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Yoga Artikel | Artikel von Swami Sivananda

       

Devi - die Göttliche Mutter

Aus: "Göttliche Erkenntnis", von Swami Sivananda

Devi, die Göttin, auch Maheshwari oder Parashakti genannt ist die Höchste Shakti oder Kraft des Höchsten Wesens. Als Vishnu und Shiva diverse Asuras (Dämonen) vernichteten, stand die Kraft Devis hinter ihnen. Devi nahm Brahma, Vishnu und Rudra und gab ihnen die nötige Shakti, um das Werk der Schöpfung, Erhaltung und Vernichtung auszuführen.

Devi ist die Schöpferin des Universums. Sie ist die Universelle Mutter. Durga, Kali, Bhagavati, Bhavani, Amba, Ambika, Jagadamba, Kameshwari, Ganga, Uma, Chandi, Chamundi, Lalita, Gauri, Kundalini, Tara, Rajeshwari, Tripurasundari usw., sind alles Ihre Gestalten. Sie wird während der neun Tage des Dusserah als Durga, Lakshmi und Saraswati verehrt.

Devi ist die Mutter aller. Die Frommen und die Bösen, die Reichen und die Armen, der Heilige und der Sünder - sie alle sind Ihre Kinder.

Devi oder Shakti ist die Mutter der Natur. Sie ist Natur selbst. Die ganze Welt ist Ihr Körper. Berge sind Ihre Knochen. Flüsse sind Ihre Venen. Der Ozean ist Ihre Blase. Sonne und Mond sind Ihre Augen. Der Wind ist Ihr Atem. Agni ist Ihr Mund. Sie läßt die Welt sich drehen.

Erscheinungsformen von Shakti

Shakti ist symbolisch weiblich; aber in Wahrheit gibt es weder männlich noch weiblich. Es gibt nur eine Kraft, die sich in verschiedenen Gestalten zeigt.

Die fünf Elemente und ihre Verbindungen sind die äußeren Erscheinungsformen der Mutter. Klugheit, Unterscheidungskraft, Seelenstärke und Wille sind Ihre inneren Erscheinungsformen. Die Menschheit ist Ihre sichtbare Form.

Sie schlummert im Muladhara Chakra in Gestalt der Schlangenkraft, der aufgerollten Energie, die Kundalini Shakti genannt wird. Sie ist im Zentrum der Lebens des Universums. Sie ist die Urkraft des Lebens, die allem Sein zugrunde liegt. Sie belebt den Körper durch die Sushumna Nadi und die Nerven. Sie ernährt den Körper mit Lymphe und Blut. Sie belebt das Universum durch Ihre Energie. Sie ist die Energie der Sonne, der Duft der Blumen, die Schönheit der Landschaft, das Gayatri, die Gesegnete Mutter der Veden, die Farbe im Regenbogen, die Klugheit im Geist, die Potenz in homöopathischen Heilmitteln, die Kraft in Makaradhvaja und Goldoxyd, der Wille und Vichara Shakti in Weisen, die Hingabe in Bhaktas, Samyama und Samadhi in Yogis. Vidya, Shanti, Lust, Zorn, Habsucht, Egoismus und Stolz sind auch Ihre Gestalten. Ihre Erscheinungsformen sind zahllos.

Shiva und Shakti

Der Höchste Herr wird dargestellt als Shiva und Seine Kraft wird dargestellt als Seine Gemahlin - Shakti, Durga oder Kali. Mutter Durga ist der Energieaspekt des Herrn. Ohne Durga hat Shiva keinen Ausdruck; und ohne Shiva hat Durga kein Sein. Shiva ist die Seele Durgas. Durga ist identisch mit Shiva. Gott Shiva ist nur der stumme Zeuge. Er ist bewegungslos, absolut unveränderlich. Er wird vom kosmischen Spiel nicht berührt. Durga macht alles.

Shiva ist allmächtig, unpersönlich, untätig. Er ist reines Bewußtsein. Shakti ist dynamisch. Die Kraft, der aktive Aspekt des immanenten Gottes ist Shakti. Shakti ist die Verkörperung der Kraft.

Shiva und Shakti werden auch Prakasha und Vimarsha genannt. Shakti oder Vimarsha ist die Kraft, die im reinen Bewußtsein verborgen ist. Vimarsha läßt die Welt der Vielfalt entstehen. Mit anderen Worten, Shakti ist die Möglichkeit des Absoluten, als Vielfalt zu erscheinen, die Möglichkeit, daß Gott die Welt verursacht. Gott erschafft diese Welt durch Shrishti-Shakti, erhält sie durch Sthiti-Shakti und zerstört sie durch Samhara-Shakti.

Es gibt keinen Unterschied zwischen Gott und Seiner Shakti, so wie es keinen Unterschied gibt zwischen dem Feuer und seiner brennenden Kraft. Shakti steckt in Gott. So wie man Hitze nicht von Feuer trennen kann, kann man Shakti nicht von Gott trennen, der der Besitzer von Shakti ist. Shakti ist Brahman Selbst. Shiva und Shakti sind eins. Shiva ist immer mit Shakti. Sie sind untrennbar. Die Verehrung von Durga, Parvati oder Kali ist die Verehrung Gott Shivas.

Materie, Energie und Geist

Die Mutter ist der schöpferische Aspekt des Absoluten. Sie wird sinnbildlich dargestellt als kosmische Energie. Energie ist das physische Ende aller Materieformen und die Kraft, die den Geist trägt. Energie und Geist sind untrennbar. Sie sind eigentlich eins.

Materie kann zu Energie reduziert werden. Die Prasnopanishad sagt, daß Rayi und Prana - Materie und Energie - die gesamte Schöpfung ausmachen. Materie ist der äußere Hinweis auf die innere Kraft, die von Gott ausgedrückt wird. Die Kraft, die das Universum entstehen läßt und erhält, ist nicht Jada Shakti, die elektrische Energie, welche für die Wissenschaftler die letzte Realität ist, sondern Chaitanya Shakti, die Kraft des unveränderlichen Bewußtseins von Brahman. In der Tat ist es nicht eine Kraft von Brahman, sondern sie ist Brahman.

Die Göttliche Mutter

Shakti kann als das bezeichnet werden, wodurch wir leben und in diesem Universum existieren. In dieser Welt sorgt die Mutter für alle Bedürfnisse des Kindes. Die Mutter kümmert sich um das Wachsen des Kindes, seine Entwicklung und sein Fortkommen. Und genauso hängen alle Notwendigkeiten des Lebens und seiner Aktivitäten in dieser Welt wie auch die Energie, die dazu notwendig ist, von Shakti, der Universellen Mutter, ab. Die menschliche Mutter ist eine Erscheinungsform der Universellen Mutter. Alle Frauen sind Formen der Göttlichen Mutter.

Du fühlst Dich bei Deiner Mutter freier als bei irgend jemand anderem. Du öffnest Dein Herz leichter Deiner Mutter als Deinem Vater. Es gibt keinen größeren Gott als die Mutter. Die Mutter schützt Dich, ernährt Dich, tröstet Dich, ermuntert Dich und zieht Dich groß. Sie ist Dein erster Guru. Die erste Silbe, die beinahe jeder Vierfüßer und jedes menschliche Wesen äußert, ist der geliebte Name der Mutter, Ma. Sie opfert alles zum Wohle ihrer Kinder.

Ein Kind ist vertrauter mit der Mutter als mit dem Vater, denn sie ist sehr mild, liebevoll, zart und herzlich und sorgt für die Bedürfnisse des Kindes. Immer, wenn das Kind etwas möchte, läuft es mit ausgestreckten Händen zur Mutter, eher als zum Vater. Wenn sie den Ruf des Kindes hört, verläßt sie ihre Hausarbeit und läuft sofort, um sich um das Kind zu kümmern. Auch im spirituellen Bereich hat der Aspirant oder der Gläubige - das spirituelle Kind - eine engere Beziehung zu Mutter Durga als zu Vater Shiva. Gott Shiva steht der äußeren Welt ziemlich gleichgültig gegenüber. Er ist ein Tyagi und ein Virakta. Er trägt die Girlanden aus den Schädeln seiner Verehrer, reibt sich den ganzen Körper mit heiliger Vibhuti Asche ein und weilt in einem berauschten Zustand im Krematorium. Er geht auf in der Betrachtung des Selbst. Er weilt in einem Zustand von Nirvikalpa Samadhi. Er hat seiner Gefährtin Durga völlige Handlungsfreiheit gewährt. Mutter Durga allein kümmert sich um die Angelegenheiten der Welt. Gott Shiva schaut auf Durga, Seine Shakti. Sie ist beschäftigt mit Schöpfung, Erhaltung und Zerstörung.

Durga - Lakshmi - Saraswati

Die Göttliche Mutter ist überall dreifach. Sie besitzt die drei Gunas, Sattwa, Rajas und Tamas. Sie manifestiert sich als Wollen, Iccha-Shakti, Handlung, Kriya-Shakti und Wissen, Jnana-Shakti. Sie ist Brahma-Shakti (Saraswati) in Verbindung mit Brahma, Vishnu-Shakti (Lakshmi) in Verbindung mit Gott Vishnu. Shiva-Shakti (Mahakali, Durga) in Verbindung mit Gott Shiva.

Saraswati ist kosmische Intelligenz, kosmisches Bewußtsein und kosmisches Wissen. Lakshmi bedeutet nicht nur materiellen Reichtum wie Gold, Rinder usw. Alle Arten von Wohlstand, Ruhm, Großartigkeit, Freude, Jubel und Größe fallen unter Lakshmi. Appayya Dikshitar nennt auch die letztendliche Befreiung Moksha-Samrajya-Lakshmi. Mahakali ist die umformende Kraft der Göttlichkeit, die Kraft, die Vielfalt zu Einheit auflöst.

Devi nimmt viele Aspekte an, je nach den Aufgaben, die sie zu erfüllen hat - manchmal süß und zart und manchmal schrecklich und verschlingend. Aber ihren Verehrern gegenüber ist sie immer zart und gütig. Arjuna, der Pandava Held, brachte der Göttin seine Verehrung dar, bevor er den Kampf gegen die übelgesonnenen Kauravas begann. Shri Rama brachte Durga zur Zeit des Kampfes gegen Ravana seine Verehrung dar, um Ihre Hilfe im Krieg zu erbitten. Er kämpfte und gewann durch Ihre Gnade.

Das Fest Navaratri und seine spirituelle Bedeutung

Während Navaratri, den Neun Nächten, betet ganz Indien die Mutter an und verehrt Sie sehr hingebungsvoll. Dusserah, Durga Puja und Navaratri sind dasselbe. In den ersten drei Nächten, wird Durga, der zerstörende Aspekt der Mutter, verehrt. In den folgenden drei Nächten wird der schaffende Aspekt, Lakshmi, verehrt. Und in den letzten drei Nächten wird der Aspekt des Wissens, Saraswati, angerufen. Der zehnte ist der Vijaya Dasami , der des Sieges.

In dieser Aufeinanderfolge liegt eine besondere Bedeutung. Wenn Devi von einem Gläubigen in dieser Reihenfolge verehrt wird, zerstört Sie zuerst als Durga die schlechten Neigungen, die im Geist lauern. Dann, als Lakshmi, setzt Sie den Daivi Sampat ein, die göttlichen Eigenschaften, die zu spiritueller Entfaltung führen. Dann, als Saraswati, gibt Sie ihm wahres Wissen.

Der zehnte erinnert an den Sieg des Wissens über die Unwissenheit, des Guten über das Böse. An diesem beginnen Kinder mit der Schule. Aspiranten werden an diesem eingeweiht. An diesem denkwürdigen Vijaya Dasami machen Dachdecker, Schneider, Maurer, Künstler, Sänger, Stenotypist und alle technisch Tätigen Puja auf ihre Werkzeuge und Geräte. Das ist Ayudha Puja. Sie sehen und anerkennen die Shakti oder Kraft in diesen Werkzeugen und verehren Devi für ihren Erfolg, ihren Wohlstand und Frieden.

Die Verehrung der Göttlichen Mutter

Die Verehrung von Devi, der Universellen Mutter, schenkt nicht nur Wohlstand, sondern Befreiung von allen Bindungen. Sie führt zur Erlangung von Selbsterkenntnis. Die Geschichte der Kenopanishad, die als Yaksha-Prasna bekannt ist, unterstützt diese Ansicht. Uma lehrte den Devas die Wahrheit.

Shakti ist alles. Sie kann alles vollbringen. Sie kann schaffen oder zerstören. Sie kann in Gang setzen oder beenden. Um der Fortführung ihres göttlichen Spieles willen, hat Sie Selbst, als Avidya Maya, die Wahrheit vor Dir verborgen und Dich an dieses Samsara gebunden. Wenn Sie durch die Praxis aufrichtiger Hingabe und bedingungsloser Selbstaufgabe versöhnlich gestimmt wird, beseitigt Sie als Vidya Maya den Schleier und läßt Dich die Wahrheit erkennen.

Niemand kann sich aus der Knechtschaft von Geist und Materie befreien ohne die Gnade der Mutter. Die Fesseln der Maya sind zu schwer zu durchbrechen. Wenn Du Sie als die Große Mutter verehrst , kannst Du (durch Ihre gütige Gnade und Ihren Segen) sehr leicht über Prakriti hinausgehen . Sie wird alle Hindernisseam Weg beseitigen, Dich sicher in das unbegrenzte Reich ewiger Wonne führen und absolut frei machen.

Möge Parashakti, Devi - die Universelle Mutter Jagadamba - Euch alle mit Weisheit, Frieden und unsterblicher Wonne segnen.

 

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