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Die Macht der Gedanken

von Swami Sivananda

Kapitel 6
Die Gedanken – ihre unterschiedlichen Ausprägungen und ihre Eroberung


Überwinde düstere Gedanken
Beobachte all deine Gedanken sehr sorgfältig. Angenommen du wurdest von düsteren Gedanken heimgesucht. Du wirst depressiv. Trinke eine kleine Tasse Tee oder Milch. Sei ruhig. Schließe die Augen. Finde die Ursache deiner Depression heraus und versuche sie zu beseitigen. 

Wenn man düstere Gedanken und in der Folge Depressionen überwinden möchte, ist es das Beste, man entwickelt inspirierende Gedanken. Erinnere dich immer wieder: Positives überwindet Negatives. Dieses ist ein wirksames Naturgesetz.

Nun entwickle gegenüber der Dunkelheit intensive gegensätzliche Gedanken. Denke an etwas, was den verdunkelten Geist wieder aufhellt; denke fröhlich. Denke an die Vorteile der Fröhlichkeit. Denke dich in diese Fröhlichkeit hinein. Immer und immer wieder wiederhole innerlich die Formel: „OM, ich bin fröhlich.“ Fühle: „Ich bin fröhlich.“ Fange zu lächeln an und lache mehrfach. - Singe! Denn dieses kann dich schnell aufmuntern. Das Singen ist sehr erfolgreich beim vertreiben der „Grillen“. Singe mehrfach hintereinander OM. Gehe an die frische Luft. Die Depressionen werden schnell verschwinden. Dieses ist die pratipaksha Bhavana  Methode der Raja  Yogis. Dieses ist die einfachste Methode.

Die kraftvolle Methode, um die „Grillen“ durch Willen, Behauptungen und durch das Befehlen zu vertreiben, belastet den Willen sehr, obwohl diese Methode sehr Erfolg versprechend ist. Es bedarf einer großen Willensanstrengung. Normale Menschen haben damit keinen Erfolg. Die Methode des Ersetzens oder der Beeinträchtigung der negativen Gefühle durch das Gegenteil, d.h. durch positive Gefühle, ist sehr einfach. Innerhalb kürzester Zeit sind die unerwünschten Gefühle verschwunden. Praktiziere und fühle, was geschieht. Selbst bei mehrfachem Misserfolg fahre fort. Nach einigen Sitzungen und einiger Praxis hast du Erfolg.

Man kann auch andere negative Gedanken und Gefühle auf diese Weise behandeln. Wenn du ärgerlich bist, denke an Liebe. Wenn du eifersüchtig bist, denke an die Vorteile von Wohltätigkeit und Großmut. Bei düsteren Gedanken, denke an etwas Inspirierendes, das du unlängst gesehen hast, oder erinnere dich an inspirierende Gegebenheiten. Bei einem Gefühl von Rücksichtslosigkeit im Herzen, denke an Dankbarkeit. Bei einem Anflug von sinnlicher Begierde, denke an die Vorteile von Enthaltsamkeit. Bei unehrenhaftem Verhalten, denke an etwas Ehrenvolles. Bei Geiz, denke an Großzügigkeit und großzügige Menschen. Bei Vernarrtheit, denke an die Unterscheidungsfähigkeit und Atmic Vichara ; bei Stolz denke an Menschlichkeit. Bei Scheinheiligkeit, denke an Offenheit und deren unschätzbarem Vorteil. Bei Scheu, denke an Mut usw.

Damit kann man die „Grillen“ aus den Gedanken und Gefühlen vertreiben und einen positiven Zustand herbeiführen. Eine ständige Praxis ist erforderlich. Sei umsichtig bei der Auswahl deiner Gesellschaft. Sprich wenig und wenn du sprichst, dann nur bei sinnvollen Angelegenheiten.

Der Sieg über aufdringliche Gedanken
In der Praxis der Gedankenkontrolle wirst du zu Anfang große Schwierigkeiten erfahren. Du wirst mit deinen aufdringlichen Gedanken Krieg führen. Sie werden immer wieder versuchen die Oberhand zu gewinnen. Sie werden sagen: „Wir haben jedes Recht, diesen angestammten Platz im Geist zu behalten. Wir haben seit undenklichen Zeiten das Seelenmonopol auf diesen Bereich. Warum sollten wir unsere Dominanz aufgeben? Wir werden bis ans Ende für unser Geburtsrecht kämpfen.“

Sie werden sich mit großer Kraft auf dich stürzen. Allein wenn du dich zur Meditation hinsetzt, kommen alle möglichen üblen Gedanken hoch. Da du beabsichtigst, sie zu unterdrücken, werden sie dich mit doppelter Kraft und neuem Schwung wieder angreifen. Doch das Positive wird immer über das Negative siegen.

Genauso wie die Dunkelheit keine Chance vor der Sonne hat, oder genauso wie kein Leopard vor einem Löwen bestehen kann, werden auch die düsteren Gedanken, - diese unsichtbaren aufdringlichen Gedanken und Feinde des Friedens, - nicht vor den feinen göttlichen Gedanken Stand halten. Sie müssen durch sich selbst verenden.

Vertreibe widerwärtige Gedanken
Vertreibe alle unnötigen und widerwärtigen Gedanken aus deinem Geist. Nutzlose Gedanken behindern das spirituelle Wachstum; widerliche Gedanken sind ein Stolperstein für den spirituellen Fortschritt.

Wenn man sich mit nutzlosen Gedanken beschäftigt, ist man von Gott weit entfernt. Beschäftige dich nur mit hilfreichen und nützlichen Gedanken. Nützliche Gedanken sind die Stufen zu spirituellem Wachstum und Fortschritt. Erlaube dem Geist nicht, in alte Denkschemata zu verfallen und seiner eigenen Wege und Gewohnheiten nachzugehen. Sei wachsam. Wenn uns ein Stein im Schuh drückt, entfernen wir ihn. Dazu ziehen wir den Schuh aus und schütteln ihn. Wenn die Angelegenheit einmal richtig verstanden wurde, ist es einfach, störende und widerliche Gedanken aus dem Geist zu entfernen. Darüber darf es keinen Zweifel geben, keine zwei Meinungen. Die Sache ist klar und unmissverständlich.

Es sollte für dich genauso einfach sein, einen widerlichen Gedanken aus dem Geist zu entfernen, wie es einfach ist, einen Stein aus dem Schuh zu schütteln; und solange dies noch nicht möglich ist, ist es unsinnig über den Aufstieg des Geistes und die Eroberung seiner Natur zu sprechen. Solange bleibt man ein Sklave und die Beute dieses fledermausartigen Phantoms, das durch die Gehirnwindungen rast.

Meistere weltliche Gedanken
Weltliche Gedanken werden dich am Anfang deiner neuen Denkkultur häufig quälen. Sie werden dich auch quälen, wenn du die Meditation und das spirituelle Leben praktizierst. Doch wenn du regelmäßig deine Gedankenwelt in der Meditation kultivierst, werden diese weltlichen Gedanken schrittweise vergehen. Das Meditationsfeuer wird diese Gedanken niederbrennen. Vertreibe nicht alle weltlichen Gedanken. Pflege positive Gedanken, die sich mit deinem Meditationsobjekt befassen. Denke über die hochfliegenden Gedanken in positiver Weise.

Beobachte deinen Geist immer sehr sorgfältig. Sei wachsam. Bleibe immer im Alarmzustand. Lass keine Wellen von Gereiztheit, Eifersucht, Ärger, Hass oder Sinnenlust aufkommen. Diese düsteren Wellen und die weltlichen Gedanken sind die Gegner der Meditation, des Friedens und der Weisheit. Erobere sie sofort durch feine göttliche Gedanken. Das Erscheinen weltlicher Gedanken kann durch gute Gedanken zerstört werden, und bewahre diese guten Gedanken durch das Wiederholen von Mantras oder den Namen des Herrn, durch das Denken an irgendeine Form des Herrn, durch die Praxis von Pranayama, durch das Singen des Namens des Herrn, durch gute Handlungen, durch das Denken an das Übel, das durch die weltlichen Gedanken aufkommt.

Wenn du einen Zustand der Reinheit erreicht hast, kommen keine weltlichen Gedanken mehr auf. Genauso, wie es einfach ist, das Übel oder den Feind am Tor zu kontrollieren, so ist es auch einfach, weltliche Gedanken sofort bei ihrem Auftreten zu überwinden. Ersticke sie im Keim. Lass sie keine tiefen Wurzeln schlagen.

Erobere unreine Gedanken
Wenn man sehr hart arbeitet, treten kaum unreine Gedanken auf; doch wenn man zur Ruhe kommt und der Geist sich entspannt, versuchen sich unreine Gedanken in heimtückischer Weise einzuschleichen. Man muss sehr vorsichtig sein, wenn der Geist entspannt ist.

Die Gedanken gewinnen durch ihre Wiederholung an Macht. Wenn man sich mit unreinen oder guten Gedanken auseinander setzt, dann haben diese unreinen oder diese guten Gedanken die Neigung wiederzukehren.

Gedanken rotten sich genauso zusammen wie Vogelschwärme, die nach Süden ziehen. Dies geschieht auch, wenn man sich mit einem unreinen Gedanken befasst, der alle möglichen anderen unreinen Gedanken nach sich zieht, die sich alle samt auf dich stürzen. Wenn man sich mit irgendeinem guten Gedanken beschäftigt, kommen weitere gute Gedanken hinzu, die dir behilflich sind.

Vermeide negative Gedanken
Lerne deine Gedanken entweder zu ordnen, zu reinigen oder sie zu vermeiden. Kämpfe gegen alle negativen Gedanken und allen Zweifel an. Lass erhabene Gedanken von allen Seiten auf dich zukommen.

Depressionen, Versäumnisse, Schwächen, Dunkelheit, Zweifel, Furcht usw. sind alles negative Gedanken. Kultiviere positive Gedanken der Stärke, der Überzeugung, des Mutes und der Fröhlichkeit. Dann werden die negativen Gedanken von allein verschwinden.

Erfülle den Geist durch Japa , Gebete, Dhyana  und durch das Studium heiliger Schriften mit göttlichen Gedanken. Sei gegenüber allen negativen und ungöttlichen Gedanken unbeeindruckt. Sie werden vorübergehen. Kämpfe nicht mit ihnen. Bete Gott um Stärke an. Lese über das Leben von Heiligen. Studiere die Bhagavata, die Ramayana  oder die Bibel. Alle Schüler mussten ähnliche Qualen durchstehen. Nimm es dir nicht zu Herzen.

Überwinde gewohnheitsmäßige Gedanken
Alle Arten gewohnheitsmäßiger Gedanken, die sich mit dem Körper, der Kleidung, der Nahrung usw. befassen, müssen durch Atma-Chintana  oder Reflexion über die Natur des göttlichen Selbst innerhalb des eigenen Herzens überwunden werden. Dieses ist ein mühseliges Stück Arbeit. Es erfordert Geduld, unaufhörliche Praxis und innere spirituelle Stärke.

Die Srutis  betonen ausdrücklich: „Dieser Atman kann nicht durch schwache Menschen erreicht werden.“ Aufrichtige Schüler widmen ihr ganzes Sein der Kontemplation auf das Ewige, wobei sie ihre Zuneigung von der Welt der Sinnesobjekte zurückgezogen haben. Jene Menschen, die die Vasanas  und die Heimstatt gewohnheitsmäßiger Gedanken zerstört haben, werden sich der höchsten Glückseligkeit im Schoße Brahmans erfreuen; sie werden reich an Hoffnung, Stille und Gleichmut sein. Sie haben für alles die gleiche Sichtweise. Dieser spitzbübische und machtvolle Geist ist für all den Schmerz und die Furcht, jegliche diversifizierte Formgebung, Ungleichartigkeit, Unterschiedlichkeit und Dualität verantwortlich und zerstört alle ehrenwerten und spirituellen Werte. Vernichte diesen krankhaften Geist.

Wenn das Gesehene und die Sicht sich bei dem Betrachter als eins vermischen, dann wird Ananda  erfahren. Dann wird das grenzenlose Jnana und alles als Atman wahrgenommen. Alle Unterschiedlichkeit und alle Dualität verschwindet völlig. Anziehende und widerwillige Gedanken, Mögen und Nicht-mögen, Raga-Dveshas  werden völlig vernichtet. In diesem Augenblick ist der Heilige nicht mehr seines Körpers bewusst, obgleich er in ihm wirkt. Er wird niemals seine Kontrolle verlieren, auch wenn er sich inmitten der vielen Illusionen der Welt befindet, genauso wie ein Frau, die ihren hauhälterischen Pflichten nachkommen, während sich ihr Geist mit etwas völlig Anderem beschäftigt. Der Heilige wird immer seinen Geist auf Brahman gerichtet halten.

Mögest du immer nur solche tugendhaften Handlungen vollbringen, die dir helfen, Jnana zu erreichen, ohne irgendeinen Gedanken bzgl. weltlichen Besitztums. Mögest du im Ozean göttlicher Freude ertrinken, in einem Zustand völliger Erleuchtung, wobei alle Dualitäten und Unterschiede zerstört sind.

Triumphiere über unwichtige Gedanken
Versuche nicht die unwichtigen Gedanken zu verdrängen. Je mehr du sie verdrängst, desto mehr werden sie zurückkommen und desto stärker werden sie. Du wirst deine Energie und deinen Willen belasten. Werde unbeteiligt. Fülle den Geist mit göttlichen Gedanken. Sie werden schrittweise vergehen. Durch regelmäßige Meditation gehe in Nirvikalpa Samadhi  auf.

Das Entfernen von Muskelspannungen bringt Ruhe und Frieden in den Körper. Durch Erholung werden der Geist, die Nerven und die überbeanspruchten Muskeln entspannt. Du gewinnst an Stärke, Frieden des Geistes und Vitalität. Wenn du Entspannung im Körper und Geist praktizierst, sollte das Gehirn nicht mit allen möglichen anderen Gedanken belastet werden. Ärger, Enttäuschung, Versäumnisse, Unpässlichkeiten, Elend, Sorgen und Streitereien verursachen mentale Belastungen. Vermeide sie.

Verwandle instinktive Gedanken
 Das Denken hat vier Fassetten: symbolisches Denken, instinktives Denken, impulsives Denken und gewohnheitsmäßiges Denken. Wörtliche Gedanken sind den symbolischen Gedanken zuzuordnen. Instinkte sind mächtiger als Impulse. Gedanken über den Körper, die Nahrung, das Trinken, das Bad usw. sind dem gewohnheitsmäßigen Denken zuzuordnen. Man kann dem symbolischen Denken leicht Einhalt gebieten, doch ist es schwierig, instinktives und impulsives Denken zu stoppen.

Wenn Beunruhigung und Ärger beseitigt wurden, kehrt Selbstvertrauen und Ruhe ein. Die Furcht unterliegt in Wirklichkeit der Beunruhigung oder dem Ärger. Sei aufmerksam und nachdenklich. Vermeide jede unnötige Beunruhigung. Denke an Mut, Freude, Glückseligkeit, Frieden und Fröhlichkeit. Setze dich für eine viertel Stunde entspannt in angenehmer Haltung hin. Mach es dir in einem Sessel bequem. Schließe die Augen. Ziehe deinen Geist von den äußeren Objekten zurück. Beruhige den Geist. Beruhige die aufsteigenden Gedanken.

Vermindere die Anzahl der gewohnheitsmäßigen Gedanken
Bei untrainierten Menschen muss sich der Geist mit vier oder fünf verschiedenen Gedanken gleichzeitig auseinander setzen. Es handelt sich um Gedanken über den Haushalt, die Arbeit, das Büro, den Körper, das Essen und Trinken, Hoffnungen und Erwartungen, Planungen zur Geldbeschaffung, Rachegedanken, einige gewohnheitsmäßige Gedanken, die die eigene Natur betreffen, ein Bad usw., die den Geist zur gleichen Zeit beschäftigen.

Wenn du mit Interesse nachmittags ein Buch liest, kommen Gedanken über ein Fußballballspiel auf, das du am nächsten Sonnabend anschauen möchtest, und unterbrechen deine Studien in dem Augenblick. Nur ein Yogi ist in der Lage, sich auf einen Gegenstand / Thema zu konzertieren, wobei er sich ausschließlich mit einem Gedanken zurzeit befasst, und er kann solange darin verweilen wie es ihm gefällt.

Wenn du den Geist genau beobachtest, wird dir auffallen, dass es viele widersprüchliche Gedanken gibt. Der Geist wandert ziellos umher. Es existieren einige Gedanken, die den Körper mit seinen Wünschen betreffen, einige Gedanken betreffen Freunde, einige Gedanken befassen sich mit der Geldbeschaffung, dem Essen und Trinken, andere Gedanken betreffen die eigene Kindheit usw.

Wenn du den Geist untersuchst, und wenn du über ein Thema nachdenkst und dabei alle anderen Gedanken ausschließt, kann dies ein großer Erfolg sein, ein großer Fortschritt zur Gedankenkontrolle. Sei nicht entmutigt.

Sammle inspirierende Gedanken
Das Ziel des Lebens liegt im Erreichen des göttlichen Bewusstseins. Dieses Ziel ist die Verwirklichung, dass du weder dieser sterbliche Körper noch jener sich verändernde und endliche Geist, sondern dass du der durch und durch reine und völlig freie Atman bist.
Erinnere dich dieses inspirierenden Gedanken. Ajo Nityah Sasvatoyam Purano:  Ungeboren, ewig, permanent ist dieses Antike Eins. Dieses ist deine wahre Natur. Du bist nicht diese kleine vorbeieilende Persönlichkeit, die an einem Namen und einer Form festgemacht wird. Du bist weder Meier noch Müller, weder Schulze noch Schmidt. Du bist nur durch eine unglückliche Situation dieser Illusion verfallen, weil du eine Wolke der Unwissenheit durchquerst. Erwache und erkenne, dass du der wahrhafte Atman bist.

Es gibt einen anderen wundervollen inspirierenden Gedanken aus den Upanishaden. Es ist Isavasyamidam sarvam: jeder Inhalt des Universums berührt das Leben des Herrn. Lächle mit den Blumen und dem grünen Gras. Lächle mit den Sträuchern, Farnen und Zweigen. Bemühe dich um Freundschaft mit allen Nachbarn, Hunden, Katzen, Kühen, Menschen, Bäumen, in der Tat mit allen natürlichen Geschöpfen. Dann hast du ein vollkommenes und reiches Leben.

Reflektiere erleuchtende Gedanken
Wenn du die Macht der Gedanken entwickeln möchtest, wenn du deine Persönlichkeit entwickeln möchtest und groß werden möchtest, führe immer einige Bücher mit inspirierenden Gedanken mit dir. Lies sie immer und immer wieder, bis sie zu einem Teil deines täglichen Lebens werden. Hier ist nun eine Liste einiger erleuchtender Gedanken zur Reflexion:

1. Ein reines Gewissen macht ein festes Herz und einen starken Geist.
2. Armut ist der ältere Bruder von Faulheit.
3. Die Kenntnis des Selbst ist der größte Schatz. Die Meditation ist der Schlüssel zum Wissen.

Richtige Gedanken an Stelle von falschen Gedanken
Die Gedanken der Lust und der Leidenschaft müssen durch ernsthafte Praxis von Brahmacharya, durch das intensive Streben die Wahrheit zu verwirklichen und Gott zu erkennen, und durch die Meditation auf die großen Vorteile von Reinheit erobert werden.

Die Gedanken des Hasses und des Ärgers sollten durch Gedanken der Liebe, der Vergebung, der Dankbarkeit, des Friedens, der Geduld und der Sanftheit getilgt werden. Der Stolz, und die Gedanken, die damit verbunden sind, müssen durch eine systematische mentale Untersuchung der Werte der Menschlichkeit kontrolliert werden. Die Gedanken der Gier, des Zugreifens und der Besitzansprüche sollten durch die Ehrenhaftigkeit, das Desinteresse, die Großzügigkeit, die Zufriedenheit, die Nichtbegehrlichkeit vertrieben werden.

Hohe Gesinnung und Großmut, Selbstzufriedenheit und Größe des Herzens werden über alle Gedanken der Engstirnigkeit, Eifersucht und Schäbigkeit hinweghelfen. Illusion und Vernarrtheit werden am Besten durch das Entwickeln von Unterscheidungsfähigkeit erobert. Eitelkeit kann durch eine vielseitige Einfachheit und Arroganz durch Höflichkeit überwunden werden.

Die Skala der Gedanken
Es gibt verschiedene Arten von Gedanken. Es gibt instinktive, visuelle, akustische (das Denken als Hören), symbolische (das Denken in Symbolen) und einige gewohnheitsmäßige Gedanken. Es gibt kinästhetische (das Denken in beweglichen Formen, wie bei einem Spiel) und emotionale Gedanken. Die Gedanken verändern sich von der visuellen hin zur akustischen und von der akustischen hin zur kinästhetischen Ebene.

Es gibt einen engen Zusammenhang zwischen dem Denken und der Atemfrequenz, da eine direkte Beziehung zwischen dem Geist und der Prana (Lebensenergie) existiert. Wenn der Geist konzentriert ist, verlangsamt sich die Atmung. Wenn man schnell denkt, wird die Atmung ebenfalls schneller. Es gibt eine „Gedankenlesemaschine“, die als Psychograf bekannt ist, und die die Art der Gedanken als Gehirnströme (Psychogramm der Gehirnaktivitäten) aufzeichnen kann.

Schäbige Gedanken und deren moralische Entwicklung
Unkontrollierte Gedanken sind die Wurzel allen Übels. Jeder Gedanke für sich ist außerordentlich schwach, denn der Geist wird normalerweise durch zahllose und die verschiedenartigsten Gedanken abgelenkt. Je mehr die Gedanken zurückgezogen werden, desto konzentrierter ist der Geist, und desto mächtiger wird er dadurch.

Es bedarf geduldiger Arbeit, um schäbige und niederträchtige Gedanken zu zerstören, doch die Unterhaltung erhabener Gedanken ist die einfachste und radikalste Methode, um niederträchtige Gedanken zu zerstören. Die Unkenntnis der Gesetze des Denkens und der weltlich ausgerichtete Geist sind eine leichte Beute für alle Arten von Gedanken, wie Hass, Ärger, Rache und Lust. Und diese Art von Gedanken wachsen bei einem schwachen Willen, mangelnder Geisteskraft der Wahrnehmung und bei einem Sklaven der Ablehnung von subtiler Geistesarbeit.

Die beste Methode, mentale Kräfte zu gewinnen, liegt in der Unterhaltung erhabener, edler und guter Gedanken und in dem Ziel, sorgenvolle, ablenkende, abwechslungsreiche, weltliche und niederträchtige Gedanken zu kontrollieren.

Wenn üble Gedanken den Geist beunruhigen, dann ist es das Beste, man ignoriert sie. Wie kann man üble Gedanken ignorieren? – in dem man sie vergisst. Wie kann man sie vergessen? – in dem man nicht nachgibt bzw. nicht über sie brütet. Wie kann man den Geist daran hindern, dass man weder nachgibt noch über diese Gedanken brütet? – in dem man seinen Geist auf etwas Interessantes richtet, auf etwas Erhebendes. Ignoriere und vergesse üble Gedanken, sondern denke an etwas Inspirierendes; diese Wege bilden eine große Sadhana, um der üblen Gedanken Herr zu werden.

 

 

Swami Sivananda

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