Kapitel 2.b - Uddalakas Lehren über das Einssein des Selbst
8. Betrifft den Schlaf, den Hunger, den Durst und das Sterben
„Es gibt noch viel größere Geheimnisse im Menschen
als nur die Nahrung, die man zu sich nimmt. Wir sind nicht nur Nahrung,
Wasser oder Feuer. In uns steckt noch etwas anderes, etwas, das man
nicht so leicht verstehen kann. Jeden Tag geht man schlafen, träumt
und wacht wieder auf. Warum geschieht das? Dieses Phänomen unterscheidet
sich sehr vom Thema Nahrung’. Es gibt also noch einige
andere Elemente bzw. Aspekte in uns. In uns stecken einige wichtige
Wurzeln, die die tiefere Seite unserer Natur ausmachen, d.h. Wachen,
Schlafen und Träumen. Was geschieht, wenn man träumt? Man
weiß es weder so genau, was geschieht, noch weiß man, warum
man schläft. Schlaf bedeutet in Sanskrit Svapiti’.
Svapiti’ heißt soviel wie man schläft’,man
geht’ oder erreicht’. Sva’ bedeutet man
selbst’. Damit ist die eigene Natur gemeint. Vollständig
bedeutet Svapiti, man wird in sich selbst absorbiert. Man wird im Schlaf
man selbst. Darum hat man auch kein Bewusstsein für die äußeren
Dinge. Sata saumya tada sampanno bhavati: Man wird in das wahre Sein,
das man selbst ist, absorbiert. Andererseits im Wachzustand wird man
aus dem wahren Sein, das man ist, herausgezogen, d.h. zu anderen äußeren
körperlichen’ Aspekten
hin. Im Schlaf betritt man sich selbst oder wird zu sich selbst, doch
weiß man nichts über sich selbst. Das ist der Schlaf. Man
hat sich selbst von allen äußeren Verbindungen und Beziehungen
zurückgezogen. Warum geschieht das? Warum sind wir dazu gezwungen?
Man bezieht sich hier auf eine Analogie. Betrachten wir beispielsweise
einen Vogel, dessen Beine zusammengebunden und an einen Pflog befestigt
wurden, wobei das Band relativ lang ist. Dieser Vogel versucht nun
davon zu fliegen. Wie weit kommt er wohl? Natürlich kommt er nur
so weit, wie es ihm das Band erlaubt. Darum versucht es der Vogel nun
in alle Richtungen, doch kann er nicht über die Grenze bzw. die
Länge des Bandes hinaus. Er sucht nach seiner Freiheit, doch er
findet keinen Weg dorthin, da seiner Bewegungsfreiheit Grenzen gesetzt
sind. Nachdem er es in alle Richtungen versucht hat, ist er erschöpft
und kehrt zum Ausgangspunkt zurück, wo seine Füße bzw.
Beine angebunden sind. Er wird von etwas kontrolliert, dessen er sich
nicht bewusst ist. Darum sucht er sein Glück woanders, außerhalb.
Dieses vollführt der menschliche Geist tagtäglich. Er ist
an einen Pflock’ gebunden, der die Wurzel seines Daseins
darstellt. Doch er kennt nicht die Wirklichkeit. Darum versucht er
es, wie der Vogel, in alle Richtungen in der Welt, sucht nach Glück
und Freiheit. Doch er findet nichts dergleichen. Er findet einfach
nicht, wonach er sucht. Den ganzen Tag über arbeitet er von morgens
bis abends und ist auf der Suche. Doch er findet nicht, was er möchte.
Dann wird er müde und zieht sich dorthin zurück, wo er hergekommen
ist, wohin er wirklich hingehört, von wo er ein wirklicher Ausdruck
und von dem er untrennbar ist.
Was geschieht dann? Tagsüber ist man etwas Anderes als das, was
man wirklich ist. Man ist irgendwie künstlich, verhält sich
fremdartig, und ist darum ruhelos im Geist. Der Geist hüpft wie
ein Vogel von Ort zu Ort, von Objekt zu Objekt. Er hat seine Anbindung
vergessen und weiß nicht, wo er wirklich steht. Doch wie lange
kann das so weitergehen? Früher oder später ist er erschöpft
und kehrt zu seiner Quelle zurück. Der Geist muss sich aufgrund
seines Erschöpfungszustandes jeden Tag zurückziehen, was
eine Konsequenz seiner unermüdlichen Suche nach Freiheit ist,
die er in der äußeren Welt sucht. Dieses Beispiel wird hier
zitiert.
Man findet keine Unterstützung in dieser Welt, ausgenommen im
eigenen Selbst, wie der Pflock, der beim Vogel den Ruheplatz darstellt.
Doch daran kann sich niemand erinnern. Man sucht die Hilfestellung
außerhalb, und geht darum jeden Tag weiterhin zur Arbeit, um
mit den äußeren Dingen in Berührung zu kommen. Doch
man findet dort keine Unterstützung. Man kann letztendlich draußen
in der Welt keine Unterstützung finden. Wo auch immer man hingeht,
jeder ist des Besuchers überdrüssig. Jeder hat mit sich selbst
genug zu tun. Was geschieht dann? Das Experiment schlägt fehl
und man geht wieder nach Hause, denn man ist weder gern gesehen noch
wird einem geholfen. Es gibt ein Zuhause, dass man betritt, wenn man
die Wahrheit der Dinge erkannt hat. „Ich habe überall mit
Hilfe meiner Freunde gesucht. Ich habe nirgendwo etwas gefunden. Ich
gehe nach Hause.“ Genau das macht man, wenn man sich Schlafen
legt; doch man lernt dadurch nichts. Man weiß nicht, warum man
im Leben erschöpft ist. Wenn der Grund dafür klar wäre,
dann hätte man aus dem vergeblichen Bemühen des irdischen
Strebens etwas gelernt. Doch man versteht nicht, was vor sich geht.
Man fühlt sich nur erschöpft, und der Grund wurde niemals
wirklich erkannt. Jeden Tag wird der gleiche Fehler gemacht, und immer
wieder geht man abgespannt nach Hause. „Darum schläft man“,
sagt der Vater zu seinem Sohn. Man kehrt zurück zu dem, was man
ist, anstatt draußen im Nicht-Sein nach Hilfe zu suchen. Der
Geist ist im wahren Sein verwurzelt, der unsere wesentliche Natur darstellt,
und den man im Schlaf betritt. Das ist der Schlaf, die substanzielle
Basis.
Warum ist man hungrig, und warum durstig? Dieses beruht wiederum auf
die Aktivitäten der drei Elemente im Körper. Sie sind, wie
gesagt, die drei vorherrschenden Offenbarungen, d.h. Feuer, Wasser
und Erde. Sie arbeiten irgendwie in unseren Körpern. Darum ist
man hungrig oder durstig. Was ist dieser Hunger, und was ist dieser
Durst? „Nun mein Junge höre mir wieder genau zu. Ich werde
dir erklären, was Hunger und Durst sind.“ Man schiebt sich
immer wieder große Brocken von Nahrung in den Körper, die
verdaut werden, doch nach einiger Zeit ist man wieder hungrig. Warum?
Das Wasserelement verflüssigt die feste Nahrung und zieht die
wertvollen Inhaltsstoffe aus der Nahrung. Nichtverwertbare Inhalte
werden ausgeschieden. Darum fühlen wir uns wieder hungrig und
es beginnt wieder von vorn. Im Sanskrit heißt Hunger Asanaya.
Wasser (naya) transportiert Nahrung (asa) und verursacht Hunger. Ein
Kuhhirte wird Gonaya, ein Stallbursche für Pferde wird Asvanaya
genannt. Jemand, der Menschen leitet, wird als Purusanaya bezeichnet.
Da das Wasser die Nahrung an den richtigen Ort führt, wird es
Asanaya genannt. Der Körper ist die Folge und das Wasser die Ursache;
es gibt keine Folge ohne Ursache.
„Diese Auflösung der Nahrung im Wasserelement im Körper
ist ein Indiz dafür, dass feine Kräfte am Werk sind. Kräfte,
die sich nicht im Verdauungskanal aufhalten, sondern viel subtilere
Kräfte. Von den Auswirkungen kann man auf die Ursachen schließen.
Dadurch, dass die Nahrung durch das Wasser aufgelöst und durch
die Aktivität des Wassers weiter nach innen geschleust wird, verspürt
man Hunger und ebenfalls Durst. Das Wasser wird durch das Feuerprinzip
in unserem Körpersystem getrocknet bzw. absorbiert. Das Feuerprinzip
saugt das Wasserprinzip auf und man fühlt sich dadurch durstig.
Das, was letztendlich übrig bleibt, sind Hitze und Energie, die
durch die aufgenommene Nahrung erzeugt werden. Was ist die Hitze? Es
ist die Hitze des Feuers, die Energie aus der Nahrungsaufnahme. Dadurch
fühlt man sich nach der Nahrungsaufnahme gekräftigt, und
dass ist wiederum der Grund für den späteren Hunger und Durst.“
Alles in unserem Körper besteht aus Feuer, Wasser und Erde. Was
als Hunger bezeichnet wird, ist nichts weiter als die Auflösung
der festen Nahrung durch das Wasserelement und dessen Auflösung
in unserem System. Was man als Durst bezeichnet, ist, in ähnlicher
Weise wie beim Hunger, die Auflösung des Wasserelements durch
das Feuerprinzip in unserem System. Der Effekt wird durch die Ursache
aufgelöst und in das eigene Selbst absorbiert. Dieser Prozess
setzt sich solange fort, bis alle Folgen in der absoluten Ursache aller
Dinge aufgelöst wurden, wo sie absolut und vollkommen fortbestehen.
Worin besteht diese absolute Ursache? Die absolute Ursache ist etwas,
das nicht in eine höhere Ursache aufgelöst werden kann. Der
Auflösungsprozess hört auf, wenn die absolute Ursache erreicht
wurde. Die grobstofflicheren Formen werden in subtilere aufgelöst,
und die subtileren Formen erreichen den Kausalzustand, die so genannte
absolute Ursache aus empirischer Sicht. Diese absolute Ursache löst
sich in das Absolute auf, d.h. worin sich alles auflöst. Das Individuelle
wird so wie es ist darin aufgelöst. Es wird in die absolute Wirklichkeit
umgewandelt. Darum gibt es eine Auflösung gröberer Elemente
der Erde in das Wasserelement, des Wasserelements in das Feuerelement
und des Feuerelements in die absolute Wirklichkeit, die als Sat oder
reines Sein bezeichnet wird. Es ist das Original aller Dinge, aus dem
die Vielheit entsteht, um sich durch die Instrumente der dreifachen
Struktur des Universums aufzufächern, dessen Inhalte Feuer, Wasser
und Erde sind. Alles ist letztendlich im Sein verwurzelt. Dieses ist
es, was Uddalaka seinem Sohn erläutert hat.
Wenn wir die Quelle von allem in reinem Sein erkennen, werden wir
sie nirgendwo anders suchen bzw. finden wollen. Im reinen einfachen
Sein hat alles seine Wurzel. All diese Verschiedenartigkeit der Schöpfung
hat ihren Ursprung im Sein, das sich in keine höhere Ursache auflösen
kann, denn nichts ist erhabener als das Sein. Alles ist ein Effekt
bzw. Ausdruck dessen, doch das Selbst ist kein Ausdruck von irgendetwas
anderem. Die Allgemeinheit der Existenz steht hinter jedem einzelnen
Objekt. Man nennt es Sat oder Satta, manchmal auch Satta samanya, das
allgemeine Sein in allen erschaffenen Objekten als wesentliche Essenz.
Alles Individuelle, jedes Einzelne, kann sich in der ursprunglosen
Ursache auflösen. So wie sich alle Arten von Möbel in die
Ursache Holz’ auflösen lassen, so verhält es
mit allen hergestellten Gütern. Es besteht in allen Effekten ein
Drang zur Quelle zurückzukehren. Dieses nennt man den Evolutionsprozess.
Für einen Effekt ist es, aufgrund der Anziehungskraft der Quelle
unmöglich, in sich selbst zu ruhen. Diese Anziehungskraft wird
im Unterbewusstsein verspürt und findet unaufhaltsam im gesamten
Universum statt. Sie ist in allen Schöpfungen gegenwärtig,
in organischen und unorganischen Stoffen gleichermaßen. Und darum
kann nichts seinen Frieden in dieser Welt finden. Alles ist ruhelos,
ständig in Bewegung, steht unter Spannung und trägt in sich
eine Neigung, um über seine objektorientierten Grenzen hinauszuwachsen.
Darum herrscht in der Welt auf jedem Gebiet eine solche niemals enden
wollende Aktivität. Alles möchte seine eigenen Grenzen überschreiten
und immer höhere Objekte erreichen, bis es zum reinen Sein gelangt.
Das Streben nach etwas Neuem, sich selbst zu übertreffen, besser
zu werden oder auf etwas Größeres hinzubewegen, liegt an
der eigenen Beschränkung, d.h. der Endlichkeit aller Dinge. Dieses
ist das Indiz für die Existenz einer Quelle jenseits von allem.
Wenn es keine absolute Ursache/ Quelle gäbe, gäbe es auch
keine Bewegung der Effekte in Richtung auf etwas anderes und es gäbe
auch kein Gefühl von Endlichkeit. Es gäbe kein Streben, keine
Wünsche und überhaupt keine Aktivitäten.
Dieses ist der philosophische Hintergrund, zu dem unser Geist durch
die Erklärungen des Heiligen Uddalaka getrieben wird, Wenn er
sagt, dass das Erdelement sich im Wasserelement, das Wasserelement
sich im Feuerelement und das Feuerelement sich im reinen Geist, der
ursachenlosen Ursache der Dinge auflöst. Alles hat seine Heimstatt
im Sein und alles ist im Sein verwurzelt. Alles ist mit dem Sein in
irgendeiner Weise verbunden, so wie die Zweige eines Baumes mit dem
Stamm verbunden und von ihm abhängig sind. Der Stamm ist wiederum
mit der Wurzel verbunden, die sich aus dem Samen entwickelt hat, in
dem bereits die gesamte spätere Entwicklungsmöglichkeit des
Baumes enthalten ist. Die Großartigkeit des Baumes ist also in
einem kleinen unbedeutenden Ding enthalten, den man als Samen bezeichnet.
Es wurde bereits erklärt, wie die drei Grundelement in bestimmten
Proportionen vermischt werden und das objektive Universum so wohl als
auch den subjektiven Körper eines Individuums bilden.
Die Essenz der Dinge, dieser Hintergrund aller Objekte und diese unsichtbare
Ursache, die über allem schwebt und hinter allem steht, ist das
Selbst allen Seins. Dieses ist der Atman aller Dinge, und alles in
der Welt hat dieses als sein Selbst. Alles bewegt sich in Richtung
des Selbst von sich selbst. Wohin bewegen wir uns? Wir bewegen uns
in Richtung unseres Selbst. Wir bewegen uns nirgendwo anders hin. Darum
hat auch die so genannte Evolution keine andere Bewegungsrichtung.
Es ist eine Bewegung zum eignen Selbst, das selbst in Bewegung ist.
Die ganze Schwierigkeit liegt darin zu lokalisieren, wo sich dieses
Selbst befindet. Befindet es sich drinnen oder draußen, in mir
oder in dir, oder befindet es sich irgendwo anders? Dieser Punkt wird
im nächsten Abschnitt der Upanishad besprochen. Diese Bewegung
der Welt und die Neigung der Dinge sich zu bewegen, der gesamte Auflösungsprozess
bis hin zur Ursache, ist letztendlich ein Indiz dafür, dass alles
durch das Selbst zu sich selbst gezogen wird. Das subtilste der Dinge
ist das reine und einfache Sein, und dieses Sein, das Sat genannt wird,
ist auch der Atman aller Dinge. An dieser Stelle wird ein Hinweis dazu
gegeben, wo sich das Selbst befindet, auch wenn es nicht genau erklärt
wird, wo genau es sich befindet. Es wurde bereits gesagt, wo das Sein
ist, und jetzt wird das Sein mit dem Atman, das Selbst, identifiziert.
Darum ist das Sein dort, wo das Selbst natürlicherweise ist. Und
es wurde bereits gesagt, dass das Sat, das reine Sein, das Satta-samanya
ist, und darum muss es überall sein. Darum ist das Selbst überall.
Wohin wird man nun gezogen, wenn man durch das Selbst zu seinem Selbst
gezogen wird? Welches Objekt zieht uns? Alles zieht uns von allen Seiten
gleichermaßen. Darum ist es nicht das Eintreten einer Sache in
eine andere, nicht einmal das Eintreten des Individuums in den Kosmos.
Es ist nichts Inneres im empirischen Sinne, d.h. nichts Inneres, das
sich in einem anderen körperlichen Ding befindet. Es ist ein metaphysisches
Inneres, ein spirituelles Inneres, das für den Geist unsichtbar
bleibt. Es kann mathematisch nicht erfasst werden, so als wäre
etwas in etwas anderem enthalten. Es ist das Selbst aller Dinge in
einer neuen Sache, unmöglich in Worte zu kleiden. Es ist diese
universale Selbstheit, die die Ursache aller Dinge ist und zu dem sich
alles hinbewegt. -
„Oh, Svetaketu, du bist untrennbar damit verbunden; du kannst
nicht außerhalb davon sein. So wie alles aus IHM hervorgegangen
ist, so bist auch du aus IHM hervorgegangen. Durch den Prozess der
drei Elemente, wurde dein Körper geformt. Alles, was du als individuelle
Persönlichkeit bist, ist ein Muster, das aus dem Sein stammt und
weiter mit den drei Elementen verwoben ist, die ebenfalls aus dem Sein
kommen. Das, was du als dein Selbst, mein Selbst oder als irgendetwas
ansiehst, bezieht sich auf das Selbst und sind Muster des Seins. Diese
Muster können nicht außerhalb des Seins stehen. DAS ist
das Selbst allen Seins und darum bist auch du DAS. Du kannst dich nicht
außerhalb von IHM befinden oder anders als ER sein. Das ist dein
Selbst, und du bist DAS. Oh, Svetaketu, zu dem Schluss, zu dem man
durch die Analyse der drei Elemente kommt, ist die Existenz des reinen
Seins, das der Hintergrund von allem ist was existiert.“ So sprach
Uddalaka.
Svetaketu sagte daraufhin: „Diese Dinge hat mir mein Lehrer
nicht erzählt. Ich bitte dich um weitergehende Instruktionen über
das Sein. Du hast mich damit erschreckt, dass ich Eins mit dem Sein
sein soll. Dieses ist noch schwerer zu verstehen, als würde das
Sein auch andere Seins beinhalten, die man als verschiedene Objekte
der Schöpfung bezeichnet. Du hast mich mit anderen Objekten vermischt
und mich in das Sein einbezogen, so wie alles in ein Monstrum zusammengeworfen
und in einem Topf verschmolzen wird, wo alles Verschiedene zu einem
Sein wird. Ich brauche weitere Erklärungen. Wie kommt es, dass
alles im Sein eins wird? Woraus besteht dieses Sein, wohin sich alles
bewegt, um dann eins zu werden? Was ist das für ein Prozess, der
alles wieder eins werden lässt? Wie kommen alle so genannten Seins
zusammen und verschmelzen dann in dieses eine Sein, wenn sie es erreicht
haben?“ Die folgenden Abschnitte beinhalten Uddalakas weitere
Erklärungen.
9. Der innewohnende Geist
Was geschieht mit den Individuen, wenn sie das Sein erreichen? Die
Erklärung wird mithilfe eines Vergleichs dargestellt. Der Vater
sagt zu seinem Sohn: „Der Blütennektar wird von den Bienen
eingesammelt und durch bestimmte chemische Prozesse in ihren Körpern
zu Honig verwandelt. Dieser Honig beinhaltet die Essenzen bzw. den
Nektar verschiedenster Blumen. Der Honig ist eine Mischung all dieser
Essenzen von hunderten von Blumen. Doch im Honig kann man die unterschiedlichen
Blumenarten nicht mehr ausmachen. Wenn die Essenzen der unterschiedlichsten
Blumen zu Honig werden, werden sie zu einer einzigen Substanz. Keine
der vielen Blumenarten ist in einer Honigmischung weder zu erkennen
noch könnte sie isoliert werden. Hätte jeder Nektar einer
Blume zuvor ein individuelles Bewusstsein gehabt, so wäre es mit
dem Honigbewusstsein zu einem neuen Bewusstsein verschmolzen worden.
Diese Arbeit wurde von den Bienen verrichtet. Sie haben die Auflösung
der individuellen Bewusstseinsformen des Nektars der verschiedenen
Blüten bewirkt und zu einem neuen Bewusstsein als Honig geformt.
Vergleichbares geschieht mit allen Individuen, wenn sie in das reine
Sein übergehen. Sie werden in das reine Sein zurückgezogen,
so wie sich die Essenz der individuellen Blumen im Honig aufgelöst
hat. Wenn die Individuen/ Menschen in das reine Sein übergehen,
beendet dies ihre individuelle Existenz. Die Essenz der Blumen existiert
im Honig, doch sie verliert das Bewusstsein für ihre individuellen „Gedanken“.
Ich bin diese oder jene Blume’ usw. Ähnlich verhält
es sich mit der individuellen menschlichen Seele, wenn sie in das reine
Sein eintritt. Doch auch sie verliert ihr individuelles Bewusstsein
des ich bin dieser oder jener Mann oder jene Frau, Herr Soundso
oder Frau Soundso’. Alles Bestimmte verliert seine Existenz.
Alles Individuelle wird zur reinen Grundsubstanz des Seins, wie ihn
der Honig in diesem Beispiel darstellt. Das Selbstbewusstsein, das
die individuelle Natur ausmacht, hört auf zu existieren. Das geschieht,
wenn wir in das reine Sein eintreten.
Zum Eintritt des Individuums in das reine Sein, gibt es eine wichtige
Anmerkung. Es gibt zwei Formen des Eintritts, d.h. ein unbewusstes
und ein bewusstes Eintreten. Im Tiefschlaf berührt man die Natur
dieses reinen Seins. Man stolpert quasi hinein. Man ist sich dessen
nicht bewusst und löst sich darin auch nicht auf, doch man berührt
es auf mysteriöse Art und Weise. Das Individualbewusstsein ist
ohne Zweifel aufgehoben, und doch wird es nicht wirklich zum universalen
Bewusstsein. Es wird sozusagen zum Unbewusstsein. Es gibt so etwas
Normales zwischen diesem Unbewusstsein und dem absoluten Bewusstsein.
Dieses liegt in diesem Zustand begründet, wo beide kein geteiltes
Bewusstsein mehr besitzen. Und doch herrscht ein großer Unterschied.
Ein Philosoph bemerkte einmal humorvoll, dass die Ähnlichkeit
zwischen dem Unterschied des universalen Bewusstseins und dem Tiefschlaf
wie bei dem lieben Gott und einer Katze ist. Es gibt Ähnlichkeiten,
ohne Zweifel, und doch kennen alle den Unterschied. Aufgrund der Unfähigkeit
sich in das Sein aufzulösen, kommt man aus diesem Zustand wieder
zurück. Selbst beim Tod ist man sich des Eintritts in das Sein
bewusst. Man ist weder in der Lage, die Bedingung des Tiefschlafs noch
des Todes selbstständig fortzusetzen, d.h. man ist weder in der
Lage, aufgrund der Existenz, des Potenzials, in Form von subtilen Eindrücken
unerfüllter Wünsche, in einen Wachzustand in diesen Körper
noch zur Wiedergeburt in einer anderen Körper zurückzukehren.
Wenn man aus dem Schlaf erwacht ist man wieder derselbe wie zuvor.
Ein Tiger ist nach dem Aufwachen immer noch derselbe Tiger wie vor
dem Einschlafen. Das gleiche gilt für Moskitos und alle anderen
Geschöpfe. Obwohl sie im Tiefschlaf kein Bewusstsein besitzen
und sich mit dem reinen Sein verbunden haben, werden sie nicht etwas
Anderes, wenn sie wieder erwachen. Welche Natur man auch hat, man kehrt
in das ursprüngliche Individuum zurück, auch wenn ein unbewusster
Kontakt zur absoluten Wirklichkeit im Tiefschlaf bestanden hat.
Dieses reine Sein ist das Selbst aller, egal ob man sich dessen bewusst
ist oder nicht. Das ist etwas Anderes. Doch es ist das Sein, das hinter
all unseren Aktivitäten steht, sei es im Schlaf, bei Geburt und
Tod oder hinter dem gesamten Prozess der universalen Evolution. Es
ist das Selbst, das in die Aktivitäten in Form von Geburt, Tod
und Inkarnation gefangen ist. Dieses hört solange nicht auf, bis
sich letztendlich alles durch Hinterfragen und Meditation in das absolute
Sein aufgelöst hat. Dieses ist das bewusste Eintreten in das Sein,
während das unbewusste Eintreten im Tiefschlaf und beim Tod stattfindet.
10. Der innewohnende Geist
am Beispiel der Flüsse und der Ozean
Es gibt viele Flüsse, wie zum Beispiel Mutter Ganga, Sarasvati,
Yamuna, Krishna usw. Sie alle münden in denselben Ozean und gehen
damit in dasselbe Gewässer ein. Nachdem sie in den Ozean eingeflossen
sind, geben sie ihre Individualität auf und sind nicht mehr länger
Ganges, Yamuna usw. Wenn man ein Glas Wasser aus dem Ozean schöpft,
kann man nicht mehr feststellen, aus welchem Fluss dieses Wasser ursprünglich
stammt. Warum? weil die unterschiedlichen Charaktere der einzelnen
Flüsse im Ozean verloren gegangen sind. Nachdem jeder dieser Flüsse
in den Ozean geflossen ist, kann keiner mehr von sich behaupten, er
sei Ganges, Yamuna usw. Die Verschiedenartigkeit der einzelnen Flussgewässer
hat sich vollständig von seinen Wurzeln gelöst und verwandelt.
Alles wurde zu einem Ozean. Dieses ist eine Analogie, um darzulegen,
was reines Sein bezogen auf die verschiedensten Individuen bedeutet.
Alle erschaffenen Körper, wie in diesem Beispiel die Flüsse,
tendieren zum Ozean des Absoluten. Ihr Erreichen des reinen Seins,
d.h. das Absolute, ist das Münden in den Ozean. Die Flussgewässer
werden zu Ozeanwasser, und sie wissen nicht mehr, wo sie sich befinden,
und doch sind sie da. Man kann nicht sagen, sie wären im Ozean
nicht vorhanden. Sie sind dort. Darum ist das keine Verleugnung der
Individualität, sondern eine Verwandlung. Die Flüsse wurden
auch nicht zerstört, sondern sie haben sich in das größere
Sein aufgelöst, in eine größere Wirklichkeit ihres
Selbst, was das Selbst ist. Man könnte sagen, der Ozean ist das
Selbst der Flüsse, in den sie gehen bzw. fließen und sich
auflösen, was letztendlich auch geschieht. So ähnlich verhält
es sich auch mit uns, mit allen Individuen. Alles Sein in der Schöpfung
neigt zum Ozean des absoluten Seins. Wenn die erschaffenen Individualitäten
dorthin gehen, sind sie nicht mehr voneinander zu unterscheiden, denn
sie werden Eins mit dem Sein.
Wenn sie in das Sein gegangen sind und wieder zurückkommen, dann
wissen sie nichts mehr davon. Sie haben Es berührt, sind entweder
in das Sein eingetreten oder wurden im Tiefschlaf eins mit IHM, doch
sie wissen nichts davon. Es ist so, als wären ihre Augen verbunden
gewesen. Jeder weiß von sich, wer er ist, wenn er zurückkommt.
Niemand hat ein anderes Bewusstsein. Wer oder was auch immer er zuvor
waren, Tier oder Mensch. Das, was man war, wird man auch wieder nach
dem erwachen. Als diese besonderen Spezies und die besonderen Körper,
mit dem sie entweder eingeschlafen oder gar gestorben sind, erwachen
sie oder werden als diese Spezies wiedergeboren. Dieses geschieht aufgrund
der Gegenwart des subtilen Körpers, der nicht durch das absolute
Wissen zerstört wurde. Nachdem sie entweder aus dem Tiefschlaf
erwacht sind oder nach ihrer Wiedergeburt in einem anderen Körper
sind sie sich nicht mehr bewusst, dass sie aus dem Sein hervorgegangen
sind.
Dieses ist die Wirklichkeit, dieses ist das Sein aller Dinge und auch
du bist DAS. „Erzähle weiter“, sagte der Junge. „Es
scheint, dass du mit deinen Erklärungen schon am Ende bist. Doch
es gibt noch mehr. Wie verhält es sich mit dem Leben allen Seins?
Das, was du als die Existenz oder das Sein aller Dinge bezeichnest,
ist auch die Lebendigkeit in allem. Ist es das, was als Leben bezeichnet
wird. Man sagt, da ist Leben oder kein Leben darin. Ein Baum lebt,
doch ein Stein hat kein Leben. Was bezeichnet man als lebendig? Offenbart
sich das Sein selbst nicht in allen Dingen gleichermaßen? Offenbart
es sich in einigen Dingen mehr als in anderen? Es scheint, dass es
zum Beispiel eine größere Offenbarung der Wirklichkeit bei
Pflanzen als bei den Mineralien gibt. Bitte erkläre mir das, damit
meine Zweifel zerstreut werden.“
11. Der innewohnende Geist
am Beispiel eines Baumes
Es muss vor dem Haus von Uddalaka ein großer Baum gestanden
haben, denn er sagte: „Sieh’ dir diesen großen Baum
vor unserem Haus an. Angenommen, man würde einen dicken Ast abschlagen.
Er würde sofort zeigen, dass er Leben in sich hat. Saft würde
an der Schnittstelle austreten, denn in ihm steckt Leben. Dieses würde
an jeder Schnittstelle geschehen, am Hauptast, an einem kleinen Ast
oder an welcher anderen Stelle auch immer. Seine enorme Größe
kommt von dem Leben, das in ihm steckt. Im Herbst werfen die Bäume
ihre Blätter ab, dann ist die gesamte Pflanzenwelt höchst
erfreut. Was bedeutet das? Woher kommt das Glück, dass wir im
Angesicht eines wunderschön blühenden Baumes empfinden. Es
ist die Offenbarung des Lebensprinzips in ihm. Es ist das Wirken des
Jiva, jener Essenz, die wir als Leben bezeichnen. Dieses kann man auf
keine andere Weise erklären. Niemand weiß, was dieses Leben
ist. Man kann nicht einfach sagen, es gibt Leben, das ist alles. Doch
was versteht man unter Leben? Leben ist Leben. Es kann mit keinem anderen
Wort erklärt werden. Es gibt keine Definition, nichts Vergleichbares.
Leben kann mit nichts verglichen werden, denn es gibt nichts Vergleichbares.
Es ist in seiner Natur einzigartig. Es steht allein für sich selbst.
Wir sprechen einfach vom Leben, so als wäre alles klar. Es gibt
Leben und wir führen ein Leben. Doch was ist Leben? Niemand weiß es.
Niemand kümmert sich darum, etwas damit anzufangen, denn es ist
letztendliches Sein. Es kann durch keinen höheren Bezug erklärt
werden. Darum existiert der Baum, wirkt der Baum, lebt der Baum aufgrund
seiner Lebendigkeit, was man auf das reine Sein beziehen kann. Dieses
ist nicht nur im Baum, sondern überall gegenwärtig. Wenn
das Leben im Baum stirbt, vertrocknet er. Wenn man einen vertrockneten
Ast am Baum sieht, dann hat sich das Leben aus diesem Ast entfernt.
Weitere Äste können vertrocknen. Letztendlich vertrocknet
der Stamm und der ganze Baum stirbt damit ab. Das ist es, was man als
normales Leben bezeichnet.
Das, was man als Sterben bezeichnet, ist das Verlassen des Lebenselixiers,
der Lebendigkeit, aus einem bestimmten Körperteil. Darum bedeutet
der Tod nicht, dass das Lebensprinzip an sich aufhört. Das Leben
selbst stirbt nicht. Die Lebenskraft wird auf eine andere Ebene transferiert.
Sie wurde aus einer bestimmten Formation zurückgezogen. Das ist
alles. Das Leben, das eine Offenbarung des reinen Seins ist, wurde
aus einer bestimmten Offenbarung, genannt Körper, zurückgezogen.
Darum sagt man von einer bestimmten Form, sie stirbt. Sie wurde von
der Essenz, der Lebenskraft, getrennt. So verhält es sich mit
allen Dingen, uns eingeschlossen. Ist das verständlich?
Dieses ist nur ein Beispiel. Aus dieser Analogie kann man alles implizit
folgern. Wir sind alle, wie die Bäume, die menschlichen Körper,
mit dieser Lebenskraft beschenkt, und wir sterben, wenn dem Körper
diese Lebenskraft wieder entzogen wird. Diese Essenz ist das Sein,
der Atman aller Dinge. Alles in dieser Welt, alles in dieser Schöpfung
hat dieses als sein Selbst. Es gibt nicht viele Selbst. Obwohl es viele
Körper, Formen, Individuen gibt, ist das Selbst nur EINS. Darum
kommt alles in dieses absolute Selbst zurück, woher es gekommen
ist, und wohin es sich neigt. „Bitte erkläre mir weiter“,
bat der Junge, und der Lehrer fuhr fort.
12. Der innewohnende Geist
am Beispiel des Banyanbaumes und seiner Saat
Dort vor dem Kutir (Haus) steht ein Banyanbaum. Der Banyanbaum ist
riesig groß, trägt aber nur winzig kleine Früchte.
Der Vater bat seinen Sohn, ihm ein paar Früchte zu bringen. Der
Vater brach eines der Früchte auf. „Nun was siehst du“,
fragte er seinen Sohn. „Kleine Körnchen“, antwortete
der. Man muss sich das einmal genauer anschauen. Wie viele Früchte
trägt der Baum? Wie viele Saatkörner befinden sich in jeder
Frucht? Unzählige winzig kleine Saatkörnchen. Und man kann
diese winzigen Saatkörnchen einmal mit solch einem großen
Banyanbaum vergleichen. „Welch’ kleine Früchte und
was für winzigkleine Saatkörnchen“, stellten Vater
und Sohn gleichermaßen fest. „Und nun teilen wir ein solches
winziges Saatkörnchen“, sagt der Vater. Es ist außerordentlich
schwierig es zu teilen. Man kann es nicht einmal in der Hand halten,
denn wenn man es mit der Hand ergreifen will, entgleitet es sofort.
Irgendwie brachte es der Sohn dann doch fertig, ein Saatkörnchen
zu teilen. „Ich habe es geschafft“, rief der Sohn freudig. „Was
siehst du jetzt?“ fragte der Vater. „Ich sehe überhaupt
nichts“, bemerkte der Sohn.
Mit bloßem Auge sieht man nichts. Man könnte vielleicht
etwas kaum sichtbares Geleeartiges als Essenz ausmachen. Unter einem
guten Mikroskop kann man noch eine halbwegs flüssige Masse erkennen.
Ein fester Kern ist nicht zu sehen. „Was siehst du dann?“ fragte
der Vater seinen Sohn. „Eigentlich kann ich überhaupt nichts
erkennen“, antwortete sein Sohn.
Der Vater erklärte seinem Sohn: „Weißt du denn, was
sich in dieser Saat befindet? Es ist ein großes Wunder. Du sagtest,
du könntest nichts erkennen. Es ist praktisch unsichtbar, als
würde es aus deiner Sicht nicht existieren. Dieses scheinbar nicht
existierende etwas, diese kleine winzige Essenz dort in der kleinen
Saat wurde zu dem großen ausladenden Baum. Wie ist das möglich?
Ist es nicht ein Wunder, dass sich ein so riesiger Baum aus so einem
kleinen Stückchen Gelee entwickeln kann? Nun schau’ dir
dieses Wunder an. Bitte hab’ Vertrauen in das, was ich sage,
und geh’ meiner Analogie auf den Grund.“
Diese kleine so genannte subtile Essenz durchdringt den gesamten
Baum. Wie ist das möglich? fragt man sich. Nun, es gibt nichts,
was nicht in dieser subtilen Essenz vorhanden ist. Der so genannte
große Baum ist nichts weiter als das, was nicht schon in dem
winzigen Saatgut vorhanden ist. So verhält es sich auch mit dem
gesamten weiten Universum. Es heißt, dieses Universum sei so
groß, so gewaltig, so grobstofflich oder so unkontrollierbar.
Dieses ist genauso, als würde man dabei über diesen riesigen
Baum sprechen. Doch woher stammt er? Er ist aus der sehr kleinen beinahe
atomhaft großen Saat entstanden. Das ist das Sein, die Essenz
des riesigen Baumes dieses Universums. Darum ist dieses Sein, diese
Essenz des ganzen Universums, das Selbst des ganzen Universums. Diese
winzige geleeartige Masse im Saatkorn ist das Selbst dieses großen
Baumes. Es ist der Atman des Banyanbaumes, denn aus dem Saatkorn ist
alles hervorgegangen, und außerhalb davon existiert dieser Baum
nicht. Darum ist es das Sein dieses Baumes. So verhält es sich
auch mit dem Sein des ganzen Universums, uns eingeschlossen. „Du
bist DAS“, sagte der Vater. Man kann es zu jedem Zweig des Baumes
sagen, du bist diese Essenz’. Das gleiche gilt für
jedes Blatt, jede Frucht und jede Blüte des Baumes. Und man begeht
damit keinen Fehler, wenn man sagt:Du bist DAS’, denn
es ist wahr. Dieses gilt auch für alle Individuen: Du bist
DAS’, denn alle Individuen stammen von dieser nicht-wahrnehmbaren
homogenen Wirklichkeit ab. „Bitte, gib mir noch ein anderes Beispiel“,
bat der Sohn seinen Vater.
13. Der innewohnende Geist
am Beispiel von Salz und Wasser
„Bring mir eine Tasse mit Wasser und streue etwas Salz hinein“,
sagte Uddalaka. Der Junge brachte das Gewünschte. „Komm’ morgen
früh wieder“, sagte der Vater. Am nächsten Morgen erschien
der Junge wieder bei seinem Vater. Der Vater sagte: „Gestern
hast du Salz in das Wasser getan. Gib mir dieses Salz.“ Der Junge
suchte das Salz in der Tasse, doch es hatte sich aufgelöst. Es
war eins mit dem Wasser geworden, und er Junge konnte dem Vater das
Salz nicht bringen.
Der Junge sagte: „Im Wasser ist kein Salz zu sehen.“ Uddalaka
sagte: „Nun werde ich dir beweisen, dass das Salz noch da ist.
Nimm ein Schluck aus der Tasse und sag’ mir, was du schmeckst.“ „Es
schmeckt salzig“, sagte der Junge. „Nimm noch einen Schluck
von der Mitte und sag mir, wie es schmeckt.“ „Es schmeckt
salzig.“ „Alles ist salzig.“ „So nun sag mir,
ob das Salz immer noch existiert oder nicht?“ „Ja, es existiert.“ „Aber
es ist nicht sichtbar, nicht wahr?“ „Richtig, ich kann
es nicht sehen!“
Nun dieses ist der Beweis dafür, dass wir bestimmte Dinge nicht
sehen können, obwohl sie existieren. Das Salz hat sich im Wasser
aufgelöst und ist deshalb nicht mehr sichtbar. Es kann nur noch
mithilfe der Geschmacksorgane erschlossen werden. Wir können das
Salz zwar nicht mehr sehen, aber wir können es schmecken. Ähnlich
verhält es sich mit dem Sein, das ist mit der Substanz dieser
Schöpfung untrennbar verbunden ist. Auf die gleiche Weise verhält
es sich mit dem Salz im Wasser, doch wir können dessen Existenz
nur noch durch unsere Geschmacksnerven erkennen. Wir können allerdings
das Sein in den Einzelheiten dieser Welt nicht durch unsere Organe
wahrnehmen, denn das Sein ist mit den Einzelheiten verschmolzen. Doch
auf einem anderen Wege, als mit unseren Sinnen und unserem Geist, können
wir das Sein in all den Einzelheiten erkennen. Dann werden wir feststellen,
dass ES überall im Universum vorhanden ist, so wie das Salz in
salzigem Wasser. Was auch immer wir berühren, wir berühren
nur DAS, so wie bei der Berührung des salzhaltigen Wassers, das
insgesamt salzhaltig ist.
„Doch wobei handelt es sich um den anderen Weg? Bitte gib mir
entsprechende Anweisungen“, sagte der Junge. Wie ist es möglich,
eine Einsicht in diese Wirklichkeit zu erlangen, die überall in
allen Formen gegenwärtig ist. Weder der eigene Intellekt noch
die Sinne können helfen. Die Sinne sind nützlich, wenn es
um die Kontaktaufnahme mit Äußerem geht, und alles, was
nicht äußerlich ist, kann kein Objekt ihrer Wahrnehmung
werden. Doch dieses Sein, von dem wir sprechen, ist nicht äußerlich,
nicht außerhalb, und kann deshalb kein Objekt der Sinne sein.
Der Geist kann das Sein nicht wahrnehmen, denn die Funktion des Geistes
liegt in der Synthese der Wahrnehmungen der Sinne, ist eine Organisation
von Gefühlen und Wahrnehmungen. Sie sind eine Art von Koordination
und eine Methode, um die chaotische Masse von Wahrnehmungen zu sortieren,
mit bisherigen Erfahrungen zu vergleichen und zuzuordnen. Der Geist
sieht nichts, was nicht durch die Sinne wahrnehmbar ist. Er hilft nur
bei der Einführung einer logischen Sequenz und stellt dabei einen
logischen Zusammenhang bei der Vielzahl der Eindrücke her. Der
Geist kann mit seinen Sinnen nichts anderes als erkennen, wahrnehmen,
zuordnen, speichern und mit bisherigen Eindrücken vergleichen.
Dabei ist der Intellekt in der Lage, irgendwelche Rückschlüsse
zu ziehen, die sich auf die Erfahrungen der Sinneseindrücke beziehen.
Der Geist und der Intellekt kooperieren und bestätigen nur das,
was die Sinne ihnen erzählen. Und wenn die Sinne nutzlos sind,
sind Geist und Intellekt ebenfalls nutzlos. Die einzige Bedeutung,
die dem Geist bzw. Intellekt zuzusprechen ist, liegt in der besonderen
Fähigkeit, auf eine höhere Wirklichkeit zu folgern, da er
weniger abgelenkt ist als die Sinne, und da er eine größer
Kraft als die Sinne besitzt, welche unabhängig von den Sinnen
wirkt. Der Geist ist also mit einer besonderen Kraft ausgestattet,
die allgemein nicht sichtbar ist, die aber mithilfe eines Meisters
entwickelt werden kann, und die dann dazu genutzt wird, um eine Innsicht
der Wirklichkeit zu erlangen.
Aus diesem Grunde nutzt Uddalaka diese Illustrationen. Angenommen
jemand wird beraubt, an Händen und Füßen gefesselt
und irgendwo in der Wildnis an unbekanntem Ort zurückgelassen.
Der Beraubte wusste nicht wo er war, denn man hatte ihm auch seine
Augen verbunden. Er hatte nur bemerkt, dass man ihn irgendwohin verschleppt
hatte. Er war verzweifelt. Das einzige, was er tun konnte, war, um
Hilfe zu schreien. Sein Intellekt wird ihm in der Situation nicht viel
nützen, denn seine Augen waren ja verbunden. Unter solchen Umständen
kann nur etwas helfen, das sehen kann. Jemand der sehen kann und ihn
findet, hilft und ihn führt. Es gibt keinen anderen Ausweg. Wir
alle sind blind, denn wir haben alle die Sicht der spirituellen Wirklichkeit
verloren. Wir leben alle in einer spirituellen Dunkelheit. Daher kommen
unsere Sorgen. Doch wo ist der Ausweg?
14. Der innewohnende Geist
die Notwendigkeit eines Gurus
Jemand lebte an einem Ort, genannt Gandhara, und wurde von Wegelagerern überfallen
und ausgeraubt. Man fesselte ihn und verband ihm seine Augen. Man nahm
ihn mit und brachte ihn in einen dichten Wald, wo Tiger, wilde Bestien
usw. hausten. Dort ließ man ihn liegen. Der arme Mann schrie: „Ich
bin verloren, ich weiß nicht, wo ich bin. Ist da jemand, der
mir helfen kann? Hört mich jemand?“ Das war alles, was er
tun konnte. Dann kam ein guter Samariter vorbei. Der löste seine
Verschnürung, nahm ihm die Augenbinde ab und sagte: „Wie
bist du hierher gekommen. Woher kommst du?“ Der arme Mann antwortete: „Ich
bin aus Gandhara gekommen, und jetzt weiß ich nicht, wo ich bin.
Wie komme ich wieder dorthin zurück?“ Daraufhin sagte der
freundliche Samariter: „Du verlässt diesen Ort in diese
Richtung, bis du einen großen Baum findest. Dann wendest du dich
nach rechts und gehst noch zwei Meilen weiter. Dann findest du ein
Dorf. Von dort wendest du dich nach Osten und wirst bald einen Wegweiser
finden. Nun mach’ dich auf. Du wirst sicher dein Ziel finden.“
Dieses ist eine Analogie, um die Situation der Menschen in dieser
Welt zu beschreiben. Sie wurden von zu Hause verbannt und von Räubern,
den Sinnen, in die Wildnis geworfen, und können Dinge nicht richtig
erkennen. Sie wissen nicht, woher sie gekommen sind. Sie haben sich
verlaufen, und die Sinne sind nicht in der Lage zu helfen. Der Geist
ist verwirrt. Es bleibt nur ein Ausweg, d.h., um Hilfe zu bitten. So
wie der Beraubte, der in der Wildnis, wie ein Blinder, verloren scheint,
einen Sehenden um Hilfe bitten muss, um den rechten Weg wieder zu finden,
so müssen sich die Menschen in der Unwägbarkeit des Lebens
einem spirituellen Führer anvertrauen, der die Gegenwart der Wirklichkeit
visualisieren kann, die das Ziel aller Menschen ist. Solch eine spirituelle
Führungspersönlichkeit wird als Acharya, spiritueller Meister,
bezeichnet. Er ist Lehrer, er ist Guru. Es gibt keinen anderen Ausweg
aus dem Durcheinander des Lebens, ausgenommen unter Führung eines
Lehrers, eines Gurus, der diese Erfahrungen des Lebens durchgemacht
hat. Er hat die Torturen der Existenz, des Leids erlebt, und ist selbst
windende und düstere Pfade gegangen. Er weiß, woher jemand
gekommen ist und wie er dorthin wieder zurückkehren kann. Mithilfe
der Anweisung eines Meisters ist der Schüler in der Lage, schrittweise
voranzuschreiten.
Die Analogie des guten Samariters erzählte dem Hilflosen mit
den verbundenen Augen, wie er zu seinem Haus schrittweise, mithilfe
verschiedener Hinweise, wieder zurückfinden kann. Genauso verhält
es sich mit den Hinweisen in den Schriften. Die Instruktionen des Gurus
sind die Merkmale auf dem Weg. Wir erfahren aus dem Dilemma, in dem
wir uns jetzt befinden, welchen Schritt wir als nächstes machen
müssen. Wir können das Ziel natürlich nicht direkt erreichen.
Möglicherweise ist es hunderte von Meilen entfernt. Das bedeutet,
dass wir uns sehr bemühen müssen. Darum gehen wir zunächst
drei Meilen in eine Richtung, dann finden wir eine Straße, die
automatisch weiter nach rechts verläuft. Am Weg finden wir dann
einen riesigen Banyan-Baum. Dort biegen wir nach links ab. Dann gehen
wir wieder 10 Meilen auf diesem Weg, bis wir zu einem Dorf kommen.
Dort ruhen wir uns aus. Dann gehen wir nach Westen usw. Dieses vergegenwärtigt
die immer höher werdenden Ebenen des Bewusstseins, zu denen wir
uns emporschwingen müssen, wobei wir verschiedene Hindernisse
zu überwinden haben. Auf diese Weise werden wir durch die Meister
instruiert.
Wir sind aus der früheren ursprünglichen Existenz herausgefallen.
Das geschah nicht plötzlich, sondern Tropfenweise. Es war ein
langsamer Prozess über viele Stationen, wodurch das Bewusstsein
sich selbst verfangen hat und in den bedauerlichen Zustand des irdischen,
körperlichen, objektiven Bewusstseins gelangt ist, wobei es das
universale Bewusstsein verloren zu haben scheint. Um zum ursprünglichen
Zustand zurückzukehren, reicht es nicht, irgendein Flugzeug zu
besteigen und dorthin zu fliegen. Es gibt keinen direkten Weg, sondern
es ist ein sehr vielschichtiger Prozess. Wir können nicht über
bestimmte Entfernungen hinausschauen. Darin liegt die Schwierigkeit
auf diesem Weg. Wir können nicht irgendeine Brille aufsetzen und
alles direkt bis zum letzten Punkt überschauen. Der Weg scheint
wie eine dunkle unübersehbare Gasse, wie es heißt. Wir können
nur über den einen Punkt hinausschauen, den wir gerade erreicht
haben. Auf dem Weg gibt es viele dieser Punkte. Darum ist es für
den enthusiastischen Sucher belanglos, die Natur des Absoluten direkt
zu erkennen. Wenn jemand einen weiten Weg gehen muss, um sein Ziel
zu erreichen, muss er zunächst eine bestimmte Entfernung zurücklegen.
Dazu muss er verschiedene Methoden einsetzen. Er kann das Auto benutzen.
Manchmal muss er sogar mit dem Flugzeug fliegen. Manche Entfernungen
müssen zu Fuß zurückgelegt werden, und nicht überall
steht das passende Fortbewegungsmittel zur Verfügung. Entsprechend
verhält es sich mit der Sadhana-Praxis. Dieselbe Methode funktioniert
nicht überall. Es handelt sich nicht immer um die gleiche stereotype
Routine, die wir zu Anfang erlernen und bis zum Ende anwenden können.
Nach einem bestimmten Punkt oder nachdem eine bestimmte Wegstrecke
hin zum Absoluten zurückgelegt wurde, müssen wir die Methode
wechseln, die Geschwindigkeit in der Vorgehensweise muss geändert
werden oder wir benötigen eine andere Art der Führung. Es
ist genauso wie bei einer Reise, oder wie bei der Behandlung einer
Krankheit, oder wie bei einer Lehrmethode, sei sie weltlich oder spirituell.
Bestimmte Stufen müssen erreicht werden, und doch erfährt
man nicht alles auf einmal. Es ist sinnlos alles zu erklären,
denn der Geist ist nicht in der Lage, alles direkt zu begreifen.
So wie der Mann mit den verbundenen Augen seine Anweisungen von dem
guten Samariter erhält, so muss die suchende Seele Anweisungen
von einem spirituellen Meister bekommen. Und so, wie der verirrte Mensch
in diesem Beispiel nach Hause möchte und nicht an eine ausschweifende
Besichtigung von Sehenswürdigkeiten interessiert ist, so ist auch
die Seele nur an ihr Ziel interessiert und will nicht die Zeit mit
Besichtungen irgendwelcher weltlicher Dinge verschwenden. Der Meister
wird dem Suchenden zu verstehen geben: Dieses ist der Weg’.
Auf dem Weg werden dem Suchenden viele Dinge begegnen. Er sollte damit
allerdings keine Zeit verschwenden. Es sind nur Erfahrungen, die er
auf dem Weg machen muss. Wenn jemand in die nächst größere
Stadt fährt, sieht er auf dem Wege viele Dinge, doch er ist daran
nicht sonderlich interessiert. Es geht einem nur um das anvisierte
Ziel. Nichtsdestotrotz gibt es viele andere Dinge auf dem Weg zu sehen.
Doch diese Dinge sind nicht von Belang. Genauso verhält es sich
mit der aufsteigenden Seele hin zum Absoluten. Der Sucher macht auf
seinem Weg viele Erfahrungen. Er mag viele Visionen haben, Dinge, die
schöner sind als alles Weltliche. Doch er interessiert sich dafür
nicht, denn es handelt sich nur um Haltepunkte, vorübergehende
Phänomene. Und so, wie der Mann mit den verbundenen Augen nur
nach Hause will, und nicht an irgendwelche Plätze auf dem Weg
dorthin interessiert ist, so sollte sich auch der spirituelle Sucher
auf dem Weg zurück zu seiner Quelle verhalten, der viele Erfahrungen
durchmacht, an denen er sich nicht festklammern sollte. Auf diese Weise
kann die Seele ihr großes Ziel erreichen.
Was ist der Weg? Der Weg ist der Acharya, der Guru, der Lehrer oder
der Meister. Es gibt keinen anderen Weg. „Nur jemand, der einen
richtigen Lehrer hat, kann die Wahrheit verwirklichen“, heißt
es in dieser Upanishad. Niemand sonst kann diese Wahrheit durch eigenes
Bemühen, mithilfe des Geistes, des Intellekts oder der Sinne erreichen.
Keine noch so umfangreiche wissenschaftliche Analyse oder kein noch
so umfangreiches Studium der Schriften allein kann zum Ziel führen
oder kann sogar nutzlos sein. Es bedarf einer direkten Führung
von jemand mit persönlicher Erfahrung. So ein Mensch ist ein Acharya,
ein Lehrer, der weiß, was Wahrheit bedeutet. Es ist derjenige
gesegnet, der solch eine Führung hat. Nur dann wird der Suchende
solange an diese Welt gebunden sein, bis er seinen Körper abschüttelt.
Solange wie er an die körperliche Individualität gebunden
ist, solange sein Prarabdha-Karma anhält, d.h. solange er bestimmte
Erfahrungen durchlaufen muss, solange wird er auf Erden bleiben. Sanchita-Karma
wird durch Wissen zerstört. Agami-Karma existiert für solche
Menschen nicht, doch Prarabdha-Karma besteht fort. Prarabdha ist die
Bezeichnung für wiederkehrende Folgen aus Handlungen, die diesen
Körper zur Wiedergeburt gebracht haben, d.h. diese unsere Individualität,
mit der wir durch dieses Leben gehen und mit der wir verschiedene Erfahrungen
machen müssen. Wenn wir in der Lage sind, diesen Kurs der Veränderungen
zu vervollständigen, dann werden wir in das Grenzland der Freiheit
eintreten. Wir sind also nur solange an dieses Leben, diese Welt gebunden,
solange dieser Körper da ist. In dem Augenblick, wenn dieser Körper
verlassen wird, sind wir frei, dann gibt es nichts mehr, was uns bindet.
All unser Karma wurde durch Meditation und durch die Handlungen in
unserem Leben zerstört. Sie werden uns nicht binden, denn es sind
keine selbstsüchtigen Handlungen. Sie sind nicht durch die körperliche
Individualität motiviert. Sie werden durch das Wissen einer höheren
Wahrheit angetrieben, und darum werden uns die Handlungen des gegenwärtigen
Lebens, die Agami-Karmas, nachdem das Wissen sich erhoben hat, nicht
binden. Diese Persönlichkeit wird auch nicht durch Sachita-Karmas
beeinflusst, d.h. durch Handlungen aus früheren Leben. Sie beide
wurden durch das Wissen verbrannt. Das einzige, was bleibt, ist Prarabdha.
Wenn dieses vergangen ist, dann ist jede Art von Bindung vergangen.
Dann erreichen wir das große Sein. Dieses Sein ist die Wahrheit
aller Dinge.
Nach seinen Ausführungen sagte Uddalaka: „Oh Svetaketu
hast du verstanden, was ich dir mit all dem sagen will. Diese größte
subtile Essenz aller Welten ist die Wahrheit, der Atman, die absolute
Wirklichkeit in dir, und du bist DAS.“ „Gib mir noch weitere
Erklärungen, Meister“, sagte der Junge.
Worin besteht der Unterschied zwischen jenen Menschen, die bewusst
das Absolute verwirklicht haben und jenen, die unbewusst durch den
Tod oder Tiefschlaf in das Absolute eingetreten sind? Warum erreichen
nicht alle gleichermaßen die Verwirklichung nach dem Tod, wo
doch die Voraussetzung für die Befreiung das Abwerfen des Körpers
ist? In der Upanishad heißt es, dass man Befreiung erreicht,
wenn man seinen Körper verlässt. Und warum erlangt nicht
jeder Befreiung, wenn er in den Tiefschlaf eintritt oder stirbt? Es
gibt offensichtlich Unterschiede zwischen jenen, die Kenntnis haben,
und jenen ohne Wissen. Nichtsdestotrotz werfen beide früher oder
später ihre Körper ab, und beide werden in die Wirklichkeit
geworfen. Doch worin besteht ihr Unterschied? Dieses wird wiederum
an Hand anderer Beispiele erläutert. Dieses Kapitel ist voller
Analogien.
15. Der innewohnende Geist
der Auftrag zur Verschmelzung
Wenn jemand krank ist und dabei ist, diese Welt zu verlassen, dann
sitzen seine Freunde und Verwandten um ihn herum. Er wird gefragt: „Erkennst
du uns? Weißt du, wer hier sitzt?“ Wenn seine Sinne noch
aktiv sind, wird er sie erkennen. Doch wenn sich seine Sinne in den
Geist zurückgezogen haben, dann kann er nur noch denken, aber
nicht mehr sprechen. Er kann sich nur noch an seine Verwandten erinnern,
doch er sieht sie nicht mehr um sich versammelt. Zum Zeitpunkt des
Todes geschieht ein schrittweises Zurückziehen der organischen
Körperfunktionen. Die körperlichen Sinne werden durch bestimmte
Kräfte aktiviert, was den Sterbenden zur Wahrnehmung treibt. Wenn
der Zweck der körperlichen Existenz in dieser Welt beendet ist,
gibt es für die Sinne keine Arbeit mehr. Wenn man lebt, handeln
die Sinne aufgrund von Prarabdha-Karma auf bestimmte Art und Weise,
sodass von Prarabdha-Karma erwartet wird, das Leben zu beenden. Wenn
dieser Augenblick gekommen ist, gibt es für diesen Körper
keinen Sinn mehr, hier in dieser Welt Erfahrungen zu machen. Dann verstehen
die Sinne, dass sie mit diesem Körper nichts mehr anfangen können.
Sie wollen dieses Instrumentarium, den Körper, loswerden. Darum
ziehen sie sich selbst zurück. Dann kann der Körper für
die Sinne die Funktion nicht mehr ausüben. Was sind das für
Sinne? Es sind die Energien, die durch den Geist angetrieben werden.
Es ist der Geist, der seine Fühler, d.h. die Sinne in Form der
Sinnesorgane, durch die Körperöffnungen steckt. Durch das
Ende von Prarabdha-Karma, beenden sich auch die Funktionen eines Individuums
in einem bestimmten Körper, die Sinne werden in den Geist zurückgezogen.
Dann kann der Sterbende zwar denken, aber nicht mehr sehen, nicht mehr
sprechen. Seine Organe hören auf zu funktionieren. Er ist praktisch
tot. Er liegt leblos auf seinem Bett, doch Leben ist noch vorhanden.
Solange wie sich der Geist noch nicht in eine höhere Wirklichkeit
in sich selbst zurückgezogen hat, kann er denken. Ansonsten wäre
selbst das Denken nicht mehr möglich. Im letzten Augenblick, wenn
er stirbt, hört das Denken auf. Nicht nur das Sprechen und die
anderen Sinne stoppen ihre Aktivitäten, sondern selbst der Geist
stoppt seine Funktionen und der Sterbende kann nicht mehr denken. Wenn
man zu jemand in dieser Situation spricht, kann er nicht mehr antworten.
Er wird nicht reagieren. Er wird keine Anzeichen machen, etwas gehört
zu haben. Das ist die Situation, wo sich nicht nur die Sinne in den
Geist zurückgezogen haben, sondern sich der Geist in die Pranas
(Lebensenergien) zurückgezogen hat. Es ist nur noch der Atem aktiv,
doch weder Denken noch Sinne. Dann heißt es, er lebt noch. Er
atmet. Jemand holt etwas Baumwolle, hält sie an seine Nase, um
zu sehen, ob er noch lebt. Wenn sich die Baumwolle noch bewegt, lebt
er noch, ansonsten wäre er tot.
Die erste Stufe des Zurückziehens ist das Auflösen der Sinne
in den Geist. Die zweite Stufe des Zurückziehens ist die Auflösung
des Geistes in Prana, worin sich der Atemprozess fortsetzt, das Leben
existiert noch. Doch es existieren jetzt weder Denken noch Gefühl.
Was geschieht dann? Der Atem wird dann in das Feuerprinzip zurückgezogen,
was als Wärme im dem System angesehen wird. Solange Wärme
im System vorhanden ist, existiert noch ein Element des Lebens. Wenn
die Wärme vergangen ist, wird der ganze Körper kalt und die
Glieder fangen an zu zucken. Dann verlieren wir alle Hoffnung, denn
es ist zu Ende. Prana hat sich in das Feuer-Prinzip zurückgezogen.
Wenn die Sinne sich zurückgezogen haben, ist immer noch der Geist
aktiv. Wenn der Geist sich zurückgezogen hat, ist Prana noch aktiv.
Wenn Prana sich zurückgezogen hat, ist nur noch die Wärme
vorhanden. Wenn das Feuer bzw. die Wärme als Letztes vergangen
ist, dann ist das Leben vorüber und der Mensch verlässt diese
Welt und betritt eine andere. Wenn sich die Wärme in das absolute
Bewusstsein zurückgezogen hat, dann gibt es weder Bewusstsein
noch körperliches Leben.
Individuelles Leben verlöscht in einem schrittweisen Prozess
des Zurückziehens von äußeren Funktionen nach innen,
bis sie letztendlich in die absolute Wirklichkeit zurückgezogen
werden, d.h. Samanya Satta (in alle Dinge). Der Mensch erreicht dann
einen Zustand wie im Tiefschlaf. Er weiß nicht, was mit ihm geschieht.
Er weiß nicht, dass er stirbt. Das ist Unterbewusstsein. Es entsteht
ein plötzliches Emporheben des individuellen Seins von einer Ebene
auf eine andere. Man nimmt nicht wahr, dass man eingeschlafen ist.
Wie sehr man sich auch immer bemühen mag, diesem Einschlafprozess
bewusst zu folgen, man weiß es nicht. Man ist plötzlich
eingeschlafen. Das ist alles. Entweder man ist eingeschlafen oder nicht.
Es gibt keine Alternative, denn ein Zwischenstadium der Wahrnehmung
ist unmöglich. Genauso verhält es sich, wenn jemand in diese
Allgemeinheit des Seins eintritt, wo er sich einzelner Dinge nicht
bewusst ist und auch den Kontakt zur Welt des Äußeren verloren
hat. Dieses geschieht in dem Augenblick des Zurückziehens der
individuellen Seele in die absolute Seele, d.h. im Befreiungsprozess
und im Augenblick des Todes. Aus dieser Sicht des äußeren
Geschehnisses, d.h. des Zurückziehens, sind der Tod und die Befreiung
identisch. Das, was mit dem Sterbenden geschieht, widerfährt dem
Menschen auch in der Befreiung. Doch es gibt einen großen Unterschied.
Der Unterschied ist offensichtlich. Er bedarf keiner Erklärung.
Der Mensch wurde nicht in der Wildnis ausgesetzt oder in eine Vergessenheit
entlassen, wenn er die höheren Stufen der bewussten Ausdehnung
betritt. Andererseits gibt es im Augenblick des Todes ein unbewusstes
zwanghaftes Zurückkehren hin zu den Quellfunktionen. Im Tode gibt
es keine Transzendenz. Es findet eine automatische Rückkehr statt.
Im Prozess der Selbstverwirklichung gibt es jedoch diese Transzendenz,
sodass es keine derartige Rückkehr gibt. Wenn man eine bestimmte
Erfahrung gemacht hat, kehrt man zu dieser Erfahrung nicht mehr zurück.
Doch, wenn man gezwungen wurde, eine bestimmt Erfahrung als unvollkommen
auszulassen, bleibt der innere Wunsch nach dieser Erfahrung bestehen,
und man kommt unwillkürlich darauf zurück, um diese Erfahrung
zu vollenden.
Wenn jemand stirbt, merkt er nicht, dass er das Sein aller Dinge betritt,
denn es geschieht unbewusst. Wenn dieses Sein bewusst verwirklicht
bzw. erfahren wird, wird es Gottverwirklichung oder Selbstverwirklichung
genannt, wo man im Augenblick des Todes und des Tiefschlafes unbewusst
hineingeworfen wird. Dieses absolute Sein aller Dinge ist die Essenz. „Du
bist DAS“, betonte Uddalaka noch einmal. „Lieber Vater,
fahre fort“, sagte Svetaketu.
Diese Lehren werden mit einem weiteren Beispiel abgeschlossen. In
früheren Zeiten gab es ein System um herauszufinden, wer ein Dieb
war und wer nicht. Die Methode bestand darin, alle Verdächtigen
zusammen vor Gericht beim König zu bringen. Eine Axt wurde zum
Glühen gebracht und zum König gebracht. Jeder Verdächtige
sollte sie nun berühren. Das Prinzip lag darin, dass der Schuldige
sich bei der Berührung der Axt verbrennt, wohingegen Unschuldige
sich bei Berührung der glühenden Axt nicht verbrennen würden.
Es gibt eine Ähnlichkeit bei der Berührung in beiden Fällen,
doch gibt es auch einen Unterschied. Dieses Beispiel wurde Svetaketu
von seinem Vater Uddalaka erzählt, um den Unterschied zwischen
der verwirklichten und der unwissenden Seele darzulegen.
16. Der innewohnende Geist
am Beispiel eines Gottesurteils
Die Diener des Königs ergreifen einen Mann und sagen: „Hier
ist der Schuldige, hier ist der Dieb, der Räuber. Man bringe die
Axt zum Glühen.“ Wenn jemand, von dem behauptet wird, dass
er gelogen hätte, die erhitzte Axt berührt und das Fehlverhalten
durch die verbrannten Hände sichtbar wird, wird er, als Konsequenz
seiner Handlungsweise, bestraft. Doch wenn er unschuldig ist, wie sich
beim Berühren der Axt herausstellen mag, wird er nicht bestraft
und kann das Gericht wieder als freier Mann verlassen. So verhält
es sich auch mit der Seele, die entweder gebunden oder nicht gebunden
ist. Das Kriterium für eine Bindung oder Nicht-Bindung ist nicht
der Körper. Das Berühren der Axt gilt für beide, d.h.
für den Schuldigen ebenso wie für den Unschuldigen, doch
die Konsequenzen sind unterschiedlich. So ist es auch bei Menschen,
die wissen und denen, die nicht wissen. Trotz der Tatsache, dass beide
körperlich sind, und dass beide dieselben Stufen der Aufstiegs
durchlaufen müssen, ist derjenige ohne Wissen gebunden, während
derjenige mit Wissen frei ist. Die verwirklichte Seele mag solange
an einen Körper gebunden sein, wie Prarabdha sich genauso fortsetzt
wie bei einer gebundenen Seele. Doch der Unterschied ist, dass die
körperliche Gegenwart oder Existenz sich auf die gebundene Seele
auswirkt, während es die befreite Seele nicht berührt. Diese
Bedingung, unter der die wissende Seele im Körper residiert, nennt
man Jivanmukti, d.h. Befreiung zu Lebzeiten. Der Körper ist da,
doch er hat keinen Einfluss auf das Bewusstsein. Der Geist hat die
Kraft, die Schmerzen, bedingt durch die Existenz der Körpers,
zu ertragen. Das Hochgefühl, das durch die Berührung des
Körpers mit den Sinnesobjekten hervorgerufen wird, und das man
sich normalerweise wünscht und mag, oder die Ablehnung und der
Hass von Sinnesobjekten, lässt die befreite Seele ungerührt.
Einige Lehrer benutzen ein anderes Beispiel; das Beispiel von dem
Inneren einer Kokosnuss und ihrer Schale. Die frische Kokosnuss hängt
an ihrer Schale fest. Das ist die gleiche Bedingung wie bei der gebundenen
Seele. Das Bewusstsein klebt ebenfalls an seiner Schale, nämlich
an den Körper. Doch im Fall der befreiten Seele befindet sich
das Bewusstsein ohne Zweifel auch innerhalb des Körpers, doch
es klebt nicht an seinen Körper, so wie eine innerlich trockene
Kokosnuss die Schale nicht berührt. Die Kokosnuss gibt eine Art
Blubbern von sich, wenn man sie schüttelt. Sie hat sich von ihrer
Schale gelöst, obwohl sie sich immer noch dort befindet. Genauso
verhält es sich mit dem Bewusstsein, das nicht auf den Körper
beschränkt ist, obwohl es sich dort befindet.
Es ist in beiden Fällen eine Tatsache, dass sich die Sinne in
den Geist, der Geist in Prana, Prana in das Feuer, die Hitze des Feuers
in das absolute Sein zurückzieht, doch bei der Befreiung handelt
es sich um eine schrittweise Transzendenz und um einen bewussten Prozess
des Aufstiegs. Wenn man sich bewusst in eine bestimmte Richtung, entsprechend
seiner Bestimmung, d.h. auf sein Ziel zubewegt, dann weiß man
was geschieht, was man durchmacht, welche Stufen man besteigt, welche
Entfernung man vor sich hat usw. Wenn man die noch zurückzulegende
Entfernung kennt, ist man nicht erschöpft, weil man genau weiß,
welchen Weg man zurückgelegt hat. Man ist sich jedes Punktes auf
seiner Reise bewusst. Doch angenommen, man weiß nicht, wie weit
es insgesamt ist oder welche Entfernung man noch vor sich hat, man
kennt nicht die genaue Richtung, dann fühlt man sich erschöpft.
Und angenommen, es würden einem zusätzlich noch die Augen
verbunden. Dann weiß man, welche Qualen dieser Mann im Beispiel
der Upanishad erlitten hat. Dieses ist der Unterschied zwischen einem
Befreiten, der in einem Körper lebt, und einem Nicht-Befreiten,
der in seinem Körper gefangen ist. Dieses ist der Unterschied
zwischen der Selbst-Transzendenz zur Befreiung und dem erzwungenen
Rückzug der Sinne beim Tod. Dieses ist der Unterschied zwischen
Tod und Selbstverwirklichung. Dieses ist auch der Unterschied zwischen
Tiefschlaf und Selbstverwirklichung. Die Wünsche des Geistes werden
im Tiefschlaf nicht zerstört, und darum findet eine Rückkehr
vom Tiefschlaf in den Wach- oder Traumzustand statt. Die Wünsche
des Geistes werden selbst im Tod nicht zerstört, und darum kommt
es zur Reinkarnation nach dem Tod. Doch die Wünsche des Geistes
werden durch die Selbstverwirklichung zerstört, und darum findet
keine Rückkehr mehr nach dem Tod statt.
Die Ursache für die Geburt eines Körpers in dem Prozess
der Reinkarnation ist die Gegenwart eines Wunsches nach einer bestimmten
Erfahrung. Das Karma bezieht sich auf ein Reservoir potenzieller Handlungen,
das früher oder später gedeiht, wie eine Pflanze, die sich
aus einem Saatkorn entwickelt. Die Saat mag in einem trockenen Boden
liegen, auf Regen oder gute Bedingungen warten, um irgendwann zu sprießen.
So verhält es sich auch mit Sanchita-Karma (Gesamtgruppe der Handlungen
in früheren Geburten), die die Saatkörner aus den früheren
Geburten bilden. Doch die Bedingungen haben sich noch nicht eingestellt,
da Prarabdha-Karma ihre Offenbarung verhindert. Der Druck auf das Prarabdha,
der sich unter dem Prozess der Erfahrungen befindet, erlaubt das Erblühen
anderen Karmas aufgrund des Gewichts vorangeganger Handlungen in der
Sanchita-Gruppe nicht, doch späteres Karma liegt bereits auf der
Lauer und wartet nur auf die entsprechende Gelegenheit um sich zu offenbaren.
Wenn das Prarabdha vorüber ist, d.h. die Erfahrungen, die man
durch diesen Körper machen musste, dann erfolgt der Tod. Danach
folgt eine nächste Gruppe von Karmas. Das ist der bedingte Faktor
für eine neue Geburt. Was man im nächsten Leben wird, in
der nächsten Inkarnation, hängt von der Natur der nächsten
starken Zusammensetzung des Karmas ab, das bereits im Reservoir der
Sanchita-Gruppe wartet. Dieses sind nur schwer zu verstehende Dinge,
denn man weiß nie zuvor welches Karma gerade heranreift. Man
weiß nicht, ob eine Handlung zu einer, zwei oder mehreren Wiedergeburten
führt, oder ob zwei, drei oder mehrere Handlungen zusammen zu
einer Wiedergeburt führen. Man weiß nicht, ob Karma aus
Handlungen dieses Lebens Anlass zur nächsten Wiedergeburt gibt,
oder ob sich gar bei einer Wiedergeburt Handlungen aus früheren
Leben mit einem oder mehreren Karmas aus dem derzeitigen Leben vermischen.
Alles das ist für jemanden unverständlich, der nicht allwissend
ist. Doch eines ist sicher, alle Handlungen hinterlassen eine Art von
Rest oder eine Spur, genannt Apurva, was zum Inhalt von Sanchita oder
Anandamaya-Kosa in uns wird. Wir tragen diese Reste mit uns, wo auch
immer wir hingehen, und diese werden auch selbst bei unserem Ableben
nicht zerstört, denn der Tod ist nichts weiter als eine Erschöpfung
nur eines bestimmten Anteils des Karma aus unseren Handlungen und nicht
des ganzen. Doch Sanchita wird durch das Feuer des Wissens zerstört,
wenn der Mensch Selbstverwirklichung erreicht. Dann findet keine Wiedergeburt
mehr statt.
Das ist der Unterschied zwischen Menschen, die zur Wirklichkeit bewusst
durch Selbst-Transzendenz aufgestiegen sind, und jenen Menschen, die
nur sterben, um direkt wiedergeboren zu werden. Dieses ist das Wesen
der Lehren von Uddalaka an Svetaketu in diesem Abschnitt.
Zuerst gab der Heilige einige Erklärungen zum Schöpfungsprozess,
wie das Universum vom absoluten Sein, dem Sat, erschaffen wurde; er
erklärte die Bedeutung der Grundelemente Feuer, Wasser und Erde.
Er beschrieb, dass alles in der Welt nur aus diesen drei Elementen
besteht und nicht aus unterschiedlichsten Einzelheiten zusammengesetzt
wurde. Dann erklärte er, dass im Inneren des Körpers, wie
auch in der übrigen äußeren Welt, dieselben Prinzipien
am Werk sind, aus denen sich alles zu verschiedensten Mustern zusammensetzt.
Er beschrieb, wie Geist und Prana außerordentlich durch die Aktivitäten
dieser drei Elemente Feuer, Wasser und Erde beeinflusst werden, denn
alles besteht aus denselben Elementen bzw. Prinzipien, die untrennbar
sind und wirken. Er beschrieb, dass dieses Sein innerlich im Individuum
und äußerlich im Universum gleichermaßen präsent
ist. Dann erzählte er, dass dieses Sein das Ziel der Verwirklichung
aller Individuen ist, und dass dieses Sein in jeder noch so kleinen
Offenbarung gegenwärtig ist. Er sagte auch, dass ES unsichtbar
ist, denn es ist das Subjekt allen Wissens, dass ES ein all-durchdringendes
Prinzip ist, und dass ES die subtilste Essenz im Hintergrund aller
Existenz ist, und dass darum weder Geist noch Sinne dieses Sein wahrnehmen
könnten. Normales Wissen ist hier unzureichend, denn dieses ES
kann nur durch die Gnade und durch die Führung eines Gurus oder
Meisters erfahren werden. Auch wenn ein befreiter Meister und ein normaler
Mensch in demselben Erscheinungsbild in dieser Welt leben, so gibt
es doch einen Unterschied zwischen beiden. Der Unterschied ist in diesen
Menschen zu suchen. Der Befreite weiß was er ist, wohingegen
der andere nicht weiß, wer er wirklich ist. Der Unterschied liegt
im Wissen und Nichtwissen. Hierzu wird von Uddalaka ebenfalls ein Pfad
zur Befreiung angeboten.