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Die Verwirklichung des Absoluten
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KAPITEL 6
EINTRITT IN DIE BEFREIUNG DIE NATUR
VON SADYO-MOKSHA Alle Bemühungen richten sich auf das gemeinsame Ideal mit dem Ziel der fortwährenden Aufhebung aller Sorgen und der Erfahrung Unendlicher WONNE. Wahre WONNE ist nur im UNENDLICHEN und Sorgen stets im Endlichen zu finden. Daher ist der Erwerb des UNENDLICHEN LEBENS der Höchste Zweck im endlichen Leben. Das teuerste Ziel von 'WISSEN' und 'MEDITATION’ ist die VERWIRKLICHUNG des ABSOLUTEN. MOKSHA (Befreiung) ist die höchste Ausdrucksform des SELBST in seiner ursprünglichen Natur der Höchsten VOLLKOMMENHEIT. Wahre Emanzipation (Befreiung) ist das BEWUSSTSEIN von der WIRKLICHKEIT und weder das Gefühl, irgend etwas zu werden, was vorher nicht vorhanden war, noch in eine andere 'Welt der größeren Freude' zu reisen. ES ist die Erkenntnis der EWIGEN EXISTENZ, die Bewußtheit der innewohnenden Natur des REINEN SEIN. ES ist die FREIHEIT, die durch das WISSEN davon, daß wir immer frei sind, gewonnen wird. WISSEN ist nicht nur die Ursache für Freiheit; ES ist die FREIHEIT Selbst. MOKSHA ist in JNANA (WISSEN) enthalten und somit nicht die Wirkung oder das Produkt von JNANA. JNANA ist EXISTENZ in Sich Selbst und kann daher nicht ein Mittel zum Erwerb von JNANA, bzw. vom WISSEN von der EXISTENZ, welche MOKSHA ist, sein, da sich ein existentes Ding nicht selbst erreicht (sondern 'ist'). 'CHIT ' (WISSEN) ist dasselbe wie 'SAT ' (SEIN). MOKSHA ist 'das zu sein, was ist'. Das eigene SELBST, - das SELBST-SEIN - , ist zu verwirklichen, und SELBST zu sein, heißt, ALLES zu sein. "Es gibt kein Bewußtsein nach dem Tod (der Individualität)," sagt YAJNAVALKYA. Da BEWUSSTSEIN allein die Gesamtheit des Wesens ist, gibt es im HÖCHSTEN ZUSTAND kein Bewußtsein von irgend etwas Objektivem. ES ist die FÜLLE der VOLLKOMMENEN EXISTENZ. ES ist, doch ES ist nicht irgend etwas; ES sieht, doch ES sieht nicht irgend etwas; ES hört, doch ES hört nicht irgend etwas; ES erkennt, doch ES erkennt nicht irgend etwas. ES begibt Sich nirgends hin, wo ES nicht bereits ist, und ES bekommt nichts, was ES nicht schon hat. Selbst der Ausdruck "ES kennt nur Sich Selbst" (BRIH.UPANISHAD, I.4.10) ist nur eine Verlautbarung über die WAHRHEIT, die Selbstbewußtheit anzeigt, was typisch ist für ISHVARA, jedoch nicht für BRAHMAN. BRAHMAN weiß nicht, denn ER ist WISSEN; ER erfreut sich keiner Dinge, denn ER ist die FREUDE; ER 'existiert' nicht, denn ER ist 'EXISTENZ'. ER ist nicht-körperlich und hat keine Berührung mit irgendeinem Objekt. "ER ißt nichts und niemand ißt IHN". ER ist das Höchste "Unverkörperte, das unberührt von Leid und Freuden ist". Die VERWIRKLICHUNG des SELBST ist vergleichbar mit der strahlenden Sonne, die von keinen Wolken mehr verdeckt wird. ES ist die Wiedergewinnung der URSPRÜNGLICHKEIT im absoluten Sinne. ES ist "das Löschen der Flammen des Todes mit dem Wasser der Erkenntnis" (BRIH.UPANISHAD, III. 2.10). ES ist die Unpersönlichkeit der bewußten Natur - frei von Tod -, die nicht nur als EWIGE PERSON lebt. Eine Person, selbst die ABSOLUTE PERSON (ISHVARA) ist nicht-ewig. In der VERWIRKLICHUNG der WAHRHEIT geschieht nicht wirklich eine Veränderung, aber es scheint so, als sei alles verändert! "Auch wenn aus der FÜLLE die FÜLLE entnommen wird, verbleibt die FÜLLE unverändert". Selbst das höchstmögliche Auslöschen der Persönlichkeit bewirkt nicht die geringste Veränderung in der wahren EXISTENZ. ES ist das einfache WISSEN, das große WISSEN, geheimnisvoll und kompliziert, das immer ungelöste Problem, das einzige Problem des gesamten Universums, - und dennoch ist ES die einzige WAHRHEIT für den WISSENDEN. Irgendwie läßt dieses kuriose Rätsel das Gefühl aufkommen, daß im UNENDLICHEN wahrhaftig nichts 'geschieht', obwohl sich Welten in IHM aufrollen. DAS, was so einfach mit 'EXISTENZ-BEWUSSTSEIN' bezeichnet wird und DAS so leicht zu verstehen ist, ist letztlich eine harte Nuß, die geknackt werden muß, - niemals verstanden, niemals erkannt, durch kein Individuum verwirklicht, die Höchste IDENTITÄT der größten POSITIVITÄT und der größten NEGATIVITÄT in einem. Das ABSOLUTE ist wahrhaftig überrelativ, übergeistig, überrational. Was immer gesprochen oder gedacht wird, ist nicht die WAHRHEIT, wie Sie IST. WAHRHEIT ist die Vereinigung von Kosmischem Denker und Kosmischem Denken. Das Eingeständnis eines KOSMISCHEN DENKERS oder ISHVARA ist zweifellos notwendig, um eine Erklärung des Universums der Erfahrung und der darin bestehenden Übereinstimmung anzubieten. Die Existenz ISHVARAS kann nicht als eine Vorstellung JIVAS oder des empirischen Individuums angesehen werden, da sie in der Existenz ISHVARAS inbegriffen ist. Die Argumente, die die Existenz JIVAS begründen, können wie folgt, kurz angemerkt werden: Es gibt eine Welt der Erfahrung. Wer (oder was) ist die Ursache dieser Welt? Ist es der individuell Erfahrende? Das kann nicht sein, da das Individuum nicht die Macht über die anderen Individuen hat, die den größeren Teil der Welt bilden; außerdem wird der individuell Wahrnehmende zu einem Großteil durch die äußere Welt der Wahrnehmung beeinflußt. Es gibt da etwas außerhalb, - wo aber ist es? Das Individuum weiß es nicht. Wenn es keine Wirkung ohne Ursache geben kann, und wenn die Welt aufgrund ihrer veränderlichen Natur als eine Wirkung wahrgenommen wird, müßte die Welt eine Ursache haben, die vollständiges Wissen und Macht über die Welt hat. Daß diese Ursache intelligent und nicht träge ist, steht über jedem Zweifel; ansonsten würde die Welt als Wirkung blind und selbst das 'Bewußtsein von der Welt als einer Erscheinung' nicht möglich sein. Diese Ursache, die notwendigerweise aufgrund der Gegenwart der Welt erforderlich ist, wird mit ISHVARA oder GOTT, der All-Wissenheit und Allmacht besitzt und der Höchste HERR von allem Geschaffenen ist, bezeichnet. Die Endlichkeit der Erkenntnis bezüglich der Welt zeigt, daß es einen UNBEGRENZTEN WELT-KENNER gibt, der identisch ist mit der UNENDLICHEN WELT-ERKENNTNIS, d.h. der All-Wissenheit oder dem KOSMISCHEN BEWUSSTSEIN. Wenn ich als Individuum existiere, sollte ISHVARA als der UNIVERSALE KENNER ebenfalls existieren. Die Tatsache, daß 'ich bin', beweist, daß GOTT als die Wechselwirkung des Bewußtseins von meiner Existenz da ist. Wenn GOTT oder ISHVARA nicht ist, kann weder ich noch die Welt sein. Weder meine Existenz noch die Existenz der Welt und die gegenseitigen Beziehungen zwischen uns ergeben einen Sinn, wenn ISHVARA nicht existiert. Meine Existenz als Subjekt beweist, daß die Welt als ein Objekt existiert, und daß ISHVARA als das VEREINIGENDE BEWUSSTSEIN, das meinem Sein und dem Sein der Welt zugrundeliegt, existiert. Wenn eine letztendlich ursachenlose Ursache all dieser Dinge nicht existiert, kann nichts, was bewirkt wird, existieren oder dem Bewußtsein erscheinen. Aber es dürfte klar sein, daß die ganze Beweisführung auf der Tatsache des Bewußtseins vom individuellen 'Ich' und der objektiven Welt beruht. Die objektive Welt erscheint mir, weil ich ein bewußtes Wesen bin. Wenn ich also mein BEWUSSTSEIN erkenne, dann erkenne ich auch, warum und wie mir die Welt erscheint, und wie ISHVARA notwendigerweise in Beziehung zu mir und der Welt gefunden wird. Die Welt kann mir nur dann erscheinen, oder ISHVARA irgendeine Beziehung zu uns beiden haben, wenn ich ein individuell Erkennender bin. So mündet die Frage letztlich wieder in, "was bin ich?" ein. Während das 'Ich' normalerweise im Zustand der Nichtunterscheidung auf ein Individuum angewendet wird, drängen sich die rätselhafte Welt und ISHVARA ganz von selbst in die Erfahrung des Individuums. Durch eine korrekte Analyse ist jedoch herauszufinden, daß das 'Ich' kein Individuum, sondern das ABSOLUTE BEWUSSTSEIN ist, weshalb die Welt und ISHVARA nur empirische Notwendigkeiten und keine Absoluten Wirklichkeiten sein können. Die Ansicht, daß ISHVARA eine tatsächliche Reflexion BRAHMANS und keine rein experimentelle Erfordernis für JIVA ist, läßt JIVA nach dem Transzendieren der Individualität zu ISHVARA aufsteigen, womit die Möglichkeit des SADYO-MUKTI verleugnet wird. Aus diesem Grund kann der Hinweis, daß ISHVARA eine unabhängige Reflexion BRAHMANS im Kosmos ist, nicht angenommen werden. Nun sind wir aber genötigt, einige Erläuterungen zum Charakter ISHVARAS anzubieten. Folgendes scheint als Tatsache zu gelten: Die Grundlage oder Hypothese, auf der alles Denken oder Spekulieren sich aufbaut, beruht auf der Annahme, daß JIVA tatsächlich 'ist', daß die Welt 'ist', und daß ISHVARA die notwendige Ursache der Welt sein sollte. Es gibt kaum eine Gelegenheit, einmal die Frage aufzugreifen, wer die Welt erschaffen hat, denn es entspricht dem vordersten Postulat aller Philosophien und Religionen, daß die Welt eine Ursache haben sollte, welche alle JIVAS umfaßt. Die Ideen von JIVA, JAGAT und ISHVARA sind die Regel und die Bedeutung des Universums der Erfahrung aufgrund der Arbeitsweise unseres Bewußtseins, das diese drei Kategorien in solchen Begriffen benutzt, um damit den ersten Gedanken als solchen überhaupt ermöglichen zu können. Diese drei Kategorien haben keinerlei transzendente Bedeutung, da sie lediglich praktische Kunstgriffe zur Ermöglichung von Erfahrung darstellen und der wahre Lebensatem und -stoff unseres Erkenntnis-Prozesses sind. Die Logik erklärt diese drei Kategorien nicht, baut aber auf ihnen auf und ist aus ihnen, - den anfänglichen Vorstellungen oder Bewegungen der Erkenntnis heraus -, geboren. Logik kann uns keine metempirische (aus der Erfahrung gewonnene) Erkenntnis vermitteln. Logik ist der Name, der dem Gedanken-System und der Auftrag des Universums als mögliche Erfahrung irgendeines Individuums gegeben wurde. Somit nimmt ISHVARA als eine Kosmische Realität Seinen Platz nicht deshalb ein, weil ER als unabhängige Ursache der Welt existierend erkannt wird, sondern weil ER eine der Erkenntnis-Kategorien und somit einen äußerst notwendigen UNIVERSALEN WERT darstellt, der allein die Werte und Existenzen innerhalb der gesamten Offenbarung und der in ihr vorzufindenden Harmonie und Einheit erklären kann. Ohne einen ISHVARA kann es keine Religion geben, so daß ER als eine Stufe innerhalb der VERWIRKLICHUNG der Nicht-Dualität handelt. Es ist kein Wunder, daß der Mensch als ein Zentrum des endlichen Bewußtseins den EWIGEN BRAHMAN als ein Objekt der Anbetung benutzt, indem er IHN zum Beschützer des Universums macht. Es gibt da kein getrenntes Denkobjekt und nichts, über das nachgedacht wird, denn das Denken selbst ist das Denkobjekt; der Gedanke denkt sich selbst, alle Objekt sind nur Prozesse des Kosmischen Denkens und haben keine eigene Existenz. Der Gedanke und sein Objekt, Erkenntnis und das Erkannte, Sehen und das Gesehene, Beziehung und das darauf bezogene Objekt, Geist und Universum sind mit der UNIVERSALEN ESSENZ identisch. Das bewußte Transzendieren der fortgesetzten doppelten Beziehung im Kosmos, d.h. zum einen 'der Denker ', der identisch mit dem Denken ist, und zum anderen 'das Denken ', das identisch mit dem Gedachten ist, ist BEFREIUNG. Das Universum hat keine von seinem UNIVERSELLEN KENNER unabhängige WIRKLICHKEIT. Die ursprüngliche Täuschung bezüglich der Unterscheidung zwischen dem Denker und dem Denken ist nicht nur größer als die nachfolgende Täuschung bezüglich der Unterscheidung zwischen dem Denken und dem Gedachten, - sie ist auch deren Ursache. Das Denken hängt vom Denker und das Gedachte vom Denken ab. Das Denken ist das Objekt des Denkers, das Gedachte ist das Objekt des Denkens. Egoismus oder das Dualitäts-Bewußtsein sind die jeweiligen Wirkungen aus dem Fehler, daß in beiden Fällen das Objekt unabhängig und verschieden vom Subjekt ist. SAMSARA (Kreislauf aus Geburt und Tod) ist die Beziehung von Kenner zur Erkenntnis und dem Erkannten. Doch muß daran erinnert werden, daß zum Einen die Unterscheidung zwischen dem Denker und dem Denken, und zum Anderen die Unterscheidung zwischen dem Denken und dem Gedachten im KOSMISCHEN BEWUSSTSEIN von ISHVARA keine Gültigkeit hat. Diese Unterscheidung wird ISHVARA vom Individuum genau dann übergestülpt, wenn es als individueller Kenner seine eigene Verschiedenheit und die Vielfalt der Weltoffenbarung wahrnimmt (und als wirklich erachtet). Beziehungen sind nur für das Individuum von Bedeutung, nicht jedoch für das UNIVERSALE SEIN. Diese Unterscheidungen sind selbst in übermenschlichen Individuen gegenwärtig und sei dies in 'BRAHMALOKA' oder dem feinstmöglichen Zustand, der innerhalb der Reichweite des individualistischen Bewußtseins ist. DAS, was über allen Unterscheidungen und Beziehungen ist, ist BRAHMAN, das WISSEN dessen, was weder Denken noch Schlafen ist. DIES ist DAS, was durch endlose Verneinungen geltend gemacht wird, das unbeschreiblich und nicht vorstellbar ist, das Nichts ist und doch Alles! Die einzig annähernde Definition von der Natur der WIRKLICHKEIT ist vielleicht "DAS, was nicht irgend etwas , jedoch nicht Nichts ist; DAS, was ALLES ist und nichts als SICH SELBST kennt". DAS ist BRAHMAN! Deshalb sind 'Fesselung' und 'Befreiung' lediglich Mittel der 'Vergeßlichkeit' und der 'Bewußtheit' hinsichtlich dieser Tatsache und keine wirkliche Veränderung im SEIN. Die vollständige Transzendenz der eigenen Individualität bewirkt sogleich die VERWIRKLICHUNG des ABSOLUTEN. In dem Moment, wo JIVA (individuelle Seele) verneint wird, ist das Kosmische Spiel erklärt und Kosmos und ISHVARA versinken inBRAHMAN. MOKSHA ist weder eine Bewußtseinsmasse noch Selbst-Bewußtsein. ES ist das immer gegenwärtige und unveränderliche wahre Leben und die Ordnung des Universums. ES transzendiert selbst den Sinn der Unsterblichkeit, der ebenso konzeptionell ist. Das Licht des ABSOLUTEN setzt jeder relativen Existenz ein Ende, so daß die Welt nicht einmal als Erinnerung Bestand hat. So etwas wie träge, unbelebte und tote Materie oder blinde Kraft gibt es dort nicht. Alles ist HÖCHSTE KRAFT, WISSEN und WONNE ohne Bewegung oder Denktätigkeit. Es gibt dort keine Existenz-Ebenen, keine Bewußtseins-Zustände, keine abgestufte Wirklichkeit. ES ist der Gesegnete und Höchste ZUSTAND ABSOLUTER FREIHEIT und des BEWUSSTEN EWIGEN LEBENS, und dies nicht nur als eine Überzeugung, sondern als tatsächliches SEIN. ES ist die eindrucksvolle Aufhebung von aller Begrenzung und ERFAHRUNG der UNENDLICHKEIT und nicht bloß die Fortsetzung des persönlichen Lebens. ES ist die vollständige Gedankenauflösung in einfache EXISTENZ, welche das mächtigste NICHTS ist! ES ist ein unmittelbares 'hier' und 'jetzt' der Raum- und Zeitlosigkeit; das Unausdrückbare, weit über 'Freude und Sorgen', 'Wissen und Unwissenheit', 'Leben und Tod', ja über allem, was darüber ist! ES ist die vollste WIRKLICHKEIT, das Vollkommenste BEWUSSTSEIN, die Ungeheuerste MACHT, die Intensivste WONNE. Wahrheit, Wissen, Kraft, Glückseligkeit und Unsterblichkeit sind bloße Schatten. Ungesehen, transzendent, unvermischbar, undenkbar, nicht verständlich, unbeschreiblich, unzerstörbar; das Luftigste, das Tiefste, die WAHRHEIT, das Große, - DAS ist das ABSOLUTE. In Seiner Gegenwart ist das Licht einer unbegrenzten Anzahl von Sonnen reine Dunkelheit. ES überschreitet die Grenzen des SEINS und hebt alle Ideen von der Existenz auf. ES ist der RIESEN-GEIST, der das Denkorgan und das Ego verschluckt und das individuelle Bewußtsein bis zum äußersten Extrem auslöscht. ES ist der DONNER, der das Herz des Universums bricht; das AUFBLITZEN, das alle Sinne der empirischen Wirklichkeit hinwegschmilzt. Die Blase zerspringt im Ozean und der Fluß betritt das Meer! Die Seele versinkt in der äußersten WIRKLICHKEIT. Die Erhabenheit
des ABSOLUTEN ist größer als alle anderen Erhabenheiten.
ES ist das krönende Gebäude der WAHRHEIT und HERRLICHKEIT.
ES ist weder Form, noch Inhalt, noch Existenz. Die Seele versinkt im
ABSOLUTEN mit einer Erfahrung der ALL-ERFÜLLTHEIT, - und ist weder
Essenz noch Königreich, weder Stillstand noch Bewegung, weder Ungleichheit
noch Gleichheit, weder sitzend noch ruhend, weder eins noch zwei, weder
wahr noch falsch, weder Dies noch Das, weder etwas uns Bekanntes noch
sonst irgendeinem Wesen bekannt. ES hat keinen Namen und es gibt keine
Definition für ES! ES ist DAS, was IST! Es ist weder Liebe
noch Gnade, weder Welt noch Seele, weder Gott noch Freiheit oder Licht,
denn all diese Dinge sind relative Vorstellungen. ES ist nicht 'SAT-CHIT-ANANDA ' (Existenz-Wissen-Wonne), was nur ein Ideal ist, das 'anders ist' als
das, was wir hier erfahren. SATCHIDANANDA ist nur das logisch
Höchste, ein rein intellektueller Anhaltspunkt. Die WIRKLICHKEIT
reicht über SATCHIDANANDA hinaus. ES ist SELBST, die EWIGE
SONNE, die im unendlichen Himmel der absoluten Welt scheint! ES transzendiert
das KOSMISCHE BEWUSSTSEIN. ES ist die überessentielle ESSENZ.
Ewigkeit und Unendlichkeit umarmen sich, um Sein ZENTRUM der ERFAHRUNG
zu sein. ES ist ein OZEAN, der die Erde, den Himmel und die Unterwelt
hinwegschwemmt. Sonne, Mond und Sterne lösen sich in IHM auf. BRAHMA,
VISHNU und SHIVA verschwinden in IHM. ES ist das LEBEN des
Lebens, die WEISHEIT der Weisheit, die FREUDE der Freude, die KRAFT
der Kraft, das WIRKLICHE des Wirklichen, die ESSENZ der Essenz. Geburtlosigkeit
und Todlosigkeit fließen in IHM wie Wellenkronen. ES ist der Höchste
TOD von allem und trotzdem der Höchste Gipfel wirklichen LEBENS.
Die Gesamtheit aller Freuden des Universums sind lediglich ein verdrehtes
Fragment DIESES HÖCHSTEN. ES macht dem Teufelskreis des vorüberziehenden
Lebens ein Ende. Es gibt keinen Stein, der von den UPANISHADEN in dem Versuch, dieser majestätischen ABSOLUTHEITS-ERFAHRUNG den besten Ausdruck zu geben, nicht aufgehoben, umgedreht und verworfen worden wäre: "Der Kenner des SELBST überquert die Sorgen." "Derjenige, der diesen Höchsten BRAHMAN kennt, wird BRAHMAN selbst." "Der Kenner von BRAHMAN erreicht das Höchste ." "Wer in BRAHMAN ruht, erreicht das HÖCHSTE." Wer in BRAHMAN ruht, erreicht UNSTERBLICHKEIT." "Niemand kehrt zurück, niemand kehrt zurück." "Nur wer IHN kennt, gelangt zu DEM, was über dem Tod ist. Das Höchste Wesen kennend, schüttelt der Weise sowohl Freude als auch Sorgen ab. Nur diejenigen, die IHN, den SELBST-EXISTENTEN, sehen, haben ewigen Frieden, - niemand sonst. Alle Wünsche lösen sich bei demjenigen ganz von selbst auf, dessen Wünsche vollständig zufriedengestellt sind und der vollkommen ist. Der Befreite wird einfältig, dreifältig, fünffältig, siebenfältig, neunfältig, elffältig, einhundertundelffältig, zwanzigtausendfältig! ER begibt sich vom Ufer der Dunkelheit ans andere Ufer (des Lichtes). Dort ist andauernde Erleuchtung und immer Tag. Furchtlosigkeit kennzeichnet den Zustand der BRAHMAN-WONNE. Selbst die Götter fürchten ihn (den Befreiten); selbst INDRA und PRAJAPATI können ihn, den zum SELBST-Herrscher werdenden, nicht zerstören. Der Herzensknoten ist durchtrennt, alle Zweifel sind verschwunden und jegliche (relative) Handlung erlischt, wenn DAS gesehen wird, was das Höchste und das Tiefste ist. Seine Lebensgeister verscheiden nicht, vielmehr versammeln sie sich hier. Schon BRAHMAN seiend, wird Er nun BRAHMAN Selbst. Er macht alles, Er ist der Schöpfer von allem, das Universum ist Ihm, Er Selbst ist das Universum. Dies ist der Höchste Schatz. Die befreiten Seelen betreten das ALL, sie treten in BRAHMAN ein und sind von der sterblichen Natur befreit. Die gesamte Konstitution der Individualität wird mit dem Höchsten UNZERSTÖRBAREN vereinigt. Wie die Flüsse, ihre Namen und Formen verlierend, in das Meer eintreten, so erreicht der Weise, von Name und Form befreit, das TRANSZENDENTALE GÖTTLICHE SEIN. Das ist UNSTERBLICHKEIT." Dies ist die
UNMITTELBARE BEFREIUNG (SADYOMUKTI), die, - aufgrund der Auflösung
durch AVIDYA (Unwissenheit), KAAMA (Wunsch) und KARMA aufgebauten Persönlichkeits-Fabrik -, augenblickliche Erfahrung
des Absoluten.KARMA ist des Wunsches Kind, welches erst zufriedengestellt
wird, wenn seine Quelle, - die Unwissenheit, -durch die Verwirklichung
BRAHMANS, - die Unübertroffene VOLLKOMMENHEIT -, vernichtet wird.
Wie kann durch das Wissen um eine Sache, die andere erreicht werden? Erreichen und Wissen sind hier dasselbe, sie sind selbst-identisch.
Das Höchste BRAHMAN ist ALLES. SADYOMUKTI ist die Prozeßlose Unmittelbare Erfahrung BRAHMANS, die
aufgrund der Gewöhnung an die nicht-duale Erkenntnis des SELBST
raum- und zeitlos stattfindet. Es ist nur wenigen Auserlesenen vergönnt,
BRAHMAN auf diese Weise zu verwirklichen, da die Mehrzahl der Anwärter
ohne eine Art von objektivem Inhalt in ihren MEDITATIONEN nicht
fortschreiten können. Die schnelle und plötzliche Erleuchtung
im SADYOMUKTI ist eine einzigartige Erfahrung, die den relativen Vorstellungen
hinsichtlich ISHVARA (GOTT mit Eigenschaften), JIVA (indiv. Seele) und JAGAT (Welt) ein Ende bereiten. Somit gibt
es in der BEFREIUNG weder die stufenweise Erfahrung von Erscheinungen
noch das Ruhen im Reich ISHVARAS oder BRAHMALOKA. BEFREIUNG
ist das sofortige SEIN BRAHMANS. FORTSCHREITENDE BEFREIUNG
Wir finden in den UPANISHADEN Andeutungen zu KRAMA-MUKTI oder dem fortschreitenden Prozeß der Seelen-Befreiung. Entsprechend den BRAHMA-SUTRAS (Aphorismen zur Beschreibung BRAHMANS) werden nur diejenigen durch das ÜBERMENSCHLICHE WESEN zu BRAHMALOKA (Wohnstätte BRAHMANS) geführt (siehe auch die CHHANDOGYA- und die BRIHADARANYAKA-UPANISHAD ), die keinerlei Symbol oder PRATIKA in ihrer MEDITATION auf das Qualifizierte BRAHMAN benutzen. Diejenigen, die auf Symbole meditieren, haben ihre Erkenntnis auf das Symbol reduziert, denn es ist die Regel, daß die Erfahrung identisch mit der Art der MEDITATION ist, so daß derjenige, der auf ein Symbol meditiert, BRAHMALOKA (Wohnstätte BRAHMAS) nicht erreichen kann. Die Verehrer des 'PANCHAGNIS' oder der '5 Feuer' (siehe auch CHHANDOGYA UPANISHAD ) jedoch gelangen zum BRAHMALOKA, von wo sie wieder zurückkehren müssen und somit das HÖCHSTE BRAHMAN nicht erreichen können. Die in der MEDITATION verwendeten verschiedenen Symbole geben zu verschiedenen, mit ihnen korrespondierenden, Erfahrungen Anlaß. Der auf das Qualifizierte BRAHMAN Meditierende erreicht SAGUNA BRAHMAN (das Formhafte BRAHMAN) und fährt von dort aus weiter zum HÖCHSTEN (Formlosen) BRAHMAN (NIRGUNA BRAHMAN ). Wenn die SHRUTIS (Hl. Schriften) sagen, daß die befreiten Seelen bis zum Ende des Weltzyklus im BRAHMALOKA warten und am Ende der Zeit zusammen mit BRAHMA in das Höchste BRAHMAN eingehen, kann dies nur bedeuten, daß die Erfahrung in BRAHMALOKA a) nur eine Stufe in der Abgeltung der Ergebnisse früherer Wünsche oder qualifizierter MEDITATIONEN ist, oder b) die Fortsetzung
des Lebens aus einem früheren Existenzzustand aufgrund der Abgeltung
der Wirkungen solcher Wünsche oder MEDITATIONEN bzw. relativer
Erfahrungen ist, welche die Ursachen der Erfahrung von BRAHMALOKA sind, und wo nichts mehr vorhanden ist, was die Seele an relative Erfahrungen
bindet, so daß sie BRAHMALOKA transzendieren und das ABSOLUTE
verwirklichen kann. Das bedeutet jedoch nicht, daß die Seele,
trotz erreichter SELBST-ERKENNTNIS, auf das Erwachen einer anderen
Person warten müßte. In dem Moment, wo die ERKENNTNIS aufsteigt, erfährt die Seele das ABSOLUTE und nichts, - selbst
das gesamte Universum nicht - , kann sie dann von dieser Erfahrung abhalten. Die BRAHMA-SUTRAS bemerken, daß die erlöste Seele in BRAHMALOKA ihren, wie auch immer befindlichen, Zweck allein durch Reinen WILLEN erreicht, ohne irgendein anderes Instrument oder operative Hilfe. Diese befreite Seele hat keinen anderen MEISTER (obwohl sie nicht im Sinne von ISHVARA allmächtig ist); sie ist so weit ihr eigener MEISTER, soweit ihre möglichen Erfahrungen gehen. Diese Seele kann mit oder ohne Körper existieren, ganz wie es ihr gefällt. Selbst der Körper, den sie durch ihren WILLEN annimmt, ist nur die GEIST-SUBSTANZ, die diese Form trägt; tatsächlich hat sie aber weder Körper noch Sinnesorgane, sondern nur diese GEIST-SUBSTANZ für sich selbst, über die sie diese Manifestationen zu verschiedenen Zeiten für bestimmte Zwecke annehmen kann. Die befreite Seele kann gleichzeitig, ihrem WILLEN gemäß, mehrere Körper annehmen und beseelen, und durch diese gleichzeitig arbeiten und sich erfreuen; sie kann jedes Wesen beeinflussen oder in ihm arbeiten und sich erfreuen, und zwar in jeder Welt, wie sie es mag, - denn sie ist nahezu so allmächtig und allwissend wie ISHVARA. Wahrnehmung von Verschiedenheit und Freuden in BRAHMALOKA gelten für jene, die nicht das siebteBHUMIKA oder ERKENNTNIS-Stufe erreicht haben. In einem anderen Zustand als dem des siebten BHUMIKA ist die Erkenntnis und die Macht einer befreiten Seele in BRAHMALOKA begrenzt und nicht absolut, da dort noch das Bewußtsein der Persönlichkeit oder Individualität besteht. Die MEDITATION auf das Qualifizierte BRAHMAN basiert auf der Erkenntnis der relativen Erscheinung des Höchsten BRAHMAN und führt somit zur begrenzten Erfahrung und nicht unmittelbar zum siebten BHUMIKA oder der ABSOLUTHEITS-ERFAHRUNG. Die Möglichkeit der Rückkehr des VIDEHAMUKTA zu einer verkörperten Existenz, um die Funktionen einer Schaltstelle im relativen Zustand des Bewußtseins zu erfüllen, kann nur verstanden werden, wenn der VIDEHAMUKTA als jemand gesehen wird, der seinen Körper verlassen hat und weiterhin in einem relativen Zustand des Bewußtseins entweder in BRAHMALOKA oder in einer der anderen überphysischen Reiche, - im vierten, fünften oder sechsten Erkenntnis-BHUMIKA -, verweilt und nicht ins HÖCHSTE BRAHMAN eingetaucht ist. Hat jemand das HÖCHSTE BRAHMAN verwirklicht, ist die Rückkehr zu irgendeiner Verkörperung bedeutungslos. Eine Verkörperung ist für jemand möglich, der im vierten, fünften oder sechsten BHUMIKA der Erkenntnis verweilt, wo dann das geschieht, was er sich früher im Aufstieg der Erkenntnis gewünscht hatte, nämlich in irgendeinem Körper zu existieren und nach dem Verlassen des physischen Körpers damit fortzufahren, entweder im Zustand des SHUDDHA-SATTVA (Reines Sein) oder eines niedrigeren Zustandes, der jedoch über der materiellen Welt angesiedelt ist, zu verweilen. Diese Möglichkeit der verkörperten Erfahrung durch den VIDEHA (jemand, der den physischen Körper verlassen hat) kann auf gewisse Weise mit den PRARABDHA-KARMAS des JIVANMUKTA verglichen werden, der im Körper befindlich, noch weiterlebt. Doch die verkörperte Erfahrung des VIDEHA ist verschieden vom PRARABDHA, wie es gemeinhin verstanden wird, da es nach der Aufgabe des physischen Körpers erfahren wird, obwohl es dem PRARABDHA als dem Ergebnis der Möglichkeit einer feinen geistigen Erfahrung, wie im Falle der unfreiwilligen Fortdauer des PRARABDHA im JIVANMUKTA, ähnlich ist. SHRI Shankaracharya verweist darauf, daß diese Pflicht des VIDEHA als selbstgewählt angesehen werden muß, da sie zu den Wünschen gehört, die vor dem Aufstieg der Erkenntnis vorhanden waren. Dieser VIDEHA kann in dem Moment das HÖCHSTE BRAHMAN erfahren, wo die erwünschte Funktion ausläuft und das siebte BHUMIKA der Erkenntnis erreicht wird. Die Erfahrung einer Pflicht kommt nach dem Abschütteln des physischen Körpers, weshalb man dies auch VIDEHA (körperlos) nennt. Obwohl sich die nächste Verkörperung in ein Körpergerüst hinein ereignen mag oder nicht, wird sie nicht mit All-Wissenheit oder All-Macht ausgestattet sein, es sei denn, die Seele hat zu dieser Zeit das siebteBHUMIKA der Erkenntnis erreicht und ist sich des verharrenden Körpers nicht bewußt. Daß die befreite Seele in BRAHMALOKA von einem individualistischen Bewußtsein besetzt ist, kann nur durch die Annahme erklärt werden, daß dort JIVANMUKTAS des vierten, fünften oder sechsten BHUMIKAS der Erkenntnis in ihren geistigen Körpern leben. Die CHHANDOGYA UPANISHAD sagt ausdrücklich, daß sich die befreite Seele den Objekten des Universums erfreuen mag, diese Freuden jedoch frei vom Körper-Bewußtsein sind. So werden wir zu der Schlußfolgerung geführt, daß diese Erfahrungen von der Seele im siebten Zustand der Erkenntnis gemacht werden, in dem der Körper, allein vom Standpunkt des außerhalb des Körpers befindlichen Beschauers aus, dem Anschein nach in Handlungen und Freuden verstrickt ist, obwohl der MUKTA selbst den Körper nicht fühlt und all seine Handlungen und Freuden die automatische Selbst-Erschöpfung des verbleibenden Restes vergangener Wünsche und Handlungen sind, die gegenwärtig nicht mit dem Bewußtsein verbunden sind. Dieser Rest benötigt nun nicht die Hilfe des Bewußtseins, da während der Fesselung des JIVA, die, der Hilfe durch das Bewußtsein beraubten Eindrücke ausreichen, um weiterzuarbeiten. Jene Wissende, die ihre Körper vor dem Erreichen des siebten JNANA-BHUMIKA verlassen haben, sind zweifellos VIDEHAS, aber sie sind nicht im Höchsten VIDEHAMUKTI angelangt, das nur nach der ERKENNTNIS-VOLLENDUNG erreicht werden kann. Es handelt sich hier um jene Personen, die nicht im siebten BHUMIKA sind und wegen der Möglichkeiten weiterer Erfahrungen im Universum die zugehörigen Formen oder Pflichten annehmen und mittels Erfahrung bis zu deren Erschöpfung ausarbeiten. Wie auch immer, diese Seelen verlieren nicht ihre Pesönlichkeits-Identität oder ihre Übereinstimmung mit BRAHMAN , selbst wenn sie sich von einem zum anderen Körper bewegen, denn selbst während des Ex- und Inkarnationsprozesses verweilen sie aufgrund der Erkenntnis, die sie erreicht haben, ungetäuscht. Ihre Erfahrungen basieren auf dem WAHRHEITS-BEWUSSTSEIN und sind lediglich die letzten Spuren der Objektivität vor dem Eintauchen in BRAHMAN. Die Seele erreicht
KARYA-BRAHMAN oder PARAMESHVARA, der selbst die Dreieinigkeit
von BRAHMA, VISHNU und SHIVA transzendiert. Dieser große HERR des Universums wird PARAMA-PURUSHA genannt. ER ist das ABSOLUTE INDIVIDUUM, die als Höchster
BRAHMAN URSACHE für die Entstehung, Aufrechterhaltung und
Auflösung des Universums offenbart ist. Die UPANISHADEN erklären ausdrücklich, daß derjenige, der durch selbstlose MEDITATION und WISSEN diese Höchste URSACHE erreicht, nicht mehr auf die sterbliche Ebene zurückkehrt, sondern
sich weiter zur ABSOLUTEN WIRKLICHKEIT hinbewegt. Die MUNDAKA UPANISHAD sagt, daß die Weisen in der Welt BRAHMAS (Schöpfer-Gott)
über den Tod hinaus, am Ende der Zeiten, befreit sind. Jene, die
die Welt des KARYA-BRAHMAN erreichen, verweilen dort bis zur
Auflösung des Universums und erfreuen sich der Wirkungen ihrer
'SATYAKAMAS ' und 'SATYASANKALPAS', d.h. den Früchten
ihrer, auf der WAHRHEIT beruhenden Wünsche und Absichten. Was immer
sie sich dort wünschen, entsteht dann sofort, da sie sich in Harmonie
mit dem UNIVERSALEN SEIN befinden. Sie erfreuen sich der Höchsten
Nähe zur WONNE des HERRN des Universums. Ihre Wünsche
unterscheiden sich von denen der Sterblichen (im Kreislauf) des SAMSARA',
da deren Wünsche wie Flammen krankhafter Leidenschaften sind, die
auf der Unwahrheit beruhen, die aus intensiver Selbstsucht und Egoismus
heraus entstehen und die meist im Widerstreit zu den anderen Individuen
des Universums sich befinden, wohingegen die zuerst erwähnten Wünsche
absolut wahrheitsstrebend und auf das GESETZ des UNIVERSALEN
GOTTES abgestimmt sind, trotz der von ihnen dort aufrechterhaltenen
Individualität. Praktisch ist der Wunsch einer befreiten Seele
kein Wunsch im allgemeinen Sinne, da er nicht die Wirkung von AVIDYA (Mischung aus getäuschter Leidenschaft und Dunkelheit), sondern
vonMAYA (Schleier vor dem Licht der Wahrheit und Erkenntnis)
ist. Der Wunsch einer befreiten Seele kann nicht im Widerspruch zu dem
Wunsch einer anderen befreiten Seele stehen, da sie alle mit dem EINEN
GOTT zusammenwirken; ganz im Gegensatz zu den Wünschen eines
Menschen, die sich meistens gegen andere Individuen richten, da diese,
- aufgrund der abgespaltenen Egos, deren Ursprung die Dunkelheit der
Unwissenheit ist -, alle verstreut und voneinander abgeschnitten sind.
Die befreiten Seelen denken und arbeiten durch den Höheren Spirituellen
Gedanken und nicht durch das Verstandes- und die Sinnesorgane der niederen
Natur. Sie atmen das UNIVERSELLE LEBEN und existieren als Teilhaber
an den Freuden des HERRN des Universums. Sie besitzen die nichtendende UNMITTELBARKEIT des BEWUSSTSEINS von allem, eine Bewußtheit
von den innersten objektiven Essenzen des vollständigen Universums.
Ihre Erfahrungen sind zweifellos objektiv, da sie nicht mit dem ABSOLUTEN
identisch sind, doch können sie anhand von Selbstidentifikation
mit allem und zu jeder Zeit ein umfassendes Wissen vom Universum haben,
obwohl sich dieses Wissen von dem gleichzeitig bestehenden KOSMISCHEN
BEWUSSTSEIN GOTTES oder ISHVARAS unterscheidet. Sie sind
dem SEIN GOTTES nicht entgegengesetzt, sondern arbeiten wie GOTTarbeitet, leben wie GOTT lebt und wollen wie GOTTwill, obgleich dies alles ganz spontan
geschieht. Sie sind die spielerischen Formen des ABSOLUTEN SELBST. Sie
wünschen nichts und sind mit sich selbst zufrieden. Sie sehnen
sich nicht nach einem zweiten Wesen neben sich, vielmehr verlangen sie
einzig nur nach Sich Selbst. Selbst wenn sie sich der Objekte des Universums
erfreuen, dann geschieht dies mit einem allumfassenden EINHEITSBEWUSSTSEIN.
Sie sind wie verschiedene Kreise mit einem gemeinsamen Zentrum und gleichlangen
Radien innerhalb des Großen Kreises des UNENDLICHEN. Die
Unterschiede zwischen diesen Seelen sind dem UNENDLICHEN nicht
abträglich, da sie völlig auf ES abgestimmt sind. Trotzdem
können selbst Wahrheitswille und Freuden mit dem Bewußtsein
der Identität von Dingen nicht als die HÖCHSTE BEFREIUNG,
sprich BRAHMANUBHAVA, herangenommen werden. Es heißt, daß diese Seelen sich aller Kräfte außer denen der universalen Schöpfung, Erhaltung und Auflösung, die allein zu GOTT gehören, erfreuen, und daß Handlungskonflikte dann entstehen könnten, wenn alle mit derselben Kraft ausgestattet wären. Diese Erklärung ist nur verständlich, wenn das Verhältnis zwischen GOTT und den befreiten Seelen nicht auf Identität, sondern auf Unterscheidung beruht. Wenn BEFREIUNG das Höchste WISSEN von GOTT ist, dann kann das Leben in derselben Welt GOTTES, das Leben in der Nähe GOTTES oder die ähnliche Form GOTTES zu haben und trotzdem verschieden von GOTT zu sein, nur ein geringerer Zustand als der der BEFREIUNG sein, denn GOTT ist nicht eins von vielen Individuen, kein SAMSARI (im Kreislauf befindlich), sondern das einzig bestehende ABSOLUTE INDIVIDUUM. Mit IHM in irgendeiner Beziehung zu sein, heißt IHN zu kennen, und IHN zu kennen, bedeutet EINS mit IHM zu sein und folglich keine Dualität wahrnehmen zu können. Das Wissen von GOTT oder ISHVARA, welches diese Seelen im BRAHMALOKA auf dem Weg des KRAMA-MUKTI haben, ist lediglich eine Annäherung an das ISHVARA-BEWUSSTSEIN, jedoch nicht identisch mit diesem. Deshalb sind diese Seelen weder allmächtig noch allwissend, obwohl sie volle Freiheit genießen, - soweit dies die Freuden anbelangt, die sie innerhalb ihrer Kreise genießen. Wenn alle Seelen eins sind mit ISHVARA, dann entsteht nicht die Frage nach dem Konflikt, der ansonsten zwischen den befreiten Seelen, die mit der Kraft der Schöpfung, Erhaltung und Auflösung ausgestattet sind, auftauchen könnte. Mit derselben KRAFT und dem WISSEN GOTTES ausgerüstet zu sein, heißt, unterschiedslos eine EINZIGE GESAMTHEIT namens GOTT zu formen. Und da keine zwei Individuen das identische Wissen haben können, ohne dadurch selbst ihre verschiedenen (individuellen) Formen aufzulösen, um ein einziges Sein zu sein, werden wir zu der Annahme geführt, daß es einen Unterschied in der Erfahrung zwischen diesen Seelen gibt. Weiterhin ist der Aussage, daß die befreiten Seelen erst am Ende des Universums die ABSOLUTHEITS-ERFAHRUNG erreichen, zu entnehmen, daß sie die ABSOLUTHEIT solange nicht erfahren können, solange ISHVARA als ein SELBST-BEWUSSTES WESEN existiert, was wiederum bedeutet, daß sie noch immer eine objektive Erfahrung machen, die nicht identisch mit ISHAVARA ist. Andererseits gibt es keinen Grund, warum sie ihre Individualitäten bis zur Auflösung des Universums aufrechterhalten sollten. Die richtige Sichtweise scheint jedoch die zu sein, daß all jene, die durch Positive, Qualitative Konzepte auf das ABSOLUTE INDIVIDUUM meditieren, in IHM ruhen, wobei ER am Ende der Zeiten Seinen Raum-Zeit-Universum-KÖRPER und SICH SELBST in der BEWUSSTEN KRAFT des ABSOLUTEN, die nicht verschieden vom ABSOLUTEN ist, auflöst. Diese relativ befreiten Seelen haben ihre Individualitäten hier noch nicht aufgelöst, sondern leben in der Welt ISHVARAS, d.h., ISHVARA wird nicht direkt von ihnen erfahren, sondern als ein 'objektiv bewußtes' UNIVERSUM, von dem sie integrale Aspekte sind. Diese SELBST-AUFLÖSUNG GOTTES ähnelt in einigen Beziehungen dem Tiefschlaf des weltlichen Individuums, das ebenso am Ende des Tages sein Körper-Bewußtsein aufhebt und sich in die UNBEWUSSTE KRAFT, die ATMAN zugrundeliegt und ATMAN übergestülpt ist, auflöst. Der Unterschied zwischen den beiden Auflösungen ist im Falle GOTTES, daß es kein weiteres Drängen zurück zum Universums-Bewußtsein gibt und auch keinen späteren Traum- und Wachzustand, sondern die Erfahrung des ABSOLUTEN, wohingegen im Fall des weltlichen Individuums der Drang zurück zum Körperbewußtsein zum nachfolgenden Traum- und Wachzustand führt und nicht zur SELBST-ERFAHRUNG. KAAMA (Wunsch) und KARMA (Handlung) sind aufgrund von AVIDYA (Unwissenheit) im Individuum. In GOTT jedoch ist allein VIDYA (Wissen), UNIVERSALES BEWUSSTSEIN oder ABSOLUTES SELBST-BEWUSSTSEIN und daher kein begleitendes KAAMA und KARMA, welche die Ursachen des objektiven Vielheits-Bewußtseins und der Handlungen sind. Wunsch und Handlung im Individuum sind der Ausfluß der dunklen Unwissenheit. In VIDYA, dem Licht des Wissens kommen diese Dinge nicht vor. Die Seelen, die in der Welt ISHVARAS oder dem ABSOLUTEN INDIVIDUUM sich befinden, erfahren ES in Abhängigkeit zu ihren eigenen Persönlichkeiten, die aus derselben Substanz bestehen, als eine Intelligenz-Welt des SHUDDHA-SATTVA (Reinste Reinheit). Es wird gesagt, daß die Seele auf dem Weg über die Sonne zu GOTT gelangt (MUND.UPANISHAD, I.2.11), um schließlich das ABSOLUTE zu erreichen. Das scheinbare Problem der Möglichkeit einer vielfachen Herrschaft von befreiten Seelen resultiert einzig aus der Möglichkeit der Existenz vieler ABSOLUTHEITEN und Ewigkeiten. Wo Individualität ist, ist keine Allwissenheit oder Allmacht, doch wo diese vorherrschen, hat Individualität keinen Platz. Wenn wir für diejenigen Sätze empfänglich sind, die uns erklären, daß die befreiten Seelen "lachend herumgehen, spielen, sich mit Frauen, Fahrzeugen und Freunden vergnügen, sich dabei des Körperanhängsels nicht erinnern" (CHH.UPANISHAD, VIII. 12.3), dann können wir daraus nur die Überzeugung gewinnen, daß es sich dabei nicht um das ABSOLUTE BEWUSSTSEIN oder um den Zustand des JIVANMUKTA handeln kann, der geheimnisvolle und unverständliche Dinge tut, und der, obwohl ohne Körperbewußtsein, aufgrund einer schwachen Spur von (noch) vorhandenem Egoismus, - der keine Verbindung zum SPIRITUELLEN BEWUSSTSEIN hat-, dennoch seinen Körper beseelt. Hier handelt es sich um den restlichen Anteil seines PRARABDHA-KARMA (gegenwärtiges Karma), das dem WISSEN nicht abträglich ist. Der Zustand des JIVANMUKTA hat keine Verbindung mit dem physischen Körper; es ist ein Bewußtseinszustand, der auch noch erfahren werden kann, wenn der physische Körper abgefallen ist, - also auch noch in BRAHMALOKA. Der JIVANMUKTA mit seinem physischen Körper in dieser physischen Welt, ist in seinem BEWUSSTSEIN in BRAHMALOKA, obwohl der Körper in dieser Welt weilt. Diejenigen, die in dieser Welt kein JIVANMUKTA erreicht haben und unmittelbar nach der Beendigung des PRANA-Flusses (Lebensatem) innerhalb des gegenwärtigen physischen Körpers nicht auf SADYO-MUKTI vorbereitet sind, erreichen diesen Zustand nach dem Tod des physischen Körpers durch KRAMA-MUKTI(fortschreitende Befreiung). Dies verdeutlicht, daß ein VIDEHA-MUKTI niemand ist, der in BRAHMA-LOKA existiert, sondern der mit dem ABSOLUTEN verschmolzen ist. Ansonsten müssen wir eine theoretische Unterscheidung machen zwischen zwei Definitionen des VIDEHA-MUKTI: (1) derjenige, der eine Individualität entweder in einer niederen übermenschlichen Erfahrung oder in BRAHMA-LOKA hat, und der sich am Rande der ABSOLUTHEITS-ERFAHRUNG im sich erschöpfenden PRARABDHA-KARMA bewegt, welches die Ursache seiner übermenschlichen Erfahrung und der Erfahrung in BRAHMA-LOKA ist (dem Aufstieg aus dem Zustand, der das 'Erwachen BRAHMAS' oder 'HIRANYAGARBHAS' (Kosmische Intelligenz) genannt wird), und (2) derjenige, der tatsächlich in BRAHMAN eingetaucht ist. In BRAHMALOKA ist die Seele wie ein perfekter JIVANMUKTA dieser Welt und all ihre Handlungen sind spontane Äußerungen der reinen SATSANKALPAS im Gegensatz zu den bewußten Willensäußerungen, wie sie aus einer bedachten egoistischen Persönlichkeit geboren werden. Wenn wir den Anforderungen an den JIVANMUKTI gerecht werden wollen, müssen wir bedenken, daß selbst die SATYAKAMAS und SATYASANKALPAS, d.h. die Wünsche und Willensäußerungen, die auf der WAHRHEIT beruhen, in der befreiten Seele des BRAHMALOKA nicht wirkliche bewußte Handlungen, sondern spontane Ausflüsse der gegebenen Handlungsmomente sind, wie sie früher im Aufstieg zur SELBSTERKENNTNIS ausgeführt worden sind und in diesem Prozeß nicht hinderlich waren. Sollten wir jedoch denken, daß die Handlungen der Seelen in BRAHMALOKA bewußt und überlegen ausgerichtete Handlungen sind, dann hätte dies zur Folge, daß diese Seelen nicht so entwickelt sind wie ein JIVANMUKTA der kein Identitätsbewußtsein mehr hat. Das PRARABDHA (auslaufendes KARMA) im JIVANMUKTA wird nicht durch dessen Bewußtsein erfahren; es existiert lediglich für die unwissenden JIVAS (Einzelseelen), die die körperliche Existenz oder die Bewegungen seines Körpers wahrnehmen. Es gibt eine Passage CHH.UPANISHAD, VIII,14), in welcher über den Eintritt der Seele in die Wohnstatt und Empfangshalle PRAJAPATIS (anderer Name für BRAHMA) gesprochen wird. Die von der Seele erfahrene Freude im GOTTES-BEWUSSTSEIN kommt in glühenden Worten zum Ausdruck. Die TATTAITIRYOPANISHAD (II.1.) sagt, daß sich der Kenner BRAHMANS im BRAHMAN-BEWUSSTSEIN gleichzeitig all dessen erfreut, nach dem er verlangt. Die Schwierigkeit, die oft unser Verständnis von der exakten Natur der verschiedenen Ebenen im Prozeß der fortschreitenden Befreiung behindert, nimmt durch die Tatsache noch zu, daß sich die UPANISHADEN kaum darüber auslassen, sondern Freude daran finden, Andeutungen über die Unsterblichkeit zu machen, - selbst in Bezug auf einen Zustand, bei dem wir sehr zögerlich sein müssen, ihn als den HÖCHSTEN anzusehen, wenn wir überhaupt in unserer Verständnis- und Urteilsfindung irgendeine Vernunft anwenden wollen. Oftmals ist es schwierig zu erkennen, ob die UPANISHADEN eine metaphorische Erklärung über die Erfahrung des ABSOLUTEN, oder ob Sie eine wirkliche Beschreibung von jemandem im BRAHMA-LOKA-ZUSTAND, der sich auf dem Weg zu KRAMA-MUKTI befindet, abgeben. Die im ABSOLUTHEITS-BEWUSSTSEIN vorherrschende, unverzügliche Freude muß als ein Hinweis auf ISHVARA SELBST gedeutet werden, denn in BRAHMA-LOKA kann jemand nicht die gleichzeitige Erfahrung der gesamten Existenz haben; es sei denn, es handelt sich um einen freudevollen Ausbruch des BRAHMANUBHAVA (HÖCHSTE BEFREIUNG). Eine Sache ist
zumindest wahr, nämlich, daß das Kriterium für die BEFREIUNG
darin liegt, daß "Im GOTTESWISSEN ein Abfallen aller Fesseln erfolgt, alles Leid aufgelöst wird, Geburt und Tod ihr Ende finden, die Individualität (oder die körperliche Natur) zerbricht, Universale Herrschaft und Absolutheit erwächst und alle Wünsche befriedigt sind." -SVET.UPANISHAD, I.11.
Wir können mit unserem Intellekt nicht verstehen, warum noch Wünsche und Freuden vorhanden sein können, wenn jedes Verlangen befriedigt worden ist. Es heißt, daß dies "einfach das LILA" oder SPIEL des GÖTTLICHEN ist, was keine (intellektuell befriedigende) Erklärung des Geheimnisses ist, sondern eher ein Eingeständnis dessen, daß der Mensch GOTTES WEGE nicht kennen kann. Für uns bedeutet der geringste Wunsch oder die geringste Handlung, wie universal diese auch sein mögen, einen Zustand unterhalb des HÖCHSTEN SEIN. Es ist klar, daß sich all die verschiedenen Verlautbarungen bezüglich der unterschiedlichen Erfahrungen, - von denen gesagt wird, daß sie die befreite Seele hat -, auf eine objektive Erfahrung beziehen muß, die sie in den einen oder anderen der drei Zustände des VIRAT, HIRANYAGARBHA und ISHVARA, oder aber in die VERWIRKLICHUNG BRAHMANS SELBST einführt. Die UPANISHADEN benutzen das Wort 'BRAHMAN' jedoch, um auf irgendeinen dieser vier (Zustände) hinzuweisen, und das ist auch der Grund dafür, warum es uns nicht gestattet wird, eine angemessenes Wissen über das, was sie tatsächlich als die endgültigen Stufen der WAHRHEITS-VERWIRKLICHUNG definieren, zu haben. Es erscheint uns zumindest so, als würde es sich um vier Hauptschwellen handeln, die es zu überschreiten gilt: (1) das Universelle, objektive Vielfalts-Bewußtsein (2) das Universelle, subjektive Vielfalts-Bewußtsein (3) das Universelle SELBST-BEWUSSTSEIN (4) die TRANSZENDENTALE
ERFAHRUNG Die MANDUKYOPANISHAD bezeugt die Existenz dieser vier Zustände.
Die ersten drei Erfahrungen sind relativ und scheinen nur solange zu
existieren, solange jemand als Erfahrender mit einer Spur von räumlicher
Vorstellung im Universalen verweilt. Jenseits einer dualen Position
kann es keinen logischen Beweis für die Existenz dieser drei objektiven
Zustände geben. Wie ein späterer VEDANTIN (VEDANTA-Schüler)
sagte: "Jene uneinsichtigen Menschen, die unfähig dazu sind,
den UNBEDINGTEN EWIGEN BRAHMAN zu verwirklichen, zeigen Leidenschaft
in der Beschreibung des Qualifizierten BRAHMAN'. Wenn deren Denkorgan
durch die MEDITATION auf den Qualifizierten BRAHMAN, - das EINE
SEIN - , von allen Begrenzungen befreit wird, offenbart ER SICH
SELBST." JIVANMUKTI
Es ist sehr schwer, anhand der Verlautbarungen in den UPANISHADEN zwischen dem, was tatsächlich im lebenden Körper der 'ZUSTAND der BEFREIUNG', und dem, was die ABSOLUTHEIT nach der Transzendenz des Körpers ist, zu unterscheiden. Oftmals wird für beides dieselbe Beschreibung verwendet. Das wiederum zeigt, daß die Unterscheidung zwischen JIVANMUKTI und VIDEHAMUKTI nur eine relative ist und keine weitere Bedeutung in sich selbst hat. Der MUKTA (Befreite) kennt keinerlei Unterschied in sich selbst. JIVANMUKTI ist die Höchste Spirituelle Erfahrung des Individuums im sterblichen Körper, der aufgrund des geringen Überrestes an SATTVIKA-AHAMKARA (Reines Ego) oder PRARABDHA aufrechterhalten wird. In diesem Zustand hören die gewöhnlichen empirischen Funktionen des Denkorgans auf zu arbeiten, selbst der Rest an PRARABDHA wird nicht empfunden und das Denkorgan nimmt die Form von SHUDDHA SATTVA, die ursprüngliche Natur des UNIVERSELLEN WISSENS, frei von den Relationen des Raumes, der Zeit und Ursache, an. Der JIVANMUKTA erfährt sich als HERR über alles und als Erkenner und Sich Erkennender von allem. Tatsächlich kennt jemand im siebtenBHUMIKA nichts Zweites neben sich, und es erhebt sich keinerlei Frage bezüglich des HERRSCHAFTS- oder KRAFT-BEWUSSTSEINS in diesem Zustand. Doch derjenige, der im vierten, fünften oder sechsten Zustand sich befindet, kann bewußte Macht erfahren. Er hat das BEWUSSTSEIN einer allwissenden und allmächtigen Persönlichkeit, die sowohl alles tun und sich allem erfreuen, als auch allem entsagen und zufrieden in Sich Selbst verweilen kann. Er ist ein MAHAKARTA (Großer Handelnder), ein MAHABHOKTA (Großer Sich Erfreuender) und ein MAHATYAGI (Großer Entsagender). Dieselbe Unterscheidung innerhalb der Erkenntnis-Stufen findet auch für die Seele in BRAHMALOKA Anwendung. Die gesamte Existenz gehört IHM; das gesamte Universum ist Sein Körper. ER befiehlt niemandem, noch wird IHM durch jemandem befohlen. ER ist der absolute Zeuge Seiner eigenen Herrlichkeit, ohne dies angemessen ausdrücken zu können. ER scheint gleichermaßen tief in das Meer einzutauchen und auf dem Meer zu treiben, mit dem Gefühl "ICH allein BIN", oder "ICH BIN ALLES". ER durchbricht die Grenzen des Bewußtseins und betritt den Schoß der UNENDLICHKEIT. Manchmal scheint ER das Bewußtsein der Relativität zu haben, wie eine schwache Erinnerung, die durch unbeendete individuelle Erfahrungen hervorgebracht wird. ER verkündet in freudigen Worten: "O wie wunderbar! O wie wunderbar! O wie wunderbar! ICH bin Nahrung! ICH bin Nahrung! ICH bin Nahrung! ICH bin Nahrungs-Esser! ICH bin Nahrungs-Esser! ICH bin Nahrungs-Esser! ... ICH bin der Erstgeborene!... Vor den Göttern bin ICH die Wurzel der UNSTERBLICHKEIT!... ICH, der ICH die Nahrung bin, esse den Esser der Nahrung! ICH habe das gesamte Universum überwunden!" -TAITT.UPANISHAD , III.10.6.
"Derjenige
ist der (wirkliche) BRAHMANE, der, nachdem er dieses UNZERSTÖRBARE
erkannt hat, diese Welt verläßt" -BRIH.UPANISHAD,
III.8.10. "ER freut sich wie der HERR des Universums." ER ist der "Seher, der weder Tod noch Krankheit oder Leid sieht; der Seher, der allein das ALL sieht und das ALL gänzlich erhält" -CHH.UPANISHAD, VII. 26.2.
Seine FREUDE ist im SELBST, ER spielt mit dem SELBST und ist in Gesellschaft
mit dem SELBST; ER genießt die WONNE im SELBST;
ER ist autonom und ER hat grenzenlose Freiheit in allen Welten.
Alles geschieht ihm durch das SELBST. ER hat das Meer der Dunkelheit
überquert. "Wie die abgeworfene Schlangenhaut tot auf einem Ameisenhügel liegt, so liegt dieser Körper (eines JIVANMUKTA) danieder. Aber dieses körperlose, unsterbliche Lebensprinzip ist BRAHMAN allein, - das LICHT allein." -BRIH.UPANISHAD,
IV.4.7. "ER wünscht nichts, ER hat keinen Wunsch, ER ist von Wünschen befreit, sein Wunsch ist befriedigt, sein Wunsch ist das SELBST" -BRIH.UPANISHAD,
IV.4.6. "ER ist der Größte zwischen den Kennern" -MUND.UPANISHAD, II.1.4.
"IHN überwältigen weder der Gedanke 'daher handelte ich falsch',
noch der Gedanke 'daher handelte ich richtig'; ER hat
sie beide überwunden. Es berührt IHN weder, was ER getan hat, noch was ER nicht getan hat." "Diese ewige
Größe des BRAHMANEN wächst nicht und schrumpft nicht
durch Handlungen." "ER sieht das SELBST im SELBST und sieht alles als das SELBST. Das Böse
überkommt IHN nicht, im Gegenteil, ER überwältigt
alles Böse. Das Böse verbrennt IHN nicht; im Gegenteil, ER verbrennt alles Böse" -BRIH.UPANISHAD, IV.4.22,23.
Im Moment der
Erkenntnis-Dämmerung kommen alle Fehler und Verdienste des individuellen
Selbst zu einem Ende.Nach dem Erwerb von SELBST-ERKENNTNIS gibt
es keine Erfahrung von der Wirkung, die von irgendwelchen Handlungen
ausgeht, mehr. Weder vergangene noch zukünftige Handlungen können
dem JIVANMUKTA anhängen. Was von ihm getan oder nicht getan
wird, - beides verliert seine Kraft und hat keinerlei Wirkung auf ihn.
Durch die SELBST-VERWIRKLICHUNG erfährt ER, daß ER niemals der Täter von irgendetwas war, ist oder sein
wird. Die BRAHMASUTRA sagt, daß die Ergebnisse der , ohne
selbstsüchtigen Wunsch vollzogenen Handlungen, die keine spezifische
Wirkung hervorrufen, sondern zum Erwerb von ERKENNTNIS verhelfen,
nicht zerstört sind, da sie das Zubehör zur ERKENNTNIS sind und im Falle des JIVANMUKTA bereits in Form von ERKENNTNIS gefruchtet haben. Der kluge Weise
ist still und unentschieden gegenüber dem SPIEL des Lebens.
Keine Kraft auf Erden oder im Himmel kann IHN berühren.
Selbst die Götter können nichts für IHN tun, da ER das SELBST selbst dieser Götter ist. ER ist der
Höchste Meister, der Herrscher aller. Wenn ER atmet, werden
andere (auch) atmen; wenn ER den Atem anhält, werden andere
sterben. Durch seinen bloßen Wunsch werden Berge zerschmettert
und Meere ausgetrocknet. Sein Wunsch ist GOTTES Wunsch und Sein
WESEN ist GOTTES WESEN. "Derjenige, der alle Wesen in seinem wahren Wesen, und das SELBST in allen Wesen sieht, - ER ist niemandem abgeneigt. Für IHN, den Weisen, für den alle Wesen nur das SELBST sind, - welche Täuschung und welche Sorgen kann es für IHN geben, der (überall) die Einheit sieht?" -ISHA UPANISHAD,
6.7. JIVANMUKTA ist die äußerste JNANA-Bedingung, der Zustand der
SELBST-Absorption, beziehungslos und SELBST-Identisch. Praktisch besteht
kein Unterschied zwischen dem Höchsten JIVANMUKTI und dem VIDEHAMUKTI, obwohl im zuerst genannten Zustand der Körper
unbewußt für eine kurze Zeit wegen des letzten Schwächemomentes
der Wünsche, die in IHM in der Zeit vor der SELBST-ERFAHRUNG
aufgestiegen sind, dahinsiecht. Hinsichtlich der Dinge, die das Leben
betreffen, müssen wir zwischen diesen beiden Zuständen keinerlei
Unterscheidung machen. Der Höchste JIVANMUKTA fühlt
nicht, daß ER irgendeinen Körper hat und deshalb ist ER in keiner weise kleiner oder niederer als der VIDEHAMUKTA.
Die Unterscheidung erfolgt nicht durch den MUKTA selbst, sondern
durch andere unwissende Menschen, welche das Erscheinen oder das Verschwinden
seines Körpers wahrnehmen. DAS UNIVERSUM UND DAS BEFREITE SELBST
Viel ist durch spekulative Genies über die Beziehung zwischen der VOLLSTÄNDIG BEFREITEN SEELE und dem Universum geschrieben worden. Wenn BEFREIUNG die ERFAHRUNG des UNENDLICHEN bedeutet, dann ist die Frage nach der Beziehung von der befreiten Seele zum Universum eine höchst kindische. Dies entspricht dem Spekulieren über das Verhältnis des Himmels zum Himmel. Einigen Verlautbarungen zufolge bedarf der befreite Zustand nicht der Aufhebung der Vielheits-Wahrnehmung. Wenn wir sagen, daß das ABSOLUTE eine Vielheit wahrnehmen kann, bewegen wir uns außerhalb jeglicher Sinnhaftigkeit und Vernunft. Oder können wir daran festhalten, daß die befreite Seele eine Individualität aufrechterhält? In solch einem Fall würde die Seele nicht-ewig werden, denn alles Individuelle ist Bestandteil des Universellen Prozesses. Weiterhin ist zu klären, was wir mit Vielheit meinen? Vielheit ist die Einmischung des Nicht-Seins oder des Raumes zwischen den Dingen, was darauf hindeuten würde, daß das ABSOLUTE innere Unterscheidungen und äußere Beziehungen hat, womit die Unteilbarkeit und Einmaligkeit des ABSOLUTEN verletzt würde. Wahrnehmung ist nicht ohne die Einmischung des Nicht-Seins in die NICHT-UNTERSCHEIDBARKEIT möglich. Wenn das SELBST das ALL ist, kann es kein Nicht-Selbst im SELBST geben, und solange es eine Wahrnehmung des Nicht-Selbst gibt, kann es keinen befreiten Zustand geben. Außerdem können wir das Argument nicht verstehen, daß es für die befreite Seele irgendeine Pflicht gäbe. Es ist ein Irrtum zu glauben, daß, solange nicht alle Individuen befreit sind, kein Individuum Befreiung haben kann. Es gibt keine innere Beziehung zwischen dem KARMA des einen und dem eines anderen Individuums, außer in dem Sinne, daß es eine wechselseitig bestimmende Kosmische Beziehung aller Individuen gibt, solange diese in besonderen Bewußtseins-Stufen leben. Wo die Gedanken aufgelöst sind, sind alle Formen (sogleich) erloschen. Formen können ohne gegenseitige Unterscheidung nicht existieren und die Unterscheidung der Formen beruht auf der Arbeit des ERKENNENDEN BEWUSSTSEINS. Im ABSOLUTEN kann es kein objektives Erkennen geben. Obwohl es für andere Individuen eine Existenz von Formen geben kann, kann man nicht sagen, daß die Seele eines Individuums, das die Freiheit erreicht, objektive Beziehungen haben kann. Die Aussage, daß die befreite Seele irgendeine Beziehung zu irgend etwas haben kann, ist nicht überzeugend, da sie das Kosmische Verhältnis der geschaffenen Wesen, die als wechselseitig bestimmende Kräfte ineinander-fließen, transzendiert. Solange es Beziehungen gibt, existiert etwas außerhalb des SELBST' und solange es eine Erfahrung von etwas anderem als dem SELBST gibt, ist das keine ABSOLUTHEITS-ERFAHRUNG. Das ABSOLUTE ist in keiner Weise an die Regeln und Abmachungen der Welten und der Gedanken anderer Individuen gebunden. Die Tatsache, daß viele andere (Wesen) unbefreit verweilen, selbst wenn eine Seele befreit ist, zwingt die befreite Seele nicht dazu, irgendwelche Beziehungen mit anderen zu haben, aus dem einfachen Grund, weil die befreite Seele nichts anderes ist als das TRANSKOSMISCHE ABSOLUTE. Doch darüber hinaus: wenn der Denkprozeß im ABSOLUTEN erlischt, kann es keine Wahrnehmung anderer unerlöster Individuen geben. Es gibt keinen Grund dafür, darauf zu beharren, daß die Form der Welt nach der SELBST-VERWIRKLICHUNG existiert, da die Formen nur dann bestehen können, wenn die Existenz in sich selbst geteilt ist. Doch dies gilt nicht für das ABSOLUTE, das die 'EXISTENZ' SELBST ist. Teilung schafft Individualität, welche phänomenal ist. Solange ein Bewußtsein von der Wirklichkeit eines objektiven Universums und der Individuen vorhanden ist, kann derjenige nicht als ein Befreiter bezeichnet werden, da er dann, unabhängig in welch höherem Bewußtseins-Zustand er sich auch befinden mag, lediglich ein anderes Individuum ist. BEFREIUNG ist die ERFAHRUNG der HÖCHSTEN WIRKLICHKEIT. Derjenige, der andere (Individuen) wahrnimmt, die unbefreit sind, kann selbst keine befreite Seele sein, da der BEFREITE EINS ist mit dem BEZIEHUNGSLOSEN ABSOLUTEN. Ein BEFREITER 'denkt' nicht, ER 'ist'. Es kann keinen Kompromiß hinsichtlich einer Selbstbegrenzung in der Befreiung geben, - wie schwach diese Einschränkung auch sein mag. Die befreite
Seele wird zum ALL. Die Erfahrung des REINEN SEIN' ist das Kriterium
für die BEFREIUNG. Die befreite Seele wird das Eine SELBST aller;
- wie kann Sie dann das Bewußtsein der Begrenzung oder das der
Handlung zur Erlösung der Nichtbefreiten haben? Und noch einmal,
wie kann eine unerlöste Seele eine andere unerlöste Seele
erlösen? Der menschliche Geist ist stets von der Täuschung
des sozialen Bandes, das die verschiedenen Individuen miteinander verbindet,
besessen. Er kann nicht anders, als in Begriffen der Gesellschaft, der
Familie, Verwandten usw. in Verbindung mit dem abgesonderten Ego zu
denken. Derjenige, der mit der Welt beschäftigt ist, ist nur ein
vergrößerter Familienmensch und nicht frei vom Gefühl
der Abgesondertheit, durch die die sterbliche Natur charakterisiert
ist. Selbst etliche kultivierte Denker sind durch die menschenfreundliche
Sicht des Lebens begrenzt gewesen. Ihre Philosophien sind konsequenterweise
durch humanistische und soziale Betrachtungen befleckt. Sie sind nicht
leidenschaftslos genug in ihrem Versuch gewesen, die tieferen Wahrheiten
zu verstehen und sind durch eine übermäßige Liebe zum
menschlichen Wesen getäuscht. Diese Infektion hat sie sogar bis
zu dem gefährlichen Punkt gebracht, wo die Versuchung groß
ist, zu beweisen, daß niemand befreit werden kann, solange die
soziale Erlösung nicht bewirkt worden ist! Dies ist eine Sichtweise,
die der Verbindung des MATERIALISMUS mit dem SPIRITUELLEN ABSOLUTISMUS
entspringt. Des Menschen Sicht ist so beschränkt, daß er
lediglich mit den Dingen beschäftigt ist, die er sieht. Er scheitert
darin, eine GANZHEITLICHE SICHT auf die ESSENZ der EXISTENZ, die vollständig
ist, zu erwerben, da seine Erfahrung und seine Vernunft auf die empirische
Wirklichkeit begrenzt sind. Für das ABSOLUTE ist die Welt kein
historischer Prozeß, sondern reines 'SEIN'. Für das unwissende
Individuum erscheint SAMSARA (Kreislauf von Geburt und Tod),
- von einer zur anderen Ewigkeit -, als eine ungeteilte überrationale
Erscheinung, obwohl im ABSOLUTEN das SAMSARA erlischt. Da sich
verschiedene Individuen auf unterschiedlichen Stufen der Evolution befinden,
und da es gleichfalls nichts gibt, was den Eintritt der Seele in das
ABSOLUTE nach dem Aufstieg des WISSENS verhüten könnte, kann
es so etwas wie eine soziale Erlösung oder die Beendigung des historischen
Prozesses des Universums nicht geben. Wenn das ABSOLUTE
keinerlei äußere oder innere Beziehung zu SICH SELBST hat,
kann der Befreite auch keine solche Beziehung zum Universum haben, denn
die Unterscheidung zwischen Individuum und Universum wird im ABSOLUTEN
aufgehoben. Es ist unlogisch zur gleichen Zeit zu sagen, a) 'BEFREIUNG
bedeutet ABSOLUTE ERFAHRUNG', und b) 'die befreite Seele ist mit
dem Erlösungswerk anderer beschäftigt und behält selbst
nach der Befreiung (noch) ihre Individualität bei '. Relative
Handlung und ABSOLUTES SEIN stehen nicht im Einklang miteinander. Wenn
argumentiert wird, daß diese beiden Positionen verträglich
sind, so geschieht dies auf Kosten der Übereinstimmung. Das ABSOLUTE
kennt nichts Zweites neben Sich und folglich auch keinen Wunsch und
keine Handlung. Etwas, das weniger als das ABSOLUTE ist, kann nicht
als der Zustand der BEFREIUNG angesehen werden. JIVA (die indiv.
Seele) verbleibt ein Zentrum der UNIVERSELLEN HANDLUNG im Zustand
des VIRAT, des HIRANYAGARBHA und des ISHVARA, nicht
aber in BRAHMAN. Wenn das, was die Schriften sagen: "Er kehrt nicht
mehr zurück", - wahr ist, kann es nach der ABSOLUTHEITS-ERFAHRUNG
keine Rückkehr zur Individualität mehr geben. Jegliche Handlung
resultiert aus einem Vielheits-Bewußtsein, was nicht die Natur
des ABSOLUTEN ist. Alle Versuche, die WIRKLICHKEIT mit der 'Erscheinung'
in Einklang zu bringen, sie als 'zwei Wirklichkeiten' zu sehen, basieren
auf einem Glauben in die letztendliche Gültigkeit der empirischen
Erfahrung. Wir Menschen möchten das Höhere erkennen, ohne
den Schritt, der von den bindenden Erscheinungen wegführt, machen
zu wollen. Wir wollen unsere Beine in zwei verschiedene Schiffe stellen,
die in die entgegensetzte Richtung fahren, um auf diese Weise den Ozean
zu überqueren. Wir wünschen etwas 'absolut' zu erkennen,
ohne dieses Etwas selbst zu sein, - eine Unmöglichkeit! Die
Neigung einiger moderner Denker, die darum kämpfen, eine Realität
der objektiven Erfahrung und des Vielheits-Bewußtseins selbst
in der HÖCHSTEN WIRKLICHKEIT zu veranschlagen, ist die Wirkung
eines Fehlers in der Unterscheidung zwischen dem WIRKLICHEN und dem
Scheinbaren und entspricht einer unweisen Anhaftung an eine phänomenale
Verschiedenheit (der Dinge). Solange sich Philosophen damit begnügen,
rein dogmatische Theoretiker zu sein, können sie niemals in der
Bestimmung der wahren Natur der WIRKLICHKEIT bzw. im Prozeß der
Bindung und Befreiung voranschreiten. Es ist eine rein intellektuelle
Verdrehung, die einige Leute dazu veranlaßt, selbst die metaphysischen
Wahrheiten zu verdrehen, um die empirischen Erfordernisse des Menschen
zu beantworten. Die Tatsache, daß wir die Dinge sehen, ist noch
lange nicht der Beweis für deren tatsächliche Existenz. Es heißt
weiterhin, daß die BEFREITE SEELE für die Erlösung
der anderen unbefreiten Seelen arbeiten muß, da das Individuum
untrennbar ist von seiner Umgebung und somit die EIGENE BEFREIUNG erst durch diese Arbeit zu vervollständigen ist. Dieses Argument
ist wiederum auf die Seelen, die sich noch im Kosmos befinden und die
sich in den Reichen von VIRAT,HIRANYAGARBHA und ISHVARA bewegen, begrenzt, - was aber unwesentlich ist für BRAHMANUBHAVA. Es ist falsch zu denken, daß die BEFREITE SEELE irgendwelche
äußeren Umgebungen hat, mit denen sie in irgendeiner Beziehung
steht. SIE ist die UNENDLICHKEIT SELBST. Weiterhin wird jedes
Individuum durch sein eigenes ANTAHKARANA (inneres Geistorgan)
und die Art des objektiven Denkens beschränkt, so daß seine
Welt der Erfahrung nicht identisch mit den Welten anderer sein kann.
Der Mensch wird durch die Vorstellung betrogen, daß jedes Individuum
denselben psychologischen Hintergrund und Konstitution hat wie die anderen
Wesen, und daß die Umgebung eines Individuums jene Umgebung der
anderen Individuen ebenso einschließt. Die Umgebung des einen
unterscheidet sich von denen anderer und daher steht die Befreiung eines
Individuums in keiner Beziehung zu dem Zustand anderer Individuen. Würde
jeder so denken, dann gäbe es keine Unterscheidung zwischen den
lebenden Wesen und es würde sich eine Massenbefreiung des Universums
ereignen. Wenn die Individuen unterschiedlich denken, kann niemand eine
wirklich innere Beziehung zu den anderen haben. Zweifellos wird im ABSOLUTEN
alles verstanden, und so beeinflußt jedes Individuum, solange
es als solches existiert, durch seine Existenz und sein aktives individualistisches
Bewußtsein das Universum und umgekehrt, da es hinter allen Individuen
eine wirkliche EINHEIT gibt. Doch diese gegenseitige Zusammenarbeit
ist zweitrangig und berührt in keiner Weise den vorrangigen Umstand
der BEFREIUNG. Mehr noch, wir haben nicht das Recht, dem Subjekt
und dem Objekt unabhängige Wirklichkeiten zuzugestehen, denn die
ganze Vielheit ist wie ein Traum im UNIVERSALEN BEWUSSTSEIN,
und für dieses ergibt sich nicht die Frage nach der Existenz von
unerlösten Seelen oder einer objektiven Wirklichkeit. Gebundenheit
ist in jedem Individuum gesondert vorhanden, nicht jedoch in der UNIVERSELLEN
EINHEIT. Auf alle Fälle entsteht das Problem der Erlösung
unerlöster Seelen nicht durch die befreiten Seelen. Es gibt für
den Befreiten nichts Falsches, was korrigiert, kein Irrtum, der aufgeklärt
und nichts Schlimmes, was aus dem Leben verbannt werden müßte,
außer, was sich auf das eigene Selbst bezieht. Wenn dieses (niedere)
Selbst gereinigt ist, wird die ABSOLUTE WAHRHEIT in ihm offenbar, und ES kann das Universum in seiner unendlichen Erkenntnis dank seiner
WAHREN EXISTENZ oder mit dem BEWUSSTSEIN der VOLLKOMMENHEIT richtig
einordnen. Es gibt keine letzte Beziehung zwischen den scheinbaren Umgebungen
der verschiedenen Individuen, auch wenn sich diese gegenseitig durchdringen.
Sie haben alle eine TRANSZENDENTALE EINHEIT und ein empirisches Phänomen. Von einigen wird auch der Versuch unternommen zu argumentieren, daß die 'Nicht-weltlichkeit' nicht die eigentliche Essenz von irgendeiner wahren Philosophie sei, und daß die UPANISHADEN diese Nicht-weltlichkeit nicht lehren. Diese Ansicht entspringt dem Versuch der eigenmächtigen, nicht von der Erfahrung gestützten Vernunft, die Natur der WIRKLICHKEIT zu bestimmen. Im menschlichen Wesen ist selbst im Zustand der letztendlichen BEFREIUNG ein Wunsch nach Erhaltung der selben weltlichen Beziehungen vorhanden. Was wir auch immer empirisch erfahren, scheint eine feste Tatsache und Wirklichkeit zu sein, die wir nicht zu vernichten wünschen. Die Anhaftung des Individuums an den Körper und an die Gesellschaft ist so intensiv, daß ein Bruch nicht als wünschenswert erscheint. Wenn 'Weltlichkeit' die Nichtanerkennung abgesonderter Formen der Erfahrung und der individuellen Beziehung bedeutet, dann ist BEFREIUNG tatsächlich 'nicht-weltlich'. Das ABSOLUTE ist in dem Sinne 'nicht-weltlich', als ES keine Unterscheidungen hat in Form von Raum, Zeit und Individualität, oder von Name, Form und Handlung, wie dies für die Welt zutrifft. BEFREIUNG ist der Besitz und die Erfahrung des UNBEGRENZTEN, UNGETEILTEN BHUMA-BEWUSSTSEINS, - der EXISTENTIELLEN FÜLLE. Bezüglich der Stellung von Macht, Herrschaft usw., im Zustand der HÖCHSTEN BEFREIUNG, ergeben sich eigentlich keinerlei Fragen. Diese Dinge sind alles relative Vorstellungen von Individuen. Die Letztendliche WIRKLICHKEIT ist das ABSOLUTE, welches nicht-dual ist und somit auch keinen Raum läßt für die Operation einer objektiven Kraft. Das ABSOLUTE SELBST ist die Macht und nicht bloß ein Macht-Ausübender. Macht ist ein separater Umstand, ein Mittel zur Erzeugung von Dualität, die im ABSOLUTEN wegfällt. Der wirklich BEFREITE fühlt nicht, daß ER der HERR von etwas ist, da diese Vorstellung eine Unterscheidung in der EXISTENZ hervorruft; - ER hat jedoch die EWIGE ERFAHRUNG der ESSENZ des UNENDLICHEN. ABSOLUTE BEFREIUNG
ist eine TRANSZENDENTE ERFAHRUNG, jenseits von Vorstellung und
Ausdruck, frei von der Unterscheidung in Kenner, Erkenntnis und Erkanntes. SIE ist die BEWUSSTE ERFAHRUNG der ABSOLUTEN 'SEIN-HEIT',
welche die GROSSE WIRKLICHKEIT ist. SCHLUSSFOLGERUNG
Ein Studium der Letztendlichen WIRKLICHKEIT der Dinge offenbart uns, daß ihre WAHRHEIT ein und dieselbe ist, wohingegen ihre Formen falsch sein müssen. DAS, was EINS ist, kann einzig durch die (gedankliche) Vorstellung als zwei oder viele (verschiedene) erscheinen. Sowohl das wahrnehmende Individuum als auch die Welt, die wahrgenommen wird, können lediglich Projektionen eines kraftvollen UNIVERSALEN GEDANKENS sein, während es in Wahrheit nur das EINE, UNDIFFERENZIERTE REINE SEIN gibt. Die, auf diesen Buchseiten angesprochenen Hauptpunkte sind: (1) BRAHMAN oder das ABSOLUTE ist die einzige WIRKLICHKEIT. (2) ES ist Undifferenziert, Beziehungslos, Über-Geistig, Transzendental, BEWUSSTSEIN ohne Unterscheidung in Kenner, Erkenntnis und Erkanntem. (3) ES ist unkörperlich, sofern dies das praktische empirische Leben anbelangt und unabhängig davon, ob BRAHMAN Unpersönlich' (NIRGUNA ) oder 'Persönlich' (SAGUNA ) ist, solange nichts Zweites neben BRAHMAN ist und solange keine objektive Wirklichkeit und kein veräußerlichtes Erkennen vorhanden ist. Im Prozeß der philosophischen MEDITATION wird das ABSOLUTE in seiner reinen VOLLKOMMENHEIT, frei von aufgestülpten Eigenschaften, gänzlich 'anders' als jegliche Gedankenform, als das Überkosmische, Ewige BEWUSSTSEIN sich vorgestellt. (4) Das Universum ist eine Erscheinung des ABSOLUTEN und aufgrund seines gegenwärtigen oder objektiven Charakters ist ES relativ, vergänglich, unverständlich und eine Verdrehung der WIRKLICHKEIT. (5) In WAHRHEIT gibt es weder das Individuum noch den Kosmos, weder das Subjekt noch das Objekt, da diese Dinge lediglich erfahrungsmäßige Standpunkte in Abhängigkeit von der Betrachtungsweise der EINEN UNGETEILTEN EXISTENZ sind. (6) Wenn von GOTT angenommen wird, Etwas zu sein, das vom Universum und dessen Inhalt verschieden ist, d.h., wenn ER das Subjekt oder Objekt von irgendetwas ist, dann würde dieser GOTT so vergänglich wie jedes sterbliche Wesen sein. (7) Der einzige Lebenszweck für jedes Individuum ist die VERWIRKLICHUNG des ABSOLUTEN. (8) WISSEN und MEDITATION sind die beiden Hauptpfade zur VOLLKOMMENHEIT. WISSEN ist JNANA oder ANUBHAVA des NIRGUNA BRAHMAN (das ABSOLUTE ohne Eigenschaften) und MEDITATION ist DHYANA oder UPASANA auf SAGUNA BRAHMAN (das
ABSOLUTE mit Eigenschaften). Die
gesamte Thematik der UPANISHADEN kreist um zwei grundlegende
Konzepte von der WIRKLICHKEIT, und zwar um BRAHMAN und ATMAN.
Beide Begriffe werden häufig zur Benennung von ein und derselben
Sache verwendet. "Dieser ATMAN ist BRAHMAN" (MAND.UPANISHAD,
2.).Die weiteren Folgerungen aus dieser Erklärung führen zu
den verschiedenen Theorien der spirituellen Philosophie. Die Philosophie
der Haupt-Verlautbarungen innerhalb der UPANISHADEN beinhalten
jedoch im Wesentlichen die o.a. acht Schlußfolgerungen. Dies ist
die LETZTENDLICHE WAHRHEIT, welche die Erfahrungs-Welt transzendiert
und sich über den Egoismus der menschlichen Natur hinaus ausdehnt.
Der gesamte Prozeß der WAHRHEITS-VERWIRKLICHUNG ist daher eine
Opferung des Ego und folglich eine große Pein. Solange sich das
Individuum noch in einem Zustand der Unvereinbarkeit mit dem UNENDLICHEN
befindet, bleibt ihm das Leiden im Prozeß der UNENDLICHKEITS-ERFAHRUNG
nicht erspart. Daher wird der Versuch, das vollkommen WIRKLICHE zu erreichen,
im allgemeinen mit einem Gefühl der Furcht, des Abscheues, ja selbst
des Hasses angeschaut. Der Mensch ist beständig mit den unmittelbaren
Angelegenheiten des Lebens beschäftigt. Er richtet sein Auge nicht
auf das Jenseitige und grämt sich beständig über die
Vergangenheit, zweifelt an der Zukunft und sorgt sich um die Gegenwart.
Er kränkelt andauernd im Geist aufgrund seiner Verletzungen des
EWIGEN GESETZES (SANATANA DHARMA). Er ist im Strudel der Unwissenheit,
Leidenschaft und Sünde gefangen und wird fortwährend von hohen
Wellen unkontrollierbarer Sorgen überschüttet. Er befindet
sich zu allen Zeiten in einer Klemme. Unaufhörlich stirbt er sich
selbst in der Zeit, um danach anscheinend immer wieder einen neuen Sinn
zu finden. Sein gesamtes Leben ist ein Dahinfließen von Zuständen,
- gerade zerstört, schon wieder erneuert. Selten kommt ihm der
Gedanke an etwas Erhabeneres und Wahreres als er selbst es annimmt zu
sein. Er ist in seinem zerbrechlichen Körper, seiner launischen
Verstandeskapazität, seinem kindischen Intellekt und in seiner
eingebildeten Individualität eingesperrt. Ein kleiner Erguß
übernatürlicher Erkenntnis in ihm erscheint wie 'Musik, die
für einen Tauben erklingt'. Er denkt viel zu hoch von sich selbst
und leckt sich selbst in hündischer Begierde mit zerrissener Zunge
die spitzen Knochen (was wohl auf Selbst-Mitleid und Erhalt der eigenen
Individualität hindeutet = Anm.d.Übers.). Die UPANISHADEN sind sich der nutzlosen Versuche des Menschen, das UNBEGRENZTE SEIN
zu erfassen, durchaus bewußt und warnen davor, dieses Geheimnis
nur mit dem logischen Verstand begreifen zu wollen; vielmehr müsse
ES durch einen Weisen gehört werden (KATHA UPANISHAD,
II.8,9). Die Vernunft dient zur Stärkung des Glaubens in das, was
aus zuverlässigen Quellen vernommen wird und nicht dazu, um ganz
alleine voranzuschreiten. Zu denken, daß man nur von sich selbst
abhängig ist und auf diese Weise das EWIGE erreichen zu wollen,
ist leerer Stolz. Vernunft und Glaube sollten Hand in Hand gehen, um
die erwünschte Frucht ernten zu können. Das, was momentan
angenehm ist, kann im nächsten Moment anders sein, und das Unangenehme
verschwindet auch nicht für immer. Die UNVERÄNDERLICHE WIRKLICHKEIT
bleibt unbemerkt und unfühlbar, - lediglich IHRE Erscheinung scheint
uns Leben, Licht und Freude zu geben. Der einzige Lehr-Zweck der UPANISHADEN besteht darin, den Menschen aus der Kette der Geburten und Tode (SAMASARA)
zu befreien und ihm den Weg zu dem HERRLICHEN LICHT, das in ihm leuchtet,
zu zeigen. In Wahrheit ist der Mensch kein sündiges sterbliches
Geschöpf; vielmehr rufen ihn die UPANISHADEN "Sohn des
UNSTERBLICHEN", d.h. "AMRITASYA PUTRA" (SVET. UPANISHAD,II.5).
Doch kann sich der Mensch nur selbst erkennen, wenn er sich selbst opfert. Das HÖCHSTE OPFER ist das OPFER des Selbst an das ABSOLUTE.
Das größte YOGA ist das Versinken des Selbst in die Einheit
mit dem ABSOLUTEN, indem das, was abgesondert erscheint, verleugnet
und das EINE bestätigt wird. Solch
eine Handlung, die dem individuellen Selbst-Gefühl mit all seinen
unterschiedlichen Anforderungen die Nahrung verweigert, zwingt den relativen
Eigensinn, sich im Interesse des ABSOLUTEN aufzulösen, das SICH
hoch über die Begrenzungen von Raum und Zeit aufschwingt und SICH
SELBST mit nichts anderem zufrieden gibt, als in der VOLLKOMMENEN ZUFRIEDENHEIT
und unwidersprochenen ERFAHRUNG der VOLLSTÄNDIGKEIT und HÖCHSTEN
WIRKLICHKEIT zu leben. Die Bewußtheit des Zustandes des REINEN
SELBST, unbehindert durch phänomenale Gesetze oder trennende Einschränkungen
und der, im freien Fluß der Gesetze des GEISTES sich ergießenden
unendlichen FREUDEN, entspricht dem Leben des erhabenen SELBST-VERWIRKLICHTEN.
ER existiert als das GÖTTLICHE SEIN im Höchsten Zustand der
VOLLENDETEN FREIHEIT in EWIGKEIT. Ohne ein solches WISSEN von der fundamentalen
Natur der EXISTENZ, wird das Leben mit Konflikten und Kriegen zwischen
den entgegengesetzten Kräften angefüllt. Es ist dem Individuum
nicht möglich, inmitten eines solchermaßen aufgeheizten Streites
zwischen den störenden Kräften der Natur in die UNENDLICHKEIT
hineinzublühen, ohne diese Kräfte in einem ausgedehnteren
BEWUSSTSEIN und einem höheren Wirklichkeits-Sinn in Einklang zu
bringen und zu befrieden; wo diese Kräfte letztlich ihre inneren
Wahrheiten enthüllen und mit einer brüderlichen Umarmung im
Busen des SEIN' miteinander verschmelzen können. Die Schwierigkeiten
beim Heranbilden einer festen Überzeugung bezüglich der Dinge,
wie wir sie täglich als Bedrängnis erfahren; die Verlegenheiten,
in denen wir uns hinsichtlich der Bestimmung der ESSENTIELLEN WAHRHEIT
und Falschheit des Lebens bewegen; die uns begleitenden selbstsüchtigen
Wünsche, Fehler, Hiebe und Schläge; die brennenden Ängste,
leeren Überzeugungen, trügerischen Erwartungen und Hoffnungen,
mit denen der Mensch in seinem Existenzkampf konfrontiert ist; - sie
alle geben ihm ausreichend Gelegenheit, das EWIGE davon zu unterscheiden
und ihn auf den Weg zu geleiten, der zur VERWIRKLICHUNG des ABSOLUTEN
führt. ERKLÄRENDE ANMERKUNGEN DER ERSTE SCHRITT DES STREBENDEN
VEDANTA ist die Wissenschaft von der WIRKLICHKEIT. WIRKLICHKEIT ist die unwiderrufliche ERFAHRUNG, die durch keine andere Erfahrung transzendiert oder ausgelöscht wird. WIRKLICHKEIT muß natürlicherweise unvergänglich sein, da Vergänglichkeit einen Zustand oder ein Ding als unwirklich markiert. UNVERGÄNGLICHKEIT bedeutet gleichsam UNBEGRENZTHEIT, denn Grenzen sind nicht unabhängig und nicht absolut, vielmehr wechselhaft. UNVERÄNDERLICHKEIT ist die Natur der WAHRHEIT. Die Welt, in der wir leben, zeichnet sich durch Veränderung und Zerstörung aus. Ebenso beinhaltet diese Welt auch das Individuum. Der Körper des Individuums ist als Ganzes ein Teil der Welt. Der wechselhafte Charakter der Welt wird durch wechselnde Ereignisse, wechselnde Handlungen, Gedanken und Gefühle aufrechterhalten. Deshalb muß die Suche nach der WIRKLICHKEIT notwendigerweise auf ganz anderen als den normalen Wegen in der Welt erfolgen. Der WIRKLICHKEITS-Sucher muß besonders mit der Kraft der Unterscheidung zwischen der WAHRHEIT und der Falschheit ausgestattet sein; zwischen der WIRKLICHKEIT und dem unwirklichen, vergänglichen Universum. Die notwendige
Veränderung eines WIRKLICHKEITS-Strebenden findet nicht einfach
nur äußerlich statt, sondern besteht aus einer völligen
Umgestaltung des Lebens. Diese außergewöhnliche Veränderung
im Leben ist schwer zu bewirken. Vom Sucher nach VOLLKOMMENHEIT wird
verlangt, daß er sich auf diese große Veränderung zum
Guten hin vorbereitet. Die unmittelbare,
vor uns befindliche Wirklichkeit ist der physische Körper,
wie er sich in der physischen Welt darstellt. Deshalb bestehen die ersten
erforderlichen Übungen aus körperlichen Handlungen im Sinne
von 'KARMA'. KARMA hat eine besondere Bedeutung in Religion
und Philosophie. Zusätzlich zum Dienen, das frei von individuellen
Motiven oder Wünschen ist, bedeutet KARMA 'selbstloser
Vollzug der eigenen vorgeschriebenen Pflichten' ohne Murren oder
Versäumnis. Es wird von jedem Menschen erwartet, daß er (gemäß
den vier ASHRAMAS oder Lebensordnungen) entweder ein (1) BRAHMACHARI (Schüler, der der Enthaltsamkeit unterliegt), (2) GRIHASTA (Ehe- und Familienstand), (3) VANAPRASTHA (zurückgezogen
ins spirituelle Leben nach Erfüllung der Familienpflichten) oder
(4)SANNYASIN (Mönch) ist. Man sollte in keinem anderen
als in einem dieser vier Stadien leben, und zwar in dem Umfang, wie
dies möglich ist. Ebenso kann ein Mensch zur gleichen Zeit nur
einem dieser vier ASHRAMAS angehören und nicht mehreren
zugleich. Der Vollzug der eigenen Pflichten bedeutet die Beachtung dieser ASHRAMA-DHARMAS. 'NITYA' und 'NAIMITTIKA KARMAS'
(hinduistische Zeremonien), die zu einem ASHRAMA gehören,
bilden das 'SVADHARMA' (Erfüllung) der 'eigenen Pflichten',
insofern dies die VEDANTA- Philosophie anbelangt. KAMYA-KARMAS (Wunsch-Handlungen) sind vom SVADHARMA ausgeschlossen. Die strikte Einhaltung
des SVADHARMA reinigt das Geistorgan und befreit es von MALA (Schmutz), dem groben TAMAS (Trägheit) und RAJAS (Leidenschaft), d.h. den täuschenden und zerstreuenden Umständen
in ihm. VEDANTA liefert all jenen, die bereits ihre innere Natur
durch NISHKAMA-KARMA (selbstloses Dienen) gereinigt haben, eine
Beschreibung über das sog. UPASANA oder die VEREHRUNG des PERSÖNLICHEN GOTTES und die MEDITATION auf IHN (SAGUNA BRAHMAN). UPASANA beseitigt VIKSHEPA (Geistesunruhe)
und begünstigt CHITTA-EKAGRATA oder das ‘zielgerichtete
Geistorgan'. Von einem solchermaßen vorbereiteten Strebenden,
der mit CHITTA-SHUDDHI und CHITTA-EKAGRATA ausgestattet
ist, ist zu erwarten, daß er damit das erforderliche SADHANA-CHATUSHTAYA,
das ethische Rüstzeug, das direkt zur Haupthalle des VEDANTA-SADHANA führt, besitzt. SADHANA-CHATUSHTAYA ist die vierfache Ausstattung und unumgängliche Hilfe zum Erwerb
von BRAHMA-VIDYA (WISSEN von BRAHMAN), das AVARANA oder
den Schleier der Unwissenheit beseitigt. Die Diskussion um den ADHIKARI (qualifizierte Schüler) ist einer der Hauptaspekte im VEDANTA. Das erste dieser vier SADHANAS ist (1) VIVEKA oder
die eindeutige Unterscheidungsfähigkeit zwischen dem EWIGEN PRINZIP
und dem vergänglichen Universum der Namen und Formen. VIVEKA reift ganz allgemein durch PURVA-PUNYA oder die Wirkung verdienstvoller
Taten in der Vergangenheit, was durch die aktuelle Wahrnehmung von Leid
und Tod beschleunigt wird. 'SAT-SANGA ' ist ein anderes Mittel,
das einen Menschen von dem weltlichen zum Göttlichen Leben hin
transformiert. SAT-SANGA führt zu VIVEKA und VICHARA,
dem Bewußtsein von dieser unangemessenen phänomenalen Welt
und der Erforschung der WIRKLICHEN NATUR der WAHRHEIT. VIVEKA schafft eine Unentschiedenheit gegenüber der Welt und deren Inhalt. Diese Höchste, aus VIVEKA geborene Unentschiedenheit ist das zweite (2) der vier SADHANAS namens VAIRAGYA oder Leidenschaftslosigkeit. Wahres VAIRAGYA ist die Wirkung einer korrekten Unterscheidung und das nicht nur aufgrund eines bloßen Scheiterns im Leben. Wirkliche Leidenschaftslosigkeit ist die Konsequenz aus der Wahrnehmung von der Unbeständigkeit der Dinge, der falschen Existenz scheinbarer Glückseligkeit und der Erkenntnis von der Unterscheidung zwischen der WIRKLICHKEIT und den Erscheinungen. Dieses VAIRAGYA reicht hin bis zu BRAHMALOKA (Wohnstatt' GOTTES), der Höchsten phänomenalen Offenbarung, und legt selbst diese als mangelhaft beiseite. So gesehen ist VAIRAGYA die Abneigung gegenüber allem, was objektiv ist (einschließlich des eigenen Körpers). Es ist nicht möglich, das EWIGE zu lieben, solange es noch einen Glauben in das Vergängliche gibt. UNSTERBLICHKEIT und Sterblichkeit stehen sich unvereinbar gegenüber. Leidenschaft für die Welt und deren Objekte steht im Widerspruch zur Hingabe an das HÖCHSTE SEIN, unvereinbar wie Dunkelheit und Licht. Denn, wo letzteres ist, kann ersteres nicht sein. VAIRAGYA (Leidenschaftslosigkeit) ist der Zugang zum WISSEN dessen, was wahrhaft ist. Die dritte (3) der erforderlichen Ausrüstungen des Strebenden ist SHATSAMPAT oder der sechsfache Besitz innerer Disziplin und Tugenden: (1) Ruhe des Geistorganes (SHAMA), aus VIVEKA und VAIRAGYA geboren, (2) Selbst-Beschränkung (DAMA) oder Sinneskontrolle, das Ergebnis aus der Erkenntnis von der letztendlichen Wertlosigkeit der Formen äußerer Objekte, (3) Beendigung von zerstreuenden Handlungen, die mit der Welt verbunden sind (UPARATI), (4) Tapferkeit (TITIKSHA) oder die Kraft, Angriffe der Natur wie Hitze und Kälte, Hunger und Durst, Lob und Tadel, Verletzung und Ungerechtigkeit usw. zu ertragen, (5) Glaube (SHRADDHA) in GOTT, den Lehrer, die Schriften und die Stimme des eigenen gereinigten Bewußtseins, und (6) die zielgerichtete Geisteskraft (SAMADHANA), d.h., das alleinige Ruhen des Geistes im spirituellen Ideal unter Ausschluß von allem anderen. Dies
sind die sechs spirituellen Eigenschaften, die zusammen als SHATSAMPAT bekannt sind. Diese Tugenden sind alle auf der Grundlage von rechtem
Verständnis oder abgeklärter Intelligenz zu entwickeln und
nicht nur durch bloße Kraftanstrengung. Je umfangreicher und gereinigter
das Geistorgan ist, um so kostbarer und göttlicher ist die Tugend. Das
vierte (4) und letzte der notwendigen Sadhana-Mittel ist MUMUKSHUTVA oder das unbändige Verlangen nach Befreiung aus der Unwissenheit
des endlichen Lebens. Dies sind die vier wichtigen Bedingungen, die
von jedem Anwärter, der sich anschickt, die ABSOLUTE WAHRHEIT zu
verwirklichen, vor dem tatsächlichen Beginn seiner SADHANAS, erfüllt
werden müssen. Und es sei noch einmal darauf hingewiesen, daß
keines dieser SADHANAS, - womöglich unter Aufwendung von roher
Gewalt -, ohne ausreichende und vorausgehende (innere) Reinigung und
einer vorzüglichen Unterscheidungsfähigkeit ausgeführt
werden sollte. DAS AUSFÜHREN DER ÜBUNGEN
Es gibt einige wichtige und allgemeine Prinzipien, die jeder Strebende vor dem eigentlichen Beginn der spirituellen Übungen beachten sollte. Andererseits besteht die Gefahr der verdrehten Vorstellungen und der falschen Praxis. Der Zweck spiritueller Übungen (SADHANA ) ist es, die HÖCHSTE WIRKLICHKEIT zu realisieren und nicht, sich einige psychische SIDDHIS (Kräfte) anzueignen, was die allgemeine Einschätzung gewöhnlicher Strebender zu sein scheint. Aus diesem Grund ist es notwendig, gleich von Beginn an den Zweck des SADHANA zu erkennen, was mit GOTT gemeint ist und was Leben bedeutet. Das Leben, wie es
hier gelebt wird, ist ein beständiges Ringen zum Erwerb von physischer
und egoistischer Glückseligkeit, und zwar durch die Aneignung von
Objekten, wünschenswerten Bedingungen, Name und Ruhm, Macht, Ehre
und Erhöhung usw. Jede Handlung, jedes Wort oder jeder Gedanke
ist unabhängig von der jeweiligen Form, ob bewußt oder unbewußt, auf den Erwerb der Höchsten, Unbegrenzten, Unteilbaren FORM
von GLÜCKSELIGKEIT hin ausgerichtet. Das ist die letztendliche
Bedeutung aller Wünsche und der Liebe. Das Bestreben ist ohne Zweifel
angeboren, doch die Methoden, durch die der Mensch diese Glückseligkeit
zu gewinnen trachtet, sind närrisch, mangelhaft und ungeeignet
zum Erreichen dessen, was erreicht werden möchte. Der Mensch wird
von seinen Wünschen und der Liebe, die er für äußere
Dinge hegt, getäuscht. Wie umfangreich sein Besitz und Ruhm, seine
Ehre und Macht auch sein mögen, sie werden ihm nicht diese Glückseligkeit
verleihen, die jemand tatsächlich benötigt. Ein jeder kennt
die persönliche Erfahrung, daß das, was in der Vergangenheit
als wünschenswert erschien, in der Gegenwart nicht so erscheint.
Und jede denkende Person sollte dazu fähig sein, daraus zu schließen,
wie die Natur solcher Erfahrungen von Gedanken, wie sie gerade jetzt
gedacht werden, um die eigene Glückseligkeit zu fördern, sein
würden. Man sollte sich stets daran erinnern, daß nur jene
Bedingungen als wünschenswert erachtet werden, wie sie dem Glücksgefühl
in der jeweiligen Form einer vergänglichen Transformation der Verstandesfunktionen
entsprechen, und zwar nur für jene blitzartig vorüberziehende
Zeitspanne, in der diese besondere geistige Veränderung (namens
'Glück') stattfindet. Eine Abweichung in dieser geistigen Veränderung
würde eine andere, sich entsprechende Erfahrung erfordern, die
sich natürlich gegenüber der vorangegangenen unterscheiden
müßte. Diese Geistesveränderungen sind zahllos und unergründlich,
weshalb kein Ende der Wünsche und ersehnten Objekte abzusehen ist.
Das Denkorgan nimmt so viele Formen an und fordert ebenso viele Erfahrungen,
wie es versteckte Wünsche und Eindrücke vorangegangener Erfahrungen
gibt, die im Unterbewußtsein angehäuft sind. Und es kann
kein Ende für diese versteckten und übriggebliebenen Eindrücke
geben, da jede neue Erfahrung einen frischen Eindruck zum bereits bestehenden
Vorrat dazugibt. Da jeder Eindruck eine andere, neue Erfahrung anregt,
führt dies zu einer unendlichen Fortsetzung, womit das nie-endende
Leid des sterblichen Individuums eine Erklärung findet, denn auf
diese Weise würde es endlos gezwungen sein, die alten Körper
abzuwerfen und neue anzulegen, um die Bedingungen dieser endlosen Wunsch-Eindrücke
durch zähes Ringen, durch Liebe zum Körper und durch konsequentes
Leid, zu erfüllen. Dieser Prozeß wird der Kreislauf des SAMSARA genannt. Eine endlose, aus Unzufriedenheit geborene Bewegung, die zeigt,
daß ungebrochene Glückseligkeit nicht im Kontakt mit äußeren
Formen der Existenz gefunden werden kann. Strebende werden
ausdrücklich davor gewarnt, sich nach SIDDHIS zu sehnen. SIDDHI ist eine Kraft, und Kräfte sind nur nützlich
zur Erfüllung der eigenen Wünsche und Erwartungen. Ein Wunsch
ist stets ein Wunsch nach äußeren Besitztümern, Objekten,
Zuständen und Bedingungen. Dies wird jedoch schnell als wertlos
und ungeeignet für die Beschaffung beständiger SELBST-ZUFRIEDENHEIT
verwirklicht, denn was das SELBST wirklich benötigt, ist weder
ein Objekt noch eine äußere Umgebung, sondern reine GLÜCKSELIGKEIT.
Wie kann diese GLÜCKSELIGKEIT in das SELBST verpflanzt werden,
wenn sie in äußeren Formen gesucht wird? Was ist das Verhältnis
zwischen dem SELBST und den Veräußerlichungen? In Wahrheit
kann da weder eine Identität noch ein Unterschied bestehen, denn
wenn es identisch ist, verliert das Objekt seinen Objektcharakter; ist
es ein Unterschied, verbleiben die Objekte auf immer getrennt vom SELBST.
Dies beweist die Unmöglichkeit, GLÜCKSELIGKEIT von wirklich
äußeren Dingen zu erwerben und demonstriert ebenso den nutzlosen
Charakter der SIDDHIS. SIDDHIS sind nicht dazu geeignet,
GLÜCKSELIGKEIT zu verschaffen, vielmehr verhindern sie tatkräftig
den Prozeß der SELBST-VERVOLLKOMMNUNG, indem sie den Strebenden
zu der falschen Vorstellung verleiten, daß da objektiv etwas Wirkliches
ist. Deshalb gilt es,
den praktischen DRANG nach VOLLKOMMENHEIT, wie er im Leben vorzufinden
ist, durch eine Methode der selbst-integrierenden Vollständigkeit zu erfüllen, welche jeden nur denkbaren Aspekt der EXISTENZ im
eigenen SEIN beinhaltet. Der Kontakt des SELBST mit der Äußerlichkeit
ist nicht der Weg zur wahren WONNE, vielmehr ist er der Schoß
aller Sorgen. Das einzig richtige Rezept ist daher, Objekt bezogene
Wünsche abzuschütteln, die Erscheinung des Universums, wie
es sich äußerlich darbietet, nicht zu beachten und selbst
zur gesamten EXISTENZ 'zu werden '. Dies muß eine Selbst-seiende,
Selbst-offenbare, Andauernde, Selbst-bewußte und keinesfalls fragwürdige
WAHRHEIT sein; andererseits kann der praktische Drang nach absoluter
Vollkommenheit in den Individuen nicht als solcher angesehen werden.
Es muß eine 'VERWIRKLICHUNG' und nicht eine 'ERRUNGENSCHAFT'
von etwas, das das WAHRE SELBST von jedermann ist, sein. Das SELBST
kann nicht erworben, erreicht oder besessen werden, da es kein Objekt
ist, - ES kann nur verwirklicht werden. Man kann sein SELBST nur 'erkennen ' und nicht 'besitzen'. Der Zweck des Lebens ist einzig und allein diese VERWIRKLICHUNG, - SIE ist das Ziel der Handlungen, der Höhepunkt
der Wünsche, das Ende allen Leides, das Eintreten in immerwährende FREUDE. Die
vorangegangene Lebens-Analyse wird eine angemessene Vorstellung vom
Zweck des SADHANA und der Beschaffenheit von der WIRKLICHKEIT,
der Welt und Seele geben. Das SADHANA soll der VERWIRKLICHUNG
nicht enden wollender, vollkommener WONNE dienen. Diese WONNE wird einzig
im ABSOLUTEN und sonst nirgendwo gefunden. Diese Tatsache ist logisch
geprüft und ebenso durch intuitive Verlautbarungen bestätigt.
Das ABSOLUTE ist das SELBST von allem und deshalb ist die VERWIRKLICHUNG
des SELBST dasselbe wie die VERWIRKLICHUNG des ABSOLUTEN. Es gibt keine
andere Bedeutung für die 'Welt' und das 'Individuum', es sei denn
in Form von Worten, die unterschiedliche Vorstellungen von der EINEN
WAHRHEIT andeuten. Daraus läßt sich ziemlich klar entnehmen,
daß die VERWIRKLICHUNG von BRAHMAN der absolute Höhepunkt
oder die erhabenste Form von Selbstlosigkeit ist; ja mehr noch, sie
ist die tatsächliche Auflösung des Selbst im GOTT-SEIN.
Es ist offenkundig, daß das SADHANA, das zu dieser VERWIRKLICHUNG
ausgeübt wird, mit Rechtschaffenheit, Moral und Tugenden beginnen
sollte. DAS, was 'unteilbar' und 'absolut' ist, kann nur auf der Grundlage
von unparteiischer und ungeteilter UNIVERSELLER LIEBE, Sinnesbeherrschung,
vollkommener Selbstlosigkeit im Fühlen und HÖCHSTER WAHRHEIT
verwirklicht werden. Feindschaft, Falschheit, Sinnlichkeit, Gram, Ärger,
Stolz, Eifersucht, Herrschaftsstreben, Einbildung, Egoismus, Selbstverherrlichung
und Anhaftung stehen im Widerspruch zur WAHRHEIT, daß GOTT das ABSOLUTE SEIN ist, womit diese Eigenschaften den Zugang des Individuums
zum Pfad der VOLLKOMMENHEIT verhindern. Die Einhaltung der Moral-Gesetze
und ethische Übungen sollten den ersten Schritt in allen SADHANAS darstellen. Ebenso sollte die eigene Disziplinierung mit dem geeigneten
Verständnis für den Zweck und die SADHANA-Technik erfolgen;
außerdem sollte die Natur des ZIELES und die vorstellbaren Störungen
und Mittel zur Bekämpfung von Schwierigkeiten verwirklicht werden. SADHANA-TECHNIK Das SADHANACHATUSHTAYA und die anderen Tugenden sollten aus den erläuterten Gründen heraus praktiziert werden, so daß sie als eine kraftvolle Hilfe im eigenen Rückzug vom vergänglichen Körper und der Welt handeln und das Bewußtsein zu der GROSSEN BESTIMMUNG lenken. Wenn am Anfang das Sinnenhafte dieser Übungen, die tatsächlich dazu geeignet sind, den Strebenden auf den Weg der BEFREIUNG zu führen, richtig verstanden wird, dann wird der praktische Vollzugsprozeß intelligent und unbeirrt ablaufen, d.h., die Praxis würde leicht fallen und durch ein Gefühl der Freiheit Ausdruck finden. Ohne die angemessene Kenntnis von der exakten Anatomie, Geschichte und der Zusammensetzung des SADHANA, wirken die Versuche von jemandem eher blind und können nicht viel Gutes bewirken. Ebenso führen solche gedankenlose Routinehandlungen den Strebenden häufig in große Bedrängnis, anstatt ihn zu erheben. Von einem SADHAKA (spirit. Übender) wird nicht erwartet, daß er idiotisch oder närrisch ist, obwohl er dazu aufgefordert ist, blinde Hingabe zu seinen ÜBUNGEN, zu seinem LEHRER und zu seiner GOTTHEIT zu haben. Ein SADHAKA sollte mit einer klaren Geistesgegenwart, Gemeinsinn und dem rechten unterscheidenden Intellekt ausgestattet sein, so daß er nicht durch seine Emotionen und den anderen Bereichen seiner schwächeren Natur abgelenkt wird. Um ein erfolgreicher Strebender zu werden, muß man sich selbst durch die Transformation der niederen menschlichen Instinkte in spirituelle Energie reinigen. Der natürliche Ausdruck dieser nicht-göttlichen Instinkte muß durch verschiedene intelligente Mittel zurückgehalten und in die gewünschte Richtung gelenkt werden. Die wichtigsten dieser selbst umzugestaltenden Methoden sind: (i) OPPOSITION (ii) SUBSTITUTION (iii) TRANSFORMATION und SUBLIMATION 'OPPOSITION' ist das Handeln in einer Weise, die einem umschriebenen Instinkt direkt durch Gedanke, Wort und Tat entgegenwirkt. 'SUBSTITUTION' ist das Zügeln eines Instinktes, indem er durch einen anderen, tugendhafteren ersetzt wird. 'TRANSFORMATION und SUBLIMATION' bewirken das Verschmelzen und Auflösen
des Instinktes in spirituelle Hingabe, yogische Energie und GÖTTLICHES
WISSEN. Die niederen Qualitäten
und üblen Erscheinungen der menschlichen Natur wurzeln in dem Wunsch
nach gieriger Befriedigung des eigenen egoistischen Selbst', auch dann,
wenn es dadurch andere Individuen mit Sorgen überschüttet.
Der, auf andere empfindende Wesen ausgelöste Kummer muß als
Wirkung der GESETZES-Verletzung der UNIVERSALEN HARMONIE notwendigerweise gegen seine Ursache rebellieren, so daß das gestörte
Gleichgewicht wiederhergestellt wird. Es ist hier nicht absolut notwendig,
die Theorie von einem Außerkosmischen Transzendentalen VATER
oder SCHÖPFER aufrechtzuerhalten, der im Nachhinein dem Sünder
eine Strafe auferlegt. Es ist einleuchtend und selbst ohne einen solchen
Glauben ziemlich verständlich, daß Sünden eine Verletzung
der WAHRHEIT von der UNTRENNBAREN EINHEIT der EXISTENZ darstellen, hervorgerufen
durch hartnäckige Ichbezogenheit, Anhaftung an den Körper
und die Bereitschaft, sich dem Ego zu fügen. Die Wiederherstellung
dieser WAHRHEIT, die sich allzeit weigert, unterdrückt zu werden,
sollte logischerweise durch eine Niederlage der schädlichen Kraft
erfolgen, was dem Fluß der umtriebigen Ereignisse gegen die individuellen
Neigungen entspricht. Doch die Neigungen fordern auch energisch ihre
Erfüllung und Sehnsucht nach Erfolg, und wenn ein Sieg über
die WAHRHEIT unmöglich (für sie) ist, dann endet die unaufhörliche
Schlacht, die zwischen der Unwahrheit der individuellen Natur und der
ABSOLUTHEITS-WAHRHEIT tobt, in der leidvollen Wiederholung von Geburt
und Tod des Individuums, das seinen Egoismus aufrechtzuerhalten versucht.
Jeder Gedanke, der sich gegen die UNGETEILTE EXISTENZ richtet, ist wie
eine giftige Lanze, die gegen den Absender dieses Gedankens geschleudert
wird. Er ist wie eine Fessel, mit der man sich bindet, oder wie ein
Gefängnis, in das man sich selbst wirft. Jeder Versuch einer
physischen, verbalen oder psychologischen Handlung, der ein geistiges
Bewußtsein vorausgeht, das direkt oder indirekt den UNTEILBAREN
CHARAKTER des ABSOLUTEN verleugnet, ist Übel. Das ist Sünde
und das ist das eigentliche Verbrechen. Das ist der Irrtum, der die
Leiden des sterblichen Lebens entstehen läßt. Es ist nicht so leicht,
das Böse im Inneren zu entdecken, da der Übende sehr oft mit
der üblen Eigenschaft übereinstimmt, das BEWUSSTSEIN mit dem
ehrgeizigen und nicht unterscheidenden Ego zu verbrüdern. In der
Mehrzahl der Fälle mangelt es an Unterscheidungskraft, und selbst,
wenn sich diese bemerkbar macht, geschieht dies erst nachdem das Falsche
anerkannt wurde. Der Zweck des SADHANA besteht darin, das Denkorgan
davor zu bewahren, sich in seinen gefährlichen Verirrungen zu verlieren,
aus denen für das Individuum die bittere Frucht der Wiederverkörperung
erwächst. Es wird nur nach durchdringender Erforschung für
jemanden möglich sein, ein korrektes Wissen von der Arbeitsweise
der inneren Kräfte zu bekommen, und das BEWUSSTSEIN zur Wahrnehmung
seiner essentiellen WIRKLICHKEIT zu lenken. Die Methode, den Lebensinstinkten
mit einer entgegen wirkenden Kraft zu begegnen, oder das Verfahren der
SUBSTITUTION, wird letztendlich nicht dazu fähig ein, alleine den
erforderlichen Erfolg zu haben. Das SADHANACHATUSHTAYA ist ein
Mittel zur TRANSFORMATION und SUBLIMIERUNG der Relativität in die
ABSOLUTHEIT hinein. VIVEKA (Unterscheidungskraft),
die Grundlage jeden SADHANAS ist eine äußerst kraftvolle,
verändernde, belebende und erleuchtende Spirituelle KRAFT.
Sie hilft den Strebenden zu 'verstehen' und zu 'erkennen'.
Eine Handlung ohne Intelligenz ist wertlos und ein SADHANA ist
unter diesen Vorzeichen nicht einmal seinen Namen wert. In dem Moment,
wo das Licht reiner Intelligenz aufleuchtet, geschieht auch die TRANSFORMATION
des Individuums von der niederen Natur in die Höhere ESSENZ. Sämtliche
Detailpunkte des SADHANACHATUSHTAYA dienen der vollständigen
Zerstörung all jener Merkmale, die dem wahrhaft andauernden WAHRHEITS-BEWUSSTSEIN
entgegengesetzt stehen und die von ihnen abweichen, und zwar nicht zur
Suspension ihres Einflusses durch kriegerischen Widerstand oder durch
Ersatz anhand anderer Kräfte. Solange die niederen Hindernisse
auch nur ein Minimum an Leben zeigen, kann nicht erwartet werden, daß
die Höheren Reiche wirklich vollständig erobert worden sind. Die Liebe für das individuelle, begrenzte, selbstsüchtige Leben wird häufig durch die verwüstenden Wünsche nach Name, Ruhm, Macht, Wohlstand und Sex; durch die tyrannisierenden Forderungen des Körpers, durch den Hang nach Ehre, Anbetung, Erhöhung, Lob und Herrschaft und durch ehrgeiziges Streben in Verbindung mit der objektiven Welt, - was auch immer die spitzfindige Begründung und die raffinierte Verschleierung oder aufpolierte Erscheinung dieser Ambitionen sein mag -, falsch gerechtfertigt. Selbst die Sehnsucht nach Gelehrsamkeit oder Wissenschaftlichkeit ist ein Hindernis für den spirituellen Sucher. Dieser Haufen an Schwierigkeiten muß überwunden werden; alle Wünsche, Bestrebungen und Eigentümlichkeiten müssen im Keim erstickt werden. Je sorgfältiger und vorsichtiger ein SADHAKA ist, desto mehr kann er versuchen, seine Intelligenz zu schärfen und zu vertiefen. Der Notwendigkeit, wachsam zu sein und ein aktives BEWUSSTSEIN zu haben, sind keine Grenzen gesetzt. Genau vor dem Eingang zum Himmel kann es eine Durchgangspforte geben, die zur Hölle führt. Das Boot kann unmittelbar vor dem anderen Ufer sinken. Das Leben eines SADHAKA sollte von unerschöpflichem VIVEKA und VICHARA erfüllt und mit dem durchdringenden Licht des GEREINIGTEN BEWUSSTSEINS gekrönt sein, womit das WAHRE WISSEN und die Erfahrung der innersten Tiefe des Herzens, - dem Boden der WAHRHEIT seines eigenen Wesens -, erforscht und erreicht werden kann. Alle Gedanken, Worte und Handlungen, die nicht zur VERWIRKLICHUNG dieses SEINS beitragen, sollten unter Anwendung der SADHANACHATUSHTAYA-Praxis entlassen werden. Dann wird der Strebende geläutert zu den Füßen des (SROTRIYA) Schrift- und BRAHMAN-Kundigen (BRAHMANISHTHA ) sitzen, um über die Natur der GROSSEN WAHRHEIT zu hören. |
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