von Swami Sivananda
Ein Lehrbuch mit Techniken zur spirituellen Vollkommenheit
Fragen und Antworten über Sadhana
Religion, Heiliger und Yogi
F: Wozu dient Religion?
A: Sie hilft, um Reinheit des Herzens und Gottverwirklichung zu
erreichen, harmonisch mit anderen zusammenzuleben, spirituelle Disziplin
zu haben und Einheit zu ermöglichen.
F: Gibt es ohne Leiden kein spirituelles Wachsen?
A: Nein, Leiden formt den Menschen. Es legt Barmherzigkeit in
das Herz und entwickelt Willen und Duldungsvermögen.
F: Du bist ein Verfechter der Wiederholung des Namens des Herrn
›Ram‹. Wie wiederholt man ihn?
A: Ram bedeutet Reinheit, Wahrheit, Frieden, Wonne, absolutes
Sein, absolutes Bewußtsein. Wenn du den Namen wiederholst, meditierst
über diese Attribute.
F: Kannst du die Schöpfung erklären, und wie es dazu
kam?
A: Diese Welt ist ein Projektion durch die täuschende Kraft
des Herrn, Prakriti oder Shakti, um den individuellen Seelen zu helfen,
die Früchte ihrer früheren Handlungen zu ernten.
F: Ist nicht Eifersucht das größte Übel?
A: Ja. Es ist die Hauptursache von Elend und Leid des Menschen.
F: Wie kann es sein, daß Menschen mit Reichtum glücklich
sind, trotz ihrer schlechten Taten?
A: Sie sind nicht glücklich. Sie befinden sich in einem elenden
Zustand. Ihr Geist ist voller Sorgen und Ängste. Sie leiden an
unheilbaren Krankheiten.
F: Was ist der Unterschied zwischen einem Heiligen und einem Yogi?
A: Ein Heiliger ist jemand, der Gott verehrt. Ein Yogi ist jemand,
der Ashtanga Yoga oder Raja Yoga praktiziert hat.
F: Welchen Nutzen bringt die Praxis von Pranayama?
A: Konzentration des Geistes und gute Gesundheit.
F: Was ist der Unterschied zwischen Freude und Wonne?
A: Freude entspringt aus dem Kontakt mit Sinnesobjekten. Sie ist
wechselhaft, flüchtig und trügerisch. Aber Wonne ist ewig.
Sie wird durch Verwirklichung des Selbst, des Atman erreicht.
F: Angenommen in einer Familie ist ein Todesfall. Wie würde sich
jemand verhalten, der das Gleichgewicht erlangt hat?
A: Er bleibt ruhig und friedvoll. Er ist nicht von Sorge berührt.
Er weiß, daß die Seele unsterblich und der Tod nur ein Wechsel
ist.
F: Liebe und Haß gab es immer schon, seit Beginn der Welt.
Sind sie also nicht beide ewig?
A: Nein. Haß ist nicht ewig. Er endet, wenn sich Liebe zur
vollsten Ausdehnung entwickelt. Haß ist eine schlechte Vritti.
Er ist ein Feind des Friedens.
F: Was läßt diesen Haß entstehen?
A: Unwissenheit.
Voraussetzungen
für die Verwirklichung
F: Ist Liebe ewig?
A: Ja. Reine göttliche Liebe, Prem, ist ganz sicher ewig.
Reine Liebe ist Gott, und Gott ist reine Liebe.
F: Was ist notwendig, um sich zu verwirklichen?
A: Glaube, Frömmigkeit, Leidenschaftslosigkeit, Unterscheidung,
Barmherzigkeit, Demut, Reinheit, Gelassenheit, Selbstbeherrschung, Fragen
und der Geist des selbstlosen Dienens.
F: Angenommen, ein Mensch arbeitet selbstlos, was wird aus seiner
Familie?
A: Gott wird sich um seine Familie kümmern. Seine Freunde
werden diesem selbstlosen Arbeiter alles zur Verfügung stellen.
Um die Familien der selbstlosen Kongreßmitarbeiter kümmerten
sich in diesen Tagen des Satyagraha reiche Geschäftsleuten.
Die Wissenschaft der Mantrawiederholung
F: Was ist der Unterschied zwischen Japa und Dhyana?
A: Japa ist die Wiederholung des Mantras des Devata. Dhyana ist
Meditation über Seine oder Ihre Form und Eigenschaften. Es hält
das ständige Fließen eines Gedankens an Gott aufrecht.
F: Was ist Japa-Sahita-Dhyana und Japa-Rahita-Dhyana?
A: Der spirituell Suchende wiederholt das Mantra und gleichzeitig
meditiert er über die Form seines Ishta-Devata. Ein Krishna-Bhakta
wiederholt das Mantra „Om Namo Bhagavate Vasudevaya“ und gleichzeitig
stellt er sich das Bild des Herrn, Sri Krishna, vor. Das ist Japa-Sahita-Dhyana.
In Japa-Rahita-Dhyana setzt der Gläubige sein Japa einige Zeit
lang gemeinsam mit der Meditation fort, und später fällt das
Japa von alleine weg, und er ist nur mehr in Meditation verankert.
F: Kann Japa alleine Moksha bringen?
A: Ja. Im Mantra liegt eine geheimnisvolle Kraft, und diese Mantra
Shakti bringt Meditation und Samadhi und führt den Gläubigen
vor das Angesicht Gottes.
F: Sollte ein fortgeschrittener Schüler einen Rosenkranz
verwenden?
A: Er ist nicht notwendig für einen fortgeschrittenen Schüler.
Aber wenn der Schlaf ihn überwältigt, kann er beginnen, die
Perlen zu rollen, und wenn der Geist des Japa müde ist, kann er
zur Entspannung beginnen, die Perlen zu rollen.
F: Wozu dient es, das Mantra immer wieder zu wiederholen?
A: Es gibt Kraft. Es intensiviert die geistigen Samskaras.
F: Kann ich zwei oder drei Mantras wiederholen?
A: Es ist besser, nur bei einem Mantra zu bleiben. Falls du ein
Verehrer von Gott Sri Krishna bist, versuche nur Ihn allein auch in
Rama, Siva, Durga, Gayatri, usw. zu sehen. Alle sind Formen des einen
Gottes, Ishvara. Die Verehrung von Krishna ist auch die Verehrung von
Rama und Devi, und umgekehrt.
F: Wie verwendet man den Rosenkranz?
A: Man darf nicht den Zeigefinger benutzen, wenn man die Perlen
rollt. Man muß Daumen und Mittelfinger verwenden. Wenn eine Mala
gezählt ist, drehe sie um und gehe wieder zurück. Gehe nicht
über die Meru. Bedecke die Hände mit einem Tuch, damit man
die Mala nicht sieht.
F: Kann ich beim Gehen Japa machen?
A: Ja; du kannst es geistig tun. Es gibt keine Einschränkungen
für Japa wenn es mit Nishkama Bhava, d.h. allein nur um der Gottverwirklichung
willen, getan wird.
F: Wie soll das Bhava während der Wiederholung des Mantras
sein?
A: Du kannst deinen Ishta Devata als deinen Meister, Guru, Vater,
Freund oder Geliebten sehen. Du kannst das Bhava haben, das dir am besten
entspricht.
F: Nach wie vielen Purascharanas kann ich Gott verwirklichen?
A: Nicht die Anzahl der Japas, sondern Reinheit, Konzentration,
Bhava oder Gefühl und Einpünktigkeit des Geistes, helfen dem
Suchenden bei der Erlangung von Gottbewußtsein. Mache das Japa
nicht in Eile, so wie ein Baumeister eine Arbeit rasch beenden will.
Du mußt es mit Bhava, Reinheit, Einpünktigkeit des Geistes
und aufrichtiger Hingabe tun.
F: In welcher Weise verbrennt Japa die alten lasterhaften Samskaras?
A: So wie es in der Natur des Feuers liegt zu brennen, so haben
auch die Namen des Herrn die Eigenschaft, die Sünden und die alten
lasterhaften Samskaras zu verbrennen.
F: Können wir die Indriyas durch Japa kontrollieren?
A: Ja, Japa erfüllt den Geist mit Sattva. Es zerstört
Rajas und die nach außen gehenden Tendenzen des Geistes und der
Indriyas. Allmählich werden die Indriyas abgezogen und kontrolliert.
F: Kann ein Grihasta das Japa des Shuddha Pranava machen?
A: Ja, wenn er über die vierfache Disziplin, Sadhana Chatushtaya,
verfügt, wenn er frei ist von Mala und Vikshepa, und wenn er eine
starke Neigung zu Jnana Yoga Sadhana hat, kann er Om wiederholen.
F: Während der Praxis von Om Japa bedeutet das, daß
ich eins werden muß mit diesem Klang, durch seine ständige
Wiederholung?
A: Wenn du über Om meditierst oder geistig Om wiederholst,
muß du das Bhava oder Gefühl aufrecht erhalten: „Ich bin
der alldurchdringende reine Sat-Chit-Ananada Atman.“ Du brauchst nicht
mit dem Klang eins zu sein. Notwendig ist das Gefühl mit der Bedeutung:
„Ich bin Brahman“.
F: Was bedeutet das Mantra: „Om Namo Bhagavate Vasudevaya“?
A: Die Bedeutung ist „Ich verbeuge mich vor Sri Krishna“. Vasudeva
bedeutet auch „Alldurchdringende Intelligenz“.
F: Wie verweilt man bei der Form von Sri Krishna und bei den göttlichen
Attributen?
A: Übe zuerst mit offenen Augen Tratak auf das Bild. Stelle
es vor dir auf. Dann schließe die Augen und stelle dir das Bild
vor. Dann meditiere über die Eigenschaften des Herrn, wie Allmacht,
Allwissenheit, Allgegenwart, Reinheit, Vollendung, usw.
F: Ich bin nicht imstande, das Mantra geistig zu wiederholen.
Ich muß die Lippen öffnen. Für das geistige Wiederholen
des Mantras brauche ich viel Zeit, und die Buchstaben sind auch nicht
klar ausgesprochen. Bitte sage mir, woran das liegt. Wenn ich gleichzeitig
Japa und Meditation mache, kann ich den Geist nicht auf den Herrn heften
oder konzentrieren. Wenn ich den Geist auf den Herrn richte, vergesse
ich das Mantra zu wiederholen und die Perlen zu rollen, wenn ich meinen
Geist dem Rollen der Perlen zuwende, kann ich mich nicht auf den Herrn
konzentrieren.
A: Du mußt zuerst damit beginnen, das Mantra laut zu wiederholen
und dann Upamshu Japa (flüsternd) üben. Nur nach der Praxis
von Upamshu Japa für wenigstens drei Monate, wirst du in der Lage
sein, geistig Japa zu üben. Geistiges Japa ist schwieriger. Erst
wenn alle anderen Gedanken aufgehört haben, wird das geistige Japa
Freude machen. Andernfalls, wird der Geist nur über Sinnesobjekte
brüten, und du wirst nicht in der Lage sein, geistiges Japa zu
üben.
Man kann nicht gleichzeitig geistiges Japa und geistige Visualisation
der Form des Herrn machen. Man muß auf das Bild des Herrn schauen
und geistig das Mantra wiederholen. Das Rollen der Perlen ist nur eine
Konzentrationshilfe für Anfänger. Die Mala lockt den Geist
auch zu Gott. Sie erinnert dich daran, Japa zu machen. Wenn du in geistigem
Japa gefestigt bist, ist das Rollen der Perlen nicht nötig. Bis
dahin rolle die Perlen und konzentriere dich auf das Bild des Herrn.
Du brauchst es dir nicht geistig vorzustellen.
Geistiges Japa bereitet den Geist für die Meditation über
den Herrn vor. Wenn du über die Form des Herrn meditieren kannst,
ohne eine Unterbrechung durch andere Gedanken zu befürchten, kannst
du das tun, solange du kannst. Sobald aber andere weltliche Gedanken
über dich hereinbrechen, beginne von Neuem mit geistigem Japa.
Meditation kommt nur als Ergebnis langer, fortgesetzter und intensiver
Praxis über mehrere Jahre. Viel Praxis ist nötig. Anfänger
sind entmutigt, wenn sie nicht nach einigen Tagen Praxis meditieren
können.
F: Wenn Japa mit einem Mantra gemacht wird, ohne Verständnis
der Bedeutung, oder in Eile, wird das eine negative Reaktion auf den
Menschen hervorrufen, der es macht?
A: Es kann keine negative Reaktion haben, aber der spirituelle
Fortschritt wird langsam sein, wenn das Mantra im Eiltempo wiederholt
wird, ohne Bhava und Glauben. Selbst wenn man ein Mantra unbewußt
oder in Eile ohne Bhava wiederholt, ohne seine Bedeutung zu verstehen,
bringt es zweifellos positive Wirkungen, so wie Feuer entzündliche
Dinge verbrennt, wenn diese in seine Nähe gebracht werden.
F: Was sind die Zeichen, die anzeigen, daß das Mantra dem
Sadhaka wirklich Vorteile bringt?
A: Der Sadhaka, der Mantra Yoga praktiziert, wird jederzeit die
Gegenwart des Herrn spüren. Er empfindet göttliche Ekstase
und heiliges Erschauern in seinem Herzen. Er wird alle göttlichen
Eigenschaften besitzen. Er wird einen reinen Geist und ein reines Herz
haben. Er wird das zu Berge Stehen der Haare fühlen. Er wird Tränen
von Prema vergießen. Er wird heilige Verbindung zum Herrn haben.
F: Darf ich wissen, ob geistiges Japa stärker ist als die
Praxis des lauten Singens eines Mantras?
A: Geistiges Japa ist tatsächlich stärker. Wenn geistiges
Japa erfolgreich praktiziert wird, fallen alle weltlichen nicht dazugehörenden
Gedanken schnell heraus. In Vaikhari und Upamshu Japa hat der Geist
Möglichkeiten zum Ausweichen. Die Zunge mag das Mantra wiederholen,
aber der Geist ist vielleicht mit anderen Gedanken beschäftigt.
Geistiges Japa sperrt die Straßen, obwohl vielleicht weltliche
Gedanken versuchen, in den Geist zu gelangen. Mit anderen Worten, die
Falltür, durch die Gedanken in die Geistfabrik gelangen, ist geschlossen,
wenn das Mantra wiederholt wird. Der Geist ist erfüllt von der
Kraft des Mantras. Man muß aber wachsam sein und verhindern, daß
der Schlaf den Geist überwältigt. Wünsche, Schlaf und
verschiedene sinnliche Gedanken verhindern die erfolgreiche Ausführung
von geistigem Japa. Regelmäßige Praxis, aufrichtiges Bemühen,
schlaflose Wachsamkeit und Ernsthaftigkeit können vollen Erfolg
in geistigem Japa bringen.
F: Habe ich genug Kapazität in mir, um durch ein Mantra erleuchtet
zu werden?
A: Ja. Habe vollkommenes unerschütterliches Vertrauen in
die Effizienz eines Mantras. Ein Mantra ist mit einem unermeßlichen
göttlichen Potential erfüllt. Wiederhole es ständig.
Du wirst über Kraft, innere spirituelle Stärke und Willenskraft
verfügen. Mantra Chaitanya wird durch ständiges Wiederholen
erweckt. Du wirst Erleuchtung erlangen.
F: Wie wichtig ist das Gefühl (Bhava), wenn man Japa eines
Mantras macht?
A: Wer ein Mantra wiederholt, habe entweder Dasya Bhava (die Haltung
des Dieners), Sishya Bhava (die Haltung des Schülers) oder Putra
Bhava (die Haltung des Sohnes). Er kann auch das Gefühl haben,
in Beziehung zum Herrn Freund, Kind oder Lebenspartner zu sein.
Er muß auch das Gefühl oder die geistige Einstellung haben,
daß der Herr in seinem Herzen Platz genommen hat, daß Sattva,
Reinheit, vom Herrn auf ihn übergeht, daß das Mantra sein
Herz reinigt und seine Wünsche, Sehnsüchte und üblen
Gedanken zerstört, wenn er Japa macht.
F: Kann ich selbstloses Dienen alleine praktizieren, oder Japa
und Dienen in Kombination?
A: Die kombinierte Methode ist stärker. Kombiniere Dienen,
Japa, Meditation, das Studium religiöser Bücher, Satsang und
Analyse. Führe ein spirituelles Tagebuch. Alle Fehler werden rasch
beseitigt. Du kannst schnell Chitta Shuddhi erreichen.
F: Was ist besser, mehr Japa oder mehr lesen?
A: Japa ist wichtiger als Lesen. Du hast genug gelesen, wenn jedoch
Zeit bleibt, kannst du erhebende passende Bücher lesen. Lesen ist
höchst nutzbringend. Es unterstützt die Konzentration, das
Weiterwerden des Intellekts und die Entspannung und ist erhebend. Es
inspiriert und steuert zum Kapital des Wissens bei.
Japa Yoga
F: Soll ich Om Namo Narayanaya Japa machen anstatt Om, um es
sowohl zu Nirguna als auch zu Saguna zu machen? Japa von Narayana bringt
die Chaturbhuja Murti des Herrn vor meine geistigen Augen. Ich war jedoch
daran gewöhnt auf die Murti von Sri Krishna (Banke Bihari) zu meditieren,
und ich bin auf der Suche nach einer Chaturbhuja Murti von Sri Krishna
mit Arjuna zu Seinen Füßen. Bitte sage mir, wie ich in Zukunft
vorgehen soll.
A: Du hast bereits durch die Meditation über Sri Krishna
ein klares geistiges Bild, einen Impuls und eine Kraft entwickelt. Es
ist nicht gut, die Form nun zu wechseln. Selbst wenn du sie wechselst,
sie wird durch die Kraft der Gewohnheit in deinen Geist kommen. Deshalb
habe immer nur dasselbe Bild. Bemühe dich nicht um Sri Krishna
mit vier Händen. ›Om Narayana‹ ist nicht das richtige Mantra. Das
richtige Mantra ist ›Om Namo Narayanaya‹.
Om ist sowohl Saguna als auch Nirguna. Wenn du die Prasnopanishad und
Mandukyopanishad liest, wirst du diesen Punkt sehr gut verstehen.
Wenn du das Mantra überhaupt wechseln willst, kehre zu ›Om Namo
Bhagavate Vasudevaya‹ zurück. Du kannst dies jetzt für einige
Zeit wiederholen.
Probleme im Sadhana
F: Was ist der Unterschied zwischen Vichara und Nididhyasana?
A: Vichara ist das Fragen nach der Natur des Atman, Verneinung
der täuschenden Upadhis oder Vehikel wie Prana, Geist, Intelligenz
und Anandamaya Kosha. Nididhyasana ist intensive und tiefe Meditation
über Brahman.
F: Wie sind Innenschau und Selbstanalyse zu praktizieren?
A: Stehe um 4.00 früh auf. Sitze still mit geschlossenen
Augen in Padmasana oder Siddhasana. Richte den Blick nach innen. Beobachte
Geist und Vrittis. Sei ein stummer Beobachter, Sakshi. Identifiziere
dich nicht mit ihnen. Sieh, welche Guna oder Vritti wirksam ist? Beobachte
sorgfältig die geistige Menagerie. Manchmal kommt es zum Kampf
zwischen schlechten Gedanken und guten Gedanken, schlechten Vasanas
und guten Vasanas, alten schlechten Samskaras und neuen religiösen
Samskaras, Sattva Guna und Rajo Guna. Manchmal wird Tamo Guna einzudringen
versuchen. Du wirst von Schlaf überwältigt. Manchmal werden
sich Lust, Zorn und Haß auf dem Geistsee als kleine oder große
Wellen manifestieren. Sie vergehen bald. Göttliche Gedanken werden
sich manchmal manifestieren. Versuche gute, erhabene Gedanken entstehen
zu lassen. Erzeuge die sattvigen Ströme von Licht, Harmonie, Frieden
und Erkenntnis. Alte schlechte Gedanken und Vrittis sterben durch die
Praxis von regelmäßiger Innenschau und Meditation von selbst.
Man entwickelt dann einen scharfen und feinen Verstand und Reinheit
des Geistes, Chitta Suddhi und geht bald in tiefe Meditation und Samadhi.
F: Welche Karmas haben die Seelen, die zum ersten Mal auf
diese Welt kommen?
A: Die Welt ist Anadi, ohne Anfang. Karma ist ebenfalls Anadi.
Der Weg des Karma ist geheimnisvoll. Erlange Selbsterkenntnis. Dann
enthüllt sich dir das Geheimnis des Karma.
F: Wenn die Evolution der Jivas, die nicht dem Menschenreich angehören,
fortschreitend ist, und wenn das Gesetz des Karma nicht auf sie anwendbar
ist, warum genießt dann ein Jiva, sagen wir eine Kuh, ein bequemes
Leben im Stall eines reichen Mannes, während die andere nichts
zu essen hat und stirbt, ohne daß sich jemand darum kümmert?
A: Es ist ein Irrtum anzunehmen, daß die Evolution unterhalb
des Menschenreiches vom Bereich des karmischen Gesetzes ausgenommen
ist. Eben diese fortschreitende Evolution der Gruppen untermenschlicher
Seelen wirkt unter dem Gesetz des Karma. Die Kuh, die ein bequemes Leben
genießt, ist ein guter Mensch, der vorübergehend in einen
niederen Mutterschoß geworfen ist, um einiges schlechte Karma
abzuarbeiten. Die andere Kuh ist eine sehr verdorbene Seele, die sich
wieder einmal zu einer menschlichen Geburt hocharbeitet. Die Seele,
die durch natürliche Evolution das Niveau der Kuh erreicht hat,
hat hingegen wahrscheinlich ein irgendwie neutrales Leben, ohne die
Extreme von Bequemlichkeit oder Leiden zu berühren.
F: Wozu nützt es, dieses oder jenes zu versuchen und damit
unsere Energien zu verschwenden, wenn wir vollständig durch unsere
früheren Handlungen gebunden sind?
A: Man ist nicht gebunden. Man hat einen freien Willen. Du kann
die Erfahrungen, das Ergebnis von Prarabdha, nicht verändern, aber
du kannst durch richtiges Denken und richtiges Handeln die Zukunft verändern,
und so den Willen rein und unwiderstehlich zu machen. Mit Hilfe dieses
dynamischen Willens kann Selbstverwirklichung erreicht werden.
F: Es heißt, Geburt, Heirat und Tod sind vorbestimmt. Können
wir nicht unsere Bestimmung der Heirat verändern, als Lediger leben
und dieser Bindung entkommen?
A: Man kann seine Bestimmung durch starke Willenskraft verändern,
dadurch, daß man ein rein spirituelles Leben führt.
F: Abgesehen von Mahatmas und Heiligen, bis zu welchem Grad kann
ein normaler Mensch wie ich seine gegenwärtige Bestimmung durch
sein begrenztes eigenes Bemühen verändern?
A: Auch du kannst deine Bestimmung verändern wie Mahatmas
und Heilige. Du mußt dich allerdings für einige Jahre der
Führung eines Gurus anvertrauen.
F: Was ist ein schweres Schicksal?
A: Als schweres Schicksal wird die unsichtbare Kraft bezeichnet,
die unangenehme Erfahrungen bringt und die Geduld auf die Probe stellt,
und in der der Betroffene geneigt ist zu glauben, daß er ein viel
besseres Schicksal verdient hätte, als jenes, das er erhalten hat.
Es gibt im Leben nicht so etwas wie Zufall, Chance, Schicksal oder Glück,
ausgenommen die Ergebnisse der eigenen früheren Handlungen, die
all diese Bezeichnungen tragen.
Was sollte unser Ziel sein?
F: Sollte es das Ziel sein, nach Selbstverwirklichung zu streben
und Nirwana zu erreichen; oder wiedergeboren zu werden und den Menschen
zu dienen?
A: Bemühe dich ausschließlich um Selbstverwirklichung
und Nirwana. Wir müssen uns ständig bemühen, sicher zu
gehen, daß wir nicht in dieses Samasara wiedergeboren werden.
Da wir jedoch eine Geburt angenommen haben, müssen wir allen selbstlos
dienen. Wenn wir wiedergeboren werden, müssen wir weiter selbstlos
dienen. Das bedeutet aber nicht, daß wir um Wiedergeburt beten
sollen. Selbstverwirklichung muß unser Ziel sein.
Die Sehnsucht, das Selbst zu verwirklichen, darf nicht als Selbstsucht
betrachtet werden. Nein. Wenn du auf dem Gipfel der Selbstverwirklichung
stehst, nimmst du die Einheit wahr und siehst nichts als das Selbst,
dann gibt es keinerlei Raum für Selbstsucht.
Aber es stimmt, daß manche große Heilige gesagt haben: „Ich
will kein Nirwana; ich möchte immer und immer wiedergeboren werden,
um Kirtans zu singen. Ich möchte nicht zur Einheit mit dem Selbst
gelangen: ich werde immer und immer wiedergeboren werden, um den Menschen
zu dienen.“ Wir müssen die Aussagen großer Mahatmas akzeptieren,
nachdem wir sie geprüft haben! Es gibt eine altehrwürdige
Methode namens Arthavada, auf die große Menschen zurückgegriffen
haben, um Menschen zu inspirieren. Oft betonen sie einige Aspekte des
Sadhana als allen anderen überlegen, um die Aufmerksamkeit des
Schülers auf seine Wichtigkeit zu lenken.
Hingabe mit vollem Herzen ist notwendig, wenn etwas erreicht werden
soll. Halbherzige Bemühungen tragen keine Früchte. Wir dürfen
nichts anderes wünschen als das Ideal, das wir erreichen wollen.
Im Prema Marga zum Beispiel ist das besondere Kennzeichen: „Liebe um
der Liebe willen.“ Solange wir fühlen, daß Prem ein Mittel
für Mukti ist, werden wir die vollständige Selbsthingabe nicht
bekommen, die für Prema Marga von grundlegender Bedeutung ist.
Um diese vollständige Selbsthingabe entstehen zu lassen, stellen
Heilige dieses Ideal Gläubigen vor Augen und geben ihnen das Gefühl:
„Wir wollen nur Bhakti, wir wollen nicht anderes, nicht einmal Mukti.“
Das höchste der vier Purusharthas ist Mukti. Die Heiligen sagen,
daß Prem sogar größer ist als Moksha, um dem Gläubigen
bewußt zu machen, daß Prem das Höchste ist, was angestrebt
werden kann, denn nur dann werden wir vollkommenes Nishtha haben, höchste
Prem, Para Bhakti, entwickeln. Sobald diese Prem erreicht ist, ist automatisch
auch Moksha erreicht.
Methoden zur geistigen Reinigung
F: Was ist Chitta Shuddhi?
A: Chitta Shuddhi ist Reinheit des gesamten Geistes und des Herzens.
F: Was sind die Früchte von Chitta Shuddhi?
A: Das göttliche Licht wird herabkommen. So wie man sein
Gesicht im Spiegel klar sehen kann, so klar sieht man Atman, Gott, im
reinen Spiegel des Geistes.
F: Wie kann Chitta Shuddhi erreicht werden?
A: Selbstloses Dienen für die Menschen mit Atma Bhava, Japa,
Sankirtan, Pranayama, sattvige Ernährung, Satsang, das Studium
religiöser Bücher, die Praxis von körperlichem, verbalem
und geistigem Tapas, das in der Gita, Kap. XVII, Slokas 14, 15, und
16 beschrieben wird, die Praxis von Yama, Niyama und Kriya Yoga, die
im Raja Yoga von Patanjali Maharshi vorgeschrieben sind, der Dienst
für Guru und Mahatmas, regelmäßige Meditation, Vichara,
das Stellen der Frage ›Wer bin ich?‹, Leben an einsamen Orten mit der
Praxis von Anushthana, Agnihotra und Pancha Maha Yajnas, Innenschau
und Selbstanalyse; das alles wird den Weg zur Erlangung von Chitta Shuddhi
ebnen.
F: Warum habe ich keinen Erfolg in der Meditation, obwohl ich
seit mehr als sechs Jahre übe?
A: Du hast kein Chitta Shuddi.
F: Wie kann ich feststellen, ob ich Chitta Shuddhi habe oder nicht?
A: Gedanken an Sexualität, weltliche Wünsche, unheilige Vorstellungen,
sexuelle Vasanas, Zorn, Eitelkeit, Heuchelei, Egoismus, Habgier, Eifersucht,
usw. werden sich nicht im Geist erheben, wenn du Chitta Shuddhi hast.
Sinnesobjekte werden für dich nicht anziehend sein. Du wirst intensive
und fortdauernde Vairagya haben. Nicht einmal in Träumen wirst
du schlechte Gedanken haben. Du wirst alle tugendhaften göttlichen
Eigenschaften besitzen, wie Barmherzigkeit, kosmische Liebe, Verzeihen,
Harmonie und Ausgewogenheit des Geistes. Das sind die Zeichen, die darauf
hinweisen, daß du Chitta Shuddhi erlangt hast.
F: Wie lange dauert es, bis ein Mensch Chitta Shuddhi hat?
A: Es hängt vom Entwicklungsstand des Menschen und vom Grad des
Sadhana ab. Reinheit des Geistes kann innerhalb von sechs Monaten entwickelt
werden, wenn es sich um einen erstklassigen Schüler handelt. Für
einen mittelmäßigen Schüler kann es sechs Jahre dauern.
Probleme der Selbstverwirklichung
F: Kann das Lesen von Schriften Selbstverwirklichung geben?
A: Nein. Es kann nicht Selbstverwirklichung geben. Sie können in
der Tat außerordentlich dabei helfen, Fortschritte in der Erreichung
des Zieles zu machen, da sie intellektuelle Verwirklichung des Absoluten
geben, vorausgesetzt man besitzt einen gesunden Verstand, um zwischen
dem Rationalen und dem Irrationalen, dem Wahrscheinlichen und dem Unwahrscheinlichen,
dem Lebendigen und dem Unklaren und dem Wirklichen und dem Unwirklichen
zu wählen. Aber Selbstverwirklichung ist mehr als intellektuelle
Erleuchtung. Es ist eine innewohnende Erfahrung der Realität, die
durch eine vollständige Transformation des Wesens bewirkt wird.
Das Studium von Schriften ist ein wirkungsvolles Hilfsmittel in diese
Richtung.
F: Was ist Selbstverwirklichung, und was ist die praktische Methode,
um sie zu erreichen?
A: Selbstverwirklichung ist die Erfüllung der Erkenntnis seiner
eigentlichen Natur. Es ist das Erlangen des Bewußtseins der letztendlichen
Wirklichkeit. Mit anderen Worten es ist das Verschmelzen des individuellen
Bewußtseins im kosmischen Bewußtsein. Verwirklichung des
Absoluten wird als höchste Erkenntnis betrachtet. Dieses Absolute
ist ohne Geburt und Tod, liegt allen Namen und Formen zugrunde und ist
doch selbst unberührt von den sich verändernden Erscheinungen.
Körper, Sinne, Geist und Intellekt sind nichts anderes als die
äußeren Hüllen, die die innere dauernde Wirklichkeit
in sich enthalten, die in verschiedener Weise von verschiedenen Menschen
Gott, Allah oder Brahman genannt wird.
Die praktische Methode, um seine göttliche Natur zu verwirklichen,
ist die vollständige Umwandlung der animalischen Grundnatur, wobei
die menschliche Natur transzendiert wird und die schlummernden spirituellen
Wesenszüge im Inneren voll erwachen. Das geschieht durch vollkommene
ethische Entwicklung, Selbstbeherrschung, Selbstanalyse, Selbstreinigung,
Konzentration, Meditation, die Praxis selbstloser Liebe, Dienen für
alle und systematische innere Disziplin durch richtiges Sprechen und
richtiges Verhalten, die das Tor zu Yoga und innerer Entfaltung darstellen.
Hatha Yoga
F: Was ist Hatha Yoga?
A: Es ist der Yoga, der den Körper durch die Praxis von Asanas und Mudras stark und gesund macht; das Prana wird mit Apana vereint
und geht durch die Sushumna zum Sahasrara Chakra am Scheitel.
F: Ist die Praxis von Hatha Yoga notwendig, bevor man mit Raja Yoga
beginnt?
A: Ja. Asana und Pranayama sind zwei Angas, Glieder, des Ashtanga Yoga
(Raja Yoga). Wie kann man Raja Yoga praktizieren, wenn der Körper
nicht kräftig und gesund ist? Wie kann man Meditation praktizieren,
wenn man nicht Asana Jaya, Kontrolle über die Stellung, besitzt.
Man muß 3 Stunden durchgehend in Padma, Siddha oder Sukha Asana
sitzen können. Dann wird man gut meditieren können. Wenn der
Körper unruhig ist, wird auch der Geist unruhig werden. Es besteht
eine enge Beziehung zwischen Körper und Geist.
F: Wird die Praxis von Hatha Yoga zu Raja Yoga führen?
A: Ja. Hatha Yoga und Raja Yoga sind nicht voneinander zu trennen. Wo
Hatha Yoga endet, beginnt Raja Yoga. Das Ziel von Hatha Yoga ist körperliche
Vollkommenheit, und ein gesunder kräftiger Körper hilft dem
Schüler im Raja Yoga in seiner Praxis von Yama, Niyama, Dharana,
Dhyana und Samadhi.
F: Wird allein die Praxis von Pranayama die schlafende Kundalini Shakti
erwecken?
A: Nein. Asanas, Bandhas, Mudras, Pranayama, Japa, Meditation, ein starker
und reiner, unverrückbarer und analytischer Wille, die Gnade eines
Gurus, Frömmigkeit - all das erweckt die Kundalini Shakti.
F: Ist es richtig zu sagen, daß Pranayama in der Praxis von Raja
Yoga unnötig ist?
A: Nein. Pranayama ist eines der acht Glieder des Raja Yoga.
F: Ist es gefährlich, ohne Hilfe eines Gurus (Lehrers) Pranayama
zu üben?
A: Die Menschen sind unnötigerweise beunruhigt. Man kann gewöhnliche
Pranayama Übungen ohne Hilfe eines Gurus machen. Ein Guru ist notwendig,
wenn man längere Zeit Kumbhaka, Atemanhalten, praktizieren und
Apana mit Prana verbinden will. Bücher, die erfahrene Yogis geschriebenen
haben, können helfen, wenn man keinen Guru haben kann. Aber es
ist besser, einen Guru an seiner Seite zu haben, von ihm Aufgabenstellungen
zu bekommen und sie zu Hause zu üben. Man kann ihm regelmäßig
schreiben. Man kann den Atem 1/2, 1 oder 2 Minuten ohne jede Schwierigkeit
oder Gefahr anhalten. Wenn man keinen verwirklichten Yogi bekommen kann,
kann man sich an erfahrene Yogaschüler wenden. Sie können
helfen.
F: Welche Wirkungen hat die Praxis von Khechari Mudra?
A: Es hilft dem Schüler, den Atem zu stoppen. Er kann gute
Konzentration und Meditation haben. Er wird frei sein von Hunger und
Durst. Er kann ganz leicht den Atem von einem Nasenloch zum anderen
wechseln. Er kann auch ganz leicht Kevala Kumbhaka haben.
F: Was soll ich tun, wenn ich keinen verwirklichten Guru finde?
A: Du kannst einen fortgeschrittenen Yogaschüler als deinen
Guru annehmen. Er wird dich führen. Wenn du wirklich bereit bist,
wenn du in der Lage bist, die Halle der Weisheit zu betreten, wirst
du deinen Sat Guru, den höchsten Lehrer, an der Schwelle finden.
F: Warum zeigen auch große Seelen manchmal Zorn?
A: Ihr Zorn ist Abhasa Matra. Er dauert nur eine Sekunde. Er ist ähnlich
dem Eindruck, der hervorgerufen wird, wenn man mit einem Stock auf das
Wasser eines Sees schlägt. Sie zeigen Zorn nur, um den Schüler
zu korrigieren und zu erziehen. Von innen her sind sie immer kühl.
F: Kann ich nicht Samadhi erreichen, ohne Chitta Suddhi zu haben?
A: Nein. So wie ein Überbau nicht ohne gutes Fundament errichtet
werden kann, so kann auch Samadhi nicht ohne das Fundament von Chitta
Suddhi errichtet werden. So wie das Gebäude, das auf einem schlechten
Fundament errichtet ist, einstürzen wird, so wird auch der Sadhak,
der versucht, ohne Chitta Suddhi Samadhi zu erlangen, abstürzen.
Reinheit des Herzens ist die erste Voraussetzung auf dem spirituellen
Weg, sei es Raja Yoga, Bhakti Yoga oder Jnana Yoga.
F: Was sind die Erfahrungen in Samadhi?
A: Erfahrungen in Samadhi können nicht beschrieben werden.
Worte sind unvollkommen. Die Sprache ist unvollkommen. So wie der Mensch,
der Kandiszucker gegessen hat, anderen den Geschmack nicht beschreiben
kann, so kann auch der Yogi seine Erfahrung anderen gegenüber nicht
ausdrücken. Samadhi ist eine Erfahrung, die der Yogi intuitiv spüren
kann. In Samadhi erfährt der Yogi unendliche Wonne und gelangt
zu höchster Erkenntnis.
F: Schritt für Schritt, was sehen oder erfahren wir in Samadhi?
A: Die Schritte in Samadhi sind unterschiedlich, je nach der Art
des Yoga. Ein Bhakta erlangt Bhava Samadhi und Maha Bhava Samadhi durch
einen reinen Geist und durch Frömmigkeit. Shraddha, Bhakti, Nishtha,
Ruchi, Rati, Sthayee Bhava und Maha Bhava (Premamaya) sind die Stadien,
durch die der Gläubige geht. Ein Raja Yogi erlangt Savichara, Nirvichara,
Savitarka, Nirvitarka, Saasmita, Saananda und dann Asamprajnata Samadhi
durch das Unterdrücken von Gedanken und durch Samyama. Er erlangt
Ritambhara, Prajna, Madhubhumika, Dharmamegha und Prasankhya, usw. Ein
Jnani oder Vedantin erfährt Ekstase, Innenschau, Intuition, Offenbarung,
Erleuchtung und Paramananda. Er geht durch die Phasen von Moha, Dunkelheit,
den leeren Zustand des unendlichen Raums, einen Zustand, in dem es weder
Wahrnehmung noch Nichtwahrnehmung gibt, ein Zustand von unendlichem
Bewußtsein und unendlicher Wonne. Subheccha, Suvichar, Tanumanasi,
Sattvapatti, Asamsakti, Padartha Bhavana und Turiya sind die sieben
Phasen, durch die der Vedantin geht. Ein Jnana Yogi ist immer in Samadhi.
Für ihn gibt es weder in Samadhi noch außerhalb von Samadhi.
F: Wann wird der Geist universell?
A: Wenn Rajo Guna durch die Entwicklung sattviger Tugenden wie Brahmacharya,
Kshama, kosmische Liebe, Daya, Karuna, Aparigraha, Satya und Santosh
zerstört wird, und wenn der niedere instinktive (Kama Manas, der
Wunsch-Geist) ausgelöscht ist, wenn man den reinen Shuddha Manas
besitzt, dann wird der Geist universell. Rajas im Geist zersplittert,
teilt und trennt. Rajas ist Unreinheit. Sattva ist Reinheit.
Die Notwendigkeit
spiritueller Führung
F: Ist ein Guru zur Selbstverwirklichung notwendig?
A: Zweifellos. Ein spiritueller Lehrer ist für jeden absolut notwendig.
In den Anfangsphasen muß sich der Suchende mit vielen Schwierigkeiten
und Zweifeln auf seinem Weg auseinandersetzen. Er muß jemanden
haben, der viel erfahrener im Umgang mit dem Thema seiner Suche ist
als er, und zu dem er gehen kann, um seine Zweifel zu klären. Auch
normale weltliche Wissenschaften müssen von einem Lehrer gelernt
werden. Ein Student im Anfang würde in seiner Prüfung
nicht gut abschneiden, wenn er nur alleine ohne Hilfe eines Lehrers
seine Lektionen erarbeitet, oder ohne in die Schule zu gehen. Um die
Wissenschaft der Selbsterkenntnis zu erlernen, muß man einen zuverlässigen
Lehrer haben. Er muß das Beste der erhältlichen Literatur
über das jeweilige Thema studieren, um so in wirksamer Weise seine
Gedanken und seine intellektuelle Überzeugung zu formen, zusammen
mit der Unterweisung des Lehrers, durch Glaube, Frömmigkeit, Ausdauer
und praktisches Engagement zur Verfolgung seines Zieles, sowie durch
Beobachtung und Gesellschaft heiliger Menschen. Nur der Guru kann Fehler
feststellen. Es liegt in der Natur des Egoismus, daß Fehler nicht
festgestellt werden können und man nicht von ihrer verderblichen
Wirkung überzeugt ist. Einige wenige emotional reife, intellektuell
genaue, entschlossene und erleuchtete und spirituell hohe Seelen können
ihre eigenen Führer sein, und die Reinheit ihres Herzens wird es
ihnen ermöglichen, die von innen kommende Stimme Gottes zu vernehmen
und sich entsprechend von ihr führen zu lassen.
F: Ist es wesentlich, Yoga von einem Guru zu lernen, der selbst Yoga
Sadhana gemacht hat und Erfolg darin erlangt hat?
A: Ja. Man braucht die Führung eines Gurus. Man kann aber auch
eine Menge alleine zu Hause machen und sich allmählich entwickeln.
Die Welt ist ein großartiger Lehrer. Man kann so viele wertvolle
Lektionen von ihr lernen. Während man in der Familie lebt, kann
man viele Tugenden entwickeln. Selbstbeherrschung muß praktiziert
werden, während man in der Welt der Versuchungen lebt. Man kann
zu Hause Japa, Asanas, Pranayama und Meditation praktizieren. Führe
ein einfaches und strenges Leben. Sei ehrlich und mildtätig.
Veranlasse deine Frau, religiöse Bücher wie Ramayana, Gita,
usw. zu lesen. So kannst du dich allmählich auf das harte Leben
eines Sannyasin vorbereiten. Führe ein spirituelles Tagebuch und
sende es mir zur Durchsicht. Verbringe deine Ferien hier und unterziehe
dich der nötigen Ausbildung und Disziplin. Wenn du deine Familie
plötzlich verläßt, versetzt du ihr damit einen Schock.
Mache es allmählich: im Laufe einiger Jahre werden alle Bindungen
zerbrechen, und du kannst dich vollständig dem Sadhana widmen.
F: Was sind die Voraussetzungen und die wesentlichen Eigenschaften eines
wahren Gurus, Lehrers oder eines wirklichen Führers? Ist es einem
normalen Menschen möglich, einen wirklichen Führer auszuwählen?
Wenn ja, wie?
A: Ein wirklicher Guru ist ein Srotriya und ein Brahmanishtha, ein Schriftgelehrter,
der fest in Brahman wurzelt. Wer weise, wunschlos und ohne Sünde
ist, kann ein wirklicher Lehrer und Führer sein. Der Guru zieht
Kraft seiner Weisheit und Fähigkeit Seelen an, die geeignet sind,
von ihm geführt zu werden. Wenn jemand fühlt, daß er
sich auf diese Weise spontan zu einem Mahapurusha hingezogen fühlt
und gar nicht anders kann, als ihn lieben, bewundern und ihm dienen,
der eine Verkörperung unerschütterlicher Ruhe, Barmherzigkeit
und spiritueller Erfahrung ist, ein so großartiger Mensch kann
als Guru angenommen werden. Ein Guru ist frei von Lust, Zorn, Habgier,
Egoismus, Haß, Eifersucht und Selbstsucht. Er besitzt Selbstbeherrschung,
Frieden, vollkommenes Wissen in den Techniken aller Yogapraktiken, einen
ausgewogenen Geist, er sieht in allem dasselbe, ist großzügig,
tolerant, nachsichtig und geduldig. Er hat die Fähigkeit, die Zweifel
der Suchenden zu beseitigen. In seiner Gegenwart verschwinden Zweifel
von selbst. Durch Nirvikalpa Samadhi ist er im Besitz von göttlicher
Erkenntnis. In seiner Gegenwart genießt man Frieden, ist inspiriert
und erhoben. In seiner Gegenwart erlebt man einen eigenartigen Schauer
von Freude, Frieden und Erhobenwerden. Ein Guru ist ein Mensch, an dem
der Schüler keinen Fehler finden kann, und der als das Ideal dient,
das der Schüler erreichen möchte. Kurz, der Guru ist Gott
in manifester Form, und wenn Göttlichkeit in einem Menschen gesehen
wird, kann er als Guru gewählt werden. Die Beziehung zwischen Guru
und Sishya ist echt und unzerbrechlich, ebenso wie die zwischen Gott
und Mensch. Es ist ein Naturgesetz, daß, wenn ein bestimmtes Ereignis
im Universum stattfinden muß, die dazu notwendigen Bedingungen
genau zur richtigen Zeit geschaffen werden. Wenn der Schüler bereit
ist, das höhere Licht zu empfangen, wird er durch höchste
göttliche Fügung mit dem geeigneten Guru in Kontakt gebracht.
Definition von Glauben und
Entwickeln von Frömmigkeit
F: Ist es nicht der Glaube, der den Menschen befähigt, den Willen
des Schöpfers zu lesen?
A: Glaube liest nicht den Willen des Schöpfers, versetzt den Menschen
aber in die Lage, geistige Ablenkung einzuschränken und auszulöschen,
und in seiner letztendlichen absoluten Form läßt er ihn sich
auf seinen Schöpfer einstimmen und Ihn verwirklichen.
F: Wie unterscheiden sich Glaube und Frömmigkeit?
A: Glaube heißt, die Existenz Gottes, die Lehren der heiligen
Schriften und die Worte des Gurus, des Lehrers, anzunehmen. Frömmigkeit
ist Liebe zu Gott. Ohne an die Existenz Gottes zu glauben, ist es nicht
möglich, Frömmigkeit Ihm gegenüber zu haben.
F: Wenn man weder Glaube noch Frömmigkeit hat, in welcher Weise
kann die Wiederholung von Gottes Namen helfen?
A: Sie hilft. Es liegt eine geheimnisvolle, unerforschliche Kraft in
den Namen Gottes; sie legen sowohl Glaube als auch Frömmigkeit
in das Herz.
F: Kann jemand, der weder Glauben noch Frömmigkeit hat, Erleuchtung
erlangen?
A: Nein, nicht bevor er sich nicht bemüht und beides erlangt, sowohl
Glauben als auch Frömmigkeit.
F: Wie kann reine Frömmigkeit entwickelt werden?
A: Durch Meditation, Liebe, Japa, Kirtan, Satsang und intensives Studium
frommer Bücher.
Fragen zu Bhakti Yoga
F: Was ist Bhakti Yoga?
A: Es ist der Weg der Frömmigkeit, in der Verhaftung an Gott besteht,
den Partner der Seele des Menschen, was zur Beendigung von Bedürfnissen,
Wünschen und des Leides des weltlichen Lebens führt. Es ist
der Pfad von Prem, der den Jiva mit dem Herrn vereinigt.
F: Was ist es, das sogar Rama überlegen ist?
A: Rama Nama.
F: Wie?
A: Sri Hanuman sagte zu Gott Rama: „Oh mein Herr, es gibt etwas,
das höher ist als Du.“ Gott Rama war sehr erstaunt. Er fragte Hanuman:
„Was ist es, Oh Hanuman, das Mir überlegen ist?“ Hanuman antwortete:
„Hey Prabho, Du hast den Fluß in einem Boot überquert. Ich
aber überquerte den Ozean allein mit Hilfe der Macht und Kraft
Deines Namens. Die Steine trieben alleine in Deinem Namen. Deshalb ist
in der Tat Dein Name Dir überlegen.
F: Was ist das Mahamantra, das in diesem eisernen Zeitalter leicht zu
Freiheit führt?
A: ‹Hare Rama Hare Rama Rama Rama Hare Hare. Hare Krishna Hare Krishna
Krishna Krishna Hare Hare.‹
F: Was ist Bhakti?
A: Es ist höchste Frömmigkeit und intensive Verhaftung an
den Herrn.
F: Was sind die sechs Mittel, um Bhakti zu entwickeln und zu pflegen?
A: Dienst für Bhagavatas, Sadhus und Sannyasins, das Wiederholen
von Gottes Namen, Satsang, Hari Kirtan, Studium von Bhagavata oder Ramayana,
Aufenthalt in Brindavan, Pandarpur, Chitrakuta oder Ayodhya - das sind
die sechs Mittel, um Bhakti zu entwickeln.
F: Wer kann den Namen von Hari singen?
„Trinapadi suneechena taporapi sahishnunaa,
Amaninaa manadena kirtaneeyah sada harih.“
A: Wer bescheidener ist als ein Grashalm und so standhaft wie ein Baum,
keinen Respekt erwartet und doch jedem Respekt entgegenbringt, ist geeignet,
allezeit den Namen von Hari zu singen.
F: Wo ist göttlicher Nektar?
A: Gebildete Menschen sagen, daß der Nektar im Ozean, im Mond,
in der Welt der Schlangen (Nagaloka) und im Himmel gefunden werden kann.
Wenn das wahr ist, wieso ist der Ozean dann salzig, warum nimmt der
Mond dann ab, und warum ist im Mund der Schlangen Gift, der Tod Indras
(die Entthronung)? Deshalb befindet sich der wahre Nektar im Hals (der
Rede oder den Lehren) von Bhagavatas (Verehrern des Herrn).
F: Wie erkennt man Bhaktas?
A: Bhaktas kümmern sich um nichts. Ihre Herzen sind auf die Lotusfüße
des Herrn geheftet. Sie sind sehr demutsvoll. Sie sehen keine Unterschiede.
Sie haben keine Verhaftung an jemanden oder an etwas. Sie sind ohne
den Gedanken von Ich oder mein. Für sie besteht kein Unterschied
zwischen Sorge und Glück. Sie nehmen nichts von anderen. Sie können
Hitze, Kälte und Schmerz ertragen. Sie lieben alle Wesen. Sie haben
keine Feinde. Sie sind heiter und gelassen. Sie haben einen vorbildlichen
Charakter. Der Name von Gott Hari ist stets auf ihren Lippen. Sie sind
sehr fromm. Sie sehen Hari in allen Wesen und Dingen. Sie verletzen
niemals die Gefühle anderer. Sie sind zu jedem freundlich. Sie
sind frei von Zorn, Haß und Stolz.
F: Welche zwei inneren Feinde stehen der Entwicklung von Bhakti im Wege?
A: Lust und Zorn.
F: Welche zehn Laster entspringen der Lust?
A: Jagdlust, Glücksspiel, Schlafen am Tag, Verleumdung, Umgang
mit leichten Frauen, Trinken, Singen von Liebesliedern, Tanzen, vulgäre
Musik und zielloses Herumstrolchen.
F: Welche acht Laster begleiten den Zorn?
A: Ungerechtigkeit, Unbesonnenheit, Verfolgung, Eifersucht, Spitzfindigkeit,
Betrug (sich des Besitzes anderer bemächtigen), harte Worte und
Grausamkeit.
F: Was sind die acht Zeichen von Bhakti?
A: Asrupat (Tränen), Pulaka (zu Berge stehen der Haare), Kampana
(Muskelzucken), Weinen, Lachen, Schwitzen, Murcha (in Ohnmacht fallen)
und Swara Bhanga (Unfähigkeit zu sprechen).
F: Wie kam der Herr Seinen Bhaktas zu Hilfe?
A: Sri Krishna Selbst leitete die Hochzeitszeremonie von Narsi Mehtas
Tochter. Er brachte Ghee für das Shraddha von Narsis Mutter. Er
führte den blinden Vilwamangal nach Brindavan, indem er den Stock
in Seinen Händen hielt. Er massierte die Füße des Rajah
während der Tage, als sein Barbier Bhakta abwesend war.
F: Welche fünf Voraussetzungen sind in Bhakti Marga unerläßlich?
A: Bhakti muß Nishkamya sein. Es muß auch Avyabhicharini
sein. Es muß gleichmäßig sein wie das Fließen
von Öl. Der Strebende muß Sadachara beachten, richtiges Verhalten.
Er muß in seinen frommen Praktiken sehr sehr ernsthaft und aufrichtig
sein. Nur dann wird die Verwirklichung Gottes sehr rasch kommen.
Fr: Wie macht man Anushthana über 40 Tage?
A: Mache Japa von Rama Rama hundertfünfundzwanzigtausendmal, 3000
mal täglich. Stehe um 4.00 früh auf. Mache Japa. Mache das
Anushthana in Rishikesh, Hardwar, Prayag, Nasik oder Varanasi oder Brindavan
oder Ayodha oder Chitrakuta. Ansonsten mache es zu Hause. In den letzten
fünf Tagen mache 4000 Japas. Man kann auch täglich hunderttausend
Japas machen und dabei in einer einzigen Asana verharren. Am letzten
Tag mache Havan und bitte Brahmanen, Sadhus und Sannyasins zum Essen.
F: Wie kann Nirakara zu Sakara werden?
A: So wie Wasser zwei Formen haben kann, nämlich Nirakara (formlos)
und Sakara (mit Form) in der Form von Eis, so ist auch Brahman sowohl
Nirakara als auch Sakara. Nirakara Brahman nimmt nur zum Zwecke der
frommen Meditation Seiner Bhaktas eine Form an. So wie Luft formlos
ist und als Zyklon eine Form annimmt, so nimmt auch das formlose Brahman
eine Form an.
F: Sind Bhakti und Jnana unvereinbar wie Säure und Alkali?
A: Nein. Jnana verstärkt Bhakti. Die Frucht von Bhakti ist Jnana.
Para Bhakti und Jnana sind eins. Sri Sankara, ein Kevala Advaita Jnani
war ein großer Bhakta von Gott Hari, Hara und Devi. Sri Ramakrishna
Paramahamsa verehrte Kali und erhielt Jnana durch Swami Totapuri, seinen
Advaita Guru. Appayya Dikshitar, ein berühmter Jnani aus Südindien,
war ein frommer Bhakta von Gott Siva.
F: Wie ist es möglich, sowohl Jnana als auch Bhakti Yoga zu praktizieren?
Ist es nicht besser, sich alleine Bhakti Yoga zuzuwenden und das Verlangen
durch Denken an die Eigenschaften des Herrn zu zügeln?
A: Ja, man kann auch nur mit Bhakti Yoga beginnen. Du kannst an die
Lotusfüße des Herrn denken. Jedes Verlangen und alle Wünsche
werden ausgerottet.
F: Was sind die zwei Arten von Bhakti?
A: Apara Bhakti, niedere Hingabe, und Para Bhakti, höhere Hingabe.
F: Was ist Apara Bhakti?
A: Der Bhakta hat das Idol seiner Wahl. Er hat rituelle Verehrung und
Zeremonien. Er macht Puja mit Darstellungen.
F: Was ist Para Bhakti?
A: Ein solcher Bhakta sieht Hari überall und in allen Objekten.
Sein Geist ist immer auf die Lotusfüße des Herrn geheftet
wie das Fließen von Öl (unausgesetzt). Er besitzt allumfassende,
alleinschließende, universelle Liebe. Er hat nicht den geringsten
Haß gegenüber irgendeinem Wesen. Er sieht die ganze Welt
als Visva Brindavan.
F: Was ist Sakama Bhakti?
A: Der Gläubige verehrt Gott, um Geld, einen Sohn oder Erfolg in
einem Vorhaben zu erhalten, oder um sich von einer Krankheit zu befreien.
F: Was ist Nishkama Bhakti?
A: Der Gläubige erwartet keine Früchte. Er möchte Gott
und nichts als Gott. Es ist Liebe um der Liebe willen.
F: Was ist Vyabhicharini Bhakti?
A: Zwei Stunden lang Gott zu lieben und die übrige Zeit Frau, Kind
und Besitz.
F: Was sind die neun Arten von Bhakti?
A: Sravanam, Hören der Lilas des Herrn; Kirtanam, Singen seines
Lobes; Smaranam, Denken an Gott; Padasevanam, Verehrung der Lotusfüße
des Herrn (Dienst für die Menschen, das Land und Arme); Archanam,
Darbringen von Blumen; Vandanam, Verbeugungen; Dasyam, Dienen; Sakhyam,
Freundschaft; Atmanivedan, vollständige Selbsthingabe.
F: Wie unterscheiden sich Sneha, Prema, Sraddha und Bhakti?
A: Liebe gegenüber niedereren Personen wie Kinder ist Sneha. Prem
ist die Liebe zu Gleichwertigen, wie Frau oder Freunde. Sraddha ist
die Liebe zu Höhergestellten wie Eltern, Lehrer und zu anderen
in ähnlicher Position. Bhakti ist Hingabe an Gott.
F: Was sind die fünf Arten von Frömmigkeit?
A: Santa Bhava (Stille), Dasya Bhava (Dienen), Sakhya Bhava (Freundschaft),
Vatsalya Bhava (Väterlichkeit) und Madhurya Bhava (eheliche Liebe).
F: Was sind die fünf Kategorien der Verehrung?
A: Verehrung von Elementen und Geistern von Verstorbenen; Verehrung
von Rishis, Devas und Pitrus; Verehrung von Avataras; Verehrung des
Saguna Brahman; Verehrung des Nirguna Brahman.
F: Was sind die vier Grade von Bhakti?
A: Sanfte Zuneigung, warme Zärtlichkeit, glühende Liebe und
brennende Leidenschaft. Eine andere Klassifikation ist Bewunderung,
Anziehung, Verhaftung und höchste Liebe.
F: Was sind die vier Arten von Mukti?
A: Der Bhakta weilt in dem Loka, in dem Gott Vishnu wohnt, wie der Bewohner
eines Staates. Das ist Salokya Mukti. Er weilt in nächster Umgebung
des Herrn, wie der Assistent eines Königs. Das ist Sameepya Mukti.
Er erhält die gleiche Gestalt wie der Herr, so wie der Bruder eines
Raja oder Yuvaraja. Das ist Saroopya Mukti. Er wird eins mit dem Herrn
wie Salz oder Zucker im Wasser. Das ist Sayujya Mukti.
F: Wie wird Bhakti Yoga praktiziert?
A: Fünf Bhavas, Gefühle gegenüber dem Herrn sind von
unseren Bhakti Acharyas beschrieben worden. Es sind die sublimierten
inneren Transformationen der normalen menschlichen Ausdrucksweise der
Liebe. Vatsalya Bhava (das Gefühl, Gott als das eigene Kind sehen);
Sakhya Bhava (Gott als Freund sehen); Dasya Bhava (sich selbst als Seinen
Diener sehen); Madhurya Bhava (Gott als Geliebten sehen); und Santa
Bhava (über Ihn meditieren als im eigenen Herzen weilend, als das
eigene Selbst, friedvoll). Man kann das Gefühl wählen, das
auf natürliche Weise kommt. Finde heraus, wem gegenüber du
im täglichen Leben die größte Liebe empfindest - Kind,
Freund, Meister, Geliebtem oder zu niemandem im speziellen. Verehre
Gott im entsprechenden Aspekt.
Fühle, daß du einzig und allein dazu lebst, um Ihn zu verwirklichen.
Fühle in jedem Moment, daß du Ihm und nur Ihm alleine durch
Seine unendlichen Manifestationen dienst. Sieh Gott und nur Gott in
jedem Gesicht. Verbeuge dich geistig vor allem und jedem - auch vor
Tieren: „Oh mein Herr! Ich sehe Dich und nur Dich in all diesen Wesen.“
Und meditiere über folgende Formel morgens und abends und wiederhole
auch während der täglichen Arbeit: „Ich bin Dein. Alles ist
Dein, mein Herr! Dein Wille geschehe.“ Du wirst sehr schnell intensive
Hingabe zu Ihm entwickeln. Er Selbst wird dich von innen führen.
Wiederhole seinen Namen mit jedem Atemzug; sei regelmäßig
in Japa, Kirtan und Meditation, morgens und abends.
F: Was sind die wesentlichen Eigenschaften eines Bhakta? Und kann man
sie erwerben?
A: Ethische Vollendung ist der Duft, der den Bhakta umgibt. Wenn der
Herr im Herzen des Bhakta seinen Thronsitz eingenommen hat, zieht Dharma
in ihn ein. Rechtschaffenheit wird zu seiner eigentlichen Natur. So
wie Finsternis nicht neben Licht bestehen kann, kann das Böse nicht
sein, wo Er wohnt.
Finde durch strenge Selbstanalyse deine verborgenen oder offenliegenden
schlechten Charakterzüge heraus; meditiere über die entgegengesetzte
Tugend. Wenn du Japa und Dhyana praktizierst, fühle, daß
der Herr, der die eigentliche Quelle und Vollendung dieser Tugend ist,
stets in deinem Herzen wohnt, diese Tugend ausstrahlt und dein ganzes
Wesen mit dieser Tugend erfüllt. Während Vyavahara unterstreiche
immer und immer wieder, daß diese üble Eigenschaft dich verlassen
hat. Du wirst in göttlichen Eigenschaften wachsen.
F: Was ist der einfachste Weg zur Verwirklichung?
A: Der einfachste Weg zur Selbstverwirklichung ist ständiges Japa,
den Namen des Herrn zum integralen Bestandteil von sich selbst zu machen,
Ihn und nichts als Ihn, in allen Namen und Formen zu sehen, Egoismus
zu vernichten und Raga-Dvesha zu beseitigen. Der spirituelle Weg ist
ein Weg auf Messers Schneide für den, der kein Shraddha hat;
es ist ein Weg voller Rosen für den, der Glauben und Frömmigkeit
hat und sich völlig den Lotusfüßen des Herrn hingibt.
F: Wie macht man Dhyana von Hari?
A: Hefte den Geist gedanklich auf Seine Lotusfüße. Lasse
den Geist über Sein seidenes Gewand (Pitambar) gleiten, über
Srivatsa, das Koustubha Juwel auf Seiner Brust, die Reifen an Seinen
Armen, die Ohrringe, die Krone auf dem Haupt, dann über Muschelhorn,
Diskus, Keule und Lotus in den Händen und komme dann zu Seinen
Füßen. Wiederhole diesen Vorgang immer wieder.
Fragen zu Vedanta
F: Was bedeutet unendlich?
A: Wo man nichts sieht und nichts hört, das ist unendlich. Wo es
weder gestern noch morgen gibt, wo es weder Farbe noch Klang gibt, wo
es weder Ost noch West gibt, wo es weder Licht noch Finsternis gibt,
weder Freude noch Leid, weder Hunger noch Durst, weder Raum noch Zeit,
das ist unendlich.
F: Warum hat uns dieser Schleier der Unwissenheit bedeckt, wenn wir
Brahman sind?
A: Das ist eine transzendentale Frage (Ati-prasna). Der endliche Intellekt,
der durch Zeit, Raum und Ursächlichkeit konditioniert ist, kann
diese Probleme nicht lösen. Zerbrich dir nicht den Kopf über
diesen Punkt. Spanne nicht den Wagen vor das Pferd. Beseitige zuerst
die Unwissenheit. Erlange Selbstverwirklichung. Erst dann wirst du Wesen
und Ursprung von Maya oder Avidya erkennen.
F: Was ist die wahre Natur des Atman? Wie kann er verwirklicht werden?
A: Die wahre Natur des Atman geht über die Beschreibung hinaus,
wenn Weise auch behelfsmäßige Definitionen gaben, um uns
zu führen. Sat, absolutes Sein, Chit, absolutes Wissen, Ananda,
absolute Wonne, Santam, Frieden, Sivam, Verheißung, Advaitam,
eins ohne zweites; das transzendentale Eine, das bleibt, wenn man alle
Namen und Formen verneint worden sind - das sind einige Hinweise zur
Führung. Das innerstes Selbst, das wacht, während du schläfst,
das über deinen Geist, deinen Körper und deine Sinne hinausgeht
- das ist der Atman.
Reinige dich zuerst durch die Praxis von Nishkama Karma Yoga. Parallel
dazu mache Japa, Kirtan, Pranayama und festige den Geist. Frage: „Wer
bin ich?“ Sei ausdauernd in diesem Sadhana, solange bis du das Selbst
verwirklichst.
F: Der Geist wird von strahlenden Lichtern, Schönheit, erfreulichen
Farben, Klängen, usw. angezogen. Wie können wir ihn zur Stetigkeit
zurückbringen?
A: Wenn man den Weg von Vedanta geht, kann man durch Unterscheidung
klar erkennen, daß das, was man sieht nichts ist als ein Schein
und unwirklich, und daß das Selbst, das Substrat der Welt, ewig
und wirklich ist. Nun läuft der Geist nicht zu äußeren
Objekten. Er wird sich zu seiner Quelle, zum Atman in Inneren hin bewegen.
Wenn du bedenkst, daß die äußeren Objekte nichts anderes
sind als Manifestationen des eigenen Selbst und daher in dir existieren,
dann wird der Geist ebenfalls nicht zu den Sinnesobjekten hinlaufen.
Wenn du dem Pfad der Hingabe folgst, versuche, den Geist auf die Lotusfüße
deines Ishta Devata zu heften, immer wenn der Geist nach außen
läuft. Allmählich kann der Geist kontrolliert werden.
Fragen zu Raja Yoga
F: Was ist der einfachste Weg zu Konzentration?
A: Wieder Japa des Namens des Herrn. Und ein sehr wichtiger Punkt, der
in dieser Hinsicht zu bedenken ist, ist, daß vollkommene Konzentration
nicht in einem einzigen Tag zu erreichen ist; man darf niemals verzweifeln
und die Bemühungen aufgeben. Sei ruhig. Sei geduldig. Mache dir
keine Sorgen, wenn der Geist wandert. Sei regelmäßig in deinem
Japa; halte an deiner Meditationszeit fest. Langsam wird sich der Geist
automatisch Gott zuwenden. Und wenn er einmal die Wonne des Herrn gekostet
hat, wird ihn nichts mehr erschüttern können.
F: Was ist Saucha? Wie viele Arten gibt es?
A: Saucha ist innere und äußere Reinheit. Es ist von zweierlei
Art, nämlich äußeres und inneres Saucha. Äußeres
Saucha erfolgt mit Erde, Wasser und Bad. Inneres Saucha geschieht durch
Japa, Pranayama, Vichara, das Stellen der Frage: „Wer bin ich?“, Swadhyaya,
Kirtan, Meditation, die Praxis von Ahimsa, Satyam, Brahmacharya oder
Sadacharya, die Pflege tugendhafter Eigenschaften wie Maitri, Karuna,
Mudita (Freundschaft, Barmherzigkeit, Dankbarkeit, Wohlgefallen). Inneres
Saucha ist wichtiger.
F: Welche Vorteile ergeben sich für den Sadhaka, wenn er zu Brahmamuhurta
meditiert?
A: Zu Brahmamuhurta ist der Geist ruhig und gelassen. Er ist frei von
weltlichen Gedanken, Sorgen und Beunruhigungen. Der Geist ist wie ein
weißes Blatt Papier und relativ frei von weltlichen Samskaras.
Er kann zu dieser Zeit sehr leicht geformt werden, bevor weltliche Ablenkungen
in den Geist gelangen. Weiters ist auch die Atmosphäre gerade zu
dieser Zeit mit mehr Sattva geladen. Es herrscht draußen kein
großes Getue und nicht viel Lärm.
F: Wenn ich mich zur Meditation setze, fallen verschiedene weltliche
Gedanken über mich her. Wann wird die Unruhe aufhören?
A: In einer großen Stadt herrscht um 20.00 viel Lärm und
Getriebe. Um 21.00 herrscht weniger Lärm und Getriebe. Um 22.00
ist es noch weniger, und um 23.00 ist es viel weniger. Um 1.00 ist es
überall still. Ebenso sind da zu Beginn der Yogapraxis zahllose
Vrittis im Geist. Im Geist ist viel Unruhe und Fluktuation. Allmählich
hören die Gedankenwellen auf. Zum Schluß sind alle geistigen
Erscheinungsformen beherrscht. Der Yogi genießt vollkommenen Frieden.
F: Wie erreicht man rasch Samadhi?
A: Löse alle Verbindungen zu Freunden, Verwandten usw. Schreibe
an niemanden Briefe. Halte Akhanda Mauna (das Gelübde fortgesetzten
Schweigens). Lebe alleine. Gehe alleine. Iß sehr wenig aber nahrhaft;
wenn es dir möglich ist, lebe nur von Milch. Tauche ein in tiefe
Meditation. Tauche tief. Übe dauernd. Du wirst in Samadhi aufgehen.
Sei vorsichtig. Benutze deinen Verstand. Beginne keinen heftigen Kampf
mit dem Geist. Entspanne. Lasse die göttlichen Gedanken sanft in
den Geist einströmen.
F: Wohin soll der Geist konzentriert werden?
A: In den Herzlotus (Anahat Chakra) oder auf den Punkt zwischen den
Augenbrauen (Trikuti), je nach Geschmack und Vorliebe.
Yoga und das göttliche Leben
F: Was ist Yoga?
A: Yoga bedeutet „Vereinigung“ - Vereinigung der individuellen Seele
mit der kosmischen Seele, das Aufgehen des endlichen Bewußtseins
im höchsten Bewußtsein. Ausgewogenheit des Geistes ist Yoga.
Freisein von Verhaftung, Egoismus und Unvollkommenheiten ist Yoga.
F: Kann Yoga alle Probleme dieser Welt lösen? Wie entwickelt man
Vertrauen dazu?
A: Ja: in der Tat ist Yoga die einzige Lösung für die Probleme
der Welt. Meditiere über das vergängliche, unbeständige
und unwirkliche Wesen der Welt. Mache Vichara. Verstehe, daß alle
Freuden der Welt zahlreiche Leiden gebären. Erkenne, daß,
selbst wenn du die Herrschaft über die drei Welten erlangst, du
doch nicht den höchsten, ungetrübten und immerwährenden
Frieden genießen kannst, den du alleine im Yoga (der Vereinigung
der individuellen Seele mit der höchsten Seele) haben kannst. Wenn
durch fortgesetztes Vichara, das nach diesen Richtlinien erfolgt, Viveka
in deinem Herz aufdämmert, wirst du unerschütterliches Vertrauen
zu Yoga haben.
F: Was sind die Prinzipien göttlichen Lebens?
A: Ahimsa, Satya, Brahmacharya und Verhaftungslosigkeit und die Sehnsucht
nach Selbstverwirklichung sind die Prinzipien göttlichen Lebens.
Göttliches Leben ist Leben in Gott. Man kann ein göttliches
Leben führen, auch wenn man aktiv im Leben steht und seine Pflichten
erfüllt, aber dazu sind Verzicht auf Egoismus, Verhaftung, Sehnsüchte
usw. notwendig. Lege die Hände in die Arbeit und den Geist in Gott.
F: Was ist besser, die Dvaita oder die Advaita Philosophie?
A: Beide sind ideal für verschiedene Temperamente. Der emotionale
und fromme Typ von Suchendem praktiziert Bhakti (Dvaita). Der willensstarke
und intellektuelle Typ praktiziert Jnana (Advaita). Der Dvaitin fühlt
sich als Diener des Herrn. Der Advaitin fühlt sich eins mit dem
Herrn. Beides führt zum selben Ziel, Vereinigung mit dem Göttlichen,
Verschmelzen des individuellen Bewußtseins mit dem göttlichen
Bewußtsein.
F: Was ist die Bedeutung von Dehadhyas? Sri Sankaracharya hatte zum
Unberührbaren gesagt: „Ich möchte nicht, daß dein Körper
und auch nicht daß deine Seele verschwindet, sondern Dehadhyas,
usw.“
A: Dehadhyas ist die Identifikation der Seele mit dem physischen Körper
aufgrund von Täuschung.
F: Wer ist der Adhikari (der geeignete Mensch), der den Pfad von Vedanta
beschreiten kann?
A: Derjenige, der Mala, Sünde und Unreinheit durch Nishkama Karma
Yoga beseitigt hat, Vikshep, das Schwanken und Fluktuieren des Geistes,
durch Upasana, die Verehrung der Saguna Murti, und der, der Sadhana
Chatushtaya, die vier Voraussetzungen besitzt, nämlich Viveka,
Vairagya, Shat-Sampat und Mumukshutva, nur er ist geeignet, die Praxis
von Vedanta aufzunehmen.
Welt und Entsagung
F: Wann muß ich der Welt entsagen?
A: Entsage der Welt genau an dem Tage, an dem du vollkommenes Vairagya
hast. Das ist die ausdrückliche Erklärung der Srutis (Jabala
Upanishad). Dieses Vairagya muß das Produkt reinen Vivekas sein.
Andernfalls hält man es nicht aus und kann nicht auf dem Weg der
Entsagung bleiben.
F: Ist diese Welt unwirklich?
A: Die Welt ist unwirklich, denn vom absoluten Standpunkt aus gesehen,
erweist sie sich als in sich selbst widersprüchlich, vergänglich
und vollkommen abhängig von den vorbeiziehenden Erscheinungsformen
und den Phasen des sie wahrnehmenden Bewußtseins. Sie ist kein
unabhängiger Wert, keine unabhängige Existenz, und sie wird
in der Selbstverwirklichung verneint. |
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