127. Ein selbstsüchtiger Mensch ist unrechtschaffen.
Verhaftung und das Gefühl, getrennt zu sein, finden sich in beträchtlichem
Ausmaß in ihm. Er kann nicht die Eigenschaften entwickeln, die Yoga
braucht. Der Wunsch, ein Yogi zu werden und Yoga zu lernen, kann nur in
einem Menschen entstehen, der frei von Selbstsucht und rechtschaffen ist
und eine religiöse Einstellung hat.
128. Selbstsucht verengt das Herz und zwingt den
Menschen, anderen Schaden zuzufügen und sich durch schmutzige Mittel
des Eigentums anderer zu bemächtigen. Selbstsucht treibt einen Menschen
dazu, schlechte Handlungen zu begehen.
129. Durch Selbstsucht wurde eine begrenzende Mauer
errichtet, innerhalb derer nur die Familienmitglieder Platz finden. Man
denkt immer: „Möge es doch meiner Familie wohl ergehen. Mögen
wir nur glücklich sein. Warum sollte ich mich um das Wohlergehen
anderer kümmern?“130. Sei mit niemandem sehr vertraut und suche keine
Freundschaft. Zuviel von allem ist schlecht. Deshalb folge immer der goldenen
Mitte.
Grundprinzipien
des praktischen Sadhana
131. Sei etwas geduldiger, etwas nachsichtiger,
etwas barmherziger, etwas liebevoller und etwas engagierter im Dienst
für deinen Guru.
132. Der Geist braucht die Seife der Weisheit, um
den Staub der Täuschung abzuwaschen. Entwickle gute Eigenschaften.
Alte schlechte Gewohnheiten verschwinden dann.
133. Liebe endet nie. Liebe beneidet nicht. Liebe
leidet lange. Liebe ist gütig. Liebe ist nicht aufgeblasen. Liebe
ist die größte Macht auf Erden. Liebe verbindet. Liebe gibt
immer. Liebe handelt nie.
134. Das Leben des Schülers muß eine
Zeit von intensivem Tapas sein, der Absicht, durch Selbstdisziplin, Frömmigkeit
und Reinheit den Charakter zu bilden.
135. Gottverwirklichung kann nicht erlangt werden,
solange auch nur der kleinste Hauch von Stolz, Wunsch oder Egoismus vorhanden
ist.
136. Alles Trennende, alle Unterschiede und alle
Andersartigkeiten sind in hohem Maße falsch, denn sie entstanden
aus Täuschung.
137. Wo ist der Regen ohne Wolke; wo ist das Korn
ohne Regen; wo ist die Blume ohne Samen; wo ist Wonne ohne die Gnade des
Herrn; wo ist Frieden ohne Meditation?
138. In dir liegt der Schlüssel für jedes
Problem, die Weisheit, jede Situation zu meistern und die Kraft, zu erhabenen
Höhen von göttlichem Glanz und göttlicher Herrlichkeit
emporzusteigen.
139. In der Entwicklung von kosmischer Liebe liegt
der individuelle spirituelle Fortschritt, das Wohlergehen der Gemeinschaft
und der Friede der ganzen Welt. Mache dich daher an die Arbeit und verbreite
die Botschaft der kosmischen Liebe in der ganzen Welt.
140. Liebe ist die grundlegende Eigenschaft der
Seele des Menschen. Sie ist die unerläßliche Voraussetzung,
um das Königreich des Himmels, den höchsten Sitz unsterblicher
Wonne zu betreten.
141. Liebe ist dynamisch. Sie drückt sich immer
durch unermüdliches selbstloses Dienen aus.
Die
innere spirituelle Disziplin
142. Verstehe den Geist; analysiere den Geist und
verstehe gründlich seine Vorgangsweise. Lerne, ihn zu behandeln,
zu beherrschen und zu bezwingen. Wer die Schlange des Geistes unter seiner
Kontrolle hat, erreicht das Reich von Moksha und ewiger Wonne.
143. Durch ständige Praxis und anhaltende Vairagya
wird der Sieg über den Geist errungen. Dieser Sieg ist nicht in einigen
Tagen oder wenigen Monaten zu erringen.
144. Ziehe die Sinne von ihren Objekten ab. Sammle
die Strahlen des Geistes. Richte den Geist auf Ajna Chakra, den Punkt
zwischen den Augenbrauen und halte ihn dort fest.
145. Moksha bedeutet nichts anderes als das Zerstören
der Unreinheiten des Geistes. Wenn der Geist durch Unterscheidung zerstört
worden ist, wird Maya dich nicht berühren.
146. Zähme den Geist. Sammle alle Gedanken.
Halte den Geist heiter und gelassen. Denke an nichts Schlechtes. Dann
betrittst du das Reich, in dem es keinen Tod gibt.
Jnana
Yoga Sadhana
147. ‹Svarupa‹ bedeutet das wahre Sat-chit-anandatvam.
Das Ziel des Lebens ist es, das wahre Svarupa zu verwirklichen. Verwirklichung
des wahren Selbst wird Svarupa Sakshatkara genannt. Es kann durch Viveka
und Vichara erreicht werden. Viveka ist die Unterscheidung zwischen wirklich
und nichtwirklich, beständig und vergänglich, empfindend und
nichtempfindend (Atma und Anatma). Vichara ist das richtige Fragen: „Wer
bin ich? Was ist mein wahres Svarupa? Was ist Atman?“
148. Das Wissen, das an der Universität erworben
wird, kann keinen geistigen Frieden geben. Es ist nichts als Stroh. Bitte
um die Unterweisung mein Kind, durch die das nicht zu Hörende hörbar
wird, das nicht Wahrnehmbare wahrnehmbar und das Unbekannte bekannt. So
wird wahres Wissen erlangt.
149. Was nützt es, jede Menge Bücher über
Vedanta zu lesen. Chitsukhi, Khandana-Khanda-Khadyam, etc. Sie berauschen
und bringen vom Weg ab. Heutzutage herrscht viel vedantisches Geschwätz.
Keine wirklich praktische Vedanta. Menschen sprechen von Einheit, Einssein
und Samata (Gleichheit), kämpfen aber um unnütze Kleinigkeiten.
Sie sind voller Irshya und Dvesha. Sie sind äußerst gemein
und eng. Ich kann mir das nicht vorstellen, ich bin verblüfft.
150. Warum viele Bücher lesen? Es nützt
nichts. Das große Buch ist in dir, in deinem Herzen. Schlage die
Seiten dieses unerschöpflichen Buches auf, der Quelle allen Wissens.
Dann weißt du alles. Schließe die Augen. Ziehe die Sinne zurück.
Halte den Geist an. Bringe die Gedanken zum Schweigen. Mache den Geist
wellenlos. Tauche tief in den Atman ein, die höchste Seele, das Licht
der Lichter, die Sonne der Sonnen. Das ganze Wissen wird sich dir enthüllen.
Du hast intuitives Wissen, göttliche Weisheit durch direkte Wahrnehmung,
Sakshatkar. Zweifel verschwinden. Alle geistigen Qualen vergehen. Alle
heißen Diskussionen und hitzigen Debatten finden nun ein Ende. Zurück
bleiben nur Frieden und Jnana.
151. Die Welt ist Jalaam im Geist (Gaukelei), Bhrama
(bloßer Schein) und Deerha Swapna (ein langer Traum). Du bist Vyapaka
Atma (Seele). Bleibe in diesem einen Gedanken fest verankert.
152. Vedanta muß bis in die Knochen, die Nerven,
die Zellen und in das Innerste des Herzens eingehen. Moha in ihren verschiedenen
Formen, für Sohn, Frau, Tochter, die sogenannten besten Freunde,
dicken Kumpel oder Busenfreunde, muß an der Wurzel ausgerottet werden.
Alles, was man hat, physischer, geistiger, moralischer und spiritueller
Besitz, muß mit allen geteilt werden. Das ist wahre Vedanta. Ich
glaube nicht an Lippenvedanta. Es ist reine Heuchelei. Schon ein wenig
wirkliche praktische Vedanta erhebt den Menschen rasch und macht ihn unsterblich
(Amara) und furchtlos (Nirbhaya).
153. Lerne die Slokas der Isavasya Upanishad auswendig.
Das ist für das tägliche Swadhyaya. Es ist eine wunderbare Upanishad.
Wiederhole die Slokas auch während der Meditation.
154. Jiva Bhava muß durch Entwicklung des
entgegengesetzten „Aham Brahma Asmi“ Bhava zerstört werden. Jiva
Bhava wird von Vyavaharika Buddhi geschaffen. Diese Art von Vyavaharika
Buddhi muß durch Entwicklung von Suddha Buddhi, reiner Vernunft,
zerstört werden.
155. Wahre Erholung findet man nur im Ruhen im Atman,
dem höchsten Selbst, das durch Meditation im Herzen erstrahlt. Die
Erholung, die durch Sitzen im Lehnstuhl oder Herumrollen im Bett erlangt
wird, ist gar keine Erholung.
156. Ich glaube an praktische Vedanta. Ich glaube
an solide spirituelle Praxis. Ich glaube an eine gründliche Überholung
des weltlichen Wesens, der Weltlichkeit verschiedenster Art. Wir müssen
absolut furchtlos werden. Das ist das Zeichen für Leben im Atman.
Keine weiteren Worte. Kein weiteres Reden. Keine weiteren Argumente, heißen
Debatten oder Diskussionen. Keine weiteren Studien. Kein weiteres Herumziehen.
Lebe in OM. Lebe in der Wahrheit. Lebe an einem einzigen Ort. Gehe in
die Stille. Werde Maha Mauni. Maha Mauni ist Brahman. Da ist Frieden.
Frieden ist Stille.
157. In bequemer Reichweite, im Herzen, ist der
tröstende Ozean von Nektar (Brahman) für Menschen, die unter
dem Feuer der drei Arten von Tapa leiden. Sie müssen durch Sravana,
Manana und Nididhyasana an die Quelle gehen und den Nektar der Unsterblichkeit
trinken.
158. Erhebe dich durch dich selbst. Untersuche dich
durch dich selbst. Analysiere dich durch dich selbst. Prüfe dich
durch dich selbst. Reinige dich durch dich selbst. Zügle dich durch
dich selbst. Verwirkliche dich durch dich selbst. Denn das Selbst ist
der höchste Herr deines kleinen Selbst. Das Selbst ist die einzige
Zuflucht, die einzige Quelle, der einzige Halt.
159. Alle Füße sind die Füße
von Gott Virat, Gott Vishnu. Fühle das. Du wirst im selben Moment
Verwirklichung haben. Kämpfe hart.
160. Spüre die innewohnende Gegenwart (Antaratman).
Sei aufrichtig zu dem, der in deinem Herzen wohnt (Antaryami). Denke OM.
Soham. Lebe in der Wahrheit. Lebe in Om. Du bist Vyapaka Atma. Alles ist
Atma (Atmaiva Atma) - Aitareya Upanishad.
161. Verstehe deine wahre eigentliche atmische Natur
durch Viveka und Vichara. Befreie dich gänzlich von den drei Bhavanas:
- Samsaya Bhavana, Asambhavana und Vipareeta Bhavana. Das ist Jnana Abhyas.
Weile nun in Sahaja Avastha und verwirkliche die Früchte des Jnana
Abhyas. Nun bist du ein Jivanmukta (eine befreite Seele).
162. Verstehe das ewige Gesetz, den großen
Plan, das höchste Gesetz. Erkenne und spüre den unsterblichen
Ort, deine ursprüngliche Herkunft, Om, Atma, Brahman, die göttliche
Quelle. Führe den Geist zurück zu diesem ursprünglichen
Zuhause durch Sama, Dama, Pratyahara, Dharana, Dhyana und Samadhi.
163. Trenne dich von den fünf Sinnen. Verlasse
die fünf. Erhebe dich über die fünf Sinne. Zerstöre
die fünf (Fesseln). Ziehe dich durch Meditation über die göttliche
Essenz, die im Innersten deines Herzens verborgen ist, von den fünf
zurück. Diese fünf sind täuschende Überlagerungen
bedingt durch Unwissenheit. Sie sind die fünf Gaukler der Maya. Sie
sind nichts als bloßer falscher Schein, wie die Schlange im Seil
oder das Wasser in der Fata Morgana. Das, was diesen fünf Licht und
Kraft gibt, ist das Selbst, das reine Bewußtsein. Das ist dein Selbst.
Das Selbst ist das Indriya der Indriyas, das Auge der Augen. Erkenne dich
selbst und sei frei, mein Kind.
164. Ich weiß, du hast den letzten Punkt schon
gut verstanden. Ich weiß es. Doch laß mich dich erneut erinnern.
Die Kraft von Maya, die Kraft von Avidya und Moha ist sehr groß.
Du vergißt sehr oft den Gedanken an Atman, Atma Bhav. Dies häufig
in den Geist einzuhämmern ist sehr notwendig.
165. Nur das ist deine Pflicht. Nur dazu hast du
diesen Körper angenommen. Alle anderen Pflichten sind nur Schöpfungen
des Geistes (Kalpana). Du hast keine Pflichten zu erfüllen. Du hast
keine Verantwortlichkeiten. Du bist bereits frei. Du bist immer frei.
Du bist Nitya Mukta. Es gibt für dich weder Bindung noch Freiheit.
Es gibt für dich weder Geburt noch Tod. Namen und Formen sind nicht
in dir. Du bist in Wirklichkeit die alldurchdringende Essenz, das Licht
der Lichter.
166. „Tat Twam Asi - Du bist das.“ Du bist alldurchdringender
Atma. Du bist die unsterbliche Seele. Verwirkliche das Selbst durch Meditation.
Der Geist betrügt und verführt dich. Zerstöre diesen mächtigen
Feind - den Geist.
167. Wiederholen von OM, Pranava Japa mit Bedeutung
und Bhav ist eine Methode von Nirguna Meditation. Höre die andere
Methode. Es ist die Sakhsi Methode. Du trennst dich selbst von den äußeren
Objekten und den diversen Vrittis innen. Du wirst der Sakshi der Vrittis.
Du kannst auch arbeiten, während du diese Art Sadhana praktizierst.
Wiederhole ständig „Om Sakshi, Om Sakshi“.
168. Denke, daß alle Körper dein Körper
sind. Hab keinerlei spezielle Verhaftung an deinen Körper. Beschränke
dich nicht nur auf einen speziellen Körper allein. Sage: „Alle Körper
gehören mir.“ Dehne dich aus. Identifiziere dich mit dem kosmischen
Virat. Das ist die erste Stufe im Vedanta Sadhana. Das ist Sthula Ausweitung.
169. Identifiziere dich mit Hiranyagarbha (dem kosmischen
Prana). Das ist die zweite Stufe in der Ausweitung (Sukshma). Identifiziere
dich mit Ishwar, der Gesamtheit aller Karana Shariras. Schließlich
identifiziere dich mit Brahman, das über Virat, Hiranyagarbha und
Ishvar hinausgeht. Löse das Grobstoffliche in Sukshma auf, Sukshma
im Karana; und das Karana in Atma oder Brahman. Das ist Laya Karma.
170. „Tat Twam Asi - Das bist du.“ Du bist Brahman.
Sei fest verankert in diesem einen Gedanken, auch wenn du irgendein kleiner
Bürodiener bist. Diese Vorstellung ist eine Schöpfung des Geistes.
Sei stets vergnügt und furchtlos (Abhaya). Du bist etwas anderes
als Körper und Geist. Trenne deinen Atma von den fünf Koshas
und entferne ihn davon, so wie Munjagras vom Schilfrohr abgezogen wird.
171. In Atma, dem höchsten Selbst, der im Innersten
des Herzens strahlt, liegt ein wahrer Schatz verborgen. Suche. Er ist
in deinem Herzen. Bevor du mit der Suche beginnst, muß Kamini-Kanchana
aufgegeben werden. Man kann schwerlich Mammon und Gott gleichzeitig verehren.
172. Vergiß den Atman nicht. Tue selbstlose,
reine, tugendhafte Taten. Zügle die Indriyas. Beschreite den Pfad
der Rechtschaffenheit, wie es das Gesetz von Manu vorsieht. Dann wirst
du friedvoll, stark und mächtig. Du wirst ein Leuchtfeuer, ein strahlender
spiritueller Stern.
173. Ich sehe nichts anderes als Gott (Narayana)
überall, innen und außen, oben und unten und rundherum. Verändere
auch dein Drishti und deine geistige Haltung. Du wirst hier den Himmel
haben. Dessen sei sicher.
174. In der Stille spüre den Atman. In den
Aktivitäten manifestieren sich die Herrlichkeiten von Atman und Santi.
Stehe felsenfest. Ein Jnani hat eiserne Festigkeit. Leben und Meditation
müssen eins werden. Das Leben muß der Meditation perfekt entsprechen.
175. Wie kann (das Selbst) Atma verwirklicht werden?
Durch Satyam, Tapas, Samyag-Jnana und Bramacharya.
176. Wenn du dich über das Körperbewußtsein
erhebst, wenn du den Körpergedanken aufgeben kannst, und wenn der
Geist auf Atma ruht, dann bist du zweifellos Sukhi, Shanta und Mukta (glücklich,
friedvoll und frei).
177. Sage kühn - „Ich bin Gott. Ich bin Brahman.“
Behaupte es. Es ist dein Geburtsrecht. Fürchte dich nicht, mein Kind.
Erhebe dich. Verwirkliche. Verkünde die Wahrheit. Verhilf anderen
dazu, die Wahrheit zu verwirklichen. Hilf ihnen.
178. Wenn du das Mahavakya „Aham Brahma Asmi“ wiederholst,
halte nicht den physischen Körper oder Ahamkara (das sich selbst
behauptende Prinzip) für Brahman. Der Sakshi oder Pratyah-Atman muß
für Brahman genommen werden. Verneine alles Äußere. Löse
Schicht um Schicht ab. Du wirst in dir den ewigen, unsterblichen Atman
entdecken.
179. Das Haupthindernis zur Selbstverwirklichung
ist Trishna. Beseitige alle Trishnas, um in derselben Sekunde Nirvana
zu haben. Denke daran, daß Trishnas hartnäckig oder tiefverwurzelt
sind. Sie manifestieren sich in vielfacher Gestalt. Sie sind subtil und
auch im unterbewußten Geist verborgen. Suche sorgfältig.
180. Ich bin „Asanga, Akarta, Sakshi, Trigunatita“
(unverhaftet, nichthandelnd, Beobachter und jenseits der drei Gunas).
Verweile ständig bei diesen Gedanken. Das ist Nirguna Meditation.
181. Siehe aus jedem Gesicht Gott strahlen. Beruhige
den Geist. Bringe die Gedanken zum Schweigen. Tritt tief in die göttliche
Quelle ein und wisse, daß du Gott bist.
182. Meine lieben Sucher! Kinder des Lichts, Söhne
des Nektars, Abkömmlinge von Unsterblichkeit und unendlicher Wonne!
Oh Saumya! Ich bin immer mit dir. Fürchte dich nicht. Wir sind untrennbar.
Friede sei mit dir. Das Licht meiner Seele ergießt sich über
euch alle. Mein Friede fällt als Segen über eure Seelen. Möge
dieses Licht, die göttliche Flamme, niemals schwächer werden.
Möge die Herrlichkeit des Ewigen durch euch alle scheinen, um die
Dunkelheit (Wunsch, Leidenschaft), die euch umgibt, aufzuheben. Möge
dieses göttliche Licht euren spirituellen Weg erleuchten. Möge
Friede euren Geist und eure Herzen erfülle. Om Shanti!
183. Gib „Aham-Bhavana“ auf, die Identifikation
mit dem Körper und die Vorstellung von „mein“. Weile in Atma. Du
wirst noch in diesem Leben als Jivanmukta erstrahlen.
184. „Ich bin dieser alldurchdringende Atma, der
Eka ist (eins), Chidakasa, Akhanda (ohne Teile, unteilbar), das Selbst
aller Wesen (Sarva Bhuta Antaratma).“ Versuche, dich mit aller Anstrengung
in diesem Bhav zu verankern (Pratyatna). Nur dann wird das Chanchalatva
des Geistes verschwinden. Du wirst ewige Wonne erlangen. Du wirst ein
Jivanmukta werden. Da ist kein Atom eines Zweifels.
185. Du bist dir völlig bewußt, daß
die Reflexion deines Gesichts im Spiegel falsch ist. Du fühlst: „Nur
ich bin wirklich.“ Genauso sind diese Welt, Körper und Geist unwirklich.
Existenz (Brahman) allein ist die feste Wirklichkeit. In Wirklichkeit
bist du das reale höchste Selbst. Du bist identisch mit Existenz.
Erinnere dich stets an dieses Drishtanta. Die Welt wird keine Anziehung
für dich haben. Du wirst immer Sahaja Avashta haben, auch wenn du
arbeitest.
186. Es muß eine Kombination von Kopf, Herz
und Hand (Jnana, Bhakti und Karma Yoga) vorhanden sein. Das ist Vollendung.
Du mußt den Intellekt von Sankara und das Herz von Buddha haben.
Sushka Vedantis (Menschen, die nur über Vedanta tratschen) sind unverbesserlich.
Licht
auf dem Weg
187. Warum werdet nicht auch ihr, meine lieben
Freunde, große spirituelle Persönlichkeiten? In diesem Kali
Yuga kann Gottverwirklichung in kurzer Zeit erlangt werden. Es ist die
Gnade des Herrn. Es ist jetzt nicht notwendig, hartes Tapas zu machen.
Man braucht nicht 1000 Jahre auf einem Bein stehen. Im Licht der Theosophie
findet in der gegenwärtigen Stammrasse viel geistige Entwicklung
statt.
188. Mache täglich 21600 mal Japa eines Mantras.
Sprich die Wahrheit. Beherrsche den Zorn. Übe Nächstenliebe.
Diene Älteren, Sadhus, Sannyasins, Bhaktas, Armen und Kranken mit
Bhav. Du wirst Frieden, Ananda und Unsterblichkeit erlangen.
189. Schlafe alleine in einem eigenen Raum. Wenn
dich Leidenschaft quält, steigere die Zahl des Japa. Mache 200 Malas
oder mehr. Faste einen Tag lang vollständig. Am zweiten Tag iß
nur Milch und Früchte. Mache einfaches Pranayama. Halte den Atem
an und zähle 60 Om. Lies ein Kapitel der Gita. Schweige; sprich nicht
mit deiner Frau. Lache nicht. Bleibe in einem getrennten Raum. Beschäftige
den Geist vollständig mit etwas anderem. Das ist überaus wichtig.
Das ist das beste Sadhana, um Brahmacharya zu halten. Verwende keine Düfte
oder Blumen. Rühre Liebesromane nicht an. Gehe nicht ins Theater
oder ins Kino. Schlafe auf einer rauhen Matratze.
190. Wenn du ein Mantra wiederholst, tue es im Gedanken
an die Bedeutung des Mantras. Rama, Siva, Krishna, all das bedeutet Sat-Chid-Ananda,
Reinheit, Vollendung, alles Licht der Ewigkeit, Unsterblichkeit.
191. Mache ein Jahr lang Japa in der Kehle, Kantha;
drei Jahre lang im Herzen, Hridaya, und ein Jahr im Nabel, Nabhi.
192. Wenn du in der Praxis Fortschritte machst,
wird jede Pore der Haut und jedes Haarfolikel das Mantra kraftvoll wiederholen.
Das ganze System wird sich mit der kraftvollen Schwingung des Mantras
aufladen. Du wirst sogar in Prem des Herrn sein. Du wirst Muskelzuckungen
erfahren und Tränen von Ananda vergießen. Du wirst in ekstatischer
göttlicher Stimmung sein. Du erhältst Inspirationen, Offenbarungen,
Ekstasen, Einsicht und Intuitionen. Du schreibst Gedichte. Du hast verschiedene
Siddhis, göttliches Aishwarya.
193. Gehe in einen einsamen Garten und verbringe
dort zwei oder drei Stunden mit stillem Japa oder Lesen der Gita oder
Upanishaden oder in Meditation. Wenn du zum Haus zurückgehst, fühlst
du dich ganz erfrischt. Du bist regeneriert. Du bist ein neuer Mensch,
aufgeladen mit neuem Prana.
194. Je mehr du dein Japa steigerst, um so stärker,
reiner und ruhiger wirst du werden.
195. Hab immer Smaran vor Siva. Lebe in Ihm. Tauche
tief in Ihn ein. Löse dich in Ihm auf. Gib alle anderen weltlichen
Gedanken auf. Gott Siva spiritualisiert und erhebt dich. Habe festen Glauben.
Schreite in deinem spirituellen Sadhana kühn voran. Schaue nicht
zurück. Schau nicht nach rechts oder links.
196. Wenn die Ärzte eine Krankheit als unheilbar
erklären, beginne, den Namen des Herrn zu wiederholen. Spiritualisiere
Geist und Körper mit Pranava Schwingungen durch lautes Singen von
Om. Mache auch Pranayama. Du wirst geheilt werden. Habe Vertrauen. Der
Name Gottes ist ein großes Boot, mit dem dieser Ozean von Samsara
überquert werden kann.
197. Drei Stunden Mauna zügeln die maßlose
rajasige Natur des Vak-Indriya. Erlange Asana Jaya, indem du drei Stunden
ohne Unterbrechung in einer Asana sitzt und zügle so die übermäßig
rajasige Natur der Beine (ständiges sich Bewegen, der Wunsch, sich
an verschiedene Orte zu begeben). Asana und Mauna steigern Frieden und
Sattva Guna.
198. Nach Anwendung dieser beiden Methoden bleibe
einige Stunden lang im Raum. Habe mit niemandem Kontakt. Verschließe
die Ohren mit Wachs. Das ist ein Hilfsmittel, um dir inneres Leben zu
geben und dich vom äußeren Getriebe und unangenehmen Geräuschen
abzuschirmen. Oder verschließe die Ohren mit den Daumen (Yoni Mudra).
Nun mache ernsthaft Japa und Dhyana. Du erlangst Frieden. Übt ernsthaft,
meine lieben Freunde. Seid aufrichtig. Was soll ich sonst noch sagen?
Ich kann der Kuh kein Gras in den Mund legen. Sie muß selbst grasen.
Trinke den spirituellen Nektar selbst.
199. Verbringe eine oder zwei Wochen jährlich
an einem Pilgerort, wie Varanasi, Prayag, Nasik, Hardwar, Rishikesh, usw.
und mache intensiv Japa. Habe Satsang mit Mahatmas. Das wird deinem Geist
Frieden geben, dich langsam spiritualisieren und deine ungeschliffene
asurische Natur erneuern.
Besondere
spirituelle Instruktionen
200. Habe wenig Gesellschaft mit anderen. Zuviel
Umgang mit nicht wünschenswerten Menschen verursacht Eifersucht im
Geist.
201. Vergiß rasch das Unrecht, das dir von
andere angetan wird. Denke so oft du kannst an die beiden Worte: „VERGIß
UND VERGIB“.
202. Versuche Beleidigungen und Schelte von anderen
zu ertragen. Das schult den Willen. Lob und Anerkennung sind Gift für
einen spirituellen Sucher. Kritik und Mißachtung sind Schmuck und
Nektar für den Jijnasu oder Mumuskha.
203. Verringere die Bedürfnisse. Halte dich
zwei Stunden täglich zurückgezogen in einem eigenen Raum auf
und wiederhole den Namen des Herrn oder mache Japa eines Mantras. Streite
nicht mit anderen. Gib den Wunsch nach Ruhm und Ehre auf. Wenn du das
sechs Monate lang machst, garantiere ich dir, daß du Frieden im
Geiste erreichen wirst. Du kannst mich auslachen, wenn du keine Spiritualität
erreichst, wenn deine niedere Natur sich nicht bis zu einem gewissen Grade
verändert. Aber zuerst gib meinen Worten eine faire Chance.
204. Gib Versprechen langsam, aber löse sie
rasch ein. Halte um jeden Preis dein Wort. Liebe wenig; liebe lange.
205. Lebe alleine. Verkehre nicht mit unerwünschten
Menschen. Halte zwei Stunden pro Tag Mauna.
206. Bleibe bei einem Sadhana. Schwanke nicht. Sei
beständig in deiner Praxis. Bleibe bei einem Guru, an einem Ort,
bei einer Methode. Denke daran, daß ein rollender Stein kein Moos
ansetzt.
207. Du mußt ein Mensch fester Entschlüsse
werden. Für und Wider einer Sache müssen wohlbedacht werden
- einmal, zweimal, dreimal. Sobald der Entschluß gefaßt ist,
ändere ihn nicht. Führe ihn um jeden Preis aus. So entwickelst
du Willenskraft, Atma Shakti.
208. Habe Ideale, Leitgedanken und Prinzipien. Halte
entschlossen und unerschütterlich daran fest. Weiche nicht den Bruchteil
eines Zentimeters von deinen Idealen und Prinzipien ab.
209. Wenn du die Lehren der Heiligen, Smritis und
Vedas genau befolgst, und wenn du Yama und Niyama übst, wirst du
frei sein von Unglück und Sorgen. Du wirst nicht den Pfad der Dunkelheit
beschreiten.
210. Respektiere Stimmungen, Gefühle, Überzeugungen
und Ansichten anderer. Streite nicht. Toleranz ist eine wichtige Tugend
für einen Sadhak. Man kann keinen geistigen Frieden haben, wenn man
intolerant ist.
211. Nichts ist absolut richtig, und nichts ist
absolut falsch in dieser relativen Welt. Ein Körnchen Wahrheit liegt
in jeder Aussage jedes Individuums entsprechend seiner Erfahrung. Denke
an das.
212. Vervielfache nicht deine Freunde. Es gibt tatsächlich
keinen echten Freund in der Welt. Menschen finden sich aus selbstsüchtigen
Absichten zusammen. Der einzige wahre Freund ist dein Atma im Herzen.
Ishvara ist jederzeit dein echter Freund. Auch wenn du Ihn vergißt,
liegt Ihm dein Wohlergehen stets am Herzen.
213. Oh Suchender! Erinnere dich täglich an
diese drei Punkte: a) Denke an die Heiligen, die das Ziel bereits erreicht
haben, wie Dattatreya, Sankara, Jnana Dev, Ram Das, Tulsi Das und andere.
Das gibt einen starken Impuls und Eifer im Sadhana. b) Denke an Tod, Krankheit,
Alter und anderes Leid dieser Welt. c) Denke daran, daß diese Welt
so unwirklich ist wie das Blau des Himmels. Diese Gedanken werden großartiges
Vairagya in dir entstehen lassen.
214. Sei mit niemandem zu vertraut, besonders nicht
mit Frauen. Vertrautheit züchtet Geringschätzung. Du mußt
die Psychologie gut kennen. Nur dann kannst du mit unterschiedlichen Geistern
taktvoll umgehen. Zu große Vertrautheit endet in Bruch und Feindschaft.
215. Zeige keine Leichtfertigkeit in der Befolgung
von Niyama und bei religiösen oder göttlichen Themen. Scherze
nicht über göttliche Dinge. Sei sehr ernsthaft. Ansonsten findet
keine Verbesserung statt. Die alten lasterhaften Gewohnheiten und Methoden
können nicht verändert werden. Du kannst die alten Furchen nicht
verlassen.
216. Sei zu allen freundlich. Traue den Indriyas
oder Sinnen nicht. Diese beiden Praktiken sind schon ausreichend, um dir
Moksha zu geben.
217. Satyam vada - Sprich die Wahrheit, Dharmam
chara - Handle rechtschaffen. Auch das schenkt dir Befreiung von der irdischen
Existenz.
218. Der Kern der Vedas ist KONTROLLE DER INDRIYAS.
219. Deine einzige wichtige Pflicht ist die Kontrolle
der Sinne. Das ist Mukhya (primär). Die Familie zu erhalten etc.
ist nur Gauna (sekundär). Du bist dazu geboren, um die Göttlichkeit
zu entfalten, die in dir schlummert. Sarvabhutesha Goodhah - in allen
Wesen verborgen, Sarvabhuta Antaratma - das innere Selbst aller Wesen
und Sarvabhutadhivasah - in allen Wesen wohnend.
220. Führe ein spirituelles Tagebuch. Notiere
deinen Fortschritt, die tägliche Routine und andere Einzelheiten.
221. Respektiere Ältere, Eltern, Sadhus, Sannyasins
usw. aufrichtig und mit Bhava.
222. Nicht einmal Ishvara kann jemandem Kaivalya
Moksha geben. Jeder muß selbst Purushartha machen. Purushartha ist
Ishvara Svarupa selbst. Es führt zu Asanga Jnana, der Weisheit, daß
man nicht an Körper, Geist und Indriyas gebunden ist.
223. Du mußt dich von allen möglichen
geistigen Schwächen und jedem Aberglauben, von falschen und irrigen
Vorstellungen, falschen Ängsten und unrichtigen Samskaras befreien.
Nur dann kannst du wirklich glücklich sein.
224. Wenn du auf der Straße gehst, schau nicht
nach rechts oder nach links. Es lenkt dich ab. Schaue nur auf deine Nasenspitze.
Übe täglich. So entwickelst du eine Gewohnheit.
225. Gib nicht mehr als 10 oder 15 Rupien für
Persönliches aus. Einfach leben und hoch denken muß dein Motto
sein.
226. Es ist sehr leicht, den Geist zu kontrollieren,
wenn du die richtige Technik kennst. Du mußt starkes Vertrauen zu
Gott und die Echtheit der Absicht haben. Auch wenn die Sonne vielleicht
im Westen aufgeht, darf es nicht zum geringsten Schwanken in deiner Entschlossenheit
kommen. Dein Glaube muß so unerschütterlich sein wie ein harter
Fels.
227. Gesellschaft mit einem weltlichen Menschen
ist für einen Suchenden so gefährlich wie die Gesellschaft mit
einer Frau. Sei vorsichtig.
228. Warum bekommst du eine Krankheit? Es ist ein
Gnade Gottes, um die schlechten Auswirkungen schlechter Karmas zu läutern,
dir mehr Sattva einzuflößen und um die Tugenden Ausdauerfähigkeit
(Titiksha), Barmherzigkeit und Liebe zu anderen Menschen, um dich an Gott
zu erinnern. Schmerz ist das Allerbeste auf der Welt. Er öffnet dein
inneres Auge. Die Philosophie hat ihren Ursprung im Schmerz, finde die
Ursache von Schmerz und Unwissenheit heraus und versuche, ihn durch Vernichtung
der Unwissenheit zu verringern.
229. Nicht jeder zieht Nutzen aus Schmerz und Unglück.
Während Schmerzen wird der Egoismus ein wenig schwächer. Er
behauptet sich mit doppelter Kraft, wenn sie ihre ursprüngliche Gesundheit
wiedererlangt haben. Der Schleier kommt wieder zurück. Nur ein Viveki
zieht daraus wirklichen Nutzen. Er erinnert sich an seine Schmerzen.
230. Verschwende keine Zeit. Verschwende nicht mal
eine Minute. Zeit ist sehr kostbar für Suchende. Meditiere. Verwirkliche.
Trinke den spirituellen Nektar der Unsterblichkeit.
231. Wer kann befehlen? Derjenige, der gehorchen
kann. Gehorsam ist besser als Opfer.
232. Trinke nur Haferschleimsuppe und Wasser und
sei glücklich und zufrieden. Ein zufriedener Geist ist ein unaufhörliches
Festessen. Sogar Brahma und Indra werden eifersüchtig sein.
233. Setze andere nicht herab. Behandle andere nicht
verächtlich. Respektiere die Gefühle und Worte anderer. Lobe
andere und decke deine eigenen Fehler vor anderen auf.
234. Verstecke dich. Zeige anderen nicht deine Geschicklichkeit
und Fähigkeit. Kümmere dich nicht um Ruhm und Ehre. Behandle
Ruhm und Ehre wie Stroh, Mist, Staub und Gift, denn sie sind falsch und
wertlos. Nur dann wirst du Frieden finden.
235. Prüfe deine Motive. Sitze alleine. Analysiere
deinen Geist und dein Wesen. Beobachte deine Vrittis und bete. Untersuche
deine Natur und deine Fehler und versuche, sie mittels geeigneter Methoden
zu beseitigen.
236. Sieh dich als ein Nichts in der Welt. Dadurch
können Stolz und Ichdenken beseitigt werden. Sitze immer auf dem
Boden. Meide Stühle, Sofas, Bänke und Betten. Verrichte immer
niedrige Dienste. Diene anderen. Sprich gut über andere. Stelle keine
Fehler anderer zur Schau.
237. Wenn jemand schlecht über dich spricht,
entschuldige und bedaure ihn. Bete für ihn. Tue ihm Gutes. Liebe
ihn. Segne den, der dich schmäht. Ertrage Beleidigung und Unrecht.
Das entwickelt deine Willenskraft.
238. Hatha Yogis beginnen ihr Sadhana oder Ashyasa
mit Körper und Prana, durch die Praxis von Asanas, Mudras, Bandhas und Pranayamas. Ihre Theorie ist, daß durch Kontrolle des Pranas
der Geist kontrolliert werden kann. Dies ist nur für weniger wache
Schüler.
239. Raja Yogis beginnen ihr Sadhana direkt mit
dem Geist. Sie kontrollieren ihre Vrittis. Sie machen den Geist blank.
Sie machen Samyama (Dharana, Dhyana und Samadhi gleichzeitig). Sie verbessern
die Qualität des Geistes durch die Praxis von Yama und Niyama. Hatha
Yoga ohne Vichara kann die Qualität des Geistes nicht verbessern.
240. Jnana Yogis beginnen ihr Sadhana mit Buddhi
und Willen. Tantrikas beginnen ihr Sadhana mit Shakti.
241. Bhaktas beginnen ihr Sadhana mit Frömmigkeit,
Sraddha, Glaube und Selbsthingabe. Höhere Emotionen spielen eine
große Rolle für sie und sie vergessen den Körper und die
Welt.
242. Sei fest verankert im Gefühl und Bewußtsein
Brahmans. „Brahma Satyam“. Brahman, Gott ist wirklich. „Jagat Mithya“.
Die Welt ist unwirklich. Hab diese beiden Gedanken stets fest im Geist
verankert.
243. Sünde ist nur ein Fehler. Sünde ist
Unwissenheit. Versuche, durch das Erlangen der Erkenntnis Brahmans über
die Sünde hinauszugehen.
Nivritti
Sadhana
244. Jeder Anziehung durch Sinnesobjekte zu entsagen
und die Bindungen zu durchbrechen stellt wahres Sannyasa dar. Es ist ein
Zustand von geistiger Nichtverhaftung, Selbstauslöschung. Wirkliches
Sannyasa kann erreicht werden durch Zerstören der Vasanas, der Selbstsucht
und der Verhaftung an Kinder, Körper, Frau und Eigentum.
245. Allen eigennützigen Handlungen und ihren
Früchten zu entsagen, stellt wahres Sannyasa dar. Den Gedanken aufzugeben,
Handelnder zu sein, ist Sannyasa. Sich über alle Gegensatzpaare zu
erheben, ist Sannyasa.
246. Bloße Emotionalität und sprudelnde
Begeisterung ist auf dem Pfad der Entsagung nicht hilfreich. Ein Sannyasin
muß ein lebendes Beispiel von Stille sein und eine Verkörperung
immerwährenden Mutes.
247. Wenn man sich zurückzieht, muß man
das Schweigegelübde halten, sich nicht in Gesellschaft begeben und
die Sinne disziplinieren. Das hilft dabei, höchste Entsagung zu erreichen,
und ebnet den Weg direkt zum Reich von Wonne und Unsterblichkeit.
248. Die Welt ist voller Elend. Der Geist verführt
und täuscht dich in jedem Augenblick. Durch die vom Geist verursachte
Täuschung wird Schmerz irrtümlich für Freude gehalten.
Denke gründlich nach. Die Welt ist ein Feuerball. Alle Freuden, die
zu Beginn süß sind, haben schlußendlich den allerbittersten
Geschmack.
249. Indriyas täuschen dich in jedem Augenblick.
Die Sinne sind sehr mächtig und können sogar den Weisesten überwältigen.
Sie geben momentane Freude, die mit ewigem Schmerz, Sorge, Angst und Täuschung
vermischt ist.
250. Heilige erklären ausdrücklich, daß
Unsterblichkeit weder durch Rituale, noch durch Nachkommenschaft oder
riesigen Reichtum erreicht werden kann; wahrlich ist sie jedoch allein
durch Entsagung zu erreichen. Allein durch Entsagung erreichten sie den
höchsten Sitz Brahmans in der Höhle ihres Herzens.
251. Sinnesleben ist gar kein Leben. Es wird begleitet
von Schmerz, diversen Sünden, Schwächen, Verhaftungen, sklavischer
Mentalität, einem schwachen Willen, schwerer Anstrengung und Kampf.
Sinnesleben kann kein dauerhaftes Glück geben. Es führt in den
Abgrund der Hölle. Je mehr du Sinnenfreuden nachläufst, desto
ruheloser und leidvoller wirst du.
252. Meide Ehre, Bewunderung, Titel, Ruhm und Ehre.
Sie sind wertlos. Sie geben niemals ewige Genugtuung. Sie verstärken
nur die Eitelkeit. Sie sind alle Rauschmittel für den Geist. Sie
führen zu Störungen im Geist. Aus diesem Grund gaben Raja Bhartrihari,
Raja Gopichand und der Buddha ihr Königreich, ihren Reichtum, ihre
Ehren usw. auf.
253. Ist ein Königreich nicht wert, besessen
zu werden? Ist es nicht schön, in einem Sommerpalast in Kaschmir
oder in einem angenehmen Garten mit duftenden bunten Blumen zu leben?
Ist nicht die Gesellschaft junger Maharanis von zarter Gestalt und mit
Lotusaugen, die so lieblich sind wie das Leben selbst, sehr angenehm?
Und doch zogen sich weise leidenschaftslose Menschen in die Wälder
zurück, stießen alle diese Dinge als wertlos wie Stroh von
sich, um das Selbst zu verwirklichen.
254. Sei fest entschlossen und habe einen starken
Willen. Denke nie daran, wieder nach Hause zu gehen, nachdem du Nivritti
Marga eingeschlagen hast. Habe Mut, Festigkeit des Geistes und ein klares
Ziel im Leben. Wenn du bereit bist, allem Besitz zu entsagen, einschließlich
Körper und Leben, kannst du Nivritti Marga und Sannyasa nehmen.
255. Der Weg der Entsagung ist kein rosiger Weg.
Er ist besetzt mit zahllosen Schwierigkeiten und Härten. Hindernisse
gibt es viele auf diesem Weg. Aber er kann dich zum König der Könige
und zum Kaiser der Kaiser machen.
256. Wer den Weg der Entsagung beschreiten will,
muß sich auf ein arbeitsreiches hartes Leben und einfachste Nahrung
vorbereiten. Nur dann sind die harten Entbehrungen eines asketischen Lebens
zu ertragen. Er darf nicht faul werden. Die geistige Energie muß
richtig eingesetzt werden. Nur dann ist ein rascher Fortschritt möglich.
257. Die Anziehung an Dinge und verschiedenste Bindungen
fesseln den Menschen an diese Welt. Verzicht auf jegliche Anziehung und
Durchbrechen aller Bindungen stellen tatsächliche Entsagung dar.
Wer frei ist von Anziehungen und Bindungen, genießt unendliche Wonne
und höchste Freude.
258. Dieselben fünf Arten von Genüssen
und Sinnenfreuden sind auch in den Himmelswelten vorherrschend. Aber sie
sind intensiver und subtiler. Das kann einem Viveki kein wahres dauerhaftes
Glück geben. Er meidet auch alle Freuden des Himmels. Er stößt
sie gnadenlos von sich. Er ist sich der Freuden der drei Welten voll bewußt
und ist überzeugt, daß sie nichts sind als ein Tropfen im Ozean
der Wonne Brahmans.
Die
Wissenschaft von Yoga Sadhana
259. Yoga ist Einssein mit dem Herrn. Es ist eine
spirituelle Wissenschaft, die die Methode lehrt, um die individuelle Seele
durch regelmäßiges Üben mit Gott zu verbinden. Das Zusammenführen
von individueller Seele und höchster Seele heißt Yoga.
260. Das Ziel von Yoga ist es, den Menschen aus
der Knechtschaft der Materie und den Fesseln von Prakriti zu befreien
und ihn seine absolute unabhängige Natur erkennen zu lassen.
261. Die Yogapraxis hilft, die Emotionen und Leidenschaften
zu beherrschen und gibt die Kraft, Versuchungen zu widerstehen und störende
Elemente aus dem Geist zu beseitigen.
262. Yoga ist kein System, das in Vorträgen
oder Fernkursen gelehrt und erlernt werden kann. Der Yogaschüler
muß einige Jahre mit einem Lehrer leben, ein Leben strenger Entbehrung
und Disziplin führen und Meditation üben. Nur dann kann er ein
Yogi werden.
263. Es gibt eine Menge Menschen, die von acht Uhr
morgens bis acht Uhr abends gute Geschäftsleute sind. Von acht bis
zehn Uhr abends sind sie gute Yogis. Sie machen ein paar Asanas, Kriyas,
ein wenig Pranayama, lesen Bücher über Hatha Yoga und Kundalini
Yoga und interpretieren Yoga auf ihre Weise. Sei in der Welt, aber sei
außerhalb der Welt. Das ist der höchste Yoga.
264. Iß sparsam. Iß einfache Nahrung.
Halte Brahmacharya. Beherrsche die Sinne. Atme reine Luft. Lebe an einem
ruhigen Ort mit hohen spirituellen Schwingung mit einem Guru. Dann übe
Yoga. Nur dann wirst du im Yoga erfolgreich sein.
265. Sieh Gott in allem und verwandle Böses
in Gutes. Das ist wahrer Yoga. Es bringt die glorreiche Verwirklichung
und zerstört alle Fesseln der Unwissenheit. Du weilst in Ewigkeit.
266. Die Essenz von Yoga Sadhana ist es, das Höchste
wahrzunehmen und im Göttlichen zu ruhen.
Eigenes
Bemühen und Schicksal
267. Durch richtiges Bemühen, Purusharta,
kann auf dieser Welt alles erreicht werden.
268. Sitze nicht müßig da und flehe Gott
um Hilfe an, sondern geh und handle, denn Gott hilft nur denen, die sich
selbst helfen.
269. „Uddhared-atmana atmanam“ - das Selbst werde
durch das Selbst erhoben. Der Suchende muß jedes Stückchen
Sadhana selbst machen. Er kann spirituelle Erleuchtung nicht durch Gaukelei
erreichen.
270. Menschen, die Einsicht in die wahre Natur der
Welt haben, die tatsächlich die Wahrheit über die Welt erkannt
haben, erheben sich selbst und befreien sich selbst von üblen Neigungen
und Sehnsüchten nach weltlichen Dingen durch ihre eigene Anstrengung
und Bemühung.
271. Erarbeite dir deine Erlösung selbst mit
rechtem Ernst. Der Guru kann dich nur in die richtige Richtung führen.
Du mußt selbst jeden Schritt auf der Yogaleiter machen.
272. Beklage dich niemals über Mangel an Gelegenheit.
Wo ein Wille, ist auch ein Weg. Wenn du in deinem Bemühen wirklich
ehrlich bist, ergeben sich die Gelegenheiten von selbst. Die Gnade des
Herrn kommt zu den Menschen, die sich mit richtigem Ernst bemühen.
273. Prarabdha und Purushartha sind dasselbe. Prarabdha
ist in der Tat Purushartha des früheren Lebens. Es ist eine unendliche
Kette. Richtiges Bemühen trägt immer eine gute Ernte von glücklichen
Ergebnissen. Durch Bemühen erlangte Markandeya Unsterblichkeit und
erhielt Savitri ihren Ehemann aus den Klauen von Yama zurück. Sich
bloß an Prarabdha zu ergeben, erzeugt Fatalismus im Menschen, und
das ist bei weitem der schlimmste Feind spirituellen Fortschritts. Sich
so zu ergeben schwächt den Suchenden beträchtlich. Die Willenskraft
verläßt ihn.
274. Brüte niemals über dein Schicksal.
Das Schicksal wird von Gedanken, Gewohnheiten und Charakter der Menschen
geschaffen. Das Schicksal kann in der Tat durch entsprechendes Bemühen
nach Herzenslust geformt werden. In Wahrheit ist der Mensch Herr über
sein Schicksal.
275. In der gesamten Yoga Vasishtha findet sich
derselbe Grundton, nämlich, daß der Mensch durch Purushartha
Unsterblichkeit erreichen kann. Prarabdha ist der Körper, und er
verbindet sich mit dem, was der Mensch von einer Geburt in die nächste
mitnimmt. Auch der Buddha betont es: nur rechtes Bemühen kann Erfolg
bringen.
Brahmacharya
- die Basis allen Sadhanas
276. Brahmacharya ist der Hauptgedanke für
Erfolg in jedem Lebensbereich. Es ist absolut notwendig für spirituellen
Fortschritt.
277. Es gibt kein besseres Heilmittel als Brahmacharya,
um die schreckliche Krankheit unwissender Menschen, die Lust, auszurotten,
und um die Suchenden fest in Brahman zu verankern.
278. Brahmacharya ist das Gelübde der Enthaltsamkeit
in Gedanke, Wort und Tat, wodurch Selbstverwirklichung erlangt und Brahman
erreicht wird.
279. Veerya ist die Essenz von Gedanken, Intelligenz,
Leben und Bewußtsein.
280. Die Energie, die bei einem einzigen Geschlechtsakt
verbraucht wird, entspricht der physischen Energie für zehn Tage
körperlicher Arbeit oder der geistigen Energie, die in drei Tagen
geistiger Arbeit aufgewandt wird.
281. Ein Yogi richtet seine Aufmerksamkeit stets
auf die Konzentration göttlicher Energie in sich, durch ungebrochene
Keuschheit und vollkommene Enthaltsamkeit.
282. Wer das Gelübde der Enthaltsamkeit nicht
einhält, wird zum Sklaven von Zorn, Eifersucht, Faulheit, Angst,
usw.
283. Wer die Lust vollständig beseitigt hat,
ist Brahman Selbst.
284. Es kann im Falle von Brahmacharya keine zwei
Meinungen geben. Kein Viveki denkt daran, viele Kinder zu haben. Das Leben
eines verheirateten Menschen ist nicht unvereinbar mit dem Befolgen von
Enthaltsamkeit. Sobald der Ehemann ein Kind hat, um die Linie fortzuführen,
wird die Frau zu seiner Mutter.
285. Brahmacharya umfaßt nicht nur die Beherrschung
des Geschlechtsindriyas sondern auch aller anderen Indriyas.
286. Die Praxis, den Geist voll beschäftigt
zu halten, ist die allerbeste Praxis, um körperliches und geistiges
Brahmacharya zu halten.287. Japa von einem Namen des Herrn, sattvige Ernährung,
Satsang, Studium religiöser Schriften, Pranayama, Gebet, Kirtan,
Vichara, Viveka, usw. tragen sehr viel dazu bei, um sexuelle Wünsche
und geschlechtliche Impulse zu beseitigen.
288. Ein richtiges Verständnis von Brahmacharya
ist dann möglich, wenn man einige Zeit zurückgezogen lebt.
289. Trage stets einen Kowpeen, einen Langotee oder
ein Stützband. Das ist hilfreich für Brahmacharya und macht
gesund, reich und weise.
290. Denke stets an die Leiden der Welt, die Unwirklichkeit
von Dingen und die Bindung, die aus der Verhaftung an Frau und Kinder
entsteht.
291. Denke stets daran: „Durch die Gnade Gottes
werde ich täglich reiner und reiner. Vergnügen tauchen auf,
haben aber keinen Bestand. Sterbliches Fleisch ist nichts als Tonerde.
Alles wird vergehen. Brahmacharya ist der einzige Weg.“
Güte,
Reinheit und Wahrhaftigkeit
292. Die edle Seele, die der Welt stets Gutes tut
und erhabene göttliche Gedanken hegt, ist ein Segen für die
ganze Welt.
293. Ein Mensch, der Gutes tut und gut, wohltuend
und sanft spricht, hat keinen Feind. Wenn du wirklich spirituellen Fortschritt
und Erlösung willst, tue den Menschen Gutes, die versuchen, dich
zu vergiften oder zu verletzen.
294. Reinheit führt zu Weisheit und Unsterblichkeit.
Es gibt zwei Arten von Reinheit, innere oder geistige und äußere
oder körperliche. Geistige Reinheit ist wichtiger. Körperliche
Reinheit ist ebenfalls notwendig. Wenn innere geistige Reinheit, Heiterkeit
des Geistes und Einpünktigkeit des Geistes gefestigt werden, sind
die Bezwingung der Indriyas und die Fähigkeit zur Selbstverwirklichung
erreicht.
295. Reinheit ist das beste Juwel eines Yogi. Sie
ist der beste und größte Schatz eines Heiligen. Sie ist der
größte Reichtum eines frommen Menschen.
296. Die Praxis von Mitgefühl, Taten der Nächstenliebe
und gütiges Dienen reinigen das Herz und machen es weich, richten
den Herzlotus nach oben und bereiten den Suchenden auf den Empfang des
göttlichen Lichts vor.
297. Japa, Kirtan, Meditation, Nächstenliebe
und Pranayama können alle Sünden verbrennen und das Herz rasch
reinigen.
298. Wahrheit ist die höchste Weisheit. Die
Wahrheit bleibt auch ohne öffentliche Unterstützung bestehen.
Wahrheit ist ewig. Wahrheit ist der höchste Herrscher. Wer wahrhaftig
und rein ist, stirbt nicht. Wer nicht wahrhaftig und lustvoll ist, ist
so gut wie tot.
299. Der Geist muß rein sein, wenn man das
Selbst verwirklichen möchte. Wenn der Geist nicht befreit ist und
alle Wünsche, Sehnsüchte, Sorgen, Täuschung, Stolz, Lust,
Verhaftung und Zu- und Abneigungen beseitigt sind, kann er das Reich von
höchstem Frieden und ungetrübter Glückseligkeit, den ewigen
Wohnsitz, nicht betreten.
300. Der Geist kann mit einem Garten verglichen
werden. So wie man in einem Garten gute Blumen und Früchte züchten
kann, wenn man das Land pflügt und düngt, Unkraut und Dornen
beseitigt und Pflanzen und Bäume gießt, so kann man auch die
Blumen der Frömmigkeit im Garten des Herzens züchten, wenn man
die Unreinheiten des Geistes wie Lust, Zorn, Habgier, Täuschung,
Stolz, usw. beseitigt und ihn mit göttlichen Gedanken gießt.
Unkraut und Dornen wachsen in der Regenzeit und verschwinden im Sommer;
aber ihre Samen bleiben unter der Erde. Bei einem Regenschauer keinem
die Samen wieder und sprießen heraus. Genauso zeigen sich die Vrittis
oder Erscheinungsformen des Geistes an der Oberfläche des bewußten
Geistes, verschwinden dann und nehmen den subtilen Zustand eines Samens
an, die Formen von Samskaras werden wieder zu Vrittis, sei es durch einen
inneren oder einen äußeren Stimulus. Wenn der Garten gereinigt
ist, wenn es kein Unkraut und keine Dornen gibt, kann man gute Früchte
haben. Genauso, wenn Herz und Geist rein sind, kann man die Frucht guter
und tiefer Meditation haben. Daher reinige zuerst den Geist von seinen
Unreinheiten.
301. Wenn eine Platte nicht täglich gereinigt
wird, verliert sie ihren Glanz. So ist es auch mit dem Geist. Der Geist
wird unrein, wenn er nicht durch die regelmäßige Praxis der
Meditation gereinigt wird.
302. Die Wahrheit zu sprechen, befreit von Sorgen
und spendet Frieden und Kraft.
303. Die Wahrheit zu sprechen ist die wichtigste
Voraussetzung für einen Yogi. Wenn Wahrheit und tausend Ashvamedha
Yajna gegeneinander aufgewogen werden, wird stets die Wahrheit überwiegen.
304. Gott ist Wahrheit. Er kann verwirklicht werden,
wenn man die Wahrheit spricht und auch in Gedanke, Wort und Tat einhält.
305. Wahrhaftigkeit, Selbstbeherrschung, Fehlen
von neidischem Wetteifern, Verzeihen, Barmherzigkeit, Ausdauer, Fehlen
von Eifersucht, Nächstenliebe, Achtsamkeit, uneigennützige Menschenliebe,
Selbstkontrolle, unaufhörliches Mitgefühl und Harmlosigkeit
sind die dreizehn Formen von Wahrheit.
306. Manche Menschen sind der Ansicht, daß
eine Lüge, die dazu gedacht ist, unglaublich viel Gutes zu bringen,
als Wahrheit zu betrachten ist. Angenommen ein ungerechter König
hat angeordnet, daß ein Heiliger ohne jeden Grund gehängt wird.
Wenn das Leben dieses Weisen dadurch gerettet werden kann, daß man
eine Lüge sagt, ist die Lüge absolut eine Wahrheit.
307. Wenn der Yogi stets und unter allen Umständen
die Wahrheit spricht, erlangt er Vak-Siddhi. Alles, was er denkt oder
sagt, stellt sich als wahr heraus. Er kann durch den bloßen Gedanken
alles bewirken.
308. „Dieser Atman kann durch strikte Beachtung
der Wahrheit erreicht werden.“ „Es gibt nichts Größeres als
die Wahrheit.“, so sagen die Srutis ausdrücklich. Nimm zum Beispiel
das Leben von Yudhishthira oder Satyavrata Harischandra. Sie wichen nicht
einmal in kritischen Augenblicken von der Wahrheit ab.
Nächstenliebe
- ein Aspekt von Sadhana
309. Nächstenliebe muß spontan und uneingeschränkt
sein. Geben muß zur Gewohnheit werden. Beim Geben muß man
Freude empfinden.
310. Man darf nicht denken: „Ich habe etwas sehr
Barmherziges getan. Ich werde Freude im Himmel genießen. Ich werde
im nächstem Leben als reicher Mann geboren werden. Die barmherzige
Tat wird all meine Sünden wegwaschen. Es gibt niemanden in meiner
Stadt und in meinem Bezirk, der so barmherzig ist wie ich. Die Leute wissen,
daß ich ein barmherziger Mensch bin.“
311. Habe ein weites Herz. Wirf Geld wie Steine
unter die Armen. Nur so kann das Gefühl von Advaita, Samadhi und
kosmischer Liebe entwickelt werden.
312. Manche Menschen üben Barmherzigkeit und
sind begierig darauf, ihre Namen in den Zeitungen veröffentlicht
zu sehen. Das ist eine tamasige Form von Nächstenliebe.
313. Die linke Hand darf nicht wissen, was die rechte
Hand gibt. Preise deine Barmherzigkeit und dein barmherziges Wesen nicht
an. Dein Herz darf nicht jubeln, wenn man dein barmherziges Wesen lobt.314.
Dürste danach, täglich Taten der Nächstenliebe zu tun.
Versäume keine Gelegenheit. Schaffe dir Gelegenheiten. Kein Yoga
oder Yajna ist größer als spontane Nächstenliebe.
315. Entwickle Udara Vritti (ein großzügiges
Herz). Dann kannst du zum König der Könige werden. Wenn du gibst,
gehört der ganze Reichtum der Welt dir. Das Geld fließt dir
zu. Das ist das unveränderliche, unerbittliche und unbeugsame Naturgesetz.
Deshalb gib. Teile mit allen. Der beste Teil muß anderen gegeben
werden.
316. Spenden müssen mit Respekt, Demut und
Freude gegeben werden. Man muß mit der richtigen geistigen Einstellung
geben und Gott durch Taten der Nächstenliebe verwirklichen.
Leiden
- ein Sprungbrett zum Erfolg
317. Ohne Leiden kann es keine Kraft geben. Ohne
Leiden kann es keinen Erfolg geben. Ohne Sorgen und ohne Verfolgung kann
niemand ein Heiliger oder ein Weiser werden. Jedes Leiden ist dazu da,
um den Menschen zu erheben und weiterzuentwickeln.
318. Leiden stärkt die Duldungsfähigkeit,
die Barmherzigkeit und das Vertrauen in Gott und beseitigt Egoismus. Ein
Unglück ist ein verkleideter Segen, um das Herz mit Duldungsfähigkeit
und Barmherzigkeit zu erfüllen und den Geist auf Gott hin zu richten.
319. Armut flößt Demut, Kraft, Ausdauer,
Kampfgeist und Beharrlichkeit ein, wohingegen Luxus Faulheit, Stolz, Schwäche,
Trägheit und alle möglichen schlechten Gewohnheiten erzeugt.
320. Eine Prüfung ist ein Schmelztiegel, in
den die Natur den Menschen dann wirft, wenn sie ihn zu einem erhabenen
Übermenschen formen will.
321. Jede Schwierigkeit auf dem spirituellen Pfad
ist eine Möglichkeit, stärker und stärker zu werden und
den Willen zu entwickeln. Wer zu leiden versteht, genießt viel Frieden.
322. Unerwünschte Atmosphäre, ungünstige
Umstände und Hindernisse tragen nur dazu bei, den Kampf umso energischer
und fleißiger weiterzuführen. Sogar ein schwacher Mensch erwirbt
eine Menge Energie und wird stark und erhaben durch schreckliche Prüfungen
und Schicksalsschläge.
323. Ein wahrer Held genießt es zu leiden.
Er unterzieht sich willentlich Schmerz und Leid, um anderen zu dienen
und sie zufriedenzustellen, und auch um sich selbst auf den richtigen
Pfad zu führen.
Sadhana
und Selbstverwirklichung
324. Das spirituelle Leben ist eine Reise auf einem
unbekannten Weg, der so schmal ist wie eine Klinge. voran
325. Schreite auf dem spirituellen Pfad mutig und
ausdauernd stetig voran.
326. Eine große Erleuchtung erwartet mit Sicherheit
den ernsthaft Suchenden am Ende der Reise.
327. Der Suchende muß alleine in der Dunkelheit
reisen, jedoch das Licht des Glaubens leitet ihn und die Kraft der Frömmigkeit
stützt ihn.
328. Die Strecke, die vor einem liegt, sieht man
nicht, das Gehen ist unsicher, und viele Fallen erwarten den Unbedachten,
aber die göttliche Gnade und das göttliche Licht führen
den wahren Sucher bei jedem Schritt.
329. Das spirituelle Leben ist die Bezwingung und
Unterwerfung der animalischen Natur und die Sublimierung der menschlichen
zur göttlichen Natur.
330. Die Wahrheit wird für den Suchenden zur
Realität. Das ist Selbstverwirklichung.
331. Halte fest am höchsten Licht der Wahrheit.
Es leuchtet dir auf deiner spirituellen Reise.
332. Oh Ram! Schaue nicht zurück, sondern schreite
voran. Du wirst mit Sicherheit unsterbliche Wonne erlangen.
333. Sei siegreich, Oh Ram! Trage den Lorbeer des
Friedens und betritt das aus sich selbst strahlende unendliche Reich unsterblicher
Wonne, das über Zeit und Raum hinausgeht.
Wesentliche
Punkte des spirituellen Lebens
334. Reinheit des Geistes, Vairagya, Auslöschen
des Ego, brennendes Streben und Beständigkeit sind wesentlich für
Gottverwirklichung.
335. Ohne Reinheit, Glauben, Frömmigkeit, Leidenschaftslosigkeit
und unaufhörliches Bemühen kann keine Freiheit oder Unabhängigkeit
erreicht werden.
336. Wenn du in der Reinheit des Herzens gefestigt
bist, verschwinden alle Fehler und Schwächen von selbst.
337. Habe Glauben, Frömmigkeit, Gelassenheit,
Demut, Leidenschaftslosigkeit und Ernsthaftigkeit. Nur dann erlangst du
immerwährenden Frieden, spirituelle Erleuchtung und vollkommene Einheit
mit dem Herrn.
338. Selbstlosigkeit ist das Alpha und Omega aller
Sadhanas und Yogas in allen Religionen.
339. Löse und binde. Löse den Geist von
weltlichen Dingen und binde ihn an den Herrn. Das ist die Essenz der Religion.
Es ist die Essenz allen spirituellen Sadhanas.
340. Die ganze Bedeutung spirituellen Lebens liegt
darin, sich von Ichdenken zu befreien und im Ewigen zu leben.
341. Frömmigkeit, Einsatz und Disziplin sind
die Mittel, um Weisheit, ewige Wonne und immerwährenden Frieden zu
erreichen.
342. Beseitige jede Vorstellung von Verschiedenheit,
Unterschiedlichkeit und Trennung. Sei allumfassend.
343. Sei in Gesellschaft von Heiligen und Weisen,
Frommen und Tugendhaften. Das wird dich erheben und inspirieren.
344. In Brahma Vidya, der Wissenschaft von Atman,
der Realität, ist kein Fortschritt möglich ohne aktive Zusammenarbeit
von Lehrer und Schüler.
345. Der Schüler muß absolutes Vertrauen
zum Lehrer haben.
346. Jedes Individuum zieht durch sein eigenes Bemühen
den Herrn zu sich.
347. Oh Ram! Dein Leben sei jetzt und für immer
ein Strahlen von Reinheit. Reinige den Geist in der Flamme von Frömmigkeit
und Weisheit.
348. Den Weg, auf dem die Weisen Vollendung erreichen,
ist der Weg der Wahrheit. Es gibt keinen anderen Weg zur Freiheit und
Unabhängigkeit.
349. Es braucht weder Kunst noch Wissenschaft, weder
Studium noch Gelehrsamkeit für Gottverwirklichung, sondern Glauben,
Reinheit und Frömmigkeit.
350. Glaube, Hoffnung und Liebe regen an und beleben.
Deshalb habe Glauben. Sei hoffnungsvoll und lasse die Liebe wachsen.
351. Reinheit des Herzens ist ein Tor zu Gott.
352. Habe lebendigen Glauben, unerschütterlichen,
ungebrochenen Glauben an Gott, die Schriften und die Worte des Guru. Nur
dann wirst du Gottverwirklichung erreichen.
353. Mit Einfachheit und Liebe im Herzen, mit Wahrheit,
Furchtlosigkeit und Reinheit, mit Frömmigkeit und Meditation kann
das Königreich unsterblicher Wonne und dauerhaften Friedens erreicht
werden.
354. Werde rein; sei gut, bescheiden, gläubig
und fromm. Dann wirst du wissen, was Gott ist.
Die
Wichtigkeit spiritueller Praxis
355. Spirituelles Leben, spirituelle Disziplin,
ist der Schlüssel zur Selbstverwirklichung.
356. Unentwegtes und regelmäßiges Bemühen
von Seiten des Suchenden ist unerläßlich.
357. Sadhana darf unter keinen Umständen vernachlässigt
werden.
358. Es muß Teil des Lebens und des natürlichen
Lebensatems werden.
359. Statte dich mit Selbstbeherrschung und anderen
Tugenden, die Mittel zur Befreiung sind, aus.
360. Beende alle Debatten und Streitigkeiten. Sei
praktisch. Handle. Finde deine Beziehung zum Absoluten.
361. Selbstverwirklichung ist ohne Entsagung, selbstloses
Dienen und Frömmigkeit unmöglich.
362. Bete und meditiere. So erhältst du den
Schlüssel zur Gnade.
363. Selbstloses Dienen, Großzügigkeit
und Meditation führen rasch zu Gottverwirklichung.
364. Werde durch regelmäßiges Üben
erfahren in der Meditation. Zügle den wandernden Geist. Weile im
höchstem Selbst. Du wirst Selbstverwirklichung erreichen.
365. Bemühe dich lange und intensiv. Nur so
kann Herrschaft über das niedere Selbst erreicht werden.
366. Ob Samadhi morgen oder nach vielen Geburten
erreicht wird, hängt von der Reinheit des Geistes, der Intensität
des Sadhana, der Leidenschaftslosigkeit, der Unterscheidung und vom Einsatz
ab.
367. Diskutiere nicht. Stelle keine weiteren Fragen.
Übe Unterscheidung. Meditiere. Verwirkliche.
368. Purushartha ist das eigene Bemühen. Im
speziellen bedeutet es das Bemühen um Selbstverwirklichung.
369. Die Praxis von moralischen und spirituellen
Disziplinen gipfelt in Selbstverwirklichung, der Weisheit von Atma.
370. Du mußt selbst jeden Schritt auf der
Yogaleiter gehen.
Wichtige
Sadhanas
371. Meide Sinnenfreuden. Bezwinge die Sinnesobjekte.
Meditiere und trinke frei den Nektar des Wissens der Upanishaden.
372. Die Praxis von Tugenden wie Selbstbeherrschung,
Gelassenheit, Leidenschaftslosigkeit und das Studium der Upanishaden sind
sehr wichtig, bis ein gesichertes Verständnis des Satzes: „Ich bin
Brahman“ erreicht ist.
373. Reinige zuerst das Herz. Befreie dich von Selbstsucht,
Habgier, Eifersucht und Haß.
374. Wenn der Geist gründlich gereinigt ist,
wenn alle Vasanas (Wünsche) zerstört sind, und wenn du die drei
Gunas transzendierst, wirst du Nirvikalpa Samadhi erreichen.
375. Der Pfad der Frömmigkeit, Bhakti Yoga,
ist für Menschen, die noch nicht vollkommen unbeteiligt aber auch
nicht zu sehr verhaftet sind.
376. Egal in welchem Namen oder in welcher Form
der Herr verehrt wird, man wird Ihn in diesem Namen und in dieser Form
verwirklichen.
377. Karma und Upasana sind Stufen, die zu Jnana,
Weisheit, führen.
378. Der Körper wird stetig und fest, der Geist
wird ruhig und unerschüttert, und der Suchende wird reif für
höhere Vedanta Meditation durch die Reinigung, die durch Karma und
Upasana erreicht wurde.
379. Studium der Schriften, Satsanga, Vairagya und
intensives Sehnen nach Gott, vermehren das Bhava.
380. Mit dem Ansteigen von Bhava werden die Ergebnisse
von Japa grenzenlos.
381. Dem Bemühen um Selbsterkenntnis oder Selbstverwirklichung
muß die Sehnsucht danach vorausgehen, die das Ergebnis von Entsagung
und Unterscheidung ist.
382. Demut ist dein Führer. Demut ist dein
Lehrer.
383. Habe einen ausgewogenen Geist, der ständig
von Weisheit und immerwährender Unterscheidung zwischen dem Richtigen
und dem Falschen durchdrungen ist.
384. Entwickle heitere Gelassenheit, Stille und
kosmische Liebe.
385. Übe Wahrheit, kosmische Liebe, Reinheit
und Demut. Meditiere regelmäßig, intensiv und ernsthaft. Du
wirst strahlende Intuition und glühende Erfahrungen haben.
386. Sei fromm. Iß ein wenig. Schlaf ein wenig.
Sprich ein wenig. Sei tugendhaft. Meditiere intensiv. Du wirst Gottverwirklichung
erlangen.
387. Reinheit des Herzens ist der Schlüssel,
mit dem die Tür der Intuition geöffnet wird, die zum Ort höchster
Wonne führt.
388. Dein Glaube sei ernsthaft und beständig.
Du wirst in der Spiritualität wachsen.
389. Bemühe dich ohne Unterlaß. Strebe
aufrichtig. Praktiziere regelmäßig. Diene unermüdlich.
Meditiere intensiv. Dann erreichst du rasch das Ziel.
390. Wünsche nichts. Brauche nichts. Ersehne
nichts. Erhoffe nichts. Erwarte nichts. Dann bist du gesegnet. Dann bist
du der König der Könige. Dann erlangst du Vollendung.
391. Meditation, Gebet und einpünktige Hingabe
helfen, die Vision von Gott, Seiner Schönheit, Großartigkeit
und Erhabenheit zu haben.
392. Ständiges Wiederholen von Gottes Namen,
geistig und verbal, und Meditation über Ihn und Seine Attribute führen
zur Erlangung von Gottverwirklichung.
393. Verliere jede Vorstellung von Dualität
in der erhabenen Erfahrung der Liebe.
394. Halte das Wandern des Geistes durch Leidenschaftslosigkeit,
Unterscheidung und Meditation an.
395. Wiederhole immer geistig: Prem, Ananda, Shanti.
Alle schlechten negativen Gedanken werden sterben.
396. Du wirst von Sinnesobjekten in Versuchung geführt,
gestört und verunreinigt. Das einzige Heilmittel ist Meditation über
den Herrn mit einem leidenschaftslosen Herz.
397. Kreuzige das Fleisch. Führe das göttliche
Leben. Verwirkliche Atman, die Seele.
398. Die Straße zum Sitz Gottes ist lange
und mühsam. Es gibt keine Abkürzung oder königlichen Weg.
399. Jeder muß sich denselben Disziplinen
unterwerfen. Jeder muß den Geist durch selbstloses Dienen für
die Menschen und Wiederholen des Namens des Herrn reinigen.
400. Gehorsam, Pünktlichkeit und Sauberkeit
sind die drei Bestandteile der Disziplin.
401. Erhebe dich, sei kühn, sei frohgemut.
Sei stark. Vertraue auf dein Selbst. Schöpfe Kraft und Stärke
von innen.
Geheimnis
des Erfolges im Sadhana
402. Ernsthaftigkeit und Regelmäßigkeit
im Sadhana sind die Geheimnisse des Erfolges auf dem spirituellen Weg.
403. Sadhana ist ohne Brahmacharya unmöglich.
404. Der Suchende, der sorglos das höchstwichtige
Yama, Selbstbeherrschung, vernachlässigt, macht niemals Fortschritte
im spirituellem Leben.
405. Brahmacharya findet seinen Ausdruck in vollkommener
Reinheit in Gedanke, Wort und Tat.
406. Jeder Gedanke, jedes Gefühl und jede Empfindung
des Suchenden muß so rein sein wie ein Kristall.
407. Der Charakter des Suchenden muß makellos
sein.
408. Nicht einmal die leisestes Spur von Sinnlichkeit
darf das Wesen des Brahmachari beflecken.
409. Der Suchende muß inspiriert sein von
einer positiven Leidenschaft für Reinheit.
410. Es muß der brennende Wunsch vorhanden
sein, makellos rein zu sein.
411. Der Gedanke an Lust muß vollständig
gescheut werden.
412. Das muß der Standard sein, den der Suchende
anstreben muß.
413. Ruhm und Großartigkeit des Ideals von
Brahmacharya darf nie aus den Augen verloren werden.
414. Absolute Reinheit ist die wesentliche Eigenschaft
von Göttlichkeit.
415. Ein wahrer Brahmachari ist in der Tat ein Gott
auf Erden.
416. Wenn alle Unreinheiten des Geistes vernichtet
sind, dämmert Selbsterkenntnis.
417. Sei überlegt und vorsichtig in der Zügelung
des Geistes. Identifiziere dich nicht mit schlechten Vrittis.
418. Öffne dich dem Göttlichen in dir.
Das ist eine wesentliche Bedingung für göttlicher Vollendung.
419. Das Leben eines Suchenden ist ein lange Serie
von Entsagung und täglichem Opfer.
420. Er lebt, um anderen zu dienen und sie glücklich
zu machen.
421. Die Tür zu Unsterblichkeit steht dem Menschen
offen, der über Leidenschaftslosigkeit, Unterscheidung und Frömmigkeit
verfügt und regelmäßig und ausdauernd meditiert.
422. Wer bescheiden und verzeihend ist, wer seine
Sinne beherrscht, und wer allezeit an den Herrn denkt, geht in die Region
höchsten Friedens.
423. Wer aufrichtig, geduldig, ausdauernd und ernsthaft
ist, wird große Fortschritte auf dem spirituellen Weg machen.
Besiege
Versuchungen
424. Versuchungen fallen auch über einen sehr
fortgeschrittenen Suchenden her. Entwickle jetzt mehr Leidenschaftslosigkeit
und mache intensiver Sadhana.
425. Jede Versuchung ist ein Test deiner spirituellen
Kraft.
426. Jede Schwierigkeit ist ein Test deines Glaubens
an Gott.
427. Jede Krankheit ist eine karmische Läuterung.
428. Ein undisziplinierter Mensch, der in der Höhle
lebt, baut Luftschlösser, sammelt Wolle und errichtet einen Basar
im Geist.
429. Es ist sinnlos, in Wälder oder Höhlen
zu gehen, bevor man nicht für die niedere Natur gestorben ist.
430. Ehrgeiz und Sehnsüchte, die unterdrückt
oder aufgrund von Sorgen und verschiedenen Freuden des Lebens vergessen
worden sind, erheben in der Stille und Zurückgezogenheit ihren Kopf.
431. Es kommt zu einer furchtbaren Revolte der inneren
niederen Kräfte, sobald sich der Suchende in absolute Abgeschiedenheit
in den Wald zurückzieht.
432. Verlockung führt auch den fortgeschrittenen
Yogi in Versuchung, aber er ist durch die Gnade des Herrn und die Kraft
seiner guten Samskaras geschützt.
433. Bringe den Geist unter vollkommene Kontrolle.
Mache ihn zum perfekten Instrument zur Aufnahme und zum Ausdruck der höchsten
spirituellen Erfahrung.
434. In dieser Welt der Sinnesverlangen herrscht
Maya. Aber die Gnade des Herrn, die Kraft der Meditation, Frömmigkeit,
Unterscheidung und Leidenschaftslosigkeit sind stärker.
435. Mut, Stärke, Durchhaltevermögen -
das sind die Gefährten von Entschlossenheit.
436. Wer sich gut kennt, fühlt sich nicht beglückt,
wenn er gelobt wird.
437. Wenn in der Meditation Versuchungen über
dich herfallen, wird deine führende Gottheit einen schützenden
Kreis um dich legen. Fürchte nichts. Sei kühn. Schreite heldenhaft
voran. Habe Vertrauen.
438. In der Meditation muß eine riesige Leere
und eine Region von Dunkelheit durchquert werden. Habe keine Angst. Du
erhältst strahlendes Licht durch die Gnade des Herrn. Sei geduldig.
Mache weiter.
439. Elementarkräfte werden dir in der Meditation
durch die Macht von Maya Schaden zuzufügen versuchen. Gott gibt dir
die Kraft, alle Hindernisse zu überwinden. Bleibe fest. Sei eisern.
Der Sieg ist dein.
440. Ein Eisenbett wird dir zum Rosenbett. Die feindlichen
Elemente verwandeln sich in Blumen. Du brauchst nur absoluten Glauben
an Gott.
441. Du wirst von innen angegriffen durch die Projektion
dunkler Gedanken aus dem unterbewußten Geist.
442. Dunkle Gedanken nehmen diverse schreckliche
Formen an. Sie erschrecken dich. Niedrige Astralwesen jagen dir Angst
ein. Aber sie gehen durch die Gnade Gottes und die Kraft deiner Meditation
zugrunde.
443. Du wirst geprüft, ob du frei bist von
Furcht, Ehrgeiz und Leidenschaft.
444. Auch hohe himmlische Kräfte werden dich
in Versuchung führen. Erliege ihnen nicht.
445. Schöne, himmlische Maiden werden vor dir
erscheinen. Sie werden singen, tanzen und lächeln. Sie werden versuchen,
dich zu verführen. Vorsicht!
446. Sei leidenschaftslos. Spüre ihre Unreinheiten,
ihre Hohlheit, Unvollkommenheit und Unbeständigkeit auf. Benutze
das Schwert der Unterscheidung und die Axt der Leidenschaftslosigkeit.
Meditiere
und verwirkliche
447. Sei wahrhaftig. Meditiere. Bemühe dich.
Erreiche das Ziel der Vollendung.
448. Ziehe dich in die Abgeschiedenheit zurück.
Löse dich von Äußerlichkeiten. Meditiere über das
Selbst. Verankere dich im höchsten Wesen.
449. Das unbezahlbare Juwel des Atma liegt in den
Tiefen deines Herzens verborgen. Verwirkliche diesen Atma und sei glücklich.
450. Ergreife dieses Juwel, indem du in tiefer Meditation
tief in die Winkel deines Herzens tauchst.
451. Tauche tief ein in das Innerste deines Herzens
und koste die göttliche Essenz.
452. Streiche durch Meditation über das Selbst,
den Atman, die Welt aus deinem Geist.
453. Verneine den Körper und identifiziere
dich mit dem alldurchdringenden, unsterblichen, furchtlosen Atman.
454. Identifiziere dich mit allem Lebendigen. Das
führt zu kosmischem Bewußtsein, Visvarupa-Darshan und advaitischer
Verwirklichung.
455. Wenn du unsterblich werden möchtest, zerstöre
das persönliche Bewußtsein.
456. Zerschmettere das Ego. Löse den Geist
auf. Zerreiße das Übel der Unwissenheit. Werde eins mit Brahman,
dem Absoluten.
457. Die Verwirklichung der Einheit des Seins entwurzelt
Selbstsucht und Ichdenken, und du beginnst zu fühlen, daß dein
Atman der Atman aller ist.
458. Verehre den Atman durch Meditation über
Soham - „Ich bin Er“, durch Darbringen der Blumen von Frieden, Nächstenliebe,
Nachsicht, Demut, Unterscheidung und Leidenschaftslosigkeit und durch
das Opfern der Bestien von Lust und Ärger.
459. Verwirklichung ist das Erwachen zu deiner wahren
göttlichen Natur.
460. Wenn alle Gedanken aufhören, enthüllt
sich der Atman.
461. Du findest dauerhaften Frieden in deinem Atman.
462. Das ist wahre Unabhängigkeit, wenn du
erkennst „Ich bin das höchstes Bewußtsein, das einzig und allein
existiert.“
463. Der Weg zu Kaivalya Moksha liegt in der Praxis
von selbstlosem Dienen, Frömmigkeit und Meditation über den
unsterblichen Atma.
464. Selbstloses Dienen und Frömmigkeit reiben
das Ego an allen Seiten ab und zerstören es.
465. Zerstörung des Ego ist Verwirklichung
von Bewußtsein.
Der
ideale spirituelle Sucher
466. Der Suchende, der Unterscheidung und Leidenschaftslosigkeit
besitzt, zügelt die nach außen gehenden Tendenzen des Geistes,
unterwirft die ungestümen Sinne und gelangt zum Ort unsterblicher
Wonne.
467. Wer nach Wahrheit oder Befreiung sucht, muß
absoluten Glauben an seinen Lehrer und die Upanishaden haben.
468. Wer standhaft, rein und frei von Leidenschaft
ist, nimmt das höchste Brahman durch Weisheit und Buße wahr.
469. Gewalt, in jeglicher Form, ist dem spirituellen
Sucher unter keinen Umständen gestattet, zu keiner Zeit, an keinem
Ort und aus keinerlei Grund.
470. Oh, Suchender, zische nicht einmal. Die natürliche
Tendenz des Geistes geht nach unten. Sei mild. Sei freundlich. Sei immer
sanft.
471. Selbstbeherrschung und ein reiner Charakter
sind die ersten wesentlichen Punkte für Fortschritt im Yoga oder
im spirituellen Leben.
472. Vollkommen wahrhaftig zu sein ist die wichtigste
Voraussetzung für einen Yogi oder Sadhaka.
473. Nicht ein teilweises, sondern ein vollkommen
umfassendes Festhalten an der Wahrheit ist das erste Element, um die Grundlage
für das Leben eines Sadhaka zu errichten.
474. Um die Wahrheit zu verwirklichen, muß
man in der Wahrheit leben. Man muß tatsächlich zur Gestalt
der Wahrheit heranwachsen.
475. Ein Suchender muß göttliche Tugenden
entwickeln, wie heitere Gelassenheit, Mitgefühl, usw., um im spirituellen
Leben erfolgreich zu sein.
476. Sei einfach. Sei rein. Sei wie ein Kind. Geh
und sprich mit dem Herrn.
477. Es ist sehr schwierig, einen Suchenden zu finden,
der an nichts anderem interessiert ist als an der letztendlichen Befreiung,
und der die ganze Welt und das, was sie enthält, bloß als trockenes
Stroh behandelt, und der unaufhörlich darüber meditiert, wie
er Erlösung von der verkörperten Existenz erlangt.
478. Iß alles, was dir vorgesetzt wird. Lebe
unter allen Lebensbedingungen. Bete und meditiere. Strebe und sei leidenschaftslos.
Nur dann öffnest du dich für die Ströme der spirituellen
Flut der transzendentalen Göttlichkeit.
Licht
auf Sadhana
479. Sadhana ist bewußt gestaltetes spirituelles
Handeln.
480. Sadhana ist der Prozeß der Umwandlung
der unvollkommenen, begrenzten menschlichen Persönlichkeit zur ursprünglichen
unbegrenzten Pracht vollkommener Göttlichkeit.
481. Sadhana ist das Geheimnis des Erfolges auf
dem spirituellen Weg.
482. Beherrschung der Leidenschaft ist die Essenz
von Wahrheit und spirituellem Sadhana.
483. Fühle den spirituellen Anstoß, bevor
du ein Leben des Sadhana beginnst.
484. Sitze an einem einsamen Ort. Ziehe die Sinne
zurück, zügle das niedere Selbst, zentriere dich in Atma, und
trage so den spirituellen Sieg davon.
485. Denke konstant an das unsterbliche höchst
wonnevolle Selbst. Du wirst das Ziel schnell und sicher erreichen.
486. Je mehr du dich von der Welt löst, desto
mehr Freude und Wonne wirst du im Atma im Inneren erfahren.
487. Je mehr dein Herz von weltlichen Inhalten geleert
ist, desto größer wird der Wunsch sein, Gott zu lieben.
488. Lerne unterscheiden. Bemühe dich glühend.
Denke ohne Unterlaß an den Herrn. Dies führt zu rascher Gottverwirklichung.
489. Starke und brennende Entschlossenheit, ein
fester Vorsatz, intensives Engagement, Zähigkeit, Geduld und Ausdauer
bringen zuversichtlichen Erfolg in jeder Unternehmung, einschließlich
der spirituellen Entwicklung.
490. Lernen ist das eine, und praktische Verwirklichung
ist das andere.
491. Fürchte nicht die Stimme des Geistes,
sondern höre die Stimme der höchsten Seele in der Stille, in
Meditation.
492. Askese ist ein Mittel zur Erleuchtung, da sie
den Geist für die Meditation vorbereitet.
493. Körperliche Quälerei alleine, ohne
Beruhigen der Leidenschaften und Disziplinieren des Geistes, kann nicht
zur Erleuchtung führen.
494. Im Sommer in der Sonne zu stehen und im Winter
im Wasser, ist dummes Titiksha der Törichten.
495. So wie es nicht die Schlage tötet, die
darin ist, wenn man in einen Ameisenhügel schlägt, so kann auch
keine noch so große körperliche Quälerei den Geist im
Inneren töten.
496. Tapas ist Konzentration und Meditation.
497. Konzentriere deine ganze Kraft darauf, alle
Sinnesobjekte aus den Geist zu vertreiben.
498. Opfere Egoismus wie eine Ziege und Zorn wie
einen Büffel.
499. Das orange Gewand anzuziehen, sich mit Asche
zu beschmieren, das Haupt zu rasieren, Rosenkränze umzulegen und
Kamandalu und einen Yoga Danda zu tragen, kann niemanden zum Yogi, Sannyasin
oder Heiligen machen.
500. Der erste möglich Schritt zu intensivem
spirituellem Sadhana ist der richtige Entschluß.
501. Wenn dies getan ist, muß unmittelbar
mit dem nächsten Schritt, dem richtige Bemühen begonnen werden.
502. Die Sinne zu zügeln, die Wahrheit zu sprechen
und jeden so zu lieben wie sich selbst, ist die Essenz von Sadhana.
503. Leidenschaftslos und rein zu sein in Gedanke,
Wort und Tat, zufrieden und frohgemut, nicht getäuscht und stets
wachsam zu sein und unaufhörlich an Gott zu denken, ist die Essenz
von Sadhana.
504. „Disziplin“ und „Fortschritt“ sind die Parolen
von Yoga-Vedanta.
505. Denke richtig, sprich die Wahrheit und handle
rechtschaffen. Dann erreichst du das Königreich immerwährenden
Friedens.
506. Gemeinsames Sadhana bringt die Kraft aller
zur Hilfe jedes einzelnen.
507. Nimm Zuflucht zu dem, was dich zur Höhe
von Göttlichkeit erhebt.
508. Nähre und schütze die spirituelle
Pflanze sorgfältig. Dies wird dir die Furcht der Unsterblichkeit
tragen.
509. Nachsicht gegenüber den inneren niederen
Tendenzen bringt dich in das Land des Leidens.
510. Entschuldigungen sind in dieser Hinsicht keinerlei
Hilfe.
511. Habe stets die Großartigkeit der Selbstverwirklichung
und ihre grenzenlose Herrlichkeit im Geist.
512. Parallel dazu denke an die Übel des weltlichen
Lebens.
513. Gib alles auf, was dich an die Erde bindet.
514. Weltliche Gespräche sind ein großes
Hindernis für den spirituellen Fortschritt.
515. Luxus ist ein Hindernis, wenn das Selbst knospen
oder sich entfalten soll.
516. Speisen wie Fleisch, Fisch, Wein, etc., die
die Tendenz haben, das Wesen des Menschen grob und untermenschlich zu
machen, sind ein Feind des spirituellen Wachstums.
517. Oh Korb voll Eitelkeit, wirf deine Bildung
weg. Negiere deine Individualität. Verleugne dein Getrenntsein. Lösche
dein Ego aus.
518. Der Vielfraß, der Geschwätzige,
der Sinnenmensch, der Träge und der Nachlässige können
nicht zur Erkenntnis des Ewigen gelangen.
519. Vairagya, die nur auf einem Mißerfolg
im Leben oder auf dem Tod von Angehörigen begründet ist, hilft
nicht dabei, spirituellen Fortschritt zu erlangen.
520. Japa, das Wiederholen von Gottes Namen, und
Meditation über den Herrn helfen dem Geist, nichts anderes als den
Gedanken an Gott in sich zu enthalten.
521. Japa und Meditation vertreiben alle Gedanken
an Objekte aus dem Geist und verankern ihn in dem einen Gedanken an Gott.
522. Der Strebende gibt alle Gedanken an Objekte,
die etwas anderes als Gott sind, auf und vergißt seine eigene Existenz.
523. Der Jnani sieht das eine Selbst in allem; der
Bhakta visualisiert seine Schutzgottheit in allem; und der Karma Yogi
oder Raja Yogi erkennt eines von beiden als Basis des Sadhana an.
524. Friede wird durch Disziplin, geistige Ausgewogenheit
und Einsicht erreicht.
525. Alle Wege führen zum selben Ziel.
526. Die Wege der Selbstverwirklichung unterscheiden
sich je nach Temperament, Tendenzen und Fähigkeiten des Individuums.
527. Verschiedene Phasen geistiger Entwicklung und
unterschiedliche Grade spiritueller Evolution erfordern natürlich
verschiedene Phasen von religiösem Denken und religiöser Praxis.
Rat
für Suchende
528. Schreite voran, Oh spiritueller Held! Oh göttlicher
Soldat! Deine Schritte seien entschlossen, dein Vorsatz fest, deine Sicht
ungehemmt.
529. Verzweifle nicht. Sei mutig. Denke und fühle,
daß du nicht der vergängliche Körper bist, sondern der
unsterbliche Atma, das Selbst.
530. Das Göttliche in dir ist stärker
und dir näher als alles andere.
531. Erwache! Fühle die lebendige Gegenwart
Gottes in dir und um dich herum.
532. Deine Begrenzungen und Leiden sind nichts anderes
als Zufälle. Sie gehören in keiner Weise deiner eigentlichen
göttlichen Natur an.
533. Sei stark wie Bhima. Sei so rein wie der Schnee
des Himalaya. Sei so geduldig wie Mutter Erde.
534. Sei geduldig. Halte durch. Tue dein Bestes
und überlasse den Rest dem Herrn. Vertraue auf Ihn. Bete. Er wird
sich um dich kümmern.
535. Der spirituelle Weg wird leicht zu beschreiten,
sobald du Fortschritte machst.
536. Beobachte und bete. Gehe im Licht.
537. Sei wachsam. Sei überlegt.
538. Beginne dein spirituelles Leben ganz ernsthaft
jetzt in diesem Moment. Beginne sofort. Konzentriere dich und meditiere.
539. Bewahre all deine Energien. Setze alle Energien
für einen höheren Zweck, für eine spirituelle Absicht,
frei.
540. Verliebe dich nicht körperlich in jemanden.
541. Meditiere und schaffe innere Stille.
542. Wer auch nur ein Quentchen Lust, Stolz und
Selbstsucht hat, kann das Reich Gottes nicht erreichen.
543. Arbeite an deiner Errettung. Niemand kann dich
retten. Du mußt dich selbst retten.
544. Ein gut disziplinierter Geist tut dir den allergrößten
Dienst.
545. Nur durch Leben in Reinheit, Enthaltsamkeit,
Wahrhaftigkeit, Gewaltlosigkeit und Mäßigung wird man genügend
vorbereitet, um den Weg der spirituellen Verwirklihung zu gehen.
546. Niemand kann dich von Geburt und Tod befreien.
Du mußt Erlösung durch deine eigene Anstrengung erreichen.
547. Mache die göttliche Flamme noch heller
durch regelmäßiges Sadhana, Gesellschaft mit Weisen, Studium
religiöser Schriften und Meditation über Atma.
548. Bereits ein wenig spirituelles Sadhana bringt
Frieden und Wonne.
549. In dir befindet sich der Lehrer der Lehrer.
Wenn du die Gedanken und blubbernden Gefühle zum Schweigen bringst
und genau auf diesen inneren Lehrer hörst, wird Er dich lehren und
zum Ziel führen.
550. Wer rein und wahrhaftig ist, kann die innere
Stimme hören.
551. Bedingt durch einen unsteten Geist versinkt
die innere Stimme meistens im Lärm und Getöse des weltlichen
Lebens. Reinige. Konzentriere dich. Meditiere. Beruhige die Sinne. Höre
die innere Stimme. Schreite auf dem spirituellen Weg voran.
552. Sei immer positiv.
553. Fürchte nichts. Du bist der unsterbliche
Atman. Sei in Frieden.
554. Was du morgen tun mußt, tue es heute,
was du heute tun mußt, tue es noch in dieser Minute.
555. Du bist Brahman! Du besitzt unendliche Kraft.
Meditiere und verwirkliche dies.
Selbstverwirklichung
556. Erwache Freund! Wirf die Unwissenheit ab.
Der Tod befindet sich ständig neben deinem Kopf.
557. Erwache! Erhebe dich! Schlafe nicht mehr. Verwirkliche
das Wahrheitsbewußtsein.
558. Bemühe dich und schöpfe Kraft von
innen. Wachse. Dehne dich aus. Entwickle dich.
559. Fürchte nichts, habe Vertrauen. Meditiere.
Du wirst mit Sicherheit das Ziel erreichen.
560. Bemühe dich. Erkenne das Selbst. Erlange
deine verlorene Göttlichkeit wieder. Erwirb das Wissen von der Wirklichkeit.
561. Lasse die spirituelle Flamme in dir stetig
brennen.
562. Schreite mutig voran. Gib Versuchungen nicht
nach.
563. Es gibt nur einen Weg, nämlich den Weg
der Wahrheit.
564. Es gibt keinen einfachen Weg zu spirituellem
Erfolg.
565. Du mußt viel opfern, um ewige Wonne zu
erlangen.
566. Du mußt große Verluste erleiden,
um den unerschöpflichen spirituellen Schatz zu erreichen.
567. Schöpfe Mut und spirituelle Kraft aus
dem inneren Atman durch Meditation.
568. Werde zum Herrn über die Sinne. Führe
ein ausgewogenes Leben von Materie, Geist und Seele und finde das Selbst.
569. Marschiere mutig mit Sraddha und Vairagya und
meditiere beständig über den Atman. Du wirst Selbstverwirklichung
erreichen.
570. Das Licht der Lichter ist in deinem Herzen.
Verwirkliche es und sei frei.
571. Strebe intensiv. Sei vorsichtig, aber mutig.
572. Übe Selbstbeherrschung, Selbstlosigkeit.
Dann erfährst du spirituelles Bewußtsein und Erleuchtung.
573. Habe keine Angst. Gib Wünsche auf. Verschwende
nicht eine Minute. Vertraue auf Gott.
574. Reinige den Geist. Meditiere über den
Bewohner deines Herzens. Das ist der einzige Weg, um glücklich und
frei von Leiden zu sein.
Der
Weg zu Kaivalya
575. Identifiziere dich mit dem endlichen Körper;
dann wirst du sterblich. Identifiziere dich mit dem unendlichen Brahman;
so wirst du unsterblich.
576. Ziehe dich zurück und werde weit. Löse
dich und binde dich.
577. Kleide dich in Zufriedenheit und benutze das
Kissen der Gelassenheit, um friedvoll zu ruhen.
578. Opfere das Räucherwerk der Unterscheidung.
Gieße das Öl der Leidenschaftslosigkeit ein. Entzünde
die Lampe der Erkenntnis.
579. Wende das Kollyrium der Unterscheidung an.
Du wirst eine neue und großherzige Sicht haben.
580. Nimm den Geist vom Körper weg und hefte
ihn auf Atma. Dann empfindest du weder Hitze noch Kälte. Das gibt
dir wahres Titiksha, Ausdauerfähigkeit.
581. Unterscheide zwischen richtig und falsch und
beschreite den positiven Weg.
582. Habe folgende geistige Einstellung: „Vielleicht
lasse ich mein Leben, aber ich werde nicht vom spirituellen Weg abweichen.
Ich werde mein Gelübde nicht brechen.“
583. Mache keine Pläne. Nur weltliche Menschen
planen; nur wer materiell weiterkommen muß, muß planen.
584. Du bist göttlich, lebe danach. Fühle
und verwirkliche dein göttliches Wesen.
585. Erkenne das erhaben strahlende Wesen. Überquere
die Dunkelheit der Unwissenheit und gehe über den Tod hinaus.
586. Übe Selbstlosigkeit. Praktiziere Selbstaufopferung.
Mache Selbsthingabe. Übe Selbstverleugnung. Habe Selbstbeherrschung.
Übe Selbstanalyse. Habe Selbstreinigung. So erlangst du Selbstverwirklichung.
587. Selbstlosigkeit macht das Herz weit, tötet
Verhaftung an Dinge, hält das Ego im Zaum und zieht die Gnade Gottes
an.
588. Selbsthingabe und höchste Liebe zum Herrn
sind die Schuhe, die den Suchenden vor den Dornen und Steinen bewahren,
die auf dem Weg liegen.
589. Egolosigkeit, Bescheidenheit und Reinheit sind
die schattigen fruchttragenden Bäume, die den Weg säumen und
dem Pilger die Mühsal der spirituellen Reise erleichtern.
590. Der Weg ist steil, aber der wahre ernsthafte
spirituelle Sucher läßt sich nicht entmutigen. Er erfährt
die göttliche Gnade auf Schritt und Tritt.
591. Erkenne die Quelle allen Wissens. In der Stille
der Vereinigung lausche der Stimme der Seele. Fühle das Strahlen
der Weisheit aus tiefstem Herzen.
592. Der Herr ist in dir. Festige deinen Entschluß.
Werde eins mit dem Ewigen.
593. Klopfe innen an; erreiche das Ziel des Lebens.
594. Ohne von der Unwirklichkeit und Wertlosigkeit
des irdischen Lebens überzeugt zu sein, ohne glühende Leidenschaftslosigkeit
und ohne Selbstbeherrschung bringt es keinen Nutzen, wenn man den spirituellen
Weg einschlägt.
595. Selbstverwirklichung ist das höchste Ziel.596.
Sei ruhig. Sei still. Schweige. Verwirkliche den Atman, das Selbst.
597. Es gibt kein Monopol, kein Copyright und kein
„Alle Rechte vorbehalten“ auf Gott und die göttliche Weisheit. Jeder
dürstende Sucher kann sich des Aiswarya oder der Vibhutis des Herrn
erfreuen. Er kann sicher in Ihm ruhen.
598. In deinem Wesen bist du unsterblich. Erwirb
die Voraussetzungen für den Weg.
599. Sich selbst erkennen heißt alles erkennen.
600. Strebe nach Vollendung. Schlage dich tapfer
im Kampf des Lebens.
601. Lebe weise. Suche innen. Habe eine intensive
Absicht.
602. Erklimme die Spitze der Vollendung. Dort kann
Selbstverwirklichung erlangt werden.
603. Göttliche Erleuchtung und Einssein mit
Gott sind Ende und Ziel des spirituellen Weges.
604. Wenn sich der Schleier der Unwissenheit in
der Meditation oder in Samadhi hebt, löst sich das individuelle Selbst
in der überwältigenden Herrlichkeit des einen wahren Lichts
des höchsten Selbst auf.
605. Die Welt wird dir begierig lauschen, wenn du
göttliche Erkenntnis und spirituelle Kraft besitzt; die Welt wird
dir folgen und gehorchen; die Welt wird sich vertrauensvoll nach deiner
Botschaft richten; und die Menschen werden den königlichen Weg zu
Frieden, Wonne und Wohlergehen finden.
606. Übe Zurückgezogenheit, stille Meditation
und Frömmigkeit mit eiserner Entschlossenheit und der Zähigkeit
einer Klette. Bald erreichst du Selbstverwirklichung.
607. Der Geist des Pandit wurde durch seine lebenslange
Beschäftigung mit den Schriften sicherlich bis zu einem gewissen
Grad gereinigt. Er hätte aber mehr davon gehabt, wenn er sich selbst
das gepredigt hätte, was er gelesen und worüber er gesprochen
hat, und wenn er intensives Sadhana gemacht hätte.
Fortschritt
auf dem Weg
608. Übe Entsagung. Mache dich mit Fleiß
und Ernsthaftigkeit an die spirituellen Praktiken. Dann erlangst du Moksha,
die letztendliche Befreiung.
609. Schule Beobachtung, Gedanke, Gedächtnis
und Willen. Meditiere regelmäßig. Dann bist du in Harmonie
mit dem Universum.
610. Erfahrung und subtiler Kontakt mit Wesen der
Feuerwelt ist ein sehr guter Hinweis darauf, daß ein innerer Fortschritt
gemacht wurde. Es läßt auf den Anstieg zu einer höheren
Stufe der Reinheit schließen.
611. Visionen sind in der Tat sehr gute und ermutigende
Zeichen. Bete zum Herrn und bringe die aufrichtige Dankbarkeit deines
Herzens für die Gnade, die dir zuteil wurde, zum Ausdruck.
612. Die meisten Träume sind symbolisch. Das
Überqueren eines Flusses zum Beispiel bedeutet das Überwinden
von Hindernissen auf dem Yogaweg.
613. Keine Seele kann ohne Bemühung, Entsagung,
Unterscheidung, Leidenschaftslosigkeit und Meditation wachsen.
614. Durch Zügeln der Sinne, durch Beseitigung
von Zu- und Abneigungen, durch Ausdehnen des Mitgefühls auf alle
Geschöpfe und durch Meditation kann Unsterblichkeit erreicht werden.
615. Frömmigkeit, Freisein von Unwissenheit
und Wünschen, die Gnade Gottes, Weisheit, Selbstlosigkeit und Dienen
machen dich Gott ähnlich.
616. Unterscheidung, Leidenschaftslosigkeit und
Disziplin sind die drei spirituellen Edelsteine.
617. Selbstsucht, Stolz und Heuchelei sind die größten
Hindernisse auf dem spirituellen Weg.
618. Göttliche Weisheit kann nur von Menschen
erreicht werden, die mutig, geduldig, ausdauernd, zäh und standhaft
sind, die regelmäßig meditieren, und deren Augen auf das angestrebte
Ziel gerichtet sind.
619. Der Suchende muß eine harmonische und
glückliche Ausgewogenheit von Sadhana und Seva bewahren.
620. Wenn Brahmavidya an Menschen weitergegeben
wird, die ein reines Herz haben, in den Schriften bewandert sind, intensiv
nach Brahman streben, Glauben und Frömmigkeit besitzen und gewissenhaft
ihre Pflichten erfüllen, wird es fruchtbringend.
621. Atma Vichara, das Fragen nach dem Selbst, ist
die beste und höchste Form von Sadhana.
622. Spirituelles Feuer wird aus den beiden Hölzern
von Körper und Pranava geschlagen.
623. Deine Kraft liege in der Stille und im Vertrauen.
624. Den Herrn auch nur ein einziges Mal in der
Meditation zu sehen, den göttlichen Namen des Herrn auch nur ein
einziges Mal mit Bhav auszusprechen, hat mit Sicherheit einen ungeheuren
verwandelnden Einfluß auf die Seele.
625. Das göttliche Wesen ist Vollendung. Dem
göttlichen Wesen am nächsten zu sein, heißt der Vollendung
am nächsten zu sein. Du bist hier und jetzt frei. Du bist dir dessen
aufgrund von Unwissenheit, der Kraft Mayas, nur nicht bewußt.
Sadhana
- der einzige Sinn des Lebens
626. Sadhana ist der größte Reichtum.
Es ist das einzige mit wahrem und dauerhaftem Wert. Butter ist in der
Milch, aber sie kommt erst durch das Aufschlagen zum Vorschein. Genauso,
wenn du Gott verwirklichen möchtest, mache Sadhana und verehre Ihn
ständig mit dem rechten Ernst.
627. Egal welche spirituelle Praxis du machst, Japa,
die Praxis von Asanas, Meditation oder Pranayama, mache es systematisch
und regelmäßig jeden Tag. Du wirst Unsterblichkeit und ewige
Wonne erlangen.
628. Wenn man das Sadhana intensiv, fleißig
und mit Ausdauer macht, und wenn man regelmäßig, systematisch
und pünktlich im Sadhana ist, wird man erfolgreich sein.
629. Sei mit dem zufrieden, was ungefragt auf dich
zukommt, und widme dich deinem Sadhana mit leidenschaftslosem Geist.
630. Regelmäßigkeit im Sadhana ist von
allergrößter Bedeutung. Wer regelmäßig meditiert,
kommt rasch zu Samadhi. Wer unregelmäßig ist und seine Dinge
nur ab und an macht, kann die Früchte seiner Bemühungen nicht
ernten.
631. Halte den Geist stets mit Japa, Konzentration,
Meditation, Studium religiöser Bücher und Satsang beschäftigt
oder damit, daß du etwas Nützliches für andere tust.
632. Kleine tugendhafte Handlungen und kleine Handlungen
von Reinheit helfen sehr im Sadhana. Die Beseitigung von Vrittis und Unreinheiten
ist das wichtigste Sadhana. Der umherwandernde Geist muß dadurch
beherrscht werden, daß man an einem Ort bleibt, bei einem Lehrer
und bei einer progressiven Sadhanamethode.
633. Der Sadhaka, der den Geist durch die Praxis
von Sama und Dama nach innen gewandt hat, und der sich intensiv nach Befreiung
sehnt, sieht das Selbst in seinem Selbst durch ständige und tiefe
Meditation.
634. Durch deine spirituelle Kraft kannst du die
ganze Welt bewegen.
635. Ein spirituelles Tagebuch ist eine Peitsche,
die den Geist zur Rechtschaffenheit treibt.
636. Selbstsucht verzögert den spirituellen
Fortschritt. Wenn ein Mensch seine Selbstsucht zerstören kann, ist
bereits die Hälfte seines spirituellen Sadhana gemacht.
637. Stehe um 4.00 auf und beginne zuerst mit Meditation.
Zu Beginn habe konkrete Meditation. Fühle die innewohnende Gegenwart
in der Form und meditiere über die Attribute - Reinheit, Vollendung,
allerfüllende Intelligenz, Wonne, absolute Allmacht, usw. Wenn der
Geist immer wieder wegläuft, bringe ihn an den Punkt. Setze dich
abends noch einmal zur Meditation. Sei regelmäßig in der Praxis.
Konzentration
und Meditation
638. Meditation schließt weltliche Gedanken
aus, steigert Sattva, gibt gute Gesundheit, macht göttlich,
tötet Schmerzen und Sorgen, zerstört Wiedergeburt und gibt Frieden
und Wonne.
639. Die letztendliche Wahrheit, Brahman, kann durch
die regelmäßige Praxis von Meditation mit reinem Herzen von
jedem erfahren werden. Meditation über das unsterbliche Selbst wirkt
wie Dynamit und bringt alle Gedanken und Erinnerungen im Unterbewußtsein
zum Explodieren.
640. So wie Kupfer im alchemistischen Prozeß
in Gold verwandelt wird, so wird auch der sinnliche Geist durch den Prozeß
der Meditation in reinen Geist verwandelt. Regelmäßige Meditation
öffnet die Bahnen der intuitiven Erkenntnis, macht den Geist ruhig
und stetig, läßt ein Gefühl von Ekstase entstehen und
bringt den Suchenden in Kontakt mit der Quelle des höchsten Purusha.
So wie das Mark aus dem Gras gewonnen wird und die Butter aus der Milch,
so gewinne die Essenz Brahmans durch das Aufwühlen in der Meditation.
641. Meditation ist die einzige Möglichkeit,
um sich weltlichen Unglücks und weltlicher Leiden zu entledigen.
Es werden göttliche Tugenden entwickelt, und im Geist wird durch
regelmäßige Meditation eine spirituelle Straße errichtet.
Der Geist bleibt stets klar, wenn er durch regelmäßige Meditationspraxis
poliert wird.
642. Es bringt keinen Nutzen, sich ohne vorbereitende
Praktiken und ohne Reinigung des Herzens in Meditation zu stürzen.
Menschen, die keine Yogadisziplin praktiziert und Sinne, Vrittis und Unreinheiten
nicht gezügelt haben, werden es schwierig finden, Meditation oder
Konzentration zu praktizieren.
643. So wie du viermal ißt, morgens, mittags,
nachmittags und abends, so mußt du auch viermal täglich meditieren,
wenn du Gott rasch verwirklichen willst.
644. Wenn äußere Geräusche nicht
gehört werden, wenn die Gedanken an Körper und Umgebung verschwinden,
und wenn sich innerer ungestörter Friede manifestiert, dann heißt
es, man habe den ersten Schritt zu tiefer Meditation gemacht. Verschiedene
Lichter, rot, blau, grün, usw. kommen und gehen vielleicht während
Konzentration und Meditation. Visionen von Lichtern etc. in der Meditation
sind eine große Ermutigung und ein Zeichen für Fortschritt.
Ignoriere die Lichter und schreite weiter dem Ziel entgegen, das die Quelle
all dieser Lichter und Phänomene ist, das über alle Lichter
hinausgeht.
645. Versuche, in der Meditation einen fortlaufenden
Fluß des Gedankens an nichts anderes als an Gott zu haben. Beherrsche
die Gedanken in der Meditation. Entwickle Konzentration, indem du den
Geist auf die Form von Gott Hari oder eine andere Gottheit deiner Wahl
richtest. Versuche immer wieder, die geistige Vorstellung des Bildes aufzurufen.
Alle unheiligen Dinge werden von selbst verschwinden.
646. Sei frohgemut doch nicht ausgelassen. Wenn
du inmitten ungünstiger Umstände Konzentration und Meditation
praktizierst, wirst du stark, du wirst rasch deine Willenskraft entwickeln,
und du wirst ein dynamischer Mensch werden.
647. Schlaf ist ein großes Hindernis in der
Meditation. Sei sorgfältig und wachsam. Iß abends nur leicht.
Das hilft in der Meditation.
648. Rastlosigkeit, Skepsis, Schlaf, Trägheit,
Herumwandern des Geistes, Übelwollen, Haß, Zorn und der Wunsch
nach Geschlechtsfreuden, all das sind eindeutige Hindernisse in der Meditation.
649. Konzentriere dich auf deinen Ishta Devata.
Wiederhole dein Mantra mit ständigem Tratak (Starren auf die Gottheit).
Die Gestalt wird klar im Geist. Du kannst fortgesetzt über die Gestalt
des Herrn meditieren.
650. Die Praxis der Meditation führt den Sadhaka
zum Gipfel von Samadhi, dem Überbewußtsein, wo alles weltliche
Leid vollständig zerstört wird und der Suchende für immer
im wonnevollen Zustand bleibt.
Das
Bewußtsein Brahmans
651. Der Geist muß dazu gebracht werden,
an das einzige Ding zu denken, das es wert ist, Paramatman, durch Yama
und anderer Yogapraktiken oder durch eine richtige und gründliche
Untersuchung der beiden Kategorien und des Wissens, das dadurch erlangt
wird (durch die Reflexion über die wahre Bedeutung des „Tattwamasi“
Mahavakyas), jedoch mit keinem anderen Mittel.
652. Der Geist kann die Verwirklichung Brahmans
erst dann ausführen, wenn er seine Sankalpas und Vikalpas aufgegeben
hat.
653. So wie die Eisenstange, die ins Feuer gelegt
wird, durch „Tadatmya Sambandha“ die Eigenschaft des Feuers annimmt, und
so wie mit Milch vermischtes Wasser die Eigenschaften der Milch annimmt,
so nimmt auch der Geist durch seinen Kontakt mit Brahman seine Intelligenz
und Kraft von Brahman.
654. So wie die Wellen vom Wasser des Meeres abhängen,
so hängt auch der Geist von der höchsten Seele ab.
655. Bitterkeit und Süße liegen nicht
in den Blättern, sondern sind im Subjekt. Sie werden vom Geist geschaffen.
Der Geist gibt den Objekten Farbe, Form, Eigenschaften, usw. Der Geist
nimmt die Form jeden Objekts an, an das er intensiv denkt.
656. Freund und Feind, Tugend und Laster und Freude
und Schmerz sind nur im Geist. Jeder Mensch schafft eine Welt von Gut
und Böse und Freude und Schmerz einzig und allein aus seiner eigenen
Vorstellung.
657. Das nach außen Laufen des Geistes auf
den Straßen der Sinne und die sich daraus ergebenden Erfahrungen
des Geistes von äußeren Objekte werden dadurch hervorgerufen,
daß sich der Jiva aufgrund von Täuschung und Unwissenheit mit
dem Körper identifiziert.
658. Die gesamte Wahrnehmung, die aus Wahrgenommenem
und Wahrnehmer besteht, ist eine bloße Einbildung des Geistes. Das,
was nur in der Einbildung besteht, existiert in der absoluten Wirklichkeit
nicht.
659. Die Handlungen des Geistes werden tatsächlich
Karmas genannt. Befreiung entsteht dadurch, daß der Geist aus der
Knechtschaft befreit wird. Maya wütet durch den Geist und seine Einbildungskraft.
Wenn der Geist zerstört ist, wird die Wirklichkeit in ihrer Gesamtheit
erkannt.
660. Schmerz und Freude sind Dharmas des Geistes.
Zügelung des Geistes befreit den Menschen von allen Gegensatzpaaren
und führt ihn auf den Weg von Jnana. Das höchste Ziel kann durch
Einschränkung des Geistes erreicht werden.
661. Diese Welt, bestehend aus Freunden, neutralen
Personen und Feinden, ist eine Täuschung des Geistes, die von Unwissenheit
verursacht wird. Im Tiefschlaf gibt es keine Welt. Das soll zeigen, daß,
wenn es einen Geist gibt, es eine Welt geben kann. Wenn der Geist bewußt
durch Samadhi und Konzentration zerstört werden kann, verschwindet
diese Welt.
662. Der unreine Geist ist nichts anderes als subtile
Wünsche, die zahllose Geburten entstehen lassen. Wenn der Geist vom
Wunsch nach Dingen befreit ist und in Atman ruht, verschwindet die Welt
gänzlich. Die Tendenz, an Sinnesobjekte zu denken, ist in der Tat
die Ursache von Bindung und Seelenwanderung. Befreiung bedeutet nichts
anderes als das Verlöschen des unreinen Geistes. Der Geist wird rein,
wenn die Wünsche vernichtet sind.
663. Dieses Universum und andere Objekte haben ihre
Grundlage im Geist. Sie existieren zu keiner Zeit getrennt vom Geist.
Verzicht auf Verhaftung und sinnliche Gedanken führt zur Zerstörung
des niederen Geistes. Ausgewogenheit des Geistes bringt dem disziplinierten
Menschen wahres und dauerhaftes Glück.
664. Wenn der Geist rein und frei von Ablenkung
ist, wird das höchste Selbst im Inneren und überall wahrgenommen.
665. Es gibt kein anderes Boot auf dieser Erde,
um den Ozean von Samsara zu durchwaten, als Beherrschung des niederen
instinktiven Geistes.
666. Durch das Spiel des Geistes in den Objekten
erscheint Nahes in weiter Ferne und umgekehrt. Der Geist hat das Potential,
in einem einzigen Augenblick die ganze Welt zu erschaffen oder aufzulösen.
667. Gestatte niemals, daß der Geist von Wünschen
befleckt wird oder durch die Kanäle der Sinne nach außen läuft.
Die Sinne können unabhängig gar nichts tun, wenn der Geist nicht
mit ihnen verbunden ist. Die Welt ist schön und erfreulich oder häßlich
und traurig, so wie es dem Geist beliebt.
668. Wer von Wünschen nach Sinnesobjekten,
Zu- und Abneigung, Ichdenken, Zorn, Lust, Besitzdenken und Stolz frei
ist, kann klar verstehen, daß er zur Zerstörung des Geistes
gelangt ist. Richtiges Verstehen schwächt den sinnlichen Geist.
669. Bezwingung des Geistes versetzt den Menschen
in die Lage, zur Quelle Brahmans zu gehen, und er kann sein eigentliches
Wesen verwirklichen - Satchidananda.
670. Der gesamte Reichtum und das Vergnügen
der ganzen Welt sind nichts im Vergleich zur Wonne, die die große
Seele genießt, die heitere Gelassenheit und Stille des Geistes besitzt.
671. Wahre Freiheit kommt nur dann, wenn der Geist
bereit ist, als gehorsamer Diener des Atman, der Seele, zu arbeiten. Wenn
der Geist ausgelöscht ist, wenn er frei wird von allen Wünschen,
Sehnsüchten und Erwartungen, kann von ihm gesagt werden, er sei ungebunden.
Der Sadhak ist im Frieden und genießt die immerwährende Wonne
im Königreich des Selbst.
Der
Schlüssel zur Glückseligkeit
672. Stärke ist Leben. Schwäche ist Tod.
Habe die Stärke, die aus der Weisheit über das Selbst entstanden
ist. Zerstöre alle Schwächen, indem du dich mit dem höchsten
Selbst identifizierst, der Quelle aller Kraft und Stärke. Stärke
ist der Schlüssel zur Glückseligkeit.
673. Iß Fleisch; trinke Wein; lebe in Hotels;
dann wirst du ein Dämon. Iß Milch und Früchte; lebe am
Ufer des Ganges; übe Japa und Meditation; dann erlangst du Selbstverwirklichung.
Du wirst Brahman.
674. Beseitige alles Böse. Pflege das Gute.
Reinige dein Herz. Läutere deine Gedanken. Diene allen. Liebe alle.
Meditiere über Gott. Habe Hingabe an den Herrn. Verletze niemanden,
nicht in Gedanke, Wort oder Tat. Weile in Einsamkeit. Reflektiere. Frage.
Meditiere. Das ist die Lehre der Weisen und Seher.
675. Wünsche nichts. Suche kein Entgelt. Gib
stets wie der Ganges, die Obstbäume und der Sandelholzbaum.
676. Empfange jeden auf dieser Welt mit Liebe, Respekt,
Freundlichkeit und Fröhlichkeit. Du weißt nicht, in welcher
Gestalt der Herr vor dir erscheinen könnte.
677. Nur der, der für andere lebt, lebt wirklich.
Ein selbstsüchtiger Mensch ist tot, obwohl er am Leben ist.
678. Anderen Gutes zu tun und anderen zu dienen
sei dein Motto. Den Armen und Unterdrückten zu dienen ist deine Pflicht.
Kümmere dich kein bißchen um deinen persönlichen Gewinn
oder Lohn.
679. Diene dem Armen. Sieh Gott in ihm. Hier eröffnet
sich ein großes Feld für dich. Warum baust du Dharmshalas oder
gräbst Brunnen.
680. Auch Schurken sind große Rishis oder
Weise geworden. Ein Sünder ist ein Heiliger von morgen. Deshalb bemühe
dich, reinige dich und gehe zu Heiligen.
681. Verbrenne alle Leidenschaften, wenn du das
Licht vor dem Herrn schwenkst.
682. Übe reine selbstlose Liebe im täglichen
Leben. Umarme alle Lebewesen. Zerschlage alle Formen von Haß. Lasse
dein Herz weit werden. Das ist wirkliche Kultur oder Zivilisation.
683. Alles Leben ist eins. Die Welt ist ein einziges
Zuhause. Alle gehören zur selben Familie von Menschen. Die gesamte
Schöpfung ist ein organisches Ganzes. Kein Mensch ist unabhängig
von diesem Ganzen. Der Mensch macht sich unglücklich, wenn er sich
von anderen trennt. Trennung ist Tod. Einheit ist ewiges Leben. Entwickle
kosmische Liebe. Schließe alles ein. Umfasse alles. Erkenne den
Wert anderer. Reiße alle Barrieren ein, alle rassischen, religiösen
und natürlichen Vorurteile, die Menschen von Menschen trennen. Erkenne
die nichtdualen Prinzipien, die unsterbliche Essenz in allen Geschöpfen.
Schütze Tiere. Lasse alles Leben dir heilig sein. Dann wird diese
Welt zu einem Paradies von Schönheit, zu einem Himmel von Frieden
und Ruhe.
684. Bewege dich frei, mit einem Leinentuch bekleidet.
Ziehe sorglos herum und lebe von den Almosen, die du erhältst. Genieße
die Wonne der Meditation und trinke das Elixier der Zufriedenheit. Gibt
es ein köstlicheres Getränk als das kühle erfrischende
Wasser des Ganges? Schlafe auf der grünen Wiese, der Matratze der
Natur. Die Hände seien dein Kopfkissen. Nun kann dich das Königreich
der drei Welten nicht verlocken.
685. Folge nicht der freudlosen Suche des Geistes.
Übe Selbsthingabe. Wiederhole regelmäßig den Namen des
Herrn. Bald wird dein Herz erblühen.
686. Armen, Kranken, Heiligen und dem Land zu dienen,
die Gefallenen zu erheben, die Blinden zu führen, das, was du hast,
mit anderen zu teilen, die zu trösten, die in Bedrängnis sind
und die Leidenden aufzuheitern, sind deine Ideale. Vollkommenes Vertrauen
zu Gott zu haben, den Nächsten zu lieben wie dich selbst, Gott von
ganzem Herzen, mit ganzem Geist und mit ganzer Seele zu lieben, Kühe,
Tiere, Kinder und Frauen zu schützen, sei dein Motto, und dein Ziel
sei Gottverwirklichung.
Sadhana
und einige Erfahrungen
687. Wenn du kleine Eindrücke vom Selbst erhältst,
wenn du ein strahlendes Licht siehst, wenn du irgendeine außergewöhnliche
spirituelle Erfahrung hast, erschrecke nicht. Gib das Sadhana nicht auf.
Halte es nicht für ein Gespenst. Sei tapfer. Schreite kühn und
freudevoll weiter.
688. Sitze in einer entsprechenden Stellung. Schließe
die Augen. Stelle dir vor, daß nichts existiert. Dann stelle dir
vor, daß überall nur Gott alleine existiert.
689. Am Anfang von Meditation und Konzentration
sieht man in der Mitte der Stirn ein strahlend helles Licht. Das dauert
eine halbe Minute oder eine Minute und verschwindet dann. Das Licht taucht
entweder von oben oder von der Seite auf. Manchmal sieht man eine Sonne,
die 15 cm oder 20 cm im Durchmesser ist. Man sieht auch die Gestalt des
Gurus oder Upasya Murthy (Ishta Devata).
690. Wenn du rasch Samadhi erreichen willst, unterbrich
alle Verbindungen zu Freunden, Verwandten, usw. Halte ein Monat Akhanda
Mauna. Lebe alleine. Iß sehr wenig aber nahrhaft. Lebe nur von Milch.
Tauche in tiefe Meditation ein. Tauche tief ein. Dann gehst du in Samadhi
auf. Übe ständig. Sei vorsichtig. Benutze auf Schritt
und Tritt deinen Verstand. Kämpfe nicht gewaltsam mit dem Geist.
Gehe alleine. Gehe ganz sanft mit dem Geist um. Lasse die Gedanken an
das Göttliche und göttliche Gefühle sanft in dein Wesen
einströmen. |
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