von Swami Venkatesananda
12. INTEGRALER YOGA
Es gibt drei grundlegende Elemente des Karma Yoga, die sich auch an
Bhakti anlehnen, nämlich Yajna, Dana und Tapas. Yajna könnte
Opfer bedeuten und auch Verehrung. Dana ist Nächstenliebe. Tapas
ist Askese oder ein einfaches Leben. Wenn es diese Elemente nicht gibt,
ist das Leben nicht wirklich spirituell. Das ist auch wieder das Besondere
an Swami Sivananda - das Ritual und die Methode werden nicht abgelegt,
sondern der Sinn darin entdeckt. Anders als die meisten Heiligen, die
eine Sache ablegten, um eine andere zu erreichen, legte er nie etwas
ab. Ihm bedeutete Yajna nicht nur Selbstaufopferndes Dienen, sondern
auch das Ritual Yajna. Im Ashram hatten wir also eine endlose Reihe
von Ritualen. Jeden Tag wurde eine Homa (Feuerzeremonie) durchgeführt.
Wir machten auch Pada-puja, fast jeden zweiten Tag. Alles war erlaubt
- so dass nahe gelegt werden konnte, dass er jede Methode aufrechterhielt,
so dass durch das bloße Ausführen der Methode der Sinn hervorgerufen
werden konnte. Wenn man zwei trockene Zweige aneinander reibt, entsteht
Feuer, aber was passiert, wenn ein Zweig feucht ist? Swami Sivanandas
Antwort war: „Reibe weiter. Lege nie die Methode ab, weder aus
dem Gefühl heraus, dass es nutzlos wäre noch, dass du das
Ziel erreicht hättest. Reibe weiter, und der Sinn wird eines Tages
aufsteigen.“ Er hat also nicht auf das Ritual Yajna oder die Homa
verzichtet, sondern da sitzend und diesen Ritualen zusehend erinnerte
er sich und die anderen an den Geist der Selbstaufopferung. Man sollte
nicht einfach nur Opfergaben in das Feuer gießen, sondern dieses
Opfer muss das Leben durchdringen. Zufälligerweise impliziert das
Wort Opfer (engl. sacrifice’) es heilig (engl. sacred’)
machen’, wenn man also in der christlichen Theologie Brot und
Wein als Opfer gibt, macht man sie heilig. Wenn man Ghee (gereinigte
Butter) und anderen Opfergabe ins Feuer gibt, heiligt man sie dadurch.
So entsteht heilige Asche. Wenn man auf dieselbe Weise alle Handlungen
als Opfergaben in das kosmische Feuer Gottes gibt, wird unser Leben
heilig. Das wird dann zu Brahma-karma-samadhi.
Dana (die Gabe) hatte in diesem Fall eine ganz eigene spezielle Wirkung.
Manche Aussprüche drücken das aus. Ein schöner Ausspruch:
Tvadiyam vastu govinda tubhyam-eva samarpaye
„Ich opfere das, Herr, was dein ist.“ Was gibt man als
Gabe? Obst, Nahrung, Kleidung, Geld? Hat man irgendetwas davon erschaffen?
All diese Dinge wurden durch die Natur Gottes erzeugt. All diese Dinge
selbst sind Gottes eigene Kreation. Und man nimmt diese und opferst
sie Gott, als hätte man eine tolle Sache getan! Es gibt eine nette
Geschichte, die dies illustriert: Ein sehr armer Mann wurde von einem
Pandit gebeten, für etwa achtundvierzig Tage Ganesha-puja durchzuführen.
Der Ganesha selber musste aus Rohzucker gemacht werden. Dieser Mann
musste jenen Ganesha verehren und ihm ein paar Süßigkeiten
als Prasad opfern. Er machte diese Puja seit über einem Monat,
doch absolut nichts passierte. Wenn überhaupt, dann wurde er noch
etwas ärmer, wegen des Prasad, das er jeden Tag opfern musste.
Eines Tages vergaß er, die Bonbons zu holen. Er setzte sich halbherzig
nieder zur seine Puja, weil es eine Routine war und er auch befürchtete,
dass etwas Schlimmes passieren würde, wenn er es nicht tat. Als
für ihn die Zeit kam, zu der er etwas Prasad opfern sollte, sah
er sich um, und da war nichts. Er sah Ganesha an und dachte: „Das
ist auch aus Süßigkeiten gemacht“, also kratzte er
ein wenig von der Statue selbst, opferte es und sagte: „Ganesha,
bitte nimm dies an.“
Das ist mehr oder weniger das, was alle tun. Alles gehört schon
zu Gott, alles ist von Gott erschaffen. Man hat überhaupt nichts
geschaffen, und trotzdem will man es Ihm opfern oder seiner Manifestation,
welche ein lebendes Wesen ist, und auch noch Anerkennung dafür,
weil man es in Nächstenliebe gegeben hat. Swami Sivananda glaubte
keineswegs daran, dass der Gebende auf irgendeine Weise dem Erhaltenden,
dem Begünstigten gegenüber überlegen war. Niemand konnte
ihn davon überzeugen. Für ihn war das eigentliche Geben ein
Segen, wenn er also gab, gebrauchte er immer den Ausspruch, der in der
Bhagavad Gita erscheint,
patram pushpam phalam toyam yo me bhakta prayacchati
tad-aham bhaktyupahritam asnami Prayatatmanah (IX.26)
“Wer immer Mir mit Hingabe und einem reinen Geist ein Blatt,
eine Blume, eine Frucht oder etwas Wasser opfert - ich werde es annehmen.“
Er hatte das größte Vergnügen daran zu geben, zu teilen,
und zu jeder Gelegenheit sagte er „patram pushpam“, was
soviel heißt wie „ich verehre dich damit.“ So leitete
er auch den Ashram. Studenten, Schüler und Suchende kamen. Er nahm
sie auf und gab ihnen, was sie brauchten, in dem Wissen, dass das, was
ihnen gegeben wurde, ihnen schon gehörte. Derselbe Gott gibt mit
der einen Hand und erhält es mit der anderen. Also war nicht einmal
das Gefühl von „ich gebe all dies“ da. Das war seine
besondere Einstellung.
Tapas bedeutet ein strenges, einfaches Leben zu führen. Nur der,
der ein einfaches Leben lebt, kann Karma Yoga praktizieren. Wenn man
ein Luxus liebender Mensch ist, kann man nicht Karma Yoga praktizieren,
man kann nichts aus Nächstenliebe geben, man kann nichts in Selbstaufopferung
geben. Tapas bildet die Grundlage spirituellen Lebens. Man sollte nicht
damit prahlen. Wenn zum Beispiel darauf aufmerksam gemacht wurde: „Swamiji,
du sagst, dass man Tapas praktizieren sollte, dennoch trägst du
einen schönen, großen Mantel“, erinnerte er einen daran,
dass eben das Tuch, das man trug, geschneidert und zum Mantel verarbeitet
worden war. Das Tuch behindert die Arbeit, aber der Mantel tut dies
nicht.
Eine andere Form der Nächstenliebe, des Dienens, zu der er riet,
war das Gebet. Man sollte nicht für sich selbst beten, sondern
für andere. Zu beten - nicht nur für den Frieden im Allgemeinen,
sondern im Besonderen - war also Teil seines Lebens. Früher war
dies ein weiterer Dienst, der von den Schülern im Ashram durchgeführt
wurde. Swamiji hatte großes Vertrauen in das Mrityunjaya Mantra
(Mantra der Befreiung). Schüler schrieben ihm, dass sie (oder ein
Mitglied ihrer Familie) krank waren und baten Swami Sivananda, das Mrityunjaya
Mantra zu wiederholen. Alle mussten an diesem Ritual teilnehmen. Wir
waren damals nur zehn, und jeder von uns musste es oft singen. Wir mussten
dem Schriftführer Bericht erstatten, der darüber Buch führte,
wie oft wir das Mantra gesungen hatten während an die Person gedacht
wurde. Wir haben die Betreffenden niemals gesehen, aber wir hatten den
Namen im Hinterkopf, und während wir an sie dachten und für
ihr Wohlergehen beteten, machten wir Japa mit dem Mrityunjaya Mantra
am Ufer des Ganges. Dies war eine weitere Form des Dienens zu der er
ermutigte. Hier wurden alle wichtigen Elemente des Sadhana direkt eingebracht.
Eine Stunde am Ufer der Ganges Japa machen ist Sadhana für jeden.
Gleichzeitig ist es ein Dienst für den anderen Mann, ein Dienst
für die Menschheit. Man verdient nichts dabei und lernt, was es
heißt, selbstlos zu sein. Selbstloses Dienen, das auch das eigene
Sadhana mit einschließt, ist eine schöne Mischung. Das machten
wir oft. Wenn die geforderte Anzahl vollständig war, gab es ein
Fest, das Essen für die armen Leute und so weiter, und dann kam
das Ritual zum Schluss. Zu der Zeit mag schon ein anderer Mann um das
Mantra Japa gebeten haben. Dann ging es weiter.
Swami Sivananda wollte, dass es allen Menschen gut geht und tat sehr
viel dafür. Wenn man für die Gesundheit, das Glück und
den Frieden anderer betet, wird man zum Kanal für den Fluss der
göttlichen Gnade. Das Wasser, das sich in einem Teich sammelt,
mag zu irgendeinem Zeitpunkt schmutzig werden, aber das Wasser, das
durch eine Leitung fließt, wird niemals schmutzig, weil es die
ganze Zeit fließt. Wenn man also weiter ein Kanal für die
göttliche Gnade ist, bleibt das Herz immer rein, man ist immer
mit göttlicher Gnade angefüllt. Das war sein Trick. Durch
Gebet wird man zum Kanal für diese göttliche Gnade, und so
ist man voll davon. Indem man nichts davon für sich selbst beanspruchen
will, ist man selbstlos und wird darum göttlich. Das ist nichts
Neues. Menschen haben schon Millionen Jahre lang Gebete gesprochen,
doch Swamijis Genie liegt in dieser Kombination. Durch das Kombinieren
von dem, was im Grunde als Bhakti Praxis angesehen wird, mit einem ungeheuren
Ideal an selbstlosem Dienen, vollbrachte er ein Wunder. Japa und Gebet
waren ihm unheimlich wichtig, nicht nur für die eigene, persönliche
Entwicklung sondern als Akt des Dienstes an der Menschheit. Wenn man
das tut, kommt die persönliche Entwicklung ganz natürlich.
Man muss sich dann nicht darum bemühen.
Normalerweise ist es das Ego, welches Probleme macht. Anstatt also für
mich’ zu beten, so als wäre das ich’ hier in diesem
Körper, könnte ich für das ich’ dort in deinem
Körper beten. Dann ist der Egoismus weg. Es gibt auch ein ich’
in dir, warum also nicht für das ich’ in dir beten? Ist das
nicht dasselbe wie ich? Was ist der Unterschied? Wenn man anfängt,
ein Mantra zu singen: „Gott, bitte errette mich“, soll man
das sehr sorgfältig beobachten. Man chantet nicht für sich
selbst, sondern für einen anderen, der krank ist. Jedes Mal wenn
man also sagt: „Gott, rette mich“, wirst man das mich’
als ihn visualisieren, und die Teilung zwischen einem und ihm hört
auf. Das war Swamijis Magie. Bete, aber bete für das Glück,
die Gesundheit und das lange Leben der anderen - und während man
es tut, verschwindet die Illusion oder falsche Unterscheidung, die der
Geist zwischen dir und ihm geschaffen hat - was bedeutet, dass das Ego
abgetragen wird. Ohne Ego kann man mühelos meditieren.
Obwohl Bhakti Yoga und Karma Yoga erörtert worden ist, hat man
sich im Grunde wirklich mit Raja Yoga beschäftigt. Es gab überhaupt
keinen Unterschied. Die ganze Zeit hat man über einige der großen
Tugenden von den Yamas (Verhaltensregeln im Umgang mit anderen) und
den Niyamas (Verhaltensregeln im Umgang mit sich selbst) nachgedacht,
meditiert, sie geprüft und sie in sich entwickelt. Ohne sich dessen
bewusst zu sein praktiziert man Yama und Niyama ganz mühelos, obwohl
man bis hierher noch nicht einmal die Namen gehört hat. Die ganze
Zeit hat man Tapas, Svadhyaya, Isvarapranidhana gemacht. Wenn man am
Ufer des Ganges sitzt und Mrityunjaya Japa für den Frieden und
das Glück eines anderen macht, entsteht auch keine Rastlosigkeit,
weil keine persönliche Ambition dabei ist. Wenn man es um seiner
selbst willen tut, ist man versucht, sich zu kratzen und zu sehen, ob
es sich verwirklicht. Aber da es für die Gesundheit und den Frieden
von jemandem ist, den man noch nicht einmal getroffen hat, und da man
es auch nur tut, weil Swami Sivananda einen darum gebeten hat, weiß
man ja nicht einmal, ob die Mantrawiederholung einen Nutzen hat oder
nicht. Ohne jede Rastlosigkeit des Verstandes sitzt man also da und
wiederholt das Mantra als einen Akt des Dienens, wie von Swamiji gelehrt,
und darum gibt es absolut keine Rastlosigkeit.
Jedes Sadhana (sogar Meditation), das mit einem Ziel oder einer Absicht
getan wird, bewirkt das Gegenteil. Nicht nur bringt es keinen Nutzen,
sondern es verschlimmert Rastlosigkeit. Alle drei Minuten denkt man:
„Warum schwebe ich nicht? Om Namah Shivaya. Nach der ersten Mantrawiederholung
muss ich mindestens fünf Zentimeter über dem Boden sein, Om
namah Shivaya“. Dieses Bestreben nach Fortschritt blockiert selbst
den Fortschritt. Wenn Sadhana aber jemand anderem zuliebe gemacht wird,
wird es komischerweise mühelos schön.
Swami Sivananda empfahl auch das selbständige Praktizieren von
Yoga Asanas und Pranayama, um den Körper zu bewahren. Er lehrte,
ihn nicht als Körper anzusehen, sondern als Tempel, in dem Gott
selbst im Augenblick wohnt. Es ist gut, ihn sauber und gesund zu halten,
nicht um des Körpers willen, sondern damit er gut als Tempel Gottes
funktionieren und dienen möge. Er war äußerst sorgfältig
im Umgang mit seinem eigenen Körper. Trotz der vielen Krankheiten,
war er recht gesund, und er tat alles nötige, um seinen Körper
im Arbeitszustand zu halten. In dieser Zusammensetzung sind beide Worte
wichtig. Arbeit und Zustand - der für das Arbeiten notwendige Zustand.
Während der All-Indian-Tour war das Programm in Madras wirklich
äußerst anstrengend. Swamiji war zu diesem Zeitpunkt dreiundsechzig.
Von morgens um sieben bis zehn Uhr abends wurde er herum und herum von
einem Programmpunkt zum nächsten geführt. Ein Gespräch
hier, dort Bhajan (Lobgesang), ein Besuch in der Schule, Lunch irgendwo.
Es ging immer und immer weiter. Massen von Leuten umgaben ihn die ganze
Zeit, und auch wenn nur fünf oder zehn Leute um ihn waren, sprach
und sang er als wäre es eine Menge von fünf Millionen. Er
machte da überhaupt keinen Unterschied. In Madras bekam er Fieber,
und sein Hals wurde trocken. Wir hielten dann eine Tasse mit Obstsaft
für ihn bereit, dass er ab und an davon einen Schluck nehmen konnte.
Wir waren gerade dabei, zu einem großen öffentlichen Empfang
in das Museumstheater in Madras zu fahren. Ein orthodoxer Brahmane,
der auch Richter des obersten Zivilgerichtes in Madras war, saß
neben Swami Sivananda. Er war Vorsitzender des Empfangskomitees. Als
das Auto in den Hof des Museumstheaters hinein fuhr, fragte mich Swamiji,
ob noch etwas von dem Saft übrig war. Er war alle. Ich sagte: „Wenn
du auf die Bühne gehst, werden wir welchen holen“, aber nein,
Swami Sivananda ließ das Auto zu einem kleinen Eckladen fahren,
wo Brause verkauft wurde.
Der Richter des obersten Zivilgerichts selbst kaufte eine Limonade,
öffnete sie und gab sie Swami Sivananda. Dann fuhren wir zurück.
Die Veranstaltung war wunderschön. Am letzten Tag unseres Aufenthalts
in Madras war noch ein letztes öffentliches Treffen, von wo wir
direkt zum Bahnhof gehen sollten. Swamiji hatte hohes Fieber, der Saal
war brechend voll mit zehn- oder fünfzehntausend Leuten und draußen
noch vier- oder fünftausend. Alle die hohen Leute waren auf der
Bühne. Swamiji hielt sich die meiste Zeit am Mikrophon fest, weil
er nicht einmal seine Stimme heben konnte. Derselbe Richter des obersten
Zivilgerichts machte sich jetzt Sorgen. Er konnte sehen, dass Swamiji
nicht gesund war und zitterte - und trotzdem weitermachte! Was würde
passieren, wenn er plötzlich auf der Bühne zusammenbrach?
Wir alle machten uns Sorgen. Einer nach dem anderen kamen die Beamteten
zu uns hinauf und sagten: „Bittet ihn doch aufzuhören, es
reicht doch. Er ermüdet sich total. Die Leute wollen ihn nur sehen,
ihn anschauen und seinen Darshan haben.“ Nein, er machte weiter
mit seinem Vortrag und seinem Kirtan. Obwohl er so dicht an das Mikrophon
ging wie möglich, war er kaum zu hören. Der Körper sollte
also im Arbeitszustand gehalten werden, so dass er arbeiten möge,
nicht zum Vergnügen.
Den Körper als Tempel Gottes anzusehen, in dem Er wohnt und durch
den er der Menschheit dient, war fest in seinem Leben verwurzelt. Wenn
man dieses Gefühl hat, vernachlässigt man den Körper
nicht und man sieht auch nicht diese Gesundheit als eigenen Besitz an.
Mann soll sich bemühen, so gesund wie möglich zu sein, weil
Gesundheit, Glück, Wohlergehen und Frieden Gott gehören, Der
in allem ist. In dieser einfachen Aussage sind alle Yogawege miteinander
verbunden. Hatha Yoga, Raja Yoga, Bhakti Yoga, Karma Yoga. Diese Einstellung
war das Besondere an Swami Sivananda. Dies ist integraler Yoga, und
wenn man ihn praktiziert, befindet man sich in konstanter Meditation.
Wenn man darin begründet ist, befindet man sich in konstantem Samadhi
(überbewusster Zustand), Sahaja Samadhi. Aber was geschieht mit
einem? Wenn man ihm nahe war, war man natürlich auch in Samadhi.
Es gab überhaupt keine Ablenkung. Es war ein wunderschönes
Gefühl. Aber man befand sich nicht immer in seiner physischen Gegenwart.
Wenn man fort fuhr, oder er fort fuhr und man von anderen Kräften
umgeben war, gab es die Möglichkeit der Ablenkung. Was war dann
zu tun? Er empfahl Japa als den Notanker des Sadhana. Sein Begriff dafür
war ‚Gedankenhintergrund’. Die Sache ist die, dass man sein
Ishta Mantra (persönliches Lied) die ganze Zeit benutzt. Sobald
man aufgewacht ist, beginnt man sein Ishta Mantra zu wiederholen. Dann
steht man auf, wäscht sich kurz, setzt sich nieder und macht mit
dem Ishta Mantra Japa bis man in die Meditation übergeht. Meditation
muss geschehen. Swami Sivananda beschrieb Meditation nie. Für ihn
war Japa selbst Meditation. Wenn man versucht, Meditation zu praktizieren,
lädt man die Ablenkung ein. Man wird nicht meditieren, man wird
es nur versuchen. Aber macht man sein Japa weiter, wird man ohne Mühe,
ohne Verlangen, ohne Versuchen und ohne ein darum Kämpfen in die
Meditation hineingleiten. Man wiederhole das Mantra ununterbrochen.
Während man mit jemandem spricht vergisst man das Mantra. Man sollte
es sich zur Gewohnheit machen, sich für zehn oder fünfzehn
Sekunden zurückzuziehen, zum Beispiel zu jeder vollen Stunde. In
diesen paar Sekunden erinnert man sich an Gott.
Dann nehme man seine Arbeit wieder auf. Wenn man so weiter macht, wird
man sehr bald feststellen, dass das Mantra im Unbewussten weiter fließt,
wenn man mit jemandem spricht, wenn man mit etwas sehr aktiv beschäftigt
ist oder sogar wenn man schläft. Es wird natürlich. Das ist
der Zeitpunkt zu dem Meditation leicht möglich wird.
In einem praktischeren Verständnis kann dieser Gedankenhintergrund
einem unwahrscheinlich dabei helfen, was Swamiji Schlachtfeld-Pratyahara
nannte. Dabei, wie man willentlich den Geist zurückziehen und seine
Sinne nach innen richten kann. Wenn es eine Versuchung gibt, eine Bedrohung,
ein Ärgernis oder eine Reizung, wenn jemand kommt und mit diskutiert
und man merkt, dass man in der nächsten Minute oder so explodieren
muss, dann kann die Wiederholung des Mantras die Situation entschärfen.
Swami Sivananda war darin ein Genie. Selbst wenn zwei Ashram-Bewohner
vor ihm anfingen zu diskutieren, sah es so aus, als würde er eine
Weile mitdiskutieren, um dann zu sagen: „Om Namah Shivaya“,
und die ganze Sache entspannte sich. Es machte überhaupt nichts,
wo die Diskussion sich gerade befand, wie weit sie sich entwickelt hatte
und wer der Gewinner oder der Verlierer war. Man hatte sich gerade über
etwas außerordentlich Wichtiges gestritten, und plötzlich
beendete er es. Er konnte es zu jedem Zeitpunkt abbrechen, selbst wenn
man gerade mit ihm diskutierte. „Om Namah Shivaya“ in diesem
Kontext bedeutete ‚genug’.
Dies kann im Leben eine ungeheure praktische Hilfe sein. Gleichzeitig
befähigt es einen, diesen Gedankenhintergrund zu stützen,
so dass der Geist ohne jede Mühe dort hineingleitet und in die
Meditation.
|
|

Inhaltsverzeichnis des Buches "Sivananda Yoga"
- Theorie und Praxis
- Wer ist ein Guru
- Kommunikation
- Das Säen des Samens
- Selbstreinigung
- Sich auf den Lehrer einstimmen
- Hingabe
- Karma Yoga
- Sei ein Instrument
- Bhakti Yoga
- Swami Sivananda Yoga
- Integraler Yoga
- Erinnerung an Gott
- Der Weg des Ego
- Selbstlosigkeit
- Entdeckung des Egos
- Der Yoga der Synthese
- Liebe, die Gott ist
- Glossar

Hier kostenlosen
Yoga Gesamtkatalog
anfordern





Broschüre und kostenlose Übungspläne anfordern
|
|
- Yoga Übungen lernst du am besten bei einem Yogalehrer
- Yoga Einführungs-Seminare gibt es in den Yoga Vidya Seminarhäusern als Wochenend- und Wochenkurse. Diese werden auch von Krankenkassen bezuschusst
- Bei Yoga Vidya findest du jährlich fast 3000 Seminare zu Yoga, Meditation und Ayurveda, darunter auch das umfangreichste Yogalehrer Weiterbildungs-Angebot
- In den Yogalehrer Ausbildungen beim Berufsverband der Yoga Vidya Lehrer/innen in 50 verschiedenen Städten lernst Du Yoga, Meditation, Yoga Philosophie, spirituelles Leben und auch, wie Du sie anleiten kannst
- In den Yoga Vidya Zentren gibt es regelmäßige Einführungskurse
- Im Yogalehrer-Verzeichnis findest Du eine/n qualifizierte/n Yogalehrer/in in Deiner Nähe
- Im Yoga-Shop findest Du DVDs, Bücher, Yoga-Matten, Kissen, CDs und vieles mehr für deine Yoga-Praxis
Auf unseren Internet-Seiten findest du viele weitere Informationen:
Yoga Vidya findest du auch in vielen sozialen Netzwerken
|