von Swami Venkatesananda
3. KOMMUNIKATION
Swami Sivananda hat keine neue Philosophie erfunden sondern die fundamentale
Philosophie vermittelt, die der Menschheit schon durch Inkarnationen
wie Jesus, Buddha, Sankara, Krishna vermittelt bekommen hat. Warum war
(oder ist) dies notwendig? Der Grund wird im vierten Kapitel der Bhagavad
Gita wunderschön herausgearbeitet.
Sa kalene’ha mahata yogo nashtah parantapa (IV. 2)
”Bloßes Vergehen von Zeit scheint die Wahrheit zu verwässern”,—aus
einem einfachen und sehr guten Grund. Wenn du ein Mann der Selbstverwirklichung
bist und ich zu dir als Suchender (nicht als Schüler) komme, magst
du erkennen, dass du deine eigene Erfahrung nicht hinreichend in Worte
fassen kannst, was auch immer du tust und wie brillant du auch bist.
Und zwar aus dem einfachen Grunde, dass Sprache entdeckt wurde, nachdem
der Mensch der Selbstverwirklichung abtrünnig wurde. Sprache ist
gezwungenermaßen dualistisch, pluralistisch—daher war jemand
wie Ramana Maharshi die meiste Zeit schweigsam, und sogar Swami Sivananda
weigerte sich, in Diskussionen gezogen zu werden. An einer Stelle von
Vasishtas Lehre an Rama in der Yoga Vasishta fragt Rama etwas, worauf
Vasishta einfach schweigt. Rama hakte nach und fragte, ”Kannst
Du mir die Frage nicht beantworten, die ich Dir gestellt habe? Warum
schweigst Du auf einmal?” Vasishta sagt ”Ich schweige nicht,
weil ich die Antwort nicht kenne, sondern Schweigen ist die Antwort
auf Deine Frage.”
Der erleuchtete Guru kann also seine fundamentale Erfahrung nicht verbalisieren.
Kann man nicht nonverbal mit ihm kommunizieren entdeckt man, dass ein
großer Prozentsatz seiner Erfahrung unvermittelbar bleibt. Alles
was aufgeschrieben, auswendig gelernt oder verbalisiert worden ist,
ist ein Bruchteil der Erfahrung des Weisen. Merke dir das bitte für
immer. Wenn Swami Krishnanandaji mit einem redet, ist das nicht alles,
was er weiß. Es gibt Dinge, die er erfahren hat, die unaussprechbar
sind. Wenn der Suchende sich also einem großen Meister nähert
und ihn bittet, seine Erfahrungen in Worte zu fassen und zu lehren,
kann nur ein kleiner Teil davon ausgesprochen werden. Es gibt da einen
großen Verlust. Eine andere Sache ist, wie lange man ununterbrochen
dem Gesagten zuhören kann? Man hört zu—und dann hört
man jene Geräusche auf der anderen Seite des Flusses, oder einem
fällt plötzlich ein, dass man etwas vergessen hat. Wenn eine
tiefe Pause entsteht, schaltet die Aufmerksamkeit schon auf Deutschland,
Österreich, Ungarn, alle möglichen Orte, um, so dass selbst
dieser kleine Bruchteil, den der Guru in Worte fassen kann, während
der Übertragung verloren geht, weil der Schüler nicht aufmerksam
ist.
Swami Sivananda hat uns auf eine sehr schöne Art ausgebildet. Er
hielt keine Vorlesung sondern unterhielt sich mit uns, und er hat nicht
oft jemanden dazu ermutigt, Notizen zu machen wenn er redete. Trotzdem
ermunterte er uns, das Gespräch hinterher aufzuschreiben. Es ist
erstaunlich, wie wenig man unmittelbar danach noch weiß. Wenn
der Schüler so eifrig ist, dass das Gelehrte direkt aufgenommen
wird, dann bleibt wenigstens soviel hängen, aber wird das Gelehrte
nicht aufgenommen, neigt es dazu sich zu verflüchtigen. Darum wird
es Geist genannt! Geist verflüchtigt sich immer. Nach ein paar
Tagen ist er vollständig verloren. Krishna sagt: ”Ich sagte
dies zu Vivaswan, Vivaswan lehrte dies Manu (1. Gesetzgeber, legendärer
Mensch, der die Smritis geschrieben hat).” Es wurde also gesprochener
Weise übertragen oder mündlich von Generation zu Generation
übermittelt und geht nach und nach verloren. Darum bedarf es eines
großen Meisters oder einer Inkarnation wie Swami Sivananda, um
dieselbe Philosophie zu überbringen.
Information oder Worte kann man übermitteln (engl. ”convey”).
Nimm z.B. ein Förderband (engl. ”conveyor belt”). Man
legt etwas darauf - es bewegt sich, und jemand anders nimmt es herunter.
Dies ist Übermittlung: Man sagt etwas, hört etwas und aufs
Geratewohl wählt man, was einem gefällt und lässt liegen,
was einem nicht gefällt (genau wie beim Förderband auf dem
Flugplatz.) Dies ist das gefährlichste im Leben. Wenn man zu einem
Meister geht, sollte man sich darauf gefasst machen einiges zu hören,
was man nicht hören will. Wer nur etwas Gewolltes hören will,
braucht nicht zu einem Meister zu gehen. Dann kann man zuhause bleiben,
einen Kassettenrecorder nehmen und all das sagen, was man hören
möchte, es dann abspielen - und man wird all das hören, was
man hören will. Man wird kein einziges Wort hören, das man
nicht hören will! Dies ist das erste Problem im Förderbandsystem.
Das zweite Problem ist, dass sogar etwas, das man gern aufnehmen möchte,
sich vielleicht so schnell vorbei bewegt, dass man es verfehlt. Vermitteln
mag wichtig sein für das Erlernen von Rechnen oder Sprache. Selbst
beim Lehren der drei R’s (Rechnen, Schreiben, Lesen) in der Schule
wiederholen sie die Anleitungen immer wieder, so dass, falls man etwas
beim ersten Mal verpasst, das Förderband wieder zu einem zurückkommt,
(wie auf dem Flugplatz).
Kommunikation verläuft anders. Es ist fast immer nonverbal. Sitzt
man für ein paar Momente mit geöffneten Ohren und Augen, dann
schließt man Augen für zwei Minuten und horcht. Es ist nicht
dasselbe. Wenn die Augen geschlossen sind, kann man nicht richtig hören.
Fast alles geht verloren, nur ein bisschen bleibt. Noch schlimmer, wenn
man sich umdreht und etwas anderes ansieht, während man zuhört,
dann hört man wahrscheinlich überhaupt nichts. Wir haben immer
die Dialoge und Konversationen, die Swamiji mit seinen Schülern
führte, aufgeschrieben. Oftmals fanden wir, dass, wenn ein äußerst
inspirierender Dialog notiert wurde, gar nicht so inspirierend war,
weil—besonders in Swami Sivanandas Fall—ein ”hmm”,
sein Lächeln und die Art, wie er einen ansah, unheimlich viel bedeutete.
Alle diese Dinge hatten ungeheure Wirkung und ungeheure Bedeutung. Da
findet Kommunikation statt. Offensichtlich konnte dies nicht auf die
Schrift übertragen werden. Darum haben die alten Meister darauf
bestanden, dass Lesen und Hören allein nicht ausreichen, sondern
dass man zu einem erleuchteten Meister geht und sich zu seinen Füßen
setzt—dann passiert vielleicht nichts, oder alles passiert. Nicht
ein Wort mag ausgetauscht werden, trotzdem geschieht alles aufgrund
von nonverbaler Kommunikation.
Kommunikation findet statt, wenn man eins mit dem Meister geworden ist.
Wenn man mit dem Meister auf der gleichen Ebene und auf der gleichen
Wellenlänge ist, dann nimmt man seine Lehre auf, ohne dass er ein
Wort sagen muss. Das ist das berühmte Symbol des Dakshinamurthi.
Ich nehme an, ihr habt die Geschichte gehört. Vier sehr alte, große
Weise meinten, dass sie den höchsten Zustand der Erleuchtung noch
nicht erreicht hätten. In ihnen war ein kleiner Zweifel, ein wenig
Rastlosigkeit. Sie wanderten und waren auf der Suche nach einen Meister,
der Ihre Zweifel beruhigen konnte, der ihnen helfen konnte, den ultimativen
Ruhepunkt zu finden. Während ihrer Wanderung sahen sie plötzlich
einen jungen Mann unter einem Banyanbaum sitzen. Sie fühlten sich
von ihm angezogen wie Eisenspäne von einem Magnet, und von seiner
Kraft angezogen gingen sie zu ihm. Es war ein junger Mann, fast gänzlich
ohne Kleider. Sie setzten sich und sahen ihn an. Er sagte kein Wort,
sie stellten keine Fragen, aber alle ihre Zweifel waren beseitigt. Warum?
Weil sie auf derselben Wellenlänge waren. Was meinen wir, wenn
wir sagen, der Schüler und der Guru sind auf derselben Wellenlänge?
Bedeutet es vielleicht, dass der Schüler genauso erleuchtet ist
wie der Guru? Wenn der Schüler schon Selbstverwirklichung oder
Atmajnana erreicht hätte, warum sollte er zu einem Guru gehen?
Auf derselben Wellenlänge zu sein bedeutet konkret, dass man etwas
Bestimmtes besitzt und dass das Herz spontan ohne irgendeine Schwierigkeit
auf einen bestimmten Meister anspricht- nur auf einen bestimmten Meister
und auf andere nicht. Der Empfänger ist nicht so kraftvoll wie
der Sender des Meisters, dennoch ist man auf derselben Wellenlänge.
Das heißt, dass man im Inneren auch von derselben fundamentalen
Natur ist. Geh zu ihm. Dann ist Kommunikation möglich, weil ihr
auf einer bestimmten Ebene, in einem bestimmten Bereich, brillant aufeinander
ansprecht. Swami Sivananda war darin Experte. Er sah niemanden als seinen
Schüler an, aber er wusste, dass er Suchenden dienen und sie führen
konnte. Es war einmal ein Swami hier, der nicht Swami Sivanandas Schüler
war. Er gehörte einem ganz anderen Orden an. Er war der beste unter
uns, und Swamiji behandelte ihn wie einen von uns. Er wohnte hier im
Ashram, doch wenn sein Guru kam, dann sagte Swamiji ihm, er solle seinem
Guru dienen. Ich denke, viele von Euch haben von dem großen Yogi
in Amerika, Swami Satchidananda, zumindest gehört. Er war einige
Jahre hier und ging dann nach Ceylon. Ein junger Mann aus Bombay, ein
Schüler von Swami Satchidananda, kam hierher. Swami Sivananda gab
ihm Sannyasa (Mönchsweihe), nahm ihn auf. Immer wenn Swami Satchidananda
von Ceylon hierher kam sagte er ”Gurumaharaj ist gekommen, geh
und diene ihm.” Was Swami Sivananda anging, war dieser Swami also
ein Schüler Swami Satchidanandas.
Auf dieselbe Weise ist es möglich, dass jemand, der in seinen
Ashram kam, hier gewohnt hat und vielleicht sogar von Swami Sivananda
aufgenommen wurde, innerlich Schüler eines anderen großen
Guru oder Meisters war. Swami Sivananda hatte überhaupt nichts
dagegen, weil er erkannte, dass jene beiden auf derselben Wellenlänge
waren. Es freute ihn, dem Suchenden auf physischer Ebene zu dienen,
ihm Unterkunft, Essen, Kleidung etc. zu geben, aber er sagte ihm, er
solle Instruktionen von seinem eigenen Lehrer erhalten. In einem Fall
ist jemand Swami Sivanandas Schüler, aber gleichzeitig Schüler
eines anderen. In einem anderen Fall ist jemand äußerlich
Schüler eines anderen Lehrers, tatsächlich aber Schüler
Swami Sivanandas. Beides ist gut, weil er erkannte, dass sowohl Lehrer
als auch Schüler auf derselben Wellenlänge sein müssen.
Wo das geschieht, da findet Kommunikation statt.
Um diese Kommunikation effektiv zu machen, gibt es in der orthodoxen
Vedanta Philosophie das, was Adhikarivada genannt wird. Das besagt,
dass man sich, bevor man sich einem Guru nähert, die vier Hilfsmittel
angeeignet haben musste: Viveka (Unterscheidungskraft), Vairagya (Verhaftungslosigkeit),
Shatsampat (die 6 edlen Tugenden), Mumukshutva (Wunsch nach Befreiung).
Die Katha Upanishad drückt dies auf einfache Weise aus:
Uttishthata jagrata prapya varan nibodhata.
”Erwache, erhebe dich, sei aufmerksam, gehe dann zu einem Großen
und erlange Erleuchtung.” Viveka, Vairagya, Shatsampat und Mumukshutva
werden als die Zeichen dieses inneren Erwachens angesehen. (Nicht Erleuchtung,
sondern Erwachen.)
In alten Zeiten hielten sich die Erleuchteten gemäß der Tradition
abseits der Gesellschaft- sei es körperlich, sei es psychisch.
In vielen der Upanishaden und anderen religiösen Texten wird verkündet,
dass der erleuchtete Mensch sich wie ein Narr in der Gesellschaft benehmen
sollte - ein Konzept, das sich wunderbar in der Bibel zeigt: "Werft
nicht Perlen vor die Säue." Nur ein qualifizierter Suchender
erkannte sie. Es ist weit entfernt von den modernen "Yogis",
die sich selbst erleuchtet nennen und Gefolgschaft suchen!
Von allen Swamis und heiligen Menschen war Swami Sivananda der einzige,
der sein Wissen nicht zur Schau stellte. Dies war ein außergewöhnlicher
Charakterzug an ihm. Wenn man vielen Swamis und Yogis eine einfache
Frage stellt, "Im Winter ist das Wasser des Ganges kalt, Swamiji,
kann man da baden gehen?" Was man erwartet, ist eine Antwort wie,
"Ja, nach Sonnenaufgang kann man baden oder man ölt sich und
taucht dann in den Ganges." Doch viele würden einen ganzen
Vedantavortrag halten: "Du bist nicht der Körper, du bist
nicht der Geist, das unsterbliche Selbst bist du. Es ist nicht das unsterbliche
Selbst, das die Kälte spürt, es sind Körper und Geist,
die die Kälte spüren!“Ich habe nie eine solche Antwort
von Swami Sivananda gehört. Wenn überhaupt, dann hielt er
sich eher zurück.
Es war ihm mehr am physischen und intellektuellen Wohl gelegen als
dass er einem bei jedem Niesen oder Husten eine religiöse Lehre
aufdrängen wollte. Er wartete darauf, dass man ihn fragt -uttishthata
jagrata prapya varan nibodhata"- man muss aufstehen, aufwachen,
dann zu dem Großen gehen. Aufstehen und Aufwachen ist Euer Problem,
nicht das des Gurus, aber Swamiji strengte sich besonders an, Leuten
Eintritt in den Ashram zu gewähren, die nicht all diese Qualifikationen
hatten. Er versteckte spirituelle Wahrheit nicht- sie war da, veröffentlicht
-und er zog sich selbst nicht aus der Gesellschaft zurück. Er gebärdete
sich auch nicht wie ein Ignorant, indem er in der Welt lebte als wäre
er taub, stumm und blind, wie man der Schrift zufolge sein sollte. Er
stellte sein Wissen nicht zur Schau, aber wenn man eifrig war, vermittelte
er dieses Wissen auf mysteriöse Weise.
In jenen Tagen war es Tradition für Heilige, sich in einer Höhle
zu verstecken und darauf zu warten, aufgesucht zu werden von qualifizierten
Schülern, die inneres Erwachen erfahren hatten, die aufmerksam
und eifrig waren und die unter großem Aufwand (nicht von Geld,
sondern von Energie und Zeit) zu ihnen fanden und um Lehre baten. Swami
Sivananda hat diese Tradition weitgehend angenommen, indem er sein Atmajnana
mit einem weiten Mantel (darf ich sagen) verschleierte, so dass Menschen,
die zu ihm kamen, sich oft an seine Zuneigung und Liebe, seine große
Sorge um ihr physisches und materielles Wohlergehen erinnerten. "Wie
geht es Deinem Sohn? Wie geht es Deiner Tochter? Ist sie verheiratet?
Wie ist Deine Arbeit? Wie geht es Dir gesundheitlich, kannst Du gut
schlafen?" Darum ging es ihm hauptsächlich - Atmajnana kam
zu seiner Zeit. Wenn man auf diese Weise in gänzlicher Zuneigung
und Liebe eins mit ihm wurde, dann konnte nonverbale Kommunikation leicht
stattfinden. Das war sein Geheimnis. Aber er erkannte auch dass, wenn
den Menschen Weisheit, Gelassenheit, erhabene, tugendhafte Qualitäten
und ein immerwährendes Sehnen nach Befreiung nicht zueigen waren,
keine noch so große Menge an verbaler Lehre von Nutzen sein würde,
und nonverbale Kommunikation unmöglich würde.
Vorbereitung ist grundlegend. Man mag den besten Radioempfänger
haben, doch wenn der nicht am Stromnetz angeschlossen ist oder keine
Batterien hat, versagt er. Er wird nicht empfangen, wie weit entwickelt
das System auch sein mag. Wenn also das Herz nicht wirklich und wahrhaftig
und vollständig auf die Aufnahme von Atmajnana vorbereitet ist,
kann keiner jemals etwas für einen tun. Lord Krishna, Buddha oder
Jesus mögen vor einem stehen und sprechen, und es wird keinen Eindruck
auf einen machen. Ein unreines Herz kann keine nonverbale Kommunikation
aufnehmen, und wenn verbale Kommunikation versucht wird, wird ein unreines
Herz sie verunreinigen, verbiegen und verdrehen. In dieser Hinsicht
war Swami Sivananda einzigartig. Er sagte oft: "Es ist unmöglich,
von diesen in der modernen Welt lebenden Leuten zu erwarten, dass sie
Unterscheidungsvermögen und Leidenschaftslosigkeit entwickeln."
Theoretisch kann man ruhig sagen, dass Meditation sogar auf einem Fischmarkt
in Delhi möglich ist, aber wenn man dorthin geht, könnte man
es schwierig finden. Man kann Ohrenschützer tragen und eine Augenmaske
aufsetzen, aber irgendwas in der Atmosphäre ist so gänzlich
unspirituell, dass es Zeitverschwendung ist, dort zu meditieren zu versuchen.
Swamiji erkannte dies und hieß hier selbst unerwachte Studenten
zu seinen Füßen willkommen und versuchte, sie zu erwecken.
Einige Leute sind hierher aus reiner Enttäuschung über das
Leben gekommen. In jenen Tagen war es eine Art Witz zu sagen, wenn ein
junger Mann in seiner Prüfung oder seinem Geschäft versagt
hatte, soll man nach ihm im Sivananda Ashram suchen. Verzweifelte Leute
gingen dorthin und Swami Sivananda nahm sie freigiebig auf und versuchte
dann, ein Erwachen herbeizuführen. Ich werde Euch ein Beispiel
nennen. Ein junger Mann kam hierher, weil seine Familie sich weigerte,
die seine Heirat mit dem Mädchen seines Herzens zu segnen. Er kam
hierher, weil jemand in Rishikesh ihm sagte, "Du bist aus Südindien,
du bist ein gebildeter Mann, gehe in den Sivananda Ashram." Also
kam er hierher, und Swamiji sagte: "Also gut, bleibe hier. Was
kannst du?" Er sagte: "Ich kann hier saubermachen." Später
wurde aus ihm ein großer, wundervoller Yogi aber nicht alle waren
wie er. (Ich spreche im Folgenden nicht von ihm.)
Ich weiß nicht, ob Ihr versteht, welches Problem dieser Umstand
verursachte. Da ist ein ungeschliffener Mensch, der in den Ashram kommt,
nicht weil er Atmajnana will, sondern weil er von zuhause weglaufen
will. Er ist kein Schüler von Swami Sivananda. Er kam nicht zu
Swami Sivananda, weil er in ihm den Lehrer sah, denn die Lehrererfahrung
hatte noch nicht stattgefunden. Also ist er ein ungeschliffener Kandidat,
ohne Viveka, ohne Vairagya, ohne jegliche Qualifikationen, die für
das Stattfinden jeder Art von Kommunikation nötig wären. Er
hat seine eigenen Ideen, seine eigene Philosophie. Nun muss er langsam
dem Meister nahe gebracht werden. Dabei muss der Meister ihn mit Zuneigung
überhäufen - was von verschiedenen Leuten auf unterschiedliche
Weise interpretiert werden kann.
Er denkt, "Oh, ich bin so wichtig, dass Swami Sivananda mir Milch
und Früchte und Kichidi schickt und sich um mich kümmert“,
und die anderen wurden eifersüchtig. Dem erleuchteten Meister,
der dies alles hier leitet, ist dieser Neuling so wesentlich, so wichtig,
so wunderbar wie wir alle. Es schaffte Swamiji selbst unzählige
Probleme. Swami Sivananda sagte oft: "Es macht nichts, dass dieser
Mann lasterhaft ist, indem ich ihn hierher bringe und ihm Obdach gebe,
habe ich erreicht, dass Delhi einen Schurken weniger hat." Das
war seine Philosophie. "Allein die Tatsache, dass So-und-so hierher
gekommen ist, zeigt, dass es eine kleine Öffnung gibt, wie klein
auch immer, durch die eine Art von Kommunikation geschehen kann. Lasst
ihn hier bleiben, ich werde einen Samen säen. In dieser Geburt,
der nächsten, es spielt keine Rolle, wird jener Samen jetzt oder
viele Jahre später keimen." Genau das waren seine Worte.
In dieser Beziehung unterschied sich Swamiji von den meisten anderen
Meistern, die darauf bestanden "Wenn man nicht alle diese Tugenden
hat und so weiter, kann man hier nicht aufgenommen werden, man ist als
spiritueller Aspirant nicht geeignet." Swamiji sagte: "Oh
nein, das ist zu hart. Es ist unmöglich, in dieser Welt all diese
Tugenden und Qualitäten außerhalb eines Ashrams zu erlangen.
Also muss der moderne Guru selbst diese Tugenden erwecken oder sie in
dem Suchenden säen und nähren und nicht erwarten, dass sie
schon da wären." Das war die Einzigartigkeit von Swami Sivananda.
Er säte die Samen der Güte in uns, er nährte sie, gab
ihnen Wasser und brachte sie zum Wachsen. Obwohl ihm selbst dies ungeheure
Schwierigkeiten verursachte, störte es ihn überhaupt nicht.
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Inhaltsverzeichnis des Buches "Sivananda Yoga"
- Theorie und Praxis
- Wer ist ein Guru
- Kommunikation
- Das Säen des Samens
- Selbstreinigung
- Sich auf den Lehrer einstimmen
- Hingabe
- Karma Yoga
- Sei ein Instrument
- Bhakti Yoga
- Swami Sivananda Yoga
- Integraler Yoga
- Erinnerung an Gott
- Der Weg des Ego
- Selbstlosigkeit
- Entdeckung des Egos
- Der Yoga der Synthese
- Liebe, die Gott ist
- Glossar

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