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Die Macht der Gedanken

von Swami Sivananda

Kapitel 2 - Die Macht der Gedanken – ihre Gesetze und ihre Dynamik


Die Gedanken – die Architekten der Bestimmung
Wenn der Geist fortgesetzt nach ein und demselben Denkschema verfährt, bildet sich eine Gewohnheit, bei der die Gedankenmacht automatisch kanalisiert ist. Solch eine Gewohnheit lässt diese Gedanken selbst den Tod überleben. Und da die Gedanken zum Ego gehören, werden sie auf Grund ihrer Neigungen und Fähigkeiten anschließend wieder auf das irdische Leben übertragen. 

Jeder Gedanke hat, daran muss man sich erinnern, seine eigene mentale Vorstellung. Das Wesen der verschiedenen mentalen Vorstellungen, die in einem einzigen körperlichen Leben gebildet werden, werden auf der mentalen Ebene aufbereitet. Sie bilden die Grundlage für das nächste körperliche Leben. In dem Augenblick, wo sich zur Geburt eine neuer Körper ausbildet, wird auch ein neuer Geist und ein neuer Buddhi  gebildet.

Die detaillierte Arbeit von Gedanken und Bestimmung ist nicht so leicht zu erklären. Jedes Karma  erzeugt einen Doppeleffekt, einerseits im individuellen Geist und andererseits in der Welt. Der Mensch bereitet durch die Folgen seiner Handlung die Umstände für sein zukünftiges Leben. Jede Handlung hat eine zurückliegende Vergangenheit und eine Zukunft, die von ihr ausgeht. Eine Handlung schließt einen Wunsch ein, der sie antreibt, und einen Gedanken ein, der sie gestaltet.

Jeder Gedanke hat eine Verbindung zu einer endlosen Kette von Ursachen und Wirkungen. Jede Folge wird zur Ursache, und jede Ursache hat eine Auswirkung. Jede Verbindung in der endlosen Kette ist mit den drei Komponenten von "Wunsch, Gedanke und Handlung“ verschweißt. Ein Wunsch regt einen Gedanken an; ein Gedanke verkörpert sich selbst als eine Handlung. Die Handlungen erzeugen das Gewebe der Bestimmung.

Selbstsüchtige Gier nach dem Besitz anderer, obwohl diese Gier nicht zum Betrug in der Gegenwart führen muss, macht den Menschen in einem späteren Erdendasein zum Dieb. Hass und Rache, die insgeheim gehegt werden, sind die Saat für einen späteren Mörder. Darum bringt selbstlose Liebe den Philanthropen und Heiligen hervor. Jeder Gedanke des Mitleids hilft die zarte und mitleidsvolle Natur zu bilden, die zu jemandem gehört, der ein Freund aller Geschöpfe ist.

Der Heilige Vasishta bittet Rama Purushartha  zu üben oder seine Tapferkeit in dem Bemühen zu zeigen. Lasst das Leben nicht zum Schicksal (Fatalismus) werden, sonst wird daraus Trägheit und Faulheit. Erkennt die Macht der Gedanken und bemüht euch. Durch rechtes Denken bereitet eure Zukunft. Prarabdha  ist das Purushartha der letzten Geburt. Man handelt und erntet eine Gewohnheit; eine Gewohnheit bildet den Charakter, der zur Bestimmung wird.

Der Mensch ist der Meister seiner eigenen Bestimmung. Man bestimmt durch die Macht der Gedanken seine Zukunft. Man kann die Bestimmung auch zurücknehmen. Alle Möglichkeiten, Energien und Kräfte sind latent im Menschen vorhanden. Man enthülle sie, werde frei und groß.

Gedanken beeinflussen den Gesichtsausdruck
Das Gesicht ist wie ein herkömmlicher Tonträger. Was auch immer gedacht wird, es steht in das Gesicht geschrieben. Jeder verwerfliche Gedanke legt sich auf das Gesicht nieder. Das Gesicht ist mit Narben und Wunden durch schlechte Gedanken, wie Hass, Ärger, Lust, Eifersucht, Rache usw. übersät. Aus den Narben auf dem Gesicht lässt sich sofort der Zustand des Geistes ablesen. Man kann sofort die Krankheit des Geistes erkennen.

Wenn jemand glaubt, er könne seine Gedanken verbergen, so ist er ein Dummkopf erster Güte. Seine Situation ist wie die eines gejagten Straußes, der seinen Kopf mit der Vorstellung in den Sand steckt, dass er von niemandem gesehen werden könne. Das Gesicht ist der Index des Geistes. Das Gesicht ist ein Abbild des Geistes. Jeder Gedanke schneidet eine Falte in das Gesicht. Ein göttlicher Gedanke lässt das Gesicht erstrahlen. Ein übler Gedanke verdunkelt es. Andauernde göttliche Gedanken erheben die Aura oder den Heiligenschein.

Fortgesetzte üble Gedanken verstärken die dunklen Eindrücke, genauso wie bei einem mit Wasser gefüllten Gefäß beim Hochziehen aus einem Brunnen im Laufe der Zeit durch andauerndes Anecken an der Brunnenwand immer größer werdende Beulen erzeugt werden. Der Gesichtsausdruck zeigt den wahren inneren Zustand des Geistes. Das Gesicht ist wie eine Anzeigetafel, die anzeigt, was im Inneren des Geistes vorgeht. Die Gedanken, Stimmungen, Gefühle usw. erzeugen ihre bleibenden Eindrücke im Gesicht.

Im Gesicht kann man die eigenen Gedanken nicht verbergen. Man mag fälschlicherweise glauben, man hätte seine Gedanken verborgen. Die Gedanken der Lust, der Gier, der Eifersucht, des Ärgers, der Rache, des Hasses spiegeln sich sofort im Gesicht wider. Das Gesicht ist ein vertrauensvolles Spiegelbild und ein feinfühliges registrierendes Medium, das alle Gedanken widerspiegelt.

Die Gedanken sind ein Ausdruck des körperlichen Befindens
Der Geist ist das subtilere Gebilde des Körpers. Der Körper ist die nach außen gerichtete Offenbarung der Gedanken. Wenn der Geist erregt ist, dann ist es auch der Körper.

Da ein Mensch von grober Erscheinung im Allgemeinen weder fähig ist andere zu lieben noch anderen zu danken, kann auch kein grobschlächtiger Mensch von anderen Liebe oder Dankbarkeit erwarten.

Der Geist reflektiert seine verschiedenen Zustände sichtbar auf dem Gesicht, was ein intelligenter Mensch sehr leicht lesen kann. Der Körper folgt dem Geist. Wenn der Geist fühlt, aus einer großen Höhe herabzufallen, bereitet sich der Körper sofort darauf vor und sendet entsprechende Signale aus. Furcht, Angst, Kummer, Heiterkeit, Ausgelassenheit, Ärger usw. zeigen sich im Gesichtsausdruck.

Die Augen verraten die Gedanken
Die Augen, die die Fenster der Seele darstellen, verraten den Zustand des Geistes. In den Augen befindet sich ein telegrafisches Instrument, um die Botschaften von Tücke, Depression, Schwermut, Hass, Ausgelassenheit, Frieden, Harmonie, Gesundheit, Macht, Stärke und Schönheit zu übertragen. Wenn man die Fähigkeit hat, in den Augen anderer zu lesen, kann man den Geisteszustand ablesen. Man kann die vorherrschenden Gedanken erkennen, wenn man die Zeichen auf dem Gesicht, die Konvergation und das Verhalten beachtet. Es bedarf nur ein wenig Mut, Schafsinn, Training, Intelligenz und Erfahrung.
Negative Gedanken sind Gift für das Leben
Kummer- und furchtvolle Gedanken sind furchtvolle Kräfte in uns. Sie vergiften die Lebensquellen, zerstören die Harmonie, die Leistungsfähigkeit und die Vitalität, während die positiven Gedanken der Ausgelassenheit, der Freude und des Mutes, des Heils, der Wahrheit, an Stelle der irritierenden Gedanken, die mentalen Kräfte außerordentlich vergrößern. Sie immer ausgelassen, lächle. Lache!

Ungleichgewicht von Psyche bzw. Körper
Die Gedanken üben ihren Einfluss auf den ganzen Körper aus. Kummer schwächt den Körper. Der Körper beeinflusst umgekehrt auch den Geist. Ein gesunder Körper macht einen gesunden Geist. Wenn der Körper krank ist, erkrankt auch der Geist. Wenn der Körper stark und gesund ist, wird auch der Geist stark und gesund.

Plötzlich heftige Gemütsregungen schädigen die Gehirnzellen ernsthaft, schütten giftige chemische Substanzen in das Blut, rufen Schockwellen und Depressionen hervor, unterdrücken die Bildung von Verdauungssäften, - wie der Gallenflüssigkeit und anderen Verdauungssäften im Verdauungskanal, - schwemmen körpereigene Energien aus, führen zu vorzeitiger Alterung und verkürzen das Leben.

Wenn man sich ärgert, wird der Geist gestört. Ähnlich wie der Geist, wird auch der Körper gestört. Das gesamte Nervensystem wird angegriffen. Man wird geschwächt. Kontrolliere den Zorn durch Liebe. Der Zorn ist eine machtvolle Energie, die durch den vyavaharischen  Buddhi unkontrollierbar ist, jedoch durch den klaren Verstand (Sattvischer  Buddhi) oder Viveka-Vichara  kontrolliert werden kann.

Die schöpferischen Kräfte der Gedanken
Die Gedanken erschaffen die Welt. Die Gedanken lassen Dinge in Erscheinung treten. Die Gedanken erzeugen die Wünsche und erregen die Leidenschaften. Darum wirken die gegenläufigen Gedanken, die die Wünsche und die Leidenschaften vernichten, den ursprünglichen Ideen zur Befriedigung der Wünsche entgegen. Wenn jemand durch irgendetwas beeindruckt wurde, helfen gegenläufige Gedanken, um diese Wünsche und die Leidenschaften zu zerstören.

Glaube von den Menschen, sie seien deine Freunde, und sie werden deine Freunde. Wenn man von jemandem annimmt, er wäre ein Feind, dann wird er auch zum Feind. Derjenige, der die Wirkungsweise des Geistes versteht und ihn kontrolliert, wird zu einem glücklichen Menschen.

Ähnliche Gedanken ziehen einander an
In der Gedankenwelt gilt auch das Gesetz: „Gleich und gleich gesellt sich gern.“ Menschen mit ähnlichen Gedanken ziehen einander an. Darum gilt folgende Maxime: „Vögel mit dem selben Gefieder fliegen zusammen“; „ein Mensch wird an seiner Gesellschaft erkannt.“ Ein Arzt gibt sich mit Ärzten ab. Ein Gesangsstar liebt einen anderen Gesangsstar. Ein Philosoph liebt andere Philosophen. Ein Vagabund liebt andere Vagabunden. Der Geist hat eine Anziehungskraft.

Man fühlt sich permanent zu sich selbst hingezogen, nämlich zu den sichtbaren und den unsichtbaren Seiten seiner Lebensenergie, d.h. zu den Gedanken, den Einflüssen und den Bedingungen, die den eigenen Gedankengängen verwandt sind. Dieses universale Gesetz wirkt ständig, egal ob man sich dessen bewusst ist oder nicht. Gedanken sind eine Privatangelegenheit. Man kann seine eigenen Gedanken dahingehend kontrollieren, was einem angenehmen erscheint. Man hat es selbst in der Hand, seine eigenen Gedanken zu bestimmen, und man kann die Umstände selbst herbeiführen, die man liebt bzw. ablehnt, vorausgesetzt allerdings, man entscheidet sich dafür.

Die Spanisch Grippe und die ansteckenden Gedanken
Mentale Handlungen sind wirkliche Handlungen. Die Gedanken sind die wirklichen Handlungen; sie sind die dynamische Kraft. Man möge sich daran erinnern, dass Gedanken sehr ansteckend sind; sie sind möglicherweise ansteckender als die Spanische Grippe.

Ein sympathischer Gedanke in uns erzeugt auch einen sympathischen Gedanken bei den Menschen, denen man gerade begegnet. Ärger ruft auch im Umfeld Ärger hervor. Man ist voller Freude, wenn man eine Gruppe spielender und tanzender Kinder in seiner Nähe erblickt. Ein Gedanke der Freude erzeugt auch in anderen Gedanken der Freude. Darum erzeuge in dir friedvolle und freudige Gedanken.

Wenn sich ein guter und ehrenwerter Mensch in schlechte Gesellschaft begibt, wird auch er zu stehlen beginnen. Wenn sich ein nüchterner Mensch in die Gesellschaft eines Trunkenbolds begibt, wird auch er zu trinken anfangen. Gedanken sind außerordentlich ansteckend.

Die Anwendung eines psychologischen Gesetzes
Bewahre ein junges Herz. Glaube nicht: „Ich bin alt geworden.“ Zu glauben, man wäre alt geworden, ist eine schlechte Angewohnheit. Wenn du 60 Jahre alt bist, dann glaube, du seist 16 Jahre alt. Dies ist ein wichtiges psychologisches Gesetz.

‚Was man glaubt, zu dem wird man.‘ Dieses ist eine große Wahrheit. Glaube: „Ich bin stark“, und man wird stark. Wenn man glaubt, man sei ein Dummkopf, dann wird man auch einer. Glaube: „Ich bin ein Heiliger oder Gott“, dann wird man ein Heiliger oder göttlich. Allein die Gedanken formen einen Menschen. Ein Mensch lebt immer in einer Welt der Gedanken. Jeder hat seine eigene Gedankenwelt.

Vorstellungen bewirken Wunder. Die Gedanken haben eine große Kraft. Gedanken sind, wie bereits erwähnt, etwas Solides. Die Gegenwart ist das Ergebnis vergangener Gedanken, und die Zukunft wird durch die gegenwärtigen Gedanken gestaltet. Wer aufrecht denkt, wird aufrecht sprechen und handeln. Die Sprache und die Handlungen folgen den Gedanken.

Verstehe die Gesetze der Gedanken
Jeder sollte die Gesetze der Gedanken und ihre Wirkungsweise richtig verstehen; nur dann kann man durch diese Welt gut hindurch kommen und glücklich leben. Nutze die helfenden Kräfte, um allen Seiten auf die bestmögliche Art gerecht zu werden. Man kann die feindlichen oder gegenläufigen Kräfte neutralisieren. Genauso wie ein Fisch gegen den Strom schwimmt, so kann man sich gegenüber den feindlichen Kräften verhalten, indem man sich richtig ausrichtet und vorsichtig mit angemessenen Methoden entgegengeht. - Sonst wird man zum Sklaven. Man wird durch verschiedene Strömungen hin und hergerissen. Man wird wie die Holzstämme in einem wilden Flusslauf hin und hergedriftet. Obwohl man keine Not leidet, ist man trotzdem immer schlecht gelaunt und unglücklich.

Der Kapitän eines Schiffes, der den Kompass, die Gewässer, die Route und die Strömungen im Ozean kennt, kann ruhig und sicher seinen Weg steuern. Ansonsten würde sein Schiff hilflos hin und her driften und letztendlich an einem Felsen oder Eisberg zerschellen. Ähnlich verhält sich ein weiser Segler im Ozean des Lebens, der detaillierte Kenntnisse über die Gesetze des Denkens und über die Natur hat, und damit ruhig das Ziel seines Lebens erreicht.

Wenn man die Gesetze des Denkens versteht, kann man seinen Charakter in jede gewünschte Form bringen. Im allgemeinen Sprachgebrauch heißt es: „So wie man denkt, so wird man.“ Denke du bist rein, und du wirst rein. Denke du bist nobel, und du wirst nobel. Werde zur Verkörperung der guten Natur. Denke von allem, dass es gut ist. Handle immer gut. Diene, liebe, gib. Mache andere glücklich. Lebe, um anderen zu dienen. Dann erntest du Glück. Du wirst schöne Begebenheiten, Gelegenheiten oder Umstände erleben.

Wenn man andere verletzt, Skandale heraufbeschwört, missgünstig, verleumderisch oder hinterlistig ist, wenn man andere ausbeutet, durch falsche Aussagen nach deren Besitz trachtet, wenn man etwas unternimmt, um anderen Schaden zuzufügen, dann erntet man Schmerz. Denn erfährt man missliche Begebenheiten, Gelegenheiten und Umstände.

Dieses ist das Gesetz des Denkens und der Natur. Genauso wie man seinen guten oder schlechten Charakter durch feines und gutes Denken formen kann, so kann man gute und schlechte Begebenheiten durch gute oder schlechte Handlungen herbeiführen. Ein Mensch mit Unterscheidungsfähigkeit ist immer sorgfältig, wachsam und umsichtig. Er überwacht seine Gedanken immer sorgfältig. Er übt sich in Selbstbeobachtung. Er kennt seine Gefühlswelt, welche Vritti  oder Guna  in diesem Augenblick vorherrscht. Er erlaubt keinem üblen Gedanken, die Pforte seiner Gedankenwelt zu durchschreiten, denn er erstickt das Übel sofort im Keim.

 Durch dieses positive Denken, durch die Beobachtung der Natur der eigenen Gedanken, durch Selbstbeobachtung, durch aktives nobles Denken, bildet ein Mensch mit Unterscheidungsfähigkeit seinen noblen Charakter und seine höhere Bestimmung. Er spricht mit Bedacht. Er spricht wenig. Er findet liebe Worte. Er gebraucht niemals harsche Töne, die die Gefühle von Anderen verletzen könnten. Er entwickelt Geduld, Dankbarkeit und universale Liebe. Er versucht die Wahrheit zu sprechen. Auf dieses Weise kontrolliert er seine Sprache. Er gebraucht angemessene Worte. Er schreibt in angemessener Weise. Dieses hinterlässt im Geist der Menschen einen tiefen Eindruck. Er praktiziert Ahimsa  und Brahmacharya  in Gedanken, Worten und Taten. Er praktiziert Saucha  und Arjava . Er versucht Gleichmut zu bewahren und immer fröhlich zu sein. Er bewahrt ein Suddha-Bhava . Er übt sich in den drei Arten von Tapas  (körperlich, verbal und mental) und kontrolliert seine Handlungen. Er denkt nichts Übles. Er vollzieht keine üblen Handlungen.

Er übt sich darin, immer günstige Lebensumstände zu bekommen. Derjenige, der Freude verbreitet, erzeugt automatisch auch solche günstigen Lebensumstände der Freude. Jemand, der anderen Schmerz bereitet, erntet zweifellos, entsprechend dem Gedankengesetzt, ungünstige Lebensumstände, die ihm Unglück und Schmerz bereiten. Darum erschafft jeder durch die Art und Weise seines Gedankengutes seinen eigenen Charakter und seine eigenen Lebensbedingungen. Schlechte Charaktere können durch gute Gedanken in gute Charaktere und unglückliche Lebensumstände können durch gute Taten in günstige Lebensumstände verwandelt werden.

Die Gesetze sind in höheren Gedanken enthalten
 Wie du denkst, so wirst du. So wie deine Gedanken sind, so entwickelt sich dein Leben. Verbessere dein Gedankengut. Bessere Gedanken verursachen bessere Handlungen. Nur an die Objekte dieser Welt zu denken, bereitet Schmerz. Bindung wird direkt durch das Denken erzeugt. Reine Gedanken haben eine größere Kraft als Elektrizität.

Der Geist, der durch die Sinnesobjekte berührt wird, neigt zur Bindung, wohingegen jene Objekte, die nicht attraktiv erscheinen, zur Befreiung führen. Der Geist ist wie ein Räuber; erschlage diesen Geistesräuber, dann wirst du glücklich und für immer frei sein. Benutze all deine Kraft, um den Geist zu erobern. Dieses ist wahre Männlichkeit oder Purushartha (rechtes Handeln). Selbstverleugnung ist das Mittel zur Reinigung und Verfeinerung des Gedankengutes. Reinige und beruhige den Geist. Die Ebenen der Unwissenheit, die das Wissen verdecken, können ohne einen ruhigen Geist nicht beseitigt werden.

Eine subtile Ernährung formt den Geist. Der Geist wird aus der Nahrung geformt. Der subtile Anteil der Nahrung wird in Geiststoff umgewandelt. Nahrung ist nicht das, was wir essen, sondern das, was wir über unsere Sinne aufnehmen.

Lerne Gott überall zu sehen. Dieses ist die wirkliche Nahrung für das Auge. Die Reinheit der Gedanken beruht auf der Reinheit der Nahrung. Man kann besser sehen, besser hören, besser schmecken, besser denken, wenn man sich mit erhabenen göttlichen Gedanken beschäftigt. Schaue durch ein grünes oder ein rotes Glas auf ein Objekt; das Objekt erscheint grün oder rot. Genauso sind die Objekte durch das Wunschdenken des Geistes gefärbt.

Alle Gefühlszustände sind vergänglich; sie verursachen Schmerzen und Sorgen. Die Gedanken sind frei. Befreie dich von der Sklaverei der Vorurteile, die den Intellekt abstumpfen und die Gedanken einschränken. Dieses ist die richtige Methode des direkten Denkens. Nachdem die Gedanken gereinigt wurden, offenbart der Atman sein Selbst. Wenn der Geist klar und wunschlos, ohne Beweggrund, ohne jedes Verlangen oder Wünschen oder ohne Gedanken, zwanglos und ohne Hoffnung ist, dann strahlt der absolute Atman. Es gibt die Erfahrung von Glückseligkeit. Lebe so, wie die Heiligen leben. Dieses ist der einzige Weg, die Gedanken, den Geist und das niedere Selbst zu besiegen, und solange der Geist nicht erobert wurde, kann man sich des Sieges nicht sicher sein.

Die Gedanken als Bumerang
 Geh sorgfältig mit den Gedanken um. Was auch immer als Gedanke ausgesandt wird, kommt wieder zurück. Jeder Gedanke ist wie ein Bumerang. Wer jemanden hasst, wird wieder gehasst. Wer liebt, wird wieder geliebt.

Ein Übel ist das dreimalige Verfluchen. Erstens werden die eigenen Gefühle durch das Verfluchen verletzt. Zweitens verletzt es den Verfluchten. Schließlich wird die ganze Menschheit durch das Vergiften der mentalen Atmosphäre verletzt. Jeder üble Gedanke ist für die betroffene Person wie ein Schwerthieb. Wenn man Gedanken des Hasses unterhält, dann ist man wirklich ein Mörder jenes Menschen, den man hasst. Doch du bist auch ein Selbstmörder, denn diese Gedanken kommen wieder zurück.

Ein Geist, der von üblen Gedanken heimgesucht ist, wirkt wie ein Magnet und zieht ähnliche Gedanken anderer Menschen an, wobei sich die ursprünglichen üblen Gedanken verstärken. Üble Gedanken, die in die Atmosphäre geschleudert werden, vergiften dafür empfängliche Denkorgane. Das Festhalten an üblen Gedanken führt schrittweise zur Widerwärtigkeit desjenigen und zwingt ihn, irgendwelche Handlungen auszuführen, die er verkörpert.

Gedanken und die Wellen der See
Die Gedanken sind wie die Wellen auf dem Ozean. Sie sind zahllos. Es scheint zu Anfang aussichtslos, sie zu erobern. Einige Gedanken mögen vergehen, während sich andere verstärken. Die selben alten Gedanken, die einst unterdrückt wurden, können wieder zum Vorschein kommen. Sei zu keiner Zeit niedergeschlagen. Du wirst sicherlich an innerer spiritueller Stärke gewinnen und am Ende siegreich sein. Alle Yogis vor dir mussten die selben Schwierigkeiten durchmachen wie du jetzt.

Der Prozess der Zerstörung der mentalen Veränderungen ist schwierig und langwierig. Die Gedanken können nicht in ein oder zwei Tagen zerstört werden. Gib nicht auf Grund von ein paar Schwierigkeiten oder Blockaden auf halber Strecke auf.

Das erste Ziel sollte sein, die Wünsche zu reduzieren; dann werden die Gedanken automatisch weniger. Schrittweise werden alle Gedanken entwurzelt.

Die Farbe und der Einfluss von heiligen Gedanken
Buddha hat erklärt: „Alles, was wir sind, wurde aus Gedanken gemacht.“ Unsere Gedanken sind die Ursache für den Kreislauf der Geburten. Darum sollten wir immer nach der Reinigung unserer Gedanken streben.

Wenn wir in der Nähe eines Heiligen sitzen, fühlen wir die einzigartige Ruhe; doch wenn wir in Begleitung eines schlechten, selbstsüchtigen Menschen sind, werden wir unruhig. Dieses liegt an der Schwingung von Frieden und Ruhe, die von der Aura des Heiligen ausgeht, wohingegen von der Aura eines selbstsüchtigen Menschen eine Schwingung von üblen und selbstsüchtigen Gedanken ausgeht. Die Gedanken erzeugen weiterhin eine bestimmte Form. Die Qualität und die Natur eines Gedanken bestimmt die Farbe und die Klarheit der Gedankenform.

Eine Gedankenform ist eine lebende Einheit, die dazu neigt, die Absichten des Denkenden auszudrücken. Blaue Gedankenformen weisen auf Hingabe hin. Die Gedankenform von Selbstverzicht ist von einem wundervollen Azurblau mit einem in diesem Blau scheinenden weißen Licht. Die Gedankenformen der Selbstsucht, des Stolzes und des Zorns sind von graubrauner, oranger und roter Farbe. Wir sind ständig von diesen Gedankenformen umgeben und unser Geist wird dadurch ernsthaft beeinflusst. Nicht einmal ein Viertel all unserer Gedanken stammen von uns selbst, sondern wurden aus der Atmosphäre aufgenommen. Meistens sind sie von übler Natur. Darum sollten wir ständig den Namen Gottes im Geiste bewegen. Dieses wird uns vor ihrem üblen Einfluss schützen.

Die Aura und die Dynamik eines entwickelten Geistes
Besonders im Umfeld von hoch entwickelten Gedankenkräften, spüren wir die Offenbarung einer machtvollen Aura. Der spürbare Einfluss eines höher entwickelten Geistes über einen weniger entwickelten Geist bedarf der besonderen Anmerkung. Es unmöglich zu beschreiben, was es bedeutet, in der Gegenwart eines Meisters zu sein. In Seiner Gegenwart zu sein, obwohl er kaum ein Wort spricht, vermittelt ein prickelndes Gefühl, und lässt uns die Wirkung einer neuen Inspiration entdecken, die auf unseren Geist ihren Einfluss ausübt.

Der Geist hat eine Aura, - eine mentale oder psychische Aura. Der Begriff dafür im Sanskrit lautet: Tejas. Vom Geist geht ein Leuchten aus. Bei jenen Menschen, die nach der vollkommenen Entwicklung ihres Geistes suchen, können wir eine außerordentliche Ausstrahlung feststellen. Diese Ausstrahlung kann weite Strecken überbrücken und eine große Zahl von Menschen, denen es vergönnt ist, unter dem Einfluss eines solchen Meisters zu stehen, wohl tuend beeinflussen. Man muss anmerken, dass die spirituelle Aura viel mächtiger ist als die psychische, mentale oder pranische Aura.

Die Dynamik der Gedanken und die Stimmungen
Menschen mit düsterer Stimmungslage ziehen düstere Dinge und Gedanken von anderen oder von im Raum schwebenden schlechten Schwingungen an. Menschen hingegen, die voller Hoffnung, Vertrauen und von fröhlichem Gemüt sind, ziehen die Gedanken ähnlicher Naturen an. Sie sind in ihren Zielen immer erfolgreich.

Die Menschen mit negativen Stimmungen, wie Depressionen, Zorn und Hass verletzen andere. Sie beeinflussen andere und erzeugen in ihnen zerstörerische Gedanken. Sie sind verantwortlich für den großen Schaden in der Gedankenwelt. Die Menschen mit glücklichem und fröhlichem Gemüt hingegen, sind ein Segen für die Gesellschaft. Sie bringen anderen Glück.

Genauso wie ein junge, hübsche Dame ihr Gesicht verdeckt und sich nicht in der Öffentlichkeit zeigen möchte, wenn ihr Gesicht eine Eiterbeule verunziert, so solltest auch du dich nicht in der Öffentlichkeit sehen lassen und dich mit Freunden treffen, wenn du depressiv, eifersüchtig oder voller Hass bist, denn du wirst andere damit anstecken. Du wirst zur Bedrohung für die Gesellschaft.

Gedankendynamik in universaler Umgebung
Die Gedanken verlassen tatsächlich das Gehirn und schweben herum. Wenn ein Gedanke, sei er gut oder schlecht, das Denkorgan eines Menschen verlässt, verursacht er eine Schwingung, die in der mentalen Atmosphäre weit in alle Richtungen reist. Sie betritt auch andere Denkorgane.

Ein Heiliger, der in einer Höhle in den Himalajas lebt, sendet einen machtvollen Gedanken bis in die letzte Ecke Amerikas. Wenn sich jemand in einer Höhle reinigen möchte, reinigt er in Wirklichkeit die Welt und hilft somit der ganzen Welt. Niemand kann seine reinen Gedanken vor dem Austritt bewahren und verhindern, dass sie jene erreichen, die sie wirklich wünschen. Genauso wie die Sonne fortgesetzt jeden Tropfen Wassers auf der Erdoberfläche in Dampf verwandelt, und genauso wie der Dampf emporsteigt und sich in Form von Wolken sammelt, so steigen auch alle Gedankenprojektionen von einsamen Orten auf, ziehen durch den Raum, vereinigen sich mit ähnlichen Gedanken, die von Gleichgesinnten gedacht wurden, und all diese heiligen Gedanken zusammen kommen mit großer Macht herunter, um unerwünschte Mächte zu unterjochen.

 

 

Swami Sivananda

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