Die Ausbildung im Yoga ist in acht Angas,
Glieder oder Stufen, unterteilt, nämlich Yama, Niyama, Asana,
Pranayama, Pratyahara, Dharana, Dhyana und Samadhi. Die ersten beiden
Teile des Yoga sind Yama und Niyama. Asana ist das dritte Anga im Ashtanga
Yoga und Pranayama das vierte.
Wenn das Fundament eines Hauses nicht
sachgerecht angelegt ist, wird der Überbau innerhalb kürzester
Zeit einstürzen. Genauso, wenn Du den vollen spirituellen Nutzen
von Asanas haben willst, mußt Du zuerst die ersten beiden Stufen,
Yama und Niyama, gut üben.
Genauso, wenn ein Yogaschüler die
Asanas nicht beherrscht, kann er nicht erfolgreich seine höheren
Kurse der Yogapraxis fortsetzen. Nur wenn Du in der Asana fest bist,
wirst Du den Nutzen von Pranayama erfahren.
Arten
von Asanas
Es gibt soviele Asanas oder Stellungen
wie es Arten von Lebewesen in diesem Universum gibt. Es gibt 8400000
Asanas, entsprechend zu den 84 Lakhs von Körpern. Die Asanas
entsprechen den verschiedenen Sitzstellungen, die man bei den verschiedenen
Arten in der Schöpfung finden kann.
Von den 84 Lakhs von Asanas sind 84 die
besten; und von diesen 84 wurden 32 als nützlich für den
Menschen befunden.
Asanas können in zwei große
Gruppen unterteilt werden, nämlich Meditationsstellungen und
Stellungen für Gesundheit und Kraft. Die Yoga Shastras sagen,
es gibt es vier hervorragende Meditationsstellungen: Padmasana, Siddhasana,
Swastikasana und Sukhasana.
Die
Meditationsstellungen
Die Meditationsstellungen sind besonders
geeignet für Japa und für kontemplative Zwecke. Sie lösen
den Geist vom Kummer und den Sorgen des Alls. Sie beruhigen die Nerven,
entspannen den Körper, stärken den Geist und schenken Ausgeglichenheit.
Die Meditationsstellungen steigern das Verdauungsfeuer und geben
guten Appetit, Gesundheit und Glück. Sie beseitigen Rheumatismus.
Sie halten Gase, Galle und Schleim im Gleichgewicht. Sie reinigen
und stärken die Nerven in den Beinen. Sie sind dazu geeignet,
Brahmacharya aufrechtzuhalten.
‘Sthira Sukham Asanam’ - ‘Asana ist fest
und angenehm’ (Patanjali). Sie darf kein Schmerzempfinden oder Unbehagen
verursachen. Wenn die Asanas nicht fest sind, wird der Geist schnell
durcheinandergebracht. Man hat dann keine Konzentration des Geistes.
Der Körper muß fest sein wie ein Fels. Der Körper
darf nicht im mindesten zittern. Du mußt zu einer lebendigen
Statue werden, wenn Du Dich zu Dhyana hinsetzt. Wenn der Sitz fest
wird, macht man Fortschritte in der Meditation. Man hat dann kein
Körperbewußtsein.
Wenn Du in der Stellung sitzt, denke: ‘Ich
bin so fest wie ein Fels. Nichts kann mich erschüttern’. Suggeriere
das ein Dutzend Mal Deinem Geist. Dann wird die Asana bald fest werden.
Du mußt in einer der vier Stellungen
drei Stunden lang ohne Unterbrechung verharren können, ohne
Dich zu bewegen. Nur dann kannst Du Asana Jaya, Beherrschung der
Asana, erlangen. Wenn Du auch nur eine Stunde lang in der Stellung
verharren kannst, wirst Du Einpünktigkeit des Geistes erlangen
und dadurch den unendlichen Frieden und Atma Ananda im Inneren erfahren.
Wenn Du ein Jahr lang regelmäßig übst,
wirst Du Erfolg haben;
und Du wirst drei Stunden lang ohne Unterbrechung
sitzen können. Beginne mit einer halben Stunde und steigere
allmählich die Dauer.
Wenn Du nach einiger Zeit starke Schmerzen
in den Beinen verspürst, löse die Beine, massieren sie
fünf Minuten lang und setze Dich dann wieder in die Asana. Wenn
Du fortgeschrittener bist, wirst Du keine Schmerzen mehr spüren.
Du wirst dagegen ungeheure Freude erfahren. Übe die Asana morgens
und abends.
Bleibe bei einer Asana, entweder Padma,
Siddha, Swastika oder Sukha; und mache sie durch wiederholtes Üben
fest und vollkommen.
Wechsle nie die Asana. Halte hartnäckig
an einer fest. Klammere Dich daran wie ein Blutegel. Erfahre den
vollen Nutzen einer einzigen Asana für die Meditation.
Stellungen
zur Übung des Körpers
Unter den Körperübungsstellungen
gibt es einige Asanas, die im Stehen geübt werden können.
Das sind Tadasana, Trikonasana, Garudasana, usw. Einige können
im Sitzen geübt werden. Das sind Paschimottasana, Janushirshasana,
Padmasana, Lolasana, usw. Einige werden im Liegen geübt. Das
sind Uttanapadasana oder Pavanamuktasana. Schwache oder zarte Menschen
können Asanas im Liegen machen. Manche Asanas wie Shirshasana,
Vrikshasana, Sarvangasana, Viparitakarani Mudra, usw. werden mit
dem Kopf nach unten und den Beinen nach oben ausgeführt.
Yoga
Asanas und Körperübungen
Normale Körperübungen entwickeln
nur die oberflächlichen Muskeln des Körpers. Man kann ein
Sandow mit einem wunderschönen Körperbau werden. Asanas
hingegen sind für die gründliche Übung der inneren
Organe gedacht, wie Leber, Milz, Bauchspeicheldrüse, Darm, Herz,
Lunge, Gehirn und die wichtigen Hormondrüsen des Körpers.
Asanas harmonisieren die inneren Organe und beleben die Schilddrüse
und andere endokrine Drüsen, die eine sehr wichtige Rolle bei
der Erhaltung der Gesundheit spielen.
Körperübungen treiben das Prana
nach außen. Asanas schicken das Prana nach innen und verteilen
es ganz gleichmäßig über den ganzen Körper und
seine verschiedenen Systeme.
Asanas sind nicht nur Körperübungen.
Sie sind mehr als das. Sie schenken seelisches Gleichgewicht. Sie
helfen bei der Beherrschung der Emotionen. Sie bringen spirituellen
Nutzen.
Asanas erwecken die Schlangenkraft oder
Kundalini, die im Muladhara Chakra schläft. Sie schenkt dem
Aspiranten Wonne, Macht und Yoga Samadhi. Wenn Du 500 Mal täglich
Dand und Bhaitaks machst oder fünf Jahre lang täglich fünfzig
Klimmzüge am Barren, wird das in keiner Weise zum Erwecken dieser
geheimnisvollen Kraft, der Kundalini, beitragen. Siehst Du jetzt
den Unterschied?
Das Üben von Asanas verursacht keine
Kosten. Du brauchst keine Hanteln, Federn, Gewichte oder Barren,
um den Yoga-Raum einzurichten. Im Höchstfall benötigt man
eine einfache weiche Decke, um darauf Asanas zu machen.
Wer
kann Asanas machen?
Grundsätzlich kann man diese Asanas
ab einem Alter von zehn, zwölf Jahren praktizieren. Zwanzig-
bis Dreißigjährige können alle Asanas gut ausführen.
Ein zwei Monate Praxis machen die
steifen Sehnen, Muskeln und Knochen sehr geschmeidig. Selbst alte
Menschen können alle Asanas machen.
Sie können auf Shirshasana
verzichten, wenn sie körperlich nicht dazu in der Lage sind.
Es gibt aber Menschen fortgeschrittenen Alters, die auch Shirshasana
machen.
Auch Frauen sollten Asanas machen. Wenn
Frauen den Asana-Zyklus systematisch und mit Interesse und Aufmerksamkeit
praktizieren, werden sie wundervolle Gesundheit und Lebenskraft haben.
Wenn Mütter gesund und stark sind, werden auch die Kinder gesund
und stark sein. Eine Revitalisierung der jungen Frauen ist eine Revitalisierung
für die ganze Welt.
Heilwirkung
von Yogaübungen
Asanas halten die Muskeln geschmeidig
und die Wirbelsäule elastisch, verbessern geistige Fähigkeiten
und entwickeln die Lungenkapazität, sie stärken die inneren
Organe und schenken Langlebigkeit. Durch die Übung von Yoga
Asanas wird das Blut mit viel Sauerstoff angereichert und die Anhäufung
von venösem Blut wird gestoppt. Der Körper wird mit einem
großen Maß an Energie erfüllt. Die Gehirnzentren
und das Rückenmark werden gestärkt und belebt. Das Gedächtnis
wird verbessert und der Verstand geschärft. Intuition wird entwickelt.
Die Praxis von Asanas festigt das Gleichgewicht
im Körper und garantiert auch geistige Ausgeglichenheit. Yogaübungen
tragen zur Entspannung des Körpers bei, so daß nervliche
Anspannungen aufgelöst werden können.
Die Übung von Asanas beseitigt Krankheiten
und macht den Körper leicht, fest und stabil. Eine bestimmte
Asana dient zur Beseitigung einer bestimmten Krankheit. Beachte diese
wundervolle Kraft der Asana.
Shirshasana ist nützlich für
ein trübes Gehirn. Er schenkt Gehirnkraft und entwickelt Verstand
und Gedächtnis. Er trägt zur Speicherung von Ojas Shakti
im Gehirn bei. Er nützt bei der Bewahrung von Brahmacharya.
Er heilt viele Krankheiten. Er verbessert Seh- und Hörvermögen
durch einen zusätzlichen Blutzufluß zum Gehirn.
Sarvangasana entwickelt die Schilddrüse,
stärkt Lungen und Herz und macht die Wirbelsäule elastisch.
Shirshasana und Sarvangasana steigern
die Vitalität und beugen dem Altern vor. Sie machen die Wirbelsäule
elastisch. Sie erneuern und verjüngen das gesamte System. Die
Schilddrüsen werden stimuliert und mit neuer Energie versorgt.
Matsyasana ist gut für die Entwicklung
der Lungen, des Gehirns und der Augen; er stärkt auch den oberen
Teil der Wirbelsäule.
Paschimotthana und Mayura Asanas kräftigen
das Verdauungsfeuer und verbessern die Verdauung. Paschimottanasana
vermindert Fett im Bauch.
Bhujangasana, Shalabhasana und Dhanurasana
verbessern die Darmperistaltik, wirken gegen Verstopfung und heilen
Unterleibserkrankungen. Das Rollen in Dhanurasana gibt eine sehr
gute Bauchmassage.
Agni Sara Kriya, Uddiyana Bandha und
Mayurasana sind ebenfalls verdauungs- und appetitförderlich.
Ardha Matsyendrasana ist gut für Leber und Galle.
Tadasana, Trikonasana und Garudasana
machen größer.
Shavasana entspannt Körper und Geist
und schenkt vollkommene Ausgeglichenheit und Ruhe.
Man praktiziert Asanas und Pranayama
nicht, um starke Muskeln zu bekommen. Muskeln bedeuten nicht Gesundheit.
Die gesunde und harmonische Funktion der endokrinen Drüsen und
inneren Organe und dergleichen mehr, des Nervensystems und des Geistes
- das ist es, was man braucht und was das regelmäßige Üben
von Yoga Asanas und Pranayama schenkt.