Wenn Staub mit Wind in Berührung kommt,
steigt er hoch in den Himmel. Wenn er mit schmutzigem Wasser zusammenkommt,
wird er zu einem Haufen Schmutz. Wenn Luft mit Jasmin in Berührung
kommt, verbreitet sie einen süßen Duft. Wenn sie mit Abfall
zusammenkommt, riecht sie übel. Bringe einen Papagei mit einem
schlechten Menschen zusammen. Er wird zu fluchen beginnen. Bringe ihn
mit Sadhus zusammen. Er wird “Ram, Renga, Renga” wiederholen. Genauso,
wenn man sich in der Gesellschaft eines Weisen aufhält, erlangt
man Erkenntnis und erhebt sich hoch in das Reich ewiger Wonne. Wenn
man in Gesellschaft eines Betrügers und Säufers ist, trinkt
man und begeht schlechte Taten.
Satsang,
die Gesellschaft von Weisen
Hüte Dich vor schlechter Gesellschaft. Überall,
zu jeder Zeit und mit allen Mitteln meide die Gesellschaft der Bösen.
Suche die Gesellschaft von Weisen und Heiligen, die Deine Leiden
heilen, Dir neues Leben einhauchen, Dich verjüngen und Dir den
Weg zu Frieden und Glückseligkeit zeigen.
Die Herrlichkeit und Kraft von Satsang,
der Gesellschaft von Weisen, wird im Bhagavata, im Ramayana und in
anderen heiligen Schriften genau beschrieben. Kabir, Tulsidas, Shankara
und Guru Nanak haben Bücher geschrieben über die Herrlichkeit
von Satsang mit Mahatmas (großen Weisen).
Vivekananda nahm am Satsang Ramakrishna
Paramahamsas teil. Jnana Dev hatte den Satsang von Nivrittinath.
Gorakhnath nahm am Satsang von Matsyendranath teil. Die magnetische
Aura, die spirituelle Schwingung und die machtvollen Ströme
fortgeschrittener Meister üben einen ungeheuren Einfluß auf
den Geist aus. Satsang erhebt den Geist zu wunderbaren Höhen.
So wie sich eine Flamme an der anderen entzündet, so fängt
das Herz an einem Herzen Feuer.
Im Osten wird Schülern immer geraten,
die Gesellschaft heiliger Männer aufzusuchen und ihren Gesprächen
zuzuhören, denn das facht einen kleinen Funken von Liebe und
Ernsthaftigkeit zu einer Flamme an. Nur eine starke Seele kann die
Glut in der Isolation erhalten, und der Anfänger wird gut daran
tun, die Gelegenheit, die sich ihm bietet, wahrzunehmen, um seine
Bemühungen durch den Kontakt mit anderen, die sie teilen, zu
stärken.
Die
Kraft von Satsang
Satsanga hilft sehr bei der Erlangung
von Moksha. Satsang mit einem Weisen, auch wenn es nur eine Minute
ist, ist sehr viel besser als die Herrschaft über ein Königreich.
Er gibt alles, was man braucht und was gut ist. Er verwischt weltliche
Samskaras und schlechte Gedanken und gibt dem weltlichen Menschen
eine neue spirituelle Wendung des Geistes. Er zerstört Moha.
Er flößt Leidenschaftslosigkeit ein. Er führt auf
den rechten Weg und läßt die Sonne der Weisheit auf den
Geist des Menschen scheinen. Wenn Du Satsang haben kannst, brauchst
Du an keinen Tirtha gehen. Es ist der Tirtha der Tirthas. Überall
dort, wo Satsang ist, ist der heilige Triveni bereits anwesend.
Es gibt nichts Inspirierenderes, Erhebenderes,
Tröstlicheres und Freudvolleres als Satsang. Satsang ist der
größte Läuterer und Erleuchter des Menschen. Vertrauen
in Gott, in die Schriften und Verhaftung und Hingabe an Gott, entwickeln
sich langsam in Menschen, die regelmäßig Satsang haben.
Satsang kann seine Wirkung nicht verfehlen. Die Wirkung von heiligem
Kontakt ist unfehlbar und irrt nicht.
Zuerst kommt das Zusammensein mit rechtschaffenen
und guten Menschen und der Dienst für sie. Durch eine solche
Gesellschaft und einen solchen Dienst dämmert das Wissen von
der eigenen wahren Natur und vom göttlichen höchsten Selbst
auf. Dann kommt Vairagya, ein völliger Abscheu vor allem in
dieser und in der nächsten Welt, und Sehnsucht nach dem Herrn.
Das ist Bhakti. Wenn Bhakti stark wird, wird der Mensch zum Geliebten
des Herrn, und weil er Ihm so lieb ist, wird er von Ihm erwählt.
Dann kommt die direkte Schau des Herrn.
Menschen, die die lebensspendenden Worte
guter Menschen hören, deren vom Übel befleckte Herzen werden
gereinigt. Sie erreichen letztlich die Lotusfüße des Herrn.
Schurken wie Jagai und Madai oder der Übeltäter Ratnakara
wurden durch Satsang in Heilige umgewandelt.
Vorhandensein
von Satsang
Menschen klagen heutzue, daß es
keine guten Mahatmas (große Seelen) gibt. Das ist eine faule
Entschuldigung. Die Gesellschaft von Sadhus (Weisen) ist eine Sache
von Angebot und Nachfrage. Wenn eine echte Nachfrage besteht, wird
das Angebot sofort da sein. Das ist ein unabänderliches Naturgesetz.
Wenn Du tatsächlich dürstest, wirst Du Deinen Meister an
Deiner eigenen Schwelle finden. Du lebst lustig dahin. Dein Geist
ist voll Leidenschaft und unheiligen Vasanas (Wünschen). Du
kümmerst Dich überhaupt nicht um höheres göttliches
Leben. Du verschwendest Deine Zeit in müßigem Geschwätz
und unnützem weltlichen Gerede. Du bist hoffnungslos zum Sklaven
von Leidenschaft, Habgier, Ruhm und Ehre geworden. Und doch klagst
Du: “Ich kann keinen Satsang haben.” Suche zuerst die Schuld bei
Dir. Gestehe Deine Fehler ein. Bereue Deine Fehler aufrichtig. Mache
Prayaschitta. Faste. Bete. Weine bitterlich in Einsamkeit. Mache
aus Dir zuerst einen würdigen Adhikari. Die hohen Seelen warten
darauf, der richtigen Aspiranten habhaft zu werden. Mahatmas gibt
es genug. Wahre Suchende gibt es wenige. Wenn Du den Vorwurf erhebst: “Es
gibt keine guten Mahatmas”, werden die Mahatmas auch einen ernsten
Vorwurf erheben: “Es gibt keine wahrhaft nach der Wahrheit Suchenden.”
Du kannst vielleicht einen wirklich wertvollen
spirituellen Lehrer nicht erkennen, wenn Du ihm begegnest, denn große
Seelen verbergen im allgemeinen ihre Größe. Ein Aspirant,
der sich durch sein intensives Bemühen im gegenwärtigen
oder in früheren Leben große Verdienste erworben hat,
kann die Größe eines Mahatmas erkennen und seine Gnade
erlangen. Die Faulen und Trägen haben keine Chance, die Gnade
einer großen Seele zu erlangen.
Indirekter
Satsang
Wenn Du nicht den Satsang lebender Mahatmas
haben kannst, kannst Du auf das Studium von Büchern zurückgreifen,
die von großen Seelen geschrieben wurden. Bücher, die
verwirklichte Menschen geschrieben haben, sind indirekter Satsang.
Wenn Du sie liest, bist Du in der heiligen Gesellschaft der Autoren.
Wenn Du im Vivekachudamani liest, hast Du für diese Zeit tatsächlich
den Satsang von Shankaracharya. Wenn Du die Yoga Vashishtha liest,
hast Du eigentlich den Satsang des Weisen Vashishtha.
Am Abend können sich vier, fünf
Menschen in einem Tempel oder einem ruhigen Raum zusammenfinden und
ein, zwei Stunden lang entweder aus der Gita, den Upanishaden, dem
Ramayana, der Yoga Vashishta oder dem Bhagavata lesen. Langsam reinigt
sich der Geist. Du findest Geschmack am spirituellen Weg.
Suche ständigen Satsang. Dann wirst
Du allmählich den unschätzbaren Nutzen von Satsang erfahren.
Das Leben ist kurz. Die Zeit rast. Der Tod wartet jeden Moment darauf,
Dich zu verschlingen. Dieses ‘Morgen’ wird nie kommen. Es ist sehr
schwierig, diese menschliche Geburt wiederzuerlangen. Verwende sie
nutzbringend zur Verwirklichung des Selbst durch Satsang. Verwirkliche
durch Satsang den Sat Chid Ananda Atman. Nur dann kannst Du frei
sein.