Devi
bedeutet das, was von Natur aus licht (und leicht) und in Manifestation
ist. Deshalb verkörpert Devi das Höchste Bewußtsein, das
in seinem mütterlichen Aspekt erscheint. In der Devi Bhagavata Purana
finden wir eine wunderschöne Beschreibung Devis:
Es
ist Deine Kraft allein, mit der Brahma erschafft, mit der Vishnu erhält
und mit der Shiva, wenn das Ende gekommen ist, das Universum wieder vernichtet.
Deshalb wären sie ohne Dein Zutun machtlos. Aus diesem Grunde bist
Du allein Schöpfer, Erhalter und Zerstörer der Welt.
Gott,
der weder männlich noch weiblich ist, existiert als Sat-Chit-Ananda
(Sein, Bewußtsein und Glückseligkeit). Gott geht über alle
Formen, Namen und Dualitäten hinaus. Aber im göttlichen Spiel
nimmt das Höchste Bewußtsein Form an, um sich physisch zu manifestieren.
Devi,
die universale Göttin, erscheint in verschiedenen Manifestationsformen.
Als Shivas Gemahlin ist sie die machtvollste und umfassendste der Göttinnen.
Shiva und Shakti sind untrennbar, auf ewig eins.
Devi
hat zwei Aspekte: einen sanften und einen heftigen. Zu ihrer sanften Ausdrucksform
gehören Sati, Uma und Parvati. Durga und Kali entsprechen zwei heftigen
Manifestationen Devis.
König
Dakshas schöne Tochter, Sati, war Shivas erste Gemahlin. Sie gewann
Shivas Gnade und Herz durch ihre Hingabe und Askese. Die Legende beschreibt
sie als eine treue Gemahlin Shivas.
Gemäß
der puranischen Legenden hat Satis Vater, Daksha, einst ein Mahayagna ausgeführt.
Da er seinen asketischen Schwiegersohn, Shiva, nicht wirklich respektierte,
lud er außer Shiva alle ein. Obwohl nicht eingeladen, besuchte Sati
trotzdem das Haus ihres Vaters mit positiver Einstellung. Daksha beleidigte
Shiva absichtlich in Satis und all der geehrten Gäste Gegenwart. Sati,
die eine hingebungsvolle Frau war, konnte die Beleidigungen ihres Gatten
nicht ertragen und fühlte sich gedemütigt. Sie schämte sich,
die Tochter eines solchen Vaters zu sein und begab sich in eine Yogahaltung.
Sie verbrannte sich von innen und gab so ihr Leben auf.
Satis
Tod erfüllte Shivas Herz mit Kummer und tiefer Qual. Er war so sehr
bekümmert, daß er ihren toten Körper in der Hand hielt
und in Trauer tanzte. Seine Qual erschütterte die ganze Schöpfung
und bedrohte sogar dessen Existenz. Die Götter ersuchten Vishnu um
Hilfe. Sie wünschten, daß er Satis Körper mit seinem göttlichen
Diskus zerteilte. Nach verschiedenen Versuchen gelang es Vishnu schließlich.
Die Stellen, an denen Stücke auf die Erde fielen, wurden Shakti peetas
oder "Energiepunkte" genannt. Diese Kraftstellen werden selbst heute noch
verehrt.
Uma
unterwarf sich scharfer Askese, um Shiva zum Gemahl zu gewinnen. Das Wort
Uma bedeutet "Mutter der ganzen Welt". Shiva unterzog sie schweren Prüfungen,
um ihre Beständigkeit und ihre Hingabe an ihn zu testen. Aus jeder
Prüfung ging Uma siegreich hervor. Zufriedengestellt, nahm Shiva sie
zur Gemahlin.
Sie
personifiziert die Verantwortlichkeit und die Größe einer idealen
Frau. In der indischen Gesellschaft kümmert sich eine vollkommene
Frau um ihren Mann, zieht ihre Kinder groß und kommt jeder notwendigen
Handlung für ihre Familie nach, selbst wenn sie dadurch ihr eigenes
Leben aufs Spiel setzt
Sati
wurde als Parvati wiedergeboren, Tochter von Himavan, Gott des Himalajas,
und von Mena. Sie repräsentiert kosmische Energie (Prakriti oder Ur-Natur)
und kann niemals von Shiva getrennt werden (Purusha oder gewußter
Geist).
Als
Mutter des Universums ist Parvati die göttliche Gemahlin Shivas. Sie
repräsentiert auch die ideale Hindu-Frau aufgrund ihrer vollendeten
Hingabe zu Shiva. Sie manifestiert sich in ihrer drastischen Form als Kali
und Durga und in ihrer sanften Ausdrucksweise als Sati und Uma. Sie ist
die Mutter Ganapatis und Karthikeyas.
Künstler
stellen die Göttin Kali als schwarz, drastisch, mit heraustretenden
roten Augen und herausgestreckter Zunge dar. Sie trägt eine Girlande
menschlicher Schädel. Kali sieht in der Tat Furcht einflößend
aus.
Kali
verkörpert Zeit und Natur. Das Wort Kali stammt von dem Wort "kaala",
das sowohl schwarz, als auch Zeit bedeutet. Die Menschen nennen sie Kali
- die Schwarze. Die drei Aspekte der kosmischen Funktion - Schöpfung,
Erhaltung und Zerstörung - geschehen in der Zeit. Symbolisch findet
das Ausdruck darin, daß sie auf Shivas Brust tanzt - Mahakaala (die
Ewigkeit).
Kali
repräsentiert Devis drastischen Aspekt. Ihre drei Augen sehen die
Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft.
Ihre
leuchtend weißen Zähne symbolisieren Sattwa, die Reinheit. Die
heraushängende Zunge bedeutet Rajas, das aktive Prinzip in der Natur.
Künstler stellen sie mit mehreren Armen dar, meistens mit vier.
Sie
hält einen abgetrennten menschlichen Kopf in einer Hand, was auf die
Zerstörung des Egos ihrer Anhänger hinweist. Eine andere Hand
schwingt ein Schwert, mit dem sie das Band der Gebundenheit durchtrennt.
Weitere Hände zeigen Gesten der Vertreibung von Angst und der Förderung
spiritueller Stärke.
Kali
trägt eine Girlande aus 51 menschlichen Schädeln, die die 51
Buchstaben des Sanskrit-Alphabets repräsentieren. Sanskrit ist eine
heilige Sprache, die vollendetes Wissen und Weisheit enthält.
Durga
verkörpert die allmächtige schöpferische Kraft und das Bewußtsein
der höchsten Macht (Gott). Sie ist die göttliche Mutter-Göttin;
sie ist machtvoll und die beste Ausdrucksform der Natur als weibliche Gottheit.
Sie erscheint als Durga um Dämonen zu bekämpfen. Durga ist die
am weistesten verbreitete Anbetungsform Shaktis. Durga personifiziert die
Gesamtheit der Kräfte der Gottheiten.
Sie
hat eine schöne Hautfarbe und 8 Arme. Sie war bei der Geburt voll
ausgewachsen und reitet auf einem Tiger oder Löwen. In den Händen
hält sie einen Diskus, eine Seemuschel, einen flammenden Pfeil, einen
Bogen, einen Köcher und Pfeile und einen Rosenkranz. Sie schwingt
einen Eisenstab, einen Donner, eine Keule und einen Dolch. Mit großer
Leichtigkeit tötete sie Mahisha, Shumbha, Raktajiva, Nishumba - sie
waren alle sehr machtvolle Dämonen.
Sie
ist freundlich, liebenswürdig und gnädig zu denen, die ihr ergeben
sind. Sie erfüllt die Wünsche ihrer Anhänger, die mit aufrichtigem
Herzen zu ihr beten; sie gewährt materiellen und spirituellen Reichtum.
Gottsucher rufen sie an, mit der Bitte, all ihre Wünsche zu zerstören
und ihr höchstes Selbst zu entfalten. Sie hilft bei der Vernichtung
unserer inneren negativen Kräfte, Schwächen und Kleinheit. Auf
Erden kommt ihr die Rolle zu, Dämonen zu beseitigen, die die Götter
und Menschen heimsuchen. |